Ausgabe 
14.9.1940
 
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Feinde während des ganzen Krieges zu verzeichnen hatte. In hellstem Licht erstrahlt auch das Heldentum unserer Seestreitkräfte, der Kreuzer, U-Boote, der Hochseeflotte in der Skagerrakschlacht. Auch die junge deutsche Luftwaffe mit Männern wie Bölke, Jrnrnel- mann und Richthofen hat sich unvergänglichen Ruhm erworben.

Der deutsche Soldat des Weltkrieges ist schließlich einer Welt von Feinden und dem Dolchstoß aus der Heimat erlegen, entscheidend im Kampfe besiegt ist er nicht worden. Er konnte die Waffen erhobenen Haup­tes niederlegen. Das aber ist die Grundbedingung für die schnelle Wiedererhebung Deutschlands ge­

wesen. Ein Volk, das auf eine militärische Kata­strophe, auf eine Wehrmacht, deren es sich hätte schä­men müssen, hätte zurückblicken müssen, wäre nicht in der Lage gewesen, in wenigen Jahren zu der stolzen Höhe zu gelangen, wie wir sie jetzt erleben. Und ist es nicht ein glänzendes Zeichen für den Geist des deutschen Heeres des Weltkrieges, daß dem deut­schen Volke aus den Reihen seiner einfachen Front­kämpfer der Mann entstehen sollte, der es wieder zu Macht und Ehren geführt hat? Deutscher Frontgeist ist es, der diesen Mann und seine Mitarbeiter er­füllt und den er dem deutschen Volke einflößt.

Früh-Germanisches aus Kopenhagen.

Äon Or. Paul Rohrbach.

Das Zeitalter der Bronze als Werkzeuge- und Waffenmetall hat im europäischen Norden etwa von 1500 bis 500 v. Ehr. gedauert. Welch eine Blütezeit der germanischen Frühkultur es gewesen ist, dafür sind die im Kopenhagener Museum auf- bewahrten Funde das eindrucksvollste Zeugnis. Wir haben keine genaue Vorstellung davon, wie die germanischen Bronzeleute gewohnt haben. Ihre Behausungen waren von Holz, und hölzerne Haus-Ueberreste erhalten sich nur in Ausnahme­fällen über Jahrtausende. Wahrscheinlich waren die Wohngebäude rechteckig mit Wänden aus Flechfach- werk und einem von Ständern getragenen hohen Dach, unter dem das Vieh mit seine Unterkunft fand. Es muß auch Raum genug gewesen sein, um am Sitz eines Edelings das Gefolge zu Ratschlag und Umtrunk zu beherbergen.

Besser unterrichtet sind wir über Kleidung, Schmuck und Bewaffnung. Die Männer­kleidung bestand aus einem kurzen Wams, das die Brust deckte, auf dem Rücken mit Bronzeknöpsen geschlossen und durch einen Gürtel zusammengehal­ten wurde, darüber ein langer, oval geschnittener Mantel. Eine runde Mütze deckte den Kopf, Lappen und Ledersandalen die Füße. Der Stoff der Klei­dung war wollenes Gewebe, an das mitunter eine Schicht Flausch aus seinen gezwirnten Wollfäden angearbeitet war. Hosen wurden nicht getragen, was damit Zusammenhängen mag, daß zur Bronze- zeit an den Ufern der Ostsee ein wärmeres Klima herrschte als heute. Die Durchschnittstemperatur des Jahres lag um 2 bis 3 Grad höher. Die Frauen trugen einen gegürtelten faltigen Rock, eine Jacke, ein Haarnetz und Fußbekleidung ähnlich wie der Mann. Es scheint, daß junge Mädchen nicht den langen in schweren Falten herabfallenden wollenen Frauenrock trugen, sondern ein kurzes, aus Fran­sen geknüpftes und doppelt um die Hüften gewun­denes Röckchen.

Daß solche Kleidungsstücke sich durch mehrere Jahrtausende haben erhalten können, liegt an der Bestattung vornehmer Toten in Särgen aus aus­gehöhlten Eichenstämmen. Die Gerbsäure des Eichen­holzes übt einen konservierenden Einfluß, sodaß sogar die Haare der Toten erhalten sind.

Das prachtvoll gearbeitete Bronzeschwert wurde an einem Wehrgehenk über der Schulter getragen; auf dem Lanzenschaft funkelte die bronzene Spitze. Am Gürtel mochte ein Dolch hängen, der auch in Frauengräbern begegnet. Zum Männerschmuck ge­hörten schwere bronzene Halsringe; Armspiralen wurden von Männern und Frauen getragen. Er­lesen schön sind die großen runden bronzenen Gür­telplatten der Frauen. Ein eigentümlicher Bestand­teil der Frauenkleidung waren sogenannte Hänge­decken aus Bronze, d. h. runde, am Gürtel hän­gende, kunstvoll ziselierte Deckeldosen, die geräu­mig genug waren, um Schmuckstücke, vielleicht auch Amulette, Nähzeug und dergleichen bei sich zu tra­gen. Die hohen Gestalten in ihrer reich fallenden Kleidung mit glänzendem Schmuck, die Männer mit ihrer Bewaffnung, müssen einen imponierenden Eindruck gemacht haben.

Da es keine Städte gab, hat man sich die nor­dische Bronzekultur als eine kriegerische Bauern« und Edelingskultur vorzustellen. Manche aus dem Süden stammende Funde sprechen dafür, daß weit­hin reichender Handel getrieben wurde. Der Norden besaß den in den Südländern hoch bewer­teten Bernstein und empfing dafür Erzeugnisse der südlichen Metallkunst und vor allen Dingen Gold. Unter den bronzezeitlichen Goldfunden im Kopenhagener Museum fallen schön gearbeitete

goldene Schalen, Schöpfgefäße, Becher und Vasen auf, über die sich die Sachkundigen nicht einig sind, ob es sich um Schöpf- und Spendegefäße für einen kultischen Zweck handelt, oder um den zu festlichen Gelagen bestimmten Schatz eines reichen Edelings. Bei einer Ausgrabung wurden etwa hundert win- zig kleine aus dünnem Goldblech geformte Boote gefunden, die kaum etwas anderes dargestellt haben können als ein Opfer. Irland und Südeuropa waren die Hauptlieferanten des Goldes, das zu­sammengewickelt in Drahtform ins Land gekom­men zu sein scheint und an Ort und Stelle zu Gefäßen und Schmuck verarbeitet wurde.

Die Nahrung ruhte auf Ackerbau und Vieh­zucht, Jagd und Fischfang. Die am frühesten im Norden angebauten Getreidearten waren Weizen und Gerste. Ein noch nicht gelöstes Problem ist es, mann und wie die wichtigsten Haustiere und die meisten Getreidearten, deren wilde Urformen im Innern von Asien vorkommen, in unseren Norden «sind. Man hat auch schon etwas dem Bier eth Aehnliches zu brauen verstanden, denn in einem Frauengrabe wurde in einem Gefäß eine Masse gefunden, die sich bei chemischer Untersuchung als der Rückstand eines gegorenen Tranks erwies.

Auf religiösem Gebiet muß der Dienst der Sonne herrschend gewesen sein. 1902 wurde in einem in Kultur genommenen Moor in Jütland beim Umpflügen in zerbrochenem Zustand ein merkwürdiges Sonnenbildnis gefunden. Es ließ sich aber sicher zusammensetzen. Auf einem sechsrädrigen Wagen steht die Sonnenscheibe mit einem davor- gefpannten Pferd. Der Scheibenkörper ist aus Bronze gearbeitet und mit Goldblech belegt. Wahr­scheinlich handelt es sich bei diesem Fund um ein als Opfer niedergelegtes Modell eines großen Pro­zessionswagens, der etwa zur Sonnwendfeier ein­hergezogen wurde. Sonnenverehrung findet sich auf primitiven Steinskulpturen der Bronzezeit darge­stellt. Mächtigen Eindruck beim Kultus muß $er oröhnende Ton der Suren, großer gewundener Blashörner, gemacht haben, wundervoller Erzeug­nisse des germanischen .Bronzegusses, von denen manche Stücke in so guter Erhaltung gefunden wurden, daß sie heute noch gebraucht werden kön­nen. Suren blasende Priester paarweise vor dem Prozessionswagen der Sonne einherschreitend, Roß­opfer und Opferschmaus, der Meth in goldenen Schalen kreisend so können wir uns die Sonn­wendfeier der Bronzezeit vorstellen. Die Menge der in Mooren, Quellen und Brunnen niedergeleg­ten Opferfunde, oft kostbare Bronzesachen, ist wahr­scheinlich ein Zeugnis dafür, daß man sich dort mächtige Geister wohnend dachte.

Kunst und Wissenschaft.

Tagung der Hermann-Göring-Akademle.

Die Hermann-Göring-Akademie der deutschen Forstwissenschaft beendete im Kaiserfaal der Salzburger Residenz ihre erste wissenschaft­liche Tagung. Der Eröffnung hatten zahlreiche Ehrengäste beigewohnt, an ihrer Spitze General­forstmeister Alpers, Reichsdozentenführer Dr. Schultze, der Ehrenkurator des Deutschen Forst- vereins, Ministerialdirektor Gheimrat Dr. Wappers sowie ein Vertreter des Reichserziehungsministeriums. Der Präsident der Akademie, Professor Dr. Baader ein Vertreter des Reichserziehunasministeriums. Der Vräsident der Akademie, Professor Dr. Baader (Göttingen), entwickelte ine Grundlagen sowie die Ziele und Aufgaben der Akademie.

SJL-tfpoti

ffm die Kriegserinnerungsplakette.

L fitaffe.

Watzenborn- Steinberg 1900.

Zum weiteren Spiel um die Kriegserinnerungs­plakette empfängt die I. Mannschaft von Watzenborn- Steinberg am kommenden Sonntag die I. Mannschaft der Spielvereinigung 1900 Gießen. Nachdem Rod- heim am vergangenen Sonntag in Watzenborn- Steinberg nicht antrat, ist dies für dieTeutonen" das erste Heimspiel in diesem Wettbewerb. Das Treffen wird erst beim Schlußpfiff entschieden sein.

Vor diesem Spiel stehen sich die Jugendmannschaf­ten beider Vereine im Gesellschaftsspiel gegenüber. Auch hier ist bei der derzeitigen Spielstärke beider Mannschaften eine Vorhersage nicht möglich.

Erstmals treten nach längerer Ruhepause die Schüler auf den Plan. Gegner ist die gleiche Elf von Burkhardsfelden.

Garbenteich VfB.-Reichsbahn.

Vor einer nicht minder schweren Ausgabe wie am Vorsonntag stehen die Grün-Weißen, die in Garben­teich zum Rückspiel antreten müssen. Die Gastgeber konnten erst am Sonntag beweisen, was in ihnen steckt, und verloren nur sehr knapp. Diesmal spielen sie auf gewohntem Gelände und vor heimischem Pu­blikum, ein Grund mehr für sie, sich mächtig anzu­strengen. Die Teutonen mußten erkennen, wie schwer es ist, gerade in Garbenteich zu gewinnen, denn bis zur Pause hatten die Platzherren eine klare 5.1-Füh- rung herausgeholt, die sie zwar nicht halten konnten, aber trotzdem zeigten sie, was sie können. Die Grün- Weißen, die schon immer auf kleinen Plätzen nicht ihr gewohntes Spiel liefern konnten, werden sich sehr strecken müssen, um nicht zu unterliegen. Vor allem müssen sie auf der Hut sein und sich nicht zu Beginn des Spieles überraschen lassen.

1L fitaffe.

Heuchelheim Steinbach.

Die Spiele der II. Klasse werden spannend, und noch steht der Meister nicht fest. Die Steinbacher, die am Sonntag nur durch einen Spielabbruch zu beiden Punkten kamen, werden diesmal in Heuchelheim er­wartet. Im Vorspiel siegte Steinbach, aber diesmal sieht es für die Gäste nicht rosig aus,, denn die Platz­herren find sehr stark geworden. Bei einem Sieg der Heuchelheimer wären beide Mannschaften punkt­gleich. Deshalb wird mit einem spannenden Spiel gerechnet, wobei wir den Platzherren die größeren Siegesaussichten einräumen.

Grüningen Klein-Linden.

(Brüningen empfängt die Turner aus der Vorstadt zum fälligen Rückspiel. Im Vorspiel siegte Klein-Lin­den, auch diesmal sollten sie sich durchsetzen können, denn der Gegner hat stark nachgelassen.

Handball im Mlv.

Die Ergebnisse vom vorigen Sonntag sind: Mtv. 1. Jgd. Tv. Dornholzhausen I 7:12 (3:9); Mtv. 2. Jgd. Spvgg. 1900 komb. 4:14 (2:7).

Am morgigen Sonntag spielen: Mtv. komb. Tv. Heuchelheim komb.; Mtv. Schüler Tv. Heu­chelheim Schüler; Mtv. II Tv. Grüningen I.

Der Ausgang der Spiele in Heuchelheim ist un- Ö, da zur Zeit nichts über die Spielstärke der schäften bekannt ift In Gießen dürfte der To. Grüningen knapper Sieger bleiben, da den Gieße­nern noch die nötige Spielerfahrung fehlt.

Leichtathletik des Tv. Heuchelheim.

Auf Einladung des Kreises Friedbera fährt am morgigen Sonntag eine stärkere Mannschaft zu den bereichsoffenen Wettkämpfen nach Bad-Nauheim. In der Aktivenklasse startet Werner Schmidt im Weit- und Dreisprung. In der Jugendklasse wird wohl Artur Sack das Kugelstoßen nicht zu nehmen sein. Werner Kreiling uno Hans Rinn haben über 800 m gute Aussichten, Hagen, der bei dem Bezirks- Turn- und Sporttag in Gießen die 5000 m als Vierter hinter sich brachte, läuft diesmal 3000 m. Für Hoch-, Weit- und Dreisprung find Menges, Krieger und Rinn (Hans) gemeldet. Nach ihren Leistungen am vergangenen Sonntag müßten sie in die Entscheidung eingreifen können. Von den übrigen Teilnehmern werden persönliche Bestleistungen er­wartet.

Oie heimischen Leichtathleten in Bad-Nauheim.

In Bad-Nauheim finden morgen auf der von- Tschammer-und-Often-Kampfbahn als Abschluß der diesjährigen Bahnveranstaltungen leichtathletische Wettkämpfe statt, die für die Bereiche Hessen und Südwest offen sind. Die Spitzenklasse beider Be­reiche wird am Start sein. Für die Kämpfe der Männer und Frauen, die am Nachmittag zum Aus. trag kommen, liegen über 150 Nennungen vor, ll a. aus folgenden Orten: Kassel, Gießen, Mar­burg, Wallau, Hanau, Wetzlar, Friedberg, Frank­furt a. M. (Eintracht und Fußballfportverein), Darmstadt. In den einzelnen Disziplinen werden spannende Kämpfe stattfirkden, die einen interessan­ten Leistungsvergleich zwischen den beiden Nach­barbereichen ergeben werden. Am Vormittag wer­den HJ.-Wettkämpfe durchgeführt, für die fast 200 Meldungen eingegangen sind. Auch hier sind beste Kräfte am Start, darunter in größerer Zahl (Sie­ger und Endkampfteilnehmer von den Breslauer Kampfspielen der Jugend.

VfB. - Reichsbahn Gießen und 19 0 0 Gießen werden mit ihren besten Männern, Frauen und Jugendlichen am Start fein, Dr. Luh wird am Kugelstoßen und am Diskuswerfen teil- nehmen.

Freundliche Börse.

Frankfurt a. M., 12. Sept. Die Börse ver­kehrte auch in dieser Berichtszeit wieder meist freundlich. Die führenden Aktien zogen durchweg weiter an, da Anlagekäufer am Markt waren. Der Steuertermin übte dabei nur geringen Einfluß aus. Allerdings schritt die Kundschaft hin und wieder zu Gewinnmitnahmen, wodurch vorübergehend die Aufwärtsbewegun-g abgestoppt wurde. Bevorzugt waren diesmal neben einigen Montanaktien vor allem Maschinenwerte, Bau- und Zellstoffaktien, während Elektrowerte, wie auch Chemische Aktien weniger stark berührt wurden. Per Saldo ergaben sich für die Berichtszeit wieder nennenswerte Kurs­steigerungen; von Montanen Buderus etwa 2, Hoesch 3, Klöckner 4,50, Mannesmann 2,25, Rhein- ftcchl 2, Salzdetfurth 6 v. H., auch Ver. Stahl um 2 v. H. fester. Von Vauoktien waren nur Zement Heidelberg gut 1 v. H. schwächer, dagegen Berger 2,75, Holzmann noch 1 v. H. yöher, von Zellstoff­aktien gewannen im Wochenverlauf Aschaffenburg 5, Wald Hof 2, Feld müh le Papier 4,50 v. H. Von Autowerten zogen Adler knapp 2, BMW. 3,50, Daimler 6 v. H. an, von sonstigen Maschinenaktien Dt. Eisenhandel 2, Rheinmetall 3, Metallges. 3,50, von sonstigen Werten Conti Gummi 5 v.H. an. Reichsbankanteile lagen zum Schluß 1 v. H. fester. Am Kassamarkt konnten Frankfurter Hof 5 v. H. gewinnen. Fest lagen auch Südd. Zucker plus 5 v. H.

Am Rentenmarkt standen 4 proz. Reichs- schatzanweisungen, Folge 6, im Mittelpunkt des In­teresses, daneben auch Steuergutscheine I. Die Alt­besitzanleihe schwankte zwischen 154 und 155, Reichs­bahn Vorzüge bei 127. Jndustrieobligationen lagen meist still, zeitweise zeigte sich etwas mehr Nach­frage. Hier stehen Neuemissionen noch immer im Vordergrund. Gesucht bleiben Pfandbriefe und Stadtanleihen bei knappem Material und kaum ver­änderten Kursen.

Der Freiverkehrsmarkt war meist reckt freund­lich, wobei weiter Sektaktien gefragt sind, Kupferberg Sekt zogen bis etwa 131 an. Tagesgeld lag weiter leicht bei unv. 1,75 v. H.

Ortszeit für den 15. September.

Sonnenaufgang 7 Uhr, Sonnenuntergang 19.40 Uhr. Monduntergang 5.31 Uhr, Mondaufgang 19.06 Uhr.

Ortszeit für den 16. September.

Sonnenaufgang 7.01 Uhr, Sonnenuntergang 19.37 Uhr. Monduntergang 6.36 Uhr, Mondaufgang 19.29 Uhr. Vollmond 16.41 Uhr.

Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!

MWmM»

Roman von Helene Kalisch

Copyright 1939 by Prometheus -Verlag Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München

22. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Kurz nach diesem Gespräch mit Frau Gehrke zeigt Erna wieder Versöhnungsbereitschaft. Dies ist Berg­holz unangenehm und quälend. Merkt sie noch immer nicht, daß es bei ihm endgültig vorbei ist. Es ist ihm eine Pein, daß sie leidet, und er hat immer wieder eine Weichheit niederzukämpfen. Aber er kann ihr nicht mehr helfen, und er will es auch nicht.

Am Tage vor dem Weihnachtsfest macht BerghÄz eine Bestellung in einem Blumengeschäft. Bei dem kurzen Wege begegnet er Käte Weber. Sie ist in Wintersportkleidung, trägt die langen, in einer Hülle steckenden Schier am Riemen über der Schulter und in der Hand einen kleinen Koffer.

Sie sieht ihn nicht, sondern winkt einer Taxe, die im Bogen herumlenkt und vor ihr am Straßenrand halt. Während sie dem Fahrer Bescheid sagt, tritt Bergholz neben sie, sieht, als sie ihm das Gesicht zuwendet, das freudige Aufleuchten ihrer Augen.Du bift's Hans! Ja, willst du denn mitkommen?" ruft sie mit einem kleinen Lachen.

Ach, Käte, so etwas Schönes ist mir doch nicht vergönnt! Aber da habe ich dich ja gerade noch er­wischt, um dir Schi-Heil und frohe Feiertage wün­schen zu können."

Sie dankt ihm. Im geschäftigen Treiben der Straße stehen sie neben dem wartenden Wagen und plau­dern ein paar Minuten. Wie hübsch Käte aussieht! Die rote Wollmütze paßt gut zu ihrer bräunlichen Haut und den dunkelbewimperten grauen Augen. Sie erzählt von ihrem Reiseziel, von dem gemüt­lichen Quartier, das sie schon einmal in der Weih­nachtsferienzeit beherbergt hat.

Ihn fliegt eine Sehnsucht an nach der winterlichen Reinheit des Waldgebirges, nach Freiheit und Un­beschwertheit.Du bist zu beneiden, Käte!"

Findest du? ... Na, so reiße dich doch auch mal los von der Berufsgebundenheit, Hans! Ich glaube, es täte dir gut und mir scheint es, auch nötig. Du findest doch sicher einen tüchtigen Vertreter ganz abgesehen baöone daß in der Weihnachtszeit nur

unter dernZwang äußerster Notwendigkeit jemand dich und deine moderne Folterkammer aufsuchen wird."

Sie zieht die Lider schmal zusammen, mustert ihn prüfend, der frohe Ausdruck schwindet aus ihrer Miene. Er blickt an ihr vorbei, verfolgt mit un­ruhigem Blick einzelne Schneeflocken, die müde her­niedertaumeln und auf dem feuchten Strahenpflaster zergehen. Sie bemerkt kleine scharfe Linien an feinen Mundwinkeln, die früher nicht da waren. Die ehe­mals frische Farbe [eines Gesichts ist jetzt gelblich- blaß, und die Augen sehen aus wie die eines Kran­ken, eines Süchtigen.

Käte erschrickt bei dem seltsamen Gedanken und weist ihn mit innerlichem Erschauern weit von sich. Sie setzt zu einer Frage an, hält sie jedoch zurück und wartet auf feine Entgegnung. In sich verloren steht er neben ihr, als habe er ihre Gegenwart vergessen. Geht es durchaus nicht, Hans?" fragt sie leise.

Wie meinst du? ... Ach so, nein, liebe Käte, es geht nicht."

Noch einmal wechseln sie einen Händedruck; dann steigt Käte ein, und das Auto fährt mit ihr davon. Bergholz blickt ihr nach, bis sie im Gewühl anderer Wagen verschwindet.

Am Weihnachtsabend fehlt zum erstenmal der Lich­terglanz in der Wohnung. Erna ist am frühen Nachmittag zu ihren Eltern gegangen. Die Techniker im Laboratorium und der junge Assistent haben früher mit der Arbeit Schluß gemacht. Bergholz ist allein in der Wohnung. Er kleidet sich für den Abend an und geht rauchend hin und her. Die Leere um ihn bedrückt ihn. So ^erwünscht es ihm erst war, allein zu fein, so beklemmend ist ihm dies jetzt. Von irgendwoher klingt Kinderjubel, Weihnachtslieder werden gesungen. Er steht eine Minute mit geschlossen nen Augen. Wie arm man ist ...

Dann denkt er an Käte Weber, die fern von allem Großstadttrubel leichtfüßig über weiße Berghalden fliegt, gewandt und sicher, voll Freude am Sport und an der blinkenden Winterherrlichkeit der Berg­welt. Wahrscheinlich ist sie in dieser Stunde auch beim Kerzenschimmer im Kreise fröhlicher Sport­genossen selber fröhlich und dabei doch geruhsam in sich selbst verschlossen.

Er sieht sie vor sich, die ihm Heimat und Erlösung sein könnte, aber ihr Bild verblaßt vor dem der anderen, die ihm das lockende Abenteuer ist. In seine schweifenden Gedanken aber bohrt sich immer wieder die eine Frage: Was soll werden? ...

Sie wird heute auch den Gehrkeschen Familienkreis beschäftigen. Ob sie nun endlich die Notwendigkeit der

Trennung einsehen und die erforderlichen Schritte unternehmen? Er wünscht es inbrünstig.

Es ist sein Bestreben, daß Erna die Scheidungs­klage einreicht. Wenn sie zu chren Eltern zuriickaeht, und er leitet das Verfahren ein, muß er sie auffor­dern, zu ihm zurückzukehren. Das will er vermeiden, weil er sonst bestimmt mit ihrer Rückkehr rechnen muß.

Er kann nicht auf und davon, ist durch seine Praxis gewissermaßen gebunden. Vielleicht gelänge es ihm, eine andere Wohnung zu finden, die Arbeit dort wieder anzufanaen. Aber dazu gehören Kräfte, die er jetzt nicht aufbringt. Alles das ift ihm jetzt wenig wichtig. Nur der Nervenfolter des Beisammen- seins mit Erna und der dauernden Gefahr der Zu­sammenstöße, der fürchterlichen, beschämenden Auf­tritte muß er entgehen, sonst treiben die Dinge einem schlimmen Ende zu. Aber tun sie das nicht sowieso? Gibt es da noch ein Ausweichen?

Vor zwei Wochen hatte er Erna einen Brief auf den Nachttisch gelegt, in dem er sie bat, die Schei­dungsklage gegen ihn zu erheben. Er hatte ihn in der Nacht vorher geschrieben und sich darin bemüht, jede Schärfe und Bitterkeit, alles Anklagende zu ver­meiden. Sich nur allein hatte er für die Zerrüttung ihrer Ehe schuldig gesprochen. Viele gute Worte hatte er ihr gegeben, die nicht nur Worte waren, denn sie tut ihm ja in Wahrheit immer wieder leid. Jeder Versuch zu einer mündlichen Auseinandersetzung schlug fehl, wurde zu einem furchtbaren Auftritt. Wenn sie das Geschriebene las, konnte sie ihn nicht unterbrechen, seine Begründungen nicht durchkreuzen, konnte nicht ausfallend werden und ihm Beschuldigungen ent­gegenschreien. Beim Lesen mußte sie in sich auf­nehmen, was er ihr zu sagen hatte. Aber dem so Gefürchteten und Verhaßten entging er auch damit nicht. Erna bekam Schreikrämpfe, daß die Pa­tienten aus dem Wartezimmer davonliefen. Wieder kam ein tobendes Wüten gegen ihn, die Sturzflut von Schmähungen und Beschuldigungen in Gegen­wart anderer, und wieder trat ein Zustand beäng­stigender, hochgradiger Erregung ein. Diesmal zielte der Anfall dahin, daß sie, als er sich über sie beugte, ihm ins Gesicht schlug, wobei die Brille zerbrach. Als er zurücktaumelte und das Taschentuch an das blutende Auge drückte, lachte sie schrill auf und drehte das Gesicht nach der Wand.

Die Verletzung war zum Glück geringfügig. Ein Glassplitter war in das untere Lid gedrungen und hatte auch die Hornhaut ein wenig geritzt. Nur einen Tag lang trug er den Verband

Und wie stets nach heftigen Ausbrüchen war Erna auch nach diesem kleinlaut und gedrückt. Wenn die hemmungslose und unbeherrschte Frau so etwas matt und abgekämpft war, kam er besser zu Worte. Ein verzweifelter Entschlußwille hatte ihn gedrängt, die Angelegenheit endlich zu bereinigen. Ihre Entgeg­nung blieb ein verstocktes, trotziges Nein auf alle feine Vorschläge.

Er schwieg lange daraus; saß abgewandt, das ver­letzte Auge mit der Hand vor dem Licht beschattend. ,Zch kann nicht begreifen, weshalb du durch das ver­krampfte, fanatische Anklammern an einen einmal begangenen Irrtum dir dein ganzes Leben ver­pfuschen und verderben willst! Du, ein heiteres, lebenslustiges Menschenkind, dem noch manche Glücksmöglichkeiten gegeben sind?" sagte er dann leise.Denn wie es zwischen uns geworden ist, das ist doch die Hölle! Und niemals kann es besser werden."

Weil du nicht willst!"

Nein, ich will nicht, und ich kann nicht!"

Da stand sie auf, kam um den Tisch herum und blieb vor ihm stehen.

Und ich weiche nicht vor diesem aufgetatelten Weibe! Dieser Komödiantin!" raunte sie heiser.

Nach einem kurzen Stummbleiben, bei dem er erblaßte, sagte er:Du bist in einem sehr komischen Irrtum befangen, wenn du etwa glaubst, Frau Röhl habe die Absicht, mich zu heiraten."

Ihre Augen sahen ihn feindselig und ein bißchen dumm an. In ihr war ein toller Wirrwarr von Vorstellungen. Sie wußte selbst nicht, was sie glaubte ober nicht glaubte. Von ihm forttretend, warf sie sich wieder in ihren Sessel und zog die Beine herauf. Wie ein zusammengekauertes Tier hockte sie da und starrte mit böse funkelnden Augen zu ihm hin.Und wenn du dich auf den Kops stellst, ich gehe nicht aus meinem Heim! Das könnte dir so passen! ... Meine Eltern haben jedes Stück hier gekauft, haben auch im ersten Jahr die Miete bezahlt, als du noch nicht genug verdientest!"

Allerdings! Und mich haben sie dir auch gekauft, meinst du! Ich gehöre dir, wie die Möbelstücke da, die du wohl zerbrechen und vernichten kannst, aber niemals wieder herauszugeben brauchst, nicht wahr?" Er erhob sich und ging zur Tür, sah über dis Schulter zurück und setzte hinzu:Wenn ich dich auch nicht zu überzeugen vermag, das Leben selbst wird dich belehren, wie verhängnisvoll du dich irrst."

So war auch dieser Versuch mißlungen, Erna zn einer. Entscheidung zu drangek» KMsetzunA.ft)lgLj