Ausgabe 
15.11.1940
 
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Spieles mit feiner Nuancierung und durchgeistigter Gestaltung. Vielleicht hätte man sich den Hauptge­danken noch etwas temperamentvoller, wohl noch etwas spritziger denken können: die Solistin schien aber absichtlich sich Beherrschung aufzuerlegen: von einzigartiger Wirkung war der langgedehnte Dimi- nuendo-Triller. Stürmische Begeisterung war das berechtigte und dankbare Echo für diese Gabe.

Von dem Orchester konnte man gestern unter der Leitung von Otto S ö l l n e r ein wesentlich vorteil­hafteres Bild gewinnen als im letzten Konzert. Diesmal merkte man, daß er bewußt auf eine sorg­same dynamische Schattierung hingearbeitet hatte; und auch der Solistin gegenüber zeigte er wesent­lich größere Anpassungsfähigkeit. An einzelnen Stellen, namentlich in den figurativen Teilen, wo Themen von der Solvstimme umrankt werden, wäre eine noch stärkere Abdämpfung dem Solopart zu­gute gekommen. Streichern wie Bläsern gebührt für dieses Konzert besondere Anerkennung, hervor ge­hoben sei die äußerst dezente Tongabe des ersten Fagotts.

Das gleiche Bild zeigte die zu Beginn des Kon­zertes gespielte Ouvertüre zu ,Lönig Stephan". So wie das Andantethema bei seiner letzten Wie­derkehr erklang, hätte man es sich gerne von An­fang an gewünscht. Die Steigerung vor dem zwei­ten Presto-Einsatz war in allen ihren Phasen gut durchgestaltet, das Hornsolo hob sich klar und ton­sicher hervor.

Die A-ckur-Syrnphonie wuchs klangschön mit ihrer Einleitung heraus und war auch nament­lich in der Phrasierung des zweiten Themas sehr sauber. Der Uebergang zum Vivace mit feinem Einhalten war durchaus überzeugend, wie sich auch der ganze Satz in Klarheit und sorgfältiger Durch- arbetiung erschloß.

Die Umgruppierung der Sitzplätze im Orchester, die die führenden tiefen Stimmen, Celli und Bäffe, auf die rechte Podiumsseite brachte, wäre für die Zukunft möglichst nicht beizubehalten. Die tiefen Streicher besitzen an sich schon durchdringende Kraft des Tones, hier drängte sich ihr Klang oftmals zu stark in den Vordergrund, und das Wechselspiel zwischen

den ersten und zweiten Geigen verlor durchaus die raumakustische Differenzierung. Das bestätigte sich besonders im Allegretto der Symphonie, bei der allmählich ausblühenden Gegenmelodie; die pizzi- cato-Achtel der Bässe im A-ckur-Teil, den man sich übrigens noch ruhiger, abgeklärter denken könnte, traten zu aufdringlich hervor. Das Scherzo war mit scharfem Kontraste und starkem rhythmischen Impuls gefüllt; im Trio hätte man den Bläsereinsatz gerne wirklich piano gehört. Das Finale war stark in seinen Akzenten, namentlich die Eingangsperioden waren scharf herausprofiliert, im weiteren Ver­laufe dieses Satzes aber litt die von den Streichern getragene Thematik in ihrer Deutlichkeit durch die Klangdimensionen der Bläser. Unser gut, aber nicht überbesetzter Streichkörper, verlangt unbedingt eine Abstimmung der Bläserstärken auf seine eigene Klangfähigkeit

Das vollbesetzte Haus ehrte das Orchester und feinen Dirigenten durch herzliche Zustimmung.

Dr. Hermann Hering.

Anekdoten.

kunstbetrachtung.

Der Bildhauer Schadow konnte es nicht leiden, wenn die Künstler in Theorien schwelgten anstatt zu schaffen; vollends konnte er das Gerede über Kunst bei feinen Schülern nicht vertragen.

Einmal sagte ein angehender Maler:

Ich male das, was ich sehe."

Worauf Schadow in aller Schonungslosigkeit er­widerte:

Un nachher erschreckste, wenn du siehst, wat du jemalt hast!"

Erklärung.

Der berühmte Arzt Professor Virchow sollte einmal einem Patienten den Unterschied zwischen Rheumatismus und Gicht erklären.

Da klemmen Sie einfach mal Ihren Daumen in den Schraubstock", sagte Dirckow,und schrauben ihn zu, bis Sie es nicht mefjr aushalten können. Das ist Rheumatismus. Dann geben Sie noch eine Umdrehung zu. Das ist Gicht?

Gloria-Palast:Das sündige tOorf.'

Das ist gemütlich. Hier kann man sehen die Groß- und Nahaufnahmen einer originalbayerischen Wirts» hausrauserei. Da ist, wie der Sollrat' jagt, alles dran. Es geht überhaupt in diesem Dorfe ganz irdisch zu. Da wird geliebt und getanzt und gerauft und gefenfterü, es ist eine Freude. Außerdem ist es aber auch ein Aergernis. Es gibt da nämlich nicht nur einen, sondern sogar zwei dunkle Punkte, und zwar in Gestalt von sogenannten ledigen Kin­dern. Das führt zu furchtbaren Verwirrungen und schrecklichen Familienveryältnissen. Man kennt sich bald nicht mehr aus. Einer kann zum Beipiel das Mädel nicht heiraten, das er mag, weil es eines Tages offenbar wird, daß es seine leibliche Schwe» fter ist. Und während abwechselnd Vater und Mut­ter vor der Entdeckung der dunklen Punkte zittern, teils mit Grund, teils ohne Grund, ist da noch einer im Dorf, den es eigentlich gar nichts angeht, der aber aus dem ängstlich gehüteten Geheimnis lange Zeit hindurch Kapital schlägt. Ja, er lebt gewisser­maßen von dem, was er weiß und die andern nicht wissen. Aber auch ihn ereilt die irdische Gerechtig­keit, und er muß es grausam büßen. Zuletzt endet alles mit einem gewaltigen Hochzeitsessen.

Vielleicht ist nicht jeder aus diesem Bericht ganz schlau geworden, aber man kann es nicht so schön und ausführlich erzählen, wie es zu sehen ist. Wer es also genau wissen will, muß sich den Film an- schauen, den Josef D a I m a n nach einem Stück von Max Neal für die Bavaria geschrieben hat. Joe Stöckel führte Regie, und man hat den Eindruck, daß er dabei in seinem Element war. Er spielt auch selber eine Hauptrolle; neben ihm sieht man z. B. Else Aulinger, Georg Bauer, Albert Ian» schek (der früher in Gießen war), Joses Eich­heim, Erna Fentsch, Hansi Knoteck, Beppa B r e m und viele andere. Sie waren alle mit Lust und großer Selbstverständlichkeit bfi der Sache. Vorher läuft die neue Wochenschau, die hier schon angezeigt wurde. Hans Thyriot

8reltag,15. November 1940

Gießener Anzeiger (Generai-Anzeiger für Oberhessen)

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Das Treudienst-Ehrenze-chen.

Dem Studienrat Dr. Georg Heß am Landgraf- Ludwigs-Gymnasium zu Gießen wurde durch den Schulleiter, Oberstudiendirektor Dr. W o l k e w i tz , das vom Führer verliehene Treudienft-Ehrenzeichen in Silber für 25jährige treue Dienste Überreicht.

Aeueintragung für Zugezogene.

In Verfolg der Zusammenarbeit zwischen der Wirtschaftsgruppe Einzelhandel und dem Deutschen Frauenwerk ist auch eine Regelung der Neueintra­gungen für Zugezogene getroffen worden. Danach joll die jeweils zuständige Ortsabteilungsleiterin Volkswirtschaft-Hauswirtschaft dafür Sorge tra­gen, daß Hausfrauen, die durch einen Umzug in eine neue Stadt oder in einen anderen Stadtteil Schwierigkeiten beim Einkauf haben, in den Kun­denkreis eines Einzelhändlers ausgenommen wer­den, damit auch in diesem Falle eine gerechte Ver­sorgung gewährleistet ist.

Das Erziehungsgeld hat geholfen.

Das städtische Ernährungsamt sah sich gezwun­gen, veranlaßt durch Saumseligkeit bei der Abho­lung der Lebensmittelkarten, von der gegenwärtigen Ausgabe der Lebensmittelkarten ab ein Ordnungsgeld von 1, RM. als gutes Erziehungsmittel von den säumigen Kartenabholern zu erheben. Diese Maß­nahme hat einen überraschenden Erfolg gehabt. Während bei den früheren Kartenausgaben regel­mäßig mehrere hundert Bummler vorhanden waren, die erst lange nach der Ausgabezeit chre Karten abholten und dadurch den Geschäftsgang auf den Dienststellen des Ernährungsamtes, aber auch die Geschäftsleute bei Her Ablieferung der Bestellscheine empfindlich störten und benachteiligten, sind es bei den jetzigen Ausgabetagen insgesamt nur rund 60 Saumselige gewesen, die je 1, RM. bezahlen müssen. DiesesErziehungsgeld" wird mit einer städtischen Gebührenmarke guittiert, die auf den Personalausweis des Bezugsberechtigten als Dau­erndes Andenken" aufgeklebt wird. Das Geld wird der Stadtkasse zugeführt. Bei der Verhängung des Erziebungsgeldes" werden wirklich begrün­dete Versäumnisse natürlich berücksichtigt, dagegen finden Beguemlichkeitsgründe keine Anerkennung.

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Samstag

Erzeugungsschlacht - Aufklärung 1940/41.

NSG. Für unsere Bauern und Landwirte bedeu­tet es eigentlich eine Selbstverständlichkeit, daß die Erzeugungsschlacht mit verstärkten Kräften weiter- geführt werden muß. Um das Landvolk nach den Zielsetzungen des Reichsnährstandes auszurichten, ist für den bevorstehenden Winter eine umfassende Massenaufklärung vorgesehen, bei der das Haupt­gewicht auf Veranstaltungen mit Rednern und Film­vorführungen sowie auf eine sorgfältige Ausrichtung und Vorbereitung der Aufklärungsträger gelegt wird. Aufklärungsträger sind die Bauernführer, Wirtschaftsberater, Tierzuchtinspektoren und Ortshof­berater. Es sind zwei Aufklärungswellen mit je einer Hauptparole geplant Jede Welle dauert vier bis sechs Wochen und beginnt mit einem Gemein­schaftsempfang für die Aufklärungsträger. Dann folgen die örtlichen Veranstaltungen, in denen das gesamte Gebiet der Landesbauernschaft bis in das letzte Dorf erfaßt wird. Der erste Gemeinschafts­empfang findet am 23. 11. statt. Es spricht der Reichsbauernführcr über alle deutschen Sender und gibt den Befehl zum Beginn der Aufklärungsarbeit. Insgesamt werden im Laufe des Winters im Ge­biet der Landesbauernschoft Hessen-Nassau etwa 1600 Veranstaltungen stattfinden.

Radfahren ist gesund.

In letzter Zeit, besonders auch durch die Gege­benheiten des Krieges, hat das Fahrrad zahlreiche neue Freunde und Anhänger gefunden, sodaß die kürzliche Schätzung von 20 Millionen Menschen in Deutschland, die ein Fahrrad benutzen, eher zu nie­drig als zu hoch gegriffen sein dürste. Das Fahr­rad ist im täglichen Verkehrsleben so unentbehrlich geworden/daß man sich nicht mehr vorstellen kann, welche harten und langen Kämpfe erst geführt werden mußten, ehe es seine "heutige Bedeutung er­langen koirnte.

Was hat man in früheren Jahren nicht alles Über das gesundheitsschädliche Radfahren hören müssen. Maßgebende Aerzte und Wissenschafller selbst führten heftige Polemiken über den Wert und Unwert des Radfahrens. Man behauptete, das Fahrrad fei ein zu Ueberanftrengungen führendes Sportinstrument, das selbst von jüngeren Menschen

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Stadttheater: 18.30 bis 21 UhrDer Tanz ins

Obwohl der Wacholder ein Alter von mehreren ländert Jahren erreicht, bevorzugt er den strauchigen Juchs, den er auch noch in fünf bis sechs Meter jöhe beibehält. Es liegt eine eigentümliche Schwer- rut über dem Aeußeren dieser düsteren, einzeln j>er in kleinen Gruppen stehenden Pyramiden, die ns die Erinnerung an ihre nahe Verwandte, die (ierlich-hohe Zyvresse des Südens, erwecken und ne nicht erst seit Böcklins bekanntem Gemälde ^oteninsel" geltende Ausdrucksform der fchweigen- P. B.

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schein nachzuweisen. Nach erfolgter Schlachtung muß der Antragsteller den Genehmigungsbescheid sofort seiner Kartenausgabestelle zurückgeben. Diese nimmt dann die Anrechnung der Hausschlachtung auf den Versorgungsanspruch des Selbstversorger- Haushaltes vor.

Ein Verkauf von Erzeugnissen aus Haus­schlachtungen ist grundsätzlich verboten. Auch die Ablösung des Schlachtlohnes durch Natu­rallieferungen ist verboten. Um den Bezug von Frischfleisch zu ermöglichen, können alle landwirt­schaftlichen Selbstversorger, die Hausschlachtungen vorgenommen haben, auf Antrag Fleischderechti- gunHsscheine erhalten.

Für die Deckung des Bedarfs an bewirtschafteten Gewürzen bei Hausschlachtungen (Pfeffer, Piment, Paprila, Körnersenf, Ttajoran), an Grütze oder Mehl werden auf Antrag von der Kartenausgabe­stelle mit dem Genehmigungsbescheid Berechtigungs­scheine ausgestellt. Für Hausschlachtungen von Schafen und Kälbern werden Berechtigungsscheine nicht auagefteHt.

zuarundegeleat werden darf, kann an Stelle des xvch-lachtgewicytes auch das Lebendgewicht zu­grunde gelegt werden, wenn es durch amllichen Wiegeschein nachgewiesen wird. In diesem Falle ist das Schlachtgewicht zu ermitteln, indem von dem auf dem Wiegeschein angegebenen Lebendgewicht ein Schlachtviehoerlust von 20 v. H. ab« gezogen wird. Anträgen, die auf eine Anwen­dung von Ausnahmeregelungen abzielen, kann in nur wirklich begründeten Ausnahmefällen stattge­geben werden; derartige Anträge find grundsätzlich vor der Schlachtung zu stellen.

Gegenüber den Schweineschlachtungen ist für sämt­liche Hausschlachtungen von Rindern, Kälbern und Schafen ein einheitliches Anrechnungsaewicht nicht

Hausschlachtungen sind Schlachtungen von Schwei­nen, Rindern, Kälbern und Schafen, die nicht ge­werblich erfolgen und der Selbstversorgung des Schlachtenden und seines Haushaltes dienen. Grund­sätzlich bedürfen alle Hausschlachtungen der Geneh­migung. Die Genehmigung zur Hausschlachtung er­hallen ohne Erfüllung besonderer Voraussetzungen alle in der Landwirtschaft hauptberuflich tätigen Personen, und zwar

a) die Inhaber landwirtschaftlicher Betriebe, soweit sie als Selbstversorger anzusehen sind;

b) Naturalberechtigte (Deputanten, Altenteiler, die ihren Wohnsitz in der Gemeinde haben, zu der der landwirtschaftliche Betrieb gehört); und

c) alle sonstigen ständig in der Landwirtschaft hauptberuflich tätigen Arbeitskräfte.

Die Genehmigung erteilt die Kartenausgabestelle, in deren Bezirk der Antragsteller seinen Wohnsitz hat. Die Genehmigung muß rechtzeitig vor der Schlachtung eingeholt werden. Der Genehrnigungs- bescheid ist bei der Schlachtung dem Fleischheschau- tierarzt oder Fleischbeschauer vorzulegen.

Um in Zukunft das Anrechnungsverfah- rcn z u vereinfachen, wird künftig davon ab­gesehen, bei Hausschlachtung von Schweinen durch Selbstversorger das Schlachtgewicht durch den Fleischbesck)autierarzt oder Fleischbeschauer feststellen zu lassen.' Aus der Grundlage der bisher erzielten Durchschnittsschlachtgewichte sind für die einzelnen Gebiete des Reiches einheitliche Schlacht­gewichte als A n r ech n un a s ge w i ch t e festgesetzt worden. In diesem Anrechnungsge­wichten ist der Abzug eines Verarbeitungsverlustes von 15 v. H. bereits enthalten, so daß weitere Ab­züge nicht zulässig sind. Soweit in begründeten Fällen auf Antrag mit Genehmigung des Ernäh- rungsamtes an Stelle des für das betreffende Ge­biet festgesetzten Anrechnungsgewichtes das durch amtlichen Wiegeschein nachgewiesene Schlachtgewicht

Gießener Konzertring.

Beethoven-Konzert.

Beethovens unvergleichliches Diolin- Sionzert gehört zweifellos zu den Werken, die o n den Wiedergebenden zu instrumentalen Fähig- iriiten als Voraussetzung noch ein hohes Maß an irnnschlicher und geistiger Reife erfordern, um den tl-fen seelischen Gehalt ausschöpfen zu können Die­sen Bedingungen entsprach Elisabeth Bischoff in olllem Maße. Sie erwies sich als eine Geigerin von ti.ßerst durchgebildeter Technik mit sauberster Fin- »rfertigfeit und Klangreinheit bis in die höchsten i gen des Griffbretts, besonders auch im Doppel- Mfspiel. Eine bewundernswerte Leichtigkeit des engens, der die schwierigsten Stricharten nicht nur in Sauberkeit meistert, stellt sich in den Dienst der ^vrasierung des Thematischen. Mag ihr Ton nicht iifr ermäßig groß fein, er füllt jedoch den Raum und erb in mannigfacher Weise von ber ©eigerin ab« ((frottiert und namentlich in der schönen Kantllene litt innerer Wärme und Gefühlsgetragenheit ge- b'-nben.

Von ihrem ersten Einsatz nach dem Orchester- titti an hielt die Solistin den Hörer in Bann und iiyrte ihn durch das Werk mit einer geradezu pein­igen Sauberkeit in der Gliederung des Thema- ichen wie auch in der unendlichen Kleinarbeit der Q-tihilation der figurativen Passagen Die sehr usgedehnte Kadenz des ersten Satzes ließ die che- «iLtischen Gedanken im Lichte des Solcnnstrumentes Slrüberziehen und bestätigte das große Können der stliftin durch den Einsatz der vielfachen Gestal- iungsmöglichkeiten ihres Instrumentes. Der Schluß bis ersten Satzes tourte zur klanglichen Verklarung ßbcs Seitenthemas.

f Im zweiten Satz rankte sie sich im Derzierungs- l'pid um den von dem Orchester vor getragenen Ge- jbcnken und ließ hier die schwebende Kraft chres It.'nes ganz besonders eindringlich werden, zumal in dem klanglichen Entschwinden der absteigenden $nie. Das Rondo bestätigt die Leichtigkeit chres

Aus der Stadt Gießen.

Wacholderkrast.

Der Wacholder ist das Wahrzeichen der Heide. Henn der Feuerbrand seiner unzähligen kleinen Blüten verlooert ist und auch die Laubwipfel der wirken kahl geweht sind, trotzt er mit seinem immer« grünen düsteren Nadelkleid allein den Herbststürmen mb Winterfrösten. Die geheimnisvollen Kräfte sei­ner zähen Lebensenergie wurden schon in grauer § orzeit geschätzt und in der Heilkunde verwandt, darauf spielt das entzückende Märchen Grimms JBon dem Machandelboom" an, wie der Wacholder in Norddeutschen genannt wird, während er im HildenKranewitt" undReckholder" heißt.Aus pm Machandelboom", so erzählt Grimm,steigt ein ?ebel auf und in dem Nebel brennt ein Feuer, inb aus dem Feuer fliegt ein schöner Vogel heraus, fc»r singt herrlich und fliegt hoch in die Luft."

Mit Wacholderzweigen räucherte man darum höher Wohnungen von Menschen und Vieh, um mit fern herb-aromatischen Geruch des Rauches die bösen (eifter zu vertreiben und Seuchen und Pest ferm ^halten. Wer sich einen Wacholderzweig an den tut steckte, der war durch seine frische immergrüne Lebenskraft auch auf langen Wanderungen frisch nb wider Müdigkeit und Krankheit gefeit.

Die schwarzblau bereiften Beerenzapfen, die im iffften Jahr noch grün bleiben und erst im zweiten usreifen, dienen als beliebte Würze an mancherlei (peifen. Roh gegessen sind sie nach Kneipps Wa- colderkur von ausgezeichneter Wirkung auf Leber mb Nieren und reinigen auch das ungesundeste Hut Vielerorts wird aus den herb und harzig Zweckenden Beeren ein wohlbekömmliches Mus be­rstet. Der aus ihnen gepreßte Saft hat als Wa- colderöl große Bedeutung in der Herstellung von ^acholderbranntweinen, von denen die bekanntesten Men der TirolerKranewitter", der ostpreußische Machandel", der norddeutscheSteinhäger" und ler englischeGin" sind. Das Del mit Wasser und Weingeist vermischt ergibt den bekannten Wacholder- iritus, der zu Einreibungen benutzt wird. Das reiche, aber dauerhafte, angenehm duftende Holz rissen besonders Drechsler, Holzschnitzer und Kunst- t'chler zu schätzen.

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Kärnten 1»*

nicht ohne gesundheitlichen Schaden benutzt werden könne. Namentlich die Frauen und Kinder suchte man unter Hinweis aus alle möglichen Leiden, z. B. Herzerweiterung und Lungenkrankheiten, von der Ausübung des Radfahrens abzuschrecken.

Erst als langjährige Beobachtungen und Erfah­rungen am eigenen Leibe innerhalb der Aerzteschaft zu einem günstigeren Urteil über das Radfahren führten, konnte das Fahrrad der Allgemeinheit nicht my als Helfer und billiges Verkehrsmittel, sondern auch als ein sehr gesundes Sportwerkzeug gepriesen werden. Hinzu kam, daß die Erzeuanisse unserer Fahrradindustrie immer mehr den gesund­heitlichen Anforderungen entsprachen. Heute sind Lenkstange, Sattel und Uebersetzuna genau der Figur des Fahrers angepaßt und lassen keine ver­krampfte Haltung mehr zu. Damit ist ein großer Einwand, der früher vielfach von der Aerzteschaft gemacht wurde, von vornherein hinfällig geworden.

Welches sind nun die gesundheitlichen Vorteile, die sachgemäß ausgeübtes Radfahren mit sich bringt? Die Beintätigkeit des Fahrers in frischer Luft regt den Blutkreislauf an, entlastet den Kopf vom Blutdruck und mildert dadurch etwaige Stö­rungen, wie Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit. Aber der Radfahrer leistet nicht nur Beinarbeit, auch die Brust-, Rücken-, Arm- und Bauchmuskulatur werden beansprucht und geträf- tigt Lunge und Herz entfalten regere Tätigkeit, das Blut fließt schneller, die Darmmuskulatur wird ge. kräftigt und somit ein heilsamer Einfluß auf die Verdauung erreicht. Man kann also durch das Rad­fahren im ganzen eine wirksame und heilsame Massage am inneren und äußeren Menschen fest- ftellen.

Eoldaten-Stammbaum.

Sicher zogen schon meine Ahnen tapfer unter des Königs Fahnen. Einer von Urnen fiel in Schlesien beim Alten Fritz gegen Marie Theresien. Mein Großvater, der war 70 dabei

' und 71 im Schloß Versailles, als den König man zum Kaiser erhob und Bismarck der Kanzler war, gottlob. Als Großvater dann auf der Bahre lag ich entsinn mich wie auf den gestrigen Tag trug er den ehrbaren Rock, den blauen, und auf dem Kissen noch einmal zu schauen lagen an Ordensbändern und Schnüren Medaillen zu viele, sie aufzuführen.

Mein Vater ist in Darmstadt in Hessen bei den Dragonern aufgesessen.

Mich hingegen nahmen sie

zu unsrer Fernkampfartillerie.

Wär' lieber zu Panzerjägern gegangen, hat halt jeder so sein Verlangen!

Statt an die kleine Schnellfeuerkanone kam ich zur größten ich sag euch: nicht ohne! Wo irgend die dazwischenhaut, wächst weder Gras mehr noch ein Kraut. S)ab' auf der Wache in stiller Nacht mir meinen Stammbaum so betrachft, und sah in den gelben Kerzenschein recht gedankenverloren hinein.

Sah drin die Augen meiner Frau und meines Bübchens, ebenso blau. Auch meines Jungen goldblondes Haar. (Doch lang' schon her, daß auf Urlaub ich mar!) Ja, wenn mein Bübchen im Wagen sitzt, wie es den Zeigefinger spitzt, wenn in der Ferne dis Trommel trummt, und das Bombardon ärgerlich brummt.

Bei der Soldaten gleichem Schritt

'wippt auf dem Arm es strahlend mit.--

Aus! ---- Es klingelt das Telephon!

Hier die Wache!" (Ich komm' ja schon!) Alarm! Alarm!" Ich lasse gleich wecken. Alles raus aus den warmen Decken.

Irgendeiner gähnt und greint

kein liebliches Wort. Doch dann: Ran an den Feind! Gefreiter Burkhart Werner.

Oie Berso'gunqslage im irhein-Main-Gebiet.

In der Getreibewirtlchast hat sich die Nachfrage nach Mehl durch das Vackgewerve jetzt etwas ge­steigert. An Nährmitteln find vor allem reichlich »solche aus Gerste vorhanden. Nach wie vor ist es erwünscht, wenn Kaffee-Ersatz lvse jetzt mehr als Paketware verbraucht wird.

An den Viehmärkten find die Zufuhren von Rin­dern trotz des beendeten Weideabtriebes sehr gut tu

dlütf". Gloria-Palast (Seltersweg):Das sün- dge Dorf". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Der tinffe Punkt". Oberhessischer Kunftverein: 17 bis li Uhr: Ausstellung W. Jmkamp im Foyer des (ttadttheaters.

Stadttheater Gleheu.

Am heutigen Freitag wird zum ersten Male die (p-eretteDer Tanz ins Glück", die bei ihrer Erft- I: ollfführung am vergangenen Sonntag mit großem Ziel fall auf genommen wurde, wiederholte Mufika- " li che Leitung: Arthur Apelt. Spielleitung:. Harry i (rüneke. Bühnenbild: Karl Löffler. Danzleitung: ?-rngard Trörnel. Chöre: Nadine Galla. 9. Freitag- ( Mete.

Ortszeit für den 16. November.

Sonnenaufgang 8.49 Uhr, Sonnenuntergang 17.30 ; Ihr. Monduntergang 9.36 Uhr, Mondaufgang ' K52 Uhr.

(4 500 AM. für das Kriegs-WSW'

Als Sammelergebnis vom dritten Opfersonntag fir das Kriegs-Winterhilfswerk wurden am vori- gn Sonntag im Kreise Wetterau rund 64 500 !EDL ausgebracht. Die Stadt Gießen mit ihren For­inten Wieseck und Klein-Linden ist an diesem Er- Mnis mit rund 15 500 RM. beteiligt

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