Ausgabe 
17.8.1940
 
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Waffen, es ist nur ein Vorspiel, aber es genügt, um die Ueberlegenheit der deutschen Luftwaffe klar und eindeutig heraus^ustellen.

An dieser Tatsache vermögen auch alle verlogenen Dertuschungsversuche der britischen Propaganda nichts zu ändern. Wenn Churchill durch die Ein­beziehung weiterer drei Grafschaften in das Sperr­gebiet eine breite Zone des Schweigens von der Themsemündung im Osten bis zu den Scilly-Jnseln im äußersten Südwesten zwischen den von den deut­schen Bombenangriffen am meisten betroffenen Ge­bieten und dem übrigen Lande gelegt hat, um un­bequeme Augenzeugen von dem Operationsfeld der deutschen Luftwaffe fernzuhalten, so ist das ein Be­weis, wie sehr die britische Regierung die Wirkung der deutschen Angriffe auf die Moral des britischen Volkes fürchten muß. Aber trotz dieser Vorsichts­maßnahmen dringt genug in die Oeffentlichkeit des Inselreiches, um überall höchste Beunruhigung her­vorzurufen. Immer heftiger wendet sich auch die bri­tische Oeffentlichkeit selbst gegen die Schönfärberei der amtlichen Propaganda, die dem eigenen Volk und der Welt immer noch Erfolge vorzutäuschen sucht, wo nur bittere Niederlagen den Weg der Royal Air Force bezeichnen. Zu diesem Zweck ver­öffentlicht man in London über das Ergebnis der Luftkämpfe über dem Kanal Zahlen, die mit einer Frechbeit ohnegleichen die Verlustziffern, die das deutsche Oberkommando auf Grund einwandfreier Feststellungen bekannt gab, einfach auf den Kopf stellen. Wenn man sich im britischen Informations­ministerium an diesen Phantastereien berauscht und daran die Behauptung knüpft, daß die Angriffskraft der deutschen Luftwaffe ihrer Erschöpfung entgegen­gehe, so weiß die Welt längst, was es von solchen authentischen Mitteilungen" aus britischer Quelle zu halten hat. Man hat noch nicht vergessen, mit welchen Schwindelmeldungen der britische Nachrich­tendienst die Verrichtung des polnischen Heeres zu verheimlichen suchte, wie die britischen Landungs­truppen in Norwegen sich schon nach ihrer Flucht auf Namsö und Andalsnes auf die Schiffe begeben hatten, als das britische Informationsministerium den Zusammenbruch der deutschen Aktion in die Welt yinausposaunte und man in London sogar die Stirn hatte, die völlige Vernichtung des britischen Expeditionskorps vor Dünkirchen in einenglor­reichen Rückzug aus strategischen Gründen" umzu­fälschen. Selbst in der englischen Nachrichten gegen­über bislang bewunderungswürdig leichtgläubigen Presse der Vereinigten Staaten wecken die Unge- reiintheiten der britischen Informationen nur allzu berechtigte Zweifel.

Für das britische Volk selbst ist der amtlich zur Schau getragene Optimismus ein schwacher Trost, zumal es an den von der Regierung getroffenen Maßnahmen spüren und aus den dazu gegebenen Begründungen heraushören muß, daß ernste Sorge um die Erhaltung der Verteidigungskraft der Insel zu diesen Maßnahmen gezwungen hat, die so gar nicht zu dem Bild passen wollen, wie es Herr Duff Cooper, der Hexenmeister des Londoner Informa- tionsminifteriums, in Rundfunk und Presse seinem langsam stutzig werdenden Publikum immer noch vor­zugaukeln sucht. Wie sollen es sich z. B. auch die wohlmeinendsten Engländer zusammenreimen, wenn sie lesen müssen, daß die Schäden, die die Angriffe der deutschen Luftwaffe in Südengland angerich­tet haben, ganz belangloser Natur seien, wenn aber gleichzeitig der für den am meisten betroffenen Be­zirk zuständige Verteidigungskommissar geradezu flehende Hilferufe nach London richtet, in denen er um Verstärkung der Flak, Entsendung von Nacht­jägern, Ersatz der vernichteten Ballonsperren bittet und sogar vorschlägt, Arbeiter aus den Walliser Kohlenrevieren zu schicken, um die durch den stän­digen Alarm bis zur völligen Erschöpfung über­müdeten Arbeitskräfte der Rüstungsindustrien Süd- englands zu entlasten. Das ist überhaupt ein beson­ders heikles Kapitel der britischen Wirtschaftslage, denn es läßt sich nicht verheimlichen, daß zahlreiche Betriebe der Kriegsindustrie unter bedrohlichem Rohstoffmangel leiden, nachdem die deutschen Siege in Norwegen und auf dem westlichen Kriegsschau­platz England von seinen wichtigen Holz- und Erz- zufuhren abgeschnitten haben und die neugewon­nenen Stützpunkte die deutsche U-Bootwafse in den Stand setzen, die Blockade Englands mit ständig wachsendem Erfolg auch auf den Atlantik aus­zudehnen. Aber auch in der englischen Arbeiter­schaft scheint nicht alles so zu sein, wie es die amt­liche Propaganda glauben machen möchte. Jeden­falls stimmt es schlecht dazu, wenn der Leiter des britischen Arbeitsamtes, Ci tri ne, und der Ar­beitsminister B e v i n , beides selber ehemalige Ge­werkschaftsführer, Vorstellungen der Walliser Berg- arbeitergewerkschaft, die sich gegen eine Fortsetzung des Krieges aussprechen und Streiks und Unruhen voraussagen, mit der Drohung abtun, die Betriebe durch Truppen besetzen zu lassen, wenn die Berg­arbeiter Churchill die blinde Gefolgschaft aufsagen sollten.

Welchen Vers soll sich die britische Oeffentlichkeit auch daraus machen, wenn das Informationsmini­sterium gegenüber den deutschen Angaben, daß die britische Luftwaffe in den letzten acht Tagen mehr als ein halbes Tausend Maschinen" eingevüßt hat, mit eiserner Stirn glänzende Luftsiege der unüber­windlichen Royal Air Force zusammenschwindelt, aber in gleichem Atemzug immer dringendere Hilfe­rufe nach den Vereinigten Staaten richtet, Fertig­stellung und Lieferung der für England bestimmten Flugzeuge auf das äußerste zu beschleunigen, weil weder die heimische Flugzeugfabrikation noch die Kanadas imstande ist, die großen Lücken schnell ge­nug auszufüllen, die die vernichtenden Schläge der deutschen Luftwaffe in den Bestand der Royal Air Force gerissen haben. Aber nicht nur das, es macht sich auch schon der Mangel an Piloten sehr peinlich bemerkbar. Auch in der Luft hatte sich England auf die Hilfe und den Einsatz der anderen verlassen, um die eigenen Kräfte zu schonen. Das rächt sich nun bitter, wo England sich auf sich allein angewiesen sieht. Denn ein Pilot, der in einem modernen Luft­kampf seinen Mann stehen soll, ist nicht in ein paar Wochen heranzubilden. Welch starken Abgang Die Royal Air Force auch an Personal schon ge­habt hat, erhellt aus der Tatsache, daß man sich nicht nur zu einer überstürzten Ausbildung von Flugzeugbesatzungen entschließen mußte, sondern auch schon eine Werbekampagne in den Vereinig­ten Staaten aufgezogen hat, um amerikanische Flie­ger angeblich fürZivilflüge" an^uheuern. Aber das ist nur eine Form, um die Amerikaner nach England hinüberzubekommen, wo sie dann in den Kriegsdienst der Royal Air Force übernommen werden sollen. Wie das mit der offiziellen Neutra­litätspolitik der Vereinigten Staaten zu verein­baren ist, ist eine Frage, auf die man in Washington wohl um eine Antwort nicht verlegen sein wird. Daß nun aber England auch seinen Krieg schon und diesmal nicht aus freiem Wil­len, wie so oft in früheren Jahrhunderten, sondern aus bitterster Not auf dem vielleicht wichtigsten Sektor der modernen Kriegführung zu einem guten

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Deutlicher kann man die Mißachtung, die rein ding« liche Wertung wohl kaum ausdrücken, die man irt England allem Kolonialen entgegenbringt. Augen« fälliger kann man kaum demonstrieren, daß dis colony" für den Engländer nur ein kommerzielles und kein ethisches Interesse hat.

Eine ganz andere Klangfarbe hat das WortKo« lon-ie" im Deutschen. Es entspricht fast völlig dem lateinischen Stammwort. Wir Deutschen haben seit vielen Jahrhundertenkolonisiert". Zuerst, im 9. bis 11. Jahrhundert, die Gebiete östlich deö Elbe und im Oberlauf der Donau, in den folgenden Jahrhunderten immer weiter ostwärts drängend, in den Tagen der Ordensritter bis hinauf ins Baltt« (um. Hierbei war dasKolonisieren" eben eine ganz andere, sozusagen eine Herzensangelegenheit. Es galt, Neuland zu erwerben, unbekanntes und unbebautes Land unter den Pflug zu bringen und zur eigenen Heimat zu machen. Dieser Be­deutung des WortesKolonie" sind wir auch heute treu geblieben. Für uns ist es ein Erwerb von Neu­land mit Einsatz aller Kräfte, nicht zum Zwecke der Ausbeute, sondern um neuen Heimatraum zu schaffen.

Daß dies nicht blaffe Theorie ist, beweist z. B. das Aussehen von Deutsch-Südwestafrika auf das allerdeutlichste. Gerade wenn man nach dem Besuch anderer Stätten und Gegenden, sei es die Westküste entlang, sei es von der Ostküste ums Kap der Guten Hoffnung herum, in Süd west eintrifft, ist man aufs tiefste beeindruckt von dem so gründ» deutschen Charakter, den alle Siedlungen, Dörfer und Städtchen dort aufweisen. Man fühlt auf Schritt und Tritt, daß man hier irgendwiezu­hause", .chaheim" fft, zumal nach all dem völlig Fremden, was man bis dahin auf der Reife sah, das einen wohl fesselte, aber innerlich doch im Grunde kalt ließ. Diesen Eindruck wird jeher unvor­eingenommene Afrikareisende bestätigen. '$*

Und solch eine Tatsache beweist nun mehr, als alle theorettschen Auseinandersetzungen es können, was es denn eigentlich mit den deutschenkolo « n ia I e n Ansprüchen" auf sich hat. Dort drau­ßen im fernen Afrika haben feit mehr als zwei Generationen deutsche Menschen kolonisiert, sie ha­ben das Land zu ihrer Heimat gemacht, an der sie mit allen Fasern hängen und das sie lieben, und sie haben es verstanden, dem ihnen anver­trauten Stückchen Erde unmißverständlich und un­zweifelbar einen deutschen Charakter auszuprägem Das ist die deutsche Art, zu kolonisieren. Wenn wir daher unsere Kolonien zurückfordern, so fordern wir etwas, was im Grunde immer deutsch gewesen ist. Wir fordern sie kraft des ethischen Rechtes, das uns unsere Auffassung vom Kolonisieren ver­leiht.

lischen Regierung abgegebenen Zusicherungen ist der schweizerische Gesandte beauftragt worden, gegen solche Verletzungen des schweizerischen Luftraumes P r o t e st einzulegen und darauf zu brinaen, daß ft r enge Maßnahmen ergriffen weroen, um Wiederholungen derartiger Vorfälle zu verhindere

England braucht Piloten.

N e u y o r k, 16. Aug. (Europapreß.) Am Don- nerstaa traf der Unterstaatssekretär im britischen Luftfahrtministerium, Hauptmann Balfour, in Kanada ein. In amerikanischen Luftfahrtkreisen ist man nicht überrascht, daß dieser die augenblicklich schnellste Verbindung zwischen England und Kanada, das englische Transatlantik-Flugzeug, benutzte, um Fragen der Pilotenausbildung für bie bri­tische Luftwaffe mit den kanadischen Stellen zu be­sprechen. Obwohl die Ausbildung von Piloten in Kanada bereits programmäßig durchgeführt wird, dürfte plötzlich ein derart ftarfer Bedarf an fliegendem Personal eingetreten sein, daß bie bri­tische Regierung sich entschloß, mit allen Mitteln eind beschleunigte Abgabe von Fliegern durchzudrücken. Ein Sprecher des kanadischen Luft­fahrtministerium hat jedoch mitgeteilt, daß Eng­land, wie schon berichtet, gegenwärtig in den USA. 3 i d i l e Piloten werbe, die Bombenflug­zeuge von Kanada nach Großbritannien fliegen können. Einmal brauche England 100 Piloten, um die neuen Flugzeuge e inzu f liegen, damit die entsprechende Anzahl von Kampffliegern, bie jetzt diese Tätigkeit verrichteten, fürben aktiven Dienst frei würden. Zum anderen brauche Eng­land die amerikanischen Flieger zur Ueberführung der Flugzeuge nach England, weil bie kanadischen Flieger sich im aktiven Dienst bei der britischen Luftwaffe befänden oder auf den Fluglinien der kanadischen Regierung gebraucht würdee

Englands Stützpunkt am Raten Meer.

Der britische Stützpunkt Aden, die Kontrollfestung für Suezkanal und Rotes Meer auf dem Seewege nach Indien ist immer wieder bas Ziel der italienischen Kampfflieger, beren Bomben bereits ver- nichtenbe Wirkungen zeittgten. Hier ein Blick auf ben Flugplatz bes britischen Stützpunktes am Golf von Aben. (Atlantic-M.)

Deutsche un- englische Kolonisation.

Die deutschen Kolonialansprüche haben ihre Wur« zel keineswegs nur in den Nöten unserer Rohstoff­versorgung, sondern sind als eine viel allgemeinere, naturgesetzliche Notwendigkeit zu verstehen. In. die­ser Hinsicht sei auch einmal auf den unterschiedlichen Wortwert hingewiesen, die oerschiedenarttge Fär­bung sozusagen, die die Wortecohmif' undcolo­nial" in der englischen Sprache und Kolonie im Deutschen haben. Obwohl vom gleichen lateinischen Wortstamm (colonus Bauer, Siedler), hat die tiefere Bedeutung in den beiden Sprachen eine ganz verschiedene Wertung angenommene Dascolonial system" der Engländer ist ganz aus. gesprochen ein Landerwerb zum Zwecke der Ausbeutung, wobei die Ergiebigkeit für das Mutterland die Haupttolle spielt. Mit anderen Worten: Kolonffieren bedeutet für den Engländer ein rein, keine Rücksichten kennendes kommerzielles Unternehmen, ein betont, uttlitarifches Unterfangen. Der Angestellte eines solchen Unternehmens (um im Bilde zu bleiben), oft auch der Leiter desselben, muß zu feinem Bedauern in dem auszubeutenden Lande leben. Er tut dies ungern und kehrt auch unverweilt zurück in die Heimat, sobald erGeld gemacht" hat oder andere günsttge Umstünde es ge­statten. In den höheren englischen Beamtenkreisen gilt es (ober galt es doch bis vor kurzem) alsun­fein", wenn die Kinder in der Kolonie geboren wur­den. Deshalb war es allgemein üblich, daß bis Frauen ber höheren englischen Beamten zur Ge­burt ihrer Kinder nach England zurückkehrten. Je­der Engländer draußen in ber weiten Welt, ber von sich sagen kannI am home-born", bünkt sich ein gut Teil besser als seine weniger begünsttgten Landsleute, dienur" in Australien, Südafrika^ Indien ober sonstwo das Licht der Wett erblickten^

Die italienische Luftwaffe im Noten Meer.

Mailand, 17. Aug. (Europapreß.) Wie ein Kriegsberichterstatter desCorriere della Sera" meldet, haben die englischen Schiffe den Hafen v on Aden nach den wiederholten italienischen Bombardierungen fast vollständig geräumt, um einen Hafen aufzusuchen, der mehr Sicherheit bietet. Im östlichen Mittelmeer setze die

italienische Luftwaffe ihre Aufklärungsflüge systema­tisch fort und habe sie jetzt auch auf das ganze Rote Meer ausgedehnt, um bie feindlichen Stützpunkte und Schiffe anzugreifen. Zweck Der Unternehmungen sei, die Lebensmittel» und Materialtransporte für bie eng» lischen Truppen in So malilanb aus Aegypten zu unterbinben. Die italienische Luftwaffe habe auch die wichtigen Zentten des Sudans und ber Westgrenze Aegyptens erkundet.

Mandels Intermezzo in Marokko.

Interessante Enthüllungen desTemps» über den mißglückten Staatsstreich von Casablanca.

Genf, 16. August. (Europapreß.) Ueber bie Absenbung des Telegramms, aber beeilte sich, ben Rolle, die der ehemalige französische Innenminister, Inhalt der Proklamation, die die gesetzmäßige Re­

gierung des Landes für null und nichtig erklärte,

in Casablanca war von lärmenden Kund-

ber Jude Mandel, bei seinem Versuch, eine Ge- genregierung in Marokko aufzuziehen, spielte, schreibt der Tanger-Korrespondent des

dieser mitzuteilen.

Mandel war noch dort, als Beamte der Sicher­heitspolizei eintrafen und ihn aufforderten, feine

gaben sie an, ihn gegen Gewalttätigkeiten der Be­völkerung schützen zu wollen. Sobald er an Bord war, gaben die Polizeibeamten dem Kommanban­den des Schiffes ben Befehl, bie Anker z u

gedungen gegen bie ehemaligen Minister begleitet. Ihr folgten politische Zwischenfälle, beren Klärung demnächst das Gericht bringen wird. Gleich nach seiner Ankunft begab sich Mandel nach Rabat, wo er sich in Abwesenheit des Residenten, bes Ge­nerals Nogues, ber durch sein Militärkommando in Algier zurückgehalten war, iix Verbindung mit den Behörden setzte. Er versicherte, daß er durch seine Kollegen beauftragt sei, an ber Spitze der neuen Regierung an der Seite Englands und mit Hilfe ber Armee Afrikas ben Kampf bis zum Enbe fortzusetzen. Dann begab sich Mandel, ber bas Lonboner Kabinett von seiner An­kunft in Marokko benachrichtigt hatte, wieder nach Casablanca, um einer französischen Informations- Agentur, deren Direktor mobilisiert war, seine Be­fehle zu biftieren. Einer jungen Sekretärin übergab der Pseudo-Minffterpräsident eine Note, in der er dem Lande die Uebemahme der Führung des Staa­tes mitteilte und ankündigte, daß er unmittelbar in Kontakt mit ber englischen Regierung treten würbe.

Geben Sie das Telegramm in meiner Gegen­wart auf", befahl er der Stenotypisttn,ich will, daß es vor meinen Augen abgefanbt wird." Die Angestellte führte die Abwesenheit ihres Chefs und die Grenzen ihrer Vollmachten an. Sie erhielt die Möglichkeit, mit ihrem in Rabat mobilisierten Chef zu telefonieren. Der Direktor bestätigte bie

lichten unb solange vor ber Küste zu kreuzen, um Herrn Manbel vom Lanbe zu entfernen unb feine Tätigkeit zu unterbinben.

Am nächsten Tage kam in Rabat ein Wasser­flugzeug an, bas Duff Cooper, ben britischen Jnformationsminister, unb ben General Gort her­überbrachte, bie bem Appell Mandels Folge leiste­ten. Sie verbrachten ben Abend im Hotel, wo sie vergebens ben französischenMinisterpräsibenten" erwarteten. Enblich wurde das Kabinett des Resi­denten telephonisch benachrichtigt, unb ein Beam­ter unterrichtete sich über bie Absichten bes britischen Ministers. Die Antwort war:Wir finb gekommen, um mit bem Chef ber französisch en Re­gierung zu konferieren."Aber ber M a r ° schall befindet sich boch in Borbeaux oder Clermonb ober in Vichy, boch keinesfalls in Ma­rokko!"Es hanbelt sich ja nicht um ben Marschall P 61ain , fonbern um ben Präsidenten Man - b e l."Herr Manbel ist nicht an Land", antwortete der Beamte,unb ist für ben Augenblick unaufsinb- bar. Im übrigen hat er in ber Regierung keiner­lei Funktion. Meine Herren, es muß ein Irrtum vorliegen", worauf Duff Cooper unb General Gort genau so wieder nach England zu­rückkehrten, wie sie gekommen waren.

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Die Ankunft derMassilia" Ende Juni Sch i f f s f ab ine wieder aufzusuchen, unb zwar

Teil mit auslänbischen Sölbnern führen muß, ist eine wahrhaft köstliche Ironie der Geschichte, wenn man bes Herrn Eden überhebliche Rechnung daneben- stellt, die davon sprach, daß nicht nur die 45 Mil­lionen der britischen Insel, sondern 500 Millionen Untertanen des britischen Weltteichs die 120 Mil­lionen der Achsenmächte zu Boden zwingen würden. Vorerst hat die gesammelte Kraft bes Empire es nicht verhindern können, daß das Gros der briti­schen Fliegerelite bereits so stark zusammenge- scymolzen ist, daß die britische Luftwaffe sich auf der ganzen Linie in die Verteidigung gedrängt sieht. Die großen Luftkämpfe, in denen bie deutschen Jä­ger so herrliche Erfolge davontragen konnten, spiel­ten sich ausschließlich an der englischen Küste oder über der britischen Insel selbst ab. Englische An­griffe im deutschen und seitdem die längeren Nächte den gedeckten Anflug gestatten auch im oberitalienischen Luftraum erfolgen nur im Dunkel der Nacht, um Luftkämpfen auszuweichen, weil die Royal Air Force sich ihnen nicht gewachsen fühlt. Wo einmal ein britisches Geschwader bei Tage sich in den Bereich deutscher Luftstützpunkte traute, wie bei dem Angriff auf die dänische Stadt Aalborg am Lim-Fjord, hat es dies Wagnis mit dem Verlust feiner sämtlichen Maschinen büßen müssen.

Nicht minder erschütternd ist die Diskrepanz zwi­schen Phantasie und Wirklichkeit auf wirtschaftlichem Gebiet. Man berauscht sich in London geradezu an ber Vorstellung, nun den ganzen europäischen Kon­tinent der britischen Blockade unterworfen zu haben, kann aber nicht verhindern, daß das britische Volk schon sehr empfindlich am eigenen Speisezettel zu spüren beginnt, wer denn eigentlich in Wahrheit blockiert wird. Neben der Zeit marschiert in den Propagandareden Churchills unb seiner Minister­kollegen mit Vorliebe berGeneral Hunger" als Englanbs treuester Derbünbeter auf. Daß er nicht mehr taugt als bie anberen Verbündeten Englands, bie im ersten Kriegsjahr schon nacheinander die Waffen sttecken mußten, zeigt allein schon die nüch­terne Feststellung, daß Europa ohne England im Jahre 1937 rund 73 Millionen Tonnen Weizen und 43,2 Millionen Tonnen Roggen erzeugte, so daß aus Ueberfee nur ein Zuschuß von 3,3 Millionen

Tonnen Weizen erforderlich war, um ben kontinen­talen Eigenbebarf zu decken. Wir sind mit sehr er­heblichen Vorräten an Brotgetteide in dieses Kriegs- jahr hineingegangen unb haben nach ben Feststel­lungen bes internationalen Agrarinstituts mit einer guten Mittelernte zu rechnen. Wenn also bie bri­tische Propaganba bereits bie brohenbe Hungers­not auf dem Kontinent an die Wand malt, so ist dieser Schwindel ein schlechter Trost für das eigene Volk, bas jetzt, wo infolge ber deutschen Blockade nicht nur die gewohnten Nahrungsmittelzufuhren aus Skandinavien und Holland aufgehört haben, sondern dank der Tätigkeit von U-Booten unb Luft­waffe immer weniger Geleitzüge mit dringend ge­brauchten Versorgungsgütern aus Ueberfee die bri­tischen Häfen erreichen, die Sünden seiner pluto- kratischen Herrenkaste zu spüren bekommt, die aus krassem Eigennutz die heimische Landwirtschaft ver­kümmern ließ, um aus fruchtbaren Aeckern riesige Parks und aus Weideland große Jagdreviere zu machen. So ist die Blockade gegen den Kontinent auch eine ber vielen Illusionen, mit denen Eng­lands Regierung sich selber unb bas britische Volk, bas in bumpfer Erwartung ber kommenben Er­eignisse von Tag zu Tag nervöser wirb, zu be­ruhigen sucht. Einmal freilich wirb es aus all diesen Illusionen ein furchtbares Erwachen geben und es scheint, als ob das britische Volk selber trotz aller Vemebelungsversuche ber amtlichen Propa­ganda schon bas Gefühl habe, baß es biefem Er» wachen aus ber Phantasie zu einer harten Wirk­lichkeit nicht mehr allzu fern fei.

Dr. Fr. W. Lange.

Protest des Schweizer Gesandten in London.

Bern, 16. Aug. (Europapreß.) Amtlich roirh mitgeteilt: Der schweizerische Gesandte in London ist beauftragt worden, die englische Regierung auf die erneute Verletzung des schweizeri­schen Luftraumes du r ch englische Flug- zeuge in den Nächten vom 13. auf den 14. und 15. auf den 16. August aufmerksam zu machen. An­gesichts der bet früherer Gelegenheit von der eng-