Donnerstag. 15. August 1940
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190.Jahrgang Ur. 192 ä Dom
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen -iehen^chulstratze 7-9
Neue schwere Verluste der britischen Lustwaffe.
Hafenanlagen und Klugplätze erneut unter deutschen Bombenangriffen.—Deutsches Ll-Boot , meldet Versenkung von 41641BRT.
- Der Wehrmachtsbericht vom Mittwoch.
Berlin, 14. Aug. (SJIB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Deutsche Fliegerverbände griffen am 13. August die Hafen- und Kaianlagen in Wallfend. Hartlepool, Bournemouth und Plymouth, R ü ftungswerke in Exeter und Bristol sowie Grohtanklager in Rorth Killingham wirksam mit Bomben an.
3m Kanal und in der Themse-Mündung gelang es, zwei Vorpostenboote und zwei Handelsschiffe mit 15 000 BRT. zu versenken. Wei- ter belegten Kampfflugzeuge die Flughäfen von East Lhurch, Detling, Farnborough, Andover, Odiham und Middle Wallop mit Bomben, zerstörten zahlreiche hallen und Unterkünfte, Oellager und Werften und vernichteten eine größere Anzahl von Flugzeugen am Boden. Bei den Angriffen im Kanal und auf England kam es zu zahlreichen heftigen Luftkämpfen, in deren Verlauf 74 feindliche Flugzeuge vernichtet wurden.
3m Laufe des Tages versuchten britische Flugzeuge vom Muster Bristol-Blenheim, die dänische Stadl Aalborg anzugreifen. 3äger und Flak- ddillerie zwangen den Feind schon vorher zur Umkehr und schossen 16 von 23 Angreifern ab.
Feindliche Bombenwürfe in der Rächt zum 14. August richteten nennenswerten Schaden nirgends an.
Die gestrigen Gesamtverluste des Feindes betragen 132 Flugzeuge und 12 Sperrballone, davon wurden 89 Flugzeuge im Luftkampf, 43 am Boden und durch Flakartillerie zerstört. 28 deutsche Flugzeuge werden vermißt.
Ein U-Boot unter Führung von Kapitänleutnant S a l m a n meldet die Versenkung von 41611 B R T.» darunter einen britischen Hilfskreuzer von 11 400 BRT.
Teile einer deutschen Unterseebo ots- 3agdflottille trafen in der Nordsee auf mehrere britische Zerstörer, die sich trotz ihrer Ueberlegenheit nach kurzem Gefecht im unsichtigen Detter zurückzogen. Unsere Boote führten ihre Aufgaben unbehindert weiter durch.
Das Hexen-Einmaleins.
Äon unserer Berliner Schristleitung.
Die deutschen OK W. -Berichte, seit Kriegsbeginn durch ihre absolute Zuverlässigkeit selbst bei den Zeitungen anerkannt, die feindlichem Kapital erlegen sind und demgemäß die Lügenmeldungen aus Churchills Giftküche veröffentlichen müssen, haben die Verluste der englischen Luftflotte folgendermaßen registriert: am vergangenen Donnerstag 51 Flugzeuge, ferner 12 Ballons, am Sonntag 93 Flugzeuge, 8 Ballons, am Montag 92 Flugzeuge, 2 Ballons, am Dienstag 132 Flugzeuge und 12 Sperrballons. Diesen Verlusten von 368 Flugzeugen und 34 Sperrballons gegenüber verloren mir nur 76 Flugzeuge. Das ist die Wahrheit. Wenn die Briten versuchen, das Verhältnis genau umzukehren, dann wird sich schon nach einiger Zett erweisen, wer wieder einmal gelogen hat, denn solche Verluste kann das in die Verteidigung gedrängte England, dessen Küsten zum Festland eine wahre Feuerhölle geworden sind, dessen Oeltanks, Magazine, Dockanlagen, Flugplätze, Flughäfen und Schiffe tagtäglich im Bombenhagel dahinschwinden, nicht auf die Dauer aushalten. Wir und die Nationen anderer Zunge kennen die britische Taktik des Ableugnens und Verkleinerns, des Verfälschens, der englischen Papiersiege und der „glorreichen" Rückzüge aus zahlreichen Beispielen zu genau, um uns durch ein solches Feuerwerk der Verzweiflung über die Nacht Hinwegtäuschen zu lassen, die auf die englische Weltplutokratie von gestern niedersinkt. Nur ein Wunder, so hat der Militär- und Luftfahrtsachverständige eines Pressekonzerns der USA., A l Williams, erklärt, könne jetzt England retten, eine Niederlage verhindern. Das Wunder kommt nicht, die deutschen Schläge fallen in immer dichterer Folge auf den englischen Amboß, und mit verbissener Wut sieht^der Brite, wie sich sein Geschick vollzieht. Die ganze Welt weiß jetzt, daß England diesen fortdauernden deutschen Luftangriffen nicht gewachsen ist-
Es handelt sich dabei nicht um die von den Engländern täglich befürchtete Offensive, sondern um ein konzentriertes und ständiges Anstürmen gegen die in die Defensive gedrängte englische Macht zu Wasser und zu Lande, um einen Fortgang der unablässigen Zermürbung des Gegners, bis er den Atem verliert. Systematisch greifen unsere Flieger alles an, was England an Verteidigungsanlagen errichtete, und zwar im Zusammenhang mit der Zermürbung seiner Luftwaffe. Die „Times" ist schon etwas kleinlaut, wenn sie schreibt, die deutsche Aktivität in der Luft fei wohl mit der italienischen Aktivität in Afrika gleichlaufend, und selbst der Luft- fahrtsachverständige des Reuterbüros meint: „Die britische Luftwaffe ist sich bewußt, daß die neue Welle der Luftangriffe auf Großbritannien, die am vorigen Donnerstag begann, immer noch nicht diejenige Wucht erzielt hat, die der Blitzkrieg Deutschlands besitzt."
Es ist ein kümmerlicher Trost, wenn die eng
lischen amtlichen Stellen davon fabeln, diese deutschen Angriffe hätten nur Golfplätze ober sonstige wilde Landschaften mit ihren Bomben getroffen und ein zehnstündiges Bombardement des größten Kriegshafens von England, Portsmouth, habe überhaupt keine Schäden verursacht. Wir kennen diese Weise, aber das Britenoolk wird, genau wie die Franzosen, zu spät erkennen, wohin es am Krückstock der Lügen geführt wurde. Und es ist doch auch nur eine erbärmliche Fata Morgana, die das konservative Hauptblatt, der „Daily Telegraph", seinen Lesern vorgaukelt, wenn er schreibt, neutrale Diplomaten seien angeblich verblüfft über die geringen Erfolge der deutschen Luftangriffe und begeistert von den Siegen der englischen Luftwaffe. Mit solchen Verdummungsversuchen soll das englische Volk, soweit es nicht im Feuergürtel der deutschen Angriffe wohnt, eingeschläfert werden, während Englands lebenswichtigster Teil schon in Brand steht! Ebenso wird jetzt erzählt, in Albanien hätten sich die Bewohner empört, im unbesetzten Frankreich sei ein Aufstand ausgebrochen, die Nazityrannen ernteten, was sie gesät. Das ist das Hexen-Einmaleins, mit dem Churchill auch seine Schiffs- und Flugzeug- verlufte wegzaubert, um an ihre Stelle große Siege und Gewinne aus dem Nichts entstehen zu lassen, das ist dieselbe Methode, nach der sich zu Beginn des Krieges die Tschechen erhoben, die Ostmärker revoltiert haben sollten, bis Narvik, von den Ostmärkern verteidigt, den Engländern die Quittung für diese dummen Lügen verabfolgte. Wahrlich, die
Briten werden genau so genasführt und belogen, wie die Franzosen pluto-demokratisch regiert wurden, bis — das bittere Erwachen auch für sie kommen wird. E. S.
Am Mittwoch bislang 22 Jagdflugzeuge abgeschoffen.
Erfolgreiche Kainpfhandlungen trotz schlechten Wetters.
Berlin, 14. Aug. (DBB.) Die Luftkampshandlungen des heutigen Tagös litten unter dem Einfluß des schlechten Wetters. Wie das DRB. erfährt, waren daher nur wenige deutsche Verbände eingesetzt. Bei Durchführung ihrer Aufgaben, die sich in erster Linie auf bewaffnete Aufklärung über dem Kanal und auf Vernichtung von Ballonsperren an der Südostküste Englands erstreckten, kam es an mehreren Stellen zu heftigen Luftkämpfen, bei -denen sich der Gegner zäh zur Wehr setzte. Rach bisher vorliegenden Meldungen wurden hierbei über der Grafschaft Kent 22 britische Jagdflugzeug e, in der Mehrzahl vom Muster Spitfire, a b - geschossen, während nur fünf deutsche Messerschmitt-Flugzeuge verlorengingen.
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Die Pfeile geben keine Flugrichtungen an, sondern sollen eine Vorstellung vermitteln von den Entfernungen zwischen der französischen Küste und den in den deutschen Wehrmachtsberichten der letzten Zeit genannten Orten in England. — (Zeichnung von Eigener. — Scherl-M.)
Hilferuf aus der Rüstungsindustrie Südwest-Englands.
Keine Nutze vor deutschen Angriffen. - NapiderZiückgang der Arbeitsleistungen.
Neuyork, 14. Aug. (DNB.) Nach einem Bericht des „World-Union-Preß"-Korrespondenten aus London will der Leiter des Verteidigungsbezirks Süd- westenglands, Colonel W. A m b r o f e, eine dringende Eingabe an das Kriegsministerium in London gerichtet haben, die sich mit den Folgen der Konzentration deutscher Luftangriffe in den letzten acht Tagen besaßt. Der Colonel bittet darin um die sofortige Ermächtigung, die mit großen Teilen der Bevölkerung durchgeführte Fallschirmabwehr- unb Verteibigungskurse abbrechen zu bürfen, um eine bevorzugte Versorgung bes Bezirks Sübwest mit Flakersatzteilen und neuem Flakmaterial, um mindestens verdoppel- ten Jagdschutz und die Abkommandierung von Nachtjägern, die gerade in diesen besonders betroffenen Bezirken überhaupt nicht in Aktion getreten seien, um das von London bereits mehrfach zugesagte Erfatzmaterial für Ballonsperren.
Der Bericht bittet ferner um die Uebermeifung von arbeitslos gewordenen Bergarbeitern aus Wales in die Rüstungsbetriebe des Bezirks Südwest. Die Rüstungsarbeiter hätten durchschnittlich zehn Stunden am Tage zu arbeiten. Ihre Arbeitszeit werde nahezu pausenlos vom Heulen der Alarmfirenen begleitet. Sie dürften ihre Arbeitsplätze jedoch während der dicht aufeinanderfolgenden Alarme nicht verlassen. Zu Hause aber müßten die Arbeiter bei jedem Alarm in die Luftschutzkeller, so daß sie in der letzten Woche in keiner Nacht mehr als sechs Stunden Ruhe gefunden hätten. „Die Menschen", so heißt es in dem Bericht, „sehen blaß aus, haben rotgeränderte Augen und eine schlaffe Haltung. Die Ärbettsleiftungen gehen stark zurück. Die Arbeitslust ist auf einem bisher nicht dagewesenen Tiefpunkt angelangt. In einem Werk.haben sich 18 Prozent, in einem anderen 23 Prozent der Belegschaft krank gemeldet. Es ist in vielen Fällen sicher, daß die „Kranken" einfach d i e Nervenverloren haben und geflohen sind. Sehr
schädlich macht sich jetzt die Tatsache bemerkbar, daß die Evakuierung der abkömmlichen Zivilbevölkerung nicht planmäßig durchgeführt worden ist. Die Tränen der Frauen, die Angst der Kinder, die Weltuntergangsstimmung der Alten und die Verstimmung der Familienväter drückt neben der unmittelbaren Wirkung der im Nonstop anrollenden deutschen Luftangrifte bis zur Unerträasichkeit auf die an sich sehr feste Stimmung der Arbeiter und Angestellten."
„Jedes normale Leben unmöglich gemacht."
Stockholm, 15. Aug. (Europapreß.) Wie die Blätter berichten, kann in den Städten an der englischen Südküste wie Dover, Portsmouth, Weymouth und Portland nicht mehr von einem normalen Leben gesprochen werden. Ununterbrochen höre man das Heulen deutscher Flugzeuge, das Pfeifen von Maschinengewehrkugeln und das Krepieren von Bomben und Flakgranaten. Wer nicht aus militärischen Gründen in den Städten Zurückbleiben mußte, habe die Stadt schon seit langem verlassen. Die zurückgebliebenen Leute seien so eingeschüchtert, daß sie, wenn die Angriffe vorübergehend aussetzten, vorsichtig an den Häuserfronten entlanggingen, in die Wolken schauten und gefaßt feien, jede Minute in einen Luftschutzkeller zu springen. Die gleiche Situation herrsche in den kleinen Landstädten.
Die Minderleistungen der englischen Kriegs - Industrie beunruhigen die Sachkenner der englischen Presse und je stärker die deutschen Angriffe gegen die militärischen Ziele in Süd- und Osteng- lanb werden, um so mehr merkt man, wie unterlegen England auf dem Gebiete der industriellen Produktion ist. Aus diesem Grunde richten ,Laily Herald" und „News Chronicle" Hilfeschreie an die zuständigen Ministerien und verlangen, daß man
Luftwaffe und Kriegsflotte.
Englands Flotte ist gefürchtet. Ihr Ruf schreibt sich aus den Tagen Napoleons her und wurde in zahlreichen Kolonialaktionen bestätigt. Warum ist Englands Flotte gefürchtet? Die' Seemacht war kriegstechnifch bis in unsere Tage der Landmacht überlegen. Die Flotte hat den Vorteil, daß der Landgegner nicht weiß, woher sie kommt und wohin sie geht. Schon zur Zeit des Segelschiffes, noch mehr nach Erfindung der Dampfmaschine konnte die Flotte weite Strecken in ununterbrochener Tag- und Nachtfahrt zurücklegen und erhebliche Mengen von Truppen und schwerem Kriegsmaterial mit sich führen. Der Landgegner verlor sie aus der Sicht und mußte längs feiner ganzen Küste, wo sich halbwegs güy- ftiae Hafenverhältnisse fanden, auf einen Heber» raschungsangriff vorbereitet fein. In dieser klassischen Zeit der Seemacht wurde die Flotte auch stets offensiv eingesetzt, um sich den „Vorteil der Initiative", also: die Vorhand in der taktischen Operation unter Ausnutzung des Ueberrafchungsmomen- tes zu sichern.
Diese Begriffsbestimmung der klassischen Seekriegführung ist der Kompaß, an den wir uns halten. An ihm lesen wir ab, daß der Einsatz der englischen Flotte während des Weltkrieges schon durch andere Faktoren mitbestimmt wurde. Im Weltkrieg übte England die Fernblockade aus und entwickelte den Gedanken der Schonung der Flotte. Damals kam das Wort auf, daß „The Fleet in being“ — d i e bloße Existenz der Flotte — genüge, um den Gegner niederzuzwingen. Sehen wir näher zu, fo war das Überraschungsmoment als die Voraussetzung des offensiven Einsatzes der Flotte zu einem sehr erheblichen Teil abgeglitten auf d i e U-Boot-Macht Deutschland, während zu gleicher Zeit die Schlachtschiffe als Rückgrat der englischen Flotte sich auf sehr wenige, sehr kostspielige und starke Einheiten beschränkten. Die Seeschlacht vom Skagerrak erscheint in diesem weitgespannten kriegsgeschichtlichen Rahmen nur als eine (von der englischen Seekriegführung nicht gewollte) Episode.
Nun aber tauchen unsere Flieger auf: Sie sind viel schneller als die englische Flotte. Sie sind viel zahlreicher als alle englischen Flotteneinheiten zusammengenommen. Sie übersehen aus der Luft ein viel größeres Gebiet, als es vom höchsten Mastturm aus möglich ist. Und sie können Schlechtwetterzonen besonderer Art umfliegen oder aufsuchen, je nach ihrem eigenen Belieben. Das Überraschungsmoment, jene wesentliche Voraussetzung des offensiven Einsatzes der Flotte, ist gänzlich auf die deutsche Luftwaffe übergegangen. Diese Entwicklung zeichnete sich mit leuchtender Klarheit beim Norwegen-Unternehmen ab und ihr Eindruck verschärft sich mit jedem Tag, der kommt.
Heute ist es tatsächlich so, daß das Ueberra- schungsmoment, die Initiative, die Vorhand in der Bestimmung des Angriffsziels und der oftensive Einsatz in feiner Gesamtheit gänzlich auf die deutsche Luftwaffe übergegangen ist und daß sich England mit der „bloßen Existenz seiner Flotte" nichts kaufen kann. Die Libellen und Mücken der Lust suchen sich täglich ein neues Angriffsziel. Der Eng-
alles tue, um die Leistungskapazität bis zum letzten auszunutzen. „News Chronicle", das Blatt der Liberalen, schreibt: „Es ist hoffnungslos zu glauben, daß wir Deutschland mit etwas geringerem schlagen könnten als mit einer Kriegsindustrie, die bis zum äußersten angespannt ist." Der „Daily Herald", das Blatt der Ladour-Party, erklärt, der Schlüssel zum Sieg liege i n der Z u - fuhr, in der Zufuhr und immer wieder in der Zufuhr. Wir müssen mehr Flugzeuge bauen, mehr Munition Herstellen, die Ausrüstung der Soldaten vervollkommnen und den Schiffsbau steigern. Die Arbeiter in den Fabriken tun alles, was sie können, was aber tun die Arbeitgeber und die Jndustrie- organifationen?" Der Leiter der amtlichen Kampagne zur Erhöhung der Spareinlagen, Sir Robert Kmdersley, wiederholt ständig feine Angriffe auf die britischen Industriellen, die sich weigern, die Anleihen zu zeichnen. — Die „Daily Mail" bezeichnet diese Kreise der britischen Industrie als „Geschäftsleute der Midlands und des Nordens, die an ihrer eigenen Gewinn- und Verlustrechnung mehr interessiert sind, als an den Notwendigkeiten des Vaterlandes."
Im ganzen britischen Empire wird mit großer Hartnäckigkeit und unter Anwendung moralischen Druckes an den Spendegeist aller Bevölkerungsschichten appelliert; immer mehr „freiwillige" Sammlungen werden organisiert, es ist erstaunlich, welche Findigkeit bei der Eröffnung neuer Mittel und Wege entwickelt wird. In Städten werden Sammlungen für ein oder mehrere Kampf - oder Jagdflugzeuge veranstaltet. In den Kronkolonien wird bie eingeborenere- völkerung dazu angehalten, von ihren bescheidenen Löhnen zu einem Spitfire-Flugzeug oder einer Staffel Hurricanes beizutragen. Berufsgruppen, Betriebe müssen wohl oder übel das Geld für „ihr" Flugzeug zusammenbringen. Vielfach wird bei den Sammlungen die Hilfe der Frauen in Anspruch genommen. Die Gattin eines englischen Fliegeroffiziers, Frau Dorothy A. Clark, hat an alle Mädchen und Frauen,' die den Namen Dorothy tragen, einen Appell gerichtet, in dem diese aufgefordert werden, sich an dem „Dorothy-Fonds" zu beteiligen. Die mit Hilfe dieses Fonds aufgebrachten Beträge sollen dann zum Ankauf eines Kampfflugzeuges verwendet werden. Man rechnet dabei mit der Eitelkeit aller englischen Dorothys, denn die mit dem Erlös dieser Sammlung erworbene Maschine soll den Namen „D o r o t h y - S p i t f i r e" tragen. Außerdem hofft man, dadurch den Ehrgeiz der Marys, Margarets ufw. und den Wunsch nach einem mit ihrem Namen getauften Flugzeug zu wecken. Sind erst einmal glücklich alle nur in Frage kommenden Namen absolviert, wird man wohl einen neuen Dreh für den Ausbau der britischen Luftwaffe finden.


