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Aus der Stadt Gießen
Der Ostraum Europas
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(Nachdruck verboten!)
14. Fortsetzung.
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ordentlich behindern, stellt die Stadtverwaltung vor eine kaum zu bewältigende Aufgabe. Neuerlich ist die Lebensmittelversorgung der Hauptstadt stark ge-
Roman von Frank F. Braun Copyright by Deutscher Verlag, Berlin
Anglistik und hat als Lehrer und Wissenschaftler gleich tiefgreifende Wirkungen gehabt.
Zehn Todesopfer der neuen Kältewelle in Ungarn.
Die Kältewelle, die seit Wochen über Europa geht und, wie in Deutschland, in allen Ländern zu Einschränkungen und Entbehrungen führt, hat auch Ungarn erneut — zum fünften Male — heimgesucht. Ihr sind wieder zehn Menschenleben zum Opfer gefallen. Äm Komitat Maramaros im
daraus? Sie zweifelte nicht, daß es sich um Ludwig Carlotti wirklich -handelte. Warum zweifele ich nicht? dachte sie erschreckt. Ahne ich Zusammenhänge, weiß ich etwas? Bildhaft huschte eine Szene vor ihrem geistigen Auge vorüber. Otto-Erich Heggs Besuch gestern, sein Zornausbruch und der über
stürzte Abschied.
Sie sah Heggs verzerrtes Gesicht. Geradezu angst war ihr geworden, und nur der Gedanke, daß er ja Theaterspielen mußte und sein Zorn sich bis nach der Vorstellung schon gelegt haben werde, hatte sie gestern beruhigen können. Sonst? Nun sonst hätte sie vielleicht Carlottt, als er am Spätnachmittag zu ihr kam, doch von dem Aufttitt erzählt und ihn gewarnt. Obgleich sie ein schlechtes Ge-
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pathenland wurden fünf Arbeiter von einer Lawine verschüttet. Schwere Verkehrsstörungen werden aus dem Karpathengebiet gemeldet, mit dem jeder Verkehr seit Tagen lahmgelegt ist. Än Budapest schneit es seit 24 Stunden ununterbrochen. Bisher hat die neue Schneedecke bereits eine Höhe von einem halben Meter erreicht. Die Wegräumung der gewaltigen Schneemassen, die den Verkehr außer-
,-!n. Zum Schw°tz°n ist nicht di- Stund- und man- cher hat vielleicht spater bereut, was er leichtiinnia
sich gegeben hat. Vergessen wir nie daß je ? unbedachte Mitteilung oft Hunderten oder Tau en- den von Soldaten das Leben kosten kann Und bringen mir auch unsere Soldaten, die aus dem Felde oder von den Kriegsschiffen und den Flieger- horsten kommen, gor nicht erst in Versuchung. Es gibt genug andere persönliche Dinge, die während eines Urlaubs zum Gesprächsstoff in ber F^ilie und im Freundeskreis gemacht werden können Es braucht gar nicht erörtert zu werden, wie nun diese oder jene neue Waffe funktioniert. Man muß gar nicht alles wissen wollen, denn dieses Wissen ist unter Umständen schon eine Belastung. Unsere Kriegsorganisation ist so, daß diejenigen, die be- stimmte Tatsachen wissen müssen, auch'in der not- wendigen Weise unterrichtet sind. Heber diesen Kreis hinaus ist Wissen und gor Erzählen eine höchst gefährliche Angelegenheit.
Und wenn mancher in etwas harter und offener Weise über diese Dinge belehrt worden ist, so kommt er mit der Ausrede, daß das doch alles gar nicht so wichtig gewesen wäre und daß der Gegner das doch sowieso schon alles gewußt habe. Nun, erst einmal kann der Mann mit dieser Ausrede gar nicht missen, mas der Gegner alles meiß, zum anderen aber gibt es nichts, mas im Kriege zu wissen nicht wichtig wäre. Der Gegner setzt nicht umsonst alle Mittel in Bewegung, um sich möglichst viel Nachrichtenquellen zu erschließen. Es ist ja nicht nur e i n Agent am Werk, sondern es sind Hunderte, die hier auf die Gespräche hören und durch Vergleiche und durch Bestätigungen kann dann ein Gerücht in dem Gegner die Ueberzeugung der Wahrheit Hervorrufen. Und aus diesem Grunde hat das deutsche Strafgesetz bestimmt: Wer fahrlässig militärische Geheimnisse preisgibt, wird nach den gesetzlichen Bestimmungen über den Landesverrat schwer bestraft. Darum: Vorsicht bei Gesprächen! Achtung! Feind hört mit!
Kleine politische Nachrichten.
Der Oberbefehlshaber des Heeres traf zu einem kurzen Besuch in Danzig ein, um sich an Ort und Stelle durch Besichtigungen ein Bild von der dortigen militärischen Aufbauarbeit zu machen. Er wurde durch den Beehlshaber im Wehrkreis XX, Generalleutnant Bock, in die alte Leibhusarenkaserne geleitet, wo er eine kurze Ansprache an die Truppe hielt, um bann ihrem Dienst beizuwohnen. Nach einem Besuch bei Reichsstatthalter Gauleiter F o r - । ster fand eine Rundfahrt durch Gotenhafen und ! eine Besichtigung des Standortes Neustadt statt.
Stabschef Lutze sprach in den Reichsschulen bet SA. in Bresben vor einem ersten Lehrgang o st - deutscher SA.-Männer aus dem Baltenland und dem Gebiet des ehemaligen Polen über die Grundwerte der nationalsozialistischen Weltanschauung.
Die britische Admiralität erließ einen Aufruf, wo- I nach sie 1OOOO Fischer im Alter von 18 bis 45 1 Fahren zur Bemannung von Marine-Pa- I trouillenfahrzeugen suche. Seit Kriegs- I beginn befinden sich bereits etwa 10 000 Mann aus I den Kreisen der Fischer im Patrouillendienst.
Der Brasilianische Lloyd hat einen Vorschlag eng» I lischer Reeder, seine aus 14 Dampfern bestehende I Flotte an England zu verkaufen, abgelehnt.
Aus aller Welt.
Alois Brandl f.
Der Geheime Regierungsrat Professor Dr. Alois I Brandl, der berühmte Anglist oer Berliner Unb I oersität, Mitglied ber Akademien von Berlin und I Wien, Ehrendoktor der Universität Philadelphia und I Ehrenbürger seiner Vaterstadt Innsbruck ist am I b. Januar im A'^r von fast 85 Jahren in Berlin I gestorben. Brandl studierte in Innsbruck, Wien, I Berlin und London, habilitierte sich 1881 in Wien I für englische Philologie, wurde 1884 außerordent- I licher Professor in Prag, vier Jahre später Ovdina- I rius in Göttingen, von wo er 1892 nach Straßburg I übersiedelte, seit 1895 lehrte er in Berlin, seit 1903 I war er Präsident ber deutschen Shakespeare-Gesell- I schäft. Von seinen vielen Werken sind zu nennen die I Geschichte der altenglischen Literatur und der eng» I lischen Volkspoesie, eine sehr populär gewordene I Shakespeare-Biographie und eine Ausgabe der I Schlegel - Tieckschen Shakespeare • Uebersetzungen. I Brandl ist ber eigentliche Begründer der deutschen
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Er war in die Kronenstraße abberufen worden. Kollege Dietrich hatte da einen Mann, der sckmis- fige Musik für die Revue versprach oder schon fertig hatte — jedenfalls sauste der zappelige, immer leichtaufgepulverte Charles Boury hinüber.
„Ich bin sofort zurück, Fräulein Jwanka", sagte er und tätschelte des Mädchens Wange väterlich, so daß nichts dagegen zu sagen war, „nehmen Sie indes die Zeitung."
Er riß das Blatt aus seiner Jackentasche, warf es ihr in den Schoß und verschwand.
Jwanka schlug die Zeitung auf. Sie las die Anzeigenseite zuerst. Theater, Kinos, Varietäs. Eine Besprechung der Premiere am Gendarmenmarkt. Sie blätterte und las gelangweilt, bis sie auf die Meldung der Kriminalpolizei stieß. Auf Kybanders Zureden hatte Kriminalrat von Karmin eingewilligt, daß die Nachricht in der Form, wie sie jetzt gedruckt stand, an das Mittagsblatt gegeben wurde. Es war daher von einem Mord durch Erschießen die Rede. Die Kriminalpolizei verfolge ganz bestimmte Spuren.
Jwanka legte das Blatt behutsam aus ber Hand. Es sollte nicht knistern, damit die Telephonistin vor dem Schreibtisch beim Fenster nicht aussah. Sie wußte nicht, was sie für ein Gesicht machte; war sie kreideweiß geworden vor Schreck? Es war sonderbar, aber ihre erste Regung war, daß sie die Handtasche öffnete und in den Spiegel schaute. Sie fand nicht, daß man ihr die Gemütsbewegung sonderlich ansah.
Dann erst kam sie zum Nachdenken. Ludwig Carlottt war ermordet worden. Was ergab sich für sie
Mit dem Erwachen des deutschen Dolksbewußt- seins ist auch ber Sinn für bie Leistung ber Vergangenheit wieder erstarkt. Das Dritte Reich hat den Grundsatz der Ehrfurcht vor Blut und Boden aufaestellt, es hat ein eigenes Amt für Rasse und Siedlung errichtet, es erforscht bie Ahnen, stützt bie Familie, die Sippe, und bie Kenntnis unserer Vorgeschichte, die seither kümmerlich und auf falschen Weaen gegangen war, wirb durch planvolle Ausarabungen im ganzen Reich gefördert. Wir Deutschen sind nicht das armselige Volk in der Bärenhaut gewesen, wie noch Scheffel vermeinte, sondern — die Funde etwa der Suren, der Blashörner beweisen es — ein Volk, das schon vor tausenden von Jahren eine hohe Kultur besaß.
All dies zu bezeugen und dem Volk vor Augen zu führen ist wichtig. Auch das Ausland kannte uns ja bisher nur von einer geringschätzigen Seite und durfte uns als Barbaren verschreien, weil wir selber noch viel'zu wenig Kenntnis von unserer Vorzeit und zu wenig Selbstbewußtsein hatten.
Die Folgerung war: man muß alle Beweisstücke früherer Kultur sammeln, darf nicht mehr weiter Erbgut zerstören, sondern muß eine neue Gesinnung, eine andere Haltung vor der Leistung der Vorfahren einnehmen. Dies geschieht entweder in ber freien Natur, wie es Dr. Reinerth, der Leiter bes Reichsbundes für deutsche Vorgeschichte, in Buchau am Federsee bewirkte, der Altmeister Bürgermeister Sulger in Unteruhldingen in seinem Pfahlbaummuseum, bie Stadt Radolfzell auf ber Halbinsel Mettnau in ihren Steinzeitdörfevn — ober man stellt es in Häusern und Hallen aus, und hier fällt nun bas Wort „Heimatmuseum".
Solche Stätten der Sammlung konnten sich früher nur große Städte leisten, vereinzelt mittlere. Es war die Zeit ber „Zentralisierung" in den Hauptstädten, bis bie Erkenntnis reifte, baß die Fundge- biete ein Anrecht auf ihre eigenen Fundstücke hatten. Nicht nur bie Landeshauptstadt soll Mährerin dieser Güter sein, sondern jede Stadt, die eine große geschichtliche Vergangenheit hat. Die Zeit ist nun gekommen, da jede Gemeinde im Reich ihr Dorfbuch anlegt, ihre Chronik, ihre Ahnengeschichte. Es wird noch jedes Haus sein eigenes Hausbuch bekommen, denn bie Bedeutung dieser Dinge ist erkannt; im Auftrag des Führers sorgen die Städte für die Erhaltung ihrer angestammten Werte.
In dieses Heimatmuseum ist ein Stuck der Seele des Volkes gebannt, nicht als Gefangenes, nicht als „Museumsstück" im alten Sinne, sondern ehrfürchtig und fröhlich zugleich, ein Stück Volksseele in ihrem Werk, in Schmuck und Waffen, in Gefäßen, Töpfen, Geschirren, Handwerk, in Trachten und Brauchtum, in Drucken und Schriften, — es ist ein großes Beginnen, eine ehrenwerte Arbeit, die Nacheiferung verlangt.
Heimatliebe ist es und Heimatstolz, das diese Dinge herbeiträgt, und was wir damit pflegen
Nachricht, sobald die Leiche freigegeben ist. Wenn Sie noch einen Augenblick mit ihm allein fein möchten .. / Er trat zurück, ging nach vorn, wo bie Schaufenster besseres Licht einließen, und sah sich den Laden an.
Er verstand nicht viel von Antiquitäten, nicht mehr, als für seinen Beruf notwendig war. Aber das sah auch ein Laie, hier waren Schätze zusam- mengetragen. Er blieb vor dem Bild einer Madonna stehen, sie trug ein blaues Gewand, und ihr Gesicht war von einer Zartheit und Reinheit des Ausdrucks, daß man verstehen konnte, zu ihr hatten Menschen in tiefer Andacht gebetet.
Als er nach einigen Minuten den abgeteilten Raum wieder betrat, war er dort allein. Auf dem Hof wartete Henke. Der Wagen mit den Beamten vom Erkennungsdienst und dem Photographen war schon weggefchven. Dr. Zulewski hatte sich ihnen angeschlossen. Die beiden Frauen waren nicht mehr zu sehen. , _
Er rief Henke herein und fragte ihn. „Die beiden Damen sind weggegangen", sagte Henke. „War die Vernehmung noch nicht zu Ende, soll ich sie zurück- holen? Sie sind in den ersten Stock, in die Wohnung der Mutter gegangen."
„Nein, lassen Sie, Henke", sagte der Kommissar. „Bei diesem Gefraae kommt doch nichts mehr heraus. Was ich erfahren wollte, hat man mir schon gesagt. Aber kommen Sie mit, ich muß mir die beiden Wohnungen einmal ansehen."
Jwanka Gospik erfuhr von dem Mord erst durch die Mittagszeitung. Die Buchstabenabkürzuna L. C. fiel ihr noch nicht auf. Erst als sie „Nettelmann- straße, Antiquitätenhandlung" las, begriff sie
Ihre erste Regung war Entsetzen. Der Tod ist immer schrecklich. Aber zu erfahren, daß ein Mensch, dni man gut gekannt hat, ermordet wurde, jagt auch dem Kühlsten Schauder ein.
Sie saß im Büro des Direktors Boury. Er hatte sie zu einer Besprechung in die Friedrichstadt gebeten, wo er sein sogenanntes Büro unterhielt. Ein ältliches Fräulein bediente den Fernsprecher und nahm Anmeldungen an. Direktor Boury wurde überlaufen von jungen Leuten, Künstlern, die sich bei ihm und durch ihn die ersten Sporen verdienen wollten. Er nahm gern Anfänger. Manchmal konnten sie viel; jedenfalls waren sie stets billiger«
Das Gespräch brach ab. Es waren immer nur Brocken, die Kybander zugeworfen wurden. Er bat die beiden Damen mit in den abgetedten Raum, wo ber Tote lag. „Wir find gleich fertig", verhieß er. ,Zch behellige Sie nicht länger." Er wies auf den Kasten mit dem Buddha, an bem gerade Herr Schmitz vom Erkennungsdienst feine Staubproben nahm. „Um diesen Buddha wird es sich gehandelt haben?" Julia nickte. Kybander hob unerwartet bie Perlenkette hoch. .Lennen Sie diese Perlen? fragte er bie beiden Frauen ,
Julia schüttelte den Kopf. Sie sah gar nicht erst genauer hin. Frau Henriette nahm sieugieriger Die Perlenkette in die Hand. ,Lch kenne sie nicht , sagte sie, „aber ich verstehe etwas davon. Es sind sehr I schöne Berlen."
„Sie lagen hier auf dem Tisch", sagte Kybander. „Demnach müssen sie Ludwig Carlotti gehört haben ober ihm anvertraut gewesen sein. .
„Ich habe sie nie vorher gesehen , sagte Julia, da der Kommissar sie ansah. „Ludwig kaufte feinen modernen Schmuck. Es war geaen sein $nlW- verstehe nicht, wie bie Perlen hierhergekommen sein I sollen."
„Nein", sagte auch Frau Henriette, „eine Per- lenkette 3u taufen, das lag ihm gar mM W Mund wurde schmal. „Aber was wissen wir, vielleicht mollte er sie verschenken." --.uh«™
Sie vermied, Julia bei diesen Worten anzusehen. Kybander fragte nicht weiter. Er banne.
Henke näherte sich und gab ihm einen »Kann bie Leiche weg?" fragte er.
Kybander nickte. „Der Tote wirb letz ortge I bracht", sagte er. „Ich hoffe, baß b" Beisetzu^ I den nächsten Tagen erfolgen kann. Ich gebe 3h
In dem mittelserbischen Dort Markovac ist der Fluß Welka Morawa infolge Der raschen Schneeschmelze plötzlich stark angeschwollen. Die reißenden Wasserfluten ergossen sich über das ganze Dorf. Vierhundert Häuser und ausgedehnter Ackerboden wurden überschwemmt. Bei ber Katastrophe sind bis jetzt zehn Menschen — zumeist Kinder — umgekommen. Aus allen umliegenden Städten sind Militär- und Sanitätskolonnen zur Hilfeleistung entsandt worden.
Im überfüllten Hörsaal bes Chemischen Instituts sprach im Rahmen ber wehrwissenschaftlichen Vorträge ber Universität am gestrigen Dienstagabend der Geograph unserer Alma mater,
Professor Dr. Klute
in außerordentlich fesselnder Weise über das Thema „Der Ostraum Europas wehrgeo - graphisch betrachtet". Er gab seiner großen Hörerschaft durch aufschlußreiche Schilderungen und viele anschauliche Lichtbilder einen vortrefflichen Ueberblick über bie wirtschaftliche Be- beutung unb die weitreichenden Entwicklungsmöglichkeiten des Dftraumes im Zusammenwirken mit der deutschen Wirtschaft.
Zunächst schilderte ber Vortragende bie natürlichen Beengungen des europäischen Dftraumes, ber sich von den Tundren und Waldgelneten am nördlicyen Polarmeer über die Getreidegebiete der Mitte bis zu den Gebieten des Detbaums und des Weinbaues am Mittelmeer ausdehnt. Dann machte er mit den Wasserwegen dieses weiten Raumes und den dadurch bedingten Verhältnissen bekannt. Anschließend gab er einen Ueberblick über die Bevölkerung dieses Gebietes nach Rasse, Volkstum, Wohndichte und Kultur. Aus all diesen Darlegungen konnten die Hörer entnehmen, daß es sich bei dem europäischen Dftraum um ein im Verhältnis zu den Weftstaaten gering besiedeltes Gebiet handelt, in dem vielfältige wirtschaftliche Entwick- lungsmögttchkeiten vorhanden sind. Es handelt sich dabei sowohl um eine Steigerung der landwirtschaftlichen Erträge, als auch um eine bessere Nutzbarmachung der Bodenschätze, von denen in Rußland Kohle und Eilen an erster Stelle stehen.
Professor Dr. Klute beschäftigte sich dann mit den Handelsbeziehungen des Deutschen Reiches mit den Ländern des Dftraumes. Man erhielt dabei einen Einblick in den Umfang unseres Handels mit den Dstländern im Jahre 1937 und in bie mannigfaltigen Möglichkeiten einer erheblichen Steigerung unserer Einfuhr aus jenen Gebieten, sowie unserer Ausfuhr nach dort. Besonders eindrucksvoll war feine Schilderung von den landwirtschaftlichen Erzeugungsmöglichkeiten des europäischen Dftraumes, insbesondere Rußlands, und die dadurch
bilberoortrag bes Forschers Max Junge „Durch 60 Breitengrabe zur Sturmhölle ber Erbe".
Stadltheater Gießen.
Am heutigen Mittwoch finbet bie Erstaufführung ber Dper „Tosca" von Giacomo Puccini statt. Spielleitung Hans Geißler. Musikalische Leituna Paul Walter. Chöre Richard Boeck. Die Titelrolle fingt Anni Assion. Weitere Mitwirkenbe: Ilse Wirchow, Gustav Bley, Gustav Brunn, Heinrich Durst, Ottmar Mayr, Bernharb Schmitz, Max Schneiber-Dest. Büh- nenbUber Karl Löffler. 19. Vorstellung ber Mittwoch- Miete.
HHemelnW M Kraft öurOenöe
Achtung! fibX- Sport
Fröhliche Gymnastik und Spiele.
Donnerslag, 20.30 bis 21.30 Uhr, in der Schillerschule. Wiederbeginn Donnerslag, 15. Februar.
Weilers Ankündigungen folgen. 728D
Der „Lindenberg- bei Birklar zum Naturschutzgebiet erklärt.
Der Reichsstatchalter in Hessen — Landesregie- iung — als höhere Naturfchutzbehörde hat den etwa 1,5 Kilometer westfüdwestlich von Langsdorf in der Gemarkung Birklar gelegenen „Lindenberg" in das Naturschutzbuch eingetragen unb damit unter den Schutz des Reichsnaturschutzgesetzes gestellt. Das Schutzgebiet ist 2,0870 Hektar groß.
Bei dem Lindenberg handelt es sich um eine Erhebung, die sich aus der etwa 170 Meter über Normal-Null liegenden Umgebung auf 203 Meter Höhe erhebt. Den Heimatfreunden ist der Berg, eine Basaltkuppe, um feiner besonderen und reichen Flora gut bekannt und bisher schon als Naturschutzgebiet betrachtet worden. Es handelt sich um eine Steppeninsel mit außerordentlich reichhaltiger, ungewöhnlicher Strauch-, Blumen- und Gräser-Flora. In „Heimat im Bild" des Gießener Anzeigers I Nr. 33 vom 17. August 1939 war dem Lindenberg unb seiner Flora von berufener Seite eine ein»
I gehenbe Schilderung gewidmet.
wollen: Liebe zu Berg und Boden, Verständnis für die Seele der Heimat. Auch das ist Dienst am Volk und Dienst an Gott: Ehrfurcht zu pflanzen vor dem Geist der Väter, das Kulturgewissen zu wecken und zu schärfen für die schönen und guten Dinge unserer eigensten Geschichte. Dann wird man nie mehr dazu kommen, seine herrlichsten Tore, Gebäude, Bildwerke, Berge zu zerstören und gering zu achten.
Dornotizen.
Tageskalender für Wittwoch.
Populärwissenschaftlicher Vortrag der Universität: 20.15 Uhr im Hörsaal des Kunstwissenschaftlichen Instituts, Professor Dr. Glöckner über „Einführung in die Aesthetik der bildenden Künste". — Stadt- theater: 19.30 bis 22.30 Uhr „Tosca". — Goethe- Bund, Kaufmännischer Verein, Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde in Arbeitsgemeinschaft mit der Volksbildungsstätte Gießen der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude": 20 Uhr im großen Saal des Gesellschaftshauses, Sonnenftraße, Film- und Licht-
wissen gegen Carlotti hatte, denn sie hatte ihm fest versprochen, niemals seinen Namen preiszugeben. Er wünschte der Mann zu sein und zu bleiben, ber nie unb nirgenbs genannt mürbe. Das war mißglückt. Otto-Erich Hegg hatte ben Namen herausbekommen. Zu bumm, baß sie nicht immer alle Briefe zerrissen hatte!
Sie dachte nach. Ihr Geficht wies Züge tiefsten Grübelns. Ludwig Carlotti war tot. tote hatte ihn geliebt. Gewiß, sie wollte ihr Gefühl nicht verkleinern. Sie war traurig, aber mehr noch entsetzt.
Wenn Carlotti ermordet worden war, erschossen, wie hier stand, dann gab es einen Mörder; und viel schlimmer als die Trauer um den Toten war bie Vorstellung, baß sie wahrscheinlich den Mörder kannte.
Ihre Stirn wurde kraus; sie seufzte tief. Für sie bestand eigentlich gar kein Zweifel. Hegg hatte gestern abend Carlotti erschossen. Sie wußte, daß Hegg ein passionierter Schütze war. An keiner Schießbude kam er vorbei, und er schoß gut. Jedesmal, wenn sie vergnügt unterwegs gewesen waren, zog sie mit ein paar Preisen, einem Teddybär ober einer Handvoll Luftballons nach Hause. Das alles fiel ihr schreckhaft ein.
Sie raffte sich auf, las noch einmal die Zeitung. Der Mord sollte gestern abend vor Mitternacht geschehen sein. Sie wußte, das Stück war sehr spät aus. Hegg hätte nicht bis zwölf Uhr im Westen sein können, roo bie Nettelmannstraße lag, benn es war ein historisches Stück, und Hegg mußte im letzten Akt noch auftreten. Er würde also mit dem Pe- rückenabnehmen, Bartentfernen und Abschminken länger zu tun gehabt haben. Wenn er aber nun gestern gar nicht spielte?
Sie nahm die Zeitung auf. Das erste, was ihr in die Augen fiel, war die Besprechung einer gestern abend am Schiffbauerdamm erfolgten Premiere. Wo hatte sie vorhin ihre Augen gehabt! Sie überflog bie Darstellernamen. Otto-Erich Hegg war nicht genannt. Sie hatte das gewußt. Das Blatt entfiel ihr und glitt schräg bis vor die Füße der Telephonistin, bie es aufhob.
Die Gewißheit war da! Hegg war der Mörder Carlottis! Entsetzlich, grauenhaft. Besonders, da es ihretwegen geschehen war. Sie entsetzte sich vor sich selber. Kortjetzung solgt^
fährdet, und Stockungen machen sich überall merkbar.
Ueberschwemmungskatastrophe in einem serbischen Dorf.
Heimat-Sammlungen.
A5on Ludwig Iinckh.
Die Zeit schreitet mit immer stürmischerem Schritt vorwärts unb zerstampft, was nicht standhält. Im vergangenen Jahrhundert ist vieles zerfallen, was hätte bleiben sollen, an ehrwürdigem deutschem Gut, und was man heute nicht mehr zugrunde gehen lassen würde. Es fehlte jenem Zeitalter die Ehr- urcht vor der Leistung unserer Vorfahren und vor >em Walten der Natur. Es war ein Armutszeugnis einer geistigen Haltung, ein Sinnbild gesunkener Kultur.
für die deutsche Wirtschaft gegebenen guten Aussichten der Bedarfsdeckung. Ebenso erfreulich erscheinen nach ben umfassenben Darlegungen bes Vortragenden zahlreiche Möglichkeiten der deutschen Einfu'hrsteigerung auf dem Gebiete der industriellen Wirtschaft aus den reichen Bodenschätzen des Df träume s, wobei wiederum Rußland als Lieferant besonders in Betracht kommt. Umgekehrt bestehen für unsere beutfthe Wirtschaft erhebliche Möglichkeiten der Ausfuhr von industriellen Erzeugnissen nach den Gebieten des europäischen Ostraumes, für bie nunmehr burch ben Handelsvertragsabschluß mit Rußland der Weg frei gemacht ist. Es ergibt sich also für unser Verhältnis zu dem weiten, sowohl in der Erzeuaung und in der Ausfuhr, als auch in der Aufnahme deutscher Fertigerzeugnisse noch sehr entwicklungsfähigen Dftraum eine große wirtschaftliche Chance, die unserer Bedarfsdeckung an wichtigen Lebensgütern und umgekehrt der wirtschaftlichen Befruchtung jener Gebiete zugute kommt. Für das Großdeutfche Rsich bedeutet also ein stärkerer wirtschaftlicher Austausch mit den Oststaaten eine erhebliche Stärkung im Frieden, noch mehr aber im Kriege.
Die Hörer, denen dieser Vortrag hn HinbKck auf das gerade jetzt abgeschlossene deutsch-russische Wirtschaftsabkommen zum gesteigerten Austausch russischer Rohstoffe gegen deutsche Jndustrieerzeuanisse eine besonders willkommene Aufttärung war, oanf« ten dem Redner für seine wertvollen instruktiven Darlegungen mit lebhaftem Beifall.
Frostbeulen
und andere Frostschäden
treten in diesem Winter besonders häufig auf. Sie find lästig und hinderlich und verursachen mehr ober weniger starke Schmerzen. Bei ihrer Behandlung ist darauf Bedacht zu nehmen, daß die von Frost betroffenen Hautpartien stärker durchblutet werden. Das erreicht man, indem man diese Stellen mit der bewährten Sepso-Tinktur bestreicht, die in Flaschen zu fünfundfünfzig Pfennig und in Tupf-Röl)rchen zu neunundvierzig Pfennig in allen Apotheken und Drogerien erhältlich ist. Sepfo-Tinttm ist besonders geeignet, diese verstärtte Durchblutung des Gewebes zu bewirken, weil He die erforderliche große Tiefenwirkung besitzt.


