machen müsse. So hat Schweden seine Vermittlung angeboten und den Weg geebnet, auf den die beiden Kriegführenden wieder zueinander fanden.
Der Moskauer Friede zeigt eine Mäßigung, die die beste Gewähr für seine loyale Durchführung und seinen Bestand bietet. Der Friedensvertrag geht von der Auffassung Stalins aus, daß es der Sowjetunion nicht an territorialen Eroberungen gelegen sein könne, die Finnlands Fortdauer als selbständigen Staat in Frage stellen würden, sondern daß es lediglich um die Sicherung der nationalen Interessen des russischen Reiches an seiner empfindlichen Nordwestflanke gehe. Es war selbstverständlich, daß nach den überaus harten und auch für die russische Armee mit schweren Opfern verbundenen Kämpfen dieses Winterfeldzuges in der Arktis, die Forderungen der Sowjetunion nicht geringer geworden find als sie noch vor vier Monaten gewesen sind. So hat Rußland durch den Friedensvertrag feine Grenze auf der Karelischen Landenge weiter vorgeschoben, als es ursprünglich in den Verhandlungen vor Ausbruch des Konflikts vorgesehen war. Es war ja auch nicht anzunehmen, daß die Russen grade dies für sie aus historischen und strategischen Gründen wertvolle Gebiet wieder räumen würden, nachdem sie es in erbittertem, verlustreichem Ringen Schritt für Schritt hatten erobern müssen. Aber wenn auch Wiborg nun obgetreten werden muß, bleibt Finnland ein lebensfähiger Staat, zumäl ihm der freie Ausgang zum Eismeer durch den Petsamo-Korridor verbleibt.
Die Russen können übrigens bei der Festsetzung dieser neuen Grenze auf der Karelischen Landenge für sich ins Feld führen, daß damit nur die Grenze wiederhergestellt wird, die im großen und ganzen schon fast hundert Jahre lang zwifchen Rußland und Finnland bestanden hat, da nach dem Nordischen Krieg zwischen Karl XII. von Schweden und Peter d. Gr. Wiborg und seine Umgebung von dem damals unter schwedischer Herrschaft stehenden Finnland abgetrennt wurde und an Rußland fiel, das es bis 1809 behalten hat. Die pachtweise Einräumung H a n g ö s als russische Flottenbasis, die Abtretung der Fischer-Halbinsel und die Erleichterungen für den russisch-norwegischen Durchgangsverkehr im Petsamo-Korridor waren bereits wesentliche Punkte der ursprünglichen russischen Forderungen. Daß die Sowjetunion das ursprünglich gemachte Angebot einer Gebietsabtretung in Sowjet-Karelien fallen ließ, ist nach dem ihr durch den finnischen Widerstand aufgenötigten Waffengang verständlich.
Der Friede sichert Finnlands Freiheit und Unabhängigkeit, er schafft jedoch auch im ganzen Norden jenen Zustand der Entspannung, den die pluto- kratischen Kriegshetzer in Paris und London mit allen Mitteln zu verhindern trachteten. Die Propagandisten der Kriegsausweitung haben eine schwere Niederlage erlitten. Der ungeheure Prestigeverlust der Westmächte entspringt der wachsenden Einsicht der Neutralen, daß auf britische Versprechungen kein Verlaß ist. Der Norden hat erkannt, daß die westtichen Plutokratien rein eigensüchtige Ziele verfolgten, als sie in Oslo und Stockholm für eine Unterstützung Finnlands warben und das Durchmarschreckt für ihre eigenen Truppen forderten. Man yat nun in ganz Skandinavien begriffen, daß ein Eingehen auf die britischen Wünsche das Verderben der nordischen Mächte bedeutet hätte. Mit dem Moskauer Frieden ist dies Projekt der Kriegsausweitung den Westmächten aus der Hand geschlagen, sie werden zwar nicht ruhen, nach neuen Opfern Ausschau zu halten, aber das negative Ergebnis des französisch-britischen Verrates an Finnland werden sich alle Völker zur eindringlichen Warnung dienen lassen, die heute noch meinen, in den westlichen Plutokratien die Vorkämpfer für Freiheit und Ordnung sehen zu müssen. Deutschland hat sich in dem finnisch-russischen Konflikt streng neutral verhalten. Es mag daran erinnert werden, daß der Führer am 18. Mai vergangenen Jahres Finnland wie den übrigen nordischen Staaten den Abschluß von Nichtangriffsabkommen vorgeschlagen hatte, daß aber gerade Finnland dieses Angebot ausschlug, befangen im Geist der Genfer Liga und ungeachtet der Leistungen deutscher Soldaten, deren Blut einst Finnland seine Entstehung als unabhängiger Staat zu einem guten Teil zu verdanken hat. Deutschlands korrekte Haltung hat sich durch den Ausgang des Konfliktes als richtig erwiesen. Es begrüßt den Friedensschluß als einen Sieg der Vernunft, der die verbrecherischen Ziele der Westmächte vor aller Welt gebührend anpran- gert. Dr. Fr. W. Lange.
Die Schlagkraft der italienischen Wehrmacht.
Rom, 15. März. (Europapreß.) Die Kammer der Fasen und Korporationen hat unter dem Vorsitz des Justizmimsters Grandi und in Anwesenheit des Duce über den Haushalt des Kriegs- und Ma- rinemimfteriums beraten. Die beiden Voranschläge wurden einstimmig gutgeheißen. Der Unterstaatssekretär des Kriegsministeriums, General S o d d u , teilte die Maßnahmen mit, die die italienische Wehrmacht ergriffen hat, um angesichts des gegenwärtigen europäischen Krieges jederzeit für alle Möglichkeiten gerüstet zu sein.
Die große Zahl von Menschen, die seit dem Frühjahr vergangenen Jahres zu Ausbildungszwecken durch die verschiedenen Truppenteile gegangen seien und die zu ihrer sofortigen Wiedereinberufung getroffenen Vorkehrungen bildeten eine Gewähr dafür, daß das Heer in kürzester Frist auf den Stand gebracht werden könne, der den Anforderungen der jeweiligen Lage entspreche. Es sei bezeichnend, daß der Duce den Marschall Graziani auf das so verantwortungsvolle Amt des General st abs- ch e f s berufen habe. An der Spitze der italienifchen Truppen ständen Führer von erprobtem Wert. Diesen Führern wiederum unterstehe ein außergewöhnlich fähiger Generalstab. Der Ausbau der Grenzbefestigungen sei jetzt abgeschlossen. Sie bildeten eine feste und sichere Wacht. Angesichts der noch ungewissen Entwicklung des europäischen Krieges habe Italien gewisse Maßnahmen ergreifen muffen, wie die Verstärkung der Grenzver- teibigung hn Mutterland und in Libyen, die Bereitstellung der Po-Armee zur sofortigen Verwendung,
alles zu dem einen Ziel, daß das Heer im Notfälle sofort mit einer ansehnlichen Masse in Aktion treten und die Mobilmachung unter den vorgesehenen Bedingungen durchführen könne.
Die Infanterie verfüge über moderne Waffen, die ihr eine hohe Offensivkraft verleihe. Die Kriegsindustrie habe den Produktionsstand erreicht, der programmäßig vorgesehen fei. Neue Geschütze jeden Kalibers befänden sich in der Herstellung. Es handele sich um moderne Haubitzen und Mörser von höchster Feuerwirkung, die den Beginn einer vollständigen Erneuerung der Artillerie darstellten. Auf dem Gebiete der Flieger- a b w e h r verfüge Italien über ein neues Geschütz, das den Vergleich mit den vollkommensten ausländischen Typen nicht zu scheuen brauche. Für alle Waffengattungen seien die erforderlichen Muni- tionsmengen sichergestellt, die Produktion erhöhe sich ständig. Auf dem Gebiet des chemischen Krieges würden nicht nur die Abwehrmittel unablässig verbessert, sondern auch Offensiomaßnahmen des Auslandes aufmerksam beobachtet. Aus diesem Grunde werde eine „Chemie-Stadt" erbaut und in verschiedenen Gegenden Italiens Industrieanlagen auf dem Grundsatz der Autarkie errichtet. Das Land wisse, daß das Heer, falls es zu einer bewaffneten Aktion aufgerufen werde, unter dem Befehl des Duce und im Namen des Königs und Kaisers sich selbst übertreffen werde. — Die Rede wurde vom Haus mit stürmischen Hochrufen auf den König und Kaiser, den Duce und die Wehrm- macht aufgenommen.
Das Ersatzheer im Kriege.
Hum 5. Jahrestage der deutschen Wehr- frecheit veröffentlicht der Chef der Heeres- rüftung und Befehlshaber des Ersatzheeres, General d. A. Fromm, folgende Ausführungen:
Auf unser Feldheer blickt das ganze Volk mit rrchigem Vertrauen. Es schützt unsere Grenzen und wird zu schlagen wissen, wenn der Befehl dazu ergeht, wie es in Polen so unvergleichlich gekämpft hat. Seiner Erhaltung auf voller Hohe der Kraft, feiner ständigen Mehrung an Zahl und Güte gilt die Arbeit des Erfatzheeres. Es erfaßt die Wehrfähigen, schult sie an der Waffe und stellt den gesamten Heeresbedarf sicher.
Die Bezirkskommandos haben die Aufgabe, möglichst alle Wehrtüchtigen dem Waffendienste zuzuführen. Das ist in vollem Umfange leider nicht möglich, da auch zu Hause in den Rüstungsbetrieben leistungsfähige und fachlich geschulte Männer gebraucht werden. Den rechten Ausgleich zu finden erfordert viel Einsicht bei der Wirtschaft, mehr noch bei der Truppe. Grundsatz muß immer bleiben: Wer kämpfen kann, gehört an die Front!
Wer zum Waffendienst einberufen wird, kommt in die Ersatztruppenteile, deren Gesamtzahl großer als bas Friedensheer ist. Hier findet eine planmäßige Ausbildung statt. Die Kürze der verfügbaren Zeit zwingt zu scharfer Konzentration. Der Gefechtsdienst allein steht im Vordergrund. Denn das Ziel her Ausbildung muß fein, stets genügend Ersatz zu haben, um die Verluste der Front zu decken, die durch Kampf und Krankheit, sowie durch das Herauslösen Unabkömmlicher für die Heimat entstehen. Darüber hinaus werden fortlaufend Kräfte benötigt, aus denen immer neue Formationen zur Vergrößerung des Feldheeres ge
bildet werden. Unsere Feinde mögen sicher fein, daß hier nichts versäumt wird!
Im Bereich der materiellen Rüstung gilt es, alle Vorbereitungen, die im Frieden getroffen sind, um die Leistungsfähigkeit der Fabriken zu steigern, schnell und gründlich auszunützen. Die alten Betriebe müssen durch Schichtenerhöhung leistungsfähiger werden. Neue Betriebe müssen erstehen. Unwesentliches muß stillgeleat werden. Nach besonderem Plan müssen Menschen, Maschinen, Werkstoffe sinnvoll aufeinander abgestimmt, zu größtem Nutzeffekt eingesetzt werden. Mit steigender Produktion wächst der Bedarf an Munitionslagern und Zeugämtern, um die Vorräte aufzustapeln und zur Verwendung bei der Truppe fertig zu machen. Nicht zu vergessen die unermüdliche Arbeit der Konstrukteure, die darauf bedacht hinzielt, unsere Kampfmittel weiterzuentwickeln und hierin dem Feind den Rang abzulaufen. Alles in allem eine Riesenorganisation, die hier zu bewältigen ist.
Nicht minder wichtig ist die Nutzbarmachung der Pferde und Kraftfahrbestände für die Truppe. Scharfe Eingriffe, vor allem für den Bereich der Landwirtschaft, find nicht zu umgehen. Sie sind auch auf dem Ernährung?- und Bekleb dungsaebiet unvermeidlich, weil für den laufenden Nachschub der fechtenden Truppe naturgemäß greifbare Vorräte bereitgestellt werden müssen. Im ganzen kann man sagen, daß es kein Gebiet des Volkslebens gibt, in das nicht in irgendeiner Form das Ersatzheer zu Gunsten des Feldheeres eingreifen muß. Die Dienststellen des Ersatzheeres sind sich dabei bewußt, daß sie des vollen Verständnisses aller Bevölkerungsteile sicher sind, wenn sie ihr Handeln unter den Leitstern stellen: Alles für das Feldheer! Alles für den Kampf der Front! Alles für den deutschen Sieg!
„Das heißerfehnte Schlachtfeld genommen/'
Die römische Presse zum Moskauer Friede.
Rom, 14. März. (Europapreß.) Der russisch- finnische Friedensschluß ist nach Ansicht der römischen Presse „ein harter Schlag für die Demokratien", wie „Jl Piccolo" feststellt. Und dieser Schlag, so fügt das Blatt mit beißender Ironie hinzu, komme gerade in dem Augenblick, in dem England den Finnen Hilfe in Gestalt von sieben freiwilligen Feuerwehrmännern geschickt habe. Durch den „Ausbruch des
Friedens in Finnland" werde den Westmächten das heißerfehnte Schlachtfeld genommen, auf dem sie den zwischen den Betonmauern der Maginot- und der Siegfried-Linie erstarrten Krieg hätten anfachen können. Alle ihre Pläne gegen Rußland, die darauf hinausttefen, Deutschlands Rohstoffversorgung aus der Sowjetunion und Skandinavien zu stören, feien vereitelt worden.
Anschlag auf den Fndien- minister in London.
Amsterdam, 13. März. (Eu opapreß.) Lord Z e 11 a n b , ber britische Staatssekretär für Jnbien,
24600 BRT.
von deutschem Ll-Boot versenkt.
Berlin, 14. Marz. (DRV. Funkspruch.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: An der Westfront keine besonderen Ereignisse. Südlich Straßburg wurde ein französisches Flugzeug vom Muster Mureaux durch deutsche Flakartillerie abgeschossen.
kapitanleulnant Schuhart konnte nach Rückkehr seines U-Bootes von der letzten Feindfahrl gegen den Feind die Versenkung von 24 600BRT. melden. Damit hat kapitanleutnant Schuhart, der im September des vergangenen Jahres auch den britischen Flugzeugträger „E o u r a g e o u s" vernichtete, im Verlauf zweier Feindfahrten insgesamt 66 566 Tonnen versenkt.
wurde am Mittwochabend in London bei einer Versammlung der Jndia-Association von einem Inder angeschossen. Der 75 Jahre alte Sir Michael O' Dwyer, der frühere Gouverneur ber inbischen Provinz Punjap, wurde von dem gleichen Inder durch einen Schuß in die Herzgegend getötet. Lord Zetland hat nur einen leichten Streifschuß erhalten. Der Name des indischen Attentäters, ber offenbar mit einer Maschinenpistole geschossen hat, ist noch nicht gemeldet worben. Er gab eine Serie von Schüssen ab, durch die im Saal eine Panik entstand. Lord Laming ton, der frühere Gouverneur von Bombay, erhielt am Arm Verletzungen, ebenso Sie Lewis Dane, der frühere Resident Großbritanniens in Kaschmir, »rigabegeneral S y ■ (es, ber direkt neben Zetland stand, blieb unverletzt. Niemand von den 150 Teilnehmern ber Versammlung burfte während zweieinhalb Stunden das Gebäude verlassen oder telephonieren. Ein dichter Ring von Polizei umstellte sofort die Caxton Hall. Jeder Anwesende wurde eingehend verhört. Der Attentäter gab vier Schüsse in schnellster Folge ab. O'Dwyer fiel sofort zu Boden. Blut entströmte seiner Brust. Lord Zetland fiel ohnmächtig neben den Präsidentenstuhl. Nach dem Anschlag rief ber inbische Attentäter mit vorgehaltener Pistole: „Aus bem Wege!" und rannte zur Tür. Zwei Männer warfen sich auf ihn und konnten ihn überwältigen. Der Name des Inders ist von der Polizei noch nicht bekanntgegeben worben.
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Die Schüsse bes Jnbers im Herzen Lonbons auf Lorb Zetland und die ehemaligen indischen Gouverneure sind der beredte Ausdruck der Notwehr eines gequälten Volkes, das sich nach endlosem Leiden gegen seinen plutokratischen Zwingherrn zurWehrsetzen will.
Ein Fahr Protektorat.
Ein Aufruf der Protektoratsregierung an das tschechische Volk.
Prag, 13. März. (Europapreß.) Aus Anlaß des ersten Jahrestages der Rückgliederung Böhmens und Mährens in das Großdeutsche Reich und der Errichtung des Protektorats hat die Protektoratsregierung an das tschechische Volk einen Aufruf erlassen, in dem es heißt:
„Am 15. März jährt sich zum erstenmal ber Tag, an dem Präsident Hacha die Geschicke des tschechischen Volkes und Staates in die Hände des Führers des deutschen Volkes legte. Heute wissen wir bereits alle, und zwar besser als damals, daß durch diese weitblickende staatsmännische Tat das tschechische Volk in zwölfter Stunde vor ber Kriegsgefahr unb vor den vielleicht blutigen politischen Wirren, die diese bedrohten, gerettet wurden. Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler verbürgte damals unserem Volk fein eigenes nationales Sein mit allen Erfordernissen zur Gestaltung seiner eigenen Angelegenheiten unb zur Pflege bes eigenen nationalen Lebens.
Die Regierung glaubt, baß sich unsere Bevölke- rung bewußt ist, daß das deutsche Volk einen großen Kampf führt, unb baß es baher selbstverstänbliche Pflicht dieser Regierung ist, bafür zu sorgen, daß ber würbige
Oer Geschichtsschreiber Karls des Großen.
Zum 1100. Todestag Einhards am 14.März
In einem Bauernhof bes Maingaues wurde Einhard um 770 geboren. Der begabte Knabe kam frühzeitig nach Fulda in die Klosterschule und war bald „der Besten einer", so daß der Abt ihn zur weiteren Ausbildung an den Hof Karls des Großen nach Aachen schickte. Hier wirkten die besten Gelehrten unter Führung Alkuins, des Erziehers Karls, der als der bedeutendste Gelehrte des Abendlandes berühmt war. Diese Hofschule diente nicht nur zur Erziehung der Kinder des Kaisers und seiner Hofleute, sie sorgte für die Hebung der Bildung der Geisllichen und Grafen, überwachte die Sammlung und (Erneuerung der Gesetze, half bei der Regelung von Maß und Gewicht und leitete die Ausführung größerer Bauten. Hier erhielt Einhard fein vielseitiges Wissen Und konnte sich später nicht nur als Geschichtsschreiber, sondern auch als Baumeister, Gesandter und theologischer Ratgeber betätigen. In Mußestunden schrieb der körperlich zarte, geistig aber ungemein regsame Mainfranke kleinere Dichtungen, von denen uns nur vereinzelte Bruchstücke geblieben sind.
Bald gehörte Einhard zu den Vertrauten bes Kaisers unb würbe in bie Akademie aufgenommen; in bieser schloß Karl seine aelehrten Freunde zusammen, ließ aber auch strebsame Frauen zu, z. B. seine Schwester Gisla unb seine Tochter Hruodtrub unb Bertha. Die Akabemie begleitete den Kaiser von Pfalz zu Pfalz. Bei Tisch würben Kapitel aus klassischen Werken ober Dichtungen vorgelesen, was Einhard wegen seiner guten Aussprache in der Regel übernahm, abends setzte man sich zu gelehrten Gesprächen zusammen über alle damaligen Wissensgebiete, wie Astronomie, Theologie und Philosophie. Einhard oblag noch die besondere Aufgabe, die wesentlichen Ergebnisse der Akademie in Die Chronik der Hofschule niederzuschreiben.
Viele Bauten Karls des Großen hat Einhard ganz ober teilweise geleitet, so die alte Brücke zu Mainz, die Pfalz zu Ingelheim, bie Kaiserpfalz zu Aachen, bie bortige Basilika. Ein mertmürbiges Schicksal hatte bie Einharb-Basilika, bie er im Jahre 814 begann, als er bei Michelstadt im Odenwalb
eine Abtei begrünbete; wenige Jahrzehnte nachher galt bieser Bau als vom Erdboden verschwunden, und erst nach mehr als tausend Jahren wurde er bei Michelstadt wiederentdeckt.
Besonderen Anteil dürfte Einhard bei der Sammlung alter Lieder, in denen bie Taten unb Kriege ber alten Deutschen besungen wurde, gehabt haben; so sollen von ihm Lieder von Arminius, die Tacitus erwähnt hat, unb einzelne Stücke aus dem Nibe- lungenlieb ausgezeichnet worden sein. Leiber ist nichts bavon erhalten geblieben. Auch bei Karls Bemühungen um bie Zusammenstellung einer beut- schen Grammatik hat Einhard geholfen, manche deutsche Namen für bie Monate und Winde stammen von ihm; zudem war er des Kaisers rechte Hand bei Abfassung wichtiger Briefe und bei Beratungen über Staatsgeschäfte.
Auf den großen Zügen Karls war Einhard ftän» btger Begleiter als „Hof-Secretarius"; im Früyling bes Jahres 806 schickte der Kaiser ihn als Gesandten nach Rom, 813 soll Einhard Karl bewogen haben, seinen Sohn Ludwig zum Nachfolger zu bestimmen. Als Unterhalt erhielt Einhard die Einkünfte mehrerer Klosterhose, dafür gab er der Verehrung für seinen kaiserlichen Herrn Ausdruck in dem schonen Büchlein „Vita Caroli Magni“ (Leben Karls des Großen), indem er Karls Friedenswerke unb Kriegsfahrten, fein Familienleben unb feine äußere Erscheinung anschaulich festgehalten hat. Dieses Merkchen gilt als eine ber bedeutsamsten Quellen der karolingischen Zeit.
Nach dem Tode Karls des Großen wurde Einhard Vertrauter Ludwigs des Frommen, der ihn 817 zum Ratgeber seines Sohnes Lothar I. ernannte. In den Machtkämpfen ber Sohne gegen ben Vater hat sich Einhard immer um die Erhaltung des Friedens bemüht. Durch Altersbeschwerden gezwungen, zog er sich auf seine Abtei zurück, die er aus dem Odenwald nach Seligenstadt am Main verlegte. Hier stellte er seine Schriften zusammen, von denen später die „Annalen" unb „Briefe veröffentlicht wurden; aus ihnen gewinnt man ein eindrucksvolles Bild ber bamaliqen Denkweise auf ben verschiebensten Gebieten. Im Jahre 836 verlor Einhard seine Gemahlin Jmma, eine Schwester des Bischofs Bernhard von Worms, am 14. März starb er unb blieb im Gedächtnis der Deutschen als einer ber frühesten großen Geschichtsschreiber.
Mans Sturm»
Oas große Regenlied.
Von Anion Schnack
Tropf ... Tropf ... ein kurzes offenes „o" schlägt ununterbrochen auf das verwetterte, frostüberzogene Blech, das über den Dachvorsprung genagelt ist. Soeben ist eine knallige, gelbgefranste Wolke mit Regenrausch über das Landhaus gezogen, nun steht ihr bleierner Mantel bereits im Osten, aber tropf... tropf ... rollt es noch in einem fort vom Dach, ein heftiges und schnelles (Setrommel, das schließlich in ein langsames, behäbiges Geplapper übergeht unb eine ganze Weile bauert; boch bann stirbt bas Geräusch ab, zögert zu fallen, nur noch bann unb wann in langen Pausen, schließlich ist es zu Ende.
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Getrommel — ja so wirb bie feine Membrane Ohr erregt. (Setrommel — bem Marschtritt winziger Soldaten vergleichbar, die mit Metallsahlen über das Dach laufen. Wer jedoch genügend Vorstellungskräfte besitzt, kann auch anderes heraushören, zum Beispiel glasfeine unb schluchzenbe Laute, bas geheime Lieb von Tränen, vor langer Zeit geweint, vielleicht vor Jahrhunderten aus ben Augen eines im Walde verlaufenen Kindes gefallen, eines Kindes aus der Schar, bie der Pfeifer von Hameln aus der Stadt in den waldigen Berg gelockt hatte; — warme Tränen, bittere unb heimwehkranke Tränen, bie bann in ben ewig fließenben und sich ewig wandelnden Weg des Wassers ein» ordneten.
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Topp — fällt ein Tropfen ... Tapp — knallt ein anderer ... Tipp — singt ein dünner Schwächling Manche prasseln wie ein Wurf harter Erbsen, wenn sie mit geschicktem Fingergriff aus ben Schoten geferfelt werben unb in eine Blechschüssel springen. Tupp ... Tupp ist ber Aufschlag voller unb dicker Kugeln, aufgeschwemmten Säufern ähnlich, die stolpernd und holpernd über bas Kopfpflaster einer Kleinstadt tappen. (Ein andermal hort sich ber Tropfenfall wie Getrippel unb Getrappel von Kinderfüßen an, die hölzerne Treppenstufen hinauf- unb hinunterlaufen ... Tapp — Tipp ... Tipp — Tapp, in unermüdlicher Begeisterung, immer wieder, immer fort.
Manche Tropfen stürzen eilig in die Tiefe, andere zögern, langsam laufen sie an der Kante eines vorspringenden Simses entlang unb bleiben hängen, silbern glänzt das Licht in ben flüssigen Perlen, nun fangen sie wieber an zu laufen, stocken abermals, vereinigen sich schließlich unb fallen, Tropfenliebes' paare, hinunter. — Topp jubelt es herauf ... Topp knallt bas Blech, worauf sie prallen. Erfolgt aber der Aufschlag auf einem hölzernen Brett, so verwandelt sich das Helle „o" in ein mattes „u"; nur das harte Steingesicht des Pflasters macht ben Auf- schlag zu einem breiigen unb verwehten Geplätscher.
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Regenttopfen! In den tiefen Schlaf der Kinder gesungen, bas Eiapopaia bes Himmels-Gemurmel, das ben gequälten unb fiebrigen Schlummer ber Kranken beruhigt. Tapp .. . Tapp ..., durch die ununterbrochene Einförmigkeit befänftigenb, im Gegensatz zur kribbelnden Krallenschrift ber auf ber Rinne laufenden und zwitschernden Vögel. Regentropfengeräusch, ergreifende Erzählung von Wind, Wolken, Wäldern und Freiheit, den überwachen Ohren gefangener Männer in allen Jahrhunderten erzählt, erzählt dem eingekerkerten Empörer Richard Löwenherz, Casanova bem Kavalier, Trenck bem Offizier, bem Dichter Schubart, bem verstoßenen Knaben Kaspar Hauser unb Maria Stuart ber Königin.
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Tropf ... Tropf — bleiernes Geräusch sich endlos behnender einstiger Schulstunden, im Zimmer bie brüchige unb mübe Stimme des Professors „Nemo ante mortem beatus" — Niemand ist vor bem Tobe glücklich zu preisen — bas Knabenohr horte Nicht nach der schweren Weisheit des Alters, son- bern nach dem flinken Geräusch am Fenster, davor an schräglaufenden Drähten die Tropfen hingen, Hunderte und aber Hunderte, einer neben bem anderen, nur Sekunben sichtbar unb bann zerstäubenb m die Tiefe stürzend, um anderen Platz zu machen. Tropf ... Tropf ... Sprache der Natur, der Wolken, des Himmels, ber unendlichen Welt, Gruß der Meere, ber rauschenden Wasserfälle, ber sprudelnben Duellen unb finternber Moorlöcher, Gruß ber zischenden Springbrunnen unb murmelnben Bäche, Donnern bes Niagara unb bes Rheins, Brausen ber Brandungen — so viel Unbändigkeit, Wilbheit, Größe, Fülle und Reichtum in einem einzigen Tropfen!


