Ausgabe 
15.5.1940
 
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r. M Zweites Blatt

Mittwoch, 15. Mai W«

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Kommst du am Sonntag mit, Paul ? ®

P. B.

ELASTOCORN

mft in der Natur zu beobachten ist.

Tageskalender für Mittwoch.

In diesen Tagen und Stunden, da die Welt unter dem Eindruck der Schläge der deutschen Wehrmacht gegen die Westmächte den Atem anhält, rüsten wir zum zweiten Spendentag für das vom Führer auf­gerufene Kriegshilfswerk für das Deutsche Rote Kreuz. Wie schon Ende April, so werden auch am kommenden Samstag und Sonntag die Män­ner und Frauen der Bewegung mit ihren Listen von Haus zu Haus gehen, um die Spende für das Deutsche Rote Kreuz einzusammeln.

Am 10. März sagte der Führer im Zeughaus: Der Soldat stellt zu jeder Zeit jene beste Aus­lese der Völker dar. die durch ihren Lebens­einsah und wenn notwendig durch ihre Lebenshingabe das Leben der übrigen Mit- und damit Nachwelt ermöglicht und sicherstellt." Das jetzt zur Entscheidungsschlacht angetretene deutsche Westheer hat, wie srührer in Polen und Norwegen, in der Luft und auf der See auch jetzt

schimmernder Lichtschein genügt, um eine Wohnung als mangelhaft verdunkelt erscheinen zu lassen. Die ganze Stadt kann durch eine solche Unbesonnenheit dem feindlichen Flieger verraten werden.

Die Polizei läßt deshalb wissen, daß sie durch ihren ausgedehnten und ständigen Streifen- und Beobachtungsdienst jedermann zur Rechenschaft zieht, d. h. zur Anzeige bringt, der gegen die Verdunke­lungspflicht verstößt. Leider mußten in den ver­gangenen Tagen mehrere Volksgenossen wegen Fahrlässigkeit in Dingen der Verdunkelung zur An­zeige gebracht werden. Bei den jüngsten Beobach­tungsgängen der Polizei mußte festgestellt werden, daß insbesondere in der Schwarzlach, Am Kugel­berg, in der Friedensstraße, in der Wtlhelmstraße, der Jheringstraße und Auf der Weißerde einzelne Häuser und Wohnungen unzureichend verdunkelt worden waren. Die Ueberwachungsmaßnahmen der Polizei wurden durch Beobachtungsflüge ergänzt. In diesem Zusammenhang muß festgestellt werden, daß die Innenstadt befriedigend verdunkelt ist. Die Beobachtungstätigkeit der Polizei wird in ver­stärktem Maße fortgeführt. In Zukunft können freundliche Belehrungen" nicht mehr erteilt werden, es kann auch nicht bei lediglichgebührenpflichtigen Verwarnungen" bleiben, sondern es muß eben An­zeige erstattet werden gegen alle, die dem Zeit­geschehen jetzt nicht endlich Rechnung tragen wollen.

Auf dem Gebiete der Verdunkelung und ihrer sorgfältigen Durchführung kann auch die Nach­barschaftshilfe sehr am Platze sein. Jeder verständige Volksgenosse wird dankbar sein, wenn der Nachbar ihn freundlich darauf aufmerksam macht, daß da und dort nicht richtig verdunkelt ist. Diese Nachbarschaftshilfe ist nicht nur Dienst am Nachbarn,

noch jemals aufgelegt, einen Christen zu verfolgen. Aber vielleicht hat er eine besondere Nase für Mauslöcher.

Solche gibt es übrigens viele auf dem Anger, man muß eben Glück haben und die paffenden zwei herausfinden. Peter legt vorsichtig seinen Hut auf eines, dann muß sich Paul dazufetzen und ihn festhalten, während er nach dem andern Loch sucht. Lange warten sie schweigend und aufgeregt, Nero läuft von einem zum andern und möchte auch niithalten, aber er wird nur angezischt und kann sich gar nicht erklären, was das für ein neues Spiel sein soll.

Und wirklich, nach einer Weile spürt Paul etwas unter seinem Hut. Peter, ruft er mit zitternder Stimme, ich glaube, sie zwitschern schon!

Ach Gott, und bei Peter rührt sich rein gar nichts daß sie aber auch auf der andern Seite kom­men mußten! Halte nur fest! ruft er zurück. So, und jetzt greif einmal darunter!

Paul greift wirklich unter den Hut, aber das hätte er nicht tun sollen. Plötzlich fährt er mit einem Schrei zurück und springt auf und fangt an, um sich zu schlagen. Es summt und surrt mit einem Mal gefährlich über dem ganzen Anger, und Nero stiebt auch davon, heult mit eingeklemm­tem Schweif und niest verzweifelt in das Gras. Es nimmt ein böses Ende wie alles, wenn Paul daran teilhat. Am Abend ist zwar auch Peter auf einer Wange geschwollen, aber Paul im Ganzen, sein Kopf gleicht einem behaarten Kürbis, schreck-

zytomorphologische Fragen gehalten, die 1939 und 1940 im Botanischen Institut zu Gießen bearbeitet worden sind (Sekrethaare und Sekretproduktion).

Wie aus den Anzeigen der Universität Gießen be­reits bekannt ist, wird Professor Dr. K ü st e r am 26. Juni im Hörsaal des Botanischen Instituts int Rahmen derVolkstümlichen Vorträge und Vor« lesungen" der Universität und zugleich als ßtnn6= Feier 1940 seine Ausführungen über die Garten­kunst der letzten vier Jahrhunderte wiederholen.

Eine Musikschule für Jugend und Volk.

Wie in vielen anderen Städten, wird in der nädp sten Zeit auch in Gießen als ein Gemeinschaftswerk! der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" und der Hitler-Jugend eineMusikschule für Jugend und Volk" ins Leben gerufen werden. Zweck und Ziel der Schule ist, die Musik an alle Schichten der Be- völkerung im Stadt- und Landkreis heranzutragett und es jedem Volksgenossen zu ermöglichen, das Spielen eines Instrumentes zu erlernen und dadurch mit der Musik vertraut zu werden. Der Unterricht ist Gemeinschaftsunterricht und wird in Spielgemein­schaften von drei bis sechs Teilnehmern erteilt. Neben dem sozialen spricht sich also der volksverbindende Charakter aus. Im Unterricht wird der Volksmusik mit ihren Instrumenten besonderes Interesse ge­schenkt. Es wird Unterricht in Blockflöte, Handhar­monika, Piano-Akkordeon, Laute, Gitarre, Mando­line, Klavier und in Blas- und Streichinstrumenten erteilt. Für die Erteilung des Unterrichts haben sich alle Musikerzieher Gießens zur Verfügung gestellt. Die Leitung der Musikschule wirk) Mujiklehrer Blaß übertragen. Der Unterricht wird in Räumen der Goethe- und der Schillerschule erteilt. Mit der Er­öffnung der Schule ist im Juni zu rechnen. Vorher findet noch eine Besprechung mit den Eltern der

Gib doppelt sür das Leben der deuischenSoldaien!

Am Samstag und Sonntag zweiter Spendentag für das Deutsche Kote Kreuz.

Sonderbeihilfen fürGrünlandumbruch und -Verbesserung.

Um der Ertragssteigerung aus bisherigem Dauer­grünland einen noch stärkeren Auftrieb zu geben, hat der Beauftragte für den Vierjahresplan die für den Umbruch von unwirtschaftlichem Dauergrünland zum Zwecke besserer Nutzung bisher vorgesehene Reichsbeihilfe auf 240 RM. je ha erhöht, wenn die umgebrochene Fläche nachweislich dem zusätzlichen Anbau von Früchten dient, die eine unmittelbare oder mittelbare Steigerung der Erzeugung an Fett oder an Faserstoffen ermöglichen. Die Richtlinien enthalten ausführliche Bedingungen über die Ge­währung der Beihilfen sowie über den Gang des Verfahrens.

lich anzusehen. Of(

Peter und Paul sollen in die Kirche gehen. Aber Paul, dem tut wohl kein Weihwasser mehr not, weil 'er ohnehin schon gänzlich aufgeweicht ift von seinen Tränen. Er sitzt in einer Ecke und schluchzt zum Erbarmen, nichts kann ihn beruhigen, bis Barbara endlich herausb»ingt, was ihn so druckt daß ihm Peter nämlich in der Eile die Schuhe verkehrt angezogen hat, den linken für den rechten.

In der Kirche kommen sie neben dem Krämer zu sitzen, der Hieronymus heißt, und die Gewohn­heit hat, das Hochamt für ein Morgenschlafchen auszunützen. Und wie nun der Pfarrer sich am Altar zu den Gläubigen wendet und bekümmert die Hände hebt und, wenigstens für Pauls Ohren, fragend ausruft:Hieronymus, wo bist du? da steht Paul auf und zeigt mit dem Finger aus den Krämer.Hier Herr Pfarrer", sagt er laut,aber

Oer Pechvogel.

Von Karl Heinz Waggerl.

Paul ist ständig von allerlei Unglück verfolgt, ein wahrer Hiob auf seine Art. Immer wieder gerät seine schmächtige verschreckte Gestalt irgend­wo ins Gedränge. Weiß Gott, wie das kommt, er bewegt sich auch so umständlich und vorsichtig, be Ereignisse übereilen ihn sozusagen.

Da besichtigen die beiden Brüder ein neues Aegenfaß, das der Nachbar aufgestellt hat. Es ist ein ziemlich hohes Faß, darum klettert Paul auf bm Zaun und beugt sich über den Rand, aber ber Zaun ist boshaft und knackt plötzlich und läßt ihn kopfüber hineinkippen. Peter steht dabei, er locht und schaut jetzt auch in das Faß, ja, er fin- bet, daß sich Paul da einmal etwas Großartiges cmsgedacht hat. Der Bruder rudert unten im Lasser herum und bläst Luftblasen herauf, und erft nachdem er sich eine Weile gar nicht mehr gt rührt hat, zieht ihn Peter an den Beinen zurück. Aber leider, da fällt er um und ist ganz merk­würdig blau im Gesicht. Die Schwester kommt ge= rennt, was hat Barbara denn? Sie läuft auch blau vor Zorn an, schüttelt den Bruder und schlagt ihn auf den Rücken, und zwischendurch bekommt auch Peter etwas Handfestes ab, weil er bloß da- ,'teht und sich auch noch wundert, der Brudermörder. '! aber bann fängt Paul zu gurgeln und zu keuchen an und speit eine Unmenge Dreckwasser heraus, gottlob, tot ist er nicht. Er wird ins Bett geschleppt Md mit heißer Milch gefüttert, und Peter mutz im Keller sitzen und büßen, wofür denn eigent­lich? Woher soll er wissen, daß es dem Bruder gleich ans Selben geht, wenn ihm einmal etwas Lustiges einfällt? Nun, Peter tröstet sich. Er findet noch ein paar alte Rüben im Keller, Zuckerrüben mag er gern.

Luftschuhpflichten sehr ernst nehmen!

Ein Appell an alle Volksgenossen.

Gastvorträge Professor Küsters in Wien

Wie uns aus Wien berichtet wird, hielt ber Dirett tor des Botanischen Instituts der Universität Gie­ßen. Prof. Dr. E. Küster, Anfang Mai drei Gast, vorträge in Wien. Auf Einladung ües Botanischen Instituts der Universität Wien sprach Professor Di> Küster vor einem Kreis von Botanikern über neue. Forschungsergebnisse, die in seinem jüngst erschie­nenen Buch über Plasmapfropfungen niedergelegt wurden. Seine Ausführungen wurden von Fachge, nofsen und Studierenden, von denen manche durch Küsters richtunggebende Arbeiten in ihrer wissen­schaftlichen Entwcklung bestimmend beeinflußt rour, den, mit größtem Interesse ausgenommen.

In einem zweiten Vortrag sprach ber Forscher vor einer aroßen, vomVerein zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse" unb berZoolo­gisch-botanischen Gesellschaft in Wien" geladenen! Zuhörerschaft überEntwicklung der Gartenkunst seit dem 15. Jahrhundert". Die Gartenkunst gehört zu den bildenden Künsten. Ihre Werke sind ver, gänglich. Was vergangene Jahrhunderte geschaffen! haben, ist der Nachwelt nur durch die Darstellung zeitgenössischer Graphiker und Maler erhalten. In blendendem Vortrag, der die Zuhörer vom ersten Augenblick gefangen nahm, schilderte Prof. KüsteL an Hand vieler Lichtbilder in großen Zügen das Werden und die Entwicklung der Gärten, begonnen' von den kleinen, von Steinmäuerchen umgrenzten Rasenbänken spätmittelalterlicher Himmelsgärtchen bis zu den Parkanlagen moderner Gartenarchitekten.

Der Vortragende, der seit mehreren Jahren korre- spondierendes Mitglied der Akademie der Wissen­schaften in Wien ist, hat weiterhin an einem dritten Tage vor der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der Akademie einen Vortrag über einige

schon wieder bewiesen, daß es diese Worte seines Führers und Obersten Befehlshabers in ihrer voll­sten und letzten Bedeutung auf sich beziehen kann. Wir in der Heimat können unsere tapferen Brüder und Söhne nur mit heißem Herzen und mit den besten Wünschen begleiten.

Und doch können wir noch etwas für sie tun: Durch unsere Spenden zum Kriegshilfswerk für das Deutsche Rote Kreuz tragen wir mit Sorge dafür, daß die Wunden, die der Krieg ihnen schlägt, mög­lichst schnell vernarben. Ihr Einsatz schützt unser Leben, ihr Opfer unsere Existenz: und wenn auch unsere Spende, mag sie so hoch fein wie sie will, nur gering gilt gegen ihre Opfer, so wissen wir doch, daß diese Spenden helfen, auch ihr Leben zu schützen.

Die Parole, zum zweiten Spenbentag des Deut­schen Roten Kreuzes:

Gib doppelt, denn du gibst für das Leben unserer Soldaten!

Aus -er Stadt Gießen.

Don den Maikäfern.

Es ist eigenartig, daß sich der Maikäfer, beson­ders bei Kindern, so großer Beliebtheit erfreut. Es ostet sie keine Ueberroinbung, den trabbelnben Surfchen trotz feines heftigen Sträubens zwischen hre Finger zu fassen unb auf der Hand herum- pazieren zu lassen, wozu sie sich bei einem Rosen- iber Goldkäfer schwerlich verstehen würden, obschon Hefe doch auf ihren Rücken den schimmernden Ab­glanz prunkvoller Edelsteine tragen. Selbst Mädchen unb Frauen zaubern nicht, sich Maikäfer an ihren blanken Armen hochklettern zu lassen, weil ihnen las Gekribbel auf der bloßen Haut anscheinend Ver­gnügen macht.

Als Buben hatten wir große Freude an den in einer Zigarrenkiste eingesperrten Käfern. In wilden Anstürmen versuchten die Gefangenen den Deckel zu heben, und das daran gehaltene Ohr konnte ein lumorendes Tosen vernehmen, als würde im nächsten Augenblick das Kistchen auseinandergesprengt. Der Ausbruch gelang schließlich nach einigen mißglückten versuchen doch, und ehe man es sich versah, waren etliche Ausreißer geräuschvoll davongesurrt. Natür­lich war das Mitbringen von Maikäfern in die kchule verboten, aber gerade darum flog mitten in iner weniger angenehmen Stunde doch zuweilen la und dort ein Summer hoch unb stieß prasselnb n die Fensterscheiben und Decke. Es half nichts, iaß der Lehrer wetterte, bis die Störenfriede lcirm- oH eingefangen und in Freiheit gefetzt waren, erging manche Minute, die wir weniger zu schwitzen atten. Später zogen wir klassenweise in die Än- igen und nahen Waldungen, um sie von der Plage er Maikäfer zu befreien, unb schüttelten die ge- räßigen Käfer von den fast entlaubten Kastanien­md Eichenbäumen. Die Gesammelten wurden in roßen Kesseln mit heißem Wasser, die sonst zur lsphaltbereitung für Bürgersteige dienen, zentner­weise vernichtet. Bei Besuchen auf dem Lande sah ch, daß man die Hühner mit Maikäfern fütterte.

Trotz dieser Massenvertilgung begegnete ich dem Cäfer fast in jedem Jahr, obschon doch nur immer as vierte ein Schwärmer- unb Flugjahr ist. Aber inzelne Engerlinge scheinen Außenseiter zu sein unb ich früher ans Tageslicht zu wagen, wie das ja auch

vobiscum singt, muß er selbst ober die Gemeinde ein Schmunzeln unterdrücken.

Nachher sind sie beim Nachbar zu Gast. Nur eine Weile war Paul allein in der Stube geblieben, er fühlte sich da ganz wohl und zufrieden. Aber bann lief braufeen das Verhängnis in Gestalt eines Ziegenbockes vorbei, unb ber war neugierig unb meckerte ein bißchen unter bem Fenster. Paul lief hin, stieg auf bie Bank unb steckte den Kopf durch das Gitter, um den Bock anzufchauen. Das legte ber aber auf feine Weise aus, er sprang empor unb stieß nach Paul. Nun ist ber Mensch im Gan­zen mehr für bas Vorankommen als für bas Zu­rückweichen eingerichtet, vor allem bie Ohren finb nach biefem Grundsatz gebaut und darum verspreiz- ten sie sich an den Gitterstäben, als Paul jetzt eilig seinen Kopf einziehen wollte. Ach, je mehr er sich wand und krümmte, desto schmerzhafter klemm­ten sich die Ohren fest, es ging nicht, und sein Gegner, der noch nie einen so willfährigen Spiel­genossen gefunden hatte, legte sich immer munterer ins Zeug unb sprang unb stieß, bafe bem armen Gefangenen nur so ber Schübel bröhnte.

Unb als enblich Hilfe kam ja, ber Bock war schnell verjagt, aber Paulchen nicht so leicht gebor­gen. Inzwischen hatten Kopf unb Ohren noch an Umfang zugenommen, unb es ftanb zu fürchten, bafe Paul in zwei ungleiche Hälften zerriß, wenn man weiter fo an seinen Beinen zog. Der Nach­bar mußte mit einer Brechstange kommen unb bie Stäbe auseinanberbiegen, anders war nicht zu helfen.

Nein, mit Paul ist nichts Rechtes anzufangen. Wenn es zutrifft, daß jeder Mensch einen Schutz­engel hinter sich hat, unb es finb, wie sich schließen läßt, nicht bie aufgewecktesten Geister für diesen Dienst ausersehen, so ist jedenfalls ber bes kleinen Paul ein befonberer Ausbunb an Säumigkeit. Im­mer roieber läßt er feinen Schützling auf eine Scherbe treten ober sonst zu Schaden kommen, und wenn alle andern Engeln achtsam um den Kirschbaum schweben, damit sich die Kinder unge­fährdet gütlich tun können, dann hat doch der des Meinen Paul die Augen anderswo unb läßt ihn gleich mit ber ersten Kirsche eine Wanze schlucken, so daß er erbärmlich speien muß. Schaut Paul in den Himmel, so füllt er mit ben Beinen in em Loch: achtet er aber auf die Löcher, so kommt be­stimmt oben ein Balken, an dem er sich eine Beule schlägt,

Krambambuli."

Es ist eine bewegte Geschichte um den Hunds Krambambuli", die ber Wienfilm der Bavaria! nach der gleichnamigen Novelle von Marie von! Ebner-Eschenbach erzählt. Die Filmschaffenben be» fanben sich mit biefer Dichterin von vornherein in guter Gesellschaft. Die lebensnahe Geschichte er­wies sich als ein dankbares Thema. Darsteller von künstlerischem Ernst, eine Regie (Karl K ö stIin), bie bie Gefühle nicht allzusehr in den Dorbergrund brängen ließ, bie schöne Lanbschaft ber Berge, ba5 kraftvolle, oolkstümlich-berbe Milieu, eine ausge­zeichnete Photographie unb nicht zuletzt ein klugen Hund tragen dazu bei, ben Film über bas Niveau bes Nur-Unterhaltungsfilmes hinauszuheben. DiL Hanblung im einzelnen zu fchilbern, wollen wir uns an dieser Stelle versagen, denn es wäre schön, wenn sich durch diesen Film mancher Kinobesucher dazu anregen ließe, sich etwas mehr der großen ostmärkischen Dichterin zuzuwenden, als es im all­gemeinen geschieht. Nur so viel sei gesagt, baß es um einen treuen Hunb geht, ber einem ßanbftreix cher zuläuft unb ihn währenb seines harten, eigen­willigen Lebens begleitet, um schließlich seine Treue mit bem Tobe zu bezahlen.

Dem Lanbstreicher Thomas gab Rubols Prack bie Züge eines oft enttäuschten Menschen, dem ber Weg in bie Gemeinschaft schwer gemacht wirb. Nur in wenigen Szenen mit ber geliebten Bauerntochter Anna läßt er wärmere Töne aufkommen. Viktoria v. B a l l a s k o erfüllt ihre schwierige Rolle mit innigem Leben unb erscheint besonbers eindringlich in den Szenen zwischen den beiden Männern, dem Lanbstreicher Thomas unb dem Jäger Barthel, ben sie bann boch unter bem Zwang des Willens ihrer Mutter heiraten muß. Sepp R i ft stellt den Jäger sympathischer bar, als man ihn sich nach den ersten Szenen vorstellt. Darstellerisch am stärksten erscheint Elise A u l i n g e r als bie hartherzige unb herrsch­süchtige Bäuerin. Eine feine menschliche Figur zeich­net Eduard Köck als pensionierter Briefträger! Adam. Er bildet bas geruhsame Element im Sturm ber Leibenschaften. Mit Anerkennung muß man die Geschicklichkeit vermerken, mit ber ein kluger Hund in ben Kreis ber handelnben Menschen eingefügt ift

Im Beiprogramm wirb ein interessanter Film vom Kreis der Pflichten ber Strompolizei gezeigt. Die Wochenschau führt in das Gubbrandsbal unb läßt unmittelbaren Anteil an den Kämpfen nchmew [ ------ fci. L Neuner,

Die neue Lage, wie sie sich burch bie jüngste Ent­wicklung der Kriegsereignisse ergeben hat, zwingt dazu, daß von allen Volksgenossen die Pflichten des Luftschutzes bis zur äußersten Konsequenz ernst ge­nommen und alle Maßnahmen getroffen werden, bie hinlänglich bekannt sind, und die mit aller Sorgfalt durchzuführen. In einer Besprechung, die zwischen dem Kommandeur der Schutzpolizei, Major Hellwege-Emden, und den Vertretern der Gießener Presse ftattfanb, wurde nochmals und auf bas einbringlichste barauf hingewiesen, baß von ber Bevölkerung erwartet werben muß, baß sie ben zwingenben Erforbernissen ber Gegenwart Rechnung trägt unb nicht etwa burch eine Leichtfertigkeit, burch eine Nachlässigkeit ober gar burch böswillige Unter­lassung bie Stabt auf bas schwerste gefährbet.

Von jebermann, ber innerhalb unserer Volks­gemeinschaft als verantwortungsbewußter Volks­genosse gelten will, muß erwartet werben, bafe bie Verbunkelungsmafenahmen so burchgeführt werden, bafe ein hundertprozentiger Erfolg ge­sichert ist. Ferner mufe dafür Sorge getragen werden, bafe alle Sicherheitsmaßnahmen innerhalb eines jeden Hauses den Vorschriften und ben Anregungen, die in ber Vergangenheit in ausreichendem Maße ergangen finb, entsprechend) getroffen werden. Es muß Wasser bereitstehen. Die Feuerpatsche muß zur Hand sein. Werkzeug muß bereitliegen für ben Fall, daß man sich selbst aus gefährbeter Lage befreien ober anberen helfen muß. Für jedes Haus sollte eine Hausapotheke zur Verfügung stehen, um wenigstens die notwendige erste Hilfe leisten zu können. Mit gutem Willen finb bie vom Luftschutz erhobenen Forderungen zu erfüllen. Wer für sachgemäße Luft­schutzeinrichtungen sorgt, dient in erster Linie sich selbst.

Leider mußte gerade in den vergangenen vier Tagen von den Organen der Polizei in zahlreichen Fällen sestgestettt werden, daß es immer noch Volks­genossen gibt, bie die Zeichen der Zeit nicht erfaßt haben. Es kann nicht abgewartet werden, bis auch diese letzten Verständnislosen erst durch einen viel­leicht durch sie verschuldeten Ernstfall eines Besseren belehrt werden. Es geht nicht an, bafe (wie es in biefen Tagen geschah) Volksgenossen in Anbetracht des langen Tages davon absehen, ihre Wohnung zu verdunkeln unb zu Bett gehen, wenn die Dunkelheit eben hereingebrochen ist: unb nächt­licherweile, wenn die Alarmsirene ertönt, bann ben Lichtschalter anknipsen hinter unverbunkel- ten Fenstern! Selbstverstänblich müssen die Türen, bie von beleuchteten Räumen in unbenützte unb unverbunkelte Räume führen, sorgfältig ge­schlossen gehalten werben, benn auch ein burch-

Mit Hühneraugen wandernd Das geht wohl schlecht. Doch Kurt weiß da Rat: Elastocorn mit dem Filzring draufleger», dann merkst du kaum noch etwas beim Gehen, und in ein paar Ta­gen ist dein Hühnerauge weg.

Volkstümliche Vorträge unb Vorlesungen ber Lllb- igs-Universität Gießen: 20.15 Uhr Vortrag von Pro- stsor O l t überKrankheiten des Wildes" im Vete- inär-Pathologischen Institut, Frankfurter Straße 94. *- Gloria-Palast, Seltersweg:Krambambuli".

Heute keine Vorstellung im Stabt- Heater. Heute abend findet Beine Vorstellung im ttadttheater statt. Die 31. Vorstellung der Mittwoch- lliete wird noch bekanntgegeben.

Notizen für den 16. Nlcn.

Sonnenaufgang 5.29 Uhy, Sonnenuntergang 21.14 ihr. Monduntergang 2.47 Uyr, Mondaufgang -149 Uhr.

Ortsgruppe Gießen-Güd.

Am Donnerstag, 16. Mai, findet ab 13 Uhr eine lltpapiersammlung durch das D. I. in der rtsgruppe Gießen-Süd statt. Die Haushaltungen werden gebeten, das Altpapier vorzusortieren und -hoch den einzelnen Papiersorten gebündelt im Haus­flur oder an der Vorsammelstelle abzulcgen.

Altpapiersammlung der gesamten Hitler-Jugend.

Vorn 15. bis 18. Mai führt bie gesamte Hitler­jugend in ganz Deutschland eine umfassende Alt- □pierfammlung durch. Alles noch brauchbare Alt- npier soll gesammelt unb neuer Verwenbung zu- i?führt werden. Pimpfe und HI., Mädel und IM. »mmen in diesen Tagen in eure Häuser unb holen i35 Papier ab. Wir bitten jebe Familie, sauberes, I altes Altpapier aller Art zurechtzulegen, bamit bas Ibholen sich schnell vollzieht. Macht euch, bitte, bie eine Mühe des Zusammensuchens unb Zurecht- igens und unterstützt dadurch diesen Kriegseinsatz er Jugend!

Was immer dem Bruder geschieht, Peter hat es alzubüßen. Ein andermal macht sich Peter daran, osiße Mäuse zu fangen. Der Nachbar hat gesagt, ik gebe welche auf bem Anger, er böte einen gan­zen Lebkuchen für bas Stück. Sie wohnten in ' ä Bauen mit zwei Lochern, unb wenn man auf je­des Loch einen Hut stülpe, dann dächten sie, es fei Nacht und kämen heraus.

Gut, Peter leiht sich beim Nachbar den $unb 'Pfarrer fein* Dominus

ms, der Nero heißt, obwohl er weder jchworz WM »no 1° oec 1