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190. Jahrgang Ur. 65
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Der Moskauer Friede.
Der nach wenigen Tagen direkter und, wie be^ sonders betont wird, gleichberechtigter Derhandlun-. gen in Moskau zustande gekommene Friedensschluß zwischen Finnland und der Sowjetunion, dessen Einzelheiten wir bereits gestern berichtet haben, beendet nicht nur einen Konflikt zwischen diesen beiden Staaten, den alle,. die es mit Finnland gut meinten, im Herbst vorigen Jahres, als es über die sich aus den Bedürfnissen der Großmachtstellung der Sowjetunion im veränderten Weltbild sich ergebenden russischen Forderungen zu keiner Einigung gekommen war, gerne vermieden gesehen hätten, sondern räumt auch einen höchst gefährlichen Brandherd im europäischen Norden aus, von dem sich die westlichen Plutokratien eine wesentliche Förderung ihrer Kriegsausweitungsab- sichten versprochen hatten. Wie schon im Herbst vorigen Jahres während der finnisch-russischen Verhandlungen die britische und französische Diplomatie, unterstützt von Presse und Rundfunk, in Helsinki alles daran gesetzt hatte, eine Einigung zu sabotieren, weil man damals schon hier die Möglichkeit witterte, eine neue Front gegen Deutschland aufzubauen, von der her ein Flankenangriff auf das Reich gestartet werden könne, so setzte schon auf die ersten Gerüchte von finnisch-russischen Friedensfühlern von Paris und London ein erneutes, heftiges Störungsmanöver ein, um das Friedenswerk noch in letzter Minute zu hintertteiben. Es ist ja kein Zweifel, daß es überhaupt nicht zum Kriege gekommen wäre, wenn nicht die Westmächte in Helsinki weitgehende Hilfsversprechen gemacht hätten, die sie dann freilich ebensowenig gehalten haben, wie im Falle Polen. So sind die Finnen das Opfer einer blinden und angesichts des polnischen Zusammenbruchs maßlos törichten Vertrauensseligkeit geworden.
Die Westmächte steiften ihnen zwar genau so wie einst den Polen durch vage Versprechungen den Rücken und hetzten sie zum Widerstand gegen die, die Freiheit und Unabhängigkeit Finnlands in keinem Punkt berührenden Forderungen der Russen, ließen sie dann aber genau so wie die Polen schäm- los im Stich, als es hart auf hart ging. Von einer Hand voll Freiwilliger, die zudem sich allermeist aus polnischen und tschechischen Emigranten rekru- Herten, und ein paar Waggons veralteten Kriegsmaterials abgesehen, rührten die westlichen Plutokratien keinen Finger, um ihr Hilfsversprechen für Finnland wahr zu machen. Um so lauter freilich gebärdeten sich Presse und Rundfunk, und auch die Herren Chamberlain und Daladier ließen es bis zur letzten Minute an schönen Worten nicht fehlen, um den Finnen in ihrem Kampf gegen die Sowjetunion die Sympathie der PlutokraHen zu versichern, aber dabei blieb es auch trotz der hochtrabenden Entschlüsse der Genfer Liga, die zu diesem Zwecke wieder einmal aus tiefem Schlafe geweckt werden mußte. Die Finnen blieben allein, denn in Schweden und Norwegen siegte die Vernunft über jede Gefühlsduselei und die klare Erkenntnis, daß jedes Abirren vom Wege strikter Neutralität im finnisch-russischen Konflikt den ganzen Norden zum Kriegsschauplatz der Großmächte
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Moskau, 13. März. (DNB.) Die „Prawda" veröffentlicht die dem Friedensvertrag beigefügte Karte, auf der die neuen Staatsgrenzen eingezeichnet sind. Die neue Staatsgrenze fetzt am Finnischen Meerbusen ungefähr 50 Kilometer westlich von W i b o r g an und verläuft dann so ziemlich gerade in nordöstlicher Richtung, ungefähr 25 Kilometer nördlich von Wiborg und 25 Kilometer nördlich von Sordavala (Sardobal) vorbei, so daß d i e Eisenbahnlinie Wiborg — Sordavala auf sowjetrussischem Gebiet verbleibt,
Unsere einer in der Moskauer „Prawda" veröffentlichten Karte zum Friedensvertrag angelehnte Darstellung zeigt gestrichelt ungefähr den Teil Finnlands in Karelien, der an Rußland fällt. Dazu kommen die Fischer-Halbinsel an der Bucht von Petsamo sowie ein schmaler Streifen Finnisch- Kareliens an der Ostgrenze Finnlands gegenüber der Bucht von Kandalakscha mit dem Hauptort Nuolojärvi. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
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um dann westlich der sowjetrussischen Stadt P orosa s e r e die alte Grenze zu erreichen. Weiter wird ein schmaler Streifen Finnisch-Karelien- s a n der Ostgrenze Finnlands (gegenüber der Bucht yon Kandalakscha mit dem Hauptort Kuolo- järvi) mit der Sowjetunion vereint, sowie die Fischer - und Srednij-Halbinsel an der Bucht von Petsamo. Der neue Grenzverlauf erinnert — mit geringen Abweichungen zu Gunsten Finnlands, an die mit Abschluß des nordischen Krieges im Jahre 1721 geschaffene Grenze, die fast ein Jahrhundert lang in Geltung blieb. Zur Verpachtung der Halbinsel Hangö wird noch bekannt, daß auch die Inseln bei Hangö, an die Sowjetunion auf 30 Jahre verpachtet werden. Rußland erhält das Recht, in diesem Gebiet eine Marinebasis zu errichten, sowie Landtruppen und Luftstreitkräfte zu unterhalten. Finnland soll feine Truppen im Laufe von 10 Tagen nach der Inkraftsetzung des Vertrages von der Halbinsel Hangö zurückziehen. Artikel 15, der bestimmt, daß Finnland an seiner Küste im Nördlichen Eismeer nur kleine bewaffnete Schiffe unterhalten darf, legt den Finnen ferner die Verpflichtung auf, dort keine Kriegshäfen und keine größeren militärischen Reparaturwerkstätten anzulegen.
Die Bestürzung in London.
Amsterdam, 13. März. (Europapreß.) Noch immer versuchen in England Rundfunk und Presse Zweifel daran wachzuhalten, ob tatsächlich in Moskau ein Friedensschluß zustandegekommen ist. Man will offenbar etwas Zeit gewinnen, um die englische Oeffentlichkeit die auf Grund von Chamberlains Angebot an Finnland vom letzten Montag und der bisherigen Berichterstattung der Presse der Westmächte an eine Fortdauer des finnischen Widerstandes geglaubt hatte, an die für England und Frankreich so enttäuschende Wendung der Dinge zu gewöhnen. Daß es sich um eine schwere politische und mittelbar auch militärische Niederlage für, die Westmächte handelt, gibt der englische Rundfunk indirekt zu dadurch, daß er Stimmen aus den Vereinigten Staaten zitiert, die von einer „Niederlage für die Demokratie" sprechen und feststellen, daß Deutschland mit gutem Grund damit zufrieden fein könne, daß die Drohung mit dem Zweifrontenkrieg wieder einmal abgewendet worden sei. Mehrere Blätter, wie beispielsweise der „Daily Telegraph", haben Leitartikel, die offensichtlich noch vor der Nachricht über den Friedensschluß verfaßt wurden. „Daily Mail" erwägt die Möglichkeit, daß Deutschland über Rußland die für seine Rüstungsindustrie wichtigen Zufuhren aus Finnland wird bekommen können.
„Daily Mail" betont, daß die Friedensbedlngun- gen für Finnland im Unterhaus bei allen Parteien als ein schwerer Schock empfunden worden feien. Chamberlain suchte sich aus der Affäre zu ziehen, indem er im Unterhaus als Ersatz für die ausgebliebene Hilfe an Finnland etwas von „Sympathie und Bewunderung" schwafelte. Gleichzeitig machte er allerdings den Finnen bitterste Vorwürfe, daß sie verabsäumt hätten, an England einen Appell zu richten, der den demokratischen KriegsbrandstifterN dis Möglichkeit zu einer ^Hilfe-
leiftung" in dem von ihnen so heiß ersehnten Sinne gegeben hätte. Daneben fehlte auch nicht ein selbstgefälliger Hinweis auf die „großen Mengen von Kriegsmaterialien und Unterstützungen aller Art", die die britische Regierung im Verein mit der französischen Regierung den Finnen geliefert habe. Dabei vergaß Chamberlain allerdings zu erwähnen, daß es sich bei diesen Kriegsmateriallieferungen um unbedeutende Bestände alter Ladenhüter handelte, die nach finnischem Urteil nicht einmal in Friedenszeiten den Bedürfnissen eines modernen Heeres genügt haben würden. Hore-Belifha, der frühere Kriegsminister, ritt hierauf eine heftige Attacke gegen Chamberlain und erklärte, Chamber-
Von den Weltmächten im Stich gelassen.
Helsinki, 13. März. (DNB.) Der finnische Außenminister Tanner sprach im Rundfunk über den Friedensschluß, wobei- er heroochob, daß die neuen Grenzen ungefähr mit denen von 17 21 überein ft immten. Nachdem er die Operationen geschildert hatte, in deren Verlaus der Mangel an Menschen immer fühlbarer geworden sei, ließ er keinen Zweifel daran, daß die so großsprecherisch angetünbigte Hilfeder West- möchte völlig versagt hätte und die Ent- fenbung von Freiwilligen durchaus ungenügend gewesen sei. Schweden und Norwegen hätten unter Hinweis aus die Notwendigkeit einer strikten Neutralität einen Durchmarsch fremder Truppen durch ihre Länder nicht gestatten können. Finnland habe sich danach entschlossen, den ihm nahegelegten Rus um Beistand an England und Frankreich nicht zu richten. Das Interesse Finnlands habe vielmehr die Annahme der so wjetrussi scheu Vorschläge gefordert. Der Vertrag ließe die Freiheit, Souveränität und Unabhängigkeit Finnlands unberührt. Finnland müsse nun arbeiten, um sein Wirtschaftsleben im konstruktiven Sinne zu entwickeln.
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Wie aus Stockholm gemeldet wird, sind der finnische Verteidigungsminister Niukkanen und Unterrichtsminister Hannu la zurückgetre- t e n.
Mr eine Karte im Spiel der Plutokraten.
Oslo, 13. März. (Europapreß.) Zum russisck- sinnischen Friedensvertrag schreibt „Arbeiderbladet . „Die Lage, in der sich Finnland heute befindet, ist auf d i e Taktik der West möchte zurückzuführen. Erst in dem Augenblick, wo der Gedanke kam, den Norden zu einem Flankenangriff auf Deutschland auszunützen, wollten sie Finnland mit Truppen helfen. Ihre Pläne sind zuschanden geworden. Das ist der Grund dafür, daß die Presse und die Staatsmänner der Westmächte jetzt mit großen Worten um sich werfen, während die Finnen es vorgezogen haben, Frieden zu schließen und
Deutschland deckt It
Lieferungen auf
Rom, 13. TNärz. (DRV.) 3n Verfolg der Besprechungen zwischen dem Reichsminister des Auswärtigen v. Ribbentrop und dem Duce haben der deutsche und der italienische Regierungs- a u s s ch u h für die Regelung der deutsch-italieni- schen Wirtschaftsbeziehungen die Maßnahmen vereinbart, um die erforderlichen Kohlenlieferungen nach Italien vollständig auf dem Landwege durchzuführen und auf diese Weise fast den gesamten italienischen Linfuhrbedarf an Kohlen zu decken. Am Dienstag haben der Vorsitzende des deutschen Regierungsausschusses, Gesandter L l o d i u s, und der Vorsitzende des italienischen Regierungsausschusses, Senator Giannini, das entsprechende Protokoll unterzeichnet.
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Der Versuch Englands, Italien von der Kohlenseite her anzupacken, ist völlig mißlungen. Italien muß für feine Industrie, feinen Verkehr und in Norditalien auch für den Hausbrand Kohlen einführen, weil es selbst nur über geringe Lager- und Produktionsstätten verfügt. Die Kohlenlieferanten waren bisher Deutschland und England, vorwiegend sogar England, das alle für Italien bestimmte Kohlen auf dem Seewege an den Bestimmungsort brachte. Auch die deutsche Kohle wurde über die Rheinhäfen nach Italien verfrachtet, ging aber auch auf dem Landwege über den Brenner und über den Gotthard nach Italien. Nachdem Oberschlesien wieder nach Deutschland zurückgegliedert ist, ist Deutschland das Hauptkohlenland Europas. Deutschland fördert jedenfalls heute schon erheblich mehr Stein- und Braunkohle als England, wozu noch kommt, daß Deutschland ohne viel Schwierigkeiten einen großen Teil seiner Kohlenförderung in das Ausland verfrachten kann. Das soll nun auch gegenüber Italien geschehen, denn es ist ohne weiteres verständlich, daß Italien nach den Erfahrungen mit den Kohlenschiffen aus Rotterdam keine Neigung mehr verspürt, sich von der englischen Gangsterregierung weiter schikanieren zu lassen. Englands Absicht war es, mit Hilfe der Kohlenlieferungen für Italien als Gegenleistung ErzeugrrMtz dsr Mglioifti en Schwer-
la ins Entschuldigung für die englische Untätigkeit sei eine reine Förmlichkeit. Schließlich wollte sich Chamberlain weiteren Kummer ersparen und lehnte die aus dem Unterhaus beantragte eingehende Aussprache über den finnisch-russischen Friedensschluß rundweg ab. Schatzkanzler Sir John Simon stellte dann den Antrag auf Bewilligung eines neuen Kriegskredites in Höhe von 700 Millionen Pfund. Die drei Wehrmachtszweige und das Beschaffungsministerium kosteten zusammen beinahe 4 Millionen Pfund täglich, Luftschutz, Lebensmittelversorgung und andere Nebengebiete rund eine Million Pfund je Tag und die übrigen Staatsausgaben täglich etwa eineinhalb Millionen Pfund. Das feien zusammen ungefähr 6,5 Millionen Pfund täglich. Don dem ersten Kriegskredit in Höhe von 500 Millionen Pfund seien bisher 300 Millionen Pfund verbraucht worden.
ihre Lage zu retten." „Dagbladet" schreibt: „Daladier s Rede, wonach England und Frankreich bereit« ständen, ein Heer nach Finnland zu entsenden, hatte natürlich den deutlichen Zweck, den Friedensschluß zu verhindern und den ganzen Norden in einen Kriegsschauplatz zu verwandeln. Hätte Finnland den Westmächten am Herzen gelegen, so hätten sie schon geholfen, als die Finnen an allen Fronten noch standhielten. Jetzt liegt es klar zutage, daß damit nur eine Karte im großen politischen Spiel der West möchte ausgespielt werden sollte. Daladiers Rede war reine Kriegspropaganda, sonst nichts. Die nordischen Länder werden es als ihre Pflicht betrachten, Finnland im'Frieden zu helfen. Gerade der friedliche Einsatz, der die Wunden des Krieges heilen kann, soll unsere Aufgabe fein."
„Ein Geschenk für ganz Skandinavien."
Kopenhagen, 13. März. (Europapreß.) Die Einstellung der Feindseligkeiten zwischen der Sowjetunion und Finnland wurde in Dänemark als ein „Geschenk nicht nur für Finnland, sondern für ganz Skandinavien" bezeichnet. Die dänische Presse ver- tritt die Ansicht, daß England und Frankreich mit dieser Lösung eine schwere Niederlage erlitten hätten. „Politiken" sagt, daß der Friede in dem Augenblick gekommen sei, in dem England und Frankreich auf dem Sprunge waren, die schwedische und norwegische Neutralität gewaltsam zu brechen, was die Zukunft Skandinaviens auf die härteste Probe hätte stellen müssen. Das Blatt fährt fort: „Der 12. März war als Schicks als tag für den Norden ausgesehen. Glücklich wird sich der Norden fühlen, daß die Botschaft des Friedens diese Spannung gelöst hat. Finnlands Aufgabe wird es sein, seine Souveränität und damit seine Zukunft zu sichern."
Seit Ausbruch des Krieges war das nächtliche Straßenbild Kopenhagens noch niemals so von den außenpolittschen Ereignissen beherrscht, wie in der Nacht zum Mittwoch, in der noch Hunderte von Menschen vor den Anschlagtafeln der großen Verlagsgebäude auf die letzten Neuigkeiten warteten und sich befreit fühlten von einem Druck, der seit Ende des vergangenen Jahres auf allen skandinavischen Staaten gelastet hatte.
dem Landwege.
industrie zu erhalten, die Italien sehr notwendig für sich selbst gebraucht. Italien sollte daran gehindert werden, seine Wehrmittel auszubauen, um dafür Kohle zu erhalten, die es teuer hätte bezahlen müssen. Die Regelung, die nun zwischen Deutschland und Italien auf Grund von Verhandlungen getroffen worden ist, sichert Italien die Kohlenmenge zu, die es für sich gebraucht. Irgendein Rückgriff auf die Kohlenlieferung aus anderen Kohlenländern ist überhaupt nicht mehr nötig. Es ist auch nicht so, daß der Landweg, der einstweilen für die Kohlenlieferungen nach Italien vorgezogen werden wird, besonders umständlich und deshalb teuer ist. Die deutschen Kohlenstätten, aus denen die Lieferungen für Italien vor sich gehen können, sind verkehrsgeographisch so gelagert, daß der Transport nach Italien keinerlei Schwierigkeiten verursacht. Es sind hierfür Eisenbahn- und Kraftwagenstraßen vorhanden, es fehlt auch nicht an rollendem Material, um den Transport zu bewältigen. Für Deutschland selbst bedeutet die Lieferung für Italien keinerlei Einschränkung, denn die Kohlenknappheit während des strengen Winters war lediglich auf Transportschwierigkeiten wie das Zufrieren der Flüsse und Kanäle zurückzuführen. Wieder zeigt sich an diesem Kohlenoertrag, daß die Achsenmächte in jeder Hinsicht wirtschaftlich und politisch miteinander verbunden sind oder sich ergänzen.
Unbefriedigendes dänisch-englisches Abkommen.
Kopenhagen, 13. März. (Europapreß.) Die dänische Negierung hat sich bereiterklärt, ein dänisch-englisches Abkommen zur Regelung grundsätzlicher Wirtschaftsfragen zu paraphieren. Die dänische Presse erklärt, das Uebereinkommen lege weder die Höhe der dänischen Ausfuhrkontingente fest, noch sehe es die Verbesserung der niedrigen englischen Maximalpreise vor. „Politiken" behauptet sogar, das Abkommen ändere Überhauptnichts an der bisher von Dänemark stets als unbefriedigend hingestellten Ordnung, abgesehen davon, daß einige Paragraphen noch ungünstiger feien als bisher. — In unterrichteten Kreisen will man wissen, daß der D e - pijenmangel London veranlaßt habe, ein be°
sonderes Zahlungsverfahren im Handelsverkehr mit Dänemark einzuführen. Es wird jedoch dementiert, daß es sich um die Einrichtung eines Clearings oder des Spezialpfundes nach dem Vorbild der schwedischen oder norwegischen Abkommen mit England handle.
Trotz Krieg Steigerung des Viehbestandes
Berlin, 13. März. (DNB.) Nach den Ermittlungen des Statistischen Reichsamtes hat die Viehzählung vom 4. Dezember 1939 ein sehr günstiges Ergebnis gehabt. Es wurde im Grohdeutschen Reich folgender Viehbestand festgestellt (in Millionen Stück): Rindvieh 23,9, davon: Milchkühe 11,9, Schweine 29,1, Schafe 5,2, Ziegen 3,0, Federvieh 111,7, davon: Hühner 103,3, Bienenstöcke 3,6. Der Schweinebestand ist mit 29,1 Millionen Stück um fast 500 0 0 0 Stück größer als bei der vorläufigen, bereits veröffentlichten Ermittlung, die 28,6 Millionen Stück ergab.
Da für Großdeutschland noch keine Vergleichs- zahlen vorliegen, werden nachstehend die Zahlen über den Viehbestand im alten Reichsgebiet (einschließlich Saarland) am 4. Dezember 1939 den entsprechenden Zahlen am 3. Dezember 1938 gegenüber gestellt (in Millionen Stück): Rindvieh 4.12. 1939 19,9, 3.12. 1938 19,9, davon: Milchkühe 10,0 (+ 10,0), Schweine 25,2 (+ 23,6), Schafe 4,9 ( + 4,8), Ziegen 2,3 (+ 2,5), Federvieh 97,4 (+ 97,9), davon Hühner 89,5 (+ 88,6), Bienenstöcke 2,8 (+ 2,6).
Beim Rindvieh sind danach die im vergangenen Jahr durch die Maul- und Klauenseuche verursachten V e r l u st e durch verstärkte Nachzucht bereits wieder ausgeglichen worden. Unser Rind- viehbestand, die wichtigste Quelle unserer Fettversorgung, ist also voll leistungsfähig. Der Milchkuh b est a n d allein ist um über eine Million Stück, der Gesanttrindviehbestand um fast 1,5 Millionen Stück größer als vor dem Weltkrieg. Aus das günsttge Ergebnis der Schweinezählung wurde bereits bei Veröffentlichlung des vorläufigen Ergebnisses hingewiesen. Eine Steigerung des Bestandes ist weiterhin trotz der sich im Krieg für die Viehhaltung ergebenden Schwierigkeiten eingetreten bei den Schafen, Hühnern und Bienen- ft ö cf e n. Der Schafbestand liegt nunmehr um 1,5 Millionen Stück höher als vor der Machtübernahme im Jahre 1932. Die Zahl der Hühner ist seit 1932 sogar um 5,5 Millionen Stück gestiegen, davon allein im letzten Jahre um fast eine Million Stück. Die Grundlage unserer Versorgung mit viehwirtschaftlichen Erzeugnissen, unser Viehbestand, ist also durch den Krieg inkeinerWeisebeeinträchtig^ Indern im Gegenteil Weiter gestärkt worden


