190. Jahrgang Un \\z Erscheint täglich, außer Sonntags und feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter HeimatimBild MeScholle Monats-Berugsvreis: Mit 4 Beilagen.RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr... „ -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernsvrechanschluk 2251 Drahtanschrift: „Anzeiger" Postscheck 11686 Frankf^M.
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Lüttich gefallen.
Oie Festungsfront von Lüttich durchbrochen. — Einzelne noch feuernde Forts werden planmäßig niedergekämpft. — Verbindung mit den Luftlandetruppen bei Rotterdam hergestellt.
Der Wehrmachtsbencht.
Führerhauptquarller, 13. Mai. (DNB.) Vas Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Der Angriff der deutschen Wehrmacht im Westen nachte am 12. Mai gute Fortschritte. In Holland zehen deutsche Truppen westlich des Süd - Villem-Kanals vor. Sie haben die Verbindung mit den umRotterdamauf dem Luftwege gelandeten Truppen hergestellt.
3n Belgien wurde der Uebergang über len Albert-Kanal auch nordwestlich h a s s e l t erzwungen. Unsere Truppen sind westlich tültich lm Vorgehen nördlich der Waas nach westen inb sind in d i e Stadt Lüttich eingebrohen. Auf der Zitadelle weht seit 13. Mai vormittags die deutsche Flagge, während einzelne Außen- forte der Festung noch Widerstand leisten. Westlich her Ourth und in Südbelgien wurden französische Truppen geworfen. Unsere Divl- sonen sind dort im flüssigen Vormarsch und nähern sch mit ihren Anfängen schon den gesteckten Zielen.
Südlich Saarbrücken und südostwärts Zwei- Irücken wurden unsere Stellungen vorver- teg t und dabei mehrere hundert Gefangene gemacht.
Das Vorgehen des Heeres wurde durch A n - griffe der Luftwaffe gegen Truppenan- simmlungen, Marschkolonnen und Eisenbahnen wir- lingsvoll unterstützt. 3m übrigen setzte die Luftpaffe ihren Grohkampf um die Luftüberlegenheit iber den westlichen Operalionsraum mit fühlbarem Erfolge fort. 3nsgesamt wurden am 12. Mai etwa 12 0 Flugzeuge vernichtet, davon 58 im luftkarnpf, 72 durch Flak, die übrigen am Boden. Illein 25 Flugzeuge wurden bei einem britischen Ingriff auf die Maasübergänge bei Maastticht durch fie Flakartillerie zum Absturz gebracht. Eine einzige 3agdstaffel erzielte 16 Abschüsse. Die eigenen Verluste waren gegenüber denen des Feindes und pemeffen an den Erfolgen auch am gestrigen Tage xring. Sie betrugen 31 Flugzeuge.
Auch auf See erlitt der Feind starke Einbuße, lor der holländischen Küste wurde ein Kreuzer bnrch Bombentreffer schwer beschädigt, ein Kreuzer der Southampton-Klasse sowie ein Transporter von 15 000 Tonnen versenkt mb sieben weitere hanbelsschiffe getroffen unb in Iranb geschossen.
Vor Narvik, wo verstärkte feinbtiche See- preiffräfte auftraten, erlitten ein Zerstörer unb vor hemmesoy ein Kreuzer burch Bombentreffer sch were Beschäbigungen. 3n Mittel- oorwegen bei Mosjoen unb Mo operierenben butschen Truppen finb weitere Verstärkungen zuge- fihrt worben. Die Gruppe Narvik sieht im Ibwehrkarnpf gegen einen weit überlegenen Feind.
Hohe Gefangenenzahlen in Holland.
B e r H n, 13. Mai. (DBB.) Die deutschen Truppen hoben, wie der Wehrmachtsbericht fefffteüt, den Uebergang über den Albert-Kanal nunmehr auch iiorbwestlichhasselt unb an zahlreichen anbe- rtn Stellen erzwungen. Bereite in ben ersten Kampftagen war burch bie Gewinnung ber Maas- übeügänge bei Maastricht ein starker Brückenkopf gebildet worben. Mit ber Durchbrechung ber Albert-Kanal-Stellung weitet sich ber Anfangserfolg bei Maastricht immer stärker aus. Die Stellung sollte ben belgischen, britischen unb französischen Kräften einen planmäßigen unb gesicherten Auf marfch in ihrem Schuhe ermöglichen. Dies ist bvrch ben raschen unb kraftvollen beutschen Vorstoß vereitelt worben.
Bei Tilburg in Sübhollanb würbe ein hol- lö «bischer General mit seinem Stabe jefangengenommen. Bach ben bisher vorliegenden Meldungen beläuft sich die Zahl der holländischen Gefangenen in dem Bereich einer ber deutschen Armeen auf etwa 18 000.
3n bet Gegenb sübwestlich St. Tronb stießen beutfche Panzerkräfte auf feindliche Panzer unb schlugen sie im Zusammenwirken mit ier Luftwaffe zurück.
Zahlreiche Gefangene gemacht.
Berlin, 13. Mai. (DNB.) In einem erfolgreichen Gefecht bet Mo nördlich Mosjoen in Nord-Norwegen machten deutsche Gebrrgs- truppen 300 Gefangene, meist Engländer. Beim Dorverleaen der deutschen Stellungen südlich Saarbrücken wurden 600 Franzosen als Gefangene eingebracht.
Montag Vormittag über
50 feindliche Flugzeuge abgeschossen.
Berlin, 13. Ulai. <DND.) Vie deutsche Luft. Mffe hat lm Laufe des ffiontagoormil- Iggs über 50 feindliche Flugzeuge abgeschosscn, da- von 10 Spitfire bei Dortrecht unb 26 Spttfire bei Tliffingen. .
Zu ben Angriffserfolgen bet Luftwaffe am 12. Mai picb bie Berjettiung von vier weiteren
feindlichen Schiffen nachgemeldet. Lin Zerstöret unb ein Transporter sanken unmittelbar nach Volltreffern, zwei andere Transportschiffe infolge Brandwirkung. 3nsgefamt wurde burch diese Bombentreffer ein hanbelsschiffstaum von 10 000 Tonnen vernichtet, ben Zerstörer ungerechnet.
Bestürzung in London.
Kopenhagen, 13. Mai. (Europapreß.) Aus London wird bekannt, daß die Besetzung der 120 km langen holländischen Nordküste in englischen Militärkreisen beträchtliche Bestürzung heroor- gerufen habe. Besprechungen zwischen Vertretern des Kriegskabinetts und den Chefs der drei Waffengattungen sowie Mitgliedern des Generalstabes haben den ganzen Sonntag über angehalten, und noch nach Mitternacht herrschte in Downing Street Nr. 10 und am Foreign Office reger Betrieb.
Von der deutschen Luftwaffe wurden am Montagmorgen englische Flugstützpunkte in Frankreich mehr als vier Stunden lang angegriffen. In der Londoner Meldung heißt es, daß es sich um die schwersten deutschen Angriffe seit, dem Beginn der Offensive gehandelt habe. Von sechs Uhr morgens an sei ein Angriff dem anderen ge
folgt. In weiten Teilen der Normandie wurde am Montagmorgen zwischen 6 und 7.30 Uhr Ortszeit Fliegeralarm gegeben. Verschiedene Städte und Ortschaften in der Umgebung von Lille erlebten in den frühen Morgenstunden viermal Luftalarm, während nördlich von Lille sogar elfmal Fliegeralarm gegeben wurde. In Paris selbst ertönten zwischen 7 und 9 Uhr vormittags zweimal die Luftalarmsirenen. A m st e r d a m hatte, so wird aus dem Haag berichtet, am Montag um 5 Uhr morgens Fliegeralarm.
Freiburg eine unverteidigteStadt
Neuyork, 14. Wai. (DNB.) Der f) a u p f b e- legier te des amerikanischen Roten Kreuzes für Europa, Taylot, bestätigte, wie bie Jlero Dort Times aus Berlin meldet, bah Freiburg den Charakter einer unverteidigten Stabt besitze und trotzdem von feindlichen Flugzeugen bombardiert wurde. Taylor traf gerade in Freiburg ein, als feindliche Bomber in südwestlicher Richtung davonflogen, und ließ sich vom Schweizer Konsul über den Angriff berichten. Die Freiburger Bevölkerung sei tief empört.
Auszeichnungen für Offiziere der Luftwaffe.
Für hervorragenden Einsatz im Rücken des Feindes.
Berlin, 13. Mai. (DNB.) Durch die kühnen Taten des Hauptmannes Koch und des Oberleutnants Witzig ist bekannt, daß besondere Sturmabteilungen der Luftwaffe das unaufhaltsame Vorgehen des deutschen Heeres in Belgien maßgeblich dadurch beeinflußt haben, daß sie st r a t e g i s ch besonders wichtige Punkte in Feindesland überraschend inihre Hand brachten und bis zum Eintreffen deutscher Heerestruppen sicherten. Im Rahmen dieser Kampfhandlungen zeichneten sich durch persönliche Tapferkeit im Rücken des Feindes folgende Stoßtruppführer eines Fallschirmjäger-Regiments aus: Oberleutnant A l t m a n n , Oberleutnant Kies, Leutnant Delica, Leutnant Schacht, Leutnant Schächter, Leutnant Meißner. Der Führer und Oberste Befehlshaber hat auf Vorschlag des Generalfeldmarschalls Göring diesen Offizieren das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz verliehen und die Beförderung des Hauptmannes Koch zum Major sowie Oberleutnant Wißig zum Hauptmann ausgesprochen. Auch die übrigen mit dem Ritterkreuz ausgezeichneten Offiziere wurden zu je einem höheren Dienstgrad befördert.
Major Walter Koch wurde 1910 zu Bonn a. Rh. als Sohn eines Vermessungsingenieurs geboren. Er besuchte die Oberrealschule in Bonn, die er mit dem Reifezeugnis 1929 verließ, und trat als Polizei- Anwärter in die Polizeischule Bonn ein. 1935 zum Leutnant befördert, wurde er in die Luftwaffe übernommen, in der er am 1. September im Regiment „General Göring" zum Oberleutnant befördert wurde. Am 20. April 1938 zum Hauptmann befördert, wurde er zu einer Flugzeugführerschule kommandiert und erwarb den Wehrmachts-Flugzeug- führer-Schein. Bei Ausbruch des Krieges fand er Verwendung als Kompaniechef.
Hauptmann Rudolf Witzig wurde 1916 in Röhlinghausen, Kreis Wanne-Eickel, als Sohn eines Ingenieurs geboren. Er besuchte das Realgymnasium in Gelsenkirchen und später das Reform-Realgymnasium in Kiel, auf dem er 1935 die Reifeprüfung bestand. Als Fahnenjunker trat er beim Pionier-Bataillon in Höxter ein. Im April 1937 wurde er zum Leutnant befördert, im Dezember 1938 in die Luftwaffe versetzt und am 1. August 1939 zum Oberleutnant befördert.
Lebhaftes Echo der deutschen Erfolge.
„Ein strategisches Wunder."
Riga, 14. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die Meldung über den Fall Lüttichs hat auch in Lettland größtes Aufsehen hervorgerufen. Das halbamtliche Blatt „Rits" schreibt, diese Meldung bedeute, daß es den deutschen Truppen gelungen sei, eine der am stärksten befestigten Städte der Welt zu erreichen, die von einem Kranz stärkster Forts umgeben fei. Es fei keine Uebertreibung, daß dieser Einbruch in Lüttich ein strategisches Wunder darstelle.
Die „unbekannte deutsche AMissswaffe".
Stockholm, 13. Mai. (Europapreß.) Aus die verblüffenden Leistungen der deutschen Wehrmacht bei der Eroberung der belgischen Befestigungen vor Lüttich weist „Astonbladet" hin. Der Berliner Korrespondent des Blattes wirst die Frage auf, wie es möglich war, innerhalb einer so kurzen Zeitspanne das stärkste Fort, das sogenannte E b e n - E m a e l - Fort bei Maastricht, zu überrennen. Man habe in Belgien angenommen, daß die 28-cm-Kano- nen, die das Maastal und den Albert-Kanal in
dieser Gegend beherrschen, den Anmarsch einer noch so gut ausgerüsteten Armee verhindern, oder ihr zumindest namhaften Schaden zufügen könnten. Den Deutschen sei es aber gelungen, die schweren Batterien, die mit Sicherheit 1000 Mann Besatzung gehabt hätten, einzunehmen. Es könne sich nur um d i e vom Führer angekündigte unbekannte deutsche Angriffswaffe handeln, die es ermöglichte, die stärkste Festung Europas in so kurzer Zeit zu besetzen. Schon im Polenkrieg habe sich gezeigt, daß die sogenannte polnische Magi notli nie schnell forciert werden konnte. Aus dem Bericht des schwedischen Blattes geht hervor, mit welchem Erstaunen neutrale Beobachter die Schlagkraft der deutschen Wehrmacht kommentieren.
Als der Korrespondent des „Aftonbladet" Aufklärung von deutscher militärischer Stelle erbat, wie es möglich gewesen fei, fast ohne Verluste stark ausgebaute Festungen des Feindes einzunehmen, habe man ihm schlicht erklärt, auch Deutschlands Ingenieure kämpften in diesem Kriege mit und man habe hinzugefügt, daß die militärische Entwicklung in Belgien und Holland den Verteidigern der Maginotlinie sicher zu denken geben werde.
Große Beachtung in Rom.
Rom, 14. Mai. (Europapreß.) Die deutschen Operationen im Westen, so schreibt die römische Presse, haben in den letzten 24 Stunden im vollen Umfang und in der gewohnten raschen Weise ihren Fortgang genommen. Selbst die holländische amtliche Mitteilung müsse zugeben, daß sich die holländischen Streitkräfte überall in vollem Rückzug befänden; der gewaltige deutsche Vorstoß konnte nicht aufgefangen werden.
Auch in Belgien werde heftig gekämpft, doch auch der starke Widerstand der belgischen Truppen so schreibt „Popolo di Roma", konnte die w i ch - tigste Verteidigungslinie Belgiens zwischen Hasselt und Maastricht nördlich von Lüttich nicht halten. In amtlichen französischen Mitteilungen, so hat Montagnachmittag der italienische Rundfunk gemeldet, werde nun versucht, den entmutigenden Eindruck in der Bevölkerung Hollands, Belgiens und der Westmächte wegen des Versagens der vor kurzem noch als unüberwindlich hingestellten holländischen und belgischen, sich auf mächtige Befestigungsanlagen stützenden Verteidigung abzu- jchwächen. Die Weitmächte widerjprechen
sich, so stellt „Popolo di Roma" fest, fortdauernd in ihren Mitteilungen über die Kriegsereignisse. Zn allen Heeresberichten der Franzosen, Engländer und nun auch der Holländer und Belgier werde nach Churchills Rezept versucht, die Erfolge der deutschen Truppen zu verkleinern und den „erfolgreichen" eigenen Widerstand ins Blitzblaue aufzubauschen. Doch diese Täuschungen könnten eben nicht lange aufrechterhalten werden.
„Piccolo" berichtet aus Paris, der militärische Sachverständige der Agentur Havas bestätige in einer Betrachtung über die Kampftage in der Nacht zum Montag, daß der Vormarsch der deutschen Truppen nach Uederschreitung des Albert- Kanals zwischen Hasselt und Maastricht mit motorisierten Kolonnen fortdauere. Auch im holländischen Heeresbericht müsse nun kleinlaut zugegeben werden, daß die eigenen Truppen an der Grenze „auftragsgemäß im Gelände Zerstörungen vorgenommen und sich dann zum großen Teil zurückgezogen haben". Da Luxemburg sich bereits vollkommen in deutschen Händen befinde, so schreibt „Messaggero". richte sich der weitere deutsche Vor
stoß gegen die französische Grenze. Die Herrschaft in der Luft sei im gesamten westlichen Kampfraum weiter fest in Händen der deutschen Luftwaffe.
Der „(Sortiere della Sera" hebt die erdrückende Ueberlegenheit der deutschen Luftwaffe, die überaus reiche Motorisierung und die vorzügliche Bewaffnung der deutschen Truppen hervor. Weitere Einheiten würden zur Besetzung des Landes folgen. Das Gros des Heeres werde zum entscheidenden Zusammenstoß mit den englisch-französischen Armeen eingesetzt werden. — Die „Stampa" sagt, die deutsche Luftwaffe werde systematisch und planmäßig eingesetzt, während die englisch-französische Luftwaffe nur vereinzelte Aktionen ohne inneren Zusammenhang unternehme. Aehnlich wie in Polen und Norwegen scheine die deutsche Luftwaffe zwei Ziele zu verfolgen, nämlich einmal die Eroberung des Luftraumes und zum andern die Lähmung der gegnerischen Luftwaffen und Armeen. Auf Grund ihrer Ueberlegenheit suchten die Deutschen geradezu den Luftkampf, um ihre Gegner mög - l i ch st rasch zu erledigen und sich so die Beherrschung des Luftraumes zu sichern, der von entscheidender Bedeutung für die gesamten Operationen sei. — „Lavoro Fascista" betont, daß das deutsche Schwert nun die Knoten der Einkreisung zerhaue und mit blitzartiger Schnelligkeit die Kräfte zu Boden werfe, die sich bewußt oder unbewußt zu dem verbrecherischen Spiel der Westmächte hergaben.
Der Siegeszug der deutschen Truppen beherrscht auch das Bild der Montagmorgenblätter, die in riesigen Überschriften betonen, daß „die deutschen Truppen in 48 Stunden 120 Kilometer vordrangen" und „in nur zwei Tagen ganz Nordholland besetzten". Starke Beachtung finden auch die Leistungen der deutschen Fallschirmtruppen, die ebenso wie die Eroberung des stärksten Forts von Lüttich durch Anwendung der modernsten Kampfmittel das Tagesgespräch der italienischen Hauptstadt bilden.
„Von größter psychologischer Bedeutung."
Belgrad, 14. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die Nachricht vom Fall Lüttichs wollten viele Menschen zunächst gar nicht glauben, weil sie sich nicht vorstellen konnten, daß bereits in den ersten Tagen der großen Entscheidungsschlacht im Westen ein solcher Erfolg von deutschen Truppen errungen werden konnte. Man ist sich einig, daß die Erfolge der deutschen Wehrmacht auch von größter psychologischer Bedeutung sind. In miliärpolitischen Kreisen erklärt man, daß die deutsche Kriegführung in wahrhaft genialer Weise jedem Gegner gegenüber die wirksamste Taktik angewaM habe. z
„Mr haben nicht geschlafen!"
Mit dem englisch-französischen Vorstoß nach Belgien und Holland und mit den dadurch automatisch ausgelösten deutschen Gegenmaßnahmen hat das Vorspiel zu dem großen Entscheidungskampf begonnen. Wir haben hier bei der Erörterung der Mittelmeeraktionen der Westmächte wiederholt auf die Fragwürdigkeit eines ernstlichen Angriffs von dort her aus guten Gründen hingewiesen. In der Tat erscheinen jene Aktionen heute nur noch unter einem doppelten Zweck: erstens nach dem Zusammenbruch ber englisch-französischen Pläne in Norwegen und nach der eiligen Flucht der englischen Flotte nach Alexandria ein Mittelmeerunternehmen größten Stils als Adlenkungs- d. h. Täuschungsmanöver vorzugeben, zweitens dadurch die deutsche Aufmerksamkeit in politischer und militärischer Hinsicht zu spalten und wenn irgend möglich deutsche Kräfte in der Richtung nach Südosten zu binden.
Der Hauptstoß soll also nun über das Gebiet derjenigen beiden Staaten geführt werden, denen England und Frankreich vor zweieinhalb Jahren ihren Bestand und ihre Souveränität garantierten. Heute freilich erscheint diefe (Garantie erst in dem richtigen Lichte; sie stellte eine vorsorgliche Sicherung des wahrscheinlichen Aufmarschgeländes in politischer Hinsicht dar. Als Duff Cooper am Donnerstag im Unterhaus wichtigtuend mitteilte, die nächste Ueberrafchung werde von der englischen Regierung gestartet werden, waren die englischen Vorbereitungen zur Fahrt über den Kanal bereits in vollem Gange.
Aus ben umfangreichen beutschen Veröffentlichungen vom Freitag werben die Feindmächte inzwischen allerdings ersehen haben, daß ihnen die „Ueberraschung" genau so mißlungen ist wie ihre Skandinavien-Expedition. Die deutschen Veröffentlichungen erbringen ben hunbert- unb taufenb- fachen Nachweis, baß bie Reichsregierung feit vielen Monaten sowohl über bie wirklichen Kriegspläne ber Westmächte als auch über bie einseitige, unterstützenbe, ja gerabezu verräterische Haltung Belgiens unb Hollanbs mit allen Einzelheiten genau im Bilbe war unb bementsprechenb ihre Vorkehrungen treffen konnte. Wir sagen mit voller Ueberlegung hinsichtlich Belgiens unb Hollanbs „verräterisch". Denn abgesehen bavon, baß biese beiben Staaten ja im Besitz ber schwerwie- genbften Sicherung waren, bie es für sie überhaupt geben konnte, ber beutschen Garantieerklärung nämlich, kommt bie Haltung bieser beiben Staaten mit ihren völlig einseitigen militärischen Vorbereitungen usw. — unter gleichzeitiger Aufrechterhaltung scheinbar normaler Beziehungen zum Reich! — ber birekten Einleitung eines Krieges, ja heimlicher Kriegführung gleich.
Dieser Versuch übelster Täuschungspolitik ist um so einbeutiger zu bewerten, als er unter ber Regie Englands stand, des klassischen Landes politischer Heuchelei, bes Landes auch, dessen Regierungen sich eine staatlich geleitete Derbrecherorgani- sation, ben berüchtigten englischen Geheimbienst, zur Ausführung politischer Kapitalverbrechen aller Art halten. Es bleibt immerhin im peinlichsten Sinne erstaunlich, wie Belgien und Holland diese drei Dinge: ihre so oft unb so bitt unterstrichene Selb-


