Mutz gekommen. Auch der Schweineauftrieb zeigt eine steigende Tendenz. Auch für die nächste Woche bestehen die gleichen günstigen Aussichten.
In der Versorgung mit Obst hat sich gegenüber der Vorwoche keine Aenderung ergeben Die eilige= lagerten Vorräte müssen in erster Linie den Krankenhäusern und Kindern vorbehalten bleiben. Die Einfuhren von Gemüse sind ausreichend und decken den Bedarf. Wenn eine Sorte knapp ist, bestehen reichlich Möglichkeiten, andere Arten zu kaufen Dem sollten die Hausfrauen Rechnung tragen und nicht Erzeugnisse verlangen, deren Ernte jetzt erst bomnnt, wie y B. Schwarzwurzeln und Rosenkohl.
Der Bedarf an Trinkvollmilch. Deien und Fetten war weithin gedeckt.
Am Kartosselmarkt geht die Einkellerung von Speisekartoffeln bei den Verbrauchern wie bei Großhändlern ihrem Ende entgegen. Nachfrage und Angebot lassen daher nach. Das Geschäft mit Pflanzkartoffeln ist lebhaft geworden. Futterkartvffeln werden noch wie tun kaum gehandelt.
Die Zuckerrübenernte kommt verhältnismäßig schnell vorwärts, begünstigt durch das im großen und ganzen gute Wetter. Durchschnittlich ist bei den Zuckerfabriken unseres Gebietes die Hälfte bis drei Fünftel der erwarteten Menge bereits angeliefert.
Schnupfen und Husten im Herbst.
Schnupfen und Husten gehören zum Herbst wie das von den Bäumen herabrieselnde Laub. Daher ist es gut, sich rechtzeitig zu schützen, denn bekanntermaßen ist Vorbeugen leichter als Ausheilen. Als Grundsatz sollte gelten, sich der Witterung gemäß vernünftig zu kleiden, nicht seinen Körper übermäßig einzuhüllen, als ob man bereits im Winter stände. Ganz dicke Wollsachen sind daher jetzt nicht angebracht, weil sie leicht Schweißbildung auf der Brust herbeiführen, die dann erst recht Erkältungen zur Folge haben kann. Auch sollte man in Büros, Wohnungen und sonstigen Arbeite- und Geschäftsräumen noch nicht zu stark einheizen.
Abhärten des Körpers unter vernunftgemäßen Voraussetzungen ist das beste Dorbeugungsmittel gegen alle Erkältungskrankheiten. Man scheue deshalb auch nicht die Bewegung in der frischen und reinen Herbstluft, wodurch die Lungen, die durch den ohnehin längeren Aufenthalt in Stuben b?i geschlossenen Fenstern verunreinigt werden, wieder frisch aufgefüllt werden.
Äst man von einer Erkältung doch einmal befallen worden, so findet man zu ihrer Bsseitigung eine ganze Reihe einfacher, aber wirksamer Hausmittel, die man sich leicht beschaffen kann. Lindenblütentee bei Grippe ist sehr zu empfehlen. Bei Husten setzt man starkem Salbeitee etwas Essig zu, wovon man halbstündlich einen Eßlöffel voll recht warm trinkt. Bei allen Erkrankungen der Schleimhäute ist wiederholtes Gurgeln mit Heidelbeersaft sehr wirksam. Ein Umschlag aus gekochten und gut ausgedrückten Kartoffeln wirkt, vor dem Schlafengehen so warm wie möglich um den Hals gelegt, bei Heiserkeit und Halsweh oft Wunder. Ebenso hilft Schafgarbentee, morgens und abends getrunken, vortrefflich gegen Schnupfen und Heiserkeit.
Unverlangt gesandte Waren.
Biswellen kommt es immer noch vor, daß der Poltbote unverlangte Waren ins Haus bringt Gewisse Firmen pflegen zu Familienereignissen, die sie durch die Zeitung ober auf anderem Wege erfuhren, Bücher, Nippsachen usw. ins Haus zu schicken. Der Hausfrau bereiten derartige Sendungen in der Regel mehr Aerger und Aufregung als Vergnügen. Sie weiß nicht, wie sie sich in solchen Fällen verhalten soll und begeht dabei manchen Fehler. Das einfachste ist es, bei solchen Einsendungen die Annahme einfach zu verweigern. Meistens merkt man aber zu spät, was man da angenommen hat In solchem Falle meinen nun viele Hausfrauen, sie müßten die Waren unverzüglich zurückschicken und stöhnen über den Verlust an Zeit und Geld, der dadurch verursacht wird. Rechtlich ist die Lage so, daß derart unverlangte Sendungen selbst dann nicht zurügesandt werden müssen, wenn der Sendung Rückporto beiliegt. Die Hausfrau braucht sich auch nicht durch Mitteilungen — etwa, daß die Ware nach einer bestimmten Zeit als angenommen gelt£ — in Schrecken versetzen zu lassen. Der Absender hat keinerlei Anrecht auf Bezahlung irgendwelcher Art. Wenn er seine Ware wieder haben will, muß er sie in an- gemeffenjer Zeit wieder abhvlen lassen. Zu einem allerdings ist die Hausfrau in solchem Falle verpflichtet: Sie muß" darauf achten, daß die Ware einige Wochen lang unbeschädigt bleibt, und daß sie — wenn sie die Ware ablehnen will — auch keinen Gebrauch davon macht. E.
** Dom 18. November ab Schokoladen- Erzeugnisse. Dom 18. November ab werden Schokoladenerzeugnisse ausgegeben. Än erhöhten Mengen, und zwar 125 Gramm pro Person ohne Rücksicht auf Geschlecht und Alter, erfolgt die Abgabe u. a. auch in Gießen. Um einen ordnungsmäßigen Derkaufsbetrieb durchzuführen, sind vom 18. November ab vier Verteilungswochen vorgesehen, in deren Verlauf die Ausgabe in vier Gruppen nach alphabetischer (Einteilung erfolgen wirb. Bei der Belieferung muß die Nährmittelkarte der 17. Zuteilungsperiobe mit dem Abschnitt N 37 vorgelegt werden. In der Stadt Gießen werden nur die Nährmittelkarten mit Aufdruck „Gießen- Stadt" beliefert
** Polizei gegen Verkehrssünder. Än der Zeit vom 1. bis 7. November schritt die Polizei im Bereich der Polizeidirektion Gießen, einschl.
des PoNzeiamtes Bad-Nauhetm-Friedberg, gegen Kraftfahrzeugführer mit 6 Anzeigen, 18 gebühren- pflichtigen und 5 geführenfreien Verwarnungen, gegen sonstige Fahrzeugführer mit 8 gebührenpflichtigen und 5 gebührenfreien Verwarnungen, gegen Radfahrer mtt 2 Anzeigen, 67 gebührenpflichtigen und 6 gebührenfreien Verwarnungen, gegen Fußgänger mit 2 Anzeigen, 12 gebührenpflichtigen und 7 gebührenfreien Verwarnungen ein.
Landkreis Gießen.
s. Lang-Göns, 15.Nov. Am nächsten Sonntag, 17. November, kann unser Mitbürger Joh.An- ton B o p f, Straßenwart i. R., Schmittgrabenstraße, seinen 81. Geburtstag feiern. Der alte Herr ist noch sehr rüstig und hilft tüchtig bei der Arbeit mit, wenn auch meistens nur im Hause. Wir wünschen ihm einen sonnigen Lebensabend.
SJ.-fport
Zur europäischen Neuordnung im Sport
Im Anschluß an ben Besuch des italienischen Sportftihrers Parenti in Berlin sind in der ausländischen Presse Mitteilungen und Kommentare über angeblich deutsch-italienische Abmachungen in bezug auf die internationalen Sportverbände erschienen, die einer Richtigstellung bedürfen. Hierzu wird von zuständiger deutscher Seite festgestellt:
„Deutschland ist während des Weltkrieges 1914/18 unter teilweise entehrenden Umständen aus den meisten internationalen Verbänden ausgeschlossen worden. Unter dem Einfluß des Versailler Frie- densdiktates ift Deutschland in den internationalen Sportverbänden auch in der Folgezeit der feiner portlichen Leistung und seinen Bemühungen um die internationale Zusammenarbeit entsprechende Ein-
llebuugsleiteriehrgang in der Leichtathletik.
Am kommenden Sonntag wird unter Leitung des Bezirksfachwartes für Leichtathletik in der Halle des DfB.-Reichsbahn ein praktischer Lehrgang für Dereins-Uebungsleiter durchgeführt. Mit diesem Lehrgang wird die am 20. Oktober mit der Arbeitstagung begonnene Winterarbeit fortgesetzt. Äm Kernpunkt dieser Arbeit steht der Dereins-Uebungsleiter. Ähm soll in dieser gemeinsamen Arbeit das notwendige theoretische und praktische Wissen-vermittelt werden. Dabei kommt es nicht in erster Linie daraus an, daß der llebungsteiter Spitzenleistungen elbst zu erzielen vermag, sondern vielmehr in der Sage ist, die Uebungsgemeinschaften zunächst einmal ür die Leichtathletik zu begeistern und ihnen die Grundlagen diefer Sportart mit ihren vielen tech
nischen Feinhetten nahezubringen. Darauf wird die kommende Lehrgangsarbeit ausgerichtet fein. Die bis jetzt bei der Lehrgangsleitung eingegangenen Meldungen beweisen ausnahmslos, daß die teil, nehmenden Vereine bemüht sind, in ihren Gemein, schäften weiterzuarbeiten, und darauf kommt es in der Hauptsache an. Erwähnt sei noch, daß nach Schluß der winterlichen Lehrgangsarbeit den erfolg, reichen Teilnehmern das Lehrsportabzeichen des RSRL. verliehen werden kann.
Abschluß der Gießener Iaustb: llrunde
Die Faustballrunde von Behörden- und Betriebs. Mannschaften hatte mittlerweile noch eine Erweiterung gefunden, da noch eine Mannschaft des Rüstungskommandos hinzugekommen war, die jedoch nur in einem Falle auf den Ausgang der Runde Einfluß nehmen konnte. Sie gewann ihr Vorspiel knapp gegen das an der Spitze liegende Hesi. Hoch- bauamt und verdrängte es damit aus der letzten Entscheidung. Als gleichwertige Mannschaften gingen Bezirkssparkasse I und Polizeidirektion punktgleich aus den Spielen hervor. Somit steht noch ein Entscheidungsspiel bevor. Da beide Mannschaften ein gewonnenes und ein verlorenes Spiel gegeneinander einzusetzen haben, sind die Gewinnaussichten gleich verteilt, und ein knapper Ausgang ist zu er- warten. Neben einer Reihe von Freundschaftsspie. len wurden insgesamt 20 Wettspiele in der Spiel, reihe ausgetragen. Mit einer merklichen Hebung des spielerischen Könnens beim einzelnen wie bei den Mannschaften als ganzem war eine wachsende Spielfreudigkeit festzustellen. So ist auch in der nächstjährigen Spielzeit mit einem lebhaften Uebungs- und Wettspielbetrieb zu rechnen.
Spiele
Polizeidirektion 8
Bezirkssparkasse I 8
Hess. Hochbauamt 8
Rüstungskommando 8
Bezirkssparkasse II 8
Gew. Verl. Pkte.
6 2 12
6 2 12
5 3 10
3 5 6
0 8 0
luß nicht eingeräumt worden. Daß Deutschland jetzt den Wunsch und das Recht hat, eine Berichtigung dieses ungerechten Zustandes zu erstreben und eine Vertretung in den internationalen Sport-
Wirtschaft.
verbänden zu erreichen, die seiner internationalen Sportstellung entspricht, ist selbstverständlich. Ebenso selbstverständlich ist es, daß sich die beiden Nationen Deutschland und Ätalien dabei unterstützen, um so mehr, als auch Italiens Einfluß nicht seiner sportlichen Bedeutung entspricht. Dabei ist es klar, daß die bewährten Kräfte der anderen Nationen, deren internationale Wertschätzung auch in Deutschland geteilt wird, im Geiste einer wirklichen Solidarität des Sportes nach wie vor die volle Unterstützung Deutschlands und Italiens finden."
Dänemark gegen Oeuifchland im Handball.
Nach längerer Pause bestreiten auch die deutschen Handballer wieder einen Länderkampf gegen Dänemark am kommenden Sonntag in Kopenhagen. Mtt den Dänen wurden bereits vier Länderkämpfe aus- getragen, die alle mtt deutschen Erfolgen endeten; die letzte Begegnung fand vor Jahresfrist in Leipzig statt und wurde mit 11:7 Toren gewonnen. Gerade in diesem Leipziger Treffen haben die Dänen sich als ein sehr starker Gegner erwiesen, und ihr kürzlicher (Erfolg im 'Länderkampf gegen Schweden läßt vermuten, oah unser nördlicher Nachbar in der Zwischenzeit weitere Fortschritte gemacht hat. Die deutsche Elf wird sich also auf starke Gegenwehr gefaßt machen müssen und die Gastgeber nicht unterschätzen dürfen. Neben bewährten .Internationalen" wie Lüdicke, Knackmuh, Brinkmann und Brüntgens stehen in der deutschen Mannschaft einige junge Spieler, die sich in den Spielen ihrer Vereine und Bereiche einen Namen gemacht haben, aber zum ersten Male in die Nationalelf berufen wurden. Das gilt vor allem für die Stürmer Sutter (Mannheim), ein gefürchteter Linksaußen, und Kuchenbecker (Berlin), die knapp 20 Äahre alt sind. Folgende Mannschaften sind gemeldet:
Deutschland: Lüdicke (Desiau); Ruck (Weißenfels), Knackmuß (Magdeburg); Dittrich (Leipzig), Brinkmann (Kattowitz), Pfitzner (Berlin); Dietze, Kuchenbecker (beide Berlin), Sutter (Pannheim), Brüntgens (Lintfort), Hofmann (Leipzig); Ersatz: Körvers (Lintfort), Mücke (Berlin).
Dänemark: Fjelsted; Andersen, Philipsen; Jorner, Christensen, Sander; Christensen, Dahlfeldt, Madsen, Lundberg, Branckholst.
Frankfurter Börse.
Spezlälwerle im Vordergrund.
Frankfurt a. M., 14. Nov. Die Grundstim- mung der Wertpapierbörse war auch in dieser Be» richtszett wiederum freundlich, wobei einige Spezialwerte, wie vor allem Anleihestockpapiere, kräftige Kurssteigerungen erfuhren.
Am Aktienmarkt vermochten Metallgesellschaft, die in der vorigen Berichtszeit auf Dioiden- denerwartungen bereits um gut 10 o. H. angezogen hatten, wettere 8 v. H. anzuziehen und erreichten vorübergehend den Stand von 174. Die Rheinstahl- aktte, bei der Vermutungen über eine Transaktion mtt der ÄG.-Farbenindustrie zugrunde lagen, gingen nach 180 bis auf 191, um auf eine Vermal» tungsäußerung über Grundlosigkeit auf 185 nachzugeben. Bei Lahmeyer wirkte die Dividendenerhöhung um 10 v. H. noch nach, der Kurs stieg nochmals um 8,50 (in der Vorwoche 12) v. H. auf 175,50. Neu verzeichnete man eine Aufwärtsentwicklung der VDM.-Aktie, die wohl im Zusammenhang mit der Metallgesellschaft-Bewegung um 9 v. H. an- ziehen konnten, ferner Siemens & Halske, die 13 v. H. gewannen. Autowerte erfreuten sich erneuter Beachtung, Adlerwerke konnten wieder 6 v. H., Daimler ebensoviel anziehen. Südd. Zucker, die längere Zeit unter Druck standen, holten 7 v. H. auf 257 auf, auch die ÄG.-Farbenaktie zeigte in den letz- ten Tagen kräftige Steigerungen und nähert sich jetzt sehr dicht dem 200-Stand. Bauaktien unvermindert fest, Holzmann vorübergehend mit 248—249 um 12 v. H. höher, im Saldo gut 9 v. H. befestigt, auch Grün & Bilfinger im Emhettsverkehr plus 8, Maß & Freytag plus 6 o. H., nachdem in der Vorwoche leichte Abschwächungen eingetreten waren. Montanaktten waren durchweg fest auf die unver- änderten Devisenvorschläge der Großkonzeme Hoesch, Klöckner, Gutehoffnung^hütte, Maschinen- werte etwas ruhiger, Bankaktten weniger verändert.
Am Anleihemarkt erstreckte sich das Anlageinteresse weiterhin auf Steuergutscheine I, die bis 107,65 anzogen, und die Folge 7 der Reichsschätze. Altbesitz kaum verändert. Die Reichsbahn- Vorzüge werden ab 15.11. auch nicht mehr im Einheitsmarkt notiert und sind völlig aus dem Kurszettel verschwunden. Än Pfandbriefen und vor allem auch in Kommunalobligationen werden langsam
Positionen lockerem so daß die Befriedigung der stärker zurückgegangenen Nachfrage zwar immer noch schMerig, doch wefenllich leichter geworden ist Die bisherige Kursbasis von 102,50 bzw. 102 für 4Vrproz. Schuld Verschreibungen zeigt leichte Ab bröckelungstendenzen. Jndustrieobligcttionen wurden weniger beachtet, die 5proz. Werte gaben hier meist leicht nach. Bei Stadtanlerhen find die Notierungen bei sehr stillem Geschäft bis auf 100,50 zurückgesetzt worden.
Im Freiverkehr wurden Kupferberg Sekt, bei denen das Bezugsrecht jetzt abgegangen ist, wie, der mehr gesucht bei Kursen bis zuletzt 147 v. nach 142 v. H. Tagesgeld lag unverändert leicht 1,75 v. H.
Frankfurter Schlachtviehmarkt.
Frankfurt a. TI., 14. Nov. Es notierten Je 50 Kilogramm Lebendgewicht in RM.: Ochsen a) 45 bis 46,5, b) 41 bis 42,5, c) 36 bis 37,5, Bullen a) 43,5 bis 44,5, b) 39 bis 40,5, c) 35,5, Kühe a) 43 bis 44,5, b) 38 bis 40,5, c) 27 bis 34,5, d) 20 bis 25, Färsen a) 44,5 bis 45,5, b) 39 bis 41.5, c) 34,5 bis 36,5, andere Kälber a) 59, b) 55 bis 59, c) 45 bis 50, d) 30 bis 40, Sonderklasse nicht notiert, Hämmel b2) 48 bis 51, c) 36 bis 44, d) 20 bis 30, Schafe a) 43 bis 44, b) 36 bis 39, c) 20 bis 32, Schweine a) 58, bl) 58, b2) 57, c) 55, d) 52, e) 50, gl) Sauen 58. Marktverlauf: alles zu- geteilt.
Schwelnemarkt in Homberg
—.— Homberg, 14. Nov. Der Austrieb jUtt hiesigen Schweine markt belief sich auf 58 Ferkel. Es kosteten 6 bis 8 Wochen alte Ferkel 15 bis 20RM., 8 bis 10 Wochen alte 20 bis 25 RM., 10 bis 12 Wochen alte 25 bis 28 RM. pro Stück. Bei flottem Geschäft wurde her Markt geräumt.
Knochen enthalten auch nach der kiaushatts- Verwertung noch Ruegongepunhtt für 80 wichtige Induftrlepuntrte. Datum: nichtverdrennen oder verfüttern, sondern dem nächsten Schulkind mitgebenl
3000Kilometer Siebe
Roman von Olly Doeheim
28. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
18. Kapitel.
Ein feiner Regenschleier lag über Stockholm. Die Kungsgatan mit ihren beiden wolkenkratzerartigen Türmen lag wie in einem grauen Spinnweb gefangen. (Eine Filmdiva lächelte süßlich von dem Riesenplakat eines Lichtspieltheaters und weinte wirklich Tränen. Än den großen Warenhäusern brannte schon Licht. Än der riesigen feuchtglänzen- den Schlange der Autos, die über den spiegelglatten Asphalt glitten, fiel eine gewaltige Luxus- limoufine auf. Breit ausladend, fast zu schwerfällig für den Stadtverkehr, fuhr der gewaltige Wagen langsam durch das Straßengewühl des Spätnachmittags.
„3d? kann es noch gar nicht fassen, daß ich mit heiler Haut diesem Abenteuer entronnen bin", sagte Dera Derries, und sah mit einem ungläubigen Lächeln zu Arne Ohlsen auf, der neben ihr am Steuer saß.
„Gottlob" sagte Arne und drückte leise ihren Arm.
„Und daß ein ungalanter Fischer vom Siljansee sich in einen zivilisierten Stockholmer Kaufmann verwandelt hat?"
„Ja, es klingt wie ein Märchen."
„Ein recht profanes Märchen, finde ich. Ein Fischer, der zum Puddingpulverfabrikanten wird."
Der Wagen bog am Stanzen, dem Tiergarten Stockholms, ein.
Kennst du die Geschichte von dem Königsadler aus Stanzen?" fragte er lächelnd.
„Tein."
„Wir hatten einen wunderschönen Königsadler, der seinen Namen wirklich mit Recht trug. Seine Majestät aus der Vogelwelt wurde schwermütig, wie es ja so oft bei Menschen und Tieren verkommt, die zu hoch in den Wolken leben. Da beschloß man, ihm die Freiheit wiederzugeben. Man transportierte ihst auf eine unserer Schären in der Nähe von Stockholm —"
„Er bekam sein Königreich wiedergeschenkt?"
„Ja, und sogar seinen Minister dazu. Ein Wär
ter reiste mit chm Man ließ ihn frei. Man sorgte ür Nahruna auf der kleinen Insel und hatte chm das Gitter, das ihn vom Himmel trennte, weage- nommen. Das Interesse in Stockholm war riesengroß. Die Geschichte vom befretten Königsadler aus Stanzen ging in mehr oder minder romantischer Form durch alle Zeitungen. Jeder nahm Anteil. ,Was meinen Sie, wird er zurückkehren, der Königs- adler aus Stanzen?' fragte Herr Petersen Herrn Jansen, wenn er ihn in der Straßenbahn traf. Und die Gemüsefrau schrie zum Fischverkäufer hinüber: ,Jst er wieder da, unser Adler/ Es wurden sogar Wetten abgeschlossen, ob der Adler freiwillig zurück- kehren würde ober nicht."
„Und er kehrte zurück?"
„Nach ungefähr einer Woche war er wieder da. Er war über das Meer geflogen, um in seinen Käfig zurückzukehren. Er brauchte das Gitter, das ihn vom Himmel trennte."
Der Wagen hatte die Hauptstraße verlaßen und ließ das Zentrum Stockholms hinter sich. Die breiten, prächtigen Villenstraßen von Djursholm tauch- ten auf.
„Du siehst, Vera, ich bin auch in meinen Käfig zurückgekehrt", sagte Arne Ohlsen lächelnd und lenkte seinen Wagen in eine breite Toreinfahrt. (Einen Augenblick blieb er am Steuer sitzen, während der Wagen schon stand, als koste es ihn Ueberwindung, fein Haus zu betreten. Ein Diener in Livree stand in abwartender Haltung in der Haustür.
„So", sagte Arne, „hier ist mein Haus". Er führte Derg die Stufen hinaus und geleitete sie in eine große Halle, die mit einem Wintergarten abschloß.
„Mach es dir bequem, Liebste, wir bekommen gleich Tee."
Dera stand stumm. Tausendundeine Nacht, dachte sie und strich sich über die Stirn. Terrassenförmige Gärten stiegen bis zum Ufer der Därtan hinab. An den offenen Glastüren wehte der Regen vorbei. 'Alte Bäume standen wie kraftstrotzende Wesen als Silhouetten im Zwielicht, schweigend und lebendig.
Wie lebendig ist alles, dachte Vera Verries, wenn man liebt. Sie fühlte feine Hand auf ihrer Schulter. Arne Ohlfen geleitete sie zu einem Seffel. Von den Wänden fahen altersbraune Bilder auf sie herab. (Eltern, Großeltern, bis zu den Urahnen. Sie lächelten ein kühles, unverbindliches und, wie es Vera schien, etwas spöttisches Lächeln
in das 20. Jahrhundert hinein. Der Diener brachte Tee und goß ein. Nur das leise Klingen des Silbers an dem Porzellan schwang in der Stille. Das Haus schien zu schlafen, als gehöre es den Toten, die von den Wänden herabsahen, nicht den Lebendigen von heute. Der Mann war ernst. Er reichte Vera Gebäck, bot ihr Likör an und schwieg in sich hinein. Die Stille war lähmend.
„Du wolltest mir von Hhr* erzählen", sagte Dera und erschrak über ihre Worte.
„Komm", sagte Arne und führte Vera die Treppe hinaus.
Es roch moderig, wie In einem alten Schloß, das lange Zeit teersteht. Sie gingen über schwere Flurteppiche, die den Laut ihrer Schritte dämpften. Eine unbestimmte.Angst ergriff Dera Derries, als könnte sie in jedem Augenblick etwas erfahren, woran sie schwer zu tragen hätte. Ohlsen schloß eine Tür auf. (Es war ein Damenzimmer in Lindengrün, unberührt, als hätte eine Frau es soeben verlassen. Arne Ohlsen zog die Vorhänge auf. Das letzte Licht des verlöschenden Tages streifte ein Helles Bild, das über einem verspielt anmutenben Rokokosofa hing. Ein üppiger Frauenmund lachte unbeschwert in das Leben hinein, und junge Augen tranken eine Welt in sich, als bestünde sie aus lauter Gold und Sonne.
„Das war —", fragte Vera leise.
„Meine Frau. Und doch war sie es nie gewesen." „Ich verstehe dich nicht."
„Sie war mit mir verheiratet. Lisa hieß sie. Lisa, ein Name wie Musik. Und sie selbst war wie Musik, leicht, verspielt und doch voll von fremden Tiefen. Sieh sie dir an, schau dies lachende Kindergesicht. Die reinen Augen, welche die ganze Welt besitzen wollten. Ich habe sie geheiratet, als sie kaum zwanzig Jahre alt war. Ich liebte sie und dachte, sie liebte mich. Aber sie heiratete mich nur, weil ich reich war, weil sie ein Kind von ihrem Geliebten erwartete und Angst vor ihren Eltern hatte."
„Du wußtest?"
„Nichts! Sie war eine vorzügliche Schauspielerin. Sie hatte das reinste Lächeln, die zärtlichste Hingabe. Die Summen, die sie verbrauchte, waren gigantisch. Sie ließ alles heimlich auf das Konto ihres Geliebten umbuchen, um mich zu verlassen, wenn sie genug beiseite geschasst hätte."
„Und wie erfuhrst du die Wahrheit?"
„Durch ben Mann. Er hielt e§ nicht aus. Der
Gedanke, teilen zu müssen, nahm chm fast den Verstand. (Er kam eines Tages zu mir, eröffnete mir alles und verlangte sie zurück."
„Und du?"
„Ich begriff zuerst nichts. Ich hatte mich auf mein Kind gefreut, wie ein Schuljunge auf Weihnachten. Allmählich erst dämmerte mir die furchtbare Wahrheit, daß dieses Geschöpf, dessen Reinheit ich angebetet, einen beispiellosen Verrat an mir begangen hatte. Ich gab ihr den Weg frei, willigte in die Scheidung und überschrieb ihr noch ein kleines Vermögen. Nicht für sie, für das Kind, das angeborene, das ich schon geliebt hatte. Von der Zett ab konnte ich das Haus nicht mehr sehen, schloß alles zu und ging an den Siljansee."
„Und ich dachte, du wärest ein Abenteurer", sagte Vera.
„Ja, ich weiß. Die Brieftasche und", sein Gesicht wurde wieder ernst, „her Ring. Ich hatte ihn für Lisa gekauft, um ihn ihr bei der Geburt des Kindes zu schenken." 4 !
„Und", sagte Dera stockend, „ist das Kind schor geboren?"
„Ja", antwortete Arne, „es ist geboren und gleich gestorben und die Frau mit ihm Als sollte sich der Betrug rächen, als hätten all die Lügen, die falscher Liebesschwüre das Kind erstickt, ihm die Kraft ge* nommen, eine Welt zu betreten, die aus lautet falschem Schein bestand. Nach diesem (Erlebnis glaubte ich nicht mehr an die selbstlose Liebe einet Frau. Und bann kamst du! Du weißt, wie ich mich gegen diese Liebe wehrte."
„Du warst ein rechter Grobian."
„Das gefiel dir wohl gerade?"
„Bei mir war es ähnlich wie bei dir, Arne. 2D Künstlerin hatte ich viel Verehrer und doch keinen Man liebte die gefeierte Frau in mir. Welch ein Vergnügen, mit Vera Verries auszugehen, wenn gerade in der Illustrierten ihr Bild war. Wie kitzelte e« die Eitelkeit, wenn bieeßeute am NebentisH flüsterten: .Ach, bie Verries, heute in Schwarz mit (9olblam6/ Darüber vergaßen die Menschen ganz, baß ich auch eine Seele hatte. Ich wurde sehr müde. Ais der Siljansee mich dir brachte, hielt ich dich zu« erst für einen Fischer, dann für einen Sonderling, einen Abenteurer —"
„Und schließlich für einen Einbrecher." (Fortjetzung folgt!


