Ausgabe 
15.2.1940
 
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m. 59 Erstes Blatt

M.Jahrgang

Donnerstag, iS.ßebruar 1940

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England verletzt die panamerikanische Neutralitätszone.

Deutscher Dampfer in brasilianischen Küstengewäffern angehalten.

Am 12. Februar ist der deutsche, aus Hamburg stammende und 3881 Brgt. große DampferWa- kama" innerhalb der brasilianischen K ü st e n g e m ä s s e r von einem Flugzeug des britischen KreuzersH a w k i n s" a n g e h a l t e n worden. Als der britische Kreuzer, der unter dem Kommando des Admirals Harwood steht, sich dem deutschen Dampfer näherte, setzte die Schiffs- besatzung derWakama" nach englischen Meldungen ihren kleinen Frachter in Brand und versenkte ihn. Das deutsche Schiff ist gegen alles Völker­recht innerhalb der Dreimeilenzone von den englischen Piraten angehalten und, als es in Brand gesetzt worden war, von den Seeräubern noch beschossen worden. Der Standort des Schiffes war mit 22 Grad 34 Min. Süd, 41 Grad 38 Minuten West fast innerhalb der Bucht von Rio de Janeiro. Der englische Kreuzer hat nach vollbrachtem Neutralitätsbruch in Rio geankert, und der Admiral Sir Henry Harwood hatte die Stirn, sich der Heldentat noch zu rühmen; allerdings gab er den Neutralitätsbruch nicht unumwunden zu, son­dern sagte, die Besatzung seivon einem im Süd­atlantik operierenden Kreuzer Seiner Majestät" auf­gebracht worden.

Die englischen Aasgeier der Meere, die sich nur dort aufhalten, wo keine deutschen Kriegsschiffe und Flieger ihnen ihre Fledderei legen können, haben damit nicht nur die Dreimeilenzone verletzt, also einen Bruch der von allen neutralen Völkern an­erkannten Rechtsvorschriften begangen, sondern auch die Neutralitätserklärung der panamerikanischen Konferenz von Pa­nama vom 4. Oktober 1939 gebrochen. Auf dieser Konferenz aller unabhängigen amerikanischen Staa- ten einschließlich der USA. ist im Interesse der Erhaltung der amerikanischen Neutralität die Aus­dehnung der neutralen Dreimeilenzone zur See

Berlin, 14. Febr. (DNB.) Die amerikani­schen Republiken haben auf der im Oktober vorigen Jahres in Panama abgehaltenen van- amerikanischen Konferenz die Errichtung einer soge­nannten Sicherheitszone um den amerika­nischen Kontinent in Aussicht genommen. Dieser Beschluß ist den kriegführenden Mächten seinerzeit durch den Präsidenten von Panama übermittelt worden. Die deutsche Regierung hat nun dem Außenminister von Panama eine Antwort­note überreichen lassen, in der es heißt:

Die deutsche Regierung begrüßt den Willen der amerikanischen Republiken, während des gegenwär­tigen Konfliktes strikte Neutralität zu wah­ren, und hat volles Verständnis dafür, daß diese im Nähmen des Möglichen Auswirkungen des gegen­wärtigen Krieges auf ihre Länder und Völker vor- zubeugen wünschen. Die deutsche Regierung glaubt , sich in Uebereinstimmung mit den amerikanischen Regierungen darüber zu befinden, daß die in der Erklärung von Panama in Aussicht genommene Regelung eine Ab ändernngdes gegenwär­tigen Völkerrechtes bedeuten würde. Sie muß jedoch darauf Hinweisen, daß für die deutschen Kriegsschiffe bisher auch in den Gewässern der in Aussicht genommenen Sicherheitszone natürlich nur d i e geltenden Rechtsregeln maß­gebend sein konnten. An diese Rechtsregeln haben sich die deutschen Kriegsschiffe bei ihren Aktionen auf das strikteste gehalten. Ferner kann die deutsche Regierung den amerikanischen Repu­bliken auch nicht die Befugnis zuerkennen, ein­seitig in einer von dem bisher geltenden Recht abweichenden Weise Maßnahmen zu beschließen gegen die Schiffe der kriegführenden Staaten, die in den Gewässern der geplanten Sicherheitszone kriegerische Akte begangen haben.

Bei der Prüfung der Fragen, die nut dem Plan der Einrichtung der Sicherheitszone zusammen­hängen, ergibt sich von vornherein ein wichtiger Punkt, der die Lage Deutschlands und die der an­deren kriegführenden Mächte in dieser Beziehung als ungleich erscheinen läßt. Während nämlich Deutschland auf dem amerikanischen Kontinent niemals territoriale Ziele verfolgt hat, haben sich Großbritannien und Frank­reich auf diesem Kontinent und auf vorgelagerten Inseln im Laufe der letzten Jahrhunderte wich­tige Besitzungen und Stützpunkte ge­schaffen, deren praktische Bedeutung auch für die hier in Betracht kommenden Fragen keiner näheren Darlegung bedarf. Durch diese Ausnahme von der Monroe-Doktrin zugunsten Großbritanniens und Frankreichs wird der von den neutralen ame­rikanischen Regierungen gewünschte Effekt der Sicherheitszone von vornherein beeinträchtigt. Die hierdurch bedingte Ungleichheit in der Lage Deutschlands und seiner Kriegsgegner konnte viel­leicht bis zu einem gewissen Grade dadurch beseitigt werden, daß sich Großbritannien und Frankreich unter der Garantie der amerika­nischen Staaten bindend verpfl i d) t e n wur­den, die erwähnten Besitzungen und Inseln n ich zum Ausgangs- oder Stütz punktkrie­gerischer Aktionen zu machen. Auch wenn das geschähe, würde noch immer die Tatsache oe- stehen bleiben, daß ein kriegführender Staat, näm­lich Kanada, nicht nur im Westen und Osten unmittelbar an die erwähnte Zone angrenzt, M-

auf dreihundert Meilen, im Karibischen Meer und im Golf von Mexiko sogar noch um eine größere Entfernung, beschlossen worden. Alle amerikanischen Staaten hatten damals erklärt, sie nähmen diese Verbreiterung der neutralen Seezone vor, um ihre Neutralität durch die Tat zu beweisen und aus den europäischen Händeln herausgehalten zu werden. Daß die Briten diesen erweiterten Neutralitäts- gürte! nicht anerkennen würden, war anzunehmen, und es war Sache der amerikanischen Staaten, einen Versuch der Brechung ihrer Neutralität zu verhindern. Immerhin hatte die englische Regierung nicht offiziell gegen die Proklamierung der neuen Sicherheitszone protestiert, und eine Erklärung der britischen Admiralität, die nur eine Dreimeilenzone anerkennen wollte, stand zwar in den englischen Blättern, hatte aber keine offizielle Bedeutung.

In B r a f i l i e n , das einen fo schamlosen eng­lischen Rechtsbruch nicht erwartet hatte, gehen die Wogen der Empörung ebenso hoch wie im ganzen übrigen Amerika, in Washington wurde der ameri­kanische Staatssekretär Hüll über diesen schweren Fall befragt. Getreu feiner Einstellung, England nicht allzu wehe zu tun, hat Hüll nur versprochen, sich mit den anderen panamerikanischen Regierungen in Verbindung zu setzen, um Einzelheiten zu erfah­ren, Es steht aber fest, daß nicht nur die erweiterte Sicherheitszone durch England verletzt worden ist, sondern auch die neutrale Dreimeilen­zone, die England sonst anerkannt hat. Dieser Bruch der amerikanischen Neutralität geschah ganz bewußt als ein Affront gegen die Staaten, die durch die britische Lügenpropaganda ohnehin schon stark getroffen werden. England aber fetzt sich über jedes Völkerrecht hinweg, wenn seine Interessen dadurch gefördert werden; dieses gewaltsame Vorgehen kann nur mit Gewalt beantwortet werden.

dem daß Teile kanadischen Gebietes sogar von der Zone umschlossen werden.

Trotz der vorstehend bargelegten Umstände würde die deutsche Regierung ihrerseits durchaus bereit fein, in einen weiteren Gedankenaustausch mit den amerikanischen Republiken über die Inkraftsetzung der Erklärung von Panama einzutreten. Aus der neuerdings durch Presse und Rundfunk bekannt gewordenen Antwort der britischen und französischen Regierung muß die deutsche |

Berlin, 14. Febr. (DNB.) Amtlich wird ver­lautbart:

Mit Erschütterung und Abscheu hat das deutsche Volk und mit ihm die ganze Weltöffenttichkeit er­fahren, welche furchtbare Höhe die von dem ver­brecherischen Sadismus polnischer Banden dem deutschen Volkstum auferlegten Blutopfer bis heute erreicht haben. Es erscheint kaum faßbar, daß die letzten amtlichen Feststellungen eine vorläufige Zahl von fast 60000 volksdeutschen Toten ergeben haben. Die Orgien sinnlosen Wütens gegen alles Deutsche sind der Höhepunkt einer scchrzehnte- langen Politik systematischer Aufhetzung, Bedrückung und Verfolgung, die von der sogenann­ten polnischen Oberschicht, vom polnischen Klems und vor allem von den polnischen Behörden selbst gegen das gesamte Deutschtum betrieben worden ist.

Bereits 1929 hatte diese systematische Entdeut- schungspolitik das Ergebnis, daß das Deutschtum in den Städten des abgetretenen Gebietes auf 14,5 v. H. seines früheren Bestandes zufammengeschmol- zen war. Hand in Hand damit ging die Ent- b e u t f d) u n g von Grund und Boden. In völkerrechtswidriger Weife nahm man auf Grund des Versailler Diktates die Enteignung des gesamten Besitzes aller Reichsdeutschen vor. Man entzog fer­ner in ausdrücklichem Gegensatz zu einem Rechts­gutachten des Haager Internationalen Gerichtshofes zahllosen deutschen Siedlern ihr Eigentum an Grund und Boden und vertrieb sie von Hau-; und Hof. Durch ähnliche illegale Maß­nahmen hat Polen sich ein Wiederkauf- und Vor­kaufsrecht für deutschen Landbesitz angemaßt, durch das sogar der Erbgang von Vater auf Sohn, erst recht aber jede Eigentumsübertragung unter Deutschen, verhindert wurde. 1926 schuf sich Polen sodann durch das sogenannte Agrar- r e f o r m g e s e tz eine neue Waffe im Kampf gegen den deutschen Landbesitz. Jahraus, jahrein wurde das Gesetz ganz einseitig gegen die deutsche Volks­gruppe angewendet. Allein im Korridorgebiet wurde von 1925 bis 1938 an deutschem Grundbesitz 72 v. H. der enteignungsfähigen Fläche, an polnischem Grundbesitz dagegen nur 28 v. H. aufgeteilt, ähn­lich in Pofen; in Ostoberschlesien betrug dieses Ver­hältnis im Februar 1939 sogar 98,7 v. H. gegen 1,3 d H Auf dem enteigneten Boden wurden aus­schließlich landfremde polnische Elemente aus Kon­greßpolen und Galizien angefiebdt. Demselben Zwecke diente das Grenzzonengefetz, durch

Regierung jedoch entnehmen, daß diese beiden Regierungen nicht gewillt sind, ernstlich auf den Gedanken der Sicherheitszone einzugehen. Allein die Forderungen, wonach deutschen Kriegs­schiffen das Einlaufen in die erwähnte Zone nicht gestattet fein soll, während die Kriegsschiffe der Gegner offenbar das Recht zum Einlaufen in die Zone unbeschränkt behalten sollen, zeigt einen der­artigen Mangel an der Achtung der elementarsten Begriffe des internationalen Rechtes und mutet den Regierungen der amerikanischen Staaten eine so flagrante Verletzung der Neutralität zu, daß die deutsche Regierung darin nur9ben Willen ber britischen unb französischen Regierung erblicken kann, ben Grunbgebanken ber Sicherheitszone von vornherein zunichte zu machen. Bei aller Bereitschaft ber beutschen Regierung, auf bie Vor­schläge unb Anregungen ber amerikanischen Staa­ten auf diesem Gebiet einzugehen, tann bie beutsche Regierung sich, einen Erfolg von ber Weiterverfol­gung des Planes der Sicherheitszone nur bann versprechen, wenn ber bekanntgeworbene englische unb französische Standpunkt grundlegend revi­diert wird.

USA.-proteste

von England nickt beachtet.

N e u y o r k, 15. Febr. (DNB.-Funkspruch.) Wie England die Rechte des Volkes der Vereinigten Staaten und dessen Proteste gegen die britischen Rechtsbrüche mißachtet, geht erneut aus Nachrichten aus Columbien hervor. Danach sind die Briten nun­mehr dazu übergegangen, auch bie USA. ^o ft nach Südamerika unterwegs aufzu­brechen und zu zensieren. Zahlreiche Bür­ger der Vereinigten Staaten, die in Bogota leben, beschwerten sich auf dem dortigen USA.-General- konsulat darüber, baß die Luftpostbriefe aus Neuyork geöffnet worden sind. Die Post wurde von den Engländern in Jamaika durch­sucht.

Vom finnischen Kriegsschauplatz.

Moskau, 14. Febr. (DNB.) Nach dem Kom­munique des Leningrader Militärbezirks machen die Sowjettruppen an der karelischen Land­enge Fortschritte. Die Finnen versuchten mit star­ken Kräften Gegenangriffe, die unter starken Ver­lusten zurückgeschlagen worden sind. 23 finnische Forts seien erobert worden.

Auf der karelischen ßanbenge fetzten die Russen ihre Angriffe so teilt der finnische Heeres­bericht mit unvermindert fort. Die Angriffe konnten zurückgewiesen werden, und finnische Trup­pen sollen mehrmals zum Gegenangriff übergegan= gen sein, wobei eine Anzahl Tanks zerstört wurde. In den Schären von Pitkäranta sei der größte Teil einer russischen Kolonne vernichtet worden.

das Beschränkungen des Aufenchalles und des Er­werbes von Grundbesitz in den an Deutschland an­grenzenden Gebieten eingeführt wurden. Die Bilanz dieses Dernichtungskampfes gegen den deutschen Grundbesitz ergibt, daß in den Jahren 1919 bis 1939 Millionen von Morgen des deuffchen Besitzes geraubt worden sind.

Mit Boykottaktionen und Steuerschikanen wurde auch der Lebensnerv der deutschen gewerb­lichen Unternehmungen in Polen zu­grunde gerichtet. Dadurch wurde z. B. die gesamte deutsche Industrie Ostoberschlesiens in polnische Hände gespielt, Massenentlassungen von deutschen Angestellten und Arbeitern durchgeführt und auf diese Weise eine ständige Abwanderung erzwungen. Schon im Jahre 1931 gibt eine Untersuchung des Warschauer Forschungsinstituts für Nationalitäten­fragen die Zahl der bis dahin aus Polen vertrie­benen Deutschen auf rund eine Million an. In Wirklichkeit war die Zahl weit hoher. Eine große Zahl der Vertriebenen ist an den Folgen der Aus­treibung elend zugrunde gegangen.

Aber auch die Zurückgebliebenen konnten ihres Lebens nicht froh werden. Bis auf einen geringen Rest wkkrden fast sämtliche der mehreren tausend deutschen Schulen in Posen und Westpreu­ßen geschlossen. Die deutsche Arbeiterschaft in Ostoberschlesien war zu 60 bis 80 v. H. erwerbs - I o s. Was behördliche Maßnahmen nicht erreichten, das setzte der antideutsche Boykott des chauvinisti­schen Westmarkenoerbandes unter Duldung und För­derung der Behörden durch. Die Volksdeutschen Ost- oberschlesiens waren Jahre hindurch einfach vogel­frei, ohne daß der Völkerbund oder die West- mächte die Urheber dieses unerhörten Zustandes, diesem systematischen Ausrottungskampf in die Arme gefallen wären.

Trotz aller akademischen Beteuerungen der Huma­nität und des Minderheitenschutzes haben die West möchte nichts getan, um das Los dieser armen und damals hilflosen Deutschen zu verbessern. Man wollte Polen als östliche Bastion I des englisch-französischen Cinkreisungssystemes gegen Deutschland nicht verstimmen. Aber auch die mit jahrelanger Geduld fortgesetzten Bemühungen des Führers, mit Polen zu einer Verständi­gung zu kommen und damit auch das unglückliche Los unserer Volksgenossen zu bessern, sind von den Polen nur a l s ein Freibrief für ihre Ent- deutschungsmaßnahmen angesehen worden. Alle

Neutsch-russischer Warenaustausch.

Das haben die Westdemokratien bestimmt nicht in ihre Rechnung eingestellt, als sie den Vernich­tungskrieg gegen Deutschland organisierten, daß es nämlich dem nationalsozialistischen Deutschland ge­lingen konnte, mit Sowjetrußland in einen engen Wirtschaftskontakt zu kommen, also etwas zu tun, was einem Handelskrieg gegen Deutschland jede Aussicht auf Erfolg nimmt. Bis 1919 waren Deutschland und Rußland unmittelbar benachbart, hatten gemeinsame Land- und Seegrenzen, die von der Ostsee bis zur Südspitze Oberschlesiens reichten, lieber diese Land- und Seegrenzen vollzog sich ein Warenaustausch, der dadurch begünstigt war, daß Rußland über die Rohstoffe und Lebensrnittel ver­fügte, die Deutschland zur Deckung seines Bedarfs brauchte, während umgekehrt Rußland aus Deutsch­land alle Fertigwaren und Halbfabrikate beziehen konnte, deren es für den Aufbau und Ausbau feiner Wirtschaft und Industrie bedurfte. Wie eng diese Verbindung schon damals war, geht daraus hervor, daß von dem Gesamthandel Rußlands, also Ein- und Ausfuhr, in den Jahren unmittelbar vor dem Weltkrieg rund 2,3 Milliarden Mark, also mehr als ein Drittel, auf Deutschland ent­fielen. Die Einfuhr aus Rußland war dabei wert­mäßig großer als die Ausfuhr Deutschlands nach dem Zarenreich.

Auf dieser Grundlage konnte nach dem Großen Kriege der Warenaustausch nicht unmittelbar wie­der ausgenommen werden; denn von Rußland wur­den Polen und die Balttschen Staaten gelost, wo­bei auch ein großer Teil der Ukraine an Polen fiel. Wesentliche Mengen an Rohstoffen, die vor dem Weltkriege aus Rußland nach Deutschland gingen, stammten aber, wie Holz, Getreide und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse, aus den westlichen Randstaaten Rußlands. Der Handel mit der Sowjetunion konnte daher nach feiner Aus­nahme nicht sofort den Umfang erreichen, der der deutsch-russische Warenaustausch vor 1914 hatte.

Inzwischen hat aber auch die wirtschaftliche Ent­wicklung in der Sowjetunion eine wesentlich an­dere Form und einen Umfang angenommen, der im Rußland der Vorkriegszeit auch nicht annährend erreicht worden war. Die Sowjetunion hat auf ihrem gewaltigen Gebiet, auf dem sich alle Roh­stoffe der Erde finden, in Mengen, deren Umfang und Große zum Teil noch gar nicht einmal fest- gestellt sind, sehr viel Arbeit geleistet, um diese Entwicklung im Höchsttempo vorwärtszutreiben. Es fei hier nur an die Erdölindustrie erinnert, sowie daran, daß im asiatischen Rußland, in Südsibirien und Turkestan vor allem, Baumwollkulturen ange­legt worden sind.

Es war schon vor dem Kriege von 1914/18 ein Grundsatz der englischen Politik, zwischen Deutsch­land und Rußland so viel Gegensätze und Reibungs­

deutschen Ausgleichungsbemühungen wurden von Polen als Schwäche ausgelegt und mit wachsenden Unterdrückungsmaßnahmen gegen das Deutschtum beantwortet.

So war der Boden vorbereitet für die letzte Phase des deutschen Leidensweges. Hatten die Westmächte bisher dem polnischen Verhalten taten­los zugesehen, so begannen sie nunmehr, nach of­fener Erklärung ihrer Einkreisungsabsichten gegen das Reich, das verbrecherische Treiben der War­schauer Machthaber direkt zu ermutigen. Am 7. Juni berichtet das deutsche Konsulat in Lodschr. Die Bedrohung der Volksdeutschen mit Totschlag, Folterung usw. sind zur täglichen Selbstverständ­lichkeit geworden. Ganze Familien brachten wegen der ständigen Morddrohungen die Nächte in den Wäldern zu." Die englische Regierung, die sich in den Monaten des unglaublichsten Polenterrors mit heuchlerischen Phrasen und Ratschlägen für einen deutsch-polnischen Ausgleich nicht genug tun konnte, ist von diesen Zuständen durch die deutsche Bot­schaft in London laufend unterrichtet worden. Aber in London hat sich keine Hand gerührt und keine Stimme erhoben, um diesem unmenschlichen und friedenstörenden Treiben Einhalt zu gebieten. Polen war der von England herangetriebene Bun­desgenosse; vor den Interessen der Einkreisung hatte die Stimme der Menschlichkeit zu verstum­men.

Dem Wüten der aufgehetzten polnischen Massen folgte die systematische Aktion der Behörden. Die deutschen Heime wurden geschlossen und enteignet, Kirchen wurden demoliert, Pfarrer der Gewalt des Mobs überlassen. Roheitsdelikte, Mißhandlungen, Drohungen und gemeinste Bluttaten kennzeichnen das verbrecherische Verhalten der Polen. Ende August beginnt der Todesmarsch der Volks­deutschen aus den Grenzgebieten. Auf ihren Derschleppungszügen in die berüchtigten Kon­zentrationslager haben ungezählte Deutsche die Treue zu ihrem Volkstum mit dem Tode besiegelt. Die bisher schon festgestellten weit über 58 000 Ermordeten sind nur die letzten Blutzeugen des verbrecherischen Weges, den Polen vom Diktat von Versailles bis zum Ende konsequent und hem­mungslos gegangen ist. Den wahren Umfang dieser 20jahrigen polnischen Ausrottungspolittk aber wird die Welt erst nach Abschluß der eingeleiteten um­fassenden Ermittlungen erkennen.

Deutschlands Antwort aus die Deklaration von Panama.

20 Jahre polnische Ausrottungspolitik.

Der Leidensweg des deutschen Volkstums in Polen.