und französischen Kriegstreiber ihn wollten. Hier liegt ein Bubenstück vor, das die Polen und die Franzosen mit ihrem völligen Zusammenbruch bezahlt haben, das auch England bezahlen wird
Für die Art in der Daladier den Krieg wollte gibt Flandin noch einige Beispiele, die zwar eben- solle bekannt sind, immerhin aber das Bild dieses Kriegsverbrechers vollenden Bereits vier Tage vor dem Einmarsch der Deutschen in Polen sei die Wahrheit über die wirkliche Sachlage durch die Einführung der Zensur durch Daladier unterdrückt worden, und die Verabschiedung der in der Kammer geforderten Kredite sei aui Grund einer offen sichtlichen Lüge Daladiers erfolgt, denn Daladier habe erklärt, zwischen den Hauptstädten ichwebten noch Verhandlungen und die Negierung werde erneut vor die Kammer treten wenn sie sich gezwungen sähe, in den Krieg zu treten Das sei aber nie. mals geschehen Nun ist es Tatsache, daß Daladier die Kammer begaunerte, aber immerhin vergißt Flandin dabei, daß die französischen Deputierten in ihrer überwiegenden Mehrheit damals für den Krieg waren, daß sie sich also nur zu gern — be- gaunern ließen v E. S.
Oie Londoner in Angst vor jeder Nacht.
Rom, 14 Dez (Europapreß.) lieber die Wirkungen der Bombardierung Londons durch deutihe Kampfflugzeuge aus die ieelische Verfassung der Bevölkerung der engl'schen Hauptstadt ist m der in Buenos Aires erscheinenden Zeitung „Mattino" eine der enalischen Zeitschrift . Nineteehth Century" entnommene Schilderung der Lage in London erschienen. Die englische Zeitschrift, die d ejer Tage in Rio de 3an»»’ro eintraf schreibt: „An jedem Morgen zeigen ihre Augen den immer mehr wachsenden Mangel an Schlaf, und an jedem Abend oer- raten ihre den Himmel unaufhörlich absuchenden Blicke und die Ueberempfindlichkelt aeoenöber den Geräuschen die Angespanntheit ihrer Nerven und die Angst vor der kommenden Nacht. Infolge des quälenden Sausens der Motoren der deutschen Flugzeuge des blendenden Lichtes der Leuchtbomben, des Pfeifens der nieberfaufenben Bomben und des betäubenden Donners der Erplo- fionen, wegen des roten Wiberschems der Feuers- brünste, des Prasselns her Bomventvlitter. des Bellens der Luftabwehrgefchüße, des Krachens der- getroffenen. zerrissenen und zerstörten Häuser sind die Nächte wahrhaft furchtbar. Niemand, der diese Nächte erlebt hat, wird der gleiche sein, wenn sie vorübergegangen sind."
Oie Ermordung Haffan Sabry Paschas.
Rom, 14. Dez. (Europapreß.)^ Nach Meldungen des „Lavoro Fascista" aus Bagdad hat man in diesen Tagen einen neuen Beweis für die Ermordung des ägyptischen Ministerpräsiden- t e n Hassan Sabry Pascha durch den englischen Geheimdienst gefunden. Das Gift, mit dem der ägnptische Ministerpräsident ums Leben gebracht wurde, *ft auch bei einem Beamten des Außenministeriums, Mohammed Abi jur, mit Erfolgt angetv^t worden. Dieser ägyvtische Beamte hotte eine Taste Kaffee von dem Uebersetzer der britischen Botschaft in Kairo, Smars, angeboten bekommen und war kurz darauf gestorben. Die Untersuchungen der ägyptischen Polizei haben nun ergeben, daß auch Hassan Sabry Pascha vor Beginn seiner Rede in der Kammer, in deren Verlauf er tot zusammenbrach, eine Tasse Kaffee getrunken hatte, die ihm von einem Kell- ner gereicht worden war. Der Uebersetzer der briti- schen Botschaft, Smars, fei zu diesem Zeitpunkt in der Dar des ägyptischen Parlaments gewesen Oie Führer der dänischen Volksfront verschwinden.
Kopenhagen, 14. Dez. (Europapreß.) Unter dem Titel „Die Führer der Volksfront verschwinden" ironisiert „Kritisk Ugereoue" die bemerkens- werte Eile, mit der immer neue leitende dänische Politiker sich unter dem Vorwand der Ueberorbei- tung und Ermüdung zurückziehen, sobaß man geradezu von einem „Wettlaus der Erschöpften" sprechen könne. So habe niemand der Auslandsreise des früheren Außenministers Dr. Munch etwas in den Weg gelegt, da sein Radikalismus in Dänemark entbehrlich sei, und das aleiche gelte von dem früheren Handelsminister Moeller, mit dem Verhandlungen zu führen man ausländischen
Stellen schwerlich zumuten könne. Ferner sei der Sprecher der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Frisch, zu erwähnen, der an einer Doklorarbeit schaffe und den niemand in seiner Beschäftigung zu stören beabsichtige Schließlich sei noch der Ab lösung des Staatsministers Hedtoft-Hansen als Parteivorsitzenden der dänischen Sozialdemokratie zu gedenken, der wegen seiner größeren Interessiertheit für deutsche als für dänische Innenpolitik wohl auch bald in den Ruhestand treten werde
Ungarn ,
zum Belgrader Vertrag.
B u d a p e st, 14 Dez (Europapreß.) Der Abschluß des ungarisch-jugoslawischen Freundschaftsver- träges löste in der ungarischen Oefientlichkeit Freude und Genugtuung aus, in der ungarischen Presse wird vor allem die Bedeutung des Vertrags für die Erhaltung des Friedens unterstrichen So schreibt „Pesti Hirlap", zwei kriegerisch harte und gestählte soldatische Völker hätten sich zum Frieden verbunden Der Geist des Weltkrieges sei mit einem Schlag aus Südosteuropa verschwunden. Graf
Csaky bringe aus Belgrad das Unterpfand des süd- osteuropäischen Friedens mit .M'^narorszag", sagt die öffentliche Meinung Eurovas >fchäftige sich in erster Linie deshalb mit diesem Vertrag, wei' er gleichzeitig auch bie enaere Zusammenarbeit iwi- jchen Jugoslawien und Den Achsenmächten ermögliche Der Abschluß dieses Vertrages bedeute, daß Jugoslawien in Zukunft an der Gestaltung der europäischen Ordnung Europas wirkungsvoll teil« nehmen und damit auch die Verwirklichung des neuen mächtigen europäischen Plans der allgemeinen Befriedung fördern wolle
Nach Dreitägigem Iagdaufenthalt in Den Alpen von Kamnik und einer Angelpartie in Sweti Jacob trat der ungarische Außenminister Graf Csaky die Rückreise nach Ungarn an Rach kurzer Fahrt mußte der Sonderzug wieder nach Laibach zurück-, kehren, da Gras Csaky auf der Reise plötzlich erkrankte und bewußtlos geworden war Auf dem Bahnhof von Laibach erwarteten drei Aerzte den Minister. Graf Csaky hatte hohes Fieber und die Aerzte vermuten, daß er sich beim Angeln eine Grippe zugezogen hat.
Heftige Kämpfe an der ägyptischen Front.
Italienisches Ll-Boot versenkte englischen Kreuzer.
Rom, 15.Tn. <DRÄ.> Der Il-IIenUche wehr- machlberichl vom Sonntag hat folgenden Wortlaut:
Nach der Evakuierung von S i b i - B a - ran i kam es am gestrigen sechsten läge der großen Schlacht in der Wüstenzone Fort C g - vn; zo — So,Ium — Barbla rom Morgen bis Sonnenuntergang zu blutigen Kämpfen zwischen italienischen unb englischen Truppen mit unaufhörlich <kvechselnben Angriffen unb Gegenangriffen. Das Schlachtfeld ist mit Gruppen von brennenden feindlichen Panzerwagen und Tanks überfät Der Druck der feindlichen Streitfrage hat jedoch noch nicht nachgelassen. Die Luftwaffe hat sich mit der sie auszeicbnenben bewundernswerten Opferbereitschaft eingesetzt unb die feindlichen Linien ununterbrochen bekämpft und mit Bomben belegt Bel den gestrigen Kämpfen sind von unseren Jägern 11 Flugzeuge brennend ab- geschossen worben. Die Zahl der am vorauf- gegangenen läge abgeschossenen feindlichen Flugzeuge Ist nach welkeren Feststellungen auf 12 gediegen. Sechs eigene Bomber sind nicht zurückgekehrt. Der Feind hat Bombenangriffe gegen die Stützpunkte Barbia und Tripolis durchge- führt, hier wurden zwei feindliche Flugzeuge ab- gefchofsen,
An der griechischen Front sind feindliche Angriffe an verschiedenen Abschnitten durch unsere Gegenangriffe zurückgeschlagen worben, bei benen der Feind beträchtliche Verluste erlitt Unsere Luftformationen haben In direktem Eingreifen in die Bobenoperationen ununterbrochen wirkungsvoll Bombenangriffe auf griechische Truppenan- fammlungen, Troß und Lastkraftwagen durchgeführt Unsere „Picchialelll" (Sturzkampfbomber) haben Strahenknotenpunkte zerstört sowie feindliche Truppen bombardiert und mit MG.-Feuer bestrichen. Andere Formationen haben einen Viadukt der Eisenbahn Saloniki—Athen getroffen.
In 0 ft a f r i f a haben unsere Flugzeuge feindliche militärische Ziele In der Zone von G a l t a b a t bombardiert An der Sudangrenze Patrouillen- unb Artillerietätigkelt Der Feind hat Luftangriffe auf einige Ortschaften Eritreas durchgeführt, die weder Opfer forderten, noch nennenswerten Schaden anrichteten.
Das von Korvettenkapitän FerracuN befehligte U-Boot e g t) e 111" hat vor der ägyptischen Küste einen feindlichen Kreuzer vom Southamp- ton-Typ torpediert und versenkt
3n der vergangenen Macht wurden drei Luftangriffe gegen Neapel durchgeführt, wobei Bomben auf den Hafen und Brandbomben auf die Stadt abgeworfen wurden. 3m Hafen wurde eine Einheit der kgl. Marine mittleren Tonnengehalts getroffen. Die Schäden sind nicht beträchtlich. Unter
der Besatzung sind rund 50 lote und Verwundete zu beklagen. Ein kleinerer Motorsegler wurde von einer anderen Bombe getroffen und versenkt Die In den oberen Stockwerken einiger Wohnhäuser aus- gebrochenen Brände wurden durch das sofortige Eingreifen der Feuerwehr zugleich gelöscht Acht Zivilpersonen wurden verletzt Die Haltung der Bevölkerung war vorbildlich.
Rege Fliegertätigkeit in Ostafrika.
Der italienische Bericht vom Samstag.
Rom, 14. Dez. (DBB.) Der italienische Wehr- rnachtberlcht vorn Samstag lautet:
3m Grenzgebiet der Eyrenaika dauerten die Kämpfe den ganzen gestrigen Tag an. Am Nachmittag haben einige von unseren Truppen ausge- führte Gegenangriffe den Druck des Feindes etwas vermindert Unsere Luststreitkräfte überflogen unaufhörlich das Kampfgebiet Unsere 3äger haben im Luftkampf sechs Gloster abgeschossen. Alle unsere Flugzeuge sind — einige mit Toten und Verwundeten an Bord — zurückgekehrt.
3n O st a f r 1 k a an der Sudangrenze Patrouillen- unb Artillerietätigkeit Unsere Flugzeuge haben im Tiefflug einen Panzerwagen angegriffen, der bewegungslos liegen blieb, und Machschubkolonnen mit Bomben unb Maschinengewehrfeuer belegt Eine Bomber- unb 3agbformafon hat einen Tiefangriff auf den Flugplatz von Goz-Regeb unternommen und dabei fünf verstreut im Busch stehende Flugzeuge in Brand geworfen. Während des Angriffes wurde der Kommandant der Formation infolge Maschinenschadens zur Landung im feindlichen Gebiet gezwungen. Einem Anaehärigen der Formation gelang es, mit kühner Geschicklichkeit in feiner Mähe zu landen, ihn an Bord zu nehmen und ihn unversehrt zum Ausgangspunkt zurückzubringen.
In den Kämpfen dieser Tage zeichnete sich die Alpini-Dlvisiou „Irifcentlna“ besonders aus. Unsere Luftwaffe hat mit aufeinanderfolgenden Wellen von Bomben- und Sturzkampfflugzeugen wirksam Truppenansammlungen unb Kolonnen im Marsch angegriffen. 3m Laufe bet Macht haben unsere Bombenflugzeuge trotz ungünstiger Wetterlage mit sichtlichem Erfolg ben Flugplatz Micabba (Malta) angegriffen. Am Abenb des 13. Dezember haben felnbliche Flugzeuge einen Einflug auf Cre- fon c unternommen unb Bomben abaeroorfen, bie ein Haus leicht beschädigten und zwei Baracken in Brand setzten. Es sind zwei Leichtverletzte zu beklagen.
Das U-Boot „Argo" unter dem Kommando von Oberleutnant z. S. Alberto Erepas, das.
Llm den höchsten Ertrag.
Zum <;cgmn der neuenCrzengungsschlacht.
Mitten tm Kriege ist dank der mannigfaltigen Maßnahmen der nationalsozialistischen Agrar- Politik Deutschlands Ernährungslage besser als die der meisten anderen europäischen Länder, Wenn der Reichsernährungsminister Reichs, (eiter R Walther DarrS eben bei seinem A p. pell an das deutsche Landvolk diese Feststellung treffen konnte, so ist das vieiletcht die glänzendste Rechtfertigung all der gewaltigen Arbeit, die aus ernährungswirtichaltlichcm Gebiet während der letzten Jahre in Deutschland geleistet worden ist Als R Walther Darrs vor sechs fahren, am IS November 1934, auf dem zweiten Reichsbauerntag in Goslar zum ersten Male vom deutschen Landvolk forderte- ,,M e h r erzeugen und das Erzeugte sparsamer verwenden", da ist diese Parole vielfach mit skeptischem Kopf, schütteln aufgenommen worben Damals hatten wir fast noch einen Ueberfluß an Nahrungsgütern und nur wenige erkannten zu welch gigantischem Ringen um seine Zukunft das deustche Volk bereit sein mußte
Mit der Ingangsetzung der Erzeugungsschlacht wurde am klarsten und eindeutigsten jenes neue Element wirtschaftlichen Handelns sichtbar, das durch die Forderungen der nationalsozialistischen Weltanschauung bedingt war: Man mobilisierte den Willen die seelische Bereitschaft der Menschen, um wirtschaftliche Ziele zu erreichen, die nach der bis dahin geltenden liberalistischen Weltauffassung nur mit wirtschaftlichen Mitteln oder durch Zwangs, eingriffe des Staates durchgesetzt werden konnten.
Auch der Nationalsozialismus verzichtet nicht auf die Anwendung wirtschaftlicher Mittel, aber sie sind doch nicht das Entscheidende-, der Aufruf an den Idealismus, die Ueberzeugung zum notwendigen Arbeitseinsatz für die Gemeinschaft, das sind die Triebfedern der in Deutschland erzielten Leistungen, in der Erzeugungsschlacht sowobl als auch auf allen anderen Gebieten unseres volklichen Lebens Ohne diese Verwurzelung in. der nationalsozialistlscben Weltanschauung, ohne den starken Glauben an den Führer und seine Sendung, ohne diese letzte Op'er. bereitschaft wäre es wohl in den letzten Jahren nicht möglich gewesen, trotz der vorhandenen materiellen Schwierigkeiten aus dem Lande die Produk- tion der landwirtschaftlichen Betriebe von Jahr zu Jahr zu steigern.
Angefckngen vom jüngsten Lehrling bi< zum letz, ten Betriebsführer Haben sich alle AngeHöriaen des Landvolkes mit aller Tatkraft darum bemüht, das gesteckte Produktionsziel zu erreichen, immer unter.
wie schon im Dehrrnachfberichf vorn 4. Dezember gemeldet, am 1. Dezember im Atlantik ben kana. bischen Zerstörer „Sagnenay" versenkt hatte, griff am 5. Dezember einen felnbtichen, unter Be- deckung fatjrenben Geteltzug an unb versenkte einen Dampfer von 12 000 BRT., bet kenterte unb unterging.
Lord Loihion gestorben.
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Nach einer Reuter-Meldung aus Washington ist der dortige englische Botschafter Lord L o t h i a n plötz- lich gestorben. — (Scherl-Archiv-M.)
Oie Wildnis und ich.
Von piofefior Or. Dr. Hans Krieg, München
Als ich vor 18 Jahren zum erstenmal nach Süd. amerika fuhr, ohne Geld und gar nicht schwer beladen mit Sach, und Sprachkenntnissen, war ich bereit, dort alles zu bewundern Heute, da ich mir einige Eriahrungen angeeignet habe und über recht gute Freunde und Bekannte in vielen Ländern Südamerikas verfüge, bin ich kritischer geworden. Das bedeutet nicht, daß ich den Sinn für die Romantik fremder Kerne verloren habe ober — wie so viele — gar den gdnzen Weltteil als ein Affen- land bezeichne und keinen guten Faden dran lasse. Nein, ich liebe ihn in vieler Hinsicht mehr denn je. Aber diese Liebe ist sozusagen wohltemperiert Ganz schrankenlos gehört sie nur der Natur: den Steppen und Sümpfen, Bergen und Urwäldern mit allem, was dort kreucht und fleucht. Dazu gehören auch die Indianer, wenigstens die freien und un- verdorbenen unter ihnen.
Buenos Airos, Rio, Santos, Valparaiso ober (Santiago... nun ja, bas finb fortschrittliche Städte, und ich bin der Letzte, der ihre Entwicklung nicht bewundert Aber ich gerate da leicht in Widerspruch mit meinen Freunden. Als ich einen der größten Getreidehäfen der Welt,-die argentinische Stadt Rosario de Santa F6, einmal ein notwendiges ikbcl nannte, da kündigte mir ein dort reich gewordener deutscher Spießbürger umgehend die Freundschast. Mehr Verständnis für meine zivili- lajionsseindliche Einstellung zeigte ein hoher paraguayischer Offizier, dem ich auf seine Frage, was mir an seiner Vaterstadt Asunciün am besten gefalle, zur Antwort gab: „Das Rückständige, das Naive, das Arme — kurz das, was euch selbst so peinlich ist." Er lächelte und sagte: „9a, ja, Zivi- itfation habt Ihr Deutsche zu Hause so viel, daß ihr gern einmal was anderes seht. Uns geht es umgekehrt. Wir reden dauernd von Zivilisation und Fortschritt. Wir sind noch wie kleine <3ungen, die gern so tun, als wären sie groß." — Das war ein kluger und gebildeter Paraguayer. Er ist später ein bekannter General und Präsident der Republik ge» worden.
Es wäre sehr undankbar pon mir. die zivlllfato»
rischen Leistungen der Länder, In denen ich jahrelang zu Gaste war, leichtfertig geringzuschätzen. Es wäre auch töricht, denn ich bin ja im Grunde stolz auf jeden Deutschen, der an dieser Entwicklung Anteil gehabt hat. Da ich aber kein Spekulant bin und überhaupt erstaunlich wenig kaufmännische In- teressen und Triebe besitze, so fühle ich mich zwischen kalten Geldverdienern fehl am Platze und fliehe, fliehe vor ihnen, so weit mich Eisenbahn, Flug- zeug, Faltboot, Pferd und Schusters Rappen tragen können.
Nun darf man sich aber nicht einbilden, daß es so einfach sei, alles hinter sich zu lassen, was einem von Kindesbeinen an selbstverständlich war. Freiwillige Robinsone sind Romanfiguren. Gewiß, man löst sich leicht von vielen Dingen, bie bem sogenannten Kulturmenschen bas Leven angenehm, aber auch kompliziert machen. Aber wenn man bann bie Brücken hinter sich verbrannt unb ein, zwei Jahre kein weiches Bett, kein sauber bereitetes Essen, keine gute Musik, kein gutes Buch und nichts von ben allerhanb anberen schönen Dingen mehr gehabt hat, dann — wenn nicht schon viel früher — hämmert es einem, baß man kein Tarzan ist, unb man sucht schamhaft ben Rückweg Und ist man schließlich wieber auf so einem sauberen, netten Ueberseeoampfer „gelanbet", bann stöhnt man vor Befriedigung, gießt sich ein Glas Bier hinter die Binde unb stolziert würdig über das Promenaben- beck in langer Hose unb feinen Schnürstiefeln. Nur ber ungewohnte Halskragen unb bie lächerliche Krawatte finb zuerst noch lästig. Aber kaum sind ein paar Tage um, dann ist man wieber ber olle Mitteleuropäer von einstmals. Ober, besser gesagt, man merkt, baß man im Grunbe immer einer geblieben ist. Es geht einem wie dem Soldaten, der aus dem Dreck und Speck des Feldzuges nach Hause kommt. Gewiß, ab und zu entschlüpfen ihm an Mutters Mittagstisch ein paar Kraftausdcücke, die zwar nickst fein sind, aber Dem alten Krieger durch, aus zu Gesichts stehen — doch ist er, wenn auch schamhaft widerstrebend, sehr bald wieder mit größter Selbstverständlichkeit ber gute alle Adam aus Friedenszeiten.
Wenn ich aus meinem Leben aus der Großstadt, meinem Leben im Arbeitszimmer und am Schreibtisch wieder einmal den Sprung tue hinaus in die Wildnis, jo empfinde ich kaum den gewal
tigen Gegensatz, fühle mich keineswegs wie ein Schwimmer, der sich eine Zeitlang mit einer Bade- wanne hat begnügen müssen. Es ist nicht so, daß man nun plötzlich in einer gewaltigen Freiheit schwelgt. Freilich, niemand schreibt mir etwas vor, keine Steuererklärung und kein Meldezettel mahnen mich mehr daran, daß ich das Glied einer vortrefflich organisierten Gemeinschaft bin. Aber nach wie vor stehe ich doch unter einem Zwange, dem zu entrinnen weder leicht ist, noch überhaupt wünschenswert: dem Zwange der P,licht. Denn auf wissenschaftlichen Forschungsreisen muß viel, sehr viel gearbeitet werden, und ihr Leiter trägt ein gerütteltes Maß von Verantwortung. Unb überbies ist bie Wilbnis nicht, wie so viele meinen, der rechte Platz, sich stolz in bie Brust zu werfen unb zu sagen: Seht, was ich für ein feiner Kerl bin! Ganz im Gegenteil, bas Leben in ber Wilbnis macht bescheiden. In manchen Dingen ist mir hier ja jeder nackte Indianerjunge über. Zwar kann ich weiter sehen als er unb weiter schießen, aber ich brauche dazu ein Fernglas unb eine Büchse mit Zielfernrohr Er, dieser arme Teufel, lacht ver- stänbnislos, wenn er mich mit einem Kompaß hantieren sieht, roeif ich Sorge habe, die Richtung nicht zü finden. Er braucht so etwas nicht. Er hat noch die instinktmäßige Sicherheit des Tieres, wo ich, ber „Kulturmensch", mit Apparaten, lieber- legungen unb Theorien meine Entfrembung von ber freien Natur zu überbrücken suche Er sieht bie sich sonnenbe Klapperschlange lange vor mir, zaubert keinen Augenblick, wenn ich ihn frage, in welcher Richtung oas Lager liegt, unb ehe ich mir noch darüber im klaren bin, aus welchem Wipfel bas Locken bes Affen kommt, hat er ihn längst ent- beckt unb zeigt barauf hin Er ist ein Glied dieser Natur, ich nur ein Fremdling mit einer Brille auf der Nase Wo ist mein ganzer Kulturstolz chln- gekommen, wo meine Einbildung als alter Jäger? Ich markiere vor diesem „Wilden" eine Ueberlegen. heit, die ich gar nicht habe, ich komme mir unecht vor und verlogen.
Und wenn ich bann zurückkomme nach Jahr und Tag in diese Kultur unb Zivilisation mit all' ihrem Zwang und ihrer Geborgenheit, dann habe ich zunächst auch ihr gegenüber einen Teil meiner Sicherheit verloren Ich benehme mich ganz richtig, falle gar nicht auf. Aber ich bin kritisch geworden.
gegenüber diesem wichtigtuerischen Gewimmel von Menschen, dessen Teil ich bin. Unb ich empsinbe mit großer Klarheit bas Gefährliche dieser Menschen- Häufung und die Entfremdung von der Natur, welche unsere Zivilisation mit sich bringt Bis ich schließlich inne werde, daß Kultur, wirkliche Kultur, alles wieder verbindet unb ausgleicht wie eine breite, schöne Brücke über einer schwindelnden Schlucht.
Bilanz eines Schauspielerlebens.
Der berühmte schwedische Schauspieler Gösta Ek* man hat in seinen (Erinnerungen eine Statistik hinterlassen, in ber er alle Verbrechen aufzählt, die er auf ber Bühne begangen hat: etwa 500 Morde, 1000 Diebstähle, 50 Brandstiftungen usw. Oft aber hatte er nicht gemordet, sondern war ermordet worden, er hatte nicht gestohlen, sondern war gestohlen, er hatte nicht Feuer angelegt, sondern war lebend verbrannt worben. Unb bas alles geschah um ber Liebe willen, aus Liede gab Ekman aber auf der Bühne auch 12832 lange unb leidenschnst- liche Küsse. „Unb beshalb", erklärte er dazu, „gefiel ich bep Frauen so sehr und brachte sie ins Theater." C. K.
Heilsamer Schrecken.
Aus ©raeiäs in Honduras wird berichtet: Bei dem letzten Erdbeben in Mittelamerika wurde eine Eingeborene durch den Zusammensturz ihres Ranchos so erschreckt, daß sie darüber die Sprache verlor. Auf eine seltsame Art wurde sie jetzt wieder geheilt, nachdem bisher alle ärztlichen Bemühungen vergeblich gewesen waren Man ging nämlich meinschastlich daran, die Reste des seinerzeit prpb£ sprisch errichteten Wohnhauses abzureißen und durch einen soliden Steinbau au ersetzen Auch die Frau beteiligte sich eifrig an den Arbeiten. Plötzlich tr°f sie, als sie aerabe ins Haus gehen wollte, ein vom Dach abrulachender Balken am Kopf und riß sie um Sie stieß einen gellenden Hilfeschrei aus — unb kann feitbem wieder sprechen Außer einigen Abschürfungen ist ihr nichts geschehen.


