Derschlußmöglichkeiten mit Erfolg ausprobiert. Bei der Haltbarmachung auf kaltem Wege in Flaschen können an- oder durchbohrte Korken mitverwandt werden. Wo Siegellack oder Wachs zum Abdichten fehlt, wird Gipsbrei benutzt. Bei heiß eingefülltem oder Dunstobst in Gläsern sind Wattestopfen als Verschluß brauchbar. Dunftobstgläfer werden mit sauberen einwandfreien, in Vierecke geschnittenen Leinwandläppchen und darüber gelegten dreifachen alashautoierecken und feuchten Bindfaden verschlossen. Als Verschluß für Marmeladegläser dient Pergamentpapier, Glashaut oder sauberes weißes Papier, das über das Glas gebunden wird. Auf die Marmelade wird ein durch Weinessig oder Alkohol gezogenes Stück weißes oder Pergamentpapier gelegt, auf das Benzolsäure aufgestreut wird. Steintöpfe mit eingesäuertem oder ei »gesalzenem Gemüse werden mit einem Tuch abgedeckt und mit einem Brett und Stein beschwert, die von Zeit zu Zeit zu reinigen sind. *
♦♦ Hausfrauen, laßt nichts verderben! Wenn auch unsere Mehlration trotz des Krieges hoch bemessen ist, so hoch, daß sie vielfach gar nicht verbraucht wird, so ist doch peinlich darauf zu achten, daß von den wertvollen Mehlvorräten nichts verdirbt. Sobald Mehl nicht richtigauf- bewahrt wird, bilden sich Mehlwürmer und Mehlkäfer, das Mehl wird „muffig" und verdirl^. Zweckmäßig wählt man daher nur einen trockenen Raum zur Aufbewahrung und gibt dabei das Mehl in voröse Säckchen oder in Blechbüchsen mit Luftsieb, damit immer Luft hinzukann. Ferner ist bei jeder Mehlentnahme zwecks guter Durchlüftuyg das Mehl tüchtig umzuschaufeln. Nur unter diesen Voraussetzungen hält sich das Mehl längere Zeit. Im übrigen ist es für den kleinen Haushalt zweckmäßig, sich nur den notdürftigsten Mehlvorrat zu halten.
Strafkammer Gießen.
Der G. in Gießen hatte sich wegen Unterschlagung, Urkundenfälschung und Betrug zu verantworten. Er hat von März bis Oktober 1939 in
Gießen und Wiesbaden in 12 Fällen Gelder, die er für feine Auftraggeberin einkassiert hatte, nicht abgeliefert, sondern für sich verbraucht, in 4 Fällen Waren, die er auf Grund eines gültigen Auftrags von seiner Arbeitgeberin zur Ablieferung an die Kunden erhalten hatte, nicht abgeliefert, sondern anderweitig verkauft, in 115 Fällen Auftragscheine fälschlich angefertigt und weitergegeben. Hierdurch erregte er die Auffassung, daß er gültige Aufträge herelngebracht habe und errichte, daß ihm die Provision für diese Aufträge ausgezahlt wurde. Weiterhin wurden ihm hierdurch die angeblich bestellten Waren ausgehändigt, die er dann verkaufte. Das Geld behielt er für sich.
Der wiederholt und einschlägig vorbestrafte Angeklagte ist im wesentlichen geständig. Der Anklage^ Vertreter beantragte eine Gesamtzuchthausstrafe von drei Jahren.
Der Angeklagte wurde wegen Unterschlagung in 14 Fällen sowie wegen Betrugs im Rückfall, teilweise in Tateinheit mit schwerer Urkundenfälschung zu einer Gesamtstrafe von drei Jahren und sechs Monaten Gefängnis, abzüglich vier Monate Untersuchungshaft, verurteilt. Straferschwerend kamen die Vorstrafen und der Umftant), daß eine Notlage nicht bestand, strafmildernd das Geständnis in Betracht. Dem Angeklagten wurde eröffnet, daß er im Wiederholungsfall mit Zuchthausstrafe uni) Sicherungsverwahrung zu rechnen habe.
Amtsgericht Gießen.
Der I. G. aus Polen war angeklagt, am 30. o. M. ,in Nidda einen Beamten, der zur Vollstreckung von Gesetzen, Befehlen und Anordnungen der Verwaltungsbehörde berufen ist, während der rechtmäßigen Ausübung seines Amtes tätlich angegriffen zu haben, indem er bei seiner Festnahme dem Gendarmeriebamten Widerstand entgegensetzte, so daß dieser den Widerstand mit Gewalt brechen mußte. Der Angeklagte, der in vollem Umfang geständig war, wurde zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten, abzüglich zehn Tage Untersuchungshaft, verurteilt.
Aus her engeren Heimat.
Oelzuteilung für Oetfaatenanbauer.
FWD. Die Sonderzuteilung von Speiseöl oder -fett für Oelsaatenanbauer ist durch Erlaß vom 8.3.1940 geregelt worden. Dabei wurde die Höhe der Sonderzuteilung auf Grund der Menge der abgelieferten reinen Oelsaaten berechnet. Mit Rücksicht auf die Tatsache, daß heute Flachsstroh un- ausgedroschen zur Ablieferung gelangt, bestimmt ein neuer Erlaß des Reichsernährungsministers vom 28.6.1940, daß in diesem Falle 15 v. H. der ab- aelieferten Flachs-Strohmenge mit Samen als Leinsgat in Anrechnung zu bringen sind. Es bestehen keine Bedenken dagegen, daß der zur Erlangung des Reichszuschusses für Flachsstroh vorgeschriebene Schlußschein gleichzeitig als Nachweis für die Oelzuteilung an die Anbauer für Oelsaaten Verwendung findet.
Sechzigerfeier in Grünberg.
r~H Grünberg, 15. Juli. Am vergangenen Samstag und Sonntag veranstalteten die Sechzigjährigen eine Wiedersehensfeier. Es nahmen daran teil die an Pfingsten 1894 in der hiesigen Stadtkirche konfirmiert wurden und deren Geburtsdatum in die Zeit vom 1. Oktober 1879 bis 30. September 1880 fällt. Ihre damalige Zahl betrug 53, davon waren 40 aus Grünberg, 11 aus Lehnheim und 2 aus Stangenrod. An der Veranstaltung nahmen 26 Alterskameraden teil, 7 sind schon tot, 20 waren nicht erschienen, von denen eine Anzahl brieflich ihr Nichterscheinen entschuldigt hatten; 4 der Fehlenden leben in Amerika, ebenso hatte auch einer der Gestorbenen seine zweite Heimat in Amerika gefunden.
Am Samstagabend fand- für die Grünberger und die schon eingetroffenen Auswärtigen eine kleine Vorfeier im Hotel „Hirsch" statt. Der Sonntagmorgen brachte einen gemeinsamen Kirchgang, wobei Dekan Schmidt in seiner Predigt Bezug auf die Feier nahm. Anschließend folgte die Kranzniederlegung auf den Gräbern von vier auf dem hiesigen Fnedhof ruhenden Alterskameraden. Auch
das Andenken des letzten Lehrers R e u ß und des Geistlichen, der die Konfirmation vollzog, Dekan P u 1 I m ä n n , wurde durch Niederlegung von Kränzen an ihren Gräbern geehrt. Nach einer Mittagspause versammelte man sich zu einem Spaziergang, der an das Schwimmbad und durch die Anlagen des Brunnentales führte. Die weitere Feier fand dann in der Villa „Emilia" statt. Begrüßungsworte sprach Alterskamerad Schuhmachermeister Albrecht Großhaus. Bei Gedicht- und Musikvorträgen, sowie dem Austausch von ernsten und heiteren Erlebnissen der Jugend- und Schulzeit nahm die Feier der Zeit entsprechend einen würdigen Verlauf. Die Alterskameradin Anna Sa mm (Eisenach) sprach den Dank der Auswärtigen aus und besonders den Veranstaltern der 'Wiedersehensfeier, die von Albrecht Großhaus, Hermann Rühl II., Konrad Trinkaus, Emil I ö ck e l (Reiskirchen) und Frau D a u b e r t, geb. Roos, vorbereitet worden war. Eine photographische Aufnahme soll die Zusammenkunft in Erinnerung halten. Eine Sammlung ergab weit mehr als die Unkosten der Veranstaltung betrugen; der Ueber- schuß soll dem Kriegshilfswerk des Roten Kreuzes zufließen. Man trennte sich mit dem Versprechen, in fünf Jahren wiederum eine WiedersehenSseier abzuhalten.
Zuchthaus
wegen Diebstahl an einem Soldaten.
LPD. Frankfurt a. M., 16. Juli. Der in den fünfziger Jahren stehende Ernst Daum wohnte bei einer Frau, deren Mann zum Heeresdienst eingezogen war. In Abwesenheit der Frau stahl er aus einem Schrank einen Anzug des Soldaten und Sachen der Frau. D. ist ein dem Trünke ergebener Mann, von dem die Trinkerfürsorge bereits ein dickes Aktenbündel besitzt. Den Diebstahl beging er, um den Erlös in Alkohol umsetzen zu können. Die Strafkammer Frankfurt verurteilte den Angeklagten, der den Schaden ersetzt hat, zu 15 Monaten Zuchthaus.
Die schöne Melusine
Vornan bon Hans Richter
3. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Warum erzählen Sie mir eigentlich die Geschichte von Ihrem Pumps, Holzmännchen?"
„Na ja, man wird eben schwerfällig. Ich hätte Ihnen erzählen sollen, daß wir erst nach Nieder- ftnow fahren. Kennen Sie das Schiffshebewerk? Großartige Sache. Man fährt mit dem Fahrstuhl nach oben, guckt zu, wie die Kähne gehoben werden, und hat das ganze Odertal vor sich. Don da geht's nach Chorin, da kann man um den See laufen oder durch den Waid, und da bestellt Hellwig die Nachtquartiere. Wissen Sie, wenn man so am anderen Morgen aufwacht und kann norm Hause im Freien sitzen und seinen Kaffee trinken —"
„Aber es sind doch so viele Leute in dem Auto?"
„Die verkrümeln sich. Die einen gehen ganz früh raus, die andern baden. Glauben Sie mir, es ist wirklich ganz nett. Man ist so etwas wie eine große Familie. Später fahren wir dann entweder nach Buckow oder nach Freienwalde. Hellwig meint" — er bemüht sich, den Namen Hellwig immer wieder einzuflechten —, „wir könnten bestimmen, was werden soll."
„Ich denke, es ist eine Fahrt ins Blaue?"
„Na ja, doch, für die andern. Für uns nicht, wenigstens morgen nicht. Hellwig kommt selber mit. Ich habe nämlich zu ihm von der Erbschaft gesprochen, und da hat er gemeint, er wäre ja Autofachmann, aber den richttgen Schwung, den hätte die Sache noch nicht. Da fehlte einer, der was von Reklame verstünde, man könnte dann auch vergrößern, vielleicht noch zwei Wagen anschaffen, wissen Sie, solche, die oben ganz aus Glas sind und wo man alles sehen kann. Ja, und einen Laden für das Büro hätte er auch an der Hand. Kurz und gut, er hat mich gefragt, ob ich mich bei ihm beteiligen will. Na, unb nun will ich mir den Betrieb mal ansehen."
„Und ich soll Ihnen dabei raten?" fragt Tilde.
Er ahnet erleichtert auf. „Na, sehen Sie, nun haben Sie mich richtig verstanden. Hellwig sagt, heute abend könnten wir mal in die Garage gehen, die Wagen wären dann alle auf dem Hof, und wenn ich wolle, könnte ich auch einen Autofachmann mitbringen. Haben Sie nicht 'nen Führerschein?"
„Ja, aber nicht für Lastwagen", Tilde wird ein bißchen rot. An die Geschichte mit dem Führerschein denkt sie nickt gern zurück. Die hat etwas mit einer: Bekanntschaft zu tun, die anders endete als sie es sich vorgestellt hatte. Jedenfalls so, daß Tante Malwine es raum gebilligt hätte. Aber Tilde hat das recht- zeittg erkannt und selber Schluß gemacht. Aber den Führerschein hat sie. Wirklich benutzt hat sie ihn nie. „Ich verstehe aber nichts von Autobussen", schließt sie ine Gedankenreihe. „Da kann ich Ihnen nicht helfen."
„Sollen Sie auch nicht. Aber sehen Sie mal, eine Frau steht ganz anders vor solch einem Wagen als ein Mann. Die sagt, das Blau ist schön und paßt in die Landschaft, oder es ist scheußlich und verschandelt die Gegend. Und ebenso denken alle Frauen, die mit uns fahren sollen."
„Sie sind ja schon ziemlich entschlossen, Holzmänn- chen", lacht Tilde.
„Nein, ganz und gar nicht", wehrt er ab. „Das war nut so daher geredet. Aber dran ist was."
„Also, wenn wir nun morgen fahren, —" nimmt sie den Faden auf.
Der große Chan strahlt. „Sie macken mit?"
„Ich kann Sie doch nicht sitzen lassen."
„Hellwig besetzt die schönsten Plätze für uns. Vorn beim Fahrer. Und wegen des Zimmers telephoniert er heute abend schon nach Chorin. Sie kriegen eins mit Aussicht auf den Wald. Ganz ruhig und nicht mit anderen Damen zusammen. Sie sollen mal sehen, wie das wird."
Tilde befreundet sich mit der Idee. Es ist doch etwas dran. Man muß nur fest genug an Urlaub denken. Urlaub ist es ja nicht, aber anderthalb Tage draußen sind besser als anderthalb Tage in Berlin.
„Ihnen hat wohl einer was geschenkt?" fragt die Sprenger, als sie wieder an ihrer Maschine sitzt. „Sie sehen so aus."
Tilde lacht in sich hinein. Nur nicht reden, denkt sie. Das mit dem Unternehmen ist nicht ihr Geheimnis, aber wenn sie erzählt, daß der große Chan sie eingeladen hat, bann bringt die Sprenger mit ihrer lebhaften Phantasie es fertig und dichtet sie und Holzmännchen in' einer Geschichte zusammen.
Holzmännchen als ernsthafte Angelegenheit. Ulkia.
Um keinen Verdacht aufkommen zu lassen, macht sie eine kleine Volte. „Hellwig hat mich eingeladen."
„Sieh mal an, Hellwig", sagt Agnes.
„Hellwig gefällt Ihnen wohl?" neckt Tilde.
„Kommt überhaupt nicht in Frage."
Es könnte noch dies und das dazwischenkommen.
GJl.-fponi
Dreimal unentschieden in der 2. Klaffe.
Heuchelheim I — Großen-Vuseck I 1:1 (1:1).
Nun mußte im letzten Spiel der Meister Großen- Buseck einen Punkt abgeben. Unsere Meinung, daß Heuchelheim ein heißes Pflaster für die Gäste sei, hat sich bewahrheitet. Die Gäste hatten alle Hände voll zu tun, um einer Niederlage zu entgehen, denn die Platzherren waren nicht wiederzuerkennen und legten ein erstklassiges Spiel vor. Obwohl sie etwas mehr vom Spiel hatten, verstand es die Stürmerreihe nicht, die ihr gebotenen Torchancen auszunutzen.
Hungen I — Garbenleich I 3:3 (2:1).
Es steht fest, daß in Hungen sehr schwer zu gewinnen ist. Das mußte nun auch Garbenteich erfahren. Die Gäste waren durch die Einstellung mehrerer Ersatzspieler stark benachteiligt, doch zogen sie sich gut aus der Affäre. Hungen legte zu Beginn mächtig los und konnte auch das Führungstor erzwingen, doch bald darauf fiel der Ausgleich. Wieder waren die Platzherren durch wuchtigen Schuß in Führung gegangen, doch bis zum Wechsel fiel kein Tor mehr. Nach der Pause wollten die Hungener die Entscheidung erzwingen, sie brachten zwar abermals ein Tor auf ihr Konto, bann rückte bie Verteibigung zu weit auf, woburch ber Gegner zu zwei Toren kam.
(Srüningen I — VsV.-Reichsbahn II 3:3 (2:2).
Dieses Ergebnis überrascht, benn man hatte ben Grün-Weißen keinerlei Aussichten auf Punktgewinn gegeben. Die Platzherren waren zwar zunächst etwas besser, unb bie Grün-Weißen konnten sich mit bem kleinen Platz nicht zurechtfinben. Doch halb klappte es besser. Das Führungstor ber Platzherren würbe kurz barauf aufgeholt, boch roieber erzwangen bie Platzbesitzer bas Führungstor. Die Grün-Weißen würben munter, unb schon war ber Ausgleich fällig. Nach ber Pause würbe bas Tempo gesteigert, bie Grüninger waren roieber erfolgreich, aber bie Grün- Weißen schossen ben Ausgleich. Kurz vor Schluß hatten bie Platzherren eine günstige Gelegenheit, ben Siegestreffer anzubringen, boch ber Stürmer vergab frei vor bem Tore ftehenb bie zwingenbe Torchance.
Tabellenskand nach dem Abschluß der Spiele.
Spiele Gero. Unentsch. Verl. Pkte.
Großen-Vuseck
12
11
1
0
23:1
Garbenteich
13
9
1
3
19:7
Hungen
12
5
1
6
11:13
Steinbach
12
5
1
6
11:13
Klein-Linden
11
4
0
7
8:14
Grüningen
9
3
1
5
7:11
VfB.-Reichsbahn II 11
1
3
7
5:17
Heuchelheim
8
1
2
5
4:12
Die Erfolge Gießener Leichtathleten in Kaffel.
Am vergangenen Sonntag wurden in Kassel die diesjährigen Meisterschaften des Bereiches Hessen durchgeführt. Der VfB. - Reichsbahn entsandte eine starke Vertretung, die ttotz starker Konkurrenz 4 Meisterschaften, 3 zweite und 2 dritte Plätze mit nach Hause bringen konnte.
Erfolgreichster Athlet war, wie wir bereits kurz berichteten, Dr. L u h, der gleich zwei Pteisterschaf- ten errang und im Speerwerfen, einer von ihm weniger gepflegten Hebung, mit 50,90 Meter den dritten Platz belegte. Beim Kugelstoßen reichten schon 14,73 Meter zum Siege aus. An zweiter Stelle kam Storch (Fulda) mit 13,65 Meter, an dritter Tauwel (Hanau) mit 12,97 Meter. Im D i s- kuswerfen revanchierte sich Dr. Luh für die im vorigen Jahr erlittene Niederlage, indem er mit 42,54 Meter Tauwel (Hanau) auf den zweiten Platz verwies (39,84 Meter), dabei seine diesjährige Bestleistung aufftellend.
Eine bittere Pille für die VfBer. war die 4X100-Meter°Staffel. Am Start lief der jugendliche Dietrich gegen die besten Kaffelaner ein großes Rennen. Mit 6 Meter Vorsprung übernahm Dr. Luh den Stab und konnte diesen Vorsprung selbst gegen den späteren 100-Meter-Sieger Kölbel halten. In der letzten Kurve hatte Boll gegen den bekannten Sprinter Kreher (Dresden), der als Gast für Kassel lief und die Meter nur so „fraß", nichts zu bestellen. Bei einigermaßen gutem Wechsel wäre die Staffel trotzdem noch gewonnen worden, doch es war anders bestimmt. Zerndt mußte abstoppen, um das Holz von dem etwas nachlassenden Boll zu übernehmen, bei dem folgenden Endkampf schob er sich Meter um Meter an die führenden Kaffelaner heran und lief in kaum meßbarem Abstande hinter dem zweiten ins Ziel; eine phantastische Leistung von dem nun 40jährigen! Die Zeit des Siegers 45,8 Sek., die der Gießener Mannschaft 46,0,
Hervorragend schlugen sich die Junioren Hirsch- berger (Flak) und Gemmer über 800 bzw. 1500 Meter, die beide ihre Strecken in guten Zeiten gewannen. Hirschberger, der im vorigen Jahre eine Zeit von 1,58 erreichte, mußte sich, da er im Training noch etwas zurück ist, mit einer Zeit von 2:06,0 Min. begnügen, doch wird er bald wieder an seine vorjährigen Leistungen anfnüpfen. Kurt Gemmer lief ein wundervolles Rennen über seine „Leibstrecke", die 1500 Meter, wobei er dem Sieger Leber (Kassel) stark zusetzte und dabei einen so bekannten Läufer wie Zander, der für die Wehrmacht startete, hinter sich ließ. Seine Zeit 4:22,4 läßt für die Zukunft hoffen.
Bei den Frauen wurde Else Ludwig hinter
der ausgezeichneten Jöckel (Bad Orb) 2. über 200 Meter in einer ansprechenden Zeit. Bei etwas intensiverem Training müßte die junge Sprinterin noch bessere Leistungen erzielen können. Ermüdet durch den voraufgegangenen 200-Meter-Lauf konnte Frl. Ludwig im 100-Meter-Lauf nur den dritten Platz belegen. In der Besetzung Ludwig, E. Schmidt, E. Arnold, I, Roth erkämpfte sich die 4X100-Me- ter-Staffel den zweiten Platz in 57 Sek. Im Diskuswerfen zeigte Frl. Schmidt, daß Qualitäten in ihr stecken, konnte sie doch mit 28,95 Meter ihre persönliche Bestleistung erreichen und den 4. Platz erkämpfen. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sie die 30-Meter-Grenze überbietet.
Die Ergebnisse:
Kugelstoßen: 1. Dr. Luh, VfB.-R., 14,73; 2. Storch, Fulda, 13,65; 3. Tauwel, Hanau, 12,97 Meter.
Diskuswerfen: 1. Dr. Luh, DfB.-R., 42,54; 2. Tauwel, Hanau, 39,84; 3. Pelke Fieseier, Kassel, 34,30 Meter.
Speerwerfen: 1. Mentet, Tuspo. Bettenhausen, 59,60; 2. Bartels, Uni. Marburg, 55,61; 3. Dr. Luh, VfB.-R., 50,90 Meter.
4X 100-Meter-Staffel: 1. CT. Hessen- Preußen Kassel I. 45,8; 2. CT. Hessen-Preußen Kassel II 46,0; 3. VfB.-R. 46,0 Sek., handbreit zurück.
800 Meter, Junioren: 1. Hirschberger, VfB.-R., 2:06,0 Min.
1500Meter,Junioren: 1. Gemmer, DfB.- Reichsbahn, 4:22,4 Min.!!
Frauen:
100 Meter: 1. Kirchhofs, Kaffel, 12,4; 2. Jockel, Bad Orb, 12,5; 3. Ludwig, VfB.-R., 14,5 Sek.
200 Meter: 1. Jöckel, Bad Orb, 26,4; 2. Ludwig, VfB.-R., 29,7 Sek.; Kirchhoff aufgegeben.
4X100°Meter.Staffel: 1. CT. Hessen- Preußen, Kassel 51,7; 2. VfB.-R. 57,0 Min.
Diskuswerfen: 1. Hagemann, Kassel, 40,95; 2. Hähnert, Kassel, 32,10; 3. Strey,Kassel, 29,12; 4. E. Schmidt, VfB.-R., 28,95 Meter.
Frankfurter Schlachlviehmarkt.
Frankfurt a. M., 17. Juli. (Vorbericht.) Kälber 25 bis 59 RM., Hämmel 10 bis 51, Schafe 8 bis 44, Schweine 53 bis 59 RM. — Marktverlauf: Alles zugeteilt.
Diktat zum Beispiel im letzten Augenblick, lieber- stunden, die man ohne guten Grund nicht ablehnen kann. Es kommt nichts dazwischen. Der Büroleiter verschwindet früher als sonst und brabbelt etwas von einer Konferenz. Punkt sechs Uhr wird die Schreibmaschine zugedeckt und der große Chan mit einem Blick verständigt. Fünf Minuten nach sechs stehen sie draußen auf der Straße.
„Der Autohof ist nicht weit von hier", sagt Matthias Holzmann.
Also gehen sie.
4. \
Eigentlich hat eine Stunde sechzig Minuten und eine Minute sechzig Sekunden, und von 8—1 Uhr sind das fünf Stunden oder dreihundert Minuten ober achtzehntausend Sekunden — das sollte eine feftgelegte Zeit sein. Wenn man aber etwas hat, worauf man sich freut, dann wollen aus den Getunten keine Minuten werden und aus den Minuten keine Stunden. Und an die Zahl 1 will der kleine Zeiger schon überhaupt nicht herankommen. Wenigstens scheint es so.
Trotzdem ist es endlich so wett. Natürlich ist zehn Minuten vor eins noch ein, ganz wichtiger Brief zu tippen: „Nicht wahr, Fräulein Rohloff, Sie erledigen das noch?" Natürlich tritt acht Minuten vor eins der Kunde an den Ladentisch, der es ganz genau wissen will — aber endlich ist es so weit.
Tilde trägt eine kurzärmelige Bluse, einen Lauf- rock und Schuhe, mit denen man schon einmal querdurch kommen kann. Sie hat. all diese Bekleidungsstücke, weil sie lange nicht benutzt worden sind, aus der Mottenschachtel geholt, und trotzdem sie die ganze Nacht auf dem Balkon gehangen haben, läßt es sich doch nicht verhindern, daß die Sprenger einmal neben ihr stehen bleibt und schnuppert.
„Sie haben wohl Inventur gemacht, Rohloft?" fragt sie.
Tilde verflucht Tante Malwinens Mottenkugeln und wird borstig. „Kampfer ist ungeheuer- gesund, ick hew mal ne Katt hewt, feggt Gottlien Kurzing, die is reineweg dammlich morn, wann sie Kampfer nur von weither geschnüftt hat — gerade so wie Sie jetzt, Agnes —"
Jöie ist weit davon entfernt, übel zu nehmen. „Is wohl 'n Verwandter von Ihnen?"
„Nö, das nid)."
„Aber ich hab mal 'ne Großmutter gehabt", fetzt Agnes an und erzähll eine lange Geschichte, deren Pointe sie rettungslos mordet. Als sie fertig
ist, sagt sie: „Hach" und läßt sich auf den Stuhl fallen.
„Sie haben's wohl eilig?" fragt sie dann, als sie sieht, daß Tilde unentwegt roeitertippt
„Sie merken aber auch alles."
„Na, dann geben Sie schon her, ich schreibe den Brief fertig", bietet sie sich gutmütig an. ,Ast ja egal, wer die Wurst ist, wenn sie nur gegessen wird. Nich."
Fünf Minuten nach eins trabt Tilde die Leipziger Straße entlang und holt den großen Chan an der nächsten Ecke ein. Sie reden von den Autobussen des Autobetriebes Hellwig wie von alten Bekannten. Hellwig hat ihnen seine drei Wagen stolz vorgeführt.
„Das ist „Sttaßenbummler", beige (Herr Hellroig sagt besch) und braun. Damit hab ich angefangen. Alt gekauft, aber prima Maschine. Is ja schon ein bißchen schwach auf der Brust, aber in dem haben die Leute sich immer noch wohl gefühlt. Erst roar er rot, aber weil bann die Post rot wurde, habe ich ihn umlackieren lassen. Ich habe dunkelblau gewollt, und der Lackierer weiß, haben wir uns also auf besch geeinigt. Ich will Ihnen nichts vormachen, Herr Holzmann, aber bei Straßenbummler muß die Maschine überholt werden, läuft dann noch eine ganze Weile. „Markläufer" is elfenbein, und der Name steht rot dran, den hab' ich fabrikneu bezogen, und das Elfenbein war schon, man kann's nich immer so kriegen, wie man's gern möchte, also nimmt man, wie man's kriegt. Den müssen Sie mal in ben Kurven sehen, Fräulein Tilde — unb bann bie Ventilation. — Mit „Sttaßenbummler" haben wir früher manchmal anhalten müssen wegen ber Luft, kommt bei „Markläufer" nich in Frage. Der reine Ozon. Höchstens mal bei Kindern. Manche Kinder können partout Auto nich vertragen. Und gerade die nehmen die Leute mit. Dusslig, wie? Un[ereiner hat bann den Verdruß. Unb dann frier „Pionier", der is sozusagen beinahe noch jungfräulich. Neuntausend Kilometer, das is nischt für .den Typ. Grün mit Silber. Paßt in jede Landschaft. Sehen Sie, Herr Holzmann, mein Vater roar selber Pionier im Kriege, verstehen Sie? Pionier, das is Facharbeiter. Eigentlich hätte es ja schwarz sein müssen, Pioniere, schwarze Kragen. Aber ber Lackierer sagt, schwarz mit Silber sieht so aus wie Grieneifen, also sieht er nu aus wie'n Felbwebel von den Lübbenern. Deshalb schicke ich ihn auch gern in den Spreewald."
(Fortsetzung folgt)


