Grenzen wählen können, ob er bei seiner Ration mehr Butter oder mehr Margarine haben will. Da jeder nun die Preiserhöhung von sich abwenden kann, tritt auch keine Erhöhung der Lebenshaltung ein. Seit fünf Monaten, seit Einführung der Lebensmittelkarten ist bereits eine Ersparnis in allen Haushaltungen dadurch eingetreten, daß die Haushaltungen gezwungen waren, zu einem Teil die billigere Magermilch zu übernehmen. Da die Preiserhöhung nur auf der Vollmilch ruht, ergibt sich hieraus bisher bereits eine Ersparnis. Dor allem aber ist es möglich, daß die Minderbemittelten durch den Umtausch von Butter in Margarine die Möglichkeit haben, eine Verteuerung von sich abzuweisen.
Nun werden sofort die Herren Meckerer kommen und werden erklären: „seht wie unsozial ist Euere Regierung. Natürlich der Reiche, er kann wieder Butter kaufen." Er wird selbstverständlich hinzu- setzen: „Der Reiche kann beliebig viel Butter kaufen, nein, meine Volksgenossen, der Reiche und der Arme, der Bemittelte und der Nichtbemittelte können heute nickt mehr Butter und Fett kaufen, als ihnen auf den Karten vorgeschrieben ist. Gewiß, der Bessergestellte kann sich Butter kaufen: er soll sich Butter kaufen, denn er soll in erster Linie die Preiserhöhung tragen. Der Minderbemittelte kann sich ebenfalls Butter kaufen, wenn sie ihm aber zu teuer ist, so hat er die Möglichkeit, dafür verbil- ligte Margarine einzukaufen.
Nun frage ich Euch, Volksgenossen, was ist nun sozial? Auf der einen Seite, daß die Butter teurer geworden ist, daß aber der Minderbemittelte bil° tigere Margarine kaufen kann, daß also das deutsche Volk mit seinen Fettvorräten jahrein jahraus, gleichgültig, wie lange der Krieg dauert, auf Grund der Vorräte und dieser neuen Regelung durch- h alten kann? Oder ist es etwa sozialer, hier freie Hand zu geben, alles aufzuessen und nach zwei Jahren ohne Vorräte dazustehen und blank zu sein? Ich bin der Meinung, daß es weit sozialer ist, für die Ernährung des gesamten Volkes und das Durchhalten des Volkes so zu sorgen, daß, gleichgültig, wie lange dieser Krieg dauern möge, jahrein jahraus der deutsche Volksgenosse sein ,hm zustehendes Quantum Fett, sei es in Butter, sei es in Margarine, bekommen kann. Das deutsche Volk weiß aus den Erfahrungen der letzten Jahre: nicht das ist sozial, was den bequemen Erfordernissen des Tages entspricht, sondern sozial ist nur das, was dem ganzen Volke für die Zukunft dienlich ist.
Allseitig wurde dankbar begrüßt, daß der Feldmarschall in seiner geraden und offenen Art auch die Frage der Kohlenversorgung behandelte. „An sich", so sagte er, „hat Deutschland keinen Mangel an Kohle. Dank des Heldentums unserer Wehrmacht haben wir in wenigen Tagen jene große Kohlenvorkommen zurückerobert, die man uns einst in jenem Schandvertrag von Versailles in O st o b e r s ch l e s i e n fortgenommen hot, damit ist Deutschland so reich an Kohle, daß wir alle Anforderungen an diesen kostbaren Rohstoff voll und ganz befriedigen können. Trotzdem weiß ich, daß mir jetzt einige — vielleicht sogar viele — entgegnen werden: ,Ja, aber ich habe keine Kohle bekommen, ich habe frieren müssen, ich habe meinen Ofen nicht heizen können!^ Ja, lieber Volksgenosse, das sind nun einmal die Schwierigkeiten eines Krieges, das sind die Transportschwierigkeiten, die wir heute notgedrungen hinnehm-en müssen, da bannst du nicht klagen und sagen: ,Ja, das ist eure Schuld Warum Transportschwierigkeiten? Daran hättet ihr denken müssen, solche Schwierigkeiten müßt ihr beseitigen, dazu seid ihr da —1 Nein, lieber Volksgenosse: Wenn du nur einen Tag lang Gelegenheit hättest, in unsere Arbeit hineinzu- sehen, würdest du sehr wohl erkennen und verstehen, welche Schwierigkeiten wir fortgesetzt beseitigen. Aber stärker als der Mensch ist die Natur. Ich kann den Kampf gegen Menschen aufnehmen, aber ich kann den Kampf dort nicht gegen die Natur aufnehmen, wo mir die Mittel dazu fehlen. Eis, Schnee und Kälte sind eine höhere Macht. Und wenn du dir heute einmal überlegen würdest wie ungeheuer schwer gerade die deutschen Eisenbahner zu arbeiten und zu werken haben, nm die Züge in Gang zu halten, wenn immer wie- der die Maschinen vereisen, einfrieren, wenn die Weichen zufrieren und immer wieder aufgetaut werden müssen, wenn die Transportzüge nur schwer vorwärtskommen, wenn alle Wasserstraßen zu- gefroren sind — dann ist auch dir erklärlich, daß die Schwierigkeiten des Transportes überragend
werden. Das ist nun aber kein deutsches Patent, andern — blicke um dich, deutscher Volksgenosse o überall in allen Ländern, ob bei Freund oder Feind ober bei den Neutralen, sind diese Schwierigkeiten in noch weit größerem Maße vorhanden. Aber daß alles geschieht, sie zu beheben, das kann und darf ich mit gutem Gewissen euch nicht nur ver- prechen, sondern ich darf auch behaupten, daß es geschehen ist. .
Also, Volksgenossen, ich bitte euch: Ihr mußt hier Geduld haben und müßt diese Schwierigkeiten auf euch nehmen als einen Beitrag zu all dem Großen und Schweren, was heute das ganze Volk und jeder einzelne, dot allem aber unsere tapferen Soldaten erfahren müssen. Ohne dieses Ertragen von Mühen wird kein Sieg errungen. Es ist jetzt Krieg, und das bedeutet, daß man nun einmal Schweres auf sich nehmen muß. Um so größer wird der Sieg fein, je entschlossener wir find, vor keiner Schwierigkeit zu kapitulieren. Ich wollte diese Gelegenheit benutzen, um euch auch in dieser euch so bewegenden Frage klaren Bescheid zu geben, aber nicht nur Aufklärung, sondern auch ein eindeutiges Versprechen: alles, was überhaupt menschenmöglich ist, gegen die Gewalt der Natur zu tun, wird geschehen. ........
Der Feldmarschall schloß seine einstunbiye wirkungsvolle Rede mit einer Verpflichtung, die jeder Bauer und Landwirt, jede Landfrau und jeder Landarbeiter freudia ausnehmen wird: „So geht nun an die Arbeit, sobald der Frost aufgehört hat. Vergeßt niemals, daß von der Sorgfalt und dem Umfang der Frühjahrsbestellung der Ertrag der Herbsternte entscheidend abhängt. Täusche du, deutscher Bauer, nicht das Vertrauen all der deutschen Volksgenossen, denen du das tägliche Ärot zu schaffen hast. Denn derdeutsche Volksge- nosse glaubt an dich und vertraut auf deine Arbeitskraft und dein Derantwor- tungsbewußtfein. Seine Leistung baut auf deiner Leistung auf. k „
Sorgt alle dafür, daß die Gröhe der Zett auch ein großes Geschlecht findet. Nur wer sich für eine hohe Aufgabe mit der ganzen Kraft seiner Person einseht, verdient dies Leben und hat Teil an der Freiheit und der Ehre seines Volkes. Ihr kennt jetzt das Ziel. Der Weg ist euch vorgezeichnet. Jetzt marschiert! 3e fester wir alte Zusammenhalten, je entschlossener wir zur Tat schreiten, desto eher wird der Sieg unser sein. Ich gebe die Parole aus für die Lrzeugungsschlacht 1940: Jeht erst recht! Unser der Sieg! heil unferm Führer!-
Über 28 Millionen Schweine.
Die Schweinezählung vom 4.Dezember 1939.
Berlin, 15. Februar. Die Schweinezählung vom 4. Dezember 1939 hatte nach Mitteilung des Statistischen Reichsamtes im Altreich folgendes Ergebnis:
Altersklassen 4.12. 3.12.
1939 1938 1939 gegenüber 1938
Millionen Stück Stück v. H. Gesamtbestand 24,83 23,57 „4-1260 000 ch 5,3 Darunter:
Schlachtschweine
(über Vi Jahr
alt) v 7,65 7,66 — 10 000 — 0,2 Jungschweine
(8 Wochen bis
noch nicht H
Jahr alt) 10,38 9,69 + 690 000 + 7,2
Ferkel (unter
8 Wochen) 4,84 4,29 + 550 000 4- 12,9
Sauen insges. 1,846 1,840 4- 6 000 4- 0,3
Davon trächtig 1,023 1,121 — 98 000 — 8,7
Für den Vergleich mit der Zähluna vom Dezember 1938 kann nur die Zählung im Altreich herange- zogen werden. Der gesamte Schweinebestand i m Großdeutschen Reich hat nach der Zählung vom 4.12.1939 2 8,6 1 3 M i l l i o n e n S ch w e i n e betragen.
polnische Landarbeiter kommen ins Reich.
Krakau, 16. Febr. (DNB.) Mit dem 12. Fe- bruar hat der Transport polnischer Landarbeiter aus den besetzten polnischen Gebieten ins Reich eingesetzt. Schon am 25. Januar hatte der General- aouuerneur in einem Aufruf die Bevölkerung des besetzten Gebietes auf die Arbeitsmöglichkeiten in
der deutschen Landwirtschaft hingewiesen und sie aufgefordert, sich freiwillig hierfür zur Verfügung zu stellen. Die Landarbeiter werden zu Lohn- und Arbeitsbedingungen, die in einer besonderen Tarifordnung festgelegt sind, beschäftigt.
Oeutfdjlonö hat die stabilste Wahrung der Welt.
Im Anschluß an die Darlegungen des Reichswirtschaftsministers Funk veröffentlicht Dr. Hermann R e i f ch l e vom Reichsnährstand als Mitglied des Beirats der Reichsbank eine Betrachtung über Kriegsfinanzierung und Kriegsaußenhandel in der „NS.-Landpost". Deutschland gehe seinen währungspolitischen Weg vom Goldweg aus klarer Erkenntnis und völlig bewußt. Das wesentliche dieser Erkenntnis aber sei, daß nicht Geld und Kapital Arbeit schaffen, sondern daß Arbeit Produktion schafft, Güter und Leistungen erzeugt, denen sich das Geldlediglich als Tran Sport mit- t e l zugesellt. Denn in der arbeitsteiligen Wirtschaft eines 80-Millionen°Volkes könne ja sowohl zeitlich wie räumlich nicht mehr Ware gegen Ware unmittelbar getauscht werden. Je mehr zu festen oder gar sinkenden Preisen produziert werde, desto stabiler oder höher werde der Lebensstandard, desto stabiler werde die Währung, desto wertbeständiger das Geld. Indern die nationalsozialistische Agrarpolitik z. B. nach der Machtübernahme freiwillig zur F e st p r e is p o l i t i k überging, habe sie in das bis dahin äußerst labile volkswirtschaftliche Gerüst der damaligen Systemwirtschaft die ersten stabilen Träger eingezogen, auf denen allmählich eine neue Ordnung von Lohn undPreis aufgebaut und die Arbeitsschlacht in Gang gebracht werden konnte. Indem sich diese Ordnung letztlich auf den festen Getreide- und Brotpreis bezog, habe sie die Arbeit des Bauern wieder zur Grundlage aller Wirtschaft gemacht. Deshalb hätten wir die stabilste und modernste Währung der Welt.
Rumänische Mrtfchostsvrobleme.
Bukarest, 15. Febr. (Europapreß.) Parnfil S e i c a r u bespricht in seinem Blatt „Eurentut" das neue Arbeitsprogramm des Landwirtschafts- Ministeriums und fordert, daß Has in den letzten zehn bis zwanzig Jahren Versäumte nachgeholt werde. Er verlangt, daß der gesamte kultivierbare Boden Rumäniens auch wirklich bebaut werbe, und zwar nach zwei Hauptgesichtspunkten: 1. Steigerung des Hektarertrages; 2. Einschränkung des Weizen- und Maisanbaues zugunsten eines verstärkten Anbaues von Hülsenfrüchten, Kartoffeln, Gerste und Oelfrüch- t en. Unverzüglich müßten alle landwirtschaftlichen Fachleute und Landarbeiter auf das Land geschickt werden. In einem Lande, dessen Bevölkerung zu 85 v. H. aus Bauern bestehe, gebe es absolut keine Entschuldigung für das übliche „Später!"
Der rumänische Wirtschaftsminister A n g e l e s c u hatte eine Besprechung mit den Leitern der rumänischen Petroleum-Gesellschaften teils über die Festlegung der Inlandspreise, teils über die mit den neuen Außenhandels-Zolltarifen zusammenhängenden Fragen. Auch über die Tätigkeit des neuen Regierungs-Kommissars für die Petroleum-Wirtschaft wurde konferiert, wobei u. a. auch beschlossen wurde, besondere Petroleum-Reserven im Lande anzulegen.
Vom finnischen Kriegsschauplatz.
Moskau. 15. Febr. (DNB.) Nach dem Bericht des Generalstabs des Militärbezirks Leningrad dauern die Kampfhandlungen, besonders auf der Karelischen Landenge, weiter an und gehen mit Erfolg vorwärts. Nach dem russischen Bericht weichen die finnischen Truppen unter großen Verlusten zurück und können dem Angriff der Sowjettruppen keinen Widerstand leisten. Diese hätten 16 be« festigte finnische Stellungen besetzt, darunter acht betonierte ArMevieforts. Die sowjet- russische Luftwaffe habe erfolgreich finnische Truppen und militärische Ziele bombardiert.
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Wie der finnische Heeresbericht mitteilt, soll es östlich von Summa den Russen gelungen sein, einige finnische Stützpunkte in den vordersten Linien zu erobern. Russische Angriffs-versuche nordostwärts des Ladogasees wurden abgewiesen. Im Kuhmo- Abschnitt sei es den Finnen gelungen, eine russische Batterie zurückzuschlagen und einige Maschinenge
wehrnester zu erobern. Die finnischen Küstenbatt«. rien bei Koivisto und am Ladogasee beschossen auf dem Eis vordringende russische Abteilungen. Die finnische Luftwaffe habe mit Erfolg Luftangriffe auf militärische Ziele der Russen durchgeführt. Die sowjetische Luftwaffe unternahm Angriffe auf Die fmm- schen Städte Lcchti, Heinola und Porvoo (Sorga). Durch die Luftangriffe seien in den Städten zahlreiche Schadenfeuer entstanden. Mehrere hundert russische Flugzeuge sollen finnisches Gebiet über- flogen haben; u. a. war die Stadt Viipuri (Wiborg) russischen Bombenangriffen ausgesetzt. Eine Anzahl russischer Flugzeuge fei ab geschossen worden.
Kleine politische Rachrichten.
Der Führer stattete Reichsleiter Dr. Ley in seiner Wohnung einen Besuch ab, um ihm persönlich seine herzlichsten Glückwünsche zum 5 0. Geburtstag auszusprechen.
Jedes Arbeitsjahr der HI. steht unter einer Parole, die der Reichsjugendführer verkündet. In diesem Kriegsjahr, das für die HI. das „3 a f) r der Bewährung" ist, werden außerdem „W o- chenparolen der Jugend" herausgegeben, die weltanschauliche Grundfragen mit den Anforderungen des allgemeinen HJ.-Dienstes und des besonderen Kriegseinsatzes verbinden.
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Die BDM.-Reichsreferentin Dr. Jutta Rüdiger ist von einem mehrtägigen Besuch der rumänischen Staatsjugend zurückgekehrt. Sie wurde von Minister Sidorovici empfangen und besichtigte Führerinnenschulen und andere Erziehungsstätten der rumänischen Jugend. Unter der Schirmherrschaft des deutschen Gesandten wurden die beiden neuen Filme der Hitler-Jugend „Der Marsch zum Führer" und „Glaube und Schönheit" gezeigt.
Der Vizesekretär derfaschistischenStuden- tenorganisation (Guf), Nationalrat Guido Pallotta, hat den Gaustudentenführer Ausland, Rolf Gutmann, ju einer Besprechung empfangen über die deutsch-italienische studentische Zusammenarbeit und das Studium der reichsdeutschen Studenten in Italien.
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Der 5694 Brt. große i t p l i e n i s ch e D a m p f e r „Georgio Olsen" ist am Mittwoch früh an der Ostküste Englands auf eine Mine gelaufen und gesunken. *
Der amerikanische Botschafter in London erklärte, er werd« nach feinem Wiedereintreffen in London vorschlagen, gewisse englisch-amerikanische Schifffahrtslinien untereinander a u s z u t a u s ch e n. Dadurch würden amerikanische Schiffe, die jetzt brach lägen, wieder Arbeit finden. Er hoffe, die Briten veranlassen zu können, Routen an die USA. zu übertragen, die jetzt nur von britischen Schiffen befahren würden, die jedoch bereits aus diesen Routen herausgenommen worden seien, um Kriegsmaterial auf anderen Routen zu befördern.
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In der Stockholmer Spionageaffäre, bei der drei für England arbeitende Spione verhaftet wurden, ist jetzt noch eine vierte Person in Heising- borg festgenommen worden. Es scheint festzustehen, daß die Spionageorganisation in allen großen Hafenstädten Verzweigungen hatte.
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In Preßburg wurde die f l o w a k i f ch e Kriegshoch s ch u l e eröffnet. Sie besteht aus den Abteilungen des Generalstabes und der Intendanz und ist in drei einjährige Lehrgänge eingeteilt. Die slowakische Universität und die Technische Hochschule werden gemeinsam mit der Kriegshochschule den Slowaken ermöglichen, den Nachwuchs für den slowakischen Befehlsstab heranzubilden.
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Die bulgarische Regierung K j o f f e i ro a n o f f ist zurückgetreten. Den Auftrag zur Bildung der neuen Regierung hat Professor Bogdan F i l o f f, Unterrichtsminister im Kabinett Kjosseiwanoff, erhalten. Filoff war früher Professor der Archäologie an der Universität Sofia. *
Der Kriegsberichterstatter der großen französiscken Wochenzeitung „Gringoire", George Hamel, Der wahrheitsgemäß die Juden als die Verantwortlichen für den augenblicklichen Krieg anprangert, wurde zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt.
Phantasie zu Vermutungen verführen, die dann von dem wirklichen Ausgang um so verblüffender überrascht werden. Manche der kleinen Erzählungen reizen zu wiederholtem Lesen, ein Beweis für den
neunzehnten Jahrhunderts. Inzwischen aber schüttelt die Welt die Haarspalterei und Dialektik von sich und sehnt auch in ihrem letzten Winkel einen „neuen und gewissen Geist" und Begriffssicherheit herbei für Ehre und Unehre, Recht und Unrecht: jene klaren unverrückbaren Formeln, nach denen die groben Briefe des Mittelalters einst geschrieben wurden.
Mit Dialektik nämlich und mit Ironie den Gegner töten — das alles ist viel weniger schwer, als der Unkundige es denkt, und am Ende gehört, wie der alte weise Fontane feststellt, dazu nur ein wenig Respektlosigkeit und etwas Fingerfertigkeit auf der Klaviatur des Schreibwerkzeuges.
Wer aber die schweren Brocken eines großen Zornes schleudern will, der muß beides haben: den Glauben an sich selbst, den Glauben an frembes Recht unb an bie heilige Grenze zwischen den beiden. Und nur der, der diese Grenze respektiert, wird sie in den Augenblicken der notwendigen Abwehr volltönend blasen können, die große rote Posaune des eifernden Zornes.
Als Geleit zu einer Sammlung: „Der grobe Brief, von Luther bis auf Ludwig Thoma."
Aücherfisch.
— Ernst Kreuder: „Die Nachtdes Gefangene n", Erzählungen. 191 Seiten. Verlag L. C. Wittich, Darmstadt. — Ungewöhnlich und voll erregender Spannung wie die nächtlichen Erlebnisse des Gefangenen in der Titelerzählung sind auch die übrigen 21 Geschichten. Alltägliche Begegnungen bekommen unmerklich etwas Hintergründiges, ein Frauenantlitz bannt mit magischer Gewalt, von der Atmosphäre des Geheimnisvollen, manchmal des Unheimlichen umweht, und zwei Menschen verwickeln sich rasch in Innere und äußere Abenteuerlichkeiten. Eine Erzählung heißt „Das Unentrinnbare" und so könnten sich die meisten nennen. Auch sprachlich weiß Kreuder den Leser unentrinnbar zu gängeln. Obschon er schlicht im Ausdruck bleibt, spürt seine scharfe Beobachtungsgabe ständig Dinge auf, die zwar mitunter nebensächlich sind, aber die Spannung verstärken und wie in einem guten Kriminalroman die
Schreibers" genannt — verstopft man es, so platzt der Kessel, unb in anberroeitigen Katastrophen Leibes unb ber Seele schnaubt ber Aerger zutage. In Schlagberührung, Gallensteinkolik, tagelanger Nörgelei über Essen unb Wetter unb in Strinbbergszenen nebst angebrohter Ehescheibung. In Nörgelei über die Haartracht der Gattin und das Tapetenmuster, das dem Grollenden nun so vorkommt, als habe es ihm zum Trost ein berühmter Spezialist für Masern, Scharlach und andere bösartige Krankheiten entworfen.
Trösten wir uns: fast alle Großen der Weltgeschichte — Kaiser und Staatsmänner und Künstler — haben sich auf diese Weise Lust gemacht! Wohl haben die Empfänger solcher Schriftstücke sie aus erklärlichen Gründen nur ausnahmsweise auf- bewahrt, wohl haben die Herausgeber berühmter Briefwerke die groben meist unterschlagen, wohl wäre der letzten Jahrhundertwende das papierne Olympierbild Goethes unvereinbar vorgekommen mit der Existenz grober Goethe-Briefe. Und doch hat auch er gelegentlich mit grober Haubitze geschossen, und oft genug sind aus erlauchtem Munde Worte gefallen, die den Zartbesaiteten nachträglich vom Stuhl stürzen und ihn erstarren lassen. Wollen wir aber, inmitten einer Weltenwende, die Nase rümpfen, weil Beethoven feinen Kopisten einen „aufgeblasenen Esel" und den Lehrer seines Neffen einen „Pferdeerzieher" nannte und Michelangelo in feinen brieflichen Zornesausdrüchen jenes schlichte Wort gebrauchte, das Goethes zweites Drama so populär gemacht hat und inzwischen zum großen Kampf- geschrei der Deutschen geworden ist?
Selten liegt bie Zeit unb bie Persönlichkeit bes Verfassers so bloß wie im groben Briese, und in bem bes beginnenden sechzehnten Jahrhunderts grollt oft schon der große Bauernkrieg just so, wie in den letzten, um 1930 geschriebenen gelegentlich schon das Donnergegroll der großen Weltenwende sich vernehmen läßt. Auch Der grobe Brief hat seine Geschichte, hat seine Hochperiode und seine Abwandlung ins Geistig-Bissige unb schließlich seine Entartung im Literatenhaft-Gehässigen. In ben Briefen ber fterbenben Gotik, wenn etwa Wittelsbacher unb Hohenzollern sich gegenseitig Betrüger unb Parvenüs nennen, sieht man tief hinein in eine Zeit ungebrochener und unbiegfamer Ehrbegriffe, und es ist nachgerade ein homerischer Hader, der dann durch dis menschenarmen und dämonenreichen Räume des
mittelalterlichen Reiches schallt. So noch bei dem großen Peter von Rußland, so bei Friedrich Wilhelm, so selbst noch bei Maria Theresia, wenn sie ihren Mailänder Sohn zu fürstlicherer Haltung mahnt und hinter den barocken Vorhängen doch noch immer die mittelalterliche Frau erscheint mit ihrer Welt unverrückbarer Begriffe. Bei ihrem großen Zeitgenossen Friedrich ist es, sowie erst der Rationalismus sein Werk getan hatte und Voltaires Saat aufgegangen war, schon anders. Hier ist es kein homerisches Schelten, hier blitzen die eleganten Klingen einer tödlich vergiftenden Ironie. Der Zorn gotischer Riesen ist es nicht mehr, und was gar im neunzehnten Jahrhundert dem Erdensohn als Schutz bleibt gegen die mannigfache Kränkung feines Lebensgefühls, das ist das siebenfache Erz der Satire, die'er um fein Herz legt. Man lese etwa Hans von Bülows berühmte Briefe. Auf den ersten Blick berühren sie fast unsympathisch in ihren Clownerien und Bocksprüngen, und man fragt sich wohl, ob dies der berühmte Beethovendirigent und Ritter ohne Furcht und Tadel gewesen sein kann. Bis man beim zweiten Blick feststellt, daß dieses im letzten Sinne edle Blut sich angewidert fühlte vom Geschäftsbetrieb des damaligen Konzertwesens und um so rebellischer wurde, je mehr es litt unter der wachsenden Formlosigkeit seiner Zeit, und daß es diesem Manne eben nicht gegeben war, ohne dialektischen Protest Bachs heilige Paramente auszubreiten vor einem Parkett von Spießern. Unter der Gafferperspektive des Konzertsaales litt er so, daß er gewissermaßen Rad schlug, um ja nicht des alten und einsamen Herzens geheime Qual laut werden zu lassen.
So war's bei Hans von Bülow, und es mag bei Liliencron und bei Menzel, die beide im Schreiben von groben Briefen Bemerkenswertes geleistet haben, nicht viel anders gewesen fein. Je tiefer das unselige neunzehnte Jahrhundert abgleitet in Formlosigkeit und Entgeistigung, desto mehr entfernt auch der grobe Brief sich von seiner Urquelle bes verletzten Ethos unb wirb zur Trutzwaffe ber Einsam-Zarten, bie sich in ihrer Einsamkeit nicht wollen stören
0er grobe Bries.
Don Friedrich Neck-Malleczewen.
Haben wir ihn nicht alle einmal geschrieben? Kennen wir nicht alle jenen seelischen Druck, mit ber nach längerer Serienreife ber Heimkehrenbe ben Berg angestauter Post sieht, unb mit Seheraugen erkennt er von weitem schon, was ihm bie Heimkehr vergällt unb ihm im Augenblick bas geltem geschaute Paradies bes Ferienlanbes versinken läßt im grauen grauen Schlamm bes Aergers? Ein Hanbwerker schickt eine längst beglichen geglaubte Rechnung zum zweitenmal; eine Behörbe schreibt in saloppem Ton unb wollte von bir schon vor vier Wochen „binnen Dreier Tage bei Vermeibung eines 10-v. H.-Steuer- au schlages" ein Formular mit siebenunbbreißig Einzel ragen ausgefüllt haben ... Ein Bureaukollege hat un ere Abwesenheit zu einer bräuenben Intrige be» nützt; "ein gegnerischer Anwalt hat, wie wir glauben, Schwarz in Weiß verkehrt unb verlangt binnen kürzester Frist eine Zahlung, die uns für immer zu ruinieren scheint.
Gewiß, es gibt Weise von, beinahe unirdischer Lebenskunst, die vermeiden jeden Papierkrieg und reagieren stoisch oder überhaupt nicht. Der Durch- schnfttliche Zeitgenosse aber, der Mann mit ben Groß- ftabtneroen unb gar ber professionelle Schreiber: ber sitzt sofort an ber Schreibmaschine, antwortet ber zum Abenbessen rufenben Gattin mit zerstreutem „Sofort", rast vier Stunben unter schwer zu ver- antroortenbem Papierverbrauch über bie Tasten, beginnt Bogen um Bogen, um ihn nach vier Zeilen zu zerreißen unb ben folgenben noch sorgfältiger zu vergiften, kommt schließlich mit yraudleichem Gesicht, wenn auch vorübergehend erleichtert, eine Stunde nach Mitternacht zum längst verdorbenen Abendessen ...
Unb entdeckt erst am nächsten Tag, daß er konfuses und wutstotterndes und keineswegs wirksames Zeugs geschrieben hat — überspitzte und würdelose Ergüsse, über die der Gegner mit Recht Hohnlachen wurde. Hat er aber wirklich so verkehrt gehandelt, als er so rasch reagierte, während seine Koteletts kalt wurden? Keineswegs, da der seelische Abszeß sich entleeren muß, da selbst der alternde Goethe, der angeblich doch Generalpächter aller abgeklärten Lebensweisheit war, irgendwo erklärt haben soll, daß verhaltener Aerger das Leben verkürze. Balzac hat den groben Brief Das „Sicherheitsventil Des berufsmäßigen
lassen... ' . .
Oder er versprüht und verknattert mangels eines überzeugenden Pathos in den sorgfältig vergifteten Briefen des professionellen Schreibers, in der verletzten Eitelkeit des abgewiesenen Dramatikers, der auch ein Kleist unterlegen ist, in dialektischen Bosheiten und verbitterter Zanksucht und im Protest der ....... ------------- .... - .
Lohönn gegen Deu brüchig werdendes Staat des erregende» Ate» des Luches. BälW


