Ausgabe 
14.2.1940
 
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den muß. England möchte dann eines Tages be­stimmen, was und wieviel von dem Deutschen Reich noch übrig bleiben darf, jedenfalls gerade soviel, daß es stets auf die Gnade Englands angewiesen bleibt.

Das ist der klare Vernichtungswille der englischen Kriegshetzer, der sich hier ausspricht, brutal und ohne Phrasen. Darin unterscheidet sich der britische Diplomat von Neville Chamberlain und seiner Ge­folgschaft, daß er sich gar nicht die Mühe gibt, mit 'scheinheiligen Redensarten zu hantieren. Er ver- meßt keine Tränen über Polen, er kämpft weder für die Demokratie noch für die kleinen Völker, er lehnt es sogar ab, den .Hitlerisrnus" als solchen zu bekämpfen, weil er stets das Gesamtziel vor Augen hat: die Niederwerfung Deutsch­lands. Zweifellos wollen Chamberlain, Halifax, Eden und andere englische Politiker genau das gleiche, aber sie haben immer einige moralische Re­densarten bereit, um ihre Kriegshetze als ein Werk des Friedens zu plakatieren. Der Diplomat in Pe­king hält keine öffentlichen Reden und braucht diese Rücksichten nicht zu nehmen, er kann sowohl auf die Bibel wie auch auf den zivilistischen Regenschirm verzichten, wenn er sich seine Kriegsziele ausmalt. Er zeigt uns das England ohne Maske.

Die Frage der Moral hat damit gar nichts zu tun." So lesen wir in diesem klassischen Dokument. Wirklich nicht! Hier spricht ein sehr nüchterner Rea­lismus zu uns, der fest auf dem Raube beharren will, der in Jahrhunderten zusammengebracht wurde, damit noch die Enkel der heutigen Plutokraten dar­aus ein erträgliches Dasein führen können. Was will es schon heißen, wenn 58 000 Volksdeutsche vom pol­nischen Pöbel unter englischer Patronage ermordet wurden oder wenn 23 000 Surenfrauen in Süd­afrika in den Konzentrationslagern zugrunde gingen! Wenn es sich um die englische Weltmacht handelt, sind dasBagatellen". Da spielen Ländergrenzen oder einige Kolonien gar keine Rolle. Für England handelt es sich ein und für alle Mal ums Ganze, nämlich um die Weltherrschaft. Wer sich damit abfinden will, der kann es tun, wer aber nur in den Verdacht gerät, gegen den Stachel zu löten, gegen den würde die Meute der Kriegshetzer los- gelassen. Und dann würden auch alle schönen Re­densarten der Moral in die Propaganda hinein- geworfen werden, obwohl Religion und Moral Dinge sind, die mit den englischen Praktiken schlecht in Einklang gebracht werden können. Der Diplomat in Peking hat nur eines Übersehen: daß die Zei­ten vorüber sind, in denen England in solcher Weise gegen aufstrebende und junge Völker das Richtschwert führen durfte.

Das Schs des deutsch-russischen Wirtschaftsabkommens.

Rom, 14. Februar. (Europapreß.) Die römische Presse bespricht die große Bedeutung des deutsch­russischen Wirtschaftsübereinkommens im gegenwär­tigen Handelskrieg. Dieses Uebereinkommen ermög­liche Deutschland den Eintausch großer Mengen von Rohstoffen gegen eigene Jndustrieerzeugnisse. In Moskau, so berichtetGiornale d'Jtalia", be­zeichne man dieses Uebereinkommen hinsichllich der Reichweite der wirtschaftlichen Zusammenarbeit der beiden Staaten als einzigartig in der Geschichte der internationalen Handelsbeziehungen. In London werde die deutsch-russische Wirtschaftsübereinkunft als ein Mittel beurteilt, um eine großewirtschaft- licheSelbständigkeitder beiden Staaten vor­zubereiten. Das deutsch-russische Wirtschaftsüberein- kommen ermögliche es Deutschland, feine inneren Handelslinien bis zum Schwarzen Meer, zum Kaspischen Meer und bis nach China zu verlängern.

Oer Onjepr-Bug-Kanal wird wiederhergesteNi.

Moskau, 13. Febr. (DNB.) Wie aus Brest (West-Weißrußland) gemeldet wird, sind die Arbei­ten zur Wiederherstellung des DnjeprBug-Kanals bereits in vollem Gange. Es handelt sich dabei darum, die früher viel befahrene, von den Polen jedoch systematisch vernachlässigte Kanalstrecke durch das Gebiet der Pinsker Sümpfe wieder auszubauen sowie den Lauf des Buges für die Schiffahrt zu regulieren. Dem Schiffahrtsweg vom

Schwarzen Meer zur Ostsee Über Dnjepr'Bug- Weichsel kommt im Rahmen des deutsch-russischen Güterverkehrs besondere Bedeutung zu.

Nujsische Angriffe auf der Karelischen Landenge.

Helsinki, 13. Febr. (DNB.) Nach dem finni- scheu Heeresbericht haben die russischen Angriffe auf der karelischen Landenge an Stärke zugenom­men. Am heftigsten sei der russische Druck auf dem Frontabschnitt von Summa gewesen. Mehrere Divisionen der Russen seien, unterstützt- von Artillerie, Tanks und Flugzeugen, zum Angriff

angesetzt worden. Gleichzeitig hätten die Ruffen zwischen Muolajärvi und Vuuksi unter Einsatz von etwa 150 Tanks angegriffen. Ein nach vierstündiger Artillerievorbereitung begonnener russischer Angriff bei Taipale sei von den finnischen Truppen zurück- geschlagen. Ebenso seien die Versuche der Russen, am Finnischen Meerbusen und am Ladogasee über das Eis die finnischen Stellungen anzugreifen, im Feuer der finnischen Küstenbatterien zum Scheitern gekommen. In Richtung auf Kuhmo hätten die fin­nischen Truppen mehrere russische Stützpunkte er­obert. Die finnische Luftwaffe habe mehrmals rus­sische Lager bombardiert. Sechs rusiische Flugzeuge sollen abgeschossen worden sein.

Oer Sieg über die westliche pluiokraiie.

Das einzige Kriegsziel des nationalsozialistischen Deutschlands.

B e r l i n, 13. Febr. (DNB.) Dor 5 0 0 Reichs- und Stoßtrupprednern der NSDAP, sprach der Reichspropagandaleiter der NSDAP., Reichsminister Dr. Goebbels. Inmitten einer Welt, die voll Unruhe, Sorge und Spannung auf die Ereignisse wartet, die sich ihrer Meinung nach in nächster Zeit abspielen müssen, steht ruhig und sicher das Deutschland Adolf Hitlers, das nur ein einziges Kriegsziel kennt: den Sieg über d i e westliche Pluto kr atie. Deutschland ift fest entschlossen, diesen Kampf mit allen zu Gebote stehenden Mitteln durchzufechten. Wir müssen diese Tyrannei brechen, die darin aus­mündet, daß eine imperiale Macht das Recht haben soll, ganz Europa unter ihre Bots- mäßigkeit zu bringen. Das soll ein Ende haben. Dr. Goebbels behandelte auch die Frage der Neu­tralität, über die in den letzten Wochen so lebhafte Erörterungen stattgefunden hätten. Es sei nicht möglich und lasse sich mit dem Begriff der Neu­tralität nicht vereinbaren, etwa einen Unter­schied zwischen öffentlicher Meinung und (Staatsmeinung zu konstruieren und uns beispielsweise von Staats wegen Neutralität zuzustchern, gleichzeitig aber der öffentlichen Mei­nung jeden publizistischen Exzeß gegen das deutsche Volk und seine Führung zu erlauben.

Die Welt müsse begreifen, daß der jetzige Krieg eine grundsätzliche Auseinandersetzung zwischen dem deutschen Sozialstaat und der eng­lischen Plutokratie sei. Bisher habe es England

durch Jahrhunderte hindurch immer wieder ver­standen, Deutschland im sinnlosen Kampf um vor der Geschichte unwichtige Probleme sich aufspalten und schwächen zu lassen, während England selbst in der gleichen Zeit sein Imperium auf- und aus­gebaut habe. Aus der preußischen Regeneration des Deutschen Reiches habe, sich dann eine Ueb er Win­dung des für Deutschland so verhängnisvollen Zu­standes angebahnt. Was Friedrich der Große be­gonnen und Bismarck weitergeführt habe, das reife jetzt durch den Führer und feine Bewegung der Vollendung entgegen. Jedem Einsichtigen habe es klar fein müssen, daß an irgendeinem Punkt dieser Entwicklung der Zusammenstoß mit England un­vermeidlich werden mußte, wenn die englische Plu­tokratie ihre Hegemoniegelüste nicht zu Gunsten einer vernünftigen und gerechten Lösung aufgeben wollte. Der Nationalsozialismus stand ganz einfach vor der Wahl, vor England zu kapitulieren und damit seine geschichtliche Mission vreiszugeben, oder dem frivolen Angriff Londons oie Stirn zu bie­ten. Das deutsche Volk ist heute zum Siege fest entschlossen, weil es die Ueberzeugung gewonnen hat, daß es sonst sein nationales Leben verliert. Mr wollen nicht ein rückläufiges, wir wollen ein wachsendes Volk sein. Wenn England uns den Raum, den wir dazu brauchen, streitig macht, wenn ein englischer Diplomat kürzlich in einem Brief erklärte, die Welt biete für England und Deutschland nicht genug Raum, einer müsse sinken, dann England, sinke du.

Achtung! Feind hört mit!

Im letzten Augenblick haben die vier Freunde nach der schweren Zages arbeit vor dem Fabriktor noch eine Straßenbahn erwischt und sind froh, auch noch einen Sitzplatz bekommen zu haben.Na, das wäre geschafft , meint Karl Berger.Es wird auch höchste Zeit, daß ich nach Hause komme, denn mir knurrt der Magen ganz aehörig. Das war ja wie­der heute mal eine Schicht mit hohen Touren.".

Wenn das so weiter geht", mischt sich Paul ins Gespräch,bann werden wir wohl am Wochenende einen Flugzeug-Rekord aufgestellt haben. Und dabei sagt der Meister, daß in den nächsten Wochen noch neue Anlagen in Betrieb genommen werden sollen.

Die Engländer werden bestimmt nichts zu lachen haben, wenn diese Serien neuester Kampfflugzeuge zum erstenmal über dem Firth of Forth ihren Be­such machen werden."

Die vier Arbeitskameraden fitzen in der ver­dunkelten Straßenbahn und reden noch einiges hin und her, bis sie plötzlich merken, daß ein Mann im dunklen Mantel, der hinter ihnen saß, es mit dem Verlassen der Straßenbahn sehr eilig hat, und zwar so eilig, daß sogar die vier Freunde es merken.Donnerwetter, wir haben doch keinen Blödsinn geguatscht?" entfuhr es Karl Berger. Einen Augenblick herrscht betretenes Schweigen. Mensch, man soll doch verdammt die Schnauze halten, man weiß doch nie, wer in d e r Straßenbahn neben oder hinter einem sitzt." Und als sie dann an ihrem Ziel waren und an der kleinen Siedlung gemeinsam ausstiegen, da

sahen sie noch beim Aussteigen das Schild über der Tür: Achtung! Feind hört mit!

*

Auf dem Markt war endlich wieder einmal Be­trieb, denn die Kälte hatte etwas nachgelassen und es gab auch wieder Kartoffeln und Gemüse zu kau­fen. Frau Hartung und Frau Wilke hatten sich lange nicht gesehen und waren nun froh, endlich wieder einmal miteinander sprechen zu können. Haben Sie denn Neues von Ihrem Jungen?" Ja, der ist mit seinem U-Boot in der vorigen Woche wieder nach I. gekommen, aber er soll schon in 14 Tagen wieder ausfahren. Und was macht der Ihrige, Frau Hartung?"Unser Hermann hat bisher in der D-Schule gelegen. Aber er hat gehört, daß er in der nächsten Zeit zur Front kommen soll. Die Schule soll sowieso geräumt werden und außer­dem soll es in nächster Zeit ja bei Z. losgehen. Dort soll schon Urlaubssperre und Postsperre ver­hängt worden fein."

Und während die beiden Frauen so ungeniert schwatzen, bemerken sie gar nicht, daß hinter ihnen eine Frau steht, die sich zwar scheinbar damit be­schäftigt, die einzelnen Wurftsorten zu prüfen, die aber in Wirklichkeit ein sehr gutes Ohr hat und die nicht nur bei Frau Hartung und Frau Wilke stehen bleibt, sondern die merkwürdig lange Zeit auf dem Markt zubringt und überall bei den Gruppen steht, die eine ungenierte, allzu un­genierte Unterhaltung führen.

Mensch, das ist aber fein, daß ich dich getroffen

Enllich" erreicht.

Illustrierte Britenmeldung:Ein englisches Bomben­geschwader, Typ Churchill, griff Berlin an." (Zeichnung von Hans Buhr. Scherl-M.)

habe. Nun komm erst mal und trink ein Bier und einen Korn mit mir."' Und der Zivilist geht mit feinem Freund, einem Artillerieunteroffizier, an die Theke und erzählt munter drauf los.Ja, weißt du, den B. haben sie eingezogen, der G. kommt in 14 Tagen dran und ich war auch auf dem Bezirks­kommando und da haben sie mir gesagt, ich brauchte nun nicht mehl lange zu warten, von unserem Jahr­gang würden zum Frühjahr größte Einziehungen oorgenommen. Und wo steckst du nun eigentlich?" fragt der junge Kaufmann seinen Freuno. ,/Jiun, wo soll ich stecken, bei meiner Batterie im Westen." 3m Westen? Die Westfront ist groß und du kannst dich deinem alten Freund gegenüber schon etwas genauer ausdrücken. Was macht ihr eigentlich dort den ganzen Tag? Was machen eure Kanonen? Hier erzählt man ja tolle Dinge, was die deutschen Ge­schütze leisten können!"

Lieber Freund, entgegnet ihm da der junge Un­teroffizier,du fragst mehr als zehn Weise beant­worten können und ich denke auch gar nicht daran, dir das alles haarklein auseinanderzusetzen. Ganz abgesehen davon, daß wir, bevor wir auf Urlaub sichren, noch einmal streng auf das Schweigegebot hingewiesen worden sind, so ist doch hier in einer Kneive am allerwenigsten der Ort, über solche Dinge zu reden. Du verstehst doch noch nicht viel davon und wenn ich dir davon er­zählen würde, so bestünde gar zu leicht die Gefahr, daß ein Unberufener gerade das hört, was er nicht hören soll. Wenn du eingezogen wirst, bann wirst du ja noch darauf hingewiesen werden, wie notwen­dig es ist, den Mund zu halten. Wir haben genug Beispiele, wo durch ein leichtsinniges Gespräch dem Gegner wichtige Mitteilungen zugekommen sind. Auch dann, wenn irgend etwas erzählt wird, was nicht oder nicht ganz mit der Wahrheit überein- stimmt, so kann der feindliche Nachrichtendienst auch daraus noch Schlüsse ziehen und eins laß dir sagen, wer siegen will, muß schweigen können."

Mensch, da hab ich tatsächlich nicht dran gedacht und ich nehme dir deine Belehrung auch nicht im geringsten übel."Na, dann ist es ja gut und dann können wir auf diese Lehre nochmal anstoßen."

*

Drei kleine Geschichten aus dem Leben, die sich heute überall ereignen und ereignen können. Wer mit offenen Ohren auf der Eisenbahn fährt oder in Gaststätten sitzt, der hört oft, wie geradezu hahnebüchene Sachen leichtsinnig dahergeredet wer­den. Gewiß gibt es Leute, die sich hier und da mit dem, was sie angeblich von ihrem Vetter im Gene­ralstab gehört haben, wichtig machen und es ist nicht immer eine böse Absicht dahinter. Aber deshalb ist es unter Umständen doch Landesverrat und selbst fahrlässiger Landesverrat wird nach den heutigen Gesetzen streng bestraft, und es muß so

DieBestimmungdesMenschen

Don Hans Brandenburg.

Unser Leben ist kurz. Allein das kann nicht be­deuten, daß seine Bestimmung nur in einem Jen­seits von ihm liegt, nur die Vorbereitung für ein ewiges Leben nach dem Tode ist, noch darf es ein Grund sein, dieses Leben nur in vollen Zügen ge­nießen zu wollen. Auf solche Weise nämlich wird es entweder versäumt oder vergeudet. In beiden Fällen betrügen wir uns und unsere Mitmenschen um ein anvertrautes Gut und um die Verantwor­tung, die es uns auferlegt.

Was aber ist untere wahre Bestimmung? Wir haben weder ein Recht, die Welt als nur böse zu verfluchen, noch eine Ursache, sie als die bestmög­liche aller Welten zu preisen. Die Erde ist uns ein­fach zur Heimat gegeben, und wir erhielten den immer neuen, den unerschöpflichen, nie ganz zu er­füllenden Auftrag, sie zu einer guten Heimat zu machen. Und wer möchte eine Heimat weniger lie­ben und ihr weniger dienen, weil sie unvollkom­men ist oder weil er sie einmal verlassen muß? Frieorich der Große schreibt 1760 in seinem Testament:Unser Leben ist ein flüchtiger Ueber- gang vom Augenblick unserer Geburt bis zu dem unseres Todes. Während dieser Zeit hat der Mensch die Bestimmung, zu arbeiten für das Wohl der Gemeinschaft, der er angehört."

Das ist ein Wort, das unsere Pflicht zeigt und gerade aus der Kürze unseres Erdendaseins die richtigen Folgerungen für dessen richtige An­wendung zieht. Es muß offene Ohren finden in einer Zeit, in der die Volksgemeinschaft über allem steht und von jedem das Aeußerste fordert. Dennoch ist es nicht so leicht verständlich, wie es klingt, was sich bereits erweist, wenn wir an denjenigen denken, der es sprach. Gewiß hat sich Friedrich den ersten Diener des Staates genannt, allein er war doch auch ein souveräner Fürst und Vertreter einer unumschränkten Herrschergewalt. Daß er arbeitete und sich verzehrte, daß er Opfer nicht nur verlangte, sondern noch weit mehr brachte, dies freilich durfte ihm niemand abstreiten; aber daß er sich auch auf dem Throne nur der Volks- gemeinfqjaft angehörig und untertan, verpflichtet und verantwortlich fühlte und daß alles nur für fie geschah, das hat trotz des Siegesjubels, der ihn umbrauste, doch erst die Nachwelt voll ernte ff en können, weil es erst ihr zugute kam.

Denn das Wohl der Gemeinschaft, und vor allem der höchsten und heiligsten, der Volksgemeinschaft, ist in feinem tieferen und dauerhafteren Lebens- grünben nicht gleichbedeutend mit dem handgreif­lichen Nutzen und läßt sich dort nicht nach' dem Er­

folg des Augenblicks berechnen, sondern nur nach den Wirkungen durch die Jahrhunderte. Das Volk ist ein tiefer Brunnen, und das, was hineingewor­fen wird, braucht, wenn es nicht nur feine Ober­fläche träufeln und auf ihr schwimmen, wenn es bis auf feinen Grund gelangen will, viel Zeit. Wer dem tieferen Wohle der Gemeinschaft dient, weiß oft lange, ja oft lebenslange, nur allein, daß er es tut. Dem Derufsmenfchen kann und darf man vor­schreiben und befehlen der Berufene empfängt Gesetz und Gebot unmittelbar von der Gemeinschaft selbst, nur daß diese es oft nicht erkennt, daß sie so­gar verkennen muß, was sie selbst zu ihrem Wohle hervorgebracht hat: der größte Dienst an der Ge­meinsamkeit wird mit Einsamkeit bezahlt. Das gilt nicht nur für politische Herrscher, es gilt auch für Herrscher des Geistes, die nur Wahrheit und Er­kenntnis oder gar nur Glück und Freude spenden, selbst für solche, die bloß die Gesundheit und die Wohlfahrt, den Handel und Wandel, den Reichtum und Verkehr, kurz, den allgemeinen Nutzen fördern. Erfinder des Luftschiffs und Flugzeugs werden im Stiche gelassen und verlacht, Bekämpfer von Krank­heit und Tod, Forscher, die den Erreger des Kind­bettfiebers oder der Tuberkulose entdecken, sehen sich ihrerseits angegriffen und bekämpft, und Dichter und Künstler, die mit vollen Händen schenken möch­ten, sehen ihre Gaben verschmäht und zurückge­wiesen.

Dabei stiften selbst auch diese letzteren meist nebenher noch einen größeren praktischen Nutzen und wirtschaftlichen Gewinn als die Magnaten des Geschäftslebens, der Trusts und Konzerne. Gottfried Keller hat einmal darauf f)ingeroief?n. wie -'in Mil­lionenunternehmen, das eine Modefache mit Schwindel und Reklame über die ganze Erde ver­breitet, nach kurzfristigen Jubiläen feine Arbeiter dem Elend überläßt, während Friedrich Schiller, dessen Leben nur den erhabensten Gegenständen des Geistes gewidmet war, nicht nur taufende von Her­zen belebt, gestärkt und getröstet, ja zu Kriegsmut, Vaterlandsliebe und Taten befeuert hat, sondern auch noch bis heute, über hundert Jahre nach sei­nem Tode, ein Heer von Papierfabrikanten, Ver­legern, Buchdruckern, Buchbindern und Buchhänd­lern, Gelehrten und Lehrern, Malern, Holzschnei­dern und Kupferstechern, Theaterdirektoren, Re- giffeuren, Schauspielern, Musikern, Kostümschne'r- bern und Bühnenarbeitern in Tätigkeit und Nah­rung setzt. Ebenso beschästi-gt manch ein Maler, der in ungeheiztem Atelier hungerte, nach seinen Leb­zeiten ungezählte Händler, Kopisten, Kunsthistoriker, Rahmenfabrikanten, Reproduktionsfirmen, Schrift­leiter und Galeriediener. Ja, man kann sagen, daß ein Produkt, je einfacher und materieller es ist, desto mohr nur dem einzelnen Hersteller oder Be­

trieb und dem schnellen Gebrauch und Verbrauch dienstbar sein kann, daß hingegen die hochwertigen Hervorbringungen, Je geistiger sie sind, desto un­absehbarere soziale Wirkungen nach sich ziehen, desto vielfältigeren und längeren Kreislauf und Umsatz Hervorrufen, desto größere Zinsen tragen, innerlich und äußerlich.

Und schließlich ist es ja überhaupt die Kultur, die das Wohl der Gemeinschaft bestimmt. Nur für fie lohnt sich denn auch der Einsatz des Lebens. Große Völker müssen versinken, wenn sie nicht mehr schöp­ferisch sind, und sie ziehen nicht wie Jndianerstämme und Negerhorden und ihrer bloß physischen Exi­stenz willen in den Krieg. In jedem Augenblick der Bedrohung haben wir vor uns selbst und vor aller Welt auch als Politiker unser Lebensrecht und un­seren Anspruch auf Lebensraum damit begründet, daß mir das Volk Dürers und Mozarts, Bachs, Beethovens und Bruckners, Goethes und Hölderlins, Kants und Nietzsches sind. Und unsere Soldaten sind mehr noch als für Weib und Kind für Heimat­güter gefallen, von denen sie oft nichts wissen, an denen aber unbewußt jeder teilhat, ja, von denen jeder lebt. Ohne unsere Denker haben wir keine Gedanken, ohne unsere Dichter keine Sprache, ohne unsere Musik keine Seele. Ohne die Künste wären wir eine formlose Masse, lebten wir wie die Ein­tagsfliegen und hätten kein Gedächtnis und keine Geschichte. Unsere größten Helden wären vergessen, wenn das Lied sie nicht verewigte, unsere Städte wären trotz ihrer Namen namenlos und eine wie die andere ohne ihre Kunstdenkmäler in Stein und Erz, in Holz und Farbe, unsere Wälder und Flüsse, Berge, Täler und Ebenen tot ohne Reim und Er­zählung, ohne Gedicht und Gesang.

Das Wohl der Gemeinschaft zählt also nicht von heute auf morgen. Aber unser kurzes Dasein erhält nur Dauer, wenn es in die Gemeinschaft einmündet und all unsere Arbeit diesem Wohle des Ganzen gilt. Die Großen haben ihm in der Einsamkeit ge­opfert und alle Qual des Kampfes, der Verken­nung, Entbehrung und Enttäuschung auf sich ge­nommen. Allein auch jeder Kleinere und Kleinste vermag teilzuhaben und mitzuarbeiten an der Be­stimmung des Menschen. Jeder empfängt, oft durch tausend verborgene Kanäle, was jene geschaffen haben, und empfängt auf diese Weise doch nur zu­rück, was sie selbst der Gemeinschaft verdankten. Glücklicher sind die Nehmenden als die Gebenden, die ihre Geschenke so oft nicht anlangen sehen. Und glücklicher macht das einfache Tagewerk, wo jeder Handgriff seinen Zweck erfüllt und seinen sichtbaren Erfolg erzielt, jeder Arbeiter seines Lohnes wert ist, jeder Alltag seinen Feiertag verdient, jeder sich sei­ner Stelle freuen und dem Verächter Trutz bieten

darf. Das große Wvh! der Gemeinschaft ruht aufi

dem kleinen Wohl, beides muß erarbeitet werden, und wer mit der Ehrfurcht vor dem großen Wohle dem kleinen Wohle bient, kann die Bestimmung des Menschen nicht verfehlen.

Bücheriisch.

Unsere Flieger über Polen. Vier Frontoffiziere berichten. Eingeführt und betreut vom General der Flieger Kesselring. Mit 51 Aufnahmen. Ganzleinen 4,80 RM. Deutscher Verlag, Berlin. (5) Der Kapitän einer Aufklärungsstaffel, der Kapitän einer Zerstörerstaffel, der Kommandeur einer Kampffliegergruppe und der Commodore eines Sturzkampfgeschwaoers, vier Männer, die noch vor wenigen Monaten als Flieger in Polen im Feuer standen, haben sich zusammengetan, um gemeinsam über ihre Kriegserlebnisse zu berichten ... Da schreibt Hauptmann Kerber dasTagebuch einer Formation", und in der nüchternen, oft trocken- humorvollen Schilderung erleben wir das Helden­tum der Aufklärer, die einsam und allein mitten in Feindesland ihre schwierigen Aufgaben erfüüen. Oberleutnant Meth fessel erzählt von der großen Luftschlacht über Warschau und von anderen Unter­nehmungen derschweren" Jäger. Major Munske, Kommandeur einer Kampffliegergruppe, berichtet von dem Kampfgeist seiner Männer. Und schließlich gibt Major Dinort einen soldatisch knappen Be­richt vom Einsatz der jüngsten und furchtbarsten Spezialwaffe unserer Luftflotte, der Sturzkampf' flieger.

Ehm Welk: Der hohe Befehl, Opfer» gang und Bekenntnis des Werner Voß. Preis in Leinen geb. 6,50 RM. Deutscher Verlag, Berlin. (3) Die furchtbare Tragödie der deutschen Kriegs­gefangenen in Rußland ist erst Jahre nach dem Weltkrieg den Menschen ganz zum Bewußtsein ge- 1 kommen. Aus Aufzeichnungen eines solchen Ge» . fangenen, der mit einer Haiüwoll beherzter, verant- wortungsbewußter Kameraden in einem Riesen- , lager am Ussuri, schon ganz der Nähe der Küste des Stillen Ozeans, den Kampf gegen seelische Not, Hoffnungslosigkeit und Stumpftinn aufnahm und zum Clown wurde, um mit befreiendem Lachen den schleichenden Tod zu überwinden, in den Kameraden den Lebenswillen zu erhalten und fie vor Derzweif- llungsaften zu bewahren, dieses stille Heldentum hat iEhm Welk in seinem Buch aufwühlend und er- ! schlitternd gestaltet. Neben Dwingers unvergeßlichen iDie Armee hinter Stacheldraht" undZwischen ! Weiß und Rot" ist dies Buch ein schaurig-grandio- 1 fes Denkmal der entsetzlichen Pein, aber auch des trotzigen Dennoch einer Gemeinschaft deutscher Menjchen in der Weltkriegs-Hölle Sibiriens.

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