Ausgabe 
16.11.1940
 
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um 1470 in Mainz gedruckt.

y

Senckenberg in den ?rbf(eftgnt' betreffend

Für Kinder im Alter bis zu 17» Jahren auf die 4 Abschnitte 5-8 der Kinderbrotkarte je eine große Dose in allen Fachgeschäften

NESTLE

KINDER NAHRUNG

chen Volksgenossen behauptet, die Punkte fei;n eigentlich noch wichtiger als Geld. Diese Meinung besteht nicht zu Unrecht, denn Geld kann man im­mer wieder in die Hand bekommen, "Punkte aber

nur einmal im Jahr.

Ueber die bisherigen Erfahrungen mit der Reichs­kleiderkarte haben wir uns mit dem Vorstand des Städtischen Wirtschaftsamtes, Verwaltungsober- inspektor M ü l le r, unterhalten. Er hat uns man­cherlei über die Wahrnehmungen beim Umgang mit der Reichskleiderkarte im Verlaufe des verflossenen Jahres erzählt, das des allgemeinen Interesses sicher sein dürfte.

Rund 40 000 Kleiderkarten für die Bevölkerung Gießens, einschl. der Vororte Wieseck und Klein- Linden, wurden vor einem Jahre vom Wirtscbafts- amt der Stadt Gießen ausgegeben. Manche Volks­genossen hatten sich vorher schon mit Bezugscheinen auf Textilwaren der verschiedensten Art erheblich eingedeckt" und darauf zum Teil auch schon aller­lei Einkäufe vorgenommen. Da kam im November vorigen Jahres die Reichskleiderkarte mit der Ver­pflichtung, die bisher gewährten Bezugschein­mengen anzurechnen. Darüber gab es bei manchen Leuten mit vielen Bezugscheinen allerlei Weh­klagen. Das war begreiflich. Denn nun kostete das Bezugscheinhamstern viele Punkte.Die Schere des Wirtschaftsamtes" trat denn auch prompt in Funk- tion und schnitt bei vielen Kleiderkarten so viele Punkte weg, daß nur noch die Mindestmenge von 20 Trost-Punkten übrig blieb. Dennoch haben die Inhaber zahlreicher Bezugscheine den besten Schnitt gemacht, da ihre Bezugscheinmenge, die sie bereits in Käu^e umgewandelt hatten, sicherlich weit mehr ausmachte als die abgetrennten SO Punkte. $u die­sem Vorteil kamen dann noch die 20 Trost-Punkte hinzu. Aber auch hier heißt es: ,/Das war nur einmal ..."

Anfangs gab es bei der Benutzung der Reichs- kleiderkarte gewisse Schwierigkeiten und Beanstan­dungen. Manche Käufer schienen der Meinung zu sein, die Vorschrift der zeitlichen Gültigkeit der ver­schiedenen Punktabschnitte bestehe für sie nicht. Und manche Geschäftsleute ließen sich von den drängen­den Kunden überreden, einen Vorgriff auf noch nicht fällige Punkte vorzunehmen. Als dieser Punkte- Vorschuß bei der Verrechnung im Wirtschaftsamt in Erscheinung trat, wurde vom Amt schleunigst ein Riegel vorgeschoben" und allen Geschäftsleuten

Aus der Stadt Gießen.

Oie Kraft der Heimat.

43on n iili Fr. Köncher

Du kannst die Blume von der Staude schneiden und dich für Tage an Form und Farbe in der Vase auf deinem -iifd) erfreuen. Dann aber beginnt sie zu welken, und ihre Blätter sterben. Und Frucht zu tragen bleibt ihr versagt.

Du kannst das Tier aus der Wildnis nehmen und zu deinem Freunde machen, doch noch im Blut seiner Kinder lebt die Sehnsucht nach Freiheit, und nur selten wirst du es kämpfen sehen, wie es einst zwi­schen Busch und Baum oder in steinigem Geröll den Gegner stellte.

Du kannst den Menschen in die Fremde schicken, und er wird, wenn Kraft in ihm war, feinen Mann stehen und wird leisten, was seine Gaben ihm zu wirken erlauben. Aber er wird das Fremde in den Augen der Menschen sehen, die um ihn leben, und wird das Seltsame in ihren Herzen fühlen. Er wird ihre Sprache sprechen, aber er wird nimmermehr ihre Gefühle empfinden. Und die Liebe ihrer Frauen wird ihm eine fremde Liebe fein, zu wild oder zu dumpf, zu fahl oder zu leicht.

Blume, Tier, Mensch du stellst sie in tue Fremde, wenn du sie aus dem Bezirk nimmst, in dem sie gewachsen sind. Die Eiche wächst nicht in Gletschermoränen, und Edelweiß wuchert nicht am Strand des Meeres. Der Hirsch lebt nicht in den Straßen der Städte, und der Adler nicht unter den Dächern unserer Häuser.

Sollte der Mensch nicht die Heimat brauchen wie sie, um stark zu fein, um er selbst zu fein, sich selbst zu fühlen, an sich selbst zu glauben, aus sich selbst zu schaffen und zu schöpfen?

Seele und Geist des Menschen sind reicher als die Gefühle des Tieres. Darum ist auch feine Heimat weiter, der Boden ist größer, und feine Kräfte sind mannigfaltiger. Aber nicht anders als Tier und Pflanze bedarf er des Bodens zum Wachstum, der Erde, aus der ihm die Kräfte emporfprießen, die ihn füllen und fruchtbar machen.

Vielfältig ist das, was wir die Heimat des Men­schen nennen: die Landschaft, in der er groß ge­worden ist, Berge ober Ebene, Stadt ober Land, Meer oder Wald. Stille ober Bewegung, Enge oder Weite; die Menschen, zwischen denen er gewachsen ist ernste oder heitere, sprühende ober wortkarge, hoffenbe ober verzweifelnde, gesunde ober kranke, blande ober dunkle, harte ober zarte die Häuser, die Bilder, die Bücher, die Mundart, die Lieder, die Kleider.

Alles baut sich zur Landschaft zusammen, der der Mensch entstammt, zur Heimat, aus brr er kommt und zu der er geht sein Leben lang. Denn wenn er hinausgeht aus seinem Kreis, in dem er atmet und w'rkt, tut er den Schritt in die Fremde.

Es ist nicht Schwachheit, nicht Unselbständigkeit, was den Menschen zurückführt oder ihm die Sehn­sucht ins Herz gibt. Heimweh ist nicht Rührseligkeit, und Heimdenken ist nicht Verzagtheit. Es ist das Wissen um sich selbst und das Wollen zu sich selbst, was den Menschen in der Fremde zurückruft. Es tft die Verantwortung für sich selbst, für die eignen Kräfte und für das Ziel des Wirkens.

Nur in der Heimat bist du: du selbst?

Nur in der Heimat fühlst du: dich selbst!

Nur in der Heimat glaubst du: an dich selbst!

Wi" ober solltest du schöpferisch fein, fühltest du nicht dich selbst, glaubtest du nicht an dich selbst, wärest du nicht du selbst?

Kein Zweifel soll sein: unsere Heimat ist nicht ein enger Kreis. Sie besteht nicht aus drei Straßen und einem Haus, aus fünf Menschen und einem Mund voll Liedern. Unsere Heimat ist weiter und reicher! Und sie ist doch wieder so klein und eng, daß wir sie

stadt etwa 600 Handschriften und Wiegendrucke aus der Bibliothek der Marienkirche zu Butzbach ein» verleibt wurden Dadurch kamen u. a. die sehr sel­tenen sog. Marienthaler Drucke in Gießener Besitz. Wir sahen z. B. einen aus der Zeit um 1480, ein in sehr zierlichen Lettern gedrucktes, mit Miniaturen geschmücktes Brevier, auf dessen Vorsatzblatt eine frühe Notenhandschrift eingeklebt ist. Oder eine kaiserliche Verleihungsurkunde, Pergament in rotem Samteinband mit anhängendem großen kaiserlichen Siegel, die Erhebuna des Herrn Heinrich Christian

Papyri, Handschristen und Inkunabeln

Kostbarkeiten der Gießener Universitätsbibliothek.

kleidung getroffen. Nach diesen Dorschriften kann in bestimmten Fällen Arbeitskleidung gegen eine geringere Punktzahl abgegeben werden, während Berufskleidung in genau festgelegten Berufen punktefrei zu haben ift Diese Regelung gilt zum überwiegenden Teil für solche Volksgenossen, die körperliche Arbeit verrichten und dabei beson­ders starken Verschleiß an Kleidungsstücken haben. Uniformen haben nichts mit der Kleiderkarte zu tun, sie werden nur gegen Uniform-Bezugschein ab­gegeben. *

Aus die Gesamcheit gesehen ist festzustellen, daß sich die Benutzung der Reichskleiderkarte überall nut eingespielt hat und auch die Einteilung der Punkte auf den Verbrauch in den verschiedenen Zeitabschnitten nichts mehr zu wünschen übrig läßt Zu diesem erfreulichen Ergebnis des ersten Jahres der Reichskleiderkarte haben unsere Ge- schäftsleute durch ihr diszipliniertes Verhalten einen bedeutsamen Anteil beigefteuert.

*

Mittlerweile ist die zweite Reichskleiderkarte in den Besitz der bezugsberechtigten Bevölkerung ge- kommen. Manche haben sie schon reichlichstrapa­ziert", diesmal sind aber die Zeitgrenzen beachtet worden. Von Wichtigkeit für viele Familien ist die Tatsache, daß zu der neuen Reichskleiderkarte, wie schon im Vorjahre, für Knaben und Mädchen im Alter vom 13. bis zum vollendeten 18. Lebensjahr wieder eine Zusatz-Kleiderkarte zur Ausgabe kommt, die den Buden 50 und den Mädchen 40 Zu- fatzpunkte bringen wird, um damit den durch das Heranwachfen der jungen Menschen bedingten ge­steigerten Bedarf an Kleidungsstücken zu befriedl- gen. Diese Zusatzkarten werden im kommenden Früh, jahr zur Ausgabe kommen. Sie sollen und dürfen aber nicht dazu verleiten, nun etwa mit den Punk- ten zuaasen", sondern nach wie vor besteht für jedermann die Notwendigkeit, mit diesem kostbaren Schatz in durchaus haushälterischer Weise umzu­gehen. ________________________

MancherleiSchmerzen" aibt es bei der Kleider­karte für ältere Knaben um» Mädchen, wenn diese über ihr Alter hinaus gewachsen sind, sodaß sie Kleidungsstücke in Erwachsenengröße haben müssen. Dann reichen die Punkte ihrer Kinder-Kleiderkarte nicht aus. Derartige Fälle sind keine Seltenheit. Es bleibt dann nichts anderes übrig, als den Weg vom Geschäft zum Wirtschaftsamt anzutreten, um dort einen Bezugschein zu holen, der gegen Ab­trennung der niedrigeren Punktmenge der Kmder- fleiberfarte auf eine entsprechende Punktzahl der Erwachsenen-Größe lautet. Ohne einen solchen Be­zugschein darf kein Geschäftsmann Waren abgeben. Aus dieser Sachlage erwächst dem Wirtschaftsamt in Gießen noch eine besondere Inanspruchnahme durch auswärtige Käufer, die nicht nur aus dem Landkreis Gießen, sondern auch aus den benach­barten Kreisen kommen. Diese Käufer kann man nicht mit leeren Händen heimfahren lassen und mit unnützen Fahrtkosten belasten. Ihnen muß gehol­fen werden. Das geschieht dadurch, daß das Wirt" schaftsamt Gießen in entgegenkommender Weise einen Bezugschein auf Waren in Erwachsenen-Größe ausstellt und dafür die geringere Punktzahl von der Kinder-Kleiderkarte zurückbehält. Damit ist dem Kauflustigen geholfen und zugleich dem Geschäfts­mann gedient, da ja doch nach der ganzen Sach­lage nichts anderes übrigbleibt, als irgendwie und irgendwo den Bedarf des über fein Alter hinaus- gewachfenen Kindes zu decken.

ihren Namenszug der Nachwelt hinterlassen.

Ein bewundernswertes Meisterwerk neuzeitlicher Reproduktionskunst ist die prachtvolle Faksimile- Ausgabe der Maneffeschen Handschrift, eine große Seltenheit die Pergamentausgabe oesTherer- dank" von 1517, eigens für den Kaiser Maximilian gedruckt und mit feinen Holzschnitten geschmückt. Zum Schluß feien noch zwei besonders bemerkens­werte Stücke genannt, ein Nürnberger Druck van 1527, der einen aufschlußreichen Einblick in Albrecht Dürers gründliches Anatomiestudium wie seine Be­schäftigung mit der Festungsbaukunst gewährt; und, im Gutenberg-Jahr von aktuellem Interesse, eine Schöffer-Dibel, worin der Kommentar den eigent­lichen Text auf jeher Seite wie eine Zierleiste um­randet. Diese Bibel, in gewaltigem Format, wurde

Ein Jahr Reichskleiderkarte.

Beobachtungen und Erfahrungen des Wirtschastsamtes Gießen

eine Dhora-Rolle auf Pergament erwähnt werden.

Um 1050 geschrieben wurde eine EvangMenhar- monle mit ganzseitigem, gemaltem Bilderschmuck (Kölner Schule). Eine La ngod ard enge schichte des Paulus Diaconus, angeblich im 9. Jayrhunoert ge- schrieben, ist über den schon erwähnten Freiherrn von Senckenberg aus dem Kloster Weingarten zu uns gelangt. Sehr wertvolle Stücke sind ferner eine Übersetzung der Lex Visigothorum ins Spa- nifche, mit Miniaturen, und eine Augsburger Per­gamenthandschrist desSchwabenspiegels"., Höchst merkwürdig ist ein sog. Schachzabel-Buch, ein statt­liches, ungemein zierlich auf Papier geschriebenes und ausgemaltes- Werk; es stammt, etwa 1432, von Meister Ingold, einem Straßburger Dominikaner, der aus dem Schachspiel einen umfänglichen theo­logisch-lehrhaften Traktat wider die sieben Todsün­den entwickelte. Man muß sich wundern, was es alles gibt, und was man noch nie gesehen hat: bei­spielsweise eigenhändige Unterschrift und eigenhän­dige Randnoten Luthers in einem schmalkaldischen Aktsnwerk aus dem Jahre 1540; auch Justus Ionas, Bugenhagen und andere aus der Reformationszeit bekannte Männer haben hier, erstaunlich leserlich,

Im Laufe des Jahres hatte sich ergeben, daß ein erheblicher Teil der schaffenden Bevölkerung die zur Berufsausübung erforderlichen Bekleidunas- stücke nicht mit den Punkten der Kleiderkarte be- schaffen konnte. Daher wurde eine besondere Rege­lung für die Beschaffung von Arbeits- und Berufs-1

die sog. Makulaturforschung, welche die interesian- testen Ergebnisse zeitigen kann: man findet bei der genauen Prüfung alter Bucheinbände nicht selten wertvolle Urkunden. Wir sahen hier beispielsweise einen Korrekturbogen von AugustinsGottesstaat", Schöffer-Druck von 1473, der im Einbande eines anderen Schöffer-Druckes gefunden wurde; woraus man wiederum geschlossen hat, daß Peter Schäffer (lein Name ift aus der Geschichte Gutenbergs und des Buchdrucks bekannt) seine Drucke in eigener Werkstatt hat binden lassen. Von solchen später entdeckten und ausgelösten Stücken gibt es übrigens in der Universitätsbibliothek eine ganze Menge.

Im Handschriftenlaa-l befindet sich auch eine sehr wertvolle Papyrus-Sammlung, die Papyri Jan- danae, vorläufig nur hier deponiert, Privatbesitz von Professor Kalbfleisch , testamentarisch der Iniversität vermacht. Neben solchen Zeugnissen rember Kulturen gibt es in diesem Saale aber auch allerlei heimatgeschichtlich bemerkenswerte Dinge wie z. B. das Friedberger Malefizbuch, eine Handschrift des 16. Jahrhunderts, mit Protokollen von Gerichts­verhandlungen vor dem Freigericht Kaichen, ober die handschriftlichen Akten der Bingenheimer Hexen­prozesse (1653/55), von denen in der ,Heimat im Bild" des näheren die Rede war, oder eine von unserem liebenswürdigen und sachkundigen Führer, Herrn Dr. M i 11 e r m a i e r entdeckte handschrift­liche Zunftordnung der Friedberger Schneiderzunft von 1557.

Eine Reihe der seltensten und völlig unersetzlichen Kostbarkeiten befindet sich gegenwärtig aus nahe­liegenden Gründen wohlverwahrt im Luftschutz­keller. Wir ft eigen hinunter und sind aufs neue be­troffen von der Fülle der Schätze, die man hier vor uns au9breitet Es ift unmöglich, sie alle zu nennen, aber einiges mag doch festgehalten fein, wie etwa das merkwürdige winzige Stück Pergament, nur etwa so lang und so breit wie ein Daumen: ein sog.Amulett", ein Evangelien-Bruchstück, beider­seits auf Pergament getrieben, das als Buch­zeichen in einem alten Buche verwendet und später entdeckt wurde. Oder die höchst eigenartigen singhale­sischen Handschriften, Zaubertexte und Beschwö­rungsformeln, auf Palmblätter geschrieben. Oder liturgische Texte mit früher Notenschrift, dem-sog. Nvimm bedeckt, nachmals mit schöner Sorglosigkeit als Bucheinband verwendet. Unter Glas betrachtet man das winzige Pergamentbruchstück der gotischen Bibelübersetzung des Ulfilas mit nebenstehendem griechischen Text. (Eine Faksimile-Ausgabe des be­rühmten Codex argenteus befindet sich übrigens auch hier unten im Keller.)

Weiter: die Oftr-aka, alte griechische Scherben, mit verschiedenartigen Mitteilungen, und ein Dip­tychon griechischen Ursprungs, eines jener Wachs- täfelchen, wie es die Alten für ihre Aufzeichnungen brauchten, ein antikes Notizbuch. Ziemlich reichhaltig ist die Sammlung der Papyri mit griechischen und anderen Texten.

Eines der wertvollsten und ältesten Stücke ist eine Pergamenthandschrift aus dem 8. Jahrhun­dert. welche das Bruchstück eines Sakramentars enthält, d. h. eines für den gebrauch des Priesters 'n der Messe bestimmten liturgischen Textes; auch dieses Pergament wurde später als Bucheinband benutzt. Eine bibliophile Kostbarkeit ist die Pergn- 1 menthandschrift desJwein" von Hartmann von : Aue Aus dem 13. Jahrhundert stammt eine Hand- i fchrift Ottos von Freising, die Gesta Friderici und i d:e Chronik enthaltend Aus etwa 1270 wird eine i lateinische Bibel mit wundervollen Goldinitialen

im Herzen mittragen.

Und wiederum: wo unsere Svrache klingt wo dos Buch in deutschen Worten spricht, wo die Men- scheu unsere Kleider tragen überall da ist Hei­mat. Wo die Kameraden neben uns marschieren, und - wo die Siebe der Frauen unsere Worte versteht und < unsere Empfindungen fühlt, da ist Heimat.

Wir leben im großen Kreis dieser Heimat, sie , entläßt uns nicht, wenn wir nicht selbst ihr ent­fliehen. Wir sind nicht allein, wenn wir in diesem Kreis leben. Der Kreis aber öffnet sich immer für 1 uns: im Wort aus der Heimat, im Wort des Kame­raden, im Wort der Frau, im Wort des Kindes. Solche Worte zu hören, ift Heimkehr, auch wenn die Füße feit Jahresfrist und kurzer oder länger die Seißen der sichtbaren Heimat nicht mehr geschritten sind.

Heimkehr aber ist Einkehr: Heimkehr zu uns selbst, Einkehr in uns selbst Und die Einkehr aibt das heilige Missen um uns selbst, um unser Leben und feine Ausgabe, um unsere Kraft und ihr Ziel. Ein­kehr ist Heimkehr

Dornolizen.

Tageskalender für Samstag.

NSG.Kraft durch Freude": 18.30 bis 21 Uhr Aennck m von Tharau". Gloria-Palast, Selters­weg:Das fündige Dorf". Lichtspielhaus, Bahn­hofstraße: ..Der dunkle Punkt". Oberbefsilcher Kunst­verein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung W. Jmkamp im Foyer des Stadttheaters.

Tageskalender für Sonntag.

Stadttheater: 15.15 bis 17.30 UhrGoldregen"; 18 bis 21 UhrAennchen von Tharau". Gloria- Palast, Seltersweg:Das fündige Dorf". Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Der dunkle Punkt". Deutscher Alpenverein: 16 Uhr imHindenburg" Lichtbildervortrag Dr. KaufmannRund um die Gießener Hütte". Schützengesellfchaft 1926: 16 Uhr bei Kamerad Bepler, Bahnhofstraße, Jahres-Haupt­versammlung. Obst- und Gartenbauverein und Kleingärtnerverein Lahntal: 15.30 Uhr imBurg­hof" außerordentliche Hauptversammlung. Ober- hessischer Kunstverein: 11 bis 13 Uhr Ausstellung W. Jmkamp im Foyer des Stadttheaters. Kreis­musikerschaft: 16.30 Uhr in der Aula der Universi­tätTag der deutschen Hausmusik". (Die Veranstal­tung muß pünktlich beginnen.)

Stadttheater Gießen.

Am Sonntag wird in einer Nachmittagsvorstel­lung der große Lustspiel-OperettenerfolgGold­regen" von Manfred Rößner, Musik von Hellmut Rößner wiederholt. Es ist damit allen, die abends oder bei der letzten Sonntagnachmittag-Vorstellung das heitere Werk nicht besuchen konnten, noch ein­mal Gelegenheit geboten, das Versäumte nachzu­holen. Die Spielleitung hat Harry Grüneke, die mu­sikalische Leitung Arthur Apelt.

Am Sonntagabend wird die erfolgreiche Operette Aennchen von Tharau" von Heinrich Strecker wiederholt. Musikalische Leitung: Arthur Apelt. Spielleitung: Harry Grüneke. Bühnenbild: Karl Löffler. Tanzleitung: Irmgard Trömel, Chöre: Archur Apelt. Außer Miete,

Ueber Geschichte, Bestände, Aufgaben und Tätig­keit der (Siegener Universitätsbibliothek ist sowoyl in unsererHeimat im Bild" als auch im Gießener Anzeiger selbst früher bereits mehrfach zuletzt gelegentlich der Woche des Buches 1935 ge­schrieben worden. Aber es kann und soll immer wieder einmal der Blick auf dieses für den aesamten Wissenschaftsbetrieb der Hochschule unentbehrliche, wie auch darüber hinaus für die Allgemeinheit höchst wichtige und nützliche Institut gelenkt werden. Wenn man bedenkt, daß die Bestände der Staats­bibliothek in Berlin insgesamt etwa 45 Millionen Nummern umfassen, dann wirken die Vergleichs­zahlen der Universitätsbibliothek daneben bescheiden: 488 616 Bände, 282 577 Dissertationen, 1024 Hand­schriften, 410 Urkunden, dazu nahezu 2000 Zeit­schriften aus den verschiedensten Gebieten: das ergibt aber noch immer für die meisten Volks­genossen eine nahezu unvorstellbare Menge bedruck­ten Papiers. Da es sich nun hier nicht nur, obwohl überwiegend, um Papier handelt, sondern auch um andere, kostbarere Stoffe wie Pergament und Papyrus, und auch nicht allein um Druck, sondern auch um Handschriften und Buchmalerei, sind wir beim eigentlichen Thema angelangt: werfen wir einen Blick auf die Seltenheiten und Kostbarketten, die heute natürlich noch sorgfältiger aufbewahrt und gehütet werden müssen als in normalen Zeit­läuften. Neben rund 1500 Handschriften und etwa ebenso vielen Inkunabeln (das find frühe Drucke, auch Wiegendrucke genannt, ungefähr bis zum Jahre 1530) gehört eine kleinere Anzahl Papyri zum wert­vollsten Bestand der Universitätsbibliothek.

Es wäre freilich ein ganz aussichtsloses Unter­nehmen, auch nur in etwa einen Ueberblicf über die vorhandenen Schätze vermitteln zu wollen, aber es mag immerhin einiges herausgegriffen werden, was nicht nur wissenschaftlicher Bemühung und Auf­merksamkeit wert scheint. Im Handschriftensaal ist beispielsweise schon der alte Katalog interessant, in welchem eine Eintragung auf die Gießener Fran- zosenzett und gewisse Bleistiftanstriche eines franzö­sischen Kommissars im Verzeichnis hinweist: sie be? zeichnen einige schmerzliche und nicht zu ersetzende Abgänge in den Beständen. Eine hier naheliegende Frage seit wann gibt es überhaupt so etwas wie eine Gießener Universitätsbibliothek ist mit der Feststellung zu beantworten, daß Landgraf Ludwig 1612 in Straßburg eine Gelehrten-Bibliothek auf­gekauft hat, die den Grundstock bildete; dieser wurde später vornehmlich durch eine Reihe von Stiftungen vermehrt. Gießener Gelehrte, z. B. Professor May und der Altphilologe Klemm haben der Universität ihre Privatbibliotheken testamentarisch vermacht. Den Hauptteil stiftete der Freiherr von Sencken­berg, Jurist am Reichskammergericht in Wetzlar, der fein Haus und feine Bibliothek der Universität übereignete. Einen weiteren sehr schätzenswerten Zuwachs erhielt die Sammlung, als ihr 1771 au Grund einer Verfügung der Regierung in Darm-

Das Treudienst-Ehrenzeichen.

Der Führer hat. das silberne Treudienst-Ehren­zeichen für 25jährige treue Dienste bei der Stadt­verwaltung Gießen dem Bauoberinspektor Karl Dem, dem Straßenbahnwagenführer Georg Pfeiffer und dem Lageristen Georg Weber verliehen. Das Ehrenzeichen wurde den Ausgezeich­neten vom Oberbürgermeister dieser Tage überreicht.

Ei<-rvertei1ung.

Auf die Reichseierkarte Abschnitt c der gegenwärti­gen Dersorgungsperiode wird bis zum 17. November ein Ei für jeden Dersorgungsberechtigten ausge» gegeben.

Ortszeit für den 17. November.

(Sonnenaufgang 8.51 Uhr, Sonnenuntergang 17.29 Uhr. Monduntergang 10.31 Uhr, Mondaufgang 19.38 Uhr.

Ortseit für den 18. November.

Sonnenaufgang 8.53 Uhr, Sonnenuntergang 17.27 Uhr. Monduntergang 11.22 Uhr, Mondaufgang 20.32 Uhr.

Gießener Vochenmarktprefte.

Die Punkte! Wer wüßte sie nicht zu schätzen? I eindringlich nahegelegt, derartige: Vorschüsse auf

Seit einem Jahre sind sie nun unsere treuen Weg- die Seligfeit' unter kemen wieder zu

genossen. Und immer sind sie Gegenstand unserer! gewahren, wenn sie nichtfür sich und für die Kau- besonderen Aufmerksamkeit, denn ihr Verlust ift fer größte S^ierigtaten h^rbhepl u^e" gleichbedeutend mit einer schweren Einbuße, weil es > Daraufhin wurde allenthalben der 3eitplan der für sie keinen Ersatz gibt. Es wird |ogar von man-1 Punktgültigkett sorgsaitig beachtet Es verdient ie- 'm." rrl v .doch hervorgehoben zu wenden, daß die große Mehr-

hett aller Geschäftsleute sich schon von Anfang an in vorbildlicher Disziplin an die Zeitvorschriften gehalten und damit den Käufern selbst einen guten Dienst erwiesen hatte, indem sie mit darauf hin­wirkten, daß sich der Kunde zur wirtschaftlichen Verwendung seiner Kleiderkarte bequemte. Beim Wirtschaftsamt traten im Verlaufe des Jahres aber immer wieder Forderungen auf Vordatierung von Punkten in Erscheinung, denen jedoch nicht ent­sprochen wenden konnte, da eine solche Maßnahme unzulässig ift

* Gießen, 16 Nov. Aus dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, A kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 6 bis 10, auslän­dische Eier 11, Kartoffeln, % kg 4, 5 kg 40. Wir- ouuuuun ui ucii x v. uiuqtuui. aus dem SalzburgUchen datiert. Nur als K-uriosität} fing, %kg 7, Weißkraut 5. Rotkraut 8, gelbe Rüben

Ein neuerer Zweig der Änkunabelwiffenschaft ist 1 und der eigentümlichen Form wegen mag daneben 7, rote Rüben 6, Spinat 15, Unterkohlrabi 5, Grün-