Strafkammer Gießen.
Der O. E. in Lich war beschuldigt, am 11. Oktober v. I. durch Fahrlässigkeit den Tod eines Menschen verursacht zu haben. Der Angeklagte fuhr an jenem Tage, morgens gegen 6 Uhr, mit seinem Motorrad, mit dem er die zweite Fahrt machte, bei nebeligem Wetter auf der Straße Steinbach—Gießen in der Nähe der Verdun-Kaserne den vor ihm aus seinem Fahrrad radelnden Milchhändler R. aus Steinbach an, so daß dieser einen Schädelbruch erlitt, an dessen Folgen er bald verstarb. Die Schuld des Angeklagten wurde durch das Gutachten des Sachverständigen festgestellt. Der Angeklagte hatte sich bei dieser Fahrt auch einer Uebertretung der Reichsstraßenverkehrsordnung schuldig gemacht, indem er einen anderen Radfahrer vorschriftswidrig überholte.
Der Anklagevertreter beantragte wegen der fahrlässigen Tötung eine Gefän-gnisstrase von vier Monaten und wegen der Uebertretung eine Geldstrafe von 50 RM. Der Verteidiger beantragte, den Angeklagten wegen der fahrlässigen Tötung freizusprechen. Hinsichtlich der Uebertretung stellte er die Entscheidung in das Ermessen des Gerichts.
Der Angeklagte wurde der fahrlässigen Tötung in Tateinheit mit einer Uebertretung der Reichsstraßen- Derkehrs-Ordnung schuldig erkannt und zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten und einer Geldstrafe von 50 RM., Hilfsweise zehn Tage Haft, verurteilt. Strafmildernd wurde berücksichtig, daß der Angeklagte sich des Getöteten sofort annahm, straferschwerend dagegen, daß er trotz seiner geringen Fahrkenntnisse erheblich fahrlässig handelte. In der Urteilsbegründung wurde ausdrücklich festgestellt, der Angeklagte habe die Fahrtgeschwindigkeit nicht so eingerichtet, daß er jederzeit in der Lage gewesen wäre, das Motorrad zum Stehen zu bringen, und daß er die erforderliche Sorgfalt, zu der er als Kraftfahrer besonders verpflichtet war, außer acht gelassen habe.
Der H. Sch., der W. Sch. und der L. Sch., alle in Lauterbach, waren angeklagt, am 4. Dezember v. I. in Lauterbach aus einem fremden Anwesen zwei Hasen im Werte von 14 RM. unter Ausnutzung der Verdunkelung entwendet zu haben. Die Angeklagten waren geständig. Der Schaden ist ersetzt. Der H. Sch. gab an, er habe die beiden Mitangeklagten verführt.
Der Anklagevertreter vertrat die Ansicht, daß die Verordnung gegen Volksschädlinge nicht zur Anwendung kommen könne und beantragte gegen H. Sch. als den Verführer eine Gefängnisstrafe von einem Jahr, gegen den W. Sch. eine Gefängnisstrafe von acht Monaten und gegen den L. Sch. eine Gefängnisstrafe von vier Monaten.
Die Angeklagten wurden des Diebstahls schuldig erkannt. Es wurden verurteilt: H. Sch. zu einem Jahr Gefängnis, der W. Sch. zu vier Monaten urid der L. Sch. zu zwei Monaten Gefängnis. Den Angeklagten wurde je ein Monat Untersuchungshaft angerechnet.
Strafmildernd wurde der geringe Wert berücksichtigt. Der Haftbefehl gegen den L. Sch. wurde aufgehoben und ihm für den Rest seiner Strafe eine dreijährige Bewährungsfrist bewilligt.
Frankfurter Schlachtviehmarkt.
Frankfurt a. M., 14. Februar. Der Hauptmarkt für Kälber und Schweine zeigte ausreichende Beschickung. Das gesamte Vieh wurde zu etwa folgenden Preisen zugeteilt: Kälber 30 bis 65 RM., Hännnel 35 bis 51, Schafe 25 bis 44, Schweine 49,5 bis 55,5 RM.
Aus her engeren Heimat.
Spar- und Oarlehnskaffe £oilar.
3 Lollar, 13. Februar. Am Sonntag fand im „Löwen" die diesjährige ordentliche Generalversammlung der Spar- und Darlehns- kasfe Lollar unter Leitung des Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Martin T a u b e r t, statt. Aus dem Geschäftsbericht des Vorstandes für das Jahr 1939 ergibt sich folgendes Bild: Trotz des Krieges ist eine erfreuliche Entwicklung und ein günstiges Ergebnis zu berichten. Der Mitgliederstand ist gestiegen. Eine starke Steigerung erfuhr der Umsatz. Er betrug auf einer Hauptbuchseite 4 980 342,03 RM., mithin ist der Gesamtumsatz 9 960 684,06 RM. Aus diesen Zahlen ist ersichtlich, welche Arbeit von der Kasse zu leisten war. Wenn sich in den vergangenen Jahren die Entwicklung bei den Spareinlagen bereits erfreulich zeigte, so ist die diesmalige Erhöhung der Spareinlagen von 442 374,21 RM. auf 575 614,24 RM. besonders zu begrüßen. Hierzu ist zu bemerken, daß im Berichtsjahr 335 231,45 RM. neueingelegt wurden und 201991,42 RM. zur Rückzahlung gelangten. Im verflossenen Jahre ergaben sich 1516 RM. neue Spareinlagen bei der Schulsparkasse. Die beste Stütze dieser Einrichtung ist die Lehrerschaft. Der Stand der Darlehen hat sich gegenüber dem Vorfahr nicht verändert. Die Hypotheken beliefen sich am Ende des Jahres auf 242 134,83 RM. Auf neue Hypotheken wurden 47 776,27 RM. ausgeliehen. Die Zurückzahlungssumme belief sich auf 16 385,96 RM, sodaß der Zugang gegenüber dem Vorjahr 31390,31 RM. beträgt. Am Bilanztage standen der Kasse 340 360,55 RM. zur Verfügung. Die Liquidität beträgt 48 v. H., sie ist als sehr gut und über das übliche Maß hinausgehend zu bezeichnen. Der Gewinn aus dem Geschäftsjahr 1939 beträgt 3783,39 RM., gegenüber 2258,93 RM. im Vorjahre. Trotz der Senkung aller Sollzinsen um 0,25 v. H. wurde für 1939 ein höheres Gewinnergebnis erzielt. Aus dem Bericht ergibt sich, daß die Spar- und Dahrlehnskasse Lollar zu den besten Hoffnungen für die Zukunft berechtigt. Bei der statutengemäßen Wahl zum Vorstand wurde für den seitherigen Rechner Heinrich Moos VI. Erich Espich und ersterer als Vorstandsmitglied gewählt. Der Aufsichtsratsvorsitzende T a u b e r t und Aufsichtsratsmitglied Wagenbach schienen nach dem Statut aus, sie wurden in ihren Aemtern erneut bestätigt. Dann wurde die Versammlung in der üblichen Weise geschlossen.
3n feiner Werkstatt tödlich verunqlückt.
A Schotten, 13. Febr. Am heutigen Dienstagnachmittag ereignete sich hier in der Werkstatt des Schlossermeisters E r n st S t a n g ein folgenschwerer Unglücksfall. Schlossermeister Stang war mit dem Schweißen eines Benzinbehälters beschäftigt. Dabei entwickelten sich Gase, die zu einer Explosion führten, bei der der Behälter zerrissen wurde. Stang wurde von herumfliegenden Metallstücken so schwer am Hinterkopf getroffen, daß er tot zu Boden sank. Zwei Lehrlinge, die in der Nähe ihres tödlich verunglückten Meisters arbeiteten, kamen wie durch ein Wunder unverletzt davon. Durch den starken Luftdruck der Explosion wurden die Fensterscheiben der Werkstatt zertrümmert und auch sonst in dem Raume noch mancherlei Schaden angerichtet. Der tödlich verunglückte Handwerksmeister war 37 Jahre alt, verheiratet und Vater zweier Kinder. Er war erst vor kurzem von
der Front zurückgekehrt, um hier seinen Handwerksberuf wieder ausüben zu können.
Landkreis Gießen.
cv> Langsdorf, 13. Febr. Unser Gesangverein „Concordia" veranstaltete am vergangenen Samstagabend im Saal des Deutschen Hauses einen Konzertabend, der eine wohl- gelungene Abwechslung im Leben des Dorfes bedeutete. Die Lieddarbietungen des Abends wurden von dem veranstaltenden Verein allein bestritten. Der Chor zeigte dabei, daß er unter der Leitung feines Dirigenten Häuser (Watzenborn-Steinberg) eine beachtenswerte Entwicklung zu verzeichnen hatte. Alle zu Gehör gebrachten Chöre waren musikalisch und sprachlich gut durchgearbeitet. Der Vereinsführer, Bürgermeister Kneipp, begrüßte die Freunde des deutschen Liedes mit herzlichen Worten. Er betonte, daß die Veranstaltung nicht etwa eine Note der Leichtfertigkeit in den Ernst der Kriegslage bringen wolle, aber die Pflege des deutschen Liedgutes dürfe auch während des Daseinskampfes des deutschen Volkes nicht vernachlässigt werden. Der Abend brachte neben gesanglichen Darbietungen auch Instrumentalmusik in Solis und Terzetten von Violine, Cello und Klavier. Einige humorvolle Gedichtvorträge in heimischer Mundart trugen ferner zur Unterhaltung bei.
Gießener Schlachtviehmarkt.
Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtviehverteilungsmarkt) in der Viehversteigerungshalle Rhein-Main kosteten Ochsen 41 bis 45,5, Bullen 38,5 'bis 44,5, Kühe 17 bis 43,5, Färsen 39 bis 44,5, Kälber 30 bis 64, Schafe 37 bis 45 Rpf. je V- kg Lebendgewicht. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 und mehr kg) 1,09, bl (135 bis 149,5 kg) 1,09, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,09, c (100 bis 119,5 kg) 1,07, d (unter 100 kg) 1,01, e—f (unter 80 kg) 0,97, gl (fette Specksauen) 1,09, i (Altschneider) 1,09, g2 (andere Sauen) 1,01, h (Eber) 1,01 RM. Marktverkauf: alles zugeteilt, ausverkauft.
Rhein-Mainifche Börse.
Tendenz fest.
Frankfurt a. M., 13. Febr. Am Aktienmarkt standen Verein. Stahlwerke im Vordergrund mit 111 bis 111,75 (110,65), auch Rheinstahl reger mit 139 (138,65), dagegen Klöckner nach eintägiger Pause 1,50 v. H. schwächer mit 123,25. Von Elektroaktien setzten Licht & Kraft ihre Aufwärtsbewegung um 3,25 v. H. auf 169,25 fort, lebhaft gingen AEG- mit 131 bis 131,50 (130,50) aus dem Verkehr. Die Farben-Aktie stieg auf 176 (175,40) und Scheideanstalt auf 241 (240). Im übrigen kamen noch Auto- und Maschinenwerte bis 1 v. H. höher an.
Am festverzinslichen Markt schwächten sich Reichsaltbesitz um 0,40 o. H. ab auf 140,75. Jndustrie-Obligationen zeigten leichte Schwankungen, der Rentenmarkt lag wenig verändert.
In der zweiten Börfenstunde ließ das Geschäft zwar erheblich nach, die Haltung blieb aber fest. Fest lagen Demag mit 149,75 nach 147,75, auch Rheinmetall 130 nach 129, die übrigen Maschinenwerte lagen ruhig. Sonst notierten u. a.: AEG. 132 nach 131, Licht & Kraft 170 nach 169,25, Scheideanstalt 242 nach 241, Rheinstahl 139,50 nach 139, Daimler 132 nach 131,75 und Berger Tiefbau 143,75 bis 144 (141,90).
G.A.-Sport.
Wettbewerb der KdK.-Eportgruppen.
Auf Anordnung des Reichsorganisationsleiters der NSDAP, wird vom Sportamt der NS.-Ge- meinschaft „Kraft durch Freude" auch im Kriegs- fahr 1940 in allen Gauen der Wettbewerb der KdF.« Sportgruppen durchgeführt. Der Wettbewerb wird, wie aus der Ausschreibung des Sportamtes KdF. heroorgeht, in diesem Jahr für Männer und Frauen getrennt ausgetragen. Teilnahmeberechtigt find die Sportgruppen von Betriebssportgemeinschaften, der Arbeitsgemeinschaften von Kleinbetrieben und von offenen KdF.-Sportkursen. Jede Sportgruppe besteht aus mindestens 16 und höchstens 20 Männern oder Frauen.
Schi-Kriegsmeisterschaften in Ruhpolding.
Die deutschen Schi-Meisterschaften, die am Wochenende in Ruhpolding entschieden werden, sehen die gesamte deutsche Spitzenklasse am Start. Im Langlaus starten u. a. der Dorjahrsmeister Feldwebel Burk (München), die Tiroler Demetz, Baur und Wöß und der Schlesier Leupold, zum Sprunglauf haben Titelverteidiger Weltmeister Sepp Bradl (Salzburg), Sepp Weiler (Oberstdorf), Kraus (Johanngeorgenstadt) und Gregor Höll (Mallach) gemeldet, und die aussichtsreichsten Anwärter auf den Sieg in der nordischen Kombination sind Weltmeister Gustl Berauer, der auch den Titel verteidigt, und Heli Lantschner.
Fleischmann
als Europameister anerkannt.
Der Internationale Motorradsport-Verband hat jetzt endlich den deutschen Meisterfahrer Heiner Fleischmann (DKW.) als Europameister der 350er-Klaffe anerkannt, nachdem er ursprünglich diesen Titel dem Engländer Mellors zugesprochen hatte. Im Sekretariat des Weltverbandes hatte man einen Sieg Fleischmanns in Irland glatt „vergessen".
Jahreshauptversammlung desTurn- und Sportvereins Rodheim a. d.B.
Der Turn- und Sportverein Rodheim a. d. B. hielt in der Gastwirtschaft Bechtold feine Jahreshauptversammlung ab. Vereinsführer Hofmann erstattete vor den zahlreich anwesenden Mitgliedern einen umfassenden Jahresbericht. Von den Turnern wurden verschiedene auswärtige Veranstaltungen besucht und eine Anzahl Preise errungen. Auch die Fußballabteilung, die jetzt noch mit einer ersten und einer Jugendmannschaft spielt, hatte 1939 gute Ergebnisse erzielt. Durch die Errichtung einer Umkleide- halle auf dem Sportplatz wurde einem schon lange gehegten Wunsche entsprochen. Da auch die Turngeräte in dieser Halle untergebracht werden können, ist es möglich, die gesamten turnerischen und sportlichen Uebungen auf dem Sportplatz auszuführen. Die Vereinskaffe wies, trotz einiger Sonderausgaben, einen erfreulichen Stand auf, da die Beiträge fast restlos eingegangen sind. Der Vereinsführer dankte allen Mitarbeitern für ihre aufopfernde Tätigkeit im verflossenen Jahre und ermahnte zu ganzem Einsatz auch für die kommende Zeit.
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