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schützten Arten nachzustellen, sie mutwillig zu be­unruhigen, zu fangen oder zu töten.

Tluht die Maulbeerpflanzungens

In fast allen Ortschaften sind in den letzten Jahren Maulbeerkulturen angelegt worden, die je nach Alter und Entwicklung nun zur Durchführung von Seidenrauoenzuchten herangezogen werden können und müssen. Es ist bekannt, daß die Seiden- raupe einen sehr wertvollen Faden erzeugt, der durch keinen künstlichen ersetzt werden kann und von der Industrie, besonders von unserer Wehr­macht, in bedeutendem Umfange benötigt wird. Die­ser große Bedarf führte dazu, daß £er deutsche Seidenbau in den letzten Jahren eine so umfang­reiche Förderung erfuhr, an der sich außer privaten Interessenten alle nur irgendwie in Betracht kom­menden Behörden mit Nachdruck beteiligten. Die Anpflanzungen geben nun vielen Volksgenossen die Möglichkeit, den Seidenbau, diesen wieder ein- aeführten Zweig der Kleintierzucht, aufzunchmen. Diele tausend sind schon am Werke, ab^r vielen wei­teren tausend bietet sich hier ein Feld zur Mit­arbeit. Wer Interesse an der Kleintierzucht hat und sich in den Sommermonaten etwas dazu verdienen will, treibe Seidenbau. Der Bürgermeister oder der Lehrer des Ortes werden gern über die in der Ge­meinde vorhandenen Maulbeerpflanzungen Aus­kunft geben und mitteilen, ob noch Laub für einen neuen Seidenbauer abgegeben werden kann. Wer Seidenbau betreiben will, unterrichte sich bald über die im Ort gegebenen Möglichkeiten; denn die Be­stellung der Seidenspinnerorur, die kostenlos gelie­fert wird, muß nunmehr der Reichsfachgruppe Sei- oenbauer, Berlin W 50, Neue Ansbacher Straße 9, zugeleitet werden. Die Reichsfachgrupve Seiden­bauer gibt auch Auskunft und versendet Aufklä­rungsschriften.

Landkreis Gießen.

Watzenborn-Steinberg, 14. März. Am Mittwochabend lud eine zur Zeit hier einquar- tterte Einheit die Dorfbewohner zu einem Dorf- a e m e i n s ch a f t s a b e n d in die Vchkshalle ein. Der große Raum war dicht besetzt. Die Gau-Sing- und Spielschar unter der Leitung von Heimatdichter Georg Heß (Leihgestern) trug zur Verschönerung des Abends bei. Nach Worten der Begrüßung und des Dankes der Einheit für die freundliche Auf­nahme in den Quartieren und nach der Verteilung von Briefen und Päckchen an die Gäfte trug die Musikkapelle einige Musikstücke vor. Im weiteren Verlauf des Abends wechselten Volkstänze und Volkslieder der Gau-Sing- und Spielschar, Dor- träge des Heimatdichters Georg Heß und Musik- stücke miteinander ab. Schließlich wurde auch zum Tanze Gelegenheit gegeben. Der Abend war ein deutlicher Ausdruck der schönen Verbundenheit.

Sicherungsverwahrung für einen Manteldieb

LPD. Marburg, 14. März. Im Oktober machte sich ein junger, gut gekleideter Mann wäh­rend der Dorlesungsstunden in der Kleiderablage des Botanischen Instituts dadurch verdächtig, daß

Handels- und Gewerbebank Gießen.

Die Handels- und Gewerbebank e. G. m. b. H., Gießen, hielt am gestrigen Donnerstagabend unter Leitung ihres Aufsichtsratsvorsitzenden, Amtsge- richtsrat Gros, ihre 81. ordentliche Generalver­sammlung ab. Der Vorsitzende wies eingangs auf die Ereignisse des abgelaufenen Jahres und den großen Entscheidungskampf mit den Westmächten hin und stellte dann mit Befriedigung die günstige Entwicklung der Genossenschaft fest. Er betonte be­sonders die Leistungen der Gefolgschaft, die den stark gestiegenen Umsatz bewältigen mußte, trotz­dem fast 50 v. H. der Belegschaft, darunter ein Vorstandsmitglied, zum Heeresdienst einberufen worden waren.

Direktor Arnold erstattete den Geschäftsbericht. Das abgelaufene Geschäftsjahr brachte eine leb­hafte Geschäftstätigkeit. Der Gesamtumsatz auf bei­den Seiten des Hauptbuches stieg von 200 auf 230 Millionen Reichsmark. Seit 1933 haben sich die Umsätze noch mehr als verdreifacht. Die Bilanz­summe stieg von 4 549 789,65 RM. auf 4 976 568,36 RM., hat also die Fünfmillionengrenze fast erreicht. Besonders erfreulich ist die Steigerung der fremden Gelder, die einen Betrag von 4118 787,49 RM. erreicht haben. Die Spareinlagen und festen Gel­der betrugen 2 335 819,54 RM., die Einlagen in laufender Rechnung 1 782 967,95 RM. Die Sparer haben bei Kriegsausbruch eine vorbildliche Hal­tung bewahrt. Es ist zu keiner einzigen nennens­werten Abhebung gekommen, es war vielmehr eine ständige Zunahme der Spareinlagen zu verzeich- nen. Im Kreditgeschäft gestattet Oie starke Geld- flüsfigkeit, alle berechtigten Kreditwünsche zu de- frieoigen. Es wurden 73 neue Kredite im Gesamt­beträge von 654 990, RM. ausgeliehen. Da aber besonders zum Jahresschluß auch erhebliche Rück­flüsse stattfanden, ging die Gesamtsumme der Aus­leihungen einschl. Geschäftswechsel von 3 324 959,44 RM. Ende 1938 auf 2 708 505,48 RM. Ende 1939 zurück. Dabei fiel besonders der Rückgang des Wechseldiskontgeschäfts ins Gewicht. Der Wechsel­bestand am Jahresschluß betrug nur 359 301,68 RM., gegen 597 502,20 RM. im Vorjahr. Der An- fall von Warenwechseln in der gesamten Wirtschaft war wesentlich geringer. Trotzdem konnten xipd) 5303 Wechsel im Gesamtbetrag von 2 460 889,24 RM. angekauft werden. Aus der vorgelegten Kre­ditgliederung geht eine gesunde Risikoverteilung hervor. Wesentlich gesteigert war der Scheckverkehr.

Es wurden 1939 = 39 736 fremde Schecks im Ge­samtbetrag von 11 007 375,82 RM. zum Einzug hereingenommen. An bemerkenswerten Bilanzzif­fern weift der Abschluß per 31. Dezember 1939 noch aus: Kasse, Reichsbank und Postscheck 259 575,45 RM. (im Vorjahr 171921,60 RM), Wertpapiere 557 083,73 RM. (245 742,20 RM ), Bankguthaben 1 148 402,70 RM. (444 165,41 RM.), Anlagever­mögen 312 197,77 RM. (363 001, RM.), Ge­schäftsguthaben der Mitglieder 454 672,37 RM. (457 998,03 RM.), Avale und Bürgschaften

366 724,99 RM. (463 040, RM.), Giroverbindlich­keiten keine. Die Zahlungsbereitschaft war außer­ordentlich groß. Die liquiden Mittel Überstiegen die täglich fälligen Gelder erheblich. Die flüssigen Mit­tel betrugen am Jahresschluß 2 316 833,98 RM. und deckten die täglich fälligen Verbindlichkeiten mit 130 v. H. und die gesamten kurz- und langfristigen Verbindlichkeiten mit 56 v. H.

Der gesteigerte Geschäftsumfang brachte erhöhte Einnahmen aus Zinsen und Provisionen, denen aber auch vermehrte Aufwendungen gegenüber» stehen. Unter den Aufwendungen erscheinen 1800. RM. Jahresbeitrag zu dem Garantie-Fonds des Deutschen Genossenschaftsverbandes. Dieser Ga­rantie-Fonds stellt eine Gemeinschaftsleistung aller gewerblichen Kreditgenossenschaften dar und ist als freie Generalreklame zu betrachten. Ihm fließen aus Verträgen der gewerblichen Kreditgenossenschaf, ten jährlich nahezu eine Million Reichsmark zu. Die Verträge richten sich nach dem Geschäftsum­fang der Genossenschaft.

Das Geschäftsjahr erbrachte einen Reingewinn von 36 510,73 RM. (im Vorjahr 35 688,39 RM.), nach- dem schon im voraus ausreichende Rückstellungen und Abschreibungen auf Immobilien, Mobilien und Außenstände vorgenommen worden sind. Es wurde beschlossen, wiederum 5,50 v. H. Dividende an die Genossen zu verteilen, die gesetzliche Reserve durch Zuweisung von 9910, RM. auf 210 000 RM. zu erhöhen und den Rest von 3 084,51 RM. auf neue Rechnung vorzutragen. Der Geschäftsbericht und die Bilanz wurden einstimmig genehmigt.

Bei den Ersatzwahlen zum Aussichtsrat wurden die turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder Ludwig Stühler, Louis Vogt, Hans Will und Dr. Paul Wolkewitz wiedergewählt.

Der Vorsitzende schloß bann die Versammlung mit dem Sieg-Heil auf Führer und Vaterland.

er sich die Mäntel genau betrachtete. Ein Ange­stellter kam gerade noch rechtzeitig, um den sich eiligst entfernenden Fremden, der zwei Mäntel an- gezogen und zwei auf dem Arm trug, festzuhalten. Bei seiner Vernehmung, wie auch bei seiner Ein­lieferung im Gefängnis gab er einen falschen Na­men an. In dem Hotel, m dem er die Nacht ver- brachte, hatte er sich anders genannt und als Stu­dent ausgegeben. In Wirklichkeit handelte es sich um den schon dreizehnmal vorbestraften 1911 in M.-Gladbach geborenen Friedrich Schnurbusch. Der Manteldieb wurde wegen Diebstahls im Rück­

fall, falscher Namensangabe und intellektueller Ur­kundenfälschung zu 2% Jahren Zuchthaus, zwei Jahren Ehrverlust und Sicherungsver- w a h r un g verurteilt.

Brieffaften der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)

h. 2TI. in G. Das Feuerwehr-Ehren^-ichen kann an der großen Ordensschnalle und zum ^i-nstanzug getragen werden.

G. A.-Gpori.

Handbali der Sauklaffe in der Staffel Gießen.

Nach dem bescheidenen Versuch des Vorsonntags kommt allmählich auch in die Svielreihe des Fach­amtes Handball wieder etwas Leben. Das um so mehr, als sich dieLage" zuzuspitzen beginnt, und der Meister auf seine Ermittlung wartet. Es wird, wie schon erwähnt wurde, diesmal etwas schneller gehen, weil es nicht möglich ist, Fehler der Vor­runde bei den Rückspielen auszugleichen. Die ein­fache Runde hat vollsten Einsatz von vornherein verlangt. Wer eben sofort entsprechend dabei war, hat gewonnen und wird zweifellos auch den End­sieg davontragen, es sei denn, daß noch größere Ueberraschungen Zustandekommen, als wir sie be­reits gewohnt sind.

Diesmal wird sich vielleicht manches entscheiden. Denn immerhin stehen ja die wichtigsten Treffen noch aus. Es sind angesetzt:

Tv. Domholzhaufen Mtv. Gießen

Tv. Holzheim To. Lützellinden Tv. Katzenfurt Tv. Garbenheim.

Wir wissen, daß sich die Mannschaft des Mtv. Gießen diesmal etwas vorgenommen hat. Denn ein abermaliger Spielverlust würde sie derart zu­rückwerfen, daß der Anschluß nicht mehr gefunden werden könnte. Das soll eben unter allen Um­ständen verhindert werden. An und für sich ließe sich dagegen nichts sagen, wenn man nicht wüßte, wie es um Dornholzhausen bestellt ift Die Mann­schaft ist ob ihrer Schnelligkeit und ihres technischen Einsatzes zur Genüge bekannt. Sie hat auch oft genug bewiesen, daß kein Gegner, und sei er noch so stark, gewinnen kann, wenn alles klappt. Im Bewußtsein dieser Stärke gehen die Männer ans Werk.

Vollkommen offen sollte der Kamps in Holzheim werden. Beide Gegner setzen sich aus jungen Kräf­ten zusammen, denen vielleicht noch die Spielerfah­rung ihrer älteren Kameraden fehlt. Immerhin bürgen sie für einen rassigen Kampf, der auch oie nötige Spannung haben sollte. Holzheim ist es seinen Anhängern schuldig, die vorsonntägige Nie­derlage aus.zugleichen, während Lützellinden an­dererseits ebenfalls wieder einmal für ein gün­stiges Ergebnis sorgen muß.

Garbenheim fährt nach Katzenfurt und will, wenn nicht wieder einmal alles trügt, dort gewinnen. Das wird Katzenfurt, von dem man ja nun end­lich auch wieder einmal etwas hören muß, zu be­weisen haben.

Frankfurter Schtachtviehmarkt.

Frankfurt a. M., 15. März. Der Hauptmarkt für Großvieh und Nebenmarkt für Kälber und Schweine war genügend beschickt. Das gesamte Vieh wurde bei reger Nachfrage zu etwa folgenden Preisen zugeteilt: Ochsen 36,5 bis 46,5, Bullen 34,5 bis 44,5, Kühe 18 bis 44,5, Färsen 25 bis 45,5, Kälber 25 bis 65, Hümmel 30 bis 51, Schafe 20 bis 44, Schweine 49,5 bis 55,5. Die nächsten Vieh­märkte finoen am 19. und 20. März statt.

Friedrich Frekfa: Garibaldi, das Schwert Italiens. Preis in Leinen gebunden 3,80 RM. Kyffhäuser-Derlag, Berlin W 30. (20) Garibaldi, der Herold des italienischen Volkes im Kampf um feine Einigung, stand unserem Eltern noch höchst lebendig vor Augen. Heute ist es vor dem Bild des modernen faschistischen Italien still geworden um den großen Verschwörer und Frei­heitskämpfer im roten Hemd, und doch ist dies mo­derne Italien nicht denkbar ohne Garibaldis Hel- denleben. Dies auch uns Deutschen, vor allem wohl unserer Jugend wieder nahezubringen, hat sich Friedrich Freksa zur Aufgabe gestellt und er hat ein Volksbuch in bestem Sinne geschaffen, das in schlichter, anschaulicher Sprache von Garibaldis Le­ben für die Einheit Italiens erzählt und dabei auch die geschichtlichen Zusammenhänge knüpft, ohne fein Buch mit schwerem wissenschaftlichem Gepäck zu be­lasten. Dr. Fr. W. Lange.

Toni Attenberger: Der lachende Pudel und andere Geschichten um Tiere und Menschen. Preis geb. 4,50 RM. Breidensteins Der- lagsges. Frankfurt a. M. (17) Der Verfasser, durch feine Tierfilme weiten Kreisen bekannt, ver­meidet den Fehler vieler Tierbücher, den Tieren Eigenschaften unterzulegen, die sie nicht haben, ihrer ganzen Natur nach auch gar nicht haben können. Ohne diese falsche Glorifizierung bleibt an den Tieren immer noch Wunderbares genug, daß eine so inten- fine Beschäftigung mit ihnen, wie Attenberger sie gepflegt hat, ein tausendfacher Gewinn ist. Und ge­rade has besagen seine hübschen Geschichten, die er originell und fesselnd zu erzählen weiß. Besonders auch unserer Jugend wünscht man dies Buch in die Hand. Dr. Fr. W. Lange.

Erich Retzlaff und Wilhelm Peß- ler: Niederdeutschland. Landschaft und Volkstum. 52 farbige Aufnahmen. Verlag Knorr & Hirth, München. Leinen 7,80 RM. 135) Die Volkstumskunde hat durch die neue Farbenphoto­graphie die Möglichkeit erhalten, Bauwerke, Haus­rat, Siedlungen und Landschaften, aber auch Trach­ten und Rassen in ihrem Zusammenklang natur­getreu wiederzugeben. Niederdeutschlands Lage, Boden, Volk und Kultur besondere Art innerhalb des Gesamtdeutschtums bezeugen ein halbes hundert herrlicher Farbaufnahmen: Da find die großen Landschaften, wie ejroa die kurische Nehrung, die mannigfaltigen Städtebilder, wie der Blick auf Alt- Lübecks Häuser- und Dächermeer, typische Bauern­häuser, Fischer und Bauer an der Arbeit oder das Mädchen am Spinnrad, da sind die meisterhaft ge­lungenen Köpfe, Trachten, Architekturen und Kunst­werke! Und wie Retzlaff aus der Fülle des Stoffes eine vortreffliche Auswahl bringt, so ist es Dr Peßler, dem Leiter des Niedersächsischen Volkstums- museums in Hannover, gelungen, uns Nieder­deutschland auch im Worte lebendig zu machen.

- Johann Saathoff: Der eigene ©arten. Anlage, Bepflanzung und Pflege. Ein Gartenbuch für jedermann. Zweite, neubearbeitete Auflage. Mit 192 Abbildungen. Verlag von Daul Parey in Berlin'8>V 11. Gebunden 4,80 RM. Der eigene Garten soll nicht nur der Erholung bie­nen, sondern in heutiger Zeit ganz besonders auch reichlich Obst und Gemüse für den Haushalt liefern. Ihn hierfür richtig anzulegen und zu bewirtschaften, erfordert ein umfassendes und vielseitiges Wisern Wer sich hierfür den ständigen Rat eines zuver- lässigen Fachmannes sichern will, dem sei das Gar­tenbuch von Saathoff empfohlen, das in besonders geschickter Form alle die Fragen erörtert, die den Gartenfreund auf Schritt und Tritt bewegen. Dabei geht er sehr geschickt so vor, wie die einzelnen Fra­gen an den Gartenfreund heranzutreten pflegen.

Neues für den Büchertisch.

Karl Stählin: Geschichte Ruß­lands von den Anfängen dis zur Ge­genwart. Band IV in zwei Teilbänden mit Karten, Stammtafel und Register. Preis in Halb­leinen geb. 45,00 RM. Ost-Europa-Verlag, Königs­berg (Pr.) Das bewunderungswürdige Lebens­werk des greifen baltischen Gelehrten, das eine empfindliche Lücke unserer geschichtlichen Literatur ausfullt, liegt nun abgeschlossen vor uns. Der mehr als elfhundert Seiten umfassende Schlußband, der die Zeit von Alexander 11. bis zum Sieg der bol­schewistischen Revolution umspannt, verstärkt nur noch den Eindruck der oorausgegangenen drei Bände. Bei einer erstaunlichen Beherrschung der Details wahrt Stählin stets die große Linie. Aus einer peinlich genauen Ausschürfung der Quellen fügt sich ihm Stein auf Stein zu einem ungemein farbigen Mosaikbild des politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und vor allem auch sozialen Lebens des russischen Volkes in seinen Wandlungen durch die Jayrhunderte. Ungeheuer plastische Porträts ent­wirft er von allen bedeutenden Persönlichkeiten der Zeit, schildert die sich widerstreitenden Einflüsse am Zarenhofe, das Leben der russischen Gesellschaft, die politischen und sozialen Strömungen, und stellt die Außenpolitik der russischen Großmacht in den Rah­men der jeweiligen weltpolitischen Situation. Es will schon etwas heißen, wenn man kühn behaupten darf, daß trotz der erdrückenden Fülle des Stoffes die Spannung immer wach bleibt und man niemals den Zusammenhang mit der allgemeinen Entwick­lung verliert. So ist Stählins Werk das Beispiel subtilster deutscher Geschichtsschreibung im Sinne Rankes Dr. Fr. W. Lange.

William von Simpson: Der Enkel, Roman. (41. bis 62. Tausend.) Preis in Seinen geb. 8,50 RM. Verlag Rütten & Loening in Potsdam. (48) Es ist der Enkel des Wiesenburgers, jener imponierenden Gestalt eines ostpreußischen Aristokraten der ausgehenden Bismarckzeit, die den ersten Band des Familienromans der Varrings be­herrschte. Daß in diesem zweiten Bande eine ähn­liche, die Handlung tragende Mittelfigur fehlt, mag man symbolisch deuten können, denn sie fehlte ja auch aufs Ganze gesehen, ebenso sehr der Wilhel­minischen Aera überhaupt, die das zeitgeschichtliche Kolorit dieses Romans abgibt. Uno doch ift die menschliche Entwicklung des von einer kurzsichtigen und eigensüchtigen Mutter um die Scholle seiner Ahnen betrogenen jungen Barring vom unfrohen, verdrossenen, mit sich und der Welt haderndem Jüngling zum lebenbejahendem Manne, der den Schmerz um das Verlorene In sich niedergekämpft hat und neben einer tüchtigen, in ihrer Ausgabe als Landfrau ganz ausgehenden Gattin tapfer und ver- trauensvoll in die Zukunft schaut, ebenso fesselnd erzählt, wie der äußere Lebensweg von den nicht leichten Lehrjahren auf einer ostpreußischen Sand- büchse und einem Intensiv bewirtschafteten Rüden- gut in Westpreußen, unterbrochen von einem aus der heutigen Perspektive besonders interessant ge­schilderten Ausentyalt auf einem alten englischen Adelssitz, von der Dienstzeit bei den Frankfurter Husaren bis zur eigenen Seßhasimachung in dem geliebten Ostpreußen. Ein großer Kreis wertvoller und Interessanter Menschen tritt uns auch in diesem Bande entgegen und stets ist zwanglos die Be­ziehung zum Gesamtleben der Nation hergestellt, so daß wir aus der Schau eines überlegenen Betrach­ters ein eindringliches Bild der politischen, mir! schriftlichen und sozialen Entwicklung einer Epoche erhalten, die den Weiteren unter uns noch durchaus gegenwärtig ist. Zudem spricht hiev nicht nur ein

ausgezeichneter Kenner der ostdeutschen Landwirt­schaft und ihrer besonderen ökonomischen Probleme, sondern auch ein begeisterter Künder der landschaft­lichen Schönheiten des deutschen Ostens. Das macht das Buch für uns hier im Westen und in einer Zeit, die den Schwerpunkt des Reiches so offensicht­lich nach Osten gerückt hat, doppelt interessant und wertvoll. Dr. Fr. W. Lange.

Heinrich Hauser. Im Kraftfeld von Rüsselsheim. Mit 80 Farbphotos von Dr. Paul Wolff. Preis in Leinen geb. 9,80 RM. Verlag Knorr & Hirth, München. (34) So sehr die moderne Technik und ihre industrielle Auswer­tung unser Leben durchdrungen hat, so wenig hat das bisher einen literarischen Niederschlag gefunden, der auch dem Laien einen Begriff von der Intensität und Vielfalt industriellen Schaffens geben könnte. Der Verfasser, dem wir schon eine ungemein ge­lockerte und eindrucksvolle Geschichte der Opelwerke verdanken, hat nun den ganzen, von der Motorisie­rung befruchteten industriellen Sektor zum Gegen­stand einer Reportage gemacht, deren Ergebnis nun in diesem, man darf wohl sagen einzigartigen Buche vorliegt. Denn selten genug ist es bisher gelungen, die Technik soweit der Sachlichkeit zu entkleiden und technische Vorgänge in einer Sprache darzustellen, daß auch der blutige Laie sich angesprochen fühlt. Das ist hier Heinrich Hauser in einem erstaunlichen Maße gelungen, denn bei aller anmutigen Be­schwingtheit der Schilderung bleibt Hauser doch im­mer sachlich bei sachlichen Dingen und erhält damit das Vertrauen seiner Leser, die ihm mit unver­minderter Anteilnahme auf feiner Fahrt durch die industriellen Vorstufen des Automobilbaus folgen. Ein Meister der Kamera, der Frankfurter Paul Wolff, hat das Buch mit Farbphotos von faszinie­render Schönheit und ungeheurer Dramatik aus­gestattet. Dr. Fr. W. Lange.

Wilhelm Treue: Die Eroberung der Erde, auf den Spuren der großen Ent­decker, mit 32 Bilderseiten und 30 Textzeichnungen und Kärtchen. Deutscher Verlag, Berlin, Preis' in Ganzleinen geb. 8,50 RM. (22) Der Kampf gegen die weihen Flecken auf unserem Globus ist einer der schwersten und ruhmreichsten der Mensch­heit. Er forderte zu allen Zeiten ganze Männer von Verstand und Phantasie, von Zähigkeit und Kühnheit. Von ihnen spricht dieses Buch, wobei es die meist übliche Methode des Aneinanderreihens biographischer Porträts der großen Entdecker zu­gunsten einer Entdeckungsgeschichte der einzelnen Erdteile fallen gelassen hat. Der Vorteil liegt auf der Hand. Das zusammenhängende Bild, das man auf diese Weise erhält, wird nicht getrübt durch irgendwelche Zufälligkeiten im Lebensgang der Ent­decker, und doch ist die Darstellung, da sie sich zu­meist auf zeitgenössische Berichte stützt und Die Forschungsreisenden selbst sprechen läßt, ungeheuer farbig und unmittelbar geblieben, so daß ein Buch entstanden ist, das, zumal es auch noch mit aller Sorgfalt illustriert wurde, vor allem in die Hand unserer Jugend gehört, die es für Kühnheit und Wagemut, Wissenstrieb und Opferbereitschaft als ewige Tugenden echten Mannestums begeistern wird. Dr Fr. W. Lange.

Dr. Otto Höver: Deutsche Seege- s chi ch t e, mit 48 Abbildungen. Preis Leinen 4,80 RM Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion, Potsdam (38) Deutsche Seegeschichte das Wort erhält in diesen Tagen einen neuen Klang, da die Taten unserer Kriegsmarine die ganze Welt, zur Bewunderung zwiilgen. Um so aktueller er- scheint dieser fesselnd geschriebene Ueberblick über die

Ereignisse und Gestalten der deutschen Seefahrt von der Vorzeit bis zur Gegenwart. Die beispiel­lose Dramatik, die kn der von äußersten Gegensätzen bewegten Entwicklungsgeschichte der deutschen See­geltung liegt, wird erhöht durch die sachlich klare Darstellung, die einen Zeitraum von Jahrtausenden umspannt, mag auch die deutsche Seefahrt selbst erst seit weniaen Menschenaltern in das Bewußt­sein des deutschen Volkes eingedrungen sein.

Clemens Laar: Der große Marsch. 21. und 25. Tausend. Verlag C. Bertelsmann, Gü­tersloh. Preis in Seinen geb. 4,80 RM. (18) Auf eine seltsam eindringliche Art hat Clemens Laar hier die Atmosphäre jener schwülen Sommer­tage des Schicksalsjahres 1914 eingefangen. In bun­tem Wechsel von Erzählung, Dokument, Zeitungs­ausschnitt, Tagebuchblatt entsteht vor uns ein Zeit­spiegel, der Ereignisse, Menschen, Eindrücke, Ge­fühle, Stimmung jener Tage in all ihrer Vielfalt und in all ihren Kontrasten zurückwirft. Wir haben heute soviel Abstand gewonnen, daß ein Buch, das die damalige Zeit gleichsam selbst sprechen läßt, für uns nicht ohne tiefen Eindruck bleibt.

Dr. Fr. W. Lange.

Buschkameradschaft. Von Walter H i e tz i g, Farmer in Südwest. Ein Tatfachenroman aus Deutsch-Südwest und Angola. (Verlag von Wil­helm Köhler, Minden, Westfalen. Mit 35 Fotos nach eigenen Aufnahmen des Verfassers. Gebd. 4,80 RM.) 358. In diesem fesselnd geschriebe­nen Buche schildert ein Mann, der alles selbst er­lebt hat, Afrika ganz unromantisch, ungeschminkt und wahrheitsgetreu. Vielfältiges Erleben und Schauen durch lange Jahre, tiefempfundene Anteil­nahme an dem Geschick seiner Landsleute, klare Er­kenntnis der wirtschaftlichen und politischen Zusam­menhänge und Untergründe sind die Voraussetzun­gen für ein solches Buch, dem man es anmerkt, daß Der innere Zwang zur Befreiung und Gestaltung dem Verfasser die Feder in die Hand gegeben hat. Das Buch wird wegen der packenden Schilderung dramatischen Geschehens mit Spannung gelesen mer­ken, es wird Verbundenheit mit dem Leben und Geschick unserer deutschen Brüder im fremden Lande erwecken und durch die Fülle des Stoffes die Kennt­nis der wirtschaftlichen und politischen Zustände unserer Kolonien bereichern. Möge das Buch viele Leser und Freunde finden und überall dem deutschen Kolonialgedanken ein guter Förderer sein.

Rolf ßaurfner: Eine kleine Nacht­musik. Mozarts Erlebnis auf der Reise nach Prag. 54 Abbildungen. Verlag F. Bruckmann, München. Gebunden 3,80 RM. Der als Dramatiker wie als Textdichter erfolgreicher Filme u. a.Der alte und der junge König" bekannt gewordene Verfasser läßt in diesem neuen Filmwerk, das Mörikes No­velleMozart auf der Reife nach Prag" benutzt, den Menschen und Künstler Mozart auf eine anmutige und fesselnde Art lebendig werden. Man fühlt sich schon nach der Lektüre von ein paar Buchfeiten mitten drin in der heiteren Welt Mozarts, spürt feine Persönlichkeit, ist umwogt von der beschwing­ten Melodik seiner Musik und bezaubert von der Grazie und dem Reiz des späten österreichischen Ro- koko Mozart hat sich auf dem Wege nach Prag in die hübsche Nichte des Grafen von Schinzberg ver. liebt, auf dessen Schloß seineKleine Nachtmusik" gespielt und von einem Ballett getanzt wird Für den Meister ift es ein kurzes Abenteuer, das ihn zu dem noch fehlenden Schluß seinesDon Juan" in­spiriert, für das schöne Mädchen, das ganz in des Meisters Musik aufgeht, endet es mit Tränen und schmerzlichem Verzicht. Wem Mozart vertraut ist, der wird von dem Buche entzückt fein, das Willy Widmann mit reizenden Bildern geschmückt hat; w-r ihn liebt, wird ihn nach der Lektüre noch herzlicher verehren. Peter Bauer.