mit Milch einrührt. Lena hat gerade die Butter aus dem Keller geholt.
Man muß Lena den Rücken drehen, wenn man die Frage stellt, kann ihr unmöglich in die Augen sehen. Ernis Gesicht brennt vor Scham.
„Du, Tante Lena!"
„Ja, mein Kind?"
,Hast du ihn gesehen?"
„Nein, Erni. Aber bestimmt ist er in der Belzig- Brauerei. Rudolf hat ja angerufen, wir sollten uns nicht beunruhigen, das weißt du doch."
„Ach, ich meine nicht den Großen."
„Nicht? Wen denn?"
„Wo Gottfried Bonhoff ist, will ich wissen!"
Sieh einer an, wie heftig diese Erni werden kann ...
„Gottfried ist abgereist."
Ein Löffel fällt zur Erde. Erni greift mit beiden Händen an den Tisch. Sie muß sich zwingen, die Worte richtig zu erfassen. Abgereist? Fort, ohne Abschied? Ohne ein einziges Wort? Alles scheint vor Ernis Augen zu schwanken ...
Abgereistl Ist Gottfried Bonhoff so einer, so einer wie der Fred Schneider?
Erni bückt sich nach dem heruntergefallenen Löffel. Mühsam vermag sie zu fragen: „Nach Ostpreußen?"
„Natürlich nach Ostpreußen. Das Gut braucht ihn doch."
Langes Schweigen. Schmerzendes Schweigen.
Lena gießt die dampfenden Kartoffeln ab.
„Bist du mit dem Quark fertig?"
Erni rührt sich nicht.
„Kind, träumst du? Ob du den Quart glattgerührt hast?"
„Fährst du ihm nun nach?" Erni kann an nichts anderes denken.
Spürt Lena Oetteking jttcht die heiße Angst, die hinter Ernis Frage lauert? Lebt sie nur in den Dingen, die in ihr selber mächtig sind?
„Ja, wahrscheinlich fahre ich bald nach."
Ohne innere Anteilnahme ist das gesagt, ganz nebensächlich. Aber Erni trifft es ins Herz.
Es ist gut, daß es im Gräfehaus schon zur Gewohnheit geworden ist, daß jemand bei Tisch fehlt.
Erni, die eben noch tätig mithalf in der Küche, mußte sich plötzlich hinlegen. Will niemanden um sich haben, weint nur still vor sich hin. Ein Wunder ist es ja nicht, wenn die Nerven versagen, nach den Aufregungen der letzten Zeit.
Lena fertigt sich selber mit dieser Erklärung ab.
Sie gibt dem leisen Verdacht nicht Raum, der in ihr aufsteigen will — sollte sich die kleine Erni in Gottfried Bonhoff verliebt haben?
Sie hat auch keine Zeit, diesem Gedanken nachzuhängen, denn als sie aus Ernis Zimmer herunterkommt, hört sie Christoph Gräfe fragen:
„Hast du ihn gesehen?"
Die Frage ist an Rudolf gerichtet und mit dem „ihn" ist Hermann gemeint.
Rudolf hat es nicht eilig mit hpr Antwort. Schält sich mit Gemütsruhe noch eine Kartoffel. Bis Jupp es nicht mehr aushält und feine Weisheit an den Mann bringen muß. Umsonst war er nicht wieder mit dem Rade an der Baustelle.
„In der Kantine hockt der Hermann!" Jupp schmettert es über den Tisch. Dann greift er schnell in die Schüssel und holt sich Kartoffeln raus. Immer die, die so schön mehlig geplatzt sind. Und dabei grient er übers ganze Gesicht. Denkt an das Bild, das er durch die halboffene Kantinentür beobachtet hat.
„Das schwarze Weibsbild von der Kirmes war bei dem Hermann! Na, das war vielleicht eine! Da hat nicht viel gefehll, daß sie sich dem Großen auf den Schoß setztt."
Rudolf räuspert sich. Muß dieser Bengel das so herausposaunön. Rudolf hatte es schon in der Bel- rig-Brauerei erfahren, als er dort nach dem Großen suchte. Er hätte es gern vor der Familie vertuscht, wenn der Jupp ihm nicht so in die Parade gefahren wäre!
„Na, die Hauptsache ist ja, daß er sonst keine Dummheiten gemacht hat, der» Große! Ich werde ihm schon den Kopf zurechtsetzen. So geht das natürlich nicht weiter!" Es ist schwer, seine Erregung zu verbergen, wenn dis Tafelrunde so klein ist.
Lena sieht von ihrem Teller nicht auf. Dorthin habe ich ihn gestoßen, ich hätte ihn halten können, — quält sie sich.
„Du ißt ja gar nicht, Tante Lena", stößt Jupp sie an.
Erschrocken greift Lena nach der Gabel. Nein, keiner darf ihre Not sehen. Sie müßte es ja sonst allen gestehen: ich bin schuld, daß er diesen Weg geht, sich verliert ...
Die Mahlzeit wird stumm und hastig beendet. Verlegen geht man auseinander. Ein jeher scheut sich vor weiteren Worten.
(Fortsetzung folgt.)
Treueid auf den Führer.
Jugend statt. Diese Musikschule wird sicherlich allenthalben in Stadt und Landkreis Gießen begrüßt werden.
Westerwald-Verein Gießen.
Am zweiten Pfingstfeiertag unternahm der Zweigverein Gießen des Westerwaldvereins eine herrliche Tageswanderung. Um 7.30 Uhr früh erfolgte der Abmarsch vom Treffpunkt Lahnbrücke. Zunächst ging es über das Heuchelheimer Mühlchen nach Kinzenbach. Bevor man dort in den Wald eintrat, wurde Umschau auf die herrliche Landschaft gehalten; rechts sah man den Stoppelberg und Wetzlar, den Großen Feldberg im Taunus, ferner die Grüninger Warte und den Schiffenberg, geradeaus hatte man den schönen Blick auf den Gleiberg usw. Bei dem schönen Wanderwetter und in guter Stimmung ging der Weitermarsch dann durch die herrlichen Buchenwälder mit ihrem frischen Grün zur Grube Morgenstern bis zur dicken Eiche. Dort wurde kurze Rast gehalten, dann ging es unter prächtigen Erlen über einen Kamm, von dem aus ein schöner Blick auf den Dünsberg zu genießen war. An saftigen Wiesen und weidendem Vieh vorbei gings es hierauf zum Hof Bubenrod, wo bei herrlichem Sonnenschein im Freien Mittagsrast gehalten wurde. Dann ging es bergab durch herrliche Wiesen und vorbei an einem Waldein- schnitt, mit einem schönen Blick auf Königsberg, weiter durch herrliche Wälder zur Obermühle und Rehmühle nach Bieber, wo die Schlußrast gehalten wurde. Heimwärts ging es hierauf über Rodheim an der Bieber nach Gießen. Die schöne Pfingst- wanderung in der herlichen Frühlingsnatur hat allen Teilnehmern neue Kraft für den Alltag gegeben.
*
** Modenschau im Lass Wien. Die Modenschau, die gestern nachmittag und gestern abend im Cafe Wien gezeigt wurde, war der Lage der Gegenwart angepaßt und berücksichtigte sorgfältig die durch die Einführung der Textilbewirtschaftung geschaffene Situation. Es wurden im Verlaufe der Schau zahlreiche Anregungen dafür gegeben, wie man mit seinem Punktvorrat am sparsamsten umgeht und wie man mit verhältnismäßig geringem Aufwand doch erreichen kann, stets gut gekleidet zu fein. Die Vorführung brachte zunächst eine Anzahl Blusen und Pullover, die selbst gearbeitet werden können. Es folgten dann Schöpfungen der deutschen Kleiderindustrie in vielen Abwandlungen, in reizvollen Farben und in schlichter und gediegener Machart. Ein weiterer Teil der Modenschau machte mit Kleidern bekannt, wie man sie sich nach Schnittmustern eines großen deutschen Modeverlags unfertigen kann. Mit besonderem Interesse folgte man der Vorführung der „Sparkleider", die unter einem überraschend geringen Aufwand an Punkten geschaffen werden können. Die Ueberraschung des Abends war das Verwandlungskleid, das unter dem gleichen Gesichtspunkt geradezu „erfunden" war. Wertvolle Anregungen wurden auch für die vollschlanken Frauen gegeben. Jndanthrenfarbige Kleider in leuchtenden Farben, regenfeste Kleidung und Mäntel, mottensichere Kleider, Strümpfe von besonderer Haltbarkeit und vieles andere wurde außerdem im Rahmen der Schau gezeigt, die nicht etwa unerfüllbare Wünsche auslösen, sondern Anregungen geben wollte für eine notwendige sparsame Wirtschaft. Anni Hötzendorff als Ansagerin gab umfassende und launige Aufklärungen. Die Vorführ- damen bemühten sich, die Dinge in das rechte Lickst zu rücken, und die Hauskapelle begleitete die Vorführungen mit dezenter Musik. Die Leitung der Schau lag in Händen von Ewald Langen.
Briefkasten der Redaktion.
(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)
3. £). in V. Es ist richtig, daß nach einem Erlaß des Führers die Teilnehmer des Weltkrieges von ihrem 70. Lebensjahre ab einen monatlichen Ehrensold von 10,— RM. erhalten. Anträge zur Erlangung dieses Ehrensolds sind an das für den Wohnort des alten Soldaten zuständige Versorgungsamt, in Ihrem Falle an das Versorgungsamt in Frankfurt a. M. zu richten. Sie schreiben zu diesem Zwecke an das Versorgungsamt in Frankfurt a. M. und erbitten sich ein Antrags-Formular. Dieses ist ausgefüllt an das Versorgungsamt in Frankfurt a. M. zurückzuschicken. Von dort aus wird dann alles weitere erfolgen. Wir empfehlen Ihnen, sich mit dem Kameradschaftsführer der Kriegerkameradschaft Ihres Ortes in Verbindung zu setzen.
P.K. Auf einem Fliegerhorst im Westen leisteten am 8. Mai 650 neueingerückte Rekruten dem Führer ihren Treueid. Nüchtern und scheinbar selbstverständlich klingt diese Meldung, besonders jetzt im Krieg. 650 deutsche Männer sind zu den vielen tausend anderen hinzugekommen, haben sich verpflichtet, dem Führer und Volk in dieser schweren Zeit zu dienen. Stolz tragen sie jetzt den Waffenrock und helfen mit, Deutschlands Grenzen zu schützen. Daß diese militärischen Neulinge von der Luftwaffe unmittelbar auf einen Flugplatz an der Westfront einberufen wurden, erscheint etwas auffallend, weiß man doch, welche gründliche und auch langfristige Ausbildung
unssre Flieger durchmachen. Durchmachen müssen, um die deutsche Luftwaffe zu der besten der Welt zu machen. Daran kann sich auch jetzt im Kriege nichts ge ändert haben. Dennoch erfüllen diese neuen, noch nie Soldat gewesenen Männer vom ersten Tag ihres Eintretens in die deutsche Wehrmacht an voll und ganz ihre Aufgabe. Sie leisten neben ihrer militärischen Grundausbildung eine Arbeit, die erst die Voraussetzungen für jedes Fliegen und jede Tätigkeit in einem Fliegerhorst schafft. Es sind die Männer der Luftwaffen- Baukornpanien.
Schneeschmelze: Die Schneemassen des langen und ungewöhnlich harten Winters drohen bei der
Aus der engeren Heimat.
50. Todestag
des Generals von Fransecky.
LPD. Gedern, 14. Mm. Am 21. (22.) Ma, jährt sich zum 50. Mal der Todestag des in Gedern geborenen preußischen Generals Eduard Friedrich von Franseck y. Er war der Sieger von Münchenarätz und hatte auch entscheidenden Anteil an dem Sieg bei Kömggrätz. 1870 entschied er durch einen berühmt gewordenen Gewaltmarsch seiner Truppen die Schlacht bei Gravelotte. Welter vereitelte er im November 1870 den großen Ausfall aus Paris. In der Stadt Gedern wird noch das Geburtshaus des großen Heerführers, der in Wiesbaden gestorben ist, gegeigt; auch ein Denkmal erinnert hier an ihn.
Landkreis Gießen.
)—( Ruppertsburg, 14. Mai. Wiederum erhielt ein Sohn unserer Gemeinde, der Oberleutnant Hansgeorg I m h o f, für Tapferkeit vor dem Feinde das E i s e r n e K r e u z 2. Klasse. — Herrlich ist jetzt die B l ü t eri p r a ch t, die unsere Apfelbäume auf den Höhen rund um das Dorf entfalten. Auch die Steinobstbäume haben reichlich geblüht.
Oienstjubiläum eines heffen- naffauischen Genosienschastsführers. LPD. Frankfurt a. M., 14. Mai. Ein verdienstvoller Leiter des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens in Hessen und Hessen-Nassau, Direktor und Betriebssichrer der Bäuerlichen Hauptgenvssen- schaft Rhein-Main-Neckar in Frankfurt a. M., Josef
300 Flugmodelle auf der Wafferkuppe.
Relchswetibewerb des NS.-Fliegerkorps.
Lpd. Das NS.-Fliegerkorps veranstaltet vom 28. bis 30. Juni 1940 auf dem Gelände der Reichssegelflugschule Wasserkuppe (Rhön) den traditionellen Reichswettbewerb für Segelflugmodelle, an dem annähernd 300 Flugmodelle teilnehmen. Die Wett- bewerbsteilnehrner kommen aus den Modellflug- Arbeitsgemeinschaften des Deutschen Jungvolks, aus den Fliegereinheiten der HI. und aus den Stürmen des NS.-Fliegerkorps.
Schau der Leibesübungen in Heuchelheim.
An Pfingsten hielt der hiesige Turnverein eine größere sportliche Veranstaltung ab, an der sich 150 Turner und Turnerinnen beteiligten. Der Sportnachmittag konnte organisatorisch und sportlich gut durchgeführt werden. Nach feierlicher Flaggenhissung entwickelte sich ein reges turnerisches Treiben. Turner und Turnerinnen wetteiferten in einem volkstümlichen Dreikampf. Ein Fußballspiel der 1. Jugend gegen 1900 Gießen endete mit 1:0 für Heuchelheim. Im Handball schlug Heuchelheim die Wehrmannfch-ast mit 15:5. Ein Korbballspiel der Mädchen untereinander schloß mit 3:2. Freiübungen und Keulenschwingen der Turnerinnen waren eingeschaltet, und
Strasburger, kann am 20. Mai sein ^jähriges Dienstjubiläum begehen. Direktor Strasburger war zunächst Leiter der Futtermittel- und Getreideabteilung in der Landwirtschaftlichen Zentralgenossenschaft Darmstadt und wurde bereits nach zwei Jahren (1917) geschäftsführender Direktor der Landwirtschaftlichen Zentralgenossenschaft Hessen. Bei der Verschmelzung der Darmstädter Landwirtschaftlichen Genossenschaft rfiit der Frankfurter Genossenschaft wurde Sttasburger Vorsitzender des Vorstandes und Betriebsführer der neugegründeten Bäuerlichen Hauptgenossenschaft in Frankfurt. Direktor Strasburger ist seit Jahren Vorstandsmitglied der Lan- desbauernkasse Hesien-Nassau, des Amtlichen Großmarktes für Getteide und Futtermittel in Frankfurt und der Hessen-Naffauifchen Saatstelle, Sitz Frankfurt a. M. Gleichzeitig gehört er dem Verwaltungsrat des Getreidewirtschaftsverbandes an.
Zuchthaus für einen Votksbetrüger.
Butterpackungen mit Mindergewicht.
Lpd. Mainz, 14. Mai. Mit einem Fall gewissenlosen Volksbetruges hatte sich die Mainzer Straf- kammer zu befassen. Angeklagt war der 37 Jahre alte Johann B r ä u n i n g aus Mainz, der sich jahrelang auf Kosten der Verbraucherschaft bereicherte. Bräuning hatte Vr-Pfund-Packungen Butter mit einem Mindergewicht von je 10 bis 30 Gramm hergestellt und verkauft. Er stellte auch, obwohl er schon dreimal einschlägig vorbesttaft war, Butter mit zu hohem Wafsergehalt her. Der Angeklagte wurde zu 1 Jahr 3 Monaten Zuchthaus verurteilt.
auch ein interessanter Boxkampf der Jugendlichen fehlte nicht. So zeigte die Veranstaltung die ganze Vielseitigkeit des Sportbetriebs. Zahlreiche Zuschauer hatten sich eingefunden.
Iugendfußball der Gp.-Vg. 1900.
1900 1.3gd. — Heuchelheim 1.3gd. 0:1.
Am ersten Pfingstfeiertag fuhren die Blau- Weißen mit ihrer ersten Jugend nach Heuchelheim, um dort ein Freundschaftsspiel auszutragen. Es gelang ihnen diesmal nicht, einen Sieg mit nach Haufe zu bringen. Die Heuchelheimer, körperlich wesentlich stärker als der Gegner, sicherten sich einen knappen Sieg. Die Gäste zeigten aber den technisch besseren Fußball, dominierten im Spiel und ließen den Platzbesitzer nie so ganz aufkommen. Der Siegestreffer für Heuchelheim war für den Tormann der Blau-Weißen unhaltbar.
1900 1.3gd. — Großen-Linden 1.3gd. 2:1.
Auch am zweiten Feiertag fuhren die Blau- weißen nach auswärts. Sie traten durch ein Mißverständnis nur mit 9 Mann in Großen-Linden an und gingen ziemlich aussichtslos in den Kampf. Die Großen-Lindener hatten etwas mehr vom Spiel, bedrängten die Gäste heftig, die Hintermannschaft war aber gut in Fahrt und verhinderte zunächst und während der ganzen ersten Halbzeit jeden Erfolg. Der Sturm war diesmal mit drei Mann bes- fer als am Vortag mit fünf Mann und sicherte durch Theiß und Deeg den knappen Sieg.
Schmelze jeden tiefer gelegenen Platz zu ertränken. Einige Schritte nur auf das Rollfeld hinaus, und schon drohen Schmelzwasser und Schlamm in die Stiefel hineinzurinnen. Wie kann da erst ein schweres Flugzeug über den Platz rollen, sich von diesem abheben? Da greift die Baukompanie ein. Pumpen werden herangeschafft. Schlauchleitungen gelegt, am Rande des Platzes werden Wasferabzugsgräben aus- gehoben, und in kurzer Zeit ist der Platz trocken- gelegt. Nochmals gewalzt, und das Flugfeld ist wieder klar zum Start.
Sicherungsdienst: Flak und Jäger sorgen zwar dafür, daß kein feindliches Flugzeug gefährlich werden kann, aber dreifache Sicherung ist doch besser. Also zieht die Baukompanie hinaus und sorgt für gute Tarnung der Flugzeuge und Unterkünfte, hebt Splittergräben aus, „Feldpostsammelstellen für die Engländer", Bomben- und Munitionslager. Eini. gen Tagen .schwerster Arbeit folgt die Meldung: Flugplatz klar!
Platzoerlegung: „Staffel I verlegt ihren Standort sofort nach A." Nun heißt es für die Baukompanie, nicht mehr in amerikanischem, sondern in deutschem Luftwaffentempo zu arbeiten. Der neue Liegeplatz der Staffel ist noch Wald und Wiese ohne jeden Zufahrtsweg. Mitten durch den Wald wird die Straße gebaut. Wo gestern noch Bäume standen, fahren heute schon geländegängige Traktoren, werden morgen Straßenfahrzeuge rollen können. Der Platz nrirb zum Benzin-, Munitions- und Bombenlager geschaffen, Unterkunfts- räume werden aus dem Boden gestampft. In kürzester Zeit kann die Staffel chren Einzug in einen wohlvorbereiteten und ausgestatteten Horst halten.
Mädchen für alles sind die Männer der Baukompanien. Jede Arbeit wird von ihnen rasch, sicher und gut ausgeführt. Straßen, Unterkünfte, Rollfelder, Munitionslager, alles schaffen sie mit Tempo. Das ist sogar das Wichtigste. Heinzelmännchen der Luftwaffe könnte man sie nennen. Wo man Arbeiter braucht, sind sie schon da. Wo sie waren, ist die Arbeit sozusagen über Nacht durchgeführt.
Stolz hält mancher deutsche Mann feinen Einberufungsbefehl in der Hand: „Mensch, ich komme zur Luftwaffe." Vielleicht ist er zuerst enttäuscht, wenn er sich plötzlich bei der Baukompanie sieht, aber nur wenige Tage dauert diese Enttäuschung. Bald sieht er die Notwendigkeitund Bedeutung dieser Kompanie ein und wird von Tag zu Tag stolzer auf seine Waffe. Picke und Schaufel, die Werkzeuge, ohne die man nicht fliegen kann.
Bücheriisch.
— Dr. Ludwig (Stemm: Bibliographie zur hessischen Geschichte für 1935 bis 1938. (Selbstverlag des Historischen Vereins für Hessen in Darmstadt.) Das Büchlein schließt sich an die 1935 erschienenen für die Jahre 1933/34 an und enthält in der gleichen übersichtlichen Gliederung des großen Stoffes ein für jeden mit der hessischen Geschichte, Volkskunde und Familienforschung Beschäftigten unentbehrliches Material.
— Ejnar Vaaben: Ein Däne spricht zu Deutschland, Deutschlands Kampf eine europäische Angelegenheit. (Verlag Hesse & Becker, Leipzig.) Preis drosch. RM. 1,50.
— Zeitspiegel-Schriftenreihe: Deutschland und die Welt. Heft 1. Der deutsch-französische Gegensatz in Vergangenheit und Gegenwart von Dr. Walter Hagemann. Heft 2. Englische Blockade — deutsche Gegenblockade von Dr. Paul Hartig. Heft 3. Englands Kriegswirtschaft von Dr. Paul Hartig. (Verlag B. G. Teubner, Leipzig.) Preis je Heft RM. 0,50.
— D r. Hermann Koch: Ich Bauer bin das Volk. Preis drosch. RM. 2,00. (Verlag Paul Parey, Berlin SW. 11.
— D r. Heinrich Schnee: Die koloniale S ch u l d l ü g e. 12. neubearbeitete Auflage mit 16 Bildnissen. (Verlag Knorr & Hirth, München.) Preis geb. RM. 2,50.
— Heinrich Sohnrey: Landflucht ist V o l k s t o d. (Deutsche Landwerbung Berlin SW. 11, Hafenplatz 3). Ein Wort an die Lehrer zur Schulentlassung der Landjugend in einer Frage, die das ganze Volk angeht, richtet hier ein Mann, dessen ganzes reiches Leben davon bestimmt war, für Wesen und Art des Bauern Verständnis zu wecken. So wird das Wort Sohnreys gehört und ausgenommen werden mit dem gleichen Ernst, mit dem es gesprochen wurde.
ttJItfi du ra schGnFmll?
Vornan von Martina Eckartchelm
28. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Lena und Gottfried bleiben allein zurück. Er sagt nichts weiter als ihren Namen. Aber in diesem einen Wort liegt viel. Beinahe eine ganze Geschichte. Angefangen von dem ersten Sehen und Kennenlernen, von der Hellen Erinnerung daran. Von dem nie zur Ruhe kommenden Wunsch, diese blonde Frau zu gewinnen. Von Sehnsucht und Enttäuschung, von einer neuen Gewalt und neuen Erkenntnissen. Von Scham, Reue und Zerrissenheit.
Aber Lena Oetteking hat keinen Wunsch nach Zurückerinnern und Gefühlen, die unausgesprochen zwischen ihnen stehen. Nur Tatsachen sprechen jetzt.
„Gottfried, es tut mir unendlich leid. Ich weiß, was du jagen willst, aber ..." Sie nimmt einen mutigen Anlauf, ihre Lippen sind blaß. „Ich kann jetzt nicht aus diesem Hause fort — es ist ganz unmöglich!"
Ihre Stimme ist fast hart, wenn es Lena auch schwer wird, sachlich zu bleiben. „Ich weiß, daß du keine Zeit mehr hast, länger zu warten. Fahre voraus zu deiner Mutter, bitte. Es wird mir nicht leicht, das zu sagen, aber ich werde hier so notwendig gebraucht."
In Gottfried wallt es heiß auf. Sieht er hier nicht einen Ausweg aus seinen eigenen Wirren? Fort aus dem Gräfehaus — Flucht vor Lena, Flucht vor Erni!
Ader er will nicht fliehen, will keinen ungeklärten Zustand zurücklassen. Er muß sprechen.
Er sieht ihr blasses, unruhvolles Gesicht. Er weiß, wie die Aufregungen in diesem Hause sie quälen. Und nun soll er etwas aussprechen, was sie noch tiefer erschüttert. Hat diese Beichte nicht Zeit bis später?
Und dock; möchte er so gern befreit sein von der Gewissenslast, und ihr wieder ins Auge sehen können.
Aber da schneidet ihm Lena selbst das Wort ab. „Bitte, versuche nicht, mich umzustimmen. Es hat keinen Zweck. Ich bleibe hier. Du muht es verstehen, ohne eine Erklärung zu verlangen."
Diese schnelle Verabschiedung kränkt Gottfried. Es ist ihm jetzt unmöglich, ein Geständnis zu machen,
das vielleicht vieles erträglicher gestaltete. Er beißt sich auf die Lippen. Der Gräfehof ist hier das wichtigste — die Not dieser Leute. Was weiß sie von seiner Not? *
„Bitte, wenn du es so willst —"
Er tritt zurück, sieht an ihr vorbei zum Fenster hinaus.
„Gottfried!" Nun ist ihre Stimme wieder bittend, warm wie in den wenigen Stunden ihrer Zärtlichkeit. „Ich weiß nicht aus noch ein, Gottfried. Es wäre wirklich leichter, wenn du gingest..."
Lenas Augen brennen wie von verhaltenen Tränen. Gottfried nimmt ihre kalten Hände, küßt sie, möchte gern noch ein paar gute Worte sagen, sucht und findet nur das eine, rätselhafte: „Man bleibt immer in deiner Schuld, Lena!"
Sie drücken einander die Hände, es sieht so aus, als wollten sie sich festhalten, als scheuten sie sich vor einer Trennung, von der sie ahnen, daß es eine Trennung für immer ist. Ihre Augen finden sich, aber es steht nichts von Glück darinnen, nur Qual und Verwirrung.
Gottfried Bonhoff geht aus dem Gräfehaus, wie er gekommen ist. Er hält Hut und Köfferchen in der Hand und hat den hellen Anzug an. Niemand ist auf dem Hof, keiner winkt ihm nach. Auch Erni nicht. Sie ist die einzige, von der er sich nicht verabschiedet hat. Er kann den Mut nicht aufbringen, Erni noch einmal zu sprechen, jetzt, nachdem er sich so niedergeschlagen von Lena getrennt hat.
Nein, erst muß er sich selber wiederfinden, sich in die Arbeit stürzen — Arbeit, dieses ewig gute, starke Allheilmittel. Die Einsamkeit des Landes wird ihn anfangs erdrücken, dann aber wird sie den verwirrten Sinn wieder zurechtrücken. Dann wird er wieder der sein, der er war, ehe er auf den Gräfehof kam.
Wird das so ein kleines Mädel wie die Erni, wenn es zum erstenmal verliebt ist, begreifen können? Sie hat doch ein Recht, voll klopfender, ungeduldiger Angst nach Gottfried Bonhoff zu fragen, denn der Abend ist gekommen, und Gottfried bleibt unsichtbar.
Und wen sonst sollte Erni Gräfe wohl nach diesem Gottfried fragen als Lena Oetteking? O Gott, wie lange kann man vor einer einzigen Frage her- umbrucffen ...
Schon beim Tischdecken vor dem Abendbrot. Dann in der Küche, wo man weißen, sahnigen Quart


