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Roman von Helene Kalisch

Copyright 1939 by Prometheus -Verlag Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München

23. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Mittags hatte Hans Bergholz Dietmuche sehr schöne und kostbare Blumen geschickt. Darauf hatte die Springer angerufen, ihm im Namen Dietmuthes gedankt und ihn zum Abend eingeladen. Er ist zwar enttäuscht, nicht die geliebte Stimme im Apparat zu vernehmen, aber doch beglückt über die Einladung. Ein Tor ist er, hält er sich vor, wenn er sich jetzt mit zwecklosen Grübeleien die Stimmung verdirbt.

Als erster Gast erscheint er im Heim der Prima­donna. Eine verschwenderische Fülle von Blumen ist in den Zimmern verteilt Spenden von Freunden, Verehrern und Verehrerinnen. Auch seine Blumen erblickt Bergholz darunter.

Dietmuthe sagt ihm Dank dafür, läßt ihm eine kleine Weile ihre schöne Hand, die er küssen darf. Sie ist lieb und sanft heute. Mit ihren weichen, gleitenden Bewegungen in der fließenden Seide ihres Kleides, die sich den Formen ihres schönen Körpers anschmiegt, geht sie hin und her, plaudert, lacht, setzt sich an den Flügel und singt mit durchsichtigem, schwebendem Kopfton zwei Weihnachtsliedchen. Er sitzt abseits in einem Lehnstuhl; fern und wesenlos ist aller Kampf und Hader, alle Qual und Unruhe. Und als Dietmuthe zu ihm tritt, sich an seinen Stuhl lehnt, da versinkt er völlig in die Süßigkeit dieser Stunde.

Sie gleitet von ihm fort. Sie hat erstaunlich scharfe Sinne und spürt das Nahen der Springer, die alle paar Minuten mit einer Frage hereinkommt. Sie ist mit den Vorbereitungen für den festlichen Abendtisch beschäftigt. Später erscheinen Kolleginnen und Kol­legen von der Oper, auch Doktor Bock mit seiner Frau, und zuletzt Heidenreich Beim Kerzenschimmer wird gegessen. Die Bühnenleutchen sind übermütig, und die Stimmung wird bald ausgelassen lustig. Als man sich in später Stunde trennt, sind alle etwas angeheitert. Auf der Straße bilden sie eine lärmende Gruppe und beratschlagen, auf welche Weise der

bracht und die Sieger des letzten großen Preis­schießens bekanntgegeben, bei dem die Kamerad­schaft der 116er von 19 teilgenommenen Kame­radschaften an dritter Stelle steht. Kamerad Kern konnte außerdem noch den dritten Platz der besten Einzelschützen belegen, wofür ihm die Hindenburg- Plakette überreicht wurde. Eine weitere Auszeich­nung erhielt Kamerad Sänger, dem die bron­zene Ehrennadel überreicht wurde. Der Kamerad­schaftsführer wies darauf hin, daß sich alle Kame­raden rege an dem Ehrennadelschießen beteiligen sollten, das für jeden Kameraden offen ist. Fer­ner wurden die Wege für die nunmehr verschärft einzusetzende Propaganda bekanntgegeben. Der of­fizielle Teil wurde durch den Kameradschaftsführer in der üblichen Weise geschlossen.

Kamerad Glagow erzählte in dem anschlie­ßenden kameradschaftlichen Teil Erlebnisse seiner eineinhalbfährigen französischen Gefangenschaft im Weltkriege, die bei allen Zuhörern mit großem In­teresse ausgenommen wurden und die mit gutem Soldatenhumor gewürzt waren. Kamerad A l b o l d berichtete kurz über den Gesundheitszustand des Kameraden Hauptmann Reuter, der z. Z. zur Ge­nesung in einem deutschen Lazarett liegt. Die Ka­meradschaft sandte ihm von ihrem September-Ap­pell Kartengrüße, verbunden mit den Wünschen für baldige Genesung.

Schwerer Derkehrsunfall in jReiefirchen.

* Reiskirchen (Kreis Gießen), 16. Septem­ber. Am gestrigen Sonntag gegen 14.30 Uhr ereig­nete sich in unserem Orte auf der Hauptstraße an der scharfen Kurve in Richtung Lindenstruth ein schwerer Verkehrsunfall. Dort rannte ein Personenkraftwagen aus Großen-Buseck, dessen Lenker nach Saasen unterwegs war, um dort eine Reparatur an einer Dreschmaschine vorzuneh­men, in der Kurve gegen das Hoftor eines Hauses. Unglücklicherweise standen an dem Hof­tor zwei kleine Mädchen, die von dem Kraftwagen umgerissen wurden. Die sechs Jahre alte Lina Hahn wuede dabei so schwer verletzt, daß sie trotz schnellster ärztlicher Hilfeleistung und sofortiger Ueberführung in die Chirurgische Klinik in Gießen bald nach der Einlieferung in die Klinik leider g e st o r b e n ist. Das andere der bedauerns­werten Kinder, die sieben Jahre alte A n n i Brück, wurde mit einem sehr schweren Bein­bruch, einer Gehirnerschütterung und zahlreichen Hautabschürfungen in das Evangelische Schwestern­haus in Gießen eingeliefert. Die Ermittlungen der Gendarmerie über die Ursache des Unglücksfalles sind noch im Gange.

60 Jahre Arbeit für das deutsche Volkstum.

Eine Tagung der VOA.-Mitarbeiter im Kreise Wetterau.

Der Kreisverband Wetterau des Volksbundes für das Deutschtum im Ausland hatte am Sams­tagnachmittag seine Amtsträger und Mitarbeiter in den Sitzungssaal des Landratsamtes zu Gießen zu einer Arbeitstagung eingeladen.

Kreisverbandsleiter Studienrat Schwarz er­öffnete mit herzlichen Grußworten an die Gäste, unter denen sich auch Landrat Dr. Lotz befand, die gut besuchte Tagung und sprach den Mitarbei­tern am VDA. Worte des Dankes für chren Einsatz aus. Er betonte dann u. a., daß die Arbeit des VDA. nach der Heimkehr weiter Volksdeutscher Ge­biete ins Reick nickt überflüssig geworden, sondern infolge der Umsieolung vieler Volksdeutschen in andere Gebiete doppelte Arbeit notwendig sei. Der volksdeutsche Gedanke und damit die Arbeit am Werk des Führers erfasse immer weitere Kreise unseres Volkes.

Sodann ging Studienrat Schwarz zu seinem Thema über6 0 Jahre Volksdeutsche Ar­beit". Er führte ür-a. aus, wie es vor 60 Jah­ren infolge der Unterdrückung des volksdeutschen Gedankens in der alten Oesterreich-Ungarischen Monarchie zur Gründung des Volksbundes gekom­men sei. Kaiser Franz Joseph I. habe in dem volks­deutschen Gedanken etwas Ungesetzliches und Un­statthaftes gefunden. Da hätten Männer des Klein­bürgertums und Teile der Arbeiterschaft sich zu rühren begonnen, um ihren Brüdern zu helfen. Deutsche Schutz- und Erhaltungsarbeit nahm ihren Anfang mit der Gründung des Deutschen Schul­vereins im Jahre 1880 in Oesterreich-Ungarn. Das Ziel war, die Deutschen zusammenzuschweißen zu einer einzigen Volksgemeinschaft nach dem Grund­satzGemeinnutz geht vor Eigennutz". Das Haupt­ziel des Deutschen Schulvereins waren Gründung und Ausbau deutscher Schulen in den deutschen Sprachgebieten der Oesterreich-Ungarischen Monar­chie. Die Mitgliederzahl wuchs von Jahr zu Jahr. 1887 bestanden bereits 1174 Ortsgruppen mit 120 000 Mitgliedern. Der größte Feind des Deut­schen Schulvereins war das österreichische Mini­sterium. Schon im Dezember 1885 trug man sich an maßgebenden Regierungsstellen mit dem Ge­danken, den Deutschen SchÄoerein aufzulösen; es kam aber doch nicht dazu. Der Volksdeutsche Ge­danke wuchs weiter: Sechs Jahre nach der Grün­dung bestanden schon 41 Vereinsschulen und 48 Vereins kindergärten. Im Jahre 1889 konnte man daran denken, einen eigenen Schulhausbaufonds zu gründen. Vis zum Weltkrieg wuchs die aufge­brachte Summe des bis dahin 220 000 Mitglieder zählenden Vereins jährlich aus 1,4 Millionen Gold­kronen. Im ganzen waren von der Gründung bis zum Jahre 1913 insgesamt 23 Millionen Goldkro­nen aufgebracht worden. Die Volksspende, auf Vor­schlag des Dichters Peter Rosegger ausgenommen, ergab allein 3 Millionen Goldkronen, die sich meist aus Bausteinen kleinster Leute zusammensetzten. Ohne die rege Arbeit des Deutschen Schulvereins wären viele Volksdeutsche ihrem Mutterland für

immer verlorengegangen. Da der Oesterreichische Schutz- und Schulverein aber keine Deutschen aus dem Reich aufnehmen durfte, hatte in Berlin am 18.8.1881 die Gründung des Allgemeinen Deut­schen Schulvereins stattgefunden. Beide Schulver­eine kämpften für dasselbe Ziel. Der Allgemeine Deutsche Schulverein erhiell im Jahre 1889 den NamenVerein für das Deutschtum im Ausland = VDA." Als solcher überdauerte er den Weltkrieg und begann dann seine Arbeit von neuern. 1933 wollte der Gesamtverein seine Jahrestagung in Klagenfurt halten, mußte aber wegen der Dollfuß- Regierung in Oesterreick nach Passau gehen, um dort seine Tagung zu halten und nannte sich ab jetztVolksbund für das Deutschtum im Ausland". Er hat sein einstiges Ziel erweitert und verlangt heute Schutz und Erhaltung des deutschen Volks­tums aller 100 Millionen Deutscher und weiß sich darin einig mit den Zielen unseres Führers. Rei­cher .Beifall dankte dem Vortragenden für seine Ausführungen.

In der Pause hatte die Versammlung Gelegen­heit, eine von Fräulein Emmelius von der NS.- Frauenschaft im Saale aufgebaute Ausstellung von Erzeugnissen aus volksdeutschen Gebieten zu besich­tigen und Gegenstände daraus käuflich zu erwerben. Man sah u. a. Spielzeug aus Südtirol, Handarbei­ten aus Siebenbürgen, Keramikgegenstände aus Steiermark, ferner Gegenstände aus Glas, Holz­schnitzereien u. dgl. aus dem Sudetenland, Böhmen, Estland, Lettland. Jugoslawien u. a. Der Ausstel­lung wurde reges Jnteresie entgegengebracht.

Ein weiterer Vortrag überDie deutsche W e st g r e n z e", von Studienrat SeyboId ge­halten, machte die Zuhörer mit einstigem deutschen Land an der Westgrenze bekannt. Infolge Zer­splitterung des Reiches in vergangenen Jahrhun­derten, sowie der Selbstsucht deutscher Fürsten und nicht zuletzt infolge der religiösen Spaltung gingen an der deutschen Westgrenze im 17., 18. und 19. Jahrhun­dert weite Teile deutschen Bodens verloren; sie sind romanisiert, ihre Einwohner vielfach ausgewan­dert und viele ihrer Söhne, einst deutschen Bluts, haben für fremde Völker gegen chr einstiges Mutter­land gekämpft. Es gingen verloren: die Schweiz mit ihren 3 Millionen deutsch sprechenden Menschen nach dem Dreißigjährigen Krieg, das Kali und Erd­öl bergende, wie die Schweiz einstmals zum Her­zogtum Schwaben gehörige Elsaß, ebenfalls 1648, 1681 auch das letzte deutsche Bollwerk am jenseitigen Ufer des Oberrheins, die stolze Stadt Straßburg, ferner gingen verloren Lothringen, von dem in­dessen im Jahre 1871 nur Ostlothringen bis 1918 wieder zurückkehrte, mit seinen 400000 deutsch spre­chend en Menschen, Luxemburg, dessen Hauptstadt 1867 noch eine preußische Bundesfestung war. Recht wechselvoll war das Schicksal der schon 870 (Derttag von Mersen) zu Deutschland kommenden Rhein- und Scheldemündungen. 1815 wurde auf englisches Betreiben das Königreich der Vereinigten Nieder­lande gegründet, 1830 Belgien selbständig. England

Abend am besten fortzusetzen sei. Bergholz inmitten der Schwatzenden und Lachenden stellt bei sich fest, daß Heidenreich das Haus nicht verlassen hat. Eine Flamme züngelt ihm nach dem Gehirn. Er schließt sich den Künstlern an und später betrinkt er sich.

12. Kapitel.

Während einer Fidelio-Aufführung wird Berg­holz vom Logenschließer eine Karte von Dietmuthe gebracht. Sie hat ihn von der Bühne aus gesehen und bittet ihn, sie nach der Vorstellung am Büh- nenausgang zu erwarten.

Er ist fassungslos. Bei dem Beifallsgetöse am Schluß flammt stürmischer Jubel in ihm auf. Er ist unbändig stolz, denn ihm steht ja diese herrliche Leonore viel, viel näher als den begeisterten Tau­senden, die eine leidenschaftlich erregte Masse sind eine Masse! Er aber ist ein Erwählter...

Nahe dem Bühnenausgang wartet das Auto des Bankiers. Bergholz streift unruhig umher, versucht, seine Erwartung zu zügeln, nichts hinter dieser überraschenden Aufforderung Dietmuthes zu sehen, als eine ihrer unberechenbaren Launen. Das ge­lingt ihm jedoch nicht.

Wieder jagt windgepeitschtes Regen- und Schnee­gemisch über den schwarzen Asphaltspiegel der Straße wie an jenem Abend, als aus dem Dunkel die Gestalt des Vagabunden auftauchte und Dietmuche erschreckte.

Sie kommt, und sie steigen in das wartende Auto.Wollen wir zu mir nach Hause oder an­derswohin, Doktor? Entscheiden Sie, mir ist es egal", sagte sie freundschaftlich. Und ohne seine Antwort abzuwarten, erzählt sie:Heidenreich ist heute unabkömmlich. Er, muß an einer offiziellen Tafelei teilnehmen. Doch den Wagen hat er mir geschickt."

Der Hinweis auf den Bankier und ihre Vertraut­heit mit ihm gibt Bergholz einen Stich. Er schluckt den Wermutstropfen und erklärt, daß er, wenn er wählen dürfe, natürlich für ein Plauderstündchen in ihrem Heim dankbar sein würde.

Und daß dieses ungestörte Plauderstündchen mir im selben Maße Vergnügen machen wird, setzen Sie als selbstverständlich voraus", fragt sie belustigt.

Ach nein, gnädige Frau, ganz gewiß nicht!" ent­gegnet er mit schwermütigem Ton.Ich dachte dabei nur an mich ... Und weil Sie mir die Entscheidung

hatte damit sein Ziel erreicht: die Kanalküste gehörte weder zu Deutschland, noch zu Frankreich. Die Rhein- und Scheldemündungen gehörten fremden Völkern, obwohl drei Viertel des gesamten Verkehrs nach Deutschland gehen. Der Redner erntete für seine geschichtlich und wirtschaftlich sehr interessan­ten Ausführungen starken Beifall.

Kreisverbandsleiter Schwarz berührte dann u. a. noch die kommenden großen Aufgaben. Er schloß mit dem Gedenken an den Führer die Ver­

sammlung, an die sich noch eine geschäftliche Be­sprechung der VDA.-Amtsträger anschloß.

Landkreis Gießen.

§ Steinbach, 15. Sept. Am heutigen Tage konnte der frühere Maurer Heinrich Arnold IV. seinen 8 2. Geburtstag feiern; fein Gesund­heitszustand ist für sein hohes Alter befriedigend. Unsere Glückwünsche.

Modellflugwettbewerb des ASIK.

Das NS.-Fliegerkorps Sturm 6/75 Gießen ver­anstaltet am Sonntag, 22. September, einen Mo­dellflugwettbewerb auf den Wiesen hinter dem Ge­richt. Beginn der Veranstaltung 14 Uhr. Außerdem gibt der Sturm allen Volksgenossen Gelegenheit, an diesem Tage von 9 bis 12.30 Uhr die Werkstätten für Flugzeugbau, Moltkeftraße 27 (SA.-Brigade) und in oen Eichgärten für Flugmodellbau zu be­sichtigen.

Es wird sicher für manchen Volksgenossen sehr interessant sein, die Arbeiten unseres fliegerischen Nachwuchses im Segelflugmodell- und Segelflug­zeugbau zu sehen. In der Modellbauwerkstatt wird der Ausbau und die Entwicklung von einfachen Flug­modell bis zum entwickelten Hochleistungsmodell ge­zeigt. An besonders interessanten Typen werden zu sehen sein Wasserflugmodelle, Nurflügel, und Mo­delle nach Entenbauart und ein Schwingenflug- modell. Darüber hinaus werden nicht nur fertige Flugmodelle gezeigt werden, sondern auch einzelne Baustadien und die Verarbeitung verschiedener Werkstoffe.

In der Segelflugzeugbau-Werkstatt ist Gelegen­heit gegeben, das neueste Segelflugzeuamuster, den Schulgleiter 38 (SG. 38), im Bau zu sehen. Ange­hörige der Flieger-HI. sind bei der Arbeit zu sehen.

An dem Wettbewerb werden etwa 60 Segelflug­modellbauer chre Flugmodelle starten.

Deutscher Leichtathletiksieg über Italien.

Im zweiten Leichtachletik-Länverkampf dieses Jahres zwischen Deutschland und dem befreundeten Italien gab es erneut einen deutschen Sieg, der mit 94,5 zu 83,5 Punkten allerdings wesentlich knapper aussiel als im August in Stuttgart. Die Italiener haben in der Zwischenzeit ihre Mann­schaft verstärkt, während Deutschland ohne den er­krankten Weltrekordmann Rudolf Harbig (Dresden) antrat. Von den 19 Wettbewerben gewann Deutsch­land 11. Die 2000 Zuschauer nahmen den Sieg der deutschen Freunde mit großem Beifall auf.

3. Fußbattkampf

Deutschland Slowakei 1:0.

Schwerer als -erwartet gewann die deutsche Fuß- ballmannschaft am Sonntag in Preßburg den 3. Länderkampf gegen die Slowakei mit 1:0 (0:0) und erfocht damit in ihrem 175. Länderspiel den 85. Sieg. Das Treffen in der slowakischen Hauptstadt gestaltete sich trotz der nicht gerade günstigen äu­ßeren Bedingungen vor über 10 000 Zuschauern zu einer machtvollen Kundgebung der deutsch-slo­wakischen Freundschaft. Die Mannschaften:

Deutschland Jahn; Janes, Moog; Zwola- nowski, Dzur, Männer; Eppenhofi, Hahnemann, Conen, Jelinek, Durek.

Slowakei: Reimann; Vanak, Rado; Kovac, Porubysky, Dr. Chodak; Bolcek, Bielek, Foeldes, Arpas, Luknar.

Wenn das Spiel der Deutschen nicht alle Wünsche erfüllte, so lag das in erster Linie an der Tatsache, daß auf dem regennassen Boden einige unserer jungen Spieler rein körperlich gegen die stämmigen Slowaken nicht ankommen konnten. Eine Enttäu­schung beredete einzig der Wiener Hahnemann im Sturm, der bei weitem nicht an feine Leistungen in Leipzig anknüpfen konnte. Conen zeigte muster­haften Eifer als Angriffsführer, aber er spielte diesmal etwas zu eigennützig. Mit seinen Durch­bruchsoersuchen und Alleingängen hatte er kein Glück. Eppenhoff schaltete sich erst zum Schluß bes­ser in die deutschen Angriffszüge ein. Sehr gut schlug der linke Flügel mit den Wienern Jelinek und Durek ein. Vor allem Durek zeichnete sich durch plangemäßes Spiel und nicht zuletzt durch das Siegestor aus. In der Läuferreihe stand der Dres­

dener Dzur nicht ganz durch. Dadurch bekamen feine Nebenleute erhebliche Ueberarbeit, die der junge Hannoveraner Männer am besten leistete, ohne daß Zwolanowski etwa versagt hätte. Janes fand bei dem energischen Moog eine gute Unter­stützung. Der Berliner Torwächter Jahn fand wäh­rend des ganzen Spiels nur wenig Gelegenheit, sein Können zu beweisen.

Bei den Slowaken überragte Reimann im Tor. Auch Vanak als Verteidiger und Porubysky als of­fensiv spielender Mittelläufer waren gleichfalls erst­klassig. Im Angriff ging die meiste Wirkung von Bolcek aus. Nach der Umstellung bewährte sich auch Luknar als Sturmbock.

Abrudern der &R&.

Am gestrigen Sonntag veranstaltete die Gießener Rudergesellschaft auf der Lahn ihr diesjähriges Ab­rudern. Die Rennen wurden zwischen dem Boots­haus des Marinevereins und dem Bootshaus der GRG. ausgefahren. Mit Rücksicht darauf, daß fast alle aktiven Ruderer im Wehrdienst stehen, hatte die Vereinsführung ihre Jugendgruppe zu einer Ju- genbreaatta aufgerufen. Diesem Rus folgte eine große Anzahl jugendlicher Ruderer.

Als erstes Rennen startete der Doppelzweier, der von der Mannschaft Schmidt/Lauer mit 14 Se­kunden Vorsprung gewonnen wurde. Aus dem dann folgenden Einer-Rennen ging das zur Zeit in Urlaub weilende Mitglied Schaub mit einem Vor­sprung von 7 Sekunden hervor. Im 2. Vierer (Preis von Gleibach) erwies sich die Mannschaft Hof, Bieker A., Bieker Th., Göbel, Steuer: Kreiling, als die. bessere, sie gewann das Rennen gegen das zweite Boot mit einem Vorsprung von 16 Sekunden.

Großem Interesse begegnete das Rennen des 1. Sie r er s. Hier traten sich gleichmäßig trainierte Mannschaften gegenüber, von denen jede alles her­gab, um Sieger des Rennens zu werden. Mit drei Sekunden Vorsprung siegte in tadelloser Verfassung die Mannschaft Klinkerfuß, Seim, Schaefer, Grah, Steuer: Kreiling, gegen die Mannschaft Schuchard, Kübel, Schaub, Leiv, Steuer: Gierhard. In der Pause bis zur Austragung des Großen Achters zeig­ten Mitglieder der FrauenabteilunA in einem Vie­rer Stilrudern über eine Ärecke von 400 Meter. Große Spannung und allgemeines Interesse löste das Achter-Rennen aus. Eine Mann­schaft setzte sich aus alten Rennruderern zusammen, die zum Teil lange nicht im Boot gesessen und so­mit keinerlei Training hinter sich hatten, während die Jugendmannschaft von 6 Jugendlichen und 2 Fronturlaubern (ebenfalls Jugendliche) gestellt wurde. Die Jugend (Müller, Schuchard, Säuer, Seim, Schaefer, Schaub, Kübel, Leib, Steuer: Gier­hard) fuhr die Strecke von 1000 Meter in einer Zeit von 3,40 Minuten, gefolgt vom Boot mit den älteren Ruderern, die für die gleiche Sttecke 6 Se­kunden Zeit mehr benötigten.

Zwei Vierer-Rennen bildeten den Schluß der Veranstaltung. Damit wurde auch den Nicht­siegern eine Möglichkeit gegeben, unter sich noch die bessere Mannschaft auszumachen. Im ersten Rennen siegte die Mannschaft Schuchard, Kübel, Schaub, Lein, Steuer: Gierhard. Das zweite Rennen gewann die Mannschaft Hof, A. Bieker, Th. Bieker, Göbel gegen die Mannschaft Klinkerfuß, Schäfer, Seim und Grah. Letztere lag zunächst gut im Rennen und ver­lor es nur durch Riemenbruch.

Vereinsführer Scharmann rief nach Beendi­gung der Rennen sämtliche Teilnehmer zu einer schlichten Siegerehrung zusammen, in der er auch in eindringlichen Worten die Aufgabe umriß, die dem deutschen Sport durch die ihm übertragene Sammlung für das Kriegs-WHW. am 21. und 22. September zugewiesen wurde. Eine stattliche An­zahl der Mitglieder der GRG. ist vom Vereinsführer zur freiwilligen Sammeltätigkeit für die erste Stra­ßensammlung verpflichtet worden.

gewährten. Es ist heute alles so überwältigend für mich!

Sie gibt dem Chauffeur die Weisung, nach ihrer Wohnung in der Meinickestraße zu fahren.

Wie war ich heute als Leonore? Ich fühlte mich anfangs nervös, verhaspelte mich auch einige Male beim Tempo. Aber dann wurde es doch ganz gut, nicht wahr?" wendete sie sich dann wieder an Berg­holz.

Ganz gut! ..." wiederholt er leise.Zwei arm­selige Wörtchen sind das, und doch liegt unendlich viel darin. Ganz gut! Erreichte Vollkommenheit! ... Es wird Ihnen viel überschwängliches Lob für Ihre Leistungen gezollt, gnädige Frau, unh ich ... mir war es heute wieder zum Hinknien und Vergehen! Sehen Sie, das sind auch nur Worte. Und doch, in Augenblicken solchen Erlebens übersteigt man die Grenzen, die einem gezogen sind. Das ist höheres Leben!"

Sie schweigt ein paar Augenblicke nachdenklich und sagt dann:Bei Ihnen klingt das so überzeugend. Freilich bin ich an Bewunderung gewöhnt, sie ist mir sozusagen zum täglichen Brot geworden. Aber trotz der Gewöhnung an solche Kost bleibe ich fein­fühlig für die Unterschiede. Bei Ihnen ist zu spüren, daß es in die Tiefe geht. Ich selbst soll ja keine Tiefe haben, wird mir nachgesagt. Vielleicht ist es so. Aber oft ist auch der Kontakt nicht da."

Bergholz fühlt sich in einen Wirbel hineingerissen; sein Herz stürzt und taumelt, er findet kein Wort der Erwiderung.

Sie erreichen das Haus, und der Wagen hält. Er öffnet den Schlag, steigt aus und hilft Dietmuthe heraus. Während der Fahrer den Motor wieder an­läßt, schließt er das Haus auf, schaltet die Nacht­beleuchtung ein. Dietmuthe geht vor ihm die Treppe empor mit ihren weichen, gleitenden Bewegungen, die rechte Wange ein wenig der Schulter zugeneigt. Das Mädchen öffnet die Wohnungstür und nimmt ihr Hut und Mantel ab.Schläft Fräulein Sprin­ger?" fragt sie. Die Hausangestellte bejaht.

Meine gute Kläre hat heute ihre Migräne", wen­det sich Dietmuthe dann zu Bergholz.Kommen Sie, wir trinken eine Taffe Tee und unterhalten uns noch." Sie geht ihm voran ins Wohnzimmer, läßt dann Bergholz ein paar Minuten allein, der über­wältigt von der jähen Wunscherfüllung, der uner­warteten Gewährung alles dessen, was er so lange

vergebens herbeigesehnt hat, nach Fassung ringt. So­gar die Springer nicht im Wege! ... Das ist ein beinahe beängstigendes Glück ...

Dietmuthe kommt und bringt den Dust von Köl­nischem Wasser mit. Sie hat das Kleid ausgezogen und trägt einen seidenen Kimono mit eingestickten Blumenranken und Schmetterlingen. Das Mädchen trägt einen Imbiß auf. In der Teemaschine beginnt das Wasser zu summen.

Dietmuthe schmiegt sich in die seidenen Kissen der Couch; das lockere rotblonde Haar fällt ihr über die Schultern. Die Anstrengung des Abends hat Spuren leichter Müdigkeit in ihre Züge gezeichnet. Er weiß, sie braucht zur völligen Entspannung noch eine Stunde leichter Unterhaltung. Aber wie soll er jetzt den oberflächlichen Plauderton finden, nachdem sie ihn in ungeahnte Erschütterung gestürzt hat und die Wellen feiner Erregung hochgehen. Ist es ein Irr- tum, ist es Torheit von ihm, wenn er glaubt, daß nach solchen Bekenntnissen jetzt etwas anderes er­klingen muß, daß es unmöglich ist, jetzt über gleich­gültige Dinge zu sprechen?

Es scheint so. Tändelnd entgleitet sie ihm wieder. Er muß sein Hirn martern, um nicht als gar zu öder und schwerfälliger Gesellschafter bei ihr zu sitzen.

Dann füllt der Name Heidenreich. Dietmuthe äußert Besorgnis um den Gesundheitszustand des Bankiers, der in letzter Zeit zu wünschen übrig lasse. Das ist rasch wirkendes Gift für Bergholz.Wes­halb heucheln sie diese Gefühle, Dietmuthe? Das ge­hört nicht zu Ihrer sonstigen Ehrlichkeit!"

Sie richtet sich ein wenig auf, ihre Lippen öffnen sich, sie sieht ihn erstaunt an.Weshalb fallen Sie so kläglich aus der Rolle, Doktor Bergbolz? ... Weshalb so plump und anmaßend plötzlich? ... Das gehört nicht zu Ihrer Wohlerzogenheit und ... Aber es geschieht mir schon recht! Warum bin ich nett mit Ihnen? Sie sind wie alle!"

Er preßt die geballten Fäuste vor die Augen. Wenn Sie wüßten, wie Sie mich quälen!"

Ach, wie schrecklich!" ahmt sie, die Worte über­trieben dehnend, seinen Tonfall nach.Wenn Sie wüßten, wie oft ich so etwas oder Aehnliches zu hören bekomme! Langweilig, mein Lieber! ... Im­mer dasselbe! ... Auch Sie besitzen keine Eigenart. Eifersüchtig sind Sie und lasten es auf geschmacklose Weise merken."

(Fortsetzung folgt.)