Heinrich Becker, Unteroffizier Otto Pfeiffer und Unteroffizier Edmund Feser.
** D i e Technische Nothilfe tatbereit. Ein Trupp der Technischen Nothilfe hatte sich am gestrigen Sonntag freiwillig zur Verfügung gestellt, um die zwei Bootspritschen der Gießener Ruder- Gesellschaft von der Lahn herunterzuholen und abzumontieren. Die Männer zeigten dabei eine gute Ausbildung, die es ihnen ermöglichte, die Arbeit innerhalb kurzer Zeit durchzuführen. Dereinsführer Scharmann von der Gießener Rüdei>Gesellschaft dankte der Technischen Nothilfe für ihren wiederholten freiwilligen Einsatz und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sie auch im kommenden Frühjahr für den Aufbau der Pritschen wieder zur Stelle sein werde.
Amtsgericht Gießen
Eine Frau in Gießen hatte einen Strafbefehl über drei Wochen Gefängnis erhalten. Sie war beschuldigt, am 15. Juli einen Hausgenossen, mit dem sie in Streit mar, auf der Straße 'in unflätiger Weise beleidigt zu haben. Gegen den Strafbefehl legte die Angeklagte Einspruch ein. Sie bestritt die Tat, wurde aber durch die Beweisaufnahme überführt. Dem Antrag des Anklagevertreters entsprechend wurde die Angeklagte zu einer Gefäng- nisstrafe von drei Wochen verurteilt. Dem Beleidigten wurde die Befugnis zugesprochen, den
entscheidenden Teil des Urteils öffentlich bekannt zu machen.
Ein Mann aus Wieseck war wegen Widerstandes angeklagt. Am 24. Juli machte er mit einer Säge im Walde Holz ab. Der Förster stellte ihn zur Rede und nahm ihm die verwendete Säge und die Leseholzkarte ab. Der Angeklagte wollte seine Karte wieder haben. Als er sie nicht bekam, entriß er dem Förster mit Gemalt die Säge. Der Angeklagte war geständig, er will aber in Erregung gehandelt haben. Dem Antrag des Anklagevertreters entsprechend wurde er an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe zu einer Geldstrafe von 20 Reichsmark verurteilt. Die seitherige Unbestraftheit und das Alter des Angeklagten wurden strafmildernd berücksichtigt.
Eine Frau aus Steinbach hatte wegen Diebstahls einen Strafbefehl über fünf Monate Gefängnis erhalten. Sie war beschuldigt, im Oktober v. I. militärische Ausrüstungsstücke, die in ihrem Anwesen liegengeblieben waren, sich angeeignet zu haben. Gegen den Strafbefehl legte die Angeklagte Einspruch ein. Sie bestritt, eine strafbare Handlung begangen zu haben. Die Hauptoerhandlung ergab, daß kein Diebstahl, sondern eine Unterschlagung vorlag. Das Gericht erkannte auf eine Gefäng- nisstrafe von einem Monat. Strafmildernd wurden die seitherige Unbestraftheit der Angeklagten und der Umstand, daß sie sich der Tragweite ihres Tuns nW bewußt war, berücksichtigt.
Aus der engeren Heimat.
üuberger Gallusmarkt im Kriegsjohr 1940.
+ Grünberg, 12. Okt. Dieser Tage fand nochmals eine Sitzung des Gallusmarkt-Ausfchusses statt, um die endgültige Gestaltung des diesjährigen Gallusmarktes festzulegen. Erfreulich mar der Bericht von Bürgermeister König, daß wider Erwarten großes Interesse seitens der Schausteller und fahrenden Kaufleute für den Markt festzustellen sei, mie dies die zahlreich eingehenden Meldungen bewiesen. In dieser Erwartung hatte der Ausschuß schon in einer früheren Sitzung beschlossen, den Markt auf seinem altgewohnten Platze, der Käsmiese, abzuhalten. So werden denn in der nächsten Woche wieder die gewohnte Budenstadt und die Gassen der Derkaufsstände dort zu sehen fein und Ziel und Anziehungspunkt für die Bewohner von Grünberg und Umgegend bilden. So viel steht nach den dis jetzt vorliegenden Meldungen schon fest, daß ein sehr gut beschickter Juxplatz und auch eine ansehnliche Zahl von Verkaufsständen den zweiten Kriegs-Gallusmarkt bilden werden. Damit wird er sich bedeutend von dem vorjährigen Kriegs- Gallusmarkt abheben, der innerhalb der Stadt abgehalten wurde und nur mit 30 Verkaufsständen beschickt mar, während der Juxplatz ganz ausfiel.
In der Sitzung berichtete der Kreiswalter der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Pg. Schemel (Gießen), über die am Gallusmarkt geplanten „Bunten Großveranstaltungen" in der Turnhalle, die durch die Mitwirkung namhafter Künstler und Künstlerinnen zu einem großen Ereignis zu werden versprechen. Ueber die Einrichtung des Pferde- und Rindviehmarktes berichteten Landwirtschaftsrat Dr. D i e n ft, Tierarzt Dr. Herdt und Ortsbauernführer Großhaus. Für gute Unterkunft der Tiere soll durch Ueberdachung und Einzäunung der Halle Sorge getragen werden.
Der Verlauf des Marktes ist kurz folgender: Am Dienstagabend geselliges Beisammensein des Marktausschusses mit den in Urlaub weilenden Soldaten. Am Mittwoch, 16. Oktober: Pferde-, Rindvieh- und Schweinemarkt auf der Lehmkaute, anschließend Krämermarkt und Volksfest auf der Käs- wiLse, nachmittags und abends „Bunte Großveranstaltungen" in der Turnhalle. Am Donnerstag, 17. Oktober: Krämermarkt und Volksfest auf der Käswiese und Filmvorführungen in der Turnhalle. Der folgende Sonntag bringt dann den Marktausklang. In dieser Weise wird sich der diesjährige Gallusmarkt, der 460. feines Namens, abspielen und trotz Kriegszeit seinen Ruf als altes oberhessisches Heimatfest wieder bestätigen.
Im Zusammenhang mit dem Gallusmarkt verdient noch ein Vorhaben des Markt-Ausschusses besonderer Erwähnung. Der Ausschuß sandte vor einigen Tagen an sämtliche Grünberger Soldaten, Arbeitsmänner, -maiden, Beamten, Eisenbahner und Rote-Kreuz-Helferinnen ein Schreiben, das
folgende Frage enthielt: „Wie hast du den 16. Oktober, den ersten Gallusmarkttag 1940, verbracht?" Darin wurden sie aufgefordert, eine Schilderung des Dienstes und ihrer persönlichen Erlebnisse an diesem Tage zu geben und an den Markt-Ausschuß zu senden und womöglich ihr Bild beizufügen. Es ist geplant, diese Briefe zu einem Gedenkbuch zu vereinigen, das später sowohl ihnen, als auch kommenden Geschlechtern eine stete Erinnerung an Deutschlands Daseinskampf unter unferm Führer Adolf Hitler bilden soll.
Landkreis Gießen.
* Lich, 11. Okt. Dieser Tage fand im Saale des Hotels „Zum Löwen" ein Mitgliederappell der hiesigen Kameradschaft der N S KO V. statt. Kameradschaftsführer Pg. Jakob Schmidt gab einen kurzen Rückblick auf die Ursachen des uns aufgezwungenen Krieges und über dessen Verlauf bis zum heutigen Tage. Im Anschluß gab Kamerad Schmidt an Hand der Befehlsausgabe Anordnungen und Bestimmungen bekannt.
gfs. Weickartshain, 12. Oft. Die reichliche Zwetschenernte machte es der Frauenschaft der hiesigen Ortsgruppe möglich, ein großes Zwet- fchenmuskochen für die Soldaten zu veranlassen. Die Zwetschen wunden von allen Mitgliedern ohne Ausnahme gern und willig gespendet, und jedes Mitglied brachte noch ein Viertelpfund Zucker mit. Abends wurden bei fröhlichem Beisammensein die Zwetschen gekernt und am nächsten Tage von einigen Frauen das Mus gekocht. Als stolzes Ergebnis konnten 70 Liter ausgeschöpft und der zuständigen Stelle zugeführt werden.
)—( Ruppertsburg, 12. Okt. Die Kartoffelernte geht hier ihrem Ende entgegen. Die (Erträge haben alle Erwartungen wett übertroffen. — Unsere Gemeinde hatte in diesem Jahre über vier Morgen Flachs. Die Felder zeigten einen schönen Stand. Vor allem waren sie dank der Reinigung durch die Schuljugend rein von Unkraut. In letzter Woche wurde der Flachs mm m Dorfgemeinschaftsarbeit gerupft.
Einbruch
unter Ausnutzung der Verdunkelung.
Gefährlicher Gewohnheitsverbrecher zum Tode verurteilt.
LPD. Offenbach, 13. Okt. Das in Offenbach am Main tagende Sondergericht verurteilte den 35 Jahre alten Georg Christ aus Offenbach wegen Einbruchsdiebstahls unter Ausnutzung der Verdunkelung zum Tode und wegen Unterschlagung und Hehlerei zu fünf Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust; außerdem wurde die Sicherungsverwahrung angeordnet. Christ, ein bereits 13mal, darunter auch einschläglich wegen Diebstahls und Rückfalldiebstahls vorbestrafter 'gemeingefährlicher Gewohnheitsverbrecher, hatte im oergangenen Winter einen Einbruchsdiebstahl unter Ausnutzung
3000Kilometer Stete
Roman von Olly Boeheim
1. Kapitel.
„Hallo, hallo, Fräulein, wo steuern Sie denn hin?" schrie der Hilfsregisseur Püttger, der mit seinem Megaphon hinter Den Tanzgirls herraste. Es war die erste Stellprobe zu der großen Sommerrevue, die im Juni starten sollte.
„Ich will meinen Trainingsanzug überziehen", antwortete Anita ©liefen, die mit einem Paket unter dem Arm inmitten all des Wirrwarrs stand, aus dem sich allmählich eine Probe entwickeln sollte.
„Girlgarderobe dritte Tür rechts hinter dem zweiten Notausgang, mein Mädchen", tutete der Hilfsregisseur überlaut und wandte sich zum Gehen. Anita faßte ihn am Aermel.
„Girlgarderobe?" sagte sie erstaunt; ich bin doch kein Girl!"
„Ach nee 1" Püttger grinste über sein rundes, fröhliches Gesicht, daß die Sommersprossen zu einem kleinen See verschwommen, „ach nee, wat bifte denn? Ick hätte dir direkt fürn Mädchen gehalten."
„Lassen Sie doch die Witze", sagte Anita Silesen scharf: „Ich bin als Solotänzerin verpflichtet."
„Moment mal!" Püttger wurde sachlich, zog den Besetzungsplan aus der Wollweste und erklärte: „Klar tanzt im solo, mein Mädchen, aber es hopsen gleichzeitig noch zwölf andere mit." Er pfiff durch die Zähne und ging ab.
Anita stand ratlos in dem Gewimmel von Beleuchtern, Bühnenarbeitern, Tänzerinnen, Chorrepetitoren und Tanzmeistern. Zwei Männer, die einen Flügel schleppten, stießen sie beinah um.
„Bühne frei!" schrie eine Stimme.
„Ich muß den Direktor sprechen", sagte Anita laut vor sich hin.
„Uff dir hat der liebe Gott jerade jewartet", sagte ein dicker Mann, der eine Dekoration über die Bühne rollte. Anita wandte sich um und prallte mit dem Regisseur zusammen.
„Warum sind Sie noch nicht umgezogen?" fragte der erstaunt.
„Weil — ist muß Sie sprechen", sagte Anita verstört.
„Was denn, gerade jetzt? Die Tanzprobe geht gleich los; kommen Sie nachher zu mir."
„Nein, das ist es ja eben", sagte Anita; „ich soll mich in der Chorgarderobe umziehen."
„Das ist doch heute ganz gleichgültig!"
„Ich bin aber als Solotänzerin verpflichtet!"
Der Regisseur hielt sich mit übertriebener Geste beide Ohren zu: „Siebes Fräulein, ich bin doch nicht dazu da, die Garderoben zu verteilen. Meinethalben können Sie sich auf dem Schnürboden oder im Edenhotel umziehen, aber umziehen müssen Sie sich! Also los!"
Anita wurde bockig.
„Herr Ockhart, wenn Sie nicht darüber zu bestimmen haben, dann muß ich mich an den Herrn wenden, der dafür zuständig ist."
„Die Kleene fängt jut an", sagte der Hilfsregisseur Püttger, der das Gespräch mit angehört hatte, „meckert wie eine angegraute Diva."
„Also bitte, Fräulein", entschied der Regisseur, „ich habe andere Sorgen", und mit erhobener Stimme, um seine Autorität zu unterstreichen: „Ziehen Sie sich sofort um! Die Damen zu dem blauen Walzer auf die Bühne 1 Wo ist der Tanz- meifter? Kinder, los, los!"
Anita wurde in eine Garderobe geschoben, wo bereits zwanzig Mädchen luftig durcheinander schnatterten wie in einem Hühnerstall. Wütend stieg sie in ihren Trainingsanzug und wurde auf die Bühne geschoben. Der Klavierspieler intonierte den blauen Walzer. Der Tanzmeister gab mit Händeklatschen den Taft an. Der Regisseur stand kritisch dabei. Anita tanzte mit zwölf anderen Mädchen zusammen. Sie hatte sich dazu überreden lassen, um das Engagement zu bekommen. Dafür hatte sie einen Solotanz im dritten Bild. Der Regisseur war ihretwegen verärgert und setzte beim Tanzmeister allerhand an den Mädchen aus. Dieser wiederum gab seine Wut an die Tänzerinnen weiter, und da Anita Silesen vor der Probe unliebsam ausgefallen war, bekam sie diesmal „bas Fett ab", wie die Kolleginnen schadenfroh schmunzelnd feststellten.
„Sie waren nicht im Takt, hier die dritte von links", schrie er.
der Verdunkelung begangen, wobei ihm erhebliche Vorräte eines Offenbacher Haushalts in die Hände fielen. Zum Fortschaffen der Beute benutzte er ein Fahrrad, das er am Ort der Tat gestohlen hat, doch konnte ihm dieses Delikt nur als Hehlerei nachge-' wiesen werden.
Zur persouenstandsauknabme.
In der kürzlich veröffentlichten Mitteilung über die Personenstands- und Betriebsausnahme am 10. Oktober 1940 wurde erwähnt, daß ledige Frauen angebex müssen, ob sie ein lebendes (nichtjüdisches) Kind geboren haben. Diese For- mutierung hat zu Unklarheiten geführt, denn das Steuerrecht verlangt von niemandem die Angabe, ob er ein außer der Ehe geborenes Kind besitzt. Die entsprechenden Angaben müssen nur
bann gemacht werden, wenn die Absicht besteht, die Einkommens st euer-Vergün st igungen, die sich aus dem Vorhandensein des Kindes ergeben, in Anspruch zu nehmen. „Ledige Frauen, die ein nichtjüdisches Kind lebend geboren haben, haben Anspruch auf Einkommensteuervergünstigung. Es ist auf ihren Lohnsteuerkarten statt der Steuergruppe I die Steuergruppe III, wenn nicht gar die Steuergruppe IV zu vermerken. Um der Gemeindebehörde zu ermöglichen, sofort bei Ausschreibung der Steuerkarte die richtige Steueraruppe einzutragen, können ledige Frauen die Geburt eines Kindes in .der Spalte 6 der Haushaits- lifte vermerken. Sie brauchen dies aber nicht zu tun. Wollen sie aber Steuervergünstigung haben, so müssen sie unter Vorlegung ihrer Steuerkarte bei der Gemeindebehörde beantragen, die Steuergruppe zu berücksichtigen."
SJt.-'fpoit
Gauneger des Sommersporttages.
Das Gausportamt der NS.-Gemeinschaft ,Kraft durch Freude" gibt jetzt die Betriebsgemeinschaften bekannt, die beim Sommersporttag der Betriebe Kreis- und Gausieger wurden. Aus der Siegerliste ist für unfere engere Heimat folgendes zu berichten:
kreis Gießen.
B e t r i e b s kla ffe II: Bezirkssparkasse Gießen, die 492,2 Punkte errang; Betriebsklasse IV: Didier-Werke AG. Mainzlar.
kreis Alsfeld-Lauterbach.
B e tr i eb s 11 a ff e II: Georg Baumgärtner; Betriebsklasse III: Möbelfabriken Alsfeld- Türope, Holzwerke Hans Wilhelmi, F. u. W. Wegener.
kreis Wetzlar.
Setriebsflaffe I: Hessische Ledertreibriemenfabrik; Betriebsklasse III: H. Jung & Co., Karolinenhütte, Holzwerke Wilhelmi, Grube Friedrich, Herkules-Werke G. m. b. H., W. H. Küster, Emst Luckhaus MZ., B e tri e b s kla sse IV: Robert Kling, Buderussche Eisenwerke, Hauptverwaltung; Betriebsklasse V: M. Hensoldt u. Söhne; B etri e b s kla sse VI: Emst Leitz, Stahlwerke Röchling-Buderus.
Meisterschaftsspiele im Fußball.
Sübroeff.
FSV. Frankfurt — Germania 94 Frankfurt 6:3 Rotweiß Frankfurt — Union Niederrad 3:1 Wormatta Worms — Kickers Offenbach 1:3 SV. Wiesbaden — Eintracht Frankfurt 1:5 Spvgg. Mundenheim — FK. 03 Pirmasens 2:1 VfR. Frankenthal — SG. Bürbach Saarbrücken 8:0 FV. Saarbrücken — Borussia Neunkirchen 4:0.
Hessen.
Hanau 93 — VfB. Groß-Auheim 3:2
Spvgg. Langensolbold — Dunlop Hanau 2:1 (abg.) Hermannia Kassel— SC. 03 Kassel 1:3 BC. Sport Kassel — Spv. Kassel 1:L „IC.Teutonia" Watzenborn-Steinberg Watzenborn-Steinberg I — Luftwaffe 5:4 (2:3).
W.-Steinberg Schüler — VfB.-R. Gießen Schüler 0:0.
Am gestrigen Sonntag hatten sich die Watzenborn-Steinberger die 1. Mannschaft eines Luftwaffensportvereins verpflichtet. Das Spiel war von Anfang an recht temperamentvoll. Die Platzmannschaft hatte Anstoß, der von der gegnerischen Verteidigung abgefangen wurde, und schon lag die Luftwaffe im Angriff. Sie hatte auch in der Folge leichte Vorteile im Spielfeld. Nach 10 Minuten wurde die Feldüberlegenheit mit dem ersten Tor. belohnt. Der Ball kam zu dem ungedeckten Rechtsaußen, der wuchttg einschoß. Dann machten sich die Teutonen mehr und mehr frei, doch die Hintermannschaft der Luftwaffe war auf dem Damm. Bald kamen die Gäste durch ein schönes Kopfballtor ihres Mittelstürmers zum zweiten Erfolg. Stets war der Sturm der Blau-Weißen gefährlich, aber Mittelläufer Hedrich der Teutonen stemmte sich entgegen. Der Linksaußen Harnisch umspielte den rechten Verteidiger der Luftwaffe, doch im Strafraum wurde er von diesem zu Fall gebracht. Der Schiri pfiff zum Elfmeter, der von Fett sicher verwandelt wurde. Kurz danach glich Schäfer aus. Aus einem Gedränge heraus rollte der Ball bann langsam an den Torpfosten und in das Tor der Teutonen. Mit 3:2 wurden die Seiten gewechselt. Sofort nach der
Pause hat der Halbrechte der Gäste eine weitere Gelegenheit, doch aus kurzer Entfernung schoß er neben das Tor. Auf dex Gegenseite schoß Häuser darüber. Einen wuchtigen Schuß von Harnisch wehrte ein gegnerischer Spieler im Strafraum mit der Hand ab. Den fälligen Elfmeter verwandelte wiederum Fett. Immer mehr drängten nun beide Mannschaften auf eine Entscheidung. Hell blieb es vorbehalten, die Teutonen in Führung zu bringen. Aber dieser Vorsprung wurde wieder von der Luftwaffe ausgeglichen. O. Burger köpfte einen Eckball knapp über die Torlatte, und fünf Minuten vor Spielende schoß Hämisch zum 5. und damit sieg- bringenben Treffer für die Watzenborn-Steinberger ein.
Die Schüler von Watzenborn-Steinberg und VsB.-R. Gießen trennten sich 0:0. Die einzige Torchance in diesem Spiel -in Gestalt eines Handelfmeters wurde von den jungen Teutonen ausgelassen.
Nach jederzeit überlegenem Spiel siegte die Handballjugendmannschaft des To. Watzenborn-Stein^ berg gegen die gleiche vom Tv. Wieseck mtt 18:2 ink ersten Bannmeisterschaftsspiel.
> Handball.
Großen-Buseck 1. 3gb. — 1900 Gießen 1. 3gb. 9:5 (3:2).
Ein schönes, flottes und faires Spiel. Zum er- ftenmale mußte 1900 gegen Großen-Buseck eine Niederlage einstecken. Großen-Buseck hat bas Spiel verbient gewonnen, während sich der Gießener Sturm durch die gute Abwehr der Busecker Hintermannschaft nicht recht entfalten konnte. Schiedrichder Henß leitete zur Zufriedenheit beider Mannschaften.
Waldlauf in Gießen.
Die gestrige Waldlauf-Veranstaltung brachte nicht den Erfolg, den man allgemein erwartet hatte, und den sie bei Berücksichtigung der umfangreichen Vorbereitungsarbeiten verdient hätte. Infolge ungenügender Beteiligung wurden die beiden Strecken der Männer- und Juniorenklasse zufammengelegt und führte über etwa 6000 Meter. Es siegte Götze vor Hirschherger, beide VfB.-R. Gießen. Bei den Frauen führte die Strecke über etwa 1200 Meter. Hierfür hatte der VfB.-R. zwei Mannschaften gemeldet. Das ausgewählte Gelände war gut. Die Ergebnisse:
Männer (etwa 6000 Meter): 1. Götze, VfB-R., 18:27,3 Min.; 2. Hirschberger, VfB.-R., 20:17 Min.
grauen (etwa 1200 Meter): 1. Frl. Pbilinp, VfB.-R., 8:25 Min.; 2. Frl. L. Weber, VfB.-R., 8:26,3 Min.; 3. Frl. G. Weber, VfB.-R., 8:27,5 Min.; 4. Frl. Arnold, VfB.-R., 9:05 Min.
Kurze Gportnotize«.
Di e Sudwest-Meisterschaft b er Turnerinnen im gemischten Achtkampf wurde in Frankfurt a. M. von Frl. Stursberg (Tgf. Offenbach) mit 141,5 Punkten vor Thien (Eintracht Frankfurt) mit 140,5 und Vettih (Tgf. Offenbach) mit 133,5 Punkten gewonnen. Im Siebenkampf der Mittelstufe siegte Frl. Warner (Eintracht Wiesbaden) mit 131 Punkten.
Die deutschen Turnermeisterschaf- tcn werden 1941 bereits im Februar durchgeführt. Gleichfalls im Frühjahr finden Vorrunde und Zwischenrunde für die Deutsche Meisterschaft in den Be- reichsmannschaftskämpfen statt, die im April zum Abschluß kommen.
Die Tänzerinnen standen stumm.
„Wenn Sie mit dem dritten von links mich meinen", sagte Anita, „so möchte ich Ihnen sagen, daß ich Anita Silesen heiße —"
„Sehr angenehm", bemerkte der Regisseur sarkastisch. „Sie haben sich vorhin schon unangenehm bemerkbar gemacht."
„Probenbremsen können wir hier nicht gebrauchen!" kam eine gewaltige Stimme aus dem Parkett.
„Der Hebe Gott", flüsterte ein Girl erschrocken. Die Tatsache, daß der Direktor soeben bas Parkett betreten hatte, entfachte in dem Regisseur einen geradezu gewaltigen Geltungsbetrieb.
„Den Tanz von Anfang an, alles zurück", schrie er unnötig laut, setzte sich neben den Direktor und verwickelte ihn in ein Gespräch, während die Tänzerinnen oben alle Energie in ihre hübschen Beine legten, um dem Gewaltigen zu gefallen.
„Weiter!" rief der Spielleiter, nachdem der Direktor schmunzelnd genickt hatte. Plötzlich stand Anita Silesen neben dem Regisseur im Parkett.
„Verzeihen Sie, Herr Ockhart", sagte sie höflich, „ich möchte nur fragen, wann mein Solotanz dran- kommt; und bann, gut, daß ich Sie treffe, Herr Direktor, wenn ich auch im Chor mittanze, so wünsche ich doch eine Einzelgarderobe und —"
„Was denn, was denn?" herrschte der Spielleiter das Mädchen an, „Sie sind Solotänzerin, das ist mir neu!"
„Liebes Kind, haben Sie sich doch nicht so mit Ihrem Solotanz", nahm der Direktor das Wort; „voraussichtlich können wir ihn gar nicht bringen."
Anita ftand entgeistert: „Mein Tanz soll gestrichen werden?" sagte sie mit blassen Lippen.
„Kind, machen Sie mich nicht wahnsinnig mit Ihrem Gefrage. Das ägyptische Bild fällt voraussichtlich ganz weg."
„Und mein Tanz auch?"
,Zhr Tanz vermutlich auch."
„Aber Herr Direktor, ich habe ja nur auf den ägyptischen Tanz hin abgeschlossen. Nur deshalb mache ich im Ballett mit, weil —" Tränen erstickten ihre Stimme.
„Aber Kindchen, ich kann doch Ihretwegen nicht die Cheopspyramide aufbauen lassen! Wir haben
doch schließlich auch einen Etat; außerdem war Ihre Leistung eben nicht so umwerfend, nickst wahr, Herr Ockhart —, daß der Welt etwas mit Ihrem Tanz verlorenginae."
„Ich bin kein Ballettgirl, Herr Direktor", sagte Anita mit mühsam verhaltener Stimme. ,^d) bin Charaktertänzerin —."
„Sagen Sie, was fällt Ihnen eigentlich ein", rief der Direktor ungeduldig. „Sie sind eine Anfängerin, eine blutige Anfängerin, und spielen sich auf, als wären Sie die Pawlowa. Machen Sie, daß Sie raus kommen!"
„Das heißt also, ich kann gehen?"
„Ich bitte darum! Wetter, zweite Szene, das Südseebild!"
Anita stand wie betäubt. „Also damit wäre Schluß", sagte sie und ließ dem Schluchzen, das ihr in der Kehle saß, freien Lauf. Dann ging sie in einer plötzlichen Eingebung zum Fernsprecher und rief Peter Renz an.
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Peter Renz faß an seinem Schreibtisch und kaute an einem Bleistift. Mit der linken Hand strich er über sein strohblondes Haar, das noch immer nach Jungenart etwas störrisch abftanb. Er stierte in das Hochhaus gegenüber, folgte bann mit dem Blick dem kleinen Stückchen Himmelblau, das, wie eine kleine Verheißung, zärtlich über dem steinernen Häusermeer schwamm. Vor ihm lagen Reklamezeichnungen in bunten Farben. Peter Renz, der stets Einfallsreiche, knobelte an einem durchschlagen- oen Reklamevers für eine Baufirma. Vielleicht war es der linde Frühlingstag, der ihm die Gedanken aus dem Kopf zog. Die Luft war weich, die Spatzen schilpten, und der leise Wind, der durch das halb geöffnete Bürofenster strich, brachte den Duft von Primeln und zartgrünen Wiesen mit.
„Der neue Baustoff ist solide —."
Hier hakte er schon. Einen Reim, einen treffenben Reim. In solchen Sachen war Peter Renz trotz seiner fünfundzwanzig Jahre Meister. Das Telephon schrillte in seinen Gedankengang hinein.
„Anita, hallo, was ist denn los?" Das Tippfräulein, das neben dem Fernsprecher saß, lächelte, so laut und aufgeregt klang die Mädchenstimme durch den Trichter,
(Fortsetzung folgt.)


