Ausgabe 
15.3.1940
 
Einzelbild herunterladen

Hr.64 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Zreitag, 15. März 1940

Für den Tag der Wehrmacht

kfl«

Oeffentliches Eintops-Effen mit Konzert

NS'GmeWltzofl Ä

-QStO

Die v'

(Nachdruck verboten!)

9. Fortsetzung

KrrrFL-

S0126-31.9

Gießen-Ost: Ecke Kaiserallee/Licher Straße Gießen-Mitte: Ecke Seltersweg/Horst-Wessel-Wall Gießen-Nord: Lindenplatz

Gießen-Süd: Ecke Liebigstraße / Franks. Straße.

Für jede der Ortsgruppen werden außerdem fünf bis sechs weitere Feldküchen eingesetzt, die in den Straßen der Ortsgruppen die Runde machen werden und den Volksgenossen das Essen gewissermaßen vor die Haustüre bringen. Hornisten und Trommler werden die Feldküchen begleiten und darauf aufmerksam machen, daß nun an der Feldküche derSchlag" abgeholt werden kann. Die Essenausgabe erfolgt von 10 Uhr ab. Essenkarten können auch an der Feldküche noch gelöst werden, und zwar bei den NSV.-Waltern, die die Feld­küchen begleiten werden.

An zwei Plätzen unserer Stadt werden auch öffentliche Eintopfessen stattfinden. Bei diesen -Gelegenheiten gibt es dann zu denErbsen mit Speck" sogar noch Musik. In der Zeit von 11 bis 12 Uhr wird ein Musikkorps in der An­lage an der Plockstraße konzertieren. Dazu werden Tische und Bänke aufgestellt. Eine Feld­küche wird auffahren, Eßgeschirr und Eßbesteck wird vorhanden sein und so wird jedermann, der Lust dazu hat, an Ort und Stelle seinenSchlag" verdrücken können.

Auch auf Oswalds garten (12 bis 13 Uhr) werden ein Konzert und das öffentliche Eintopfessen in gleicher Weise stattfinden.

Achtung! KdF.-Sport. Sportamt Wetterau, Schanzenstraße 18.

Für Frauen: 995D

Donnerstags, 20.30 bis 21.30 Uhr, Schillerftratze.

Für Männer und Frauen:

Hallensport (insbesondere Hallenspiele) jetzt Mittwochs, 20.30 bis 21.30 Uhr, Goetheschule.

Nicht wie bisher Donnerstags, 18 bis 19 Uhr.

Kinder-Gymnastikkurs ist an einem Nachmittag geplant. Anmeldungen sofort erbeten beim Sportamt.

Neu! Für Frauen und Männer: Schwimmen von 20.30 bis 21.30 Uhr und 21.30 bis 22.30 Uhr.

Wer sich um einen Preis bewirbt, muß mindestens in einem der beiden auf die Stellung der Aufgabe folgenden Semester an der Universität Gießen im­matrikuliert gewesen sein. Jede Bewerbungsschrift darf nur einen Verfasser haben. Die Bewerbungs- schrift ist in der Sprache abzufassen, in der die Auf­gabe gestellt ist. Aus dem Titel ist ein Kennwort anzubringen. Die Bewerbungsschrift ist bis zum 15. Februar 1941 einzusenden unter Beifügung eines verschlossenen, mit dem Kennwort der Arbeit ver­sehenen Briefumschlags, der die Aufgabe des Ver­fassers und seiner Adresse enthält. Die Sendung ist an die Fakultät zu richten.

Hitler-Jugend Bann 116.

Iugendfilmsiunde in Gießen.

preisaufgaben

der Universität Gießen für 1940/41.

Von der Pressestelle der Ludwigs-Universität wird uns mitgeteilt: .

Für das Jahr 1940/41 werden folgende Preis- aufgaben gestellt:

Von der Theologischen Fakultät: Der Einfluß der politischen Zeitereignisse auf tue Lieddichtung Luthers, kritisch darzustellen in Aus­einandersetzung mit den neueren Untersuchungen/

Von der Juristischen Fakultät:Der Einfluß des Krieges auf Rechtsverhältnisse und An- ^V?n der Medizinischen Fakultät: Die Bedeutung der kapillarmikroskopischen Methode

ißolöcnUDolMbtriwc;

Roman von horst MM.

für die Aehnlichkeitsdiagnose bei Abstammungsprü­fungen."

Von der Veterinärmedizinischen Fakultät:Ist die Ziegenttiberkulvse kontagiös?"

Von der Philosophischen Fakultät: 1. Aus dem Fachgebiet der lateinischen Philologie: Sachliche und sprachliche Erklärung der Briefreste des Kaisers Augustus." 2. Aus dem Gebiet der ro­manischen Philologie:Die. französische Rechts­sprache im Zusammenhang mit der Entwicklung des gelehrten Richtertums in Frankreich." 3. Aus dem Gebiet der Wirtschaftswissenschaften:Aussied lungs- möglichkeiten aus dem Realteilungsgebiet Lahn-Dill zur Stärkung des deutschen Bauerntums im Osten." 4. Aus dem Gebiet der Botanik:Neue Beiträge zur Zytologie der Desmidiaceen."

SOLIDOX--

Mit einem Umweg über die Sendlinger und Neu­hauser Straße heimkehrend, sah er sich, aufblickend, der Auslage eines Spielwarengeschäfts gegenüber. Er verzögerte plötzlich seinen Schritt und trat, einer Eingebung folgend, von der er in dem Augenblick, als er die Tür des Geschäfts geöffnet hatte, noch selber nicht wußte, wohin sie ihn führte, in den Laden ein. _ , ri . c

Er war der einzige Kunde. Ein Herr stand auf einer Trittletter und benutzte die Mittagsruhe dazu, Plüschhunde in einen gläsernen Schrank einzusper­ren; zwei Verkäuferinnen waren ihm dabei be­hilflich. , ....

Der Doktor zog den Hut, als bäte er, die Sto­rung zu entschuldigen. Eine der jungen Damen näherte sich ihm und fragte diensteifrig, was es denn sein dürfe.

Der Doktor sah sich mit einem etwas verzagten Blick unter dieser Riesenschau von Puppen, Schau­kelpferden, Musikinstrumenten, Stofftieren, Rollern, Eisenbahnen und weiß Gott was allem noch um. ,Zch brauche ein Geschenk, Fräulein 'raendem hübsches kleines und nicht astzu teures Geschenk.

Für einen Buben oder für ein Madel. fragte das Fräulein freundlich. .

Für'n Mädel!" antwortete der Doktor frisch her­aus.

Wie alt ist das Kind?"

Der Zahnarzt hob die Hand stufenweise von der Hüfte bis zum Brustbein und sah etwas angestrengt aus.Sieben Jahre ...", sagte er schließlich und senkte die Hand um ein paar Zentimeter

Da würde' ich Ihnen eine Puppe empfehlen, mein Herr. Eine von unseren hübschen Babypup­pen zum Beispiel. Mädel freuen sich immerüber Puppen, auch wenn sie noch so viele besitzen.

Da haben Sie recht, liebes Fraulein! meinte der Doktor beifälligDas liegt ja sozusagen in der Natur der Sache" . ,

Das Fräulein errötete ein wenig und fragte, ov sie etwas vorlegen dürfe.

Aber gewiß doch!" bekräftigte der Doktor.Des­halb bin ich ja hergekommen!"

Er folgte der jungen Verkäuferin, die ihn zur Puppenausstellung führte und ihm nach kurzem Suchen einen pausbäckigen Säugling in einem rei­zenden Spitzenhemdchen entgegenhielt.Modell Nackedei", bemerkte das Fräulein fachkundig,fast unzerbrechlich: kannMama" sagen." Sie beugte das Baby mit einem entschlossenen Ruck vornüber, und tatsächlich gab die Puppe einen Laut von sich.

Komisch!" sagte der Doktor betroffen.Ich habe aber ganz was anderes herausgehört ... Und über­haupt, liebes Fräulein, finden Sie nicht auch, daß dieser Säugling in Anbetracht seines zarten Alters seine Muttersprache schon allzu perfekt beherrscht?

Das Fräulein griff nach einem kleinen Schild­chen das der Säugling an einem Band um den Hals trug.Charakterbaby", las sie ab,em halbes ^Donnerwetter!" murmelte der Doktor überrascht. Und ich hätte es glatt für ein Neugeborenes ge­halten!" Er ging langsam und kopfschüttelnd an den Auslagen vorüber, von denen herab ihn Pup­penkinder aller Altersstufen vom rosigen Säugling big zum vollständig ausgestatteten Schulkind nut starren Glasaugen anlächelten.Hübsch, Frau­lein" sagte der Doktor mit gerunzelter Stirn, fast schon zu hübsch. Und, sehen Sie, das ist es eben " Er wackelte mit der Hand:Ich habe mir da eigentlich ganz was anderes vorgestellt. Wissen Sie, so was Derberes, Ungelenkes, Lustt-

Vielleicht sehen Sie sich mal in der Tierabtei­lung um?" meinte das Fräulein. ,,®ir habenda eine große Auswahl an reizenden Mustern ...

.Mustern ...!" wiederholte der Doktor etwas schief.Da haben wir's schon! Das gerade möchte ich vermeiden. Muster find immer langweilig. Und ich möchte etwas Originelles haben ... Sehen Sie, da sah ich doch neulich bei Bekannten eine dieser wunderhübschen Renate-Naumann-Puppen so einen drolligen kleinen Kerl mit so einem Pfunds­schnurrbart und mit riesigen Kanonenstiefeln ...

Verzeihung!" sagte die Verkäuferin. ,Zch habe die" Fabrikmarke nicht recht verstanden . ./

.Fabrikmarke?" rief der Doktor fast empört. Nichts von Fabrikmarke! Es handelt sich um kleine Schöpfungen in einmaliger Ausgabe! Re­

nate-Naumann-Puppen ... Aber liebes Fräulein, es sieht ja gerade danach aus, als hätten Sie noch nie etwas davon gehört?"

Das Fräulein machte ein unglückliches Gesicht und stammelte, daß sie erst ein halbes Jahr in der Branche tätig sei. Sie sah sich hilfesuchend nach ihrer Kollegin um, die auch bereits eine Art von Startstellung eingenommen hatte.

Der Geschäftsführer jedoch hielt sie mit einem kleinen Wink zurück und näherte sich selber dem schwierigen und unentschlossenen Kunden. In der Art seines Ganges lag etwas Strahlendes und Siegesbewußtes, und der Blick, den er der jungen Verkäuferin zuwarf, bevor er sich an den Doktor wandte, sagte etwa: Nun geben Sie mal acht, liebes. Kind, wie man die Sache anpackt!

Der Herr möchte nämlich eine Renate-Nau- mann-Puppe haben", sagte das Fräulein zu ihrer Entschuldigung.

Ich hoffe doch", bemerkte der Doktor mit einem strengen Ausdruck,daß Ihnen dieser Name ein Begriff sein wird?"

^Selbstverständlich, mein Herr!" beteuerte der Geschäftsführer.Nur hm sie sind nicht gang­bar, wenn man so sagen darf, diese Spezialartikel

Tcha nun, Sie verstehen?" Er wies plötzlich mit einer schwungvollen Handbewegung und mit offensichtlicher Begeisterung auf sein reichhaltiges Lager hin:Aber Sie werden gewiß bei uns etwas finden, das Ihrem--"

Kein Aber!" unterbrach chn der Doktor mit fin­sterer Entschlossenheit.Ich bin nun einmal auf diese Renate-Naumann-Puppe versessen, und wenn Sie sie nicht führen, dann muß ich sie leider wo­anders kaufen."

Ich kann sie Ihnen jederzeit bestellen, mein Herr!" meinte der Geschäftsführer etwas unsicher.

Ich brauche sie für heute nachmittag!" antwor­tete der Doktor mit einem bedauernden Schulter­heben und wandte sich zum Gehen.Aber da ich öfters Geschenke zu machen habe, könnten Sie sich ruhig ein paar von diesen reizenden Puppen be­sorgen. Sie haben hoffentlich die Anschrift der Werkstätte, wie?"

Der Geschäftsführer sah den Doktor aus kleinen Augen an und murmelte eine völlig unverständliche Antwort.

Aus der Siadt Gießen.

Verfrühte Ausflügler.

Durch das einen Spalt weit offene Fenster flutete die Mittagssonne warm und ließ die letzten roten ; Blüten eines Gliederkaktus aufleuchten, das junge ; Grün einer üppig ausschlagenden Zimmerlinde freudiger schimmern

Plötzlich saß auf einem ihrer Blätter mit zucken­den Flügeln ein Pfauenauge. Hatte es die wohlkge Wärme der Sonne hereingeweht oder die noch be­haglichere Temperatur meines Zimmers mit seinem schmeichelnden Atem hergelockt? Seine wundervolle Farbe, die Tupfen und Zeichnungen seiner Flügel, die der Falter wie atemholend waagerecht breitete und dann wieder nach oben zusammenklappte, als sei er in Gefahr, sich durch ihre Schönheit zu ver­raten, waren so unverblaßt und unbeschädigt, daß man ihm wahrhaftig nicht den langen Winterfrost ansah. In Samt und Seide gebettet häte er nicht schmucker und untadeliger aussehen können. Und in welchem Mauerspalt, in welchem Baumriß mochte er eine rauhe und notdürftige Zuflucht gefunden haben?! Mütterchen Natur hatte ihn. wenn auch mit schrundigen Händen, wohl behütet. Er flog, als ich das Fenster schloß, in raschen Rundflugen durch das Zimmer, nicht erschöpft und taumelig nach so vielen Hungerwochen, und landete an den Gardinen. Schließlich spürte er die Enge, das Ge­fangensein und trommelte in wilden Anstürmen wider die Scheiben, bis ich öffnete und ihn mit dem stillen Wunsche entließ, er möge bis zum Abend wieder ein gutes Nachtasyl finden.

Als ich die Tischlampe anknipste, überraschte mich ein zweiter (Aist: ein Marienkäfer flog in den Licht­kreis und fegte sich an die warme Innenseite des Schirmes. Die zinnoberroten .Flügeldecken trugen nur zwei schwarze Punkte auf jeder Seite. Es gibt ja viele Spielarten des bekannten Siebenpunkts, sowohl was die Farbe der Flügel anbelangt, als die Zahl und Größe der Punkte. Ebenso wie das Pfauenauge hatte auch dieser kleine Käfer, freilich viel härter und strapazenfähiger gebaut, irgendwo überwintert und war von der Mittagssonne auf­geweckt worden. Unruhig kletterte er jetzt in die Spitze des Lampenschirms hinauf, entfaltete seine Flügel und landete auf der Tischplatte, wo er m Eilmärschen über das weiße Riesenfeld eines Pa­pierbogens setzte. Ich ließ ihn schließlich auf mei­nen oorgeftrecften Zeigefinger klettern und trug ihn zu den Zimmerblumen am Fenster. Freilich: einen gut gedeckten Tisch mit Blattläusen konnte er auch da nicht finden. Und so war er in wenigen Mi­nuten wieder bei meiner Lampe gelandet.

Verfrühte Ausflügler: Pfauenauge und Marien­käfer, aber frohe Boten und darum liebe Gäste.

Tageskalender für Freitag.

Populärwissenschaftliche Vorträge der Universität: 20.15 Uhr im Großen Hörsal des Chemischen Jn- ftituts Professor Auler überAusgaben der Be­triebswirtschaft im Kriege". Stadttheater: 20 bis 22.30 Uhr:Der Revisor". Gloria-Palast (Sel­tersweg):Weißer Flieder". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Rote Mühle".

Slodtlhealer Gießen.

Am heutigen Freitag wird die Komödie von GogolDer Revisor" in der Bearbeitung von Th. Komichau zum ersten Male aufgeführt. Spiel­leitung: Hans Geißler.

Die Wehrmacht unseres Standortes gibt sich alle Mühe, denTag der Wehrmacht" zu einem großen Erfolg für das Kriegswinterhilfswerk zu gestalten.

Im Mittelpunkt steht neben der Straßen­sammlung das große E i n t o p f e f f e n , das am Sonntag auf dem Tisch jeder Gießener Familie zu finden sein sollte. Die Essenmarken, die dafür ge­kauft wurden, sind bereits in großer Zahl an den Manu gebracht worden. 10 000 Essentarten sind, wie wir heute morgen erfahren, bereits verkauft. Wer es bisher versäumt hat, sich einen ober mehrere solcher Gutscheine ohne Abgabe von Lebens­mittelmarken! zu beschaffen, wird dies sicherlich noch nachholen. Für die Küchen der Wehrmacht ist es nicht unwichtig, vorher zu wissen, wie viele tau­fend Portionen zu kochen sind. Immerhin wird so viel gekocht werden, daß die Feldküchen auch einem größeren Ansturm starckchalten werden, als er sich allein aus dem bisherigen Verkauf an Essenmarken ergeben wird. In den Küchen der Wehrmacht herrscht schon Hochbetrieb. Es gibt, wie wir bereits mitge­teilt haben, Erbsen mit Speck.

Für die Verteilung der Essenportionen sind um­fassende Vorkehrungen getroffen. worden. Das Hauptquartier der Feldküchen befindet sich ün der Ecke Kaiserallee und Licher Straße. Für die ein­zelnen Ortsgruppen sind feste Standplätze der Küchen wie folgt festgelegt worden:

TU-7 SOLID0* \

Also wenn Sie sie zufällig verlegt hecken sollten, kann ich mich ja mal danach erkundigen und Ihnen die Anschrift gelegentlich mitteilen!" Der Doktor lüftete den Hut und verließ mit einem freundlichen Gruß den Laden. .

Auf Wiedersehen, mein Herr!" rief das Frau-

Äuf Wiedersehen!" brüllte der Geschäftsführer das Fräulein an und schien dem längst verschwun­denen Doktor mit geballten Fäusten nachstürzen zu wollen.Schmeißen Sie den Kerl achtkantig her­aus, wenn er sich das nächstemal hier sehen läßt!"

Aber, Herr Maier!" klagte das Fräulein be« stürzt.So einen netten Herrn ..."

Netten Herrn?" höhnte der Geschäftsführer grimmig.Daß ich nicht lache! Ein ganz windiger. Vertreter ist der Kerl! Und das hätten Sie ihm ansehen müssen, wie er nur in den Laden 'reinkam! Renate-Naumann-Puppen ..." Er kicherte böse. Da müssen Sie schon etwas früher aufstehen, Herr! Auf diesen saudummen Trick fall' ich nicht herein ich nicht!"

Der Doktor, der von diesem kläglichen Mißerfolg seiner guten Absichten keine Ahnung hatte, traf in bester Stimmung mit einer kleinen Verspätung in seiner Praxis ein. Er erfuhr von dem Mädchen, das ihm öffnete, daßdie Dame von vorgestern" eine knappe Minute früher gekommen fei und sich im Wartezimmer befinde.

Der Doktor betrat fein Sprechzimmer und schlüpfte eilig in den Ordinationsmantel, drehte den Kontakt des elektrischen Warmwasserspenders an und öffnete die Tür, seine Patientin hereinzubitten.

Renate Naumann trug heute ein rehbraunes Ko­stüm und ein gleichfarbiges Käppchen. Der Doktor fand die Schultern zu breit, das Hütchen zu keck und den Schnitt der rohseidenen Bluse zu ftreng. Wußte Gott, was er zu sehen erwartet hatte! Jeden­falls verbarg er nur mit Mühe eine Bettoffenheit, als habe er einem Hirtenmädchen die Tür geöffnet und statt ihrer Artemis selber angetroffen. Er fand es etwas lächerlich, daß er für diese so selbständig und sicher aussehende junge Dame heute den ge­treuen Eckart gespielt hatte. Erst, als sie den Hut und die Kostümjacke abgelegt hatte, verwischte sich der fremde Eindruck, und ihre Züge näherten sich wieder dem Bilde, das der Doktor sich von ihr gemacht hatte. (Fortsetzung folgt)

Sonntag, 17. März, Antreten sämtlicher Fähn- lein und Gefolgschaften des Standortes Gießen mit Ausnahme der Jahrgänge, die an der K.-Ausvil- dung teilnehmen, pünktlich um 8.45 Uhr, in der Schanzenstraße zur Jugendfilmstunde.

HI.-Angehörige der Jahrgänge 21/22 und 23.

Morgen, Samstag, 16. März, haben sämtliche HJ.-Angehöriae der Jahrgänge 1921/23 pünktlich um 20 Uhr an der Justus-von-Liebigschule zur K.-Ausdildung anzutteten.

Jetzt Nistkästen anbringen.

Seitdem der Mensch durch Siedlung und Der- kehr der Vogelwelt immer mehr den Lebensraum und die Lebensmöglichkeiten geschmälert hat, ist das Heer unserer gefiederten Sänger stark zusam­mengeschmolzen. Heute müssen wir uns ihrer aber besonders annehmen, denn mit der Vogelwelt er­halten wir nicht nur einen wesentlichen Bestand unserer Heimatnatur, sondern auch ein großes Heer natürlicher Helfer in der Schädlingsbekämpfung. So ergab sich z. B., daß sich Meisen zu Dreiviertel von Insekten nähren. Sehr kleine Vögel fressen täglich etwa ihr eigenes Gewicht und mehr. Man stellte z. B. fest, daß zwanzig Meisen, d. h. etwa ein Paar mit seiner Nachkommenschaft, jährlich ungefähr einen halben Zentner Trockensubstanz verbrauchen. Das sind mindestens 75 Kilo lebende Insekten, Eier, Larven ober Puppen.

Es lohnt sich also schon, Vogelschutz als Schad, lingsbekämpfung zu betreiben. Es muffen alle Möglichkeit ausgenutzt werden, unserer Dogelwelt Nistgelegenheiten zu schaffen. Gerade jetzt im Früh­jahr müssen die alten Nistkästen gereinigt und aus- aebessert und neu angebracht werden. Wer den höhlenbrütenden Vögeln künstliche Niststätten be­reitet, sollte aber dafür sorgen, daß die Nistkasten sich auch als Brutstätten eignen. Neben der Schaf­fung von Nistgelegenheiten für Höhlenbrüter und Freibrüter muß dem Gedeihen der Bruten alle Aufmerksamkeit geschenkt werden, damit verhütet wird, daß die junge Brut durch Raubwild aller Art vernichtet wird. Solche Störungen können Katzen, Eichhrönchen und Wiesel verursachen. Aber auch Wanderratten und Mäuse sind gefährliche Brutstörer. Der gefährlichste Feind ist die unbeauf­sichtigte Hauskatze. In der Naturschutzverordnung werden zum Schutze unserer Vögel alle einheimi­schen Arten geschützt mit Ausnahme von Nebel­krähen, Saatkrähe, Eichelhäher, Elfter, Feldsperling und Haussperling. Es ist verboten, Vögeln der ge-

Am 17. März jährt sich zum fünften Male der Tag, an dem der Führer die Wehrfreiheit wieder­herstellte und die allge­meine Wehrpflicht ein« führte. An diesem Tag sammeln die aktiven Sol­daten, aber auch die Ka­meraden des National­sozialistischen Reichskrie­gerbundes, der NSKOV., des Reichstreubundes und des Deutschen Roten Kreuzes für das Winter­hilfswerk und bringen diese schonen Abzeichen, Fahnen und Standarten, zum Verkauf.

Für den Kreis Wet­terau der NSDAP, stehen für die Sammlung aus Anlaß des Tages der Wehrmacht insgesamt. 70 000 Abzeichen zur Verfügung, die sicherlich sehr rasch verkauft sein werden. Wer sich also eines oder mehrere der schönen Abzeichen, die in bunten Farben gehalten sind, sichern will, wird sich rechtzeitig darum be­mühen. (Scherl - Bilder- dienst-M.)

lube 60Pf- TubeAOPf.^