Ausgabe 
14.10.1940
 
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Heinrich Becker, Unteroffizier Otto Pfeiffer und Unteroffizier Edmund Feser.

** D i e Technische Nothilfe tatbereit. Ein Trupp der Technischen Nothilfe hatte sich am gestrigen Sonntag freiwillig zur Verfügung gestellt, um die zwei Bootspritschen der Gießener Ruder- Gesellschaft von der Lahn herunterzuholen und ab­zumontieren. Die Männer zeigten dabei eine gute Ausbildung, die es ihnen ermöglichte, die Arbeit innerhalb kurzer Zeit durchzuführen. Dereinsführer Scharmann von der Gießener Rüdei>Gesellschaft dankte der Technischen Nothilfe für ihren wieder­holten freiwilligen Einsatz und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sie auch im kommenden Frühjahr für den Aufbau der Pritschen wieder zur Stelle sein werde.

Amtsgericht Gießen

Eine Frau in Gießen hatte einen Strafbefehl über drei Wochen Gefängnis erhalten. Sie war be­schuldigt, am 15. Juli einen Hausgenossen, mit dem sie in Streit mar, auf der Straße 'in unflätiger Weise beleidigt zu haben. Gegen den Strafbefehl legte die Angeklagte Einspruch ein. Sie bestritt die Tat, wurde aber durch die Beweisaufnahme über­führt. Dem Antrag des Anklagevertreters ent­sprechend wurde die Angeklagte zu einer Gefäng- nisstrafe von drei Wochen verurteilt. Dem Beleidigten wurde die Befugnis zugesprochen, den

entscheidenden Teil des Urteils öffentlich bekannt zu machen.

Ein Mann aus Wieseck war wegen Widerstandes angeklagt. Am 24. Juli machte er mit einer Säge im Walde Holz ab. Der Förster stellte ihn zur Rede und nahm ihm die verwendete Säge und die Lese­holzkarte ab. Der Angeklagte wollte seine Karte wieder haben. Als er sie nicht bekam, entriß er dem Förster mit Gemalt die Säge. Der Angeklagte war geständig, er will aber in Erregung gehandelt haben. Dem Antrag des Anklagevertreters entsprechend wurde er an Stelle einer an sich verwirkten Gefäng­nisstrafe zu einer Geldstrafe von 20 Reichs­mark verurteilt. Die seitherige Unbestraftheit und das Alter des Angeklagten wurden strafmildernd berücksichtigt.

Eine Frau aus Steinbach hatte wegen Diebstahls einen Strafbefehl über fünf Monate Gefängnis erhalten. Sie war beschuldigt, im Oktober v. I. mili­tärische Ausrüstungsstücke, die in ihrem Anwesen liegengeblieben waren, sich angeeignet zu haben. Gegen den Strafbefehl legte die Angeklagte Ein­spruch ein. Sie bestritt, eine strafbare Handlung begangen zu haben. Die Hauptoerhandlung ergab, daß kein Diebstahl, sondern eine Unterschlagung vorlag. Das Gericht erkannte auf eine Gefäng- nisstrafe von einem Monat. Strafmildernd wurden die seitherige Unbestraftheit der Angeklag­ten und der Umstand, daß sie sich der Tragweite ihres Tuns nW bewußt war, berücksichtigt.

Aus der engeren Heimat.

üuberger Gallusmarkt im Kriegsjohr 1940.

+ Grünberg, 12. Okt. Dieser Tage fand noch­mals eine Sitzung des Gallusmarkt-Ausfchusses statt, um die endgültige Gestaltung des diesjährigen Gallusmarktes festzulegen. Erfreulich mar der Bericht von Bürgermeister König, daß wider Erwarten großes Interesse seitens der Schausteller und fahrenden Kaufleute für den Markt festzu­stellen sei, mie dies die zahlreich eingehenden Mel­dungen bewiesen. In dieser Erwartung hatte der Ausschuß schon in einer früheren Sitzung beschlos­sen, den Markt auf seinem altgewohnten Platze, der Käsmiese, abzuhalten. So werden denn in der nächsten Woche wieder die gewohnte Budenstadt und die Gassen der Derkaufsstände dort zu sehen fein und Ziel und Anziehungspunkt für die Bewohner von Grünberg und Umgegend bilden. So viel steht nach den dis jetzt vorliegenden Meldungen schon fest, daß ein sehr gut beschickter Juxplatz und auch eine ansehnliche Zahl von Verkaufsständen den zweiten Kriegs-Gallusmarkt bilden werden. Damit wird er sich bedeutend von dem vorjährigen Kriegs- Gallusmarkt abheben, der innerhalb der Stadt ab­gehalten wurde und nur mit 30 Verkaufsständen beschickt mar, während der Juxplatz ganz ausfiel.

In der Sitzung berichtete der Kreiswalter der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude", Pg. Schemel (Gießen), über die am Gallusmarkt ge­plantenBunten Großveranstaltungen" in der Turnhalle, die durch die Mitwirkung namhafter Künstler und Künstlerinnen zu einem großen Ereig­nis zu werden versprechen. Ueber die Einrichtung des Pferde- und Rindviehmarktes berichteten Land­wirtschaftsrat Dr. D i e n ft, Tierarzt Dr. Herdt und Ortsbauernführer Großhaus. Für gute Unterkunft der Tiere soll durch Ueberdachung und Einzäunung der Halle Sorge getragen werden.

Der Verlauf des Marktes ist kurz folgen­der: Am Dienstagabend geselliges Beisammensein des Marktausschusses mit den in Urlaub weilenden Soldaten. Am Mittwoch, 16. Oktober: Pferde-, Rind­vieh- und Schweinemarkt auf der Lehmkaute, an­schließend Krämermarkt und Volksfest auf der Käs- wiLse, nachmittags und abendsBunte Großver­anstaltungen" in der Turnhalle. Am Donnerstag, 17. Oktober: Krämermarkt und Volksfest auf der Käswiese und Filmvorführungen in der Turnhalle. Der folgende Sonntag bringt dann den Marktaus­klang. In dieser Weise wird sich der diesjährige Gallusmarkt, der 460. feines Namens, abspielen und trotz Kriegszeit seinen Ruf als altes oberhes­sisches Heimatfest wieder bestätigen.

Im Zusammenhang mit dem Gallusmarkt ver­dient noch ein Vorhaben des Markt-Ausschusses be­sonderer Erwähnung. Der Ausschuß sandte vor einigen Tagen an sämtliche Grünberger Soldaten, Arbeitsmänner, -maiden, Beamten, Eisenbahner und Rote-Kreuz-Helferinnen ein Schreiben, das

folgende Frage enthielt:Wie hast du den 16. Ok­tober, den ersten Gallusmarkttag 1940, verbracht?" Darin wurden sie aufgefordert, eine Schilderung des Dienstes und ihrer persönlichen Erlebnisse an diesem Tage zu geben und an den Markt-Ausschuß zu senden und womöglich ihr Bild beizufügen. Es ist geplant, diese Briefe zu einem Gedenkbuch zu vereinigen, das später sowohl ihnen, als auch kom­menden Geschlechtern eine stete Erinnerung an Deutschlands Daseinskampf unter unferm Führer Adolf Hitler bilden soll.

Landkreis Gießen.

* Lich, 11. Okt. Dieser Tage fand im Saale des HotelsZum Löwen" ein Mitgliederappell der hiesigen Kameradschaft der N S KO V. statt. Ka­meradschaftsführer Pg. Jakob Schmidt gab einen kurzen Rückblick auf die Ursachen des uns aufge­zwungenen Krieges und über dessen Verlauf bis zum heutigen Tage. Im Anschluß gab Kamerad Schmidt an Hand der Befehlsausgabe Anordnungen und Bestimmungen bekannt.

gfs. Weickartshain, 12. Oft. Die reichliche Zwetschenernte machte es der Frauenschaft der hiesigen Ortsgruppe möglich, ein großes Zwet- fchenmuskochen für die Soldaten zu veranlassen. Die Zwetschen wunden von allen Mit­gliedern ohne Ausnahme gern und willig gespen­det, und jedes Mitglied brachte noch ein Viertel­pfund Zucker mit. Abends wurden bei fröhlichem Beisammensein die Zwetschen gekernt und am näch­sten Tage von einigen Frauen das Mus gekocht. Als stolzes Ergebnis konnten 70 Liter ausgeschöpft und der zuständigen Stelle zugeführt werden.

)( Ruppertsburg, 12. Okt. Die Kar­toffelernte geht hier ihrem Ende entgegen. Die (Erträge haben alle Erwartungen wett über­troffen. Unsere Gemeinde hatte in diesem Jahre über vier Morgen Flachs. Die Felder zeigten einen schönen Stand. Vor allem waren sie dank der Reinigung durch die Schuljugend rein von Un­kraut. In letzter Woche wurde der Flachs mm m Dorfgemeinschaftsarbeit gerupft.

Einbruch

unter Ausnutzung der Verdunkelung.

Gefährlicher Gewohnheitsverbrecher zum Tode verurteilt.

LPD. Offenbach, 13. Okt. Das in Offenbach am Main tagende Sondergericht verurteilte den 35 Jahre alten Georg Christ aus Offenbach wegen Einbruchsdiebstahls unter Ausnutzung der Verdunkelung zum Tode und wegen Unterschlagung und Hehlerei zu fünf Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust; außerdem wurde die Siche­rungsverwahrung angeordnet. Christ, ein bereits 13mal, darunter auch einschläglich wegen Diebstahls und Rückfalldiebstahls vorbestrafter 'gemeingefähr­licher Gewohnheitsverbrecher, hatte im oergangenen Winter einen Einbruchsdiebstahl unter Ausnutzung

3000Kilometer Stete

Roman von Olly Boeheim

1. Kapitel.

Hallo, hallo, Fräulein, wo steuern Sie denn hin?" schrie der Hilfsregisseur Püttger, der mit seinem Megaphon hinter Den Tanzgirls herraste. Es war die erste Stellprobe zu der großen Som­merrevue, die im Juni starten sollte.

Ich will meinen Trainingsanzug überziehen", antwortete Anita ©liefen, die mit einem Paket unter dem Arm inmitten all des Wirrwarrs stand, aus dem sich allmählich eine Probe entwickeln sollte.

Girlgarderobe dritte Tür rechts hinter dem zwei­ten Notausgang, mein Mädchen", tutete der Hilfs­regisseur überlaut und wandte sich zum Gehen. Anita faßte ihn am Aermel.

Girlgarderobe?" sagte sie erstaunt; ich bin doch kein Girl!"

Ach nee 1" Püttger grinste über sein rundes, fröhliches Gesicht, daß die Sommersprossen zu einem kleinen See verschwommen,ach nee, wat bifte denn? Ick hätte dir direkt fürn Mädchen gehalten."

Lassen Sie doch die Witze", sagte Anita Silesen scharf:Ich bin als Solotänzerin verpflichtet."

Moment mal!" Püttger wurde sachlich, zog den Besetzungsplan aus der Wollweste und erklärte: Klar tanzt im solo, mein Mädchen, aber es hopsen gleichzeitig noch zwölf andere mit." Er pfiff durch die Zähne und ging ab.

Anita stand ratlos in dem Gewimmel von Be­leuchtern, Bühnenarbeitern, Tänzerinnen, Chor­repetitoren und Tanzmeistern. Zwei Männer, die einen Flügel schleppten, stießen sie beinah um.

Bühne frei!" schrie eine Stimme.

Ich muß den Direktor sprechen", sagte Anita laut vor sich hin.

Uff dir hat der liebe Gott jerade jewartet", sagte ein dicker Mann, der eine Dekoration über die Bühne rollte. Anita wandte sich um und prallte mit dem Regisseur zusammen.

Warum sind Sie noch nicht umgezogen?" fragte der erstaunt.

Weil ist muß Sie sprechen", sagte Anita verstört.

Was denn, gerade jetzt? Die Tanzprobe geht gleich los; kommen Sie nachher zu mir."

Nein, das ist es ja eben", sagte Anita;ich soll mich in der Chorgarderobe umziehen."

Das ist doch heute ganz gleichgültig!"

Ich bin aber als Solotänzerin verpflichtet!"

Der Regisseur hielt sich mit übertriebener Geste beide Ohren zu:Siebes Fräulein, ich bin doch nicht dazu da, die Garderoben zu verteilen. Meinet­halben können Sie sich auf dem Schnürboden oder im Edenhotel umziehen, aber umziehen müssen Sie sich! Also los!"

Anita wurde bockig.

Herr Ockhart, wenn Sie nicht darüber zu be­stimmen haben, dann muß ich mich an den Herrn wenden, der dafür zuständig ist."

Die Kleene fängt jut an", sagte der Hilfsregisseur Püttger, der das Gespräch mit angehört hatte, meckert wie eine angegraute Diva."

Also bitte, Fräulein", entschied der Regisseur, ich habe andere Sorgen", und mit erhobener Stimme, um seine Autorität zu unterstreichen: Ziehen Sie sich sofort um! Die Damen zu dem blauen Walzer auf die Bühne 1 Wo ist der Tanz- meifter? Kinder, los, los!"

Anita wurde in eine Garderobe geschoben, wo bereits zwanzig Mädchen luftig durcheinander schnatterten wie in einem Hühnerstall. Wütend stieg sie in ihren Trainingsanzug und wurde auf die Bühne geschoben. Der Klavierspieler intonierte den blauen Walzer. Der Tanzmeister gab mit Hände­klatschen den Taft an. Der Regisseur stand kritisch dabei. Anita tanzte mit zwölf anderen Mädchen zu­sammen. Sie hatte sich dazu überreden lassen, um das Engagement zu bekommen. Dafür hatte sie einen Solotanz im dritten Bild. Der Regisseur war ihretwegen verärgert und setzte beim Tanzmeister allerhand an den Mädchen aus. Dieser wiederum gab seine Wut an die Tänzerinnen weiter, und da Anita Silesen vor der Probe unliebsam ausge­fallen war, bekam sie diesmalbas Fett ab", wie die Kolleginnen schadenfroh schmunzelnd feststellten.

Sie waren nicht im Takt, hier die dritte von links", schrie er.

der Verdunkelung begangen, wobei ihm erhebliche Vorräte eines Offenbacher Haushalts in die Hände fielen. Zum Fortschaffen der Beute benutzte er ein Fahrrad, das er am Ort der Tat gestohlen hat, doch konnte ihm dieses Delikt nur als Hehlerei nachge-' wiesen werden.

Zur persouenstandsauknabme.

In der kürzlich veröffentlichten Mitteilung über die Personenstands- und Betriebsausnahme am 10. Oktober 1940 wurde erwähnt, daß ledige Frauen angebex müssen, ob sie ein lebendes (nichtjüdisches) Kind geboren haben. Diese For- mutierung hat zu Unklarheiten geführt, denn das Steuerrecht verlangt von niemandem die Angabe, ob er ein außer der Ehe geborenes Kind besitzt. Die entsprechenden Angaben müssen nur

bann gemacht werden, wenn die Absicht besteht, die Einkommens st euer-Vergün st igungen, die sich aus dem Vorhandensein des Kindes er­geben, in Anspruch zu nehmen.Ledige Frauen, die ein nichtjüdisches Kind lebend geboren haben, haben Anspruch auf Einkommensteuervergünsti­gung. Es ist auf ihren Lohnsteuerkarten statt der Steuergruppe I die Steuergruppe III, wenn nicht gar die Steuergruppe IV zu vermerken. Um der Gemeindebehörde zu ermöglichen, sofort bei Aus­schreibung der Steuerkarte die richtige Steueraruppe einzutragen, können ledige Frauen die Geburt eines Kindes in .der Spalte 6 der Haushaits- lifte vermerken. Sie brauchen dies aber nicht zu tun. Wollen sie aber Steuervergün­stigung haben, so müssen sie unter Vorlegung ihrer Steuerkarte bei der Gemeindebehörde beantragen, die Steuergruppe zu berücksichtigen."

SJt.-'fpoit

Gauneger des Sommersporttages.

Das Gausportamt der NS.-Gemeinschaft ,Kraft durch Freude" gibt jetzt die Betriebsgemeinschaften bekannt, die beim Sommersporttag der Betriebe Kreis- und Gausieger wurden. Aus der Siegerliste ist für unfere engere Heimat folgendes zu berich­ten:

kreis Gießen.

B e t r i e b s kla ffe II: Bezirkssparkasse Gießen, die 492,2 Punkte errang; Betriebsklasse IV: Didier-Werke AG. Mainzlar.

kreis Alsfeld-Lauterbach.

B e tr i eb s 11 a ff e II: Georg Baumgärtner; Betriebsklasse III: Möbelfabriken Alsfeld- Türope, Holzwerke Hans Wilhelmi, F. u. W. We­gener.

kreis Wetzlar.

Setriebsflaffe I: Hessische Ledertreibrie­menfabrik; Betriebsklasse III: H. Jung & Co., Karolinenhütte, Holzwerke Wilhelmi, Grube Fried­rich, Herkules-Werke G. m. b. H., W. H. Küster, Emst Luckhaus MZ., B e tri e b s kla sse IV: Robert Kling, Buderussche Eisenwerke, Hauptverwaltung; Betriebsklasse V: M. Hensoldt u. Söhne; B etri e b s kla sse VI: Emst Leitz, Stahlwerke Röchling-Buderus.

Meisterschaftsspiele im Fußball.

Sübroeff.

FSV. Frankfurt Germania 94 Frankfurt 6:3 Rotweiß Frankfurt Union Niederrad 3:1 Wormatta Worms Kickers Offenbach 1:3 SV. Wiesbaden Eintracht Frankfurt 1:5 Spvgg. Mundenheim FK. 03 Pirmasens 2:1 VfR. Frankenthal SG. Bürbach Saarbrücken 8:0 FV. Saarbrücken Borussia Neunkirchen 4:0.

Hessen.

Hanau 93 VfB. Groß-Auheim 3:2

Spvgg. Langensolbold Dunlop Hanau 2:1 (abg.) Hermannia Kassel SC. 03 Kassel 1:3 BC. Sport Kassel Spv. Kassel 1:L IC.Teutonia" Watzenborn-Steinberg Watzenborn-Steinberg I Luftwaffe 5:4 (2:3).

W.-Steinberg Schüler VfB.-R. Gießen Schüler 0:0.

Am gestrigen Sonntag hatten sich die Watzen­born-Steinberger die 1. Mannschaft eines Luftwaf­fensportvereins verpflichtet. Das Spiel war von Anfang an recht temperamentvoll. Die Platzmann­schaft hatte Anstoß, der von der gegnerischen Ver­teidigung abgefangen wurde, und schon lag die Luftwaffe im Angriff. Sie hatte auch in der Folge leichte Vorteile im Spielfeld. Nach 10 Minuten wurde die Feldüberlegenheit mit dem ersten Tor. belohnt. Der Ball kam zu dem ungedeckten Rechts­außen, der wuchttg einschoß. Dann machten sich die Teutonen mehr und mehr frei, doch die Hinter­mannschaft der Luftwaffe war auf dem Damm. Bald kamen die Gäste durch ein schönes Kopfball­tor ihres Mittelstürmers zum zweiten Erfolg. Stets war der Sturm der Blau-Weißen gefährlich, aber Mittelläufer Hedrich der Teutonen stemmte sich ent­gegen. Der Linksaußen Harnisch umspielte den rech­ten Verteidiger der Luftwaffe, doch im Strafraum wurde er von diesem zu Fall gebracht. Der Schiri pfiff zum Elfmeter, der von Fett sicher verwandelt wurde. Kurz danach glich Schäfer aus. Aus einem Gedränge heraus rollte der Ball bann langsam an den Torpfosten und in das Tor der Teutonen. Mit 3:2 wurden die Seiten gewechselt. Sofort nach der

Pause hat der Halbrechte der Gäste eine weitere Ge­legenheit, doch aus kurzer Entfernung schoß er neben das Tor. Auf dex Gegenseite schoß Häuser darüber. Einen wuchtigen Schuß von Harnisch wehrte ein gegnerischer Spieler im Strafraum mit der Hand ab. Den fälligen Elfmeter verwandelte wiederum Fett. Immer mehr drängten nun beide Mannschaften auf eine Entscheidung. Hell blieb es vorbehalten, die Teutonen in Führung zu bringen. Aber dieser Vorsprung wurde wieder von der Luft­waffe ausgeglichen. O. Burger köpfte einen Eckball knapp über die Torlatte, und fünf Minuten vor Spielende schoß Hämisch zum 5. und damit sieg- bringenben Treffer für die Watzenborn-Steinberger ein.

Die Schüler von Watzenborn-Steinberg und VsB.-R. Gießen trennten sich 0:0. Die einzige Tor­chance in diesem Spiel -in Gestalt eines Handelfme­ters wurde von den jungen Teutonen ausgelassen.

Nach jederzeit überlegenem Spiel siegte die Hand­balljugendmannschaft des To. Watzenborn-Stein^ berg gegen die gleiche vom Tv. Wieseck mtt 18:2 ink ersten Bannmeisterschaftsspiel.

> Handball.

Großen-Buseck 1. 3gb. 1900 Gießen 1. 3gb. 9:5 (3:2).

Ein schönes, flottes und faires Spiel. Zum er- ftenmale mußte 1900 gegen Großen-Buseck eine Niederlage einstecken. Großen-Buseck hat bas Spiel verbient gewonnen, während sich der Gießener Sturm durch die gute Abwehr der Busecker Hinter­mannschaft nicht recht entfalten konnte. Schiedrichder Henß leitete zur Zufriedenheit beider Mannschaf­ten.

Waldlauf in Gießen.

Die gestrige Waldlauf-Veranstaltung brachte nicht den Erfolg, den man allgemein erwartet hatte, und den sie bei Berücksichtigung der umfangreichen Vor­bereitungsarbeiten verdient hätte. Infolge unge­nügender Beteiligung wurden die beiden Strecken der Männer- und Juniorenklasse zufammengelegt und führte über etwa 6000 Meter. Es siegte Götze vor Hirschherger, beide VfB.-R. Gießen. Bei den Frauen führte die Strecke über etwa 1200 Meter. Hierfür hatte der VfB.-R. zwei Mannschaften ge­meldet. Das ausgewählte Gelände war gut. Die Ergebnisse:

Männer (etwa 6000 Meter): 1. Götze, VfB-R., 18:27,3 Min.; 2. Hirschberger, VfB.-R., 20:17 Min.

grauen (etwa 1200 Meter): 1. Frl. Pbilinp, VfB.-R., 8:25 Min.; 2. Frl. L. Weber, VfB.-R., 8:26,3 Min.; 3. Frl. G. Weber, VfB.-R., 8:27,5 Min.; 4. Frl. Arnold, VfB.-R., 9:05 Min.

Kurze Gportnotize«.

Di e Sudwest-Meisterschaft b er Tur­nerinnen im gemischten Achtkampf wurde in Frankfurt a. M. von Frl. Stursberg (Tgf. Offen­bach) mit 141,5 Punkten vor Thien (Eintracht Frank­furt) mit 140,5 und Vettih (Tgf. Offenbach) mit 133,5 Punkten gewonnen. Im Siebenkampf der Mittel­stufe siegte Frl. Warner (Eintracht Wiesbaden) mit 131 Punkten.

Die deutschen Turnermeisterschaf- tcn werden 1941 bereits im Februar durchgeführt. Gleichfalls im Frühjahr finden Vorrunde und Zwi­schenrunde für die Deutsche Meisterschaft in den Be- reichsmannschaftskämpfen statt, die im April zum Abschluß kommen.

Die Tänzerinnen standen stumm.

Wenn Sie mit dem dritten von links mich meinen", sagte Anita,so möchte ich Ihnen sagen, daß ich Anita Silesen heiße"

Sehr angenehm", bemerkte der Regisseur sar­kastisch.Sie haben sich vorhin schon unangenehm bemerkbar gemacht."

Probenbremsen können wir hier nicht gebrau­chen!" kam eine gewaltige Stimme aus dem Par­kett.

Der Hebe Gott", flüsterte ein Girl erschrocken. Die Tatsache, daß der Direktor soeben bas Parkett betreten hatte, entfachte in dem Regisseur einen geradezu gewaltigen Geltungsbetrieb.

Den Tanz von Anfang an, alles zurück", schrie er unnötig laut, setzte sich neben den Direktor und verwickelte ihn in ein Gespräch, während die Tän­zerinnen oben alle Energie in ihre hübschen Beine legten, um dem Gewaltigen zu gefallen.

Weiter!" rief der Spielleiter, nachdem der Di­rektor schmunzelnd genickt hatte. Plötzlich stand Anita Silesen neben dem Regisseur im Parkett.

Verzeihen Sie, Herr Ockhart", sagte sie höflich, ich möchte nur fragen, wann mein Solotanz dran- kommt; und bann, gut, daß ich Sie treffe, Herr Direktor, wenn ich auch im Chor mittanze, so wünsche ich doch eine Einzelgarderobe und"

Was denn, was denn?" herrschte der Spielleiter das Mädchen an,Sie sind Solotänzerin, das ist mir neu!"

Liebes Kind, haben Sie sich doch nicht so mit Ihrem Solotanz", nahm der Direktor das Wort; voraussichtlich können wir ihn gar nicht bringen."

Anita ftand entgeistert:Mein Tanz soll gestri­chen werden?" sagte sie mit blassen Lippen.

Kind, machen Sie mich nicht wahnsinnig mit Ihrem Gefrage. Das ägyptische Bild fällt voraus­sichtlich ganz weg."

Und mein Tanz auch?"

,Zhr Tanz vermutlich auch."

Aber Herr Direktor, ich habe ja nur auf den ägyptischen Tanz hin abgeschlossen. Nur deshalb mache ich im Ballett mit, weil" Tränen erstick­ten ihre Stimme.

Aber Kindchen, ich kann doch Ihretwegen nicht die Cheopspyramide aufbauen lassen! Wir haben

doch schließlich auch einen Etat; außerdem war Ihre Leistung eben nicht so umwerfend, nickst wahr, Herr Ockhart, daß der Welt etwas mit Ihrem Tanz verlorenginae."

Ich bin kein Ballettgirl, Herr Direktor", sagte Anita mit mühsam verhaltener Stimme. ,^d) bin Charaktertänzerin."

Sagen Sie, was fällt Ihnen eigentlich ein", rief der Direktor ungeduldig.Sie sind eine An­fängerin, eine blutige Anfängerin, und spielen sich auf, als wären Sie die Pawlowa. Machen Sie, daß Sie raus kommen!"

Das heißt also, ich kann gehen?"

Ich bitte darum! Wetter, zweite Szene, das Südseebild!"

Anita stand wie betäubt.Also damit wäre Schluß", sagte sie und ließ dem Schluchzen, das ihr in der Kehle saß, freien Lauf. Dann ging sie in einer plötzlichen Eingebung zum Fernsprecher und rief Peter Renz an.

Peter Renz faß an seinem Schreibtisch und kaute an einem Bleistift. Mit der linken Hand strich er über sein strohblondes Haar, das noch immer nach Jungenart etwas störrisch abftanb. Er stierte in das Hochhaus gegenüber, folgte bann mit dem Blick dem kleinen Stückchen Himmelblau, das, wie eine kleine Verheißung, zärtlich über dem steinernen Häusermeer schwamm. Vor ihm lagen Reklame­zeichnungen in bunten Farben. Peter Renz, der stets Einfallsreiche, knobelte an einem durchschlagen- oen Reklamevers für eine Baufirma. Vielleicht war es der linde Frühlingstag, der ihm die Gedanken aus dem Kopf zog. Die Luft war weich, die Spatzen schilpten, und der leise Wind, der durch das halb geöffnete Bürofenster strich, brachte den Duft von Primeln und zartgrünen Wiesen mit.

Der neue Baustoff ist solide."

Hier hakte er schon. Einen Reim, einen treffenben Reim. In solchen Sachen war Peter Renz trotz seiner fünfundzwanzig Jahre Meister. Das Telephon schrillte in seinen Gedankengang hinein.

Anita, hallo, was ist denn los?" Das Tipp­fräulein, das neben dem Fernsprecher saß, lächelte, so laut und aufgeregt klang die Mädchenstimme durch den Trichter,

(Fortsetzung folgt.)