Ausgabe 
15.7.1940
 
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finge und der in Gibraltar verbliebene restliche Be­völkerungsteil demon st vierten gegen die eng­lischen Evakuierungsmaßnahmen. In dem italieni­schen Agenturbericht wird weiter mitgeteilt, in Ge° braltar könne die Ruhe nur durch die englischen Truppen aufrechterhalten werden. Die Truppen hät­ten Befehl erhalten, unter Umständen mit der Feuer­waffe jede neue Kundgebung zu unterdrücken.

Oie,,Erneuerung"Frarikreichs

Skepsis in der Schweiz.

Genf, 14. Juli. (Europapreß.) Heber die neue Maschinerie des französischen Derwaltungsappa- rotes gibt derPetit Dauphinois" (Grenoble) Ein­zelheiten.Die Departements werden nicht mehr ganz mit dem augenblicklichen Aufbau Frank­reichs übereinstimmen. Die neuen Provinzen werden sich gleichfalls nicht mehr mit den alten decken. Aber einige bestimmte unter ihnen, wie z. B. die Dauphine, Savoien, die Normandie, die Bretagne und einige andere werden wieder aus­leben, und zwar mit einem Verwaltungskörper an der Spitze, der unmittelbar der Präsidentschaft des Ministerrates unterstehen wird. Innerhalb der Pro­vinzen werden neue Unterteilungen vorgenommen werden. Der neue Senat wird aus dem Mit­gliederteil bestehen, der direkt durch den S t a a t s ch e f selbst aus den repräsentativen Persönlichkeiten der Wissenschaft, der Politik und der Diplomatie ausgewählt sein wird, und weiter aus den Persönlichkeiten, die sich um die Landwirt­schaft, den Handel und die Industrie besonders ver­dient gemacht haben. Eine andere Kammer wird streng korporativ sein. Weiter sollen pro­vinzielle korporative Vertretungen geschaffen wer­den; die Syndikate werden zumindest in der augenblicklichen Form, verschwinden.

Wie man in Vichy hört, sind gegenwärtig Poli­tiker dabei, eine Einheitspartei zu gründen, die zum einzigen A>eal denDienst an der Nation" hat und einer autoritären Regierung eine autori­täre Volksbewegung zur Seite stellen soll. Wie es heißt, seien für diese Partei bereits Meldungen zu. verzeichnen, die in ihrer Zahl weit über alle Er­wartungen hinausgingen. Der Zustrom erfolge vor allem aus den Kreisen, die sich bislang als Hüter der Demokratie bezeichneten. Poli- tiker nicht nur aus den Parteien Flandins, Louis Marins und der Sozialdemokratischen Partei, son­dern besonders auch aus dem rechten Flügel der Radikalsozialistischen Partei Daladiers, suchten um Aufnahme nach. In einem Leitartikel derBasler Nachrichten" kommt die Skepsis zum Ausdruck, die man in der neutralen Schweiz in Bezug auf die Echtheit derErneuerung" Frankreichs hat. Das eigentliche Regieren, so schreibt das Blatt, werde natürlich nicht Pötain besorgen, sondern Laval, der wenn auch meist oppositionell eines der Mitglieder der gestürzten einstigen Regierung ge­wesen sei und selbst gründlich werde umlernen müs­sen. Die neue Staatslenkung werde durchaus autori­tär sein und weder vom guten, noch vom schlechten Wesen der französischen Demokratie viel übriglassen. Wie sich auch der weitere Ausbau der politischen und

Berlin, 13.Juli. (DNB.) Aus dem demnächst erscheinenden, vom Auswärtigen Amt herausgegebe­nen 6. Weißbuch veröffentlichen wir heute folgende Dokumente:

Dokument Ar. 26.

Besetzung norwegischer Häfen unter dem Motto derFinnlandHilfe".

Telegramm.

Paris, den 21. Februar 1940. 15.35 Uhr.

Europa.

An den Französischen Botschafter in London. 460467.

Betr.: Beistand für Finnland.

Intervention in Skandinavien.

Fortsetzung meines Dortelegramms.

1. Die Zustimmung Schwedens ist eine Voraussetzung für jede direkte Intervention der Alliierten in Finnland. Falls die schwedische Regie­rung den elektrischen Strom, aus dem die Bahnlinie NarvikKami gespeist wird, sperrt, so genügt dies, um den Alliierten den Zugang zum schwedischen Staatsgebiet und damit auch den Zugang nach Finnland unmöglich zu machen.

2. Die schwedische Regierung ist offenbar ent­schlossen, Finnland militärisch nicht zu Hilfe zu kommen und den Zutritt zu seinem Gebiet für fremde Truppenteile zu sperren. Es ist im höch­sten Grade zweifelhaft, ob die Tarnung alliierter Streitkräfte als sogenannteFeiwillige^ für sich allein ausreicht, um in dieser ablehnenden Haltung eine Aenderung eintreten zu lassen.

3. Ebenso ist es zweifelhaft, ob Schweden, wie Herr Chamberlain erhofft, die Verweigerung des Durchmarsches alliierter Truppen dadurch kompen­siert, daß es mit seinen gesamten Kräften Finnland zu Hilfe eilt. Wir wissen in der Tat aus einem Telegramm des Herrn Roger Maugras, daß das Reich die schwedische Regierung davon unterrichtete, es werde jede offizielle Hilfe Schwedens an Finn­land als casus belli betrachten. (Hierzu ist zu be­merken, daß diese Behauptung des französischen Gesandten in Stockholm völlig unrichtig ist. Der­artige Erklärungen sind niemals abgegeben worden.)

4. Nur ein Umstand eröffnet einige Aussicht, die Haltung der schwedischen Regierung zu ändern: Dies wäre die Gewißheit, daß die Alliierten in der Lage sind, Schweden eine unmittelbare und wirk­same Hilfe gegen d i e deutsche Gegen­wirkung zu leisten. Es dürfte sich nicht um ein­fache Versprechen, ebensowenig iim Versicherungen, selbst kurz befristete, handeln. Die tatsächliche An­wesenheit von einsatzbereiten Streitkräften an den schwedischen Grenzen wäre das einzige Mittel, die endgültige Entscheidung Schwedens in günstigem Sinne zu beeinflussen.

5. Die Besetzung der wichtigsten nor­wegischen Häfen, die Landung der ersten Ab­teilung der alliierten Streitkräfte in Norwegen gäbe Schweden das erste Gefühl der Sicherheit. Diese Operation müßte unabhängig von dem Hilferuf aus­gedacht und innerhalb kürzester Fxist ausgeführt werden, und zwar in einer Inszenierung, für die uns der FallAltmar k" das Vorbild liefert.

6. Norwegen hat dadurch, daß es die Fahrt eines bewaffneten deutschen Schiffes mit enAischen Ge­fangenen an Bord durch seine Hoheitsgewässer ge»

wirtschaftlichen Grundlagen des neuen Frankreichs gestalten werde, so müsse jetzt schon gesagt werden, daß sich die vielen Franzosen, die von den Neue­rungen eine Beeinflussung der Siegerstaaten im Sinne einer gnädigen Friedensgestaltung erwarte­ten, täuschten.

Wie der stanzösische Rundfunk aus Vichy meldet, wurde der stanzösische Nationalfeiertag am

Berlin, 13.Juli. (DNB.) Das Oberkommando der Ivehrmachl gibt bekannt:

Seit längerer 3eit führen deutsche Seestreitkräfte in überseeischen Gewässern erfolgreiche Operationen durch. TNehrerehandelsschiffemitwert. vollen Ladungen, die bei diesen Unterneh­mungen als Prise aufgebracht wurden, tra­fen in ustseren Häfen ein. Ein U-Boot meldet die Versenkung von 2 4 6 8 4 Brt. feindlichen Handelsschiffsraumes. -

Kampfflugzeuge griffen wiederum Schiffs­ziele vor der englischen Ostküste und im Kanal, Flugplätze, Hafenanlagen und Werke der Rüstungsindustrie in England und Schottland an. (Es gelang, ein Borpostenboot und ein Handelsschiff von 2000 Bruttoregistertonnen durch Bombentreffer zu versenken und fünf Handelsschiffe schwer zu beschädigen. Aus dem Flugplatz St. 2Uer- ryn wurden acht britische Kampfflugzeuge am Boden zerstört, in Exeter Tankanlagen, in Portland, in Newport und Dundee Hafen und Kaianlagen, in Billingham und New Castle Werke der Rüstungsindustrie wirksam mit Bomben belegt

Britische Flugzeuge warfen auch in der Nacht zum 13. 7. in Norddeutschland Bomben. Dabei wurden mehrere Häuser zerstört und einige Zivil­personen getötet. Die am 12.7. gemeldeten Berlufte des Feindes erhöhen sich um vier Flugzeuge, die in der Nacht durch Flakartillerie abgeschossen wurden, von 13 auf 17 Flugzeuge. Die gestrigen Gesamtver­luste des Gegners betragen 13 Flugzeuge, da­von wurden 4 im Luftkampf bei Tage, eines durch Nachtjäger abgeschossen. Fünf eigene Flugzeuge wer- den vermißt.

*

In einer ihrer anmaßenden Erklärungen hat die britische Admiralität vor einigen Ta-gen verkündet, daß sie durch Minensperren, die von den Shetland-Inseln an Island vorbei sich angeblich bis nach Grönland erstrecken, Deutschland endgültig vom Atlantischen Ozean abgeschnit- ten habe. Solche lächerlichen Behauptungen, die

stattete und schützte, seine Pflichten als neutrale Macht schwer verletzt. Die britische Regierung ist berechtigt, Wiedergutmachung und Garantien zu verlangen. Sie kann insbesondere die Internierung derAltmark" und ihrer Besatzung fordern und der norwegischen Regierung notifizieren, daß die bri­tische Regierung von nun an die Überwachung der norwegischen Gewässer selbst übernehmen werde, da die Regierung in Oslo sich fortgesetzt unfähig ge­zeigt habe, die Unverletzlichkeit ihrer Hoheits- gcwässer durchzusetzen. *

7. Stoßt diese Demarche in Norwegen auf A b - 1 ehnung, was sehr wahrscheinlich ist, so hat die britische Regierung das norwegische Versagen fest- zusrellen und sich sofort der Stützpunkte zu bemächtigen, deren sie zur Wahrung ihrer Interessen bedarf. Diese Besetzung der norwegischen Häfen müßte als eine überraschende Operation durchgeführt werden, und zwar durch die englische Flotte allein oder unter Mitwirkung der französi­schen Flotte, jedoch ohne Mitwirkung der für Finn­land bestimmten alliierten Truppenteile. Diese Ope­ration wird der Weltöffentlichkeit in um so höherem Maße berechttgt erscheinen, je rascher sie durchge­führt wird und je mehr die Propaganda imstande sein wird, die Erinnerung an die norwegische Mit­täterschaft im FalleAltmark" zu erwecken.

8. Auf den Widerhall, den eine solche Operation in Deutschland und in Rußland auslösen wird, und auf die Verwirrung, die sie dort Hervorrufen wird, brauche ich nicht hinzuweisen. Möglichst starke bri­tische Truppenabteilungen, die nötigenfalls von französischen Abteilungen unterstützt werden, müssen sofort in den besetzten Häfen ausgeladen und kaser­niert werden mit der Wirkung, daß Schweden im Zeitpunkt des finnischen Hilferufes in der Anwesen­heit dieser Truppen, die eine Garantie für die An­kunft weiterer französischer und polnischer Truppen­teile darstellt, ein greifbares Pfand für die Unter­stützung sieht, die wir Schweden zu leisten imstande sein werden, wenn es selbst Finnland zu Hilfe eilt oder uns gestattet, dies zu tun.

9. Selbst in der Annahme, daß Schweden weiter­hin den Durchmarsch verweigert und daß uns die Zugangswege nach Finnland verschlossen bleiben, behalten wir den Vorteil, gegenüber Deutschland im Norden eine beherrschende Stellung ge­wonnen zu haben, den Seetransport des schwedischen Erzes aufgehalten zu haben, die schwedischen Erzlagerstätten in den Akttons­bereich unserer Luftwaffe gebracht zu haben und einsatzbereit der künftigen Entwicklung der deutschen und russischen Anschläge auf Skandinavien zusehen zu können. Unser Hauptziel darf nicht vergessen werden. Es besteht darin, Deutschland von seiner Erzversorgung abzuschneiden. Jedes alliierte Unternehmen in Skandinavien hat im Rahmen des allgemeinen Kriegsplanes der Alli­ierten nur dann eine Berechtigung, wenn es diesem Ziele zusteuert.

10. Auf der anderen Seite ist es sehr wahrschein­lich, daß Schweden, wenn wir dieAltmark"-Affäre nicht bis zu einer unmittelbaren Beschlagnahme der Pfänder und der Stützpunkte in Norwegen aus­schlachten, aus Furcht vor Deutschland und im Zweifel über die Wirksamkeit unseres Beistandes dem Hilferuf Finnlands ausweicht und uns fein Staatsgebiet verschließt. Unsere geplante und vor­bereitete Expedition wird versacken, bevor mit der Ausführung überhaupt ein Anfang gemacht worden

14. JuN, mtt einem Gottesdienst eingeleitet, an dem Marschall Pötain, die Mitglieder der Regierung, General Weygand und das Diplomatische Korps teilnahmen. Hierauf legte Main in Anwesenheit der Regierung vor dem Denkmal des unbekannten Soldaten einen Kranz nieder. Nach einer Minute Stillschweigen folgte ein Vorbeimarsch der Truppen vor Pötain.

dem britischen Volk eine nicht vorhandene Aktivität seiner flotte Vortäuschen sollen, hat die Admiralität schon wiederholt in Umlauf gesetzt.

Während der deutschen Operationen in Nor­wegen verhängte die britische Admiralität bekannt­lich plötzlich eine papierne Minensperre über die halbe Nordsee und den größten Teil der Ostsee. Die britische Marine konnte aber den deutschen Nach­schub über See nicht stören und nicht einmal die schmale Lücke zwischen den Shetlands und der norwegischen Küste, die kaum 200 Seemeilen breit ist, sperren. Ungehindert stießen schwere und leichte Seestreitkräfte wiederholt bis in das Nord­meer vor und kehrten nach erfolgreichen Gefechten ebenso unbehindert in ihre Heimathäfen zurück. Um so lächerlicher wirkt nun die Behauptung, daß die britische Flotte imstande sein soll, die über 1000 Seemeilen lange Strecke von den Shet­lands bis Grönland durch Minen in Gewässern zu sperren, die Hunderte von Seemeilen tief sind. Daß die deutsche Seekriegführung seit dem Zusammen­bruch Frankreichs und der Vertreibung Englands vom Kontinent selbst in dem Besütz einer recht ausgedehnten atlantischen Küste ist, hat die britische. Admiralität offenbar ebenfalls übersehen.

Das englische Publikum wird daher recht über­rascht sein zu hören, daß schon seit längerer Zeit wiederum deutsche Seestreitkräfte in überseeischen Gewässern operieren und daß die von uns aufgebrachten Prisenichiffe mit wertvollen Ladungen Den Weg in unsere Häfen finden. Die kühnen Fahrten unserer Kriegsschiffe in überseeischen Gewässern bedeuten direkt und in­direkt eine schwer" Schädigung des feind­lichen Ueberse andels. Die Handelsschiffs- Verluste, über deren Hohe der OKW.-Bericht alle Welt soeben unterrichtet hat, verknappen den für die Versorgung der Insel zur Verfügung stehenden Schiffsraum. Darüber hinaus belastet die Be­drohung der Zufahrtsstraßen den Ueberseeverkehr des Feindes mit einem Unsicherheitsfaktor, der die britische Marine zwingt, zum Zwecke des Handels­schuhes und des Geleits einen Teil ihrer Kriegs­schiffe anderen Zwecken zu entziehen. Es kann gesagt werden, daß die feindliche Schiffahrt nirgendwo mehr auf den Weltmeeren vor lieber» raschungen sicher ist.

ist. Dadurch wird in Deutschland, in Rußland und bei den Neutralen der Eindruck erweckt, daß wir unfähig sind, vom Geschwätz zur Tat überzugehen.

gez.: Edouard Daladier.

Dokument Ur. 21.

Churchills Rezept, um Narvik in englische Hand zu bringen.

Militärischer Studienausschuß der Alliierten.

Exemplar Nr. 1 Nr. 926 S/C emi.

London, den 11. März 1940.

Skandinavien plan.

Streng vertraulich!

Verhandlungsbericht der 18. Sitzung des mit der Prüfung des Skandinavienplanes betrauten Ausschusses.

(War Office, den 9. März 1940.) Landung in Narvik.

Der Ausschuß wurde am 9. März unvermutet zur Kenntnisnahme der Feststellungen einberufen, die im Laufe der Sitzung des Kriegskabinetts vom 8. März getroffen worden waren. Winston Churchill hatte in dieser Sitzung feiner Besorgnis darüber Ausdruck gegeben, daß gegebenenfalls die norwegische Haltung die Hilfe für Finnland beeinträchtigen könne, ins­besondere im Laufe der ersten Landungsoperationen in Narvik. Zu diesem Zweck hielt es der Erste Lord fijr angezeigt, zunächst vor Narvik kraftvoll aufzutreten. Es handele sich nicht darum, eine Landung gewaltsam vorzunehmen, sondern gewisser­maßen darum,die Macht zu zeigen, um ihre Anwendung zu vermeiden. Winston Churchill gedenkt, eine Flottille, bestehend aus einem Kreuzer und einigen Zerstörern vor Narvik erscheinen zu lassen und rasch Truppen in Bataillonsstärke an Land zu werfen. Dies soll vor Ankunft des ersten Truppentransportoerbandes geschehen. Die gesamte Operation würde natürlich ausschließlich mit eng­lischen Streitkräften durchgeführt werden. Das Kriegskabinett hat übrigens die Nützlichkeit der Be­setzung von Stavanger und Bergen in Zweifel ge­zogen. Der Ausschuß prüft das für die Durchfüh­rung des Unternehmens bei Narvik vorgesehene Ver­fahren, das keine besonderen Schwierigkeiten aufzu­zeigen scheint. Anderseits ist der Ausschuß der An­sicht, daß die stärksten Nachteile aus dem Verzicht auf die Besetzung von Bergen und insbesondere von Stavanger erwachsen konnten. An letztgenanntem Ort könnte der Flugplatz rasch von den Deutschen be­setzt werden, wenn wir ihnen nicht zuvorkämen.

Dokument Ur. 28.

Das Norwegenunternehmen droht zu Bruch zu gehen.

Streng geheim!

Sitzung des Kriegskomitees am 26. April 1940.

Der Ministerpräsident gibt den Zweck der Sitzung bekannt: Prüfungder Lage in Norwegen. Es ist den Deutchen gelungen, wichtige Punkte in ihre Hand zu bekommen. Eine Landung für die Alliierten ist schwierig. Die Norweger sind schwer getroffen. Das Prestige der Alliierten ist gefährdet. Die Engländer waren jedoch seit langem im Bilde, da unsere Operation am 28. März beschlossen wor­den ift. Sie hatten feine Luft dazu, stellt der Kriegs- minifter und Minister der nationalen Verteidigung fest. Der Ministerpräsident fügt hinzu, daß man

einen Großeinsatz Sei Drönkh elm machen müssen. Er fragt General Gamelin nach seiner Ansicht über die Lage. General Gamelm teilt mit, daß die Deutschen die Verbindung zwischen ihren Oslo- und ihren Drontheim-Stteitkräften her- gestellt haben. General L e l o n g hat ihn davon in Kenntnis gesetzt, daß die Engländer die Absicht hät­ten, ihre für den Angriff auf Drontheim vorge­sehenen Truppen wieder einzuschiffen. General Ga­melin legt dar, daß die Lage offensichtlich schwie­rig ist, insbesondere wegen der Angriffe der deut­schen Luftwaffe, daß jedoch die in Namsos (nördlich von Drontheim) gelandeten Truppen erfolgreichen Widerstand zu leisten schienen. Es würde übrigens möglich sein, notfalls entlang der Küste, an der die wichtigsten Punkte gehalten werden müßten, eine Verbindungs- und Rückzugslinie zu organisieren. Er bezeichnet den englischen Wiedereinschiffungsplan als äußerst bedauerlich, und um den Versuch eines Widerspruches zu unternehmen, bittet er das Ko­mitee um die Genehmigung, sich nach London bege­ben zu dürfen, wohin er bereits den General Mi 11 e lh a ufer geschickt hat, um die Engländer zu überzeugen. Er bittet auch die Regierung, seine Aktion in diesem Sinne zu unterstützen.

Das Komitee stimmt zu. Der Ministerpräsident führt aus, daß der Kampf in diesem gebirgigen Gelände den Charakter eines Guerillakrieges anneh­men könnte. Es werde sich darum handeln, die Stra­ßen zu sperren und Widerstandsnester zu bilden.

General Gamelin fährt in seiner Darstellung fort und gibt ein Bild der Lage. In der Gegend von Namsos hält der Feind die Straße Namsos Drontheim. Wir haben dort drei Jägerbataillone, zu denen noch eine englische Brigade zu drei Ba­taillonen hinzukommt, insgesamt 6000 Mann. Der Hafen ist von der deutschen Luftwaffe sehr stark be­schädigt worden. Die Truppe konnte zwar landen, hingegen nicht das schwere Material. Eines der englischen Schiffe, das Flakmaterial trantyrtierte, ist versenkt worden. Der gegen Drontheim vorgesehene Operationsplan war logisch: Es sollten drei konzenttische Angriffe stattfinden, .einer von Norden, ein anderer von Süden, der dritte durch die Enge selbst. Es war unmöglich, ihn vollständig durchzuführen, nur der Angriff von Norden, von Namsos her, wurde eingeleitet, jedoch von den Deutschen aufgehalten. In der Gegend von Narvik ist die Lage unverändert. Die Nachrichten sind spärlich und unsicher. Es muß festgestellt werden, daß die feindlichen Streitkräfte auf Handelsschiffen transportiert wurden und getarnt waren. Sie sind dem Intelligence Service entgangen. General Gamelin hat nie verfehlt, auf der Fort­führung und Intensivierung der Operationen zu bestehen. Am Morgen des 29. März hatte er den General Jronside darauf aufmerksam gemacht, daß es notwendig sei, alles für eine rasche Besetzung der norwegischen Häfen bereit zu haben. Dasselbe hat er auch Mr. Winston Churchill gelegentlich eines Aufenthaltes in Paris zur Kenntnis gebracht.

Der Ministerpräsident fragt, wie die militärische Führung organisiert sei. General Gamelin antwor­tet, daß der englische General Makesy die Führung in Narvik hat,' der englische General Carton de Wiart diejenige in Namsos. General Morgan, der Führer der südlich Drontheim gelandeten englischen Brigade, hat die Führung in diesem Gebiet an Stelle der französischen Generals Audet, der von General Gamelin für den Oberbefehl in diesem Ge­biet vorgesehen, aber in Namsos gelandet worden war. Die Gesamtführung hat General Massy. Der Ministerpräsident und der Kriegsminister und Minister für nationale Verteidigung bedauern, daß kein Oberbefehlshaber zur Koordinierung der Aktionen zu Lande, zur See und in der Luft ernannt worden ift. (Es folgen Erörterungen über die Stärke der alliierten Expeditionstruppen und ander technische Fragen. Die Schriftleitung.)

Der Präsident der Republik fragt, wieviel Mann die Engländer zur Zeit in Norwegen haben. Gene­ral Gamelin antwortet, daß sie 15 000 haben. Sie haben eine Gesamtmenge von 100 000 vorgesehen, während wir unsererseits eine Zahl von 40 000 zu entsenden beabsichtigten. Diese Zahlen stellen ein Maximum dar. Die Briten können schon von der französischen Front, wo sie fünf Divisionen haben, zwei Divisionen herausziehen. Gegen diese Maß­nahme wird von General Georges keine Einwen­dung erhoben.

Was uns anbelanat, so hängt die Stärke des Ex­peditionskorps einerseits von den Transport­möglichkeiten und dem Nachschub ab. Hier­über entscheidet die Kriegsmarine, und zwar in erster Linie die britische Kriegsmarine. Andererseits können wir von vornherein die vor­genannte Zahl von 40 000 nicht überschreiten. Der französische Kriegsschauplatz bleibt der Haupt­kriegsschauplatz, und es bedarf ausreichen­der Kräfte, nicht nur um die Front zu halten, son­dern auch um jeweils die erforderlichen Kräfte in die Schlacht zu werfen. Ferner können wir in Skan­dinavien Eingeborenentruppen nicht einsetzen, und zwar nicht nur aus moralischen Gründen, sondern wegen des Klimas. Hinsichtlich des Kriegsmaterials ist zu bemerken, daß unsere Divisionen wegen der Verwendung von Pferde kraft für den Einsatz in Skandinavien nicht geeignet sind. Unsere moto­risierten Divisionen, deren Zahl gerade für Frankreich ausreicht, können überdies nur in Ländern mit dichtem Straßennetz eingesetzt werden. Die entsandten leichten Divisionen mußten in besonderer Weise ausgerüstet werden. Unsere materiellen Möglichkeiten auf diesem Gebiet sind begrenzt; die britischen Truppen sind in dieser Hinsicht besser ausgerüstet als die unseren. Schließ­lich ist zu bedenken: Wenn es sich darum handelt, nach Belgien einzurücken, um daselbst eine Schlacht sozusagen auf freiem Felde zu schlagen, so sind die französischen Truppen hierzu viel geeig­neter als die britischen. Außerdem firtö die franzö­sischen Truppen die einzigen, die, wenn nötig, zur Verteidigung der Alpenfront befähigt sind. Aus diesem Grunde müssen die Enaländer die Hauvtanstrengung machen, um so mehr, als die Unternehmung wesentlich auf ihrer Marine und Luftwaffe beruht. Im besten Falle können wir gegenwärtig eine ober zwei leichte Divisionen dazu beisteuern. Schließlich können wir sie moralisch un­terstützen, ihnen bei der Leitung helfen, ihnen die Methode und den Schwung beivringen.

Zusammenfassend betont der Ministerpräsident die sachliche und moralische Bedeutung der Fortsetzung des Kampfes und der Organisation der militärischen Führung; er fügt entsprechend den Feststellunaen der vorhergehenden Sitzung des Kriegsausschufses hinzu, daß Drontheim selbst unter Opfern erobert werden müsse. Der Marineminister schließt sich die­sen Ausführungen an. Auf den Vorschlag des Gene­rals Gamelin eingehend, regt der Ministerpräsi. dent beim Komitee an, General Gamelin nach London zu schicken, um die Aufmerksamkeit des britischen Oberkommandos eindringlich auf fol­gende Punkte zu lenken:

Beschluß, das Norwegenunternehmen sortzufetzen.

Das Fiasko -er Kriegsansweiiung im Norden.

Künste Veröffentlichung aus den politischen Geheimakten des französischen Generalstabes.

Erfolgreiche Operationen deulscherSeestreitkräste in überseeischen Gewässern.