Gießener Gtaditheater.
Puccini: „Tosca".
Angervgt durch eine Mailänder Aufführung von Sardous „La Tosca" hatte Puccini bereits vor seiner „Boheme" den Plan einer Oper „Tosca" erwogen. So griff er dann später wieder auf den Stoff zurück, zumal sich der alte Verdi sehr günstig darüber geäußert hatte. Wenn auch dem Werk kein ungeteilter Beifall zuteil wurde, weil man sich durch die rrervenaufpeitschenden Szenen der Folterung im zweiten Akt abgeftoften fühlte, so blieb der Theatererfolg der „Tosca" doch unbestritten. Dem mehr Stimmungsgebundenen der „Boheme" stand hier ein Stoff mit sicherer Bühnenwirkung gegenüber. Die herzhaft zugreifende Art Puccinis hat gerade die Gestalt des Scarpia, die selbst noch nach dem Tode den Gang der Handlung bestimmt, in äußerst charakteristischer Weise musikalisch erfaßt. Dazu bot die Handlung in ihrem Neben- und Miteinander der Szenen (Kirchenszenen, Tosca-Kantate) weitgehende theatralische opernhafte Möglichkeiten. Die Scheußlichkeiten des zweiten Aktes unterstreicht Puccini nicht, sondern läßt sie nur in der affektmäßigen Auswirkung bei den handelnden Gestalten erkennen. Ausschöpfend weitet er die lyrischen Szenen Tosca und Cavaradossi zu besonderen Höhepunkten.
Das ließ die Aufführung unter Paul Walter aufs deutlichste hervortreten. Don dem markanten Scarpia-Motiv an bis zu der klangprächtigen Naturschilderung zu Beginn des dritten Aktes wurden alle die Eigenzüge in engster Derknüpftheit mit dem Szenischen lebendig bei bildhafter Abprägung und impulsiver Ausschöpfung des Affektes. Nachgiebig und mit eingehender Rücksichtnahme auf die menschliche Stimme erschlossen sich so die unbestreitbaren Schönheiten des Werkes in größter Unmittelbarkeit. Die Chöre (Richard B o e ck) wurden zum Träger szenischer Feierlichkeit und Prunkhaften Glanzes. Die Massenszenen waren in sich gegliedert und würdevoll; die Bühnenbilder hatte Karl Löffler stilgemäß ausgestattet, und die letzte Morgenszene war von besonderer Stimmungskraft getragen.
Anni A s s i o n ließ das Schicksal der Tosca in seinen mannigfaltigen Phasen, der Eifersucht, der auf- strahlenden Liebe, der kämpferischen Bereitschaft und des Schmerzes der Enttäuschung frauenhaft Ge
stalt gewinnen. Don der Höhe des Affektes innerlich erfüllt, fang sie mit Temperament und musikalischer Beherrschung. Nur stellenweise überschritt sie in der Leidenschaft die Grenzen, die ihrem Stimmtypus namentlich in Hinsicht auf den augenblicklichen Stand der Durchbildung gesetzt sind'.
Ihr zur Seite stand Heinrich D u r st als Cava- radossi mit der heldischen Durchschlagskraft seines Organs, wenn auch nicht mit dem erwünschten Volumen in der Höhe und dem Ausgleich der Kan- tilene. Sieghaft in der Freiheitshymne des zweiten Aktes war das Bekenntnis zum Leben in der Kerkerszene von packender Wirkung, nicht zuletzt durch die innere Belebtheit der Darstellung. In jedem einzelnen Zug bedacht, kühl berechnend, fanatisch, zynisch, tückisch lauernd, so stellte Gustav Bley den Scarpia in den dramatischen Angelpunkt des Geschehens. Und dennoch bei allem Realismus war er in seiner Charakterisierung durch das Stimmliche maßvoll der ästhetischen Grenzen sich voll bewußt und wahrte stets den Schönklang seiner prächtigen Mittel. Dem verfolgten Angelotti gab Gustav Brunn dramatisches Leben. Der Mesner wurde durch Bernhard Schmitz mit typischen Einzelzügen bedacht ohne in die vielfach üblichen Theaterplattheiten zu verfallen. Dem Hirten hinter der Szene lieh Ilse W inh old ihre Stimme. Spoletta in seiner Unterwürfigkeit und Willfährigkeit dem Scarpia gegenüber wurde durch Max Schneider-Oe st treffend gezeichnet. — Das akzentschwere Geschehen im tiefgründigen Widerschein der Musik bannte die Hörer nach dem zweiten Akt. Um so stärker war der zündende Beifall als Dank und Anerkennung nach dem ersten und letzten Aufzuge. Dr. Hermann Hering.
«.Durch 60 Breitengrade zur Sturmhölle der Erde/'
Goethebuud, Kaufmännischer Verein, Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde und Dolksbildungswerk in der NSG. „Kraft durch Freude" konnten gestern abend durch Medizinalrat Dr. Trautmann im Saal des Gesellschaftsvereins zahlreiche Zuhörer, unter ihnen auch Kreisleiter Backhaus und Oberbürgermeister Ritter, zu einer interessanten Film- und Lichtbilder-Vortrags-veranstaltung be- I grüßen.
Der Forscher Max Junge, der im Ehrenkleid des deutschen Soldaten erschien, sprach aus einer reichen Fülle der Erlebnisse über seine Reisen in den Kordilleren, im Lande der Inkas und auf Feuerland. Er vermittelte seinen Zuhörern zunächst einen Eindruck vom Charakter des Landes Chile, das sich über 4000 Kilometer Länge an der Westküste Südamerikas erstreckt, und schilderte dann die großartige Bergwelt der Kordillere, die er in mehreren Forschungsreisen im Auftrag der chilenischen Regierung durchwanderte, geographisch erschloß und nach Wegebau und Siedlungsmöglichkeiten bereiste. Er führte seine Zuhörer im Geiste in die Bereiche der feuerspeienden Berge, schilderte einen beispiellos anstrengenden Marsch durch den Urwald unter einem 56 Tage lang ununterbrochen herniederrauschenden Regen, er führte zu den Riesengletschern in den Kordilleren und vermittelte den Zuhörern und Beschauern seiner herrlichen Bilder einen Eindruck von der Maßlosigkeit, mit der sich dort die Natur in mannigfachster Form äußert. Mit großem Interesse verfolgte man dann die Schilderungen von einer Reise in das peruanische Hochland, die in das Land der Inkas führte und den Zuhörern einen Eindruck von der hohen Kultur des sagenhaften Volkes vermittelte, das in seinen ausgezeichnet erhaltenen Bauwerken noch heute kraftvoll zu uns spricht. Schließlich unternahm der Vortragende mit seinen Zuhörern noch eine große Reise von Panama bis Kap Horn, erzählte von einem Besuch auf der Robinson-Insel, schilderte in Wort und Bild die von Millionen von Vögeln bevölkerten Inseln an der Südspitze Südamerikas und gab einen Eindruck von der Großartigkeit und Wildheit der Bergwelt auf Feuerland.
Zahlreiche Lichtbilder und schöne Filmaufnahmen ergänzten das gesprochene Wort. Der Vortrag, dessen innerer Reichtum in wenigen Zeilen nicht umrissen werden kann, fand verdientermaßen starken Beifall.
Die Steuererklärungen.
Im gegenwärtigen Krieg geht es nicht nur um die Sicherung der Grenzen unseres Vaterlandes, sondern um die Zukunft Deutschlands. Angesichts der Größe dieses Einsatzes ist es selbstverständliche Pflicht jedes Volksgenossen, alle seine Kräfte und Mittel Volk und Reich zur Verfügung zu stellen.
Volksgenossen, beherzigt dies bei der Abgabe eurer Steuererklärungen und erfüllt gewissenhaft eure steuerlichen Verpflichtungen! Steuerhinterzlehung ist die schlimmste Art des Eigennutzes. Wer früher Steuerhinterziehungen begangen hat, kann sich durch Selbftanzeige beim Finanzamt und Nachzahlung der verkürzten Steuern Straffreiheit verschaffen.
NS-GMiliWsl M firaft ömOeuöe
Achtung! KdF.-Spork.
Fröhliche Gymnastik und Spiele.
Donnerstag, 20.30 bis 21.30 Ahr, in der Schillerschule. Wiederbeginn Donnerstag, 15. Februar.
Weitere Ankündigungen folgen. 728D
Vorsicht beim Auftauen eingefrorener Wasserleitungen.
Wer in Scheunen, Ställen, Werkstätten, Böden und anderen Räumen, in denen leicht brennbare Sachen aufbewahrt werden, Lötlampen oder offenes Feuer zum Auftauen eingefrorener Wasserleitungen benutzt, bringt für die Volksgemeinschaft
Geoenkel der hungernden Vögel!
lebenswichtige Güter in Feuersgefahr, verstößt gegen die Vorschriften der Polizeiverordnung zur Verhütung von Schadenfeuer und setzt sich damit schwerer Bestrafung aus. Gleichzeitig schädigt er sein Vermögen, denn für grobfahrlässig verursachte Brandschäden erhält er keine Entschädigung von seiner Feuerversicherung. Handwerksmeister sind schadenersatzpflichtig. Eingefrorene Wasserleitungen sind mit heißem Wasser oder mit elektrischen Geräten, wis Heizofen, Heizsonne, Föhnapparat, Heizkissen oder Bügeleisen aufzutauen. Bei Verwendung elektrischer Geräte sind Stroh, Säcke und dergleichen vorher zu entfernen.__
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, Verlag und Druck: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K.-G., Verlagsleiter: Dr. Erich Hamann, alle in Gießen.
0519
Gießen (Am Sandfeld 23), Newark, Düsseldorf, Heuchelheim, den 15. Februar 1940.
Die Beerdigung findet Freitag, den 16. Februar, um 13% Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt
In tiefem Schmerz:
Karl Marx und Frau Gustel, geb. Gilbert Gertrud Marx nebst allen Angehörigen.
Am 14. Februar verschied plötzlich und unerwartet unser innigste geliebtes Töchterchen, Enkelchen, Schwester und Nichte
Hildegard
im 12. Lebensjahre.
Christian Karber, Landwirt
In tiefer Trauer:
Staufenberg, den 14. Februar 1940.
Die Beerdigung findet am Freitag, 16. Februar, nachm. 3 Uhr statt.
787D
Familie
Familie
Familie
Ernst Karber Emst Grölz Heinrich Pfeffer.
Katharina Karber Familie Ludwig Karber Familie Karl Karber Familie Heinrich Karber
im Alter von 70 Jahren nach schwerem Leiden zu sich in die Ewigkeit abzurufen.
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unseren lieben Vater, Schwiegervater, Großvater und Bruder
Plötzlich und unerwartet verschied nach kurzer, schwerer Krankheit unser Gefolgschaftsmitglied
Wilhelm Harbach
aus Großen - Buseck, dem es nur kurze Zeit vergönnt war, bei uns zu arbeiten.
Ein ehrendes Andenken werden wir ihm bewahren.
Die Betriebsführung und Gefolgschaft der Firma Bänninger G.m.b.H., Gießen.
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Für die herzliche Anteilnahme bei dem Heimgang unseres lieben Entschlafenen sagen wir hiermit allen unseren herzlichsten Dank.
Amalie Müller nebst Angehörigen.
Gießen (Gnauthstraße 20), den 15. Februar 1940.
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Bekanntmachung.
Anmeldung schulpflichtiger Kinder zur Aufnahme in die Volksschule zu Gießen, Gietzen-Wiefeck und Gießen-Klein-Linden.
a) Gießen:
1. für alle Knaben am Montag, dem 19. Februar 1940, von 9 bis 11 Ahr, in der Goetheschule, Horst-Wessel-Wall 43;
2. für alle Mädchen am Dienstag, dem 20. Februar 1940, von 9 bis 11 Uhr, in der Schillerschule, Schillerstraße 8.
b) Gietzen-Wiefeck:
für alle Knaben und Mädchen am Wiitwoch, dem 21. Februar 1940, von 8 bis 9 Uhr, in der Fabrikfchule.
c) Gießen-Klein-Linden:
für alle Knaben und Mädchen am Mittwoch, dem 21. Februar 1940, von 11 bis 12 Uhr, in der Reuen Schule.
Bei der Anmeldung sind der Impfschein, die Geburtsurkunde oder das Familienstammbuch vorzulegen.
Die Schulpflicht besteht für alle Kinder, die bis zum 30. Juni 1940 das 6. Lebensjahr vollendet haben.
Ausnahmsweise können auch solche Kinder anae- meldet werden, die in der Zeit vom 1. Juli vis 30. September 1940 das 6. Lebensjahr vollenden, wenn sie die für den Schulbesuch erforderliche geistige und körperliche Reife besitzen.
Ein weiterer Termin für die Schulaufnahme findet nicht statt.' 774D
Gießen, den 9. Februar 1940.
Stadtschulamt. I. V.: Walter._________
Achtung!
Vetr.: Vormilitärische Wehrerziehung.
Am Sonntag, dem 18. Februar 1940, vormittags 10 Uhr, wird auf dem Oswaldsgarten die Erfassung der Wehrmannschaften der Stadt Gießen durchgeführt.
Für die Wehrmannschaften kommen in Betracht: alle ungedienten Vlänner vom 18. bis vollendeten 45. Lebensjahr, ausgenommen die Politischen Leiter der RSDÄP. sowie alle Angehörigen der Gliederungen der Partei (SA., ff, NSKK. NSFK. und HI.).
Die Amtswalter der NSV. und DAF. ufw. müssen zur Erfassung antreten.
Das Antreten sämtlicher Männer, wie oben angegeben, ist unbedingte Pflicht!
Die Nichterschienenen werden karteimäßig erfaßt. Wer aus irgendeinem Grunde (Krankheit, Dienst usw.) nicht erscheinen kann, hat dies der SA.-Stan- darte 116 vorher zu melden. 786D
Die Kreisleitung Der Führer
Wetterau. der Standarte 116.
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Kreisleiter.Obersturmführer.
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