Nr. 2 44 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Dienstag,15. Moberg
Die Iugendgruppe der TKS.-Frauen- schast und des Deutschen Irauenwerks.
Gfs. Wie oft hört man ein BDM. Mädel sagent „Frauenschaft, nein die sind mir zu alt, da will ich nicht dazu". Dabei bedenkt das Mädel gar nicht, daß ihr ganzes Sein im BDM. wertlos ist, wenn sie nicht zu der Aufbauarbeit in der Frauenschaft weiter gehört.
Um diesen jungen Menschen den Uebergang vorn BDM. in die Frauenschaft zu erleichtern, hat dis Reichsleitung überall die Fugendgruppen gegründet. $ier sind die jungen Mädchen und Frauen bis 51t dreißig Jahren beieinander. Ihr Zusammenfein ist ein recht fröhliches. Alle Montag abend kommen in der Kreisgeschäftsstelle Frankfurter Straße 1 dis Mitglieder der Jugendgruppe zusammen zu einem Bastelabend. In Gießen werden eben Kasperköpfe geformt. Jede greift nach der Formmasse und ver-
Wer gut kaut, erleichtert dem Magen die Arbeit und erfüllt ein wichtiges Gebot der richtigen Zahnpflege.
CHLORO DO NT
Au« der Stadt Gießen.
Gießener Universitätswoche.
Bedeutsame Feierstunden.- Große Kundgebungen mit hervorragenden Rednern.
Feldpostbriefe.
Briefschreiben ist noch nie als etwas Erwünschtes empfunden worden, außer bei Liebesbriefen, die sich Menschen schreiben, sofern es wirkliche Liebesbriefe find, also von Liebe ausgehend, die sich unbedingt mitteilen muß. Aber andere Briefe? Sie werden zunächst einmal etwas aufgeschoben, dann noch mehr hinausgeschoben und Gott sei Dank zuletzt vergessen, so daß der andere erst mahnen muß. Manche schicken sogar eine Marke mit, um anzu- deuten, daß du aus reinem Geiz um die Pfennige nicht antwortest.
Aber es ist nicht die Marke gewesen. Es war die Faulheit, die Trägheit, es fehlte der Anreiz. Das ist anders bei Feldpostbriefen. Wir in der Heimat- haben plötzlich das Verlangen, denen draußen Grüße zu senden, selbst wenn es nur Grüße sind. Wir wollen sagen: „Gräme dich um nichts, denke an das Deine, sei sicher, daß wir dich nicht vergessen, wir denken an dich sehr oft." Das ist dann für den, der es unter seiner Feldpostnummer soundso ausgehändvgt bekommt, eine wahre Erleichterung und Freude dazu. Es tröstet ihn, es macht ihn wieder frisch.
Es liegen so viele Kilometer zwischen Front und Heimat, es ist ein anderes Land dort draußen, es sind gar zuviel Mannsleute beisammen, nichts als Mannsleute, und noch dazu militärisch rauh zusammengefaßt. Es mag ganz schön sein, denken die Frauen hier drinnen, aber was für ein hartes Leben muß es trotzdem fein’ Denn es i st doch nichts, lauter Männer! Oder ist das was?
Und nun schreiben sie ihnen das fehlende Weibliche mit Tinte auf Papier. Ganz andere Worte, ganz andere Denkweisen, und sie schildern ihnen darin das Leben zu Hause, die Leute, die man kennt, die Straße, in der man bis babin gewohnt hat, die schon fast vergessene zivile Welt, die Kinderchen, die größeren Kinder, der Haushalt.
Das lesen nun die, die es empfangen. Sie tragen Uniform und kennen so etwas Märchenhaftes kaum noch, nämlich eine Straße mit Männern, Frauen und Kindern in zwangloser, zufälliger, harmloser Folge ... Straßenbahnen, Geschäftsauslagen ... meinetwegen auch die Selbstgenügsamkeit und Ruhe der Kleinstadt ... auch der Frieden des Dorfes weit draußen, der Geruch des Dorfes nach Vieh, nach Acker, nach Wiese und nach hoher, freier Luft.
Sie lesen es und lesen und lesen, und plötzlich setzen sie sich hin und schreiben zurück an die Heimat. Es ist, als müßten sie es so, und genau so wird es in der Heimat empfangen, unb sehr genau unb wohl unb gut verstanden. Es geht hin und her mit den Briefen, aber nicht ein einziger davon ist überflüssig ober wirb als lästige Schreiberei empfun- ben. Es sind Nervenstränge, diese Feldpostwege, in denen geheimnisvolle Säfte, die seelische Kräfte sind, ihren Weg nehmen. Feldpostbriefe! F R.
Dorrwtizen.
Tageskalender für Dienstag.
Stadttheater: 19.30 bis 22 Uhr: „Der Triumph des Tobias". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Jud Süß". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: ,L>as indische Grabmal".
Stabtthealer Gießen.
Am heutigen Dienstag wiöd der große Lustspielerfolg „Der Triumph des Tobias" von Svend Rin- dom wiederholt. Spielleitung: Hansjoachim Büttner. Bühnenbild: Karl Löffler. 5. Dienstag-Miete. Es wird von der Intendanz darauf hingewiesen, daß die Vorstellungen des Stadtth-aters an Wochentagen pünktlich um 19.30 Uhr beginnen. Opern und bie Vorstellungen Samstag- und Sonntagabend beginnen bereits um 1 9 U h r. Alle Veranstaltungen und Vorstellungen im Stadttheater sind 22 Uhr beendet. HS-WiaW M Ml öntdj Jtenöe
6b$.-$porfamL Schwimmstunden!
Dienstags von 19 bis 20 Uhr und 20 bis 21 Uhr für Männer und Frauen.
Freitags von 20.30 bis 21.30 Uhr unb 21.30 bis 22.30 Uhr für Männer unb Frauen.
Alle Stunben auch für Anfänger._________4636D
Nachdem die früheren Veranstaltungen im Rahmen der „Gießener Universitätswoche" einen außerordentlich starken Erfolg gebracht unb das Wirken unferer Alma mater Ludoviciana im Dienste der Volksgemeinschaft in würdiger Weise bekundet hatten, wird in den ersten Tagen des Monats November wiederum eine „Gießener Universitätswoche" mit einer Reihe bedeutsamer Ereignisse veranstaltet werden. Als Zeitpunkt sind die Tage vom 2. bis 5. November einschließlich vorgesehen worden.
Am Samstag, 2. November, vormittags wird bie Universitätswoche mit dem Empfang- des Gauleiters Reichsstatthalters Sprenger burch den Rektor der Universität Professor Dr. med. H. W. Kranz im Senatssitzungssaal neben der neugestalteten Empfangshalle des Vorlesungsgebäudes ihren Auftakt erfahren. Einem Besichtigungsrundgang des Gauleiters und seiner Begleitung durch die umgebauten und würdig ausgestatteten Räume des Gebäudes wird die feierliche Einweihung des Umbaues des Universitätsgebäudes durch den Gauleiter im Rahmen eines Festaktes in der Großen Aula folgen. Diese Feierstunde wird das städtische Orchester mit musikalischen Darbietungen umrahmen.
Am gleichen Tage um 16 Uhr wird eine Besichtigung der neuen Zahn-Poliklinik im Hause Wil- helmstraße 14 stattfinden.
Am Abend um 20 Uhr veranstaltet die Unwerst- tät in Gemeinschaft mit Partei und Wehrmacht eine Kundgebung in der Großen Aula, in der der Reichsschulungsleiter Schmidt vom Hauptschulungsamt der NSDAP, über das Thema „Die nationalsozialistische Weltanschauung schafft eine neue europäische Ordnung" sprechen wird.
-Für Sonntag, 3. November, um 11 Uhr ist bie feierliche Gründung unb Eröffnung der „Wissenschaftlichen Akademie des NS -Dozentenbundes
Das Oberkommando der Wehrmacht bereitete durch die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" den verwundeten Soldaten in unseren Reserve-Lazaretten bei mehreren Veranstaltungen wiederum frohe Stunden. In einem Reserve-Lazarett wurde den Kameraden eine interessante Filmvorführung geboten, die am folgenden Tage in einem anderen Reserve-Lazarett für dessen Insassen eine Wiederholung erfuhr. Tags darauf wurden die Verwundeten eines Reserve-Lazaretts in einer Veranstaltung „Lustiges Kunterbunt" in schöner Weise unterhalten. Hier waren es die „Fünf Sorgenbrecher", die Tänzerin Grete Fleckenstein, der musikalische Humorist Kemp-Arnoldi, die Soubrette Eva Pegoretti und der 15 Jahre alte Akkvrdeonkünstler Ernst Formhals sowie Karl Engelhardt mit seiner musikalischen Umrahmung der Darbietungen, die den aufmerksamen Zuhörern eine große Freude bereiteten.
Die Betreuungssrauen der Ortsgruppe Gießen- Süd bereiteten den Verwundeten eines Lazaretts einen schönen Kaffeenachmittag, bei dem bas Lazarett den Kaffee stellte, wöhrenb bie Frauen in reichem Maße mit Kuchenspenden aufwarteten. Eine Gruppe Mädels vom BDM. erfreute die Soldaten mit Liedgesängen, Bandionspiel und kleinen Theateraufführungen, die allesamt dankbaren Beifall fanden. Unsere Verwundeten selbst beteiligten sich schließlich an der Ausgestaltung des frohen Nachmittags mit gemeinsamen Liedgesängen und heiteren Vorträgen. Bei ausgiebigem Kaffee und Kuchen und reichlich gespendeten Zigaretten verlief der Nachmittag in schönster Weise.
Am Sonntag bot die Kreiskapelle der NSDAP, unter Leitung von Musikzugführer Schleuse den Verwundeten in einem Lazarett ein abwechslungsreiches Vormittagskvnzert, das ausgezeichnete Musik brachte, die den dankbaren Beifall der großen Zuhörerschaft fand. Ein Vertreter des Kreisleiters unb ein Vertreter der NSKOV. wohnten dieser schönen Darbietung bei.
Zur gleichen Zeit gab in einem anderen Lazarett
an der Universität Gießen," vorgesehen. Diese Gründung und Eröffnung wird der Reichsdozentenbundsführer, Ministerialdirektor Prof. Dr. Schultze (München), persönlich vornehmen. Mit bieser Gründung wird die vierte Akademie dieser Art in ganz Deutschland geschaffen und ihren Sitz in Gießen erhalten. Ein Streichquartett des städtischen Orchesters rotrb diese Feierstunde umrahmen.
Nachmittags, um 15.30 Uhr, folgt bie Besichtigung der in' der Kleinen Aula (bisher als Großer Hörsaal des Vorlesungsgebäudes bekannt) herge- richteten Ausstellung des Gießener NS.-Dozenten- bundes „Landschaftsgebundene Wissenschaft".
Der Sonntag bringt um 20 Uhr wiederum in der Großen Aula eine Kundgebung der Universität mit Partei und Wehrmacht, bei der der Leiter des Rassenpolitischen Amtes der NSDAP., Reichshauptamtsleiter Professor Dr. Groß das Thema „Rasse unb Weltbild" behandeln wird.
Am Montag, 4. November, um 20 lltjr, wird in der Großen Aula als Gemeinschaftsveranstaltung ber Universität mit Partei, und Wehrmacht ein Gastvortrag des Generals der Artillerie von M e tz s ch über das Thettia „Zeitgemäße wehrpoli- tische Betrachtungen" zu hören fein.
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Der letzte Tag, Dienstag, 5. November, bringt um 17 Uhr im Hörsaal des Physiologischen Instituts einen Vortrag des Professors Dr. E. v 0 n Balogh, (Budapest), über das Thema „Bausteine zur lebensrettenden Therapie ber venösen Luftembolie". Diese Veranstaltung wirb in Gemeinschaft mit der Medizinischen Gesellschaft durchge- führt.
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Bei den großen öffentlichen Kundgebungen der Universität in Gemeinschaft mit Partei unb Wehrmacht haben alle Volksgenossen Zutritt.
ber Mufikzug ber SA.-Standarte 116 unter Leitung von Musikzugführer Sturmführer Herrmann ein Konzert, bas gleichfalls vortreffliche musikalische Darbietungen brachte unb bei bem ein Solo des Pistonvirtuvsen Schwarzlvse noch ein besonderer Höhepunkt war. In diesem Lazarett erfreute gleichzeitig der Großsche Männerchor Gießen unter Leitung seines Chormeisters Groß die Verwundeten und Kranken mit einem Gesangskonzert, das zeitgemäße Chöre, Volks- und Soldatenlieder aus dem reichen deutschen Liedgut mit klangvollem, gut geschultem Stimmaterial brachte. Den Musikzug ber SA.-Stanbarte und den Grvßschen Männerchor begrüßte und bedankte im Auftrage des Lazaretts Feldwebel Stumpf mit herzlichen Worten.
Bei allen Veranstaltungen bekundeten bie bank- baren Zuhörer burch lebhaften Beifall ihre Freube unb Anerkennung für bie gute Unterhaltung unb bie vortrefflichen Leistungen aller Mitwirkenben. Die NSKOV., bie sich auf diesem Gebiete der Wehrmachtbetreuung schon immer eifrig bemühte, hatte zu den einzelnen Veranstaltungen Vertreter entsandt und damit ihre enge Verbundenheit mit den jungen Kameraden erneut bekundet.
Gießener Dochenmarklpreise.
* Gießen, 15. Oft Auf bem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, bas Stück 6 bis 10, Wirsing, kg 7, Weißkraut 5, Rotkraut 7, gelbe Rüben 5 bis 6, rote Rüben 7, Spinat 15, Römischkohl 10, Bohnen (grün) 18, Unterkohlrabi 4, Erbsen 25, Rosenkohl 18, Tomaten 16, Zwiebeln 12, Meerrettich 30, Schwarzwurzeln 15, Kürbis 7, Feldsalat C/10) 10, Aepfel, Vi kg 15 bis 30, Birnen 15 bis 30, Zwetschen 13 bis 15, Blumenkohl 10 bis 40, Salat 8 bis 10, Endivien 10 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch 5 bis 10, Sellerie 5 bis 20, Rettich 5 bis 20, Radieschen, das Bund 10 Rpf.
Frohe Siunden für unsere Verwundeten.
sucht ihr Glück. Gelingt ber Kopf, ist die Freuds groß, mißlingt er, ist es auch nicht schlimm, drückt sie ihn wieder zusammen und beginnt von neuem. In den nächsten Abenden werden die Kopfe bemalt unb bie Kaspele fertiggestellt, und nun wird ver* sucht, ein Kasperspiel zusammenzustellen. Die Kinder der Kindergruppe sollen mit diesem Spiel er* freut werden, aber auch bie Großen haben Freude an so einem Spiel, unb io werden bald auch unsere Verwundeten etwas zu lachen haben.
Sehr rege ist in ber Jugend gruppe das Singen-. Im Sommer wurde durch öffentliche Singabende versucht, der Bevölkerung die schönen neuen Lieder näherzubringen. Jetzt geht die Jugendgruppe regelmäßig in bie einzelnen Abteilungen ber Lazarette und bringt den Soldaten Frohsinn und Unterhaltung.
Eine Lazarettabteilung betreut die Jugendgruppe für sich besonders, und daß sie dort gerngesehene Gäste sind, braucht man wohl kaum zu sagen.
Schöne gemeinsame Wanderungen bringen den Mitgliedern Freude und Erholung und ebenso bie Gymnastik unb bas Turnen. Je fröhlicher bie jungen Menschen zu den Veranstaltungen kommen, je mehr Anregung jede einzelne mitbringt, umso schöner wird es in unserer Jugend gruppe.
Reichswerk Buch und Volk,
kulturelle Vereinigung,
s norm, kaufmännischer Verein von 1873 Gießen.
Der Kaufmännische Verein von 1873 zu Gießen hatte seine Mitglieder zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am gestrigen Montagabend im Hotel Kobel einberufen. Der Dereinsführer Heinrich Erle begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder, insbesondere das Ehrenmitglied M 0 0 tz aus Dillenburg. Er wies darauf hin, daß die Mitgliederversammlung einberufen worden sei, um die seit langer Zeit schwebende Frage wegen des Dörmens des Kaufmännischen Vereins, bie vom Dor* stand bereits erledigt fei, zu genehmigen und ebenso die Dereinsfatzung. Der Kaufmännische Verein ist in das „Reichswerk Buch und Volk" eingebaut worden und muß daher in Zukunft den Namen „Reichswerk Buch und Volk, kulturelle Vereinigung, vorm. Kaufm. Verein von 1873 zu Gießen" führen. Dieser Name wurde von der Mitgliederversammlung einstimmig akzeptiert und als Dereinsleiter dem Präsidenten der Reichsschrifttumskammer der seitherige Dereinsführer, Kaufmann Heinrich Erle, vorgeschlagen. Sodann wurde die vom Präsidenten der Reic^schrifttumskammer vorgelegte Einheitssatzung verlesen unb beschlossen, daß diese für den Gießener Verein in Zukunft zu gelten hat.
Herr Erle wies dann auf den Gießener Vortrags*
Oer Spanier.
Von Franz Goßt.
Die Rahmwalder Trine aus Lärchenbichl war in Heller Aufregung. Gerade hatte sie von ihrem Buben, dem Steffl, der in der Stadt in einem großen Hotel Stiefelputzer war („fett ist was anders als Küh' striegeln!" wie sie sich stolz brüstete), einen richtiggehenden Brief erhalten, in dem wortwörtlich stand:
„Siebe Mutter! Heit muß ich Dir eine große Neiigkeit berichten, nämlich in bem Hottel, wo ich angestellt bin, sind vüle seine Herrschaften, bie wo so vül Geld haben, wie Du überhaups noch nie nicht gsehen hast. Bsunders ein nobliger Herr, das Zimmerfräuln hat mir gsagt, ein Spanier aus Prassilien ober Polüfien, ganz von der andern Seit übern Wasser breuten, hat mi neilich gfragt, ob bei mir derham, er rebt recht gut deutsch, auch Sommerfrischler sind. Kurgäst hat er gsagt, und wie 1 dann gsagt hab nein, hat er gsagt, das ist für müch, ich brauche Ruhe, Ruhe, Ruhe, ich bin sovül ner- fiös, und ich soll schaugn, daß er ein Platz kriegt, er werd alles gut zahlen und da wärs schon recht, wenn du öppas suchen tätst, du weißt schon wie — ictz läutet so ein tamischer Teixl, drum schließe ich als dein Steffl."
Kein ÜBunber, daß einen so ein Brief in die Aufregung bringt. Denn Lärchenbichl wußte bis dato von Sommerfrischlern herzlich wenig. Dor ein paar Jahren war einmal so ein jpinneter Professor da, ber ben ganzen Tag Gras ausrupfte und Buttermilch trank: barm einmal ein Bergkraxler, mit bem man nur Scherereien hatte, weil er sich am britt-en Tag Halbs derkugelte, und jetzt soll gar ein Spanier von überm Wasser ins Dörsl kommen. Und wie sich aus weiteren heftigen Hin- unb Herschreiben herausstellte, ein recht „kamoter Herr", gar net seckant; ein gutes Bett, Eier in Schmalz, frische Milch, bann unb wann ein gebratenes Hühnl, bas war alles, was er begehrte. Und Ruhe, Ruhe, Ruhe ...
Die gute Trine hatte unruhige Tage und schlaflose Nächte. Wem sollte sie den spanischen Millionär zuschanzen? Endlich blieb sie bei ber Klammerer Moidl haften. Die hatte eint große Kammer
gegen den Wald zu. Die Moidl war ganz gerührt ob solcher Freundschaft, „unb ich werd dir fdjon einen Fufziger zukommen lassen". Der Klammerer Moidl ihr großer Treffer sprach sich herum unb die Lampenthresl zieferte vor Neid. In dunkler Abendstunde schlich sie zur Trine: „Aber Trine, du bist ja nicht ganz gescheit. Zu der alten Ratschen willst einen nerfiöfen Herrn hintun? Der ist ja nach einer Woche kaputt. Das wär bei mir ganz anders. Und weißt wohl, kochen kann ich dir fein gut, ich bin nicht umsonst beim Krapfenpeter Kuchldirn ge=r wesen." Die Trine schüttelte bejahend ihren sorgenschweren Kopf unb wollte sich die Sache überlegen.
Des andern Tags in aller Früh schon stolperte der pensionierte Felbwebel Auenhofer über bie Türschwelle der Trine: „'n Morgen, Trine! Hab gehört, der Spanier soll zu der Moidl kommen. Halt — Kehrt euch! das geht auf keinen Fall! Da hängen ihm ja die Tschurtschen (Tannenzapfen) ins Bett hinein. Abgeblasen! Herstellt den Griff!" Schüchtern wagte die Trine einzuwenden, die Lampenthresl ... „Was denn nicht noch!" bornierte der gewesene Feldwebel, ,^zu dem Schrägen einen anständigen Menschen? Abtreten! In bem Haus hält es kein Mameluck aus. Der ihr Bock stinkt ja auf fünfhundert Meter. Und ihr Maul! Ui jegerl! Vergatterung! Der Spanier gehört zu mir! Er muß ja einen gebildeten Menschen haben, mit dem er ein Wort reden kann. Also wie gesagt, ber Spanier gehört zu mir! Ruht! Servus!" Und draußen war er.
Der armen Trine ward immer jämmerlicher zu mute. Tat sie den Spanier zur einen, wurde die andere fuchsteufelswild, und so weiter in der schönen Tonart. In alle ber Kümmernis hatte der Siml, Irinas angetrauter Eheherr (dem Namen nach!), eine Erleuchtung. Beklommen murkste er heraus: „Trine!" „Was willst?"
„Meinst nicht, wir könnten die Hundertelen auch brauchen? Wenn halt wir ins hintere Zimmerl gingen, das Bett vom Steffl ist gut, nachher könnt ber Spanier in unserer Stube schlafen. Ich m^in halt", fügte er schnell vorsichtig hinzu.
Die Trine schaute ihren Mann groß an.
„Wenigstens einmal in beinern Leben hast einen gescheiten Gebanken", sagte sie. Dann begannen sie in aller Heimlichkeit ein großes Rüsten.
Sv kam es, baß bei ber Ankunft des Spaniers bie Moidl, die Thresl unb auch der gewesene Feldwebel Auenhofer zuerst ein langes und dann ein wütendes Gesicht machten. Der Trine hingegen rann als warme Freude bie Vorahnung klingender Münze burch bas schlichte Gemüt.
Der Spanier war wirklich ein „kamoter Herr"; er war mit allem zufrieden. Nur in der Früh, zum Kaffee, meinte er: „Wenn grab ein bissel Butter da war ..." Selbstverständlich war sie da. Auch Speck war da unb manch junger „Gigger" mußte daran glauben, daß so ein Spanier ein feiner Herr sei. Freilich, mit dem Geld wollte er nicht herausrücken, aber „so ein nobliger Herr wird doch nicht jedes Ei extra bezahlen", tröstete sich insgeheim die Trine.
Die Kur schlug dem Herrn gut an. Die ersten Tage sah man es allerdings noch deutlich, wie „ner- fiös" er war, denn wenn er unversehens Schritte hörte' schrak er sichtlich zusammen. Aber je mehr die Speckseiten unb bie Gigger der guten Trine schwanden, desto aufgeräumter wurde ber Spanier („Ach! bie göttliche Ruhe!") unb jede Eierspeise besänftigte einen Nervenstrang. So ging der Sommer seinem Ende zu, der „Kurgast" entwickelte immer den gleichen Hunger, aber Geld blinkte keines. Dafür deutete er an, daß es am Schluß gleich einen ganzen Haufen gebe. Die Trine war damit wieder getröstet.
So hatte ber nvblige Herr feine Gemütsruhe unter fürsorglicher Obhut ber Rahmwalder Trine gefunden, aus ber er nur einmal aufgeschreckt wurde, und zwar an jenem unglückseligen Tage, als ihn zwei Gendarmen freundlich, aber sehr bestimmt einluden, mit ihnen talauswärts zu wandern. Geld hatte der Spanier keines, ein Spanier war er auch nicht, dafür aber ein langgesuchter Hochstapler, ber sich für eine Zeit unsichtbar machen wollte.
„Das hab ich mir gleich gebucht", sagte bie Klammerer Moidl.
„Das gönn ich ber blöden Funzen", belferte bie Lampenthresl.
„Ich hab sie gewarnt. Kehrt euch, marsch?" warf sick) der gewesene Feldwebel Auenhofer in bie Brust unb ,...
„... man braucht nur einmal dir zu folgen, dann ist man erschossen und geliefert", fauchte die Trine den Siml an. Der aber stöhnte nur ganz verzagt heraus: „Ich hab ja nur gemeint!"
Zeitschriften.
— Die reichbebilderte Monatsschrift des Reichs, bundes für Biologie „Freude am Sehen4 (Hugo Bermühler Verlag, Berlin-Lichterfelde) er« öffnet ihr Oktoberheft mit einem besonders zeitge- mäßen Aufsatz, der weit über den engeren §reun« besfreis ber Zeitschrift Interesse finben dürfte. Dr^ med. Stimpfl, Oberarzt bei einer Fallschirm- Sanitäts - Einheit unb selber aktiver Fallschirmspringer, erzählt überaus fesselnd und anschaulich von ber Technik des Fallschirmsprungs, dem Aus- äilbungsgang unb dem großen Erlebnis des ersten Sprungs. Eine Reihe nicht alltäglicher Bilder be« lebt bie Ausführungen des Autors. Auch der üb* rige Inhalt ber vom Bundesleiter des Reichsbundes für Biologie, Regkerungsrat Dr. ©reite, herausgegebenen Zeitschrift ist wiederum vielseitig unb wertvoll. Wir nennen nur die interessanten Beobachtungen geistiger Leistungen, die Professor We inert, der Direktor des Anthropologischen Instituts Kiel, an Menschenaffen verschiedener zoo- logischer Gärten gemacht hat. Der Gesang eines Gibbon-Pärchens unb der Tanz eines Schimpansen als bewußte selbständige Handlungen sind gewiß bemerkenswerte Feststellungen für die Tatsache, daß Musik und Tanz nicht erst mit der Menschheit begannen. Vorn Gewebebau der Pflanze und ihrer Stammesgeschichte berichtet bie Wiener Dozentin Dr. Elise Hofmann. Interessante Einblicke iit das Leben ber Mauerbienen gewährt uns Richard Bott in einem gut bebilderten Aufsatz^ Manche Anregungen enchalten wieder die „kleinen Beiträge", wir verweisen nur auf die durch das Umsichgreifen ber Silbermvve notwendig werdenden Maßnahmen zum Schutz der Vogelfreistätten gegen diesen schlimmen Eierräuber, worüber Dr*< K. Glasewald berichtet. Alles in allem bietet auch dieses Heft allen Naturfreunden viel des Interessanten. Dr. Fr. W. L.


