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Amtseinführung des ersten Rektors der slowakischen Universität Preßburg
Flugzeug hat die deutsche Reichsgrenze Nordhorn in den Mittagsstunden überflogen deutsches Hoheitsgebiet verletzt.
Dänisches Tankschiff in englischem Hafen explodiert.
©er Wehrmachtsbericht vom Samstag.
Deutsche Zerstörer schlagen erfolgreich britischen Bombenangriff ab.
Berlin. 13. Januar. (DNB. Funkspruch.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
3m Westen keine besonderen Ereignisse. Die L u f l w a f f e hat am 12. Januar ihre Aufklärungs- IStlgkeit über Ostfrankreich und über der Nordsee fortgesetzt und hierbei wichtige Ergebnisse erzielt. Drei Linzelflugzeuge wurden von feindlichen Jägern erfolglos angegriffen.
Vom Feind wurde am 12. Januar außer einzelnen nächtlichen Anflügen, die zum Teil wieder unter Versetzung der holländischen Neutralität vor sich gingen, nur en einziges Bristol-Blenheim über deutschem Gebiet gesichtet. Das Flugzeug wurde nach kurzem Kampf von deutschen Jägern abgeschofsen und ist nach Aufschlag auf französischem Boden verbrannt.
3n der Deutschen Bucht versuchten acht britische Bomber deutsche Zerstörer anzugreifen. Nur zwei Angreifern gelang es ohne jeden Erfolg Bomben abzuwerfen. Der eine wurde abgefchof- fen, der zweite beschädigt. Die übrigen sechs britischen Flugzeuge drehten schon unter der Wirkung des gut liegenden Abwehrfeuers unserer Zerstörer vorzeitig ab.
©er Wehrmachtsbericht vom Sonntag.
Erfolgloser englischer Versuch, eine nord, friesische Insel anzugreifen. - Holländisches Flugzeug verletzt deutsches Hoheitsgebiet.
Berlin. 14. Ian. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
An der W e st f r o n t geringes örtliches Artillerie- Störungsfeuer. Die Luftwaffe hat ihre Aufklärung gegen Frankreich und über der Nordsee auch am 13. Januar planmäßig und erfolgreich durchgeführt. Lin deutsches Flugzeug wird vermißt. An der Westfront hatten deutsche Flugzeuge keine Feindberührung. Flakartillerie hat in der Gegend von St. Ingbert ein feindliches
Flugzeug abgeschossen.
Einzelne feindliche Flugzeuge haben in der Nacht vom 12. zum 13. Januar Aufklä- rungsflüge über deutschem Reichsgebiet unternommen. Lin englisches Flugzeug versuchte in der Nacht, eine nordfriesische Insel anzugreifen. Die Bomben fielen ins ZHeer, ohne Schaden anzurichten. Ein holländisches bei
Das jugoslawische prinzregentenpaar in Agram
Oer erste Staatsbesuch im versöhnten Kroatien.
Schweizensche Bevölkerungssragen.
Genf, 14.3an. (Europapreß.) Der Altersaufbau der schweizerischen Bevölkerung bildet für die Eiüenossenschaft ein Problem ersten Ranges. Die Vorstellung vom schweizerischen Volke als einem Volk von Hirten und Bauern ist mehr denn irrig. Auch die Hoteliers bilden entgegen mancher Vorstellung in der Eidgenossenschaft trotz der gewaltigen Bedeutung der Hotellerie keinen großen Be- völkerungsteil. So gehören unter den Berufstätigen der Schweiz 5 v. H. dem Fremdenverkehr an.
Wie sehr die Schweiz sich von einem Staat der Hirten urtb Bauern entfernt hat, zeigt allein die Tatsache, daß die schweizerischen Städte vor 80 Jahren 370 000 Menschen, jetzt aber 1,5 Millionen Menschen beherbergen, mehr als ein Drittel der Gesamtbeoölkerung. Nimmt diese Verstädterung der Schweiz in den nächsten 30 Jahren in dem gleichen Umfange wie in den letzten 30 Jahren zu, so dürfte 1970 jeder zweite Schweizer in der Stadt wohnen. Hierin liegt die Schicksalsfrage der Schweiz, denn mit der Verstädterung gebt Hand in Hand ein Nachlassen der Geburtenziffer. Nach den Unterlagen des eidgenössischen Statistischen Amtes wird die Schweiz, wenn der Geburtenrückgang nicht auf- gehalten wird, nach zwei Generationen schon 25 v. H. ihrer Bevölkerung verloren, das heißt nur noch etwa drei Millionen Einwohner haben. Die Veränderung im Altersaufbau ist ein beson- Ponai beauftragt. In einer Erklärung, die das Wehrkraft denkt, die durch die Überalterung der Bevölkerung beeinträchtigt wird.
Eine andere Erscheinung, die der Schweizer als bedenklich ansieht, ist, daß die Zahl der in der Schweiz lebenden Landfremden 290 000 beträgt. Schon heute findet man eine starke Bewegung für die Ausmerzung des Doppelbürgertums und hält eine bessere Einbürgerungspraxis für erforderlich, die nicht mehr wie bisher vor allem auf die Vermögenslage, sondern auf die gefinnungs- mäßige Einstellung des Einzubürgernden zur Eidgenossenschaft abgestellt ist.
Verschleierte Kriegsanleihe in England
Amsterdam, 14. Jan. (DNB.) Der „leie- graaf" veröffentlicht an hervorragender Stelle eine eigene Meldung aus London, wonach der englische Minister für Vorratswirtschaft, Oberst Llewellin, angekündigt habe, daß der Staat alle ausländischen Effekten gegen Staatsanleihen in sein en Besitz nehmen will. Da- z>l verlautet in Kreisen der Londoner City, daß der Austausch der Effekten gegen Staatspapiere und die Ausgabe derartiger Staatspapiere bereits einen Teil eiher neuen Kriegsanleihe Englands
Sofia, 14. Januar. (Europapreß.) Nach einer Unterredung des Ministerpräsidenten K j o s s etwa n o f f mit dem türkischen Unterstaatssekretär des Aeußern, Menemencioglu, ist eine amtliche Verlautbarung herausgegeben worden, in der die enge Freundschaft zwischen der Türkei und Bulgarien, wie sie im Vertrage vom 18. Oktober 1925 formuliert wurde, sowie auch die Gleichheit der beiderseitigen Auffassungen über den Frieden und die Neutralität des Balkans zum Ausdruck gebracht wurde. Die Zurückziehung der Truppen auf beiden Seiten der türkisch-bulgarischen Grenze habe diese Freundschaft noch besonders bekräftigt. Die türkische und die bulgarische Abordnung haben, so heißt es schließlich in der Verlautbarung, zum Ausdruck gebracht, daß die Türkei und Bulgarien die gegenseitige Neutralität achten wurden und die Politik der beiden Staaten auch weiterhin im vollen gegenseitigen Vertrauen
Preßburg, 14. Jan. (Europapreß.) Das slowakische Geistesleben hat am Sonntag mit der feierlichen Amtseinführung des ersten Rektors der slowakischen Universität, des Ministerpräsidenten Professor Dr. T u k a , einen bedeutsamen Meilenstein erreicht. Die Feier begann mit einem Festgottesdienst im Preßburger Dom, dem die Regierung, der Senat und viele prominente Persönlichkeiten beiwohnten. Die große Aula der slowakischen Universität, in der die Feier stattfand, bot ein festlich buntes Bild. In den Logen hatten die slowakische Regierung, Reichsminister Dr. Seyß-Jnquart, das Diplomatische Korps mit den deutschen Gesandten Bernard, sowie der Führer dem deutschen Gesandten Bernard, sowie der Führer masin, der Chef der deutschen Heeresmission in der Slowakei, Generalleutnant Otto, der Ches der deutschen Luftwaffenmission in der Slowakei, Oberst Krüger, Vertreter des slowakischen Episkopats, sowie die Spitzen der militärischen und zivilen Behörden Platz genommen. Der Präsident der Republik, Dr. Tiso, wurde bei seinem Erscheinen mit herzlichem Beifall begrüßt.
Der Protektor der slowakischen Universität, Professor Dr. Se l i g a, begrüßte die Gäste, insbeson- dere die Abordnung der deutschen Universitäten unter Führung des Rektors der Berliner Frredrich-MHelM'Unioersität, Professor Dr. Wilhelm Hoppe, und den Reichsdozentenführer Professor Dr. Walter Schultze (München). Am schließend gab er eine Schilderung der Geschichte der slowakischen Universität, ausgehend von der Universität Jstro Politana, die im 13. Jahrhundert in Preßburg gegründet worden war. Der Rektor Professor Tuka hielt sodann seinen Einführungsvortrag über das Thema „Die albanische Blutrache".
Sodann gab der Rektor der Universität Berlin, Professor Dr. Hoppe, begannt, daß die Leipziger Universität Mit der Aufgabe betraut worden sei, einen besonders engen Kontakt mit der slowakischen Universität aufrechtzuerhalten und die Zusammenarbeit zu pflegen. Anschließend brachten die übrigen Rektoren der ausländischen Universitäten ihre Glückwünsche dar. Am Abend folgte eine Festvorstellung im slowakischen Nationaltheater und ein Empfang in den Prachträumen des Preßburger Rathauses.
In Verbindung mit der Amtseinführung des ersten Rektors der slowakischen Landesuniversität wird im Preßburger Kunstpavillon eine Schau des deutschen schöngeistigen und wissenschaftlichen B u -
tretende Außenhandelskommissar Julius Kaga- no witsch, der japanische Botschafter T o g o und Gesandter Matsushima tellnahmen. Die sowjetischen Unterhändler überreichten den lapontfmen Vertretern Gegenvorschläge auf ein japanisches Memorandum über den geplanten Handelsvertrag.
Kabmeiiswechsel in Japan.
Admiral Konai mit dcrRegierungsbildung beauftragt.
Tokio, 14. Januar. (Ostasiendienst des DNB.) Das Kabinett Ab 6 ist z u r ü ck g e t r e t e n. Mtt der Neubildung der Regierung wurde Admiral Y o h a i beauftragt. In einer Erklärung, die das Kabinett Abe veröffentlichte, wird gesagt, es habe den Rückttitt beschlossen, um einen Stillstand der Regierungsgeschäfte zu vermeiden, denn dadurch könnte die Durchführung des Chinakonstikts beeinflußt werden, der in einen neuen Abschnitt eingetreten sei. _ ,.
Die Presse begleitet den Rücktritt des Kabinetts W mit scharfer Kritik. „Tokio Nitschi Nttschi" sagt, es fei an seiner eigenen Schwäche ge - scheitert. „Tokio Asahi SchiMbun" meint, das Kabinett Ab6 habe schwer enttäuscht. Das Blatt verlangt von dem neuen Kabinett, daß zunächst einmal Ordnung im Lande gefdjaf- f e n werde, ohne die alle Bemühungen, die v e r - wickelte außenpolitische Lage zu klären, vergeblich seien. Zuerst müßten die sozialpolitischen Fragen gelöst werden. „Mijako SchiMbun" bemängelt, daß es bisher keiner Regierung gelungen fei, das Volk einheitlich zusammenzufassen.
ch e s eröffnet. Die Ausstellung wird von der Deutsch-Slowakischen Gesellschaft durchgeführt. Den Ehrenschutz hat Ministerpräsident Dr. Tuka übernommen. Am Abend des Eröffnungstages lieft der Dichter H. F. Blunck aus eigenen Werken. Die musikalische Ausgestaltung der Feier hat das Peter- Quartett aus Essen übernommen.
Eine türkisch-bulgarische Verlautbarung.
führt werden solle.
Oie russisch-japanischen Wirtschastsverhandlunxen.
Tokio, 13. Jan. (Europapreß.) Die japanische Regierung benachrichtigte die Regierung der Sowjetunion, daß das am 31. Dezember letzten Jahres in Moskau unterzeichnete Abkommen über die Verlängerung der bestehenden russisch • japanischen Fischerei-Konventionen ratifiziert worden und damit in Kraft getreten ist. Das Abkommen sieht vor, daß das bestehende Uebereinkommen zwischen der russischen und der japanischen Regierung über die japanischen Fischereirechte in russischen Territorialgewässern bis zum 31. Dezember 1940 verlängert werden soll. Im Laufe des Jahres soll ein neuer Vertrag abgeschlossen werden. Samstag nachmittag wurden in Moskau die sowjetifch-japanischen Wirtschaftsverhandlungen in einer zweiten Besprechung fortgesetzt, an der der Volkskommissar für Außenhandel Mikojan, der ftellver-
Agram, 14. Jan. (Europapreß.) Die Hauptstadt von Kroatien bereitete dem Prinzregenten Paul und seiner Gattin, Prinzessin Olga, einen herzlichen Empfang, womit die Kroaten wieder ihre Loyalität und Treue gegenüber dem jugoslawischen Staat bekundet haben, eine Tatsache, die auch aus allen Begrüßungsreden besonders hervorgehoben werden kann. Der Staatsbesuch in Agram ist der elfte Staatsakt des kroatischen Bundesstaates, in dem die kroatische Selbständigkeit und zugleich das Sich- einsetzen für die gemeinsamen Interessen des jugoslawischen Staates zum Ausdruck kamen.
Das Prinzregentenpaar traf um 15 Uhr in Agram ein und wurde auf dem Bahnhof zuerst von Dr. Matschet, dem Führer des kroatischen Volkes, begrüßt. Nach weiteren Begrüßungsworten des Ba- nus von Kroatien und des Bürgermeisters von Agram fuhr der Prinzregent mit der Prinzessin in einem offenen Wagen durch die Straßen zur Mar- kuskirche und dem Banuspalais. Der Wagen war von Kavallerie der Königlichen Garde und von Kavallerie des Kroatischen Bauernschutzes flankiert. Die Kavallerie des Kroatischen Bauernschutzes wurde erst vor einigen Tagen aufgestellt. Sie trägt Bärenmützen wie die kroatischen Bauern und macht einen höchst malerischen Eindruck.
Vor der Kirche wurde der Prinzregent vom Erz
bischof von Agram, Dr. Alois S t e p i n e z, namens der katholischen Kirche Kroatiens begrüßt. Danach begab sich das Prinzregentenpaar über die Straße zum Banuspalais, von wo aus es einem Vorbeimarsch beiwohnte, an dem 14 800 Mitglieder des Bauernschutzes und etwa 15 000 Mitglieder der Parteiorganisationen teilnahmen. Auf eine Begrüßung durch Thomas B a b u r i c, der den Prmz- regenten der Treue und Unterstützung des kroatischen Volkes bei allen seinen Aufgaben für den inneren und äußeren Frieden versicherte, antwortete der Prinzregent, daß die Kroaten, Serben und Slowenen geeint wieder einer besseren Zukunft entgegensehen könnten. Aus ung-el)euren Opfern und Entsagungen sei das gemeinsame jugoslawische Vaterland geschaffen worden. Die Hauptschwierigkeiten seien aber nun überwunden, und die übriggebliebe» nen Fragen würden keine großen Hindernisse mehr sein. Eintracht im Innern und Frieden an allen Grenzen, das sei die Politik Jugoslawiens. Der Prinzregent unterzeichnete am Sonntagabend in Agram bas königliche Dekret über das W a h l a e - setz für die kroatische Zabor. Dr. Matschet verkündete die Unterzeichnung vom Fenster des Banuspalais dem versammelten Volke als eine besonders freudige Nachricht.
Kopenhagen, 14.Jan. (Europapreß.) Es {tätigt sich, daß das dänische Tankschiff „D < mark" vor einem englisch-schottischen Kontrollhafen von einer Explosion heimgesucht wurde. Der 16 400-Brgt.-Tanker wurde von einem Schlepper in Tau genommen und auf Grund gesetzt, da die Ge- ftchr bestand, daß das Schiff sinken könnte. Aus Sicherheitsgründen hat die vierzig Mann starke Besatzung das Schiff verlassen und ist an Land gebracht worden. Es soll der Versuch gemacht werden, den Tankdampfer wieder flott zu machen und die Explofionsfchäden auszubessern. Die englischen Behörden verschweigen aus begreiflichen Gründen die Auswirkungen der Explosion. Die „Sanmart", das größte aller dänischen Schiffe befand sich mit voller Ladung auf dem Wege von Amerika nach Dänemark. In den Tanks des Schiffes waren 14 500 Tonnen Benzin und Petroleum. Der Verlust einer so großen Treibstoffladung müßte für Dänemark ein schwerer Schlag sein, oa die vorhandenen Lagervorräte überaus klein sind und nur bei sparsamster Rationierung den Bedarf decken.
Wie ertönt vom jungen Froste die Bahn!
Von Kans (Sturm
,Lass' der Stadt ihren Kamin! Komm mit uns, wo des Kristalls Eb'ne dir winkt! Wie erhellt des Winters werdender Tag sanft den See! Wie ertönt vom jungen Froste die Bahn!..." So preist Klop- stock in einer langen Ode den Eislauf vor f a ft zweihundert Jahren und trieb selbst diesen schönen, gesunden Sport bis zur Vollendung und wußte die Freude daran zu erwecken. Lessing schrieb hierüber seiner Braut: „Sie wissen, wie sehr sich Klopstock yut den Damen abgeben kann: ich weiß nicht, wieviel Frauen und Mädchen er schon beredet haben soll, auf den Schlittschuhen laufen zu lernen, um — ihm Gesellschaft zu leisten." llebri» gens hatte Klopstock in Goethe einen eifrigen Schüler. Kaum in Weimar ein wenig heimisch geworden, verleitete der junpe Dichter die Damen des Hofes mitsamt der Herzogin zum Eislauf, vor allem Frau von Stein, wie fein Tagebuch verrät.
In Holland, dem klassischen Lande des Eisvergnügens, war das Schlittschuhlaufen feit jeher Volksvergnügen: ein deutscher Hofkalender vom Jahre 1788 berichtet darüber: „Es ist eine gar vorzügliche Gunstbezeugung, wenn man einer Dame die Schlittschuhe anschnallen darf, und sie belohnt die Mühe auf der Stelle mit einem — Kuß!" Uebrigens stammen die schönsten Gemälde und Zeichnungen, welche den Eislauf verherrlichen, von holländischen Kunst- lern; man denke an Bilder von Momper, de Hooghe oder Breughel.
In der Biedermeierzeit wagten sich die Frauen noch nicht auf das Eis, sondern versammelten sich auf einer über der Eisbahn gelegenen Galerie, um der männlichen Jugend zuzuschauen; hin und wieder erhielt eine der Frauen oder Mädchen eine Einladung zu einer Fahrt im Stuhlschlitten. „Daß ein Stelldichein zärtlicher Art" (so heißt es in einem Bericht) „hier au den gewöhnlichen Vorkommnissen gehörte, versteht sich von selbst, und oft genug spielte das Cis den Eheprokurator." Erst nachdem um 1840 die berühmte Sängerin Henriette S o n - tag, damals bereits Gräfin Rosst, mit ihrem Töchterchen im Berliner Tiergarten „auf Schlittschuhen bahlnglilt", wurde das Eisläufen zum Dolksver- ynügen. Emanuel G e i b e l hat diese Winterfreude m Versen geschildert!
Sei mir gegrüßt, o klingender Frost, du bringst uns die Sonne wieder zurück; tiefklar wölbt sich das schimmernde Blau; siehe, da drängt sich die Jugend hinab zur spiegelnden Eisbahn, welche des Nordwinds Hauch über die Tiefe gebaut. Auf der gediegenen Flut welch' buntes Gewimmel! Es wiegt sich, weithin kreisend die Schar auf dem beflügelten Stahl.
Wie sie sich suchen und fliehn!
Hell flattern die Schleier der Mädchen, wo sich die Lieblichste zeigt, stürmen die Jünglinge nach.
Zaghaft, nahe dem Ufer versucht sich der Mindergeübte, Doch in die Weite des Sees lockt es den Meister hinaus.
Ein anderer Dichter pries die Anmut der „göttlichen Henriette", wenn sie „dahinglitt auf vergoldetem Stahl"; ihre Schlittschuhe sollen vergoldet gewesen (ein. Die kostbarsten Schlittschuhe der Welt erhielt Kaiserin Elisabeth von Oesterreich an einem Neujahrstage von dem Wiener Diplomatischen Korps; sie waren ganz vergoldet, mit Diamanten und Rubinen verziert und kosteten 40 000 Mark.
Seither ist der Eislauf zum Volkssport geworden. Wenn „vom jungen Froste die Bahn tönt", zieht es alt und jung dahin. Schlittschuhe blitzen in der Sonne, in vielfältig verschlungenen Linien wogt es durcheinander; hier und da heben sich die großen Kurven eines guten Läufers ab, dort schweben welche paarweise über die Fläche, in einer Ecke versuchen sich die Neulinge. Keine andere Bewegung, ausgenommen der Tanz, ist so eng verschwistert der Musik wie der Eislauf, er ist schwingende Seele, er ist Hingleiten ins Uferlose und dennoch gezügelt, man wird nicht müde, die Kunst der wachsenden Kurven zu bewundern ober den weiten Bogen zu folgen. Es ist ein wundersames Gefühl, so tanzend, fliegend dahinzugleiten, um sich selber zu kreisen, in immer neuen Kurven zu enteilen ober rückwärts sich selber zu entfliehen; diese unbeschwerte Seligkeit ist von manchen Dichtern in schönen Worten geschildert worden, so malt Hermann Claudius mit stillen, aber kräftigen Tönen das Wesen des Eislaufs in einem kleinen Gedicht, dessen vier letzte Zeilen lauten:
i „Dor dir die biegsame Decke dunkelweit.
In dir tief den Traum nach Glückseligkeit.
lieber die spiegelnde Fläche hin gleitet dein Schuh. I Wie du dir immer entfliehen willst: du bleibst du."
,,©as jugostawrsche Antlitz."
Die neue Ausstellung des Oberhessischen
Kunstvereins im Stadttheater.
Man muß dem Oberhessischen Kunstver- e i n Dank dafür wissen, daß er den Gießener Freunden der darstellenden Kunst die Schausammlung eines Künstlers vermittelte, der sich mit einer keineswegs alltäglichen Nachhaltigkeit und Konsequenz einer ganz bestimmten Aufgabe widmete und im Rahmen dieser Ausgabe zu einer außerordentlichen künstlerischen Leistung gelangte. Der Maler Olaf Jordan-Birkigt, über dessen Lebensweg wir am Samstag in kurzen Äügen berichteten, hatte sich vorgenommen, den jugoslawischen Menschen in der Mannigfaltigkeit seiner völkischen Herkunft und Zusammensetzung, aber auch in seiner Stellung zwischen dem Orient und dem Okzident zu erfassen und so wiederzugeben, daß die Bilder nicht nur strengsten ethnographischen Forderungen gerecht werden, sondern gleichzetig jedes einzelne Porträt als künstlerische Leistung angesprochen werden kann. Es ist aus jedem der etwa 70 Bilder zu ersehen, daß sich der Künstler einer ungemein sorgfältigen Studienarbeit befleißigte und sich jedem Menschen, den er abzubilden unternahm, mit innerster Anteilnahme widmete. So allein vermochte er es wohl auch nur zu erreichen, daß aus jedem Porträt unmittelbar und glaubhaft das Leben selbst spricht, daß die Menschen erfaßt werden konnten in der reichen Skala aller ihrer Eigenschaften — von der urwüchsigen Wildheit und Kraftfülle des jungen Berghirten bis zur Hintersichtigket eines fatalistischen greisen Mohammedaners.
Die Menschen, die der Künstler erfaßte und die sich getreu in den Bildern spiegeln, sind fo unterschiedlich nach Art, Haltung und Ausdruck, daß man in der Betrachtung nicht müde werden kann. Da sind Montenegriner, deren gerader und unmittelbarer Blick fesselt, an anderer Stelle forscht man im Gesicht eines alten Mohammedaners, dessen Gedanken für den europäischen Menschen schwerlich zu erraten sind; hier ist es das grundehrliche Gesicht eines Bergbauern und wieder aus einem anderen Antlitz spricht uns Gemütstiefe und schlichte Naturverbundenheit an. Der Maler hat mit stets aleichbleibender Liebe und Sorgfalt den jungen König Peter II., Dürften, den orthodoxen Geistlichen» den Muezzin.
den Großgrundbesitzer, den Offizier und den Hirten, den Amtmann, den Bauern und den Tagelöhner gemalt und aus allen Bildern gewinnt man den Eindruck, daß er allen diesen Menschen gerecht zu werden vermochte. Nur wenige Frauenbildmsse sind vorhanden, u. a. das einer würdigen Matrone aus alter montenegrinischer Familie, bann ein wunderbar weich und hell gehaltenes Bildnis einer jungen Frau und schließlich ein Mädchenbildnis von zartestem Liebreiz.
Mit großer Freude stellt man fest, daß sich der Künstler vom Kompositorischen her kaum wiederholt. Jeder Kops steht anders im Raum, anders vor dem Hintergrund. Schön find die Abstimmun- gen und Harmonien in den Farben, wobei dem Maler eine fest gegründete Harmonie der Farben und der Ornamente in den schönen Trachten entgegen to mm t. Sehr sorgfältig ist die Tracht selbst studiert und zum Teil geradezu minutiös wieder- gegeben.
Das alles ist geadelt durch eine für einen 38jäh- rigen Künstler erstaunlich reife zeichnerische Technik, die aber durchaus nicht im Zeichnerischen befangen bleibt, sondern in vielen Bildern zu starken malerischen Wirkungen gesteigert ist. Sv sehr dabei der Künstler den Einzelheiten der Kleidung alle erdenk- liche Sorgfalt zuwandte, so ist doch offensichttich, daß er in keinem Augenblick das Wesentliche und die große Linie aus dem Auge verlor. Eine Reihe von Bildern trägt ausgesprochen repräsentativen Charakter.
Daß Olaf Jordan bei aller künsllerischen Hinneigung zum Menschen auch ein lebendiges Verhältnis zur Natur und zur Landschaft hat, wird in einigen Landschaftsbildern nachdrücklich bewiesen.
Der Besuch der Ausstellung des Oberhessischen Kunstvereins macht so nicht nur mit dem jugoslawischen Antlitz, sondern auch mit einer ernsten Künstlerpersönlichkeit bekannt. Erfreulich ist es, daß die Bildnissammlung (die bisher nur in Leipzig, in Düsseldorf und in Frankfurt a. M. gezeigt wurde) durch die Unterbringung im Foyer des Stadttheaters weit über den Kreis der Freunde des Oberhessischen Kunstvereins hinaus, vielen Volksgenossen nahegebracht wird, die sicherlich in den Pausen der Vorstellungen des Stadttheaters der Ausstellung einige Aufmerksamkeit schenken werden, um schließlich zu einer eingehenderen und ruhigeren Bettachtung wiederzukommen. Heinrich Ludwig Neuner.


