Der LandaerichtsbM Gießen im Jahre 1940
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Für Frauen:
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Fl. Ar in Ihrer
Drogerie«
8. Fortsetzung
(Nachdruck verboten!)
l hast ein fabel« Film oder Thea»
Achtung l KdF.- Sport. Sportamt Wetterau, Schanzenstrahe 18.
Husten ? Dann
Donnerstags, 20.30 bis 2130 Uhr, Schtllerstratze.
Für Männer und Frauen:
Hallensport (insbesondere Hallenspiele) seht Mittwochs, 2030 bis 2130 Uhr, Goetheschule. Nicht wie bisher Donnerstags, 18 bis 19 Uhr.
Kinder-Gymnastikkurs ist an einem Nachmittag geplant. Anmeldungen sofort erbeten beim Sportamt.
Neu! Für Frauen und Männer: Schwimmen von 2030 bis 2130 Uhr und 2130 bis 2230 Uhr.
Gießener Wochenmarktpreise.
* G i e ß e n, 14. März. Auf dem heutigen Wochen» markt kosteten: Markenbutter, Vi kg 1,80 RM., Matte 25 Rpf., Käse, das Stück 6 bis 10, Wirsing, gelb, Vi kg 15, grün 15, Weißkraut 11 bis 13, Rotkraut 15, gelbe Rüben 12, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 40, Unterkohlrabi 8, Zwiebeln 12, Meerrettich 40 bis 60, Aepfel 10 bis 35, Birnen 25, En
ter? Gesteh es, alter Sünder!
,/Film und Theater", antwortete Parker müde.
,,Tatata!" machte Herr Simpson und schickte ein Küßchen durch den Fernsprecher. „Also hol es Mr im Laufe des Abends ab! Der Butler wird es Mr aushändigen."
Aufruf.
An alle Vetriebsführer in Gießen!
Am kommenden Montag, 18. März, vormittags 8 Uhr, spricht in einer Reichssendung der Vorsitzende des Minislerrats für die Reichsverteidigung, Generalfeldmarschall Hermann Göring, zur deutschen schaffenden Jugend.
Für Gießen ist Gemeinschafts-Empfang im Lichtspielhaus, Bahnhof st raße, an- gesetzt.
Sämtliche Vetriebsführer wollen ihre Jugendlichen veranlassen, daß diese restlos zu dem ange- setzten Appell in HI.- bzw. in VDM.-Uniform (soweit vorhanden) eilcheinen. Jugendliche in kleineren Betrieben, welche infolge ihrer geringen Zahl nicht geschlossen antreten können, müssen bis 7.45 Uhr die Plätze eingenommen haben. Die Gesamtdauer des Appells wird 30 Minuten betragen.
Heil Hiller!
Die Deutsche Arbeitsfront, kreiswaltung Detterau.
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Roman Don^orltBlernaw.
dieses Hauses ... „Ich wollte dich um einen länge- i werde ich dir vou Mister Bones eine Empfehlung ren Urlaub bitten!" sagte Parker fast überlaut. r ' "
Der alte Herr beugte sich rasch etwas vor; seine grauen, dichten Augenbrauen schnellten empor, und auf seiner Stirn erschienen gleichzeitig drei oder vier tiefgekerbte Falten. Es war, als berühre chn der Wunsch des Neffen in diesem Augenblick besonders überraschend.
„Und noch etwas, Sid! Aber merk es dir, bitte! Laute mich tm Verlauf der nächsten drei Wochen nicht an!" *
"Ach werde mir einen Zettel neben den Apparat legen .Und laß dich wieder sehen, mein Sohn, wenn die Flitterwochen vorüber sind! He?"
„Manchmal beneide ich dich um deinen Schwach, sinn, Did", sagte Parker mit einem kleinen Senf- zer. „Es müßte wundervoll sein, nur mal vierzehn Tage lang so blöd zu sein wie du ... Auf Wieder- schaun!"
*
Dr. med. dent. Menzel, dem die laugen Spazier gange in seinem Svrechzimmer doch nicht die Be- wegung in freier Luft ersetzten, hatte es sich zur/ Angewohnheit gemacht, niemals in einem Lokal zu Mittag zu essen, das nicht mindestens eine halbe Stunde von seinem Hause entfernt lag. Er bevor- Mte die kleinen Kneipen am Stadttand, die für Gewaltmärsche hervorragende Uebungsziele waren.
Um sich für heute für seine Verabredung um zwei Uhr nicht zu verspäten, war er in eine näher gelegene Speisewirtschaft eingekehrt und, da er weder den Schmorbraten noch den Schoppen Wein ganz nach seinem Geschmack angetroffen hatte, etwas früher aufgebrochen, so daß er zu einem kleinen
„Wann wolltest du übrigens deinen Urlaub antreten?" Watson zog das Aktenstück, bei dessen Bearbeitung er unterbrochen worden war, wieder an sich heran.
„So bald wie möglich."
„Sind noch wichtige Arbeiten zu erledigen?" ,^d) wüßte nicht ..."
„Die Naumannsche Erbschaftssache?"
„Der Brief nach Deutschland wurde vor vier oder fünf Tagen abgeschickt. Er wird inzwischen schon seinen Weg durch die zuständigen Stellen angetreten haben. Die Behörden lassen sich Zeit ..."
Der alte Herr nahm die Brille ab; er behauchte die Gläser und rieb sie mit einem kleinen Lederläppchen, das er stets in der Brusttasche trug, vorsichtig ab. Sein Blick suchte blind Parkers Gesicht. „Dann kannst du also meinetwegen schon heute abend Schluß machen und morgen deine Reise antreten."
„Danke schön!" Parker griff nach der grünen Mappe und wandte sich zum Gehen.
„Noch eine Frage, Allan ..."
„Bitte?"
Der alte Herr putzte noch immer Me Gläser; er hielt die Brille gegen das Licht. „Du wirst Ausgaben haben, um gut auftreten zu können ... Brauchst du Geld?"
Parker schoß das Blut ins Gesicht. Der arglose Anstand Watsons traf ihn wie eine Ohrfeige, und er schwankte leicht vornüber, als hätte dieser Schlag ihn nicht moralisch, sondern körperlich getroffen. Für einen Augenblick verlockt, das Angebot anzunehmen, schüttelte er im nächsten mit einer gewissen Kraftverschwendung den Kopf. „Danke — es ist nicht nötig!" stieß er fast heftig hervor. ,Lch habe mir einiges zurückgelegt!"
... Einige Minuten später wählte er in seinem Büro Sid Simpsons Nummer.
Eine träge Stimme meldete sich mit einem verschlafenen ,^Hallo?".
^Hallo, Sid — hier spricht Parker! Sag mal,!
i werde ich Mr v schreiben lassen."
„Sehr liebenswürdig! Aber ich glaube nicht, daß du dich dieser Mühe zu unterziehen brauchst."
„Und auf alle Fälle werde ich dir deine Stelle bei uns vier Wochen lang offenhalten."
Parker schluckte eine Verlegenheit herunter; er murmelte einen undeutlichen Dank.
Es erfüllte ihn mit Genugtuung, daß Onkel Jeremias anscheinend noch immer mit Verdauungsbeschwerden zu tun hatte, denn auf dem Schreibtisch stand neben dem Frühstück — zwei Aepfeln und einem Glas Milch — eine halbvolle Pappdose mit doppeltkohlensaurem Natron.
Jeremias Watson war mit seinen zweiundsechzig Jahren der ältere der Brüder. Onkel Nathanael, der nur sechzig Lenze zählte, wurde von chm wie ein Lieblingssohn behandelt. In der Kanzlei hatte man sich's längst ab gewöhnt, zu lachen, wenn Mr. Jeremias von seinem Bruder dauernd als vom „Jungen Herrn" sprach. Nieste Nathanael, dann unterzog Jeremias die Unterkleidung seines Bruders einer strengen Untersuchung und ordnete Wolle an, wenn er Leinen vorfand. Es war eine liebenswürdige Tyrannei, der sich der jüngere der beiden Alten geduldig unterwarf, ohne jemals auf- zub eg ehren.
Watson schloß die Briefmapve geräuschlos zu. Allan Parker zuckte leicht zusammen, als die Stimme seines Onkels ihn aus feinen Gedanken zurückrief.
,Zch wollte dir schon vor einiger Zeit sagen", be- merkte der alte Herr mit seiner leisen, aber deutlichen Stimme, während seine dünnen Finger über den grünen Mappendeckel strichen, „daß du dich hier gut eingearbeitet hast und deinen Posten sehr gewandt ausfüllst. Auch Mister Bones spricht sehr freundlich von dir ..." Er schloß in halber Tonhöhe mit einer kleinen Handbewegung, die wie eine angedeutete Ehrenbezeigung aussah.
Ekelhafte Schulmeisterei! dachte Parker grimmig. Diesen Ton muß man sich als erwachsener Mensch gefallen lassen! Er nahm die gute Note mit einer stummen und äußerst knappen Verbeugung in Empfang. •
„Du wolltest mit mir sprechen, Allan ... Bitte: Um was handelt es sich?"
Parker sah über den vollen, weißen Scheitel seines Onkels hinweg starr auf einen Stahlstich, der Nelsons Tod bei Trafalgar darstellte. Klar, hart und dünn. Und so klar, hart und dünn wie die Linien des Bildes war sein Onkel samt der Lust
Parker hüstelte ... Er feuchtete sich die Livven an; in seinem Gesicht war etwas von dem Ausdruck eines Mannes, der mit dem Stiefelabsatz die Festigkeit einer dünnen Eisdecke ausprobt. „Natürlich sehr freundlich, eure Anerkennung", murmelte er, „aber ich müßte lügen, wenn ich behaupten wollte, daß meine Stellung in eurem Hause mich befriedige ..." Er machte eine kleine Pause und hatte das Gefühl, nicht gerade den glücklichsten Anfang gewählt zu haben.
„Du hast etwas von einem längeren Urlaub gesagt, wenn ich dich recht verstanden habe?" siel sein Onkel mit einiger Schärfe ein. „Dars ich mich erkundigen, ob du erholungsbedürftig bist? Um Weihnachten warst du für einen halben Monat in Wales. Falls du keine besonderen Gründe für deinen neuerlichen Urlaubswunsch anführen könntest, müßte ich dich bitten, ihn zurückzunehmen. Ich möchte bei Mister Bones und unseren Angestellten nicht das Gefühl aufkommen lassen, daß du hier eine Art von Protektionsstellung einnähmest ..."
,Lch muß auf meinem Wunsch leider bestehen bleiben", erwiderte Parker kühl und hell. „Ich bin von einem meiner Freunde, Sid Simpson — ich glaube, dir dürfte der Name der Familie bekannt sein? — auf eine seiner Besitzungen nach Schottland eingeladen worden. Zum Golfspielen und zum Fischen."
„So?" sagte Watson nur.
"Ganz recht!" nickte Parker und erhob sich aus dem tiefen Sessel, um auf der höheren Armlehne Platz zu nehmen. „Das ist die eine Seite der Angelegenheit. Die andere ist die, daß Sid Simpson mich einem Freund seiner Familie vorstellen will, der sich seit längerem nach einem Privatsekretär umsieht. Der Mann ist Industriekapitän — eine ziemlich große Nummer; und ganz abgesehen von der finanziellen Seite der Geschichte böte sich mir da eine Möglichkeit, auf ein Sprungbrett zu kommen."
Der alte Herr nickte sparsam. „Ich verstehe und wünsche Mr besten Erfolg. Wenn du es verlangst,
„Moment mal! Will nur rasch nachschauen — hab' die verdammten Verabredungen nicht hn Kopf." Kleine Pause ... Und dann: „Tut mir leid, lieber Junge! Muß irgendeinen idiotischen Tee mit- machen. Hast du was Besonderes, wie?"
Parker zögerte einen Augenblick. „Nein — das alte Leiden ..." brummte er schließlich, „aber dieses Mal besonders schmerzlich."
„Wieviel brauchst du also?"
Parker schloß die Augen, als spränge er in einen Abgrund hinein. „Zweihundert ...!"
„Donnerwetter!" bemerkte der junge Mann am anderen Ende des Drahtes. „Du hast ein fabel- Haftes Glück bei den Damen ... F"
Tageskalender für Donnerstag.
Populärwissenschaftliche Vorträge der Universität: 20.15 Uhr, Professor Vogelsang über „Die Wirkung der großen Kriege auf die deutsche Frömmigkeit". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Weißer Flieder". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Die rote Mühle". — Handels- und Gewerbebank e.G.m.b.H.: 20.30 Uhr im Restaurant „Hindenburg" 81. ordentliche Generalversammlung.
„Englands Spiel mit den Völkern."
Der Goethe-Bund und der Kaufmännische Verein Gießen werden in Arbeitsgemeinschaft mit der Volksbildungsstätte Gießen der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" am Dienstag, 19. März, mit einer weiteren Vortragsveranstaltung aufwarten. Dr. Leonhard Blaß wird unter dem Thema: „Der letzte Sprung des alten Löwen" in Dichtungen, Briefen und Dokumenten Englands Spiel mit den Völkern aufzeichnen.
Moten, das Stück 15 bis 25, Lauch 5 bis 15, Sellerie 10 bis 20 Rpf.
Annahme-Untersuchung für Waffen-^ und Schutzpolizei.
Am kommenden Sonntag findet in Gießen bei der 83. ff-Standarte, Gartenstraße 1, eine Annahme- Untersuchung statt. Angenommen werden Freiwillige für die ff-Verfügungstruppe (einschließlich Leibstandarte ff „Adolf Hitler"), für die ff-Totenkopf- standarten und für die Schutzpolizei.
Bereits 8000 Essenmarken verkauft.
Für das Eintopfessen des kommenden Sonntags, das aus Anlaß des Tages der Wehrmacht aus Feldküchen gefaßt werden kann, liegen bisher schon 8000 „Voranmeldungen" vor. Dank des Einsatzes der Helfer der NSV. sind bereits 8000 Essenmarken innerhalb unserer Stadt verkauft worden. Der Verkauf wird fortgesetzt. Selbstverständlich können auch an den Feldküchen selbst noch Essenmarken erstanden werden und dann gleich das Essen gefaßt werden.
Platzkonzerte.
In Verbindung mit der Sttaßensammlung zum „Tag der Wehrmacht" finden am Sonntag auch zwei Platzkonzerte statt. In der Zeit von 11 bis 12 Uhr konzertiert ein Musikkorps in der Anlage am Stadttheater. Wenn das Wetter günstig ist, werden dabei Bänke aufgestellt, die etwa hundert der älteren Zuhörer Platz bieten werden. Anschließend wird auch in der Zeit von 12 bis 13 Uhr ein Platzkonzert auf Oswaldsgarten stattfinden.
Kleinkinder- und Säuglingswäsche wird gesammelt.
NSG. Täglich schenken ungezählte Mütter dem Volke durch ihre Kinder neues Leben. Es besteht also laufend ein großer Bedarf an Wäschestücken für Säuglinge und Kleinkinder. Selbstverständlich ist es, daß mit diesen Waren ebenso sparsam umgegangen werden muß, wie mit den Bekleidungsstücken für Erwachsene. Was wir also zur Einsparung tun können, müssen wir auf alle Fälle versuchen.
Bis zum 31. März 1940 wird deshalb eine Kleinkinder- und Säuglingswäschesammlung durch
Drog. WinterhoH, Kreuzplatz 9. Drog. Plerenkemper, Seltersweg 69. Drog. Bornemann, Bahnhofstraße 17. Drog, Elges, Seltersw. 66. Drog. Seibel, Frankf. Str. 89
mein Lieber. Trifft man dich heute abend zwischen sechs und sieben an?"
**BeförderungzumOber-Luftschutz. führ er. Der Adjutant der Bezirksgruppe Oberhessen des Reichsluftschutzbundes Luftschutz-Führer Alfred P a b st wurde mit Wirkung vom 1. 3.1940 zum Ober-Luftschutz-Führer befördert. Der Landesgruppenführer Generalleutnant z. V. Müller-Michels sprach ihm seine herzlichsten Glückwünsche aus.
**DieWaschfibelkommt! In Kriegszeiten ist das Waschen im Haushalt besonderer Aufmerksamkeit wert, da erstens die Stoffe bei sorgfältiger Behandlung länge halten, und zweitens entsprechende Ersparnis an Seife bei sachgemäßer Behandlung der Wäsche erzielt werden kann. Die deutsche chemische Industrie hat eine Reihe bester Verfahren entwickelt, welche die beiden Punkte, nämlich Schonung der Wäsche und Ersparung von Seife, in besonderer Weise gewährleisten. Demnächst wird eine Waschfibel mit Waschvorschriften für die Haushalte herauskommen, aus der die Hausfrauen alles Wichtige entnehmen können.
die NS.-Volkswohlfahrt in Verbindung mit der NS.-Frauenfchaft durchgeführt, und es ergeht an alle Hausfrauen die Bitte, derartige Wäschestücke, soweit sie in der eigenen Familie nicht gebraucht werden, den Sammlern der NSV. auszuhändigen. An jede Hausfrau ergeht deshalb nochmals die eindringliche Bitte, Schubladen und Scyränke gründlich nach Entbehrlichem durchzusehen, um Geeignetes unseren jungen Müttern zur Verfügung zu stellen.
Tagung
der hessischen Kreisfeuerwehrführer.
Die hessischen Kreisfeuerwehrführer waren dieser Taae in Frankfurt a. M. unter dem Vorsitz des Abschnittsinfpekteurs Eugen Müller (Mainz) zu einer Dienstversammlung zusammengekommen, um Einzelheiten der Neuordnung des Feuerlöschwesens zu besprechen. Die Neugliederung der Wehren muß bis zum 1. April beendet sein. Die neuen Dienstgrade sind von der Aufsichtsbehörde festzufetzen. Feuerwehrmänner sind von der vormilitärischen Ausbildung durch die SA. befreit. Der Schulbetrieb der Landesfeuerwehrfachschule in Mainz soll nach Möglichkeit in Bälde wieder ausgenommen werden. Wehrführer Schneidmüller (Darmstadt) behandelte Fragen der Praxis des Feuerlöschwesens unter besonderer Berücksichtigung der Schonung des Schlauchmaterials. In Mainz, Darmstadt und Offenbach bestehen bereits Schlau chm achereien, in denen alte und beschädigte Schläuche ausgebessert werden. Aehnliche Schlauchmachereien sollen auch kreisweise eingefuhrt werden.
Aus -er Stadt Gießen.
Geheimrat Gustav Krüger t-
Nach langem Leiden starb gestern im 78. Lebensjahr der Professor der Theologie D. Dr. phil. und Dr. jur. h. c. Gustav Krüger. Mit ihm ist eine bedeutende Persönlichkeit aus dem Kreis der Lebenden geschieden. Mit ihm verliert die Wissenschaft und das ganze Land Hessen einen Mann, der einem großen Kreis angehörte, der vielen Menschen etwas bedeutete und dessen Persönlichkeit mit der Geschichte unserer Universität untrennbar verbunden bleiben wird.
Geheimrat Krüger wurde im Juni 1862 in Bremen geboren. Er besuchte dort das Humanistische Gymnasium, er studierte in Heidelberg, in Jena, tn Gießen und in Göttingen, promovierte in Jena zum Doktor der Philosophie und wurde zwei Jahre später in Gießen Lizentiat der Theologie. Dann diente er in einem badischen Grenadier-Regiment als Einjährig--Freiwilliger und schied als Offizier der Reserve aus dem Heeresdienst aus.
Vom Jahre 1886 ab wirkte er dann zunächst als Privatdozent, dann als außerordentlicher und schließlich als ordentlicher Professor der Theologie (Kirchengeschichte) an unserer Landesuniversität. Gießen wurde seine zweite Heimat. Er gehörte unserer Landesuniversität ein Menschenalter an. Er war der Mittelpunkt eines vielgestaltigen Bezirks lebensvollster Beziehungen. Manchen ehrenvollen Ruf schlug er aus. Die Geschichte unserer Universität des vergangenen halben Jahrhunderts war ein Teil feiner eigenen Lebensgeschichte. Wichtige Entscheidungen an unserer Universität sind unter seiner Mitwirkung getroffen worden. Er war Rektor und achtmal Dekan der Theologischen Fakultät. In ihm say die Universität einen ihrer führenden Männer, einen ihrer Repräsentanten. Ihm war eine geniale Art der Menschenbehandlung zu eigen. Als Univer- sitätslehrer hatte er eine starke eigene Note. Er besaß die Gabe einer stilvollen Rede, er konnte plaudern, besaß Ueberzeugungs kraft und die Fähigkeit zu fesselnder Darstellung der Dinge seines Faches. Menschliche Güte war ihm in hohem Maße zu eigen.
Auf die Geschicke der Hessischen Landeskirche hatte er insofern stärksten Einfluß genommen, als ein ganzes Geschlecht Theologen unter seiner geistigen Obhut heranwuchs und von ihm in der geistigen Haltung, einer Haltung lauterster Gesinnung, bestimmt wurde. Lange Jahre hindürch leitete er die Theologischen Konferenzen, die ganz unter dem Einfluß seiner bedeutenden Persönlichkeit standen.
Als Forscher hatte Geheimrat Krüger zwei glückliche Lebensumstände zu verzeichnen. Er war dem Altmeister der Kirchengeschichte Karl von Hase (Jena) persönlich und verwandtschaftlich eng verbunden, schließlich aber hat er auch Gelegenheit gehabt, mit bedeutenden Männern (Harnack usw.) auf dem reichen Feld« der Dogmengeschichte forschend zu arbeiten und sich damit ein Denkmal zu setzen. Zahlreiche seiner wissenschaftlichen Arbeiten, die hier im einzelnen nicht ausgeführt werden können, wurden veröffentlicht.
Manche Ehrung wurde dem Gelehrten zuteil. Aus Anlaß seines 70. Geburtstages wurde er zum Ehrendoktor der Juristischen Fakultät unserer Universität ernannt. Sein Bild finden wir im Senats- saal der Universität. Die Universität Jena erneuerte zu gegebener Zeit das Doktordiplom. Bald darauf feierte er das Jubiläum feiner 50jährigen Dozententätigkeit. Die Stadt Gießen zeichnete ihn bei feinem 75. Geburtstag mit der „Ehrenplakette der Stadt Gießen für besondere Verdienste" aus, da er sich in unserer Stadt insbesondere um die Pflege der Musik und des Konzerts verdient gemacht hatte. Er war Ehrenmitglied der Gießener Hochfchulgefell- schaft und der Historischen Kommission in Hessen.
So reich das Wirken des vielverehrten Mannes nach außen war, so sand er immer doch auch Zeit und Muhe genug, seine Häuslichkeit mit einem verklärten Lebensstil zu erfüllen. Er ging auf in der deutschen Dichtung. Er liebte die Musik. Wer ihn als Mensch ganz kennenlernen wollte, mußte ihn in seiner Häuslichkeit aufsuchen.
Nun ist er aus dem Leben geschieden. Viele, die jetzt die Todesnachricht erhalten, werden lebhaft und unmittelbar dieses Mannes gedenken, der seiner Umgebung so viel gu bedeuten wußte und der nickt vergessen werden wird, weil sein geistiges Erve in allen denen lebendig bleiben wird, die je unter den Ausstrahlungen seiner starken Persönlichkeit gestanden haben.
Nach dem Kalender für Reich sjufttzbeamte für das Jahr 1940 zählt das Großdeutsche Reich 33 Oberlande sgerichtsbezirke gegenüber 29 im Vorjahre. Neu hinzugekommen sind durch Gebietszuwachs die Bezirke Danzig, Leitmeritz und Prag und durch Neubildung der Bezirk Linz in der Ostmark. Der größte Oberlandesgerichtsbezirk ist der Bezirk des Kammergerichts in Berlin mit 6 970 354, der kleinste der Bezirk Oldenburg mit 496*340 Ge- richtseingefessenen.
Der das Land Hessen umfassende Ober« landesgerichtsbezirk Darmstadt zählt 1 429 028 Gerichtseingesessene in den Landgerichtsbezirken, nämlich Mainz mit 430 774, Darmstadt mit 655 654 und Gießen mit 342 620 Gerichtsei ngef essen en.
Der Landgerichtsbezirk Gießen, der sich räumlich mit der Provinz Oberhessen deckt, hat 18 Amtsgerichte, die sämtlich zugleich An erb en gerichte sind, nämlich Gießen (mit 83 027 Gerichtseingesessenen), Alsfeld (20 975), Altenstadt (8066), Büdingen (14 585), Butzbach (19 914), Friedberg (39 990), Grünberg (17 576), Herbstein (11282), Homberg (10 744), Laubach (7700), Lauterbach (13 388), Bad- Nauheim (15 411), Nidda (21824), Ortenberg (13 941), Schlitz (6587), Schotten (9320), Ulrichstein (7989) und Vilbel (20 301), vier Arbeitsberichte, nämlich in Gießen (für die Amtsgerichtsbezirke Gießen, Grünberg und Laubach), in Friedberg (für die Amtsgerichtsbezirke Friedberg, Butzbach, Bad-Nauheim und Vilbel), in Lauterbach (für die Amtsgerichtsbezirke Lauterbach, Alsfeld, Herb- ftein, Homberg, Schlitz und Ulrichstein) und in Nidda (für die Amtsgerichtsbezirke Nidda, Altenstadt, Büdingen, Ortenberg und Schotten), vier Entschuldungsämter, und zwar in Gießen, Friedberg, Lauterbach und Mdda, zwei Schöffengerichte, nämlich in Gießen (für den Landgerichtsbezirk mit Aus
nahme des Amtsgerichtsbezirks Lauterbach) unb in Lauterbach (für den Amtsgerichtsbezirk Lauterbach), eine Staatsanwaltschaft beim Landgericht Gießen und vier Amtsanwaltschaften, nämlich in Gießen, Alsfeld, Büdingen und Friedberg, sowie zwei Gerichtskassen in Gießen unib Bad-Nauheim mit je acht Gerichtszahlftellen. Das Amtsgericht Gießen ist zugleich Erbgesundheitsgericht für den Landgerichts!)ezirk. Gerichtstage des Amtsgerichts finden statt in Freiensteinau (Amtsgericht Herbstein), Gedern (Amtsgericht Ortenberg), Ulfa (Amtsgericht Schotten) und in Groß-Felda (Amtsgericht Ulrichstein.
An richterlichen Beamten hat das Landgericht den Landgerichtspräsidenten, zwei Landgerichtsdirektoren und acht Landgerichtsräte. Die Zahl der Richter an den 20 Amtsgerichten beträgt 41 (im Vorjahre 36), und zwar ein Amtsgerichtsdirektor und acht (i. V. sieben) Amtsgerichtsräte in Gießen, ein Amtsgerichtsdirektor, vier (i. V. drei) Landgerichtsräte in Friedberg, drei (i. V. zwei) Amtsgerichtsräte in Nidda, je zwei Amtsgerichtsräte in Alsfeld, Büdingen, Butzbach, Grünberg, Lauterbach, Bad-Nauheim und Vilbel, je zwei Amtsgerichtsräte (i. V. einer) in Herbstein und Schotten und je einer in Altenstadt, Homberg, Laubach, Orten'berg, Schlitz und Ulrichstein.
Die Staatsanwaltschaft beim Landgericht ist besetzt mit dem Oberstaatsanwalt und fünf (i. V. vier) Staatsanwälten, die Amtsanwaltschaft in Alsfeld mit einem Amtsanwalt.
Notare zählt der Landgerichtsbezirk fünf, und zwar je einer in Friedberg, Grünberg, Herbstein, Hungen und Nidda. Die Zahl der Rechtsanwälte beträgt 50 (i. V. 47), darunter zehn, die zugleich Notare sind. Gießen selbst hat 22 (i. 23. 20) Rechtsanwälte; von diesen sind drei zugleich Notare.


