Aus -er Stadl Stehen. [
Jlur ein paar Vorschläge
Wir leben eben mitten in der Zeit der Bor- fteude. Es sind nicht nur die Kinder, oie dos Wech- nachtsfest herbelsehnen, auch viele Erwachsene gehen mit heiterem Gesicht herum. Sie haben schon Ge-; schenke ausgesucht und sind im voraus darüber froh, daß sie andern eine Freude bereiten können. Sie sehen schon im Geiste oie glücklichen Gesichter.
Aber nicht jeder ist in der Lage, alle Wünsche, die an ihn gestellt werden, zu erfüllen. Die Mittel sind oft sehr beschränkt. Schließlich kommt es auch nicht darauf an, wieviel geschenkt wird, sondern darauf, wie es geschieht. Und wenn wir unter diesem Gesichtspunkt einmal auf das vergangene Jahr zurückblicken, fällt uns manches ein, das uns zunächst unbequem war. Aus unserem Gedächtnis steigen auf einmal einige Wünsche herauf, die im Laufe des Jahres an uns gerichtet wurden und die wir mit einer Handbewegung ablehnten.
Es ist bekannt, daß wir alle mehr oder minder Gewohnheitstiere sind. Daß sich da einige üble Gewohnheiten mit der Zeit einnisten, ist auch nichts Neues. Aber es ist schwer, eigene Fehler einzusehen.
Es sind die Tage der Wünsche. Welche Freude können wir auslösen, wenn wir einen stillen Wunsch erfüllen! Wir meinen es so, daß wir uns sagen: Das haben wir bisher oft falsch gemacht, in Zukunft soll es anders und bester werden! Wäre das nicht eine schöne Erfüllung für die Menschen, die uns am nächsten stehen? Und dabei kostet ein sol- ches Geschenk gar kein Geld, nur ein wenig Willensstärke. Es ist ein unsichtbares Geschenk und wird vielleicht zunächst von unseren Nächsten gar nicht bemerkt. Aber es dauert nicht lange, dann sehen auch sie, daß sich irgend etwas geändert hat, und sie werden froh darüber sein.
Warum z. B. ärgern wir uns über jede Kleinigkeit? Irgend ein geringfügiger Anlaß, eine nebensächliche Tatsache reizt uns zum Zorn. Muß das so sein? Wollen mir nicht versuchen, diese Gewöhn- beit einzudämmen? Wollen mir nicht über eine ärgerliche Sache einmal eine Nacht schlafen? Am Morgen sieht sich vieles anders an. Oder mir machen es so, daß mir — ehe mir zornig hochgehen — bis zwanzig, oder mehr zählen. Dos hilft auch manchmal. Die Hauptsache ist. daß mir versuchen. das rechte Maß, den rechten Abstand zu finden. Wenn es nicht gleich gelingt, ist es noch nicht schlimm. Dem ernsthaft Strebenden ist ein solcher Versuch immer ein innerer Erfolg. Und das will etwas heißen. Je zäher wir mit der Zeit werden, desto eher werden mir auch Herr über böse Angewohnheiten. Die ehrliche Selbstkritik darf nur nicht fehlen. Wir muffen aus Mißerfolgen lernen. Ein fester Wille verdoppelt die Kräfte und führt schließlich zum Ziel.
Der Verkehrshilfsdienst des NSKK.
Eine wichtige Hilfseinrichtung für alle.
Trotz der mannigfachen Schwierigkeiten, die der jetzige Krieg gerade einer motorisierten Formation bringt, hat das NSKK. im letzten Jahre eine Einrichtung aufgebaut, der in der ganzen Welt nichts Aehnliches zur Seite gestellt werden kann. Es ist der Verkehrshilfsdienst, der in feiner bis ins letzte durchdachten Organisation allen denen dienen will, die das Unglück haben, auf einer unserer Hauptverkehrsstraßen durch eigenes ober fremdes Verschulden so in Derkehrsnot zu geraten, daß sie die Hilfe anderer in Anspruch nehmen müßen.
Es ist erstaunlich, daß selbst Kraftfahrer über diese selbstlose und wahrhaft soziale Einrichtung noch wenig Bescheid wissen, obschon die Tageszeitungen mehrmals darüber berichtet haben. Vielleicht ist angesichts der kommenden Glatteisgefahr auf unseren Straßen die heutige Darstellung nicht ganz unerwünscht. Wir wollen dabei gleich eine immer wieder zu hörende falsche Ansicht beseitigen. Man nimmt nämlich an, daß der V'erkehrshilfs- dienst ausschließlich für die Angehörigen des NSKK., oder aber nur für die motorisierten Straßenbenutzer geschaffen worden sei. Das ist irrig! In Wahrheit ist er f ü r a l l e da; wer auch immer in Not geraten ist, kann sich seiner bedienen, also auch der Radfahrer, der Pferdeführer oder der Fußgänger. Deshalb verdient diese wichtige Einrichtung des NSKK. das allgemeine Interesse des gesamten deutschen Volkes.
Wer sich ihrer bedienen will, muß sich zunächst darüber klar sein, was die blauen Tafeln mit der Fernsprechwählscheibe und dem Hoheitsabzeichen des NSKK. bedeuten. Sie weisen darauf hin, daß sich unweit eine Rufstelle des Verkehrshilfdienstes befindet. Soll Hilfe herbeigeholt werden, so eile man zu dieser Rufstelle und berichte dort über Art, Ort und Umfang des Unfalls so ruhio und sachlich wie möglich. Damit hat man seine Meldepflicht erfüllt, um alles weitere braucht man sich nicht mehr zu kümmern. Denn von nun an geschieht das Notwendige Wrad) einem von den Motorgrupven in mühevoller Kleinarbeit aufqestellten und wohldurchdachten Alarmplan. Die Rufftelle gibt die Unfall- meldunq sofort weiter an den zustäMgen Gebiets- zonestftihrer, der in einem größeren, mit Rettunqs- einrichtungen versehenen Orte seinen Siß hat. Von ihm werden je nach Bedarf Arzt und Polizei, der Sanitäts- und Abschleppwagen, wenn nötig auch die Feuerwehr, alarmiert, die darauf sofort zum Un
fallort eilen. Inzwischen wird auch gegebenenfalls der Overationssaal in Bereitschaft gesetzt.
In diesem bemerkenswerten Zusammenspiel aller Hilfskräfte und in der dadurch bedingten Schnellig- keil der Hilfeleistung liegt die aroße Bedeutung des Verkehrshilfsdienstes für die Allgemeinheit. Mancher Derkehrsunfall wird deshalb heute nicht mehr wie früher mit dem Tode des Verunglückten enden, meil alle daran Beteiligten nicht mehr ratlos nach Hilfe umherirren, und somit gerade die kostbarste Zeit zur Rettung eines Verletzten sinnlos vergeuden. Man muß eben nur über den Verkehrshilfsdienst Bescheid wißen!
Auch im Gebiete der Motorgruppe Hessen, also in Hessen und Hessen-Nassau, wurde ein überaus dichtes Netz von Zonen und Rufstellen gezogen. Die neueste Karte zeigt eine Einteilung von 23 Zonen, die die zum Gruppengebiet gehörigen 30 Reichs- straßen und außerdem mehrere Straßen erster Ordnung in einer Länge von 2650 Kilometer umschließen. 525 Rufstellen stehen für den Hilferuf kostenlos jedermann zur Verfügung, und weit über 1000 Tafeln mit der Wählscheibe verweisen auf sie.
Die große organisatorische Leistung des vergangenen Jahres, die hinter diesen nüchternen Zahlen steht, kann der Fernerstehende natürlich schwer ermeßen und richtig beurteilen. Das ist aber auch nicht so wichtig, wenn er nur die beruhigende Gewißheit gewonnen hat, daß auf unseren Fernstra- ßen dank des Verkehrshilfsdienstes jedermann schnelle Hilfe gebracht werden kann. Es ist selbstverständlich, daß die daran beteiliaten NSKK.-Männer nicht ruhen werden, diese selbstlose und soziale Einrichtung zum Wohle des deutschen Volkes immer weiter zu vervollkommnen.
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Die Rufstellen im Gießener Bezirk.
Innerhalb des Bereiches der Gießener Motorstandarte 147 befinden sich auf allen öffentlichen Reichsstraßen in Abständen von etwa 5 bis 6 Kilometer Rufstellen, die meist in den Gastwirtschaften eingerichtet sind. Blaue SchiDer machen diese Ruf- stellen öffentlich kenntlich. Ebenso sind in den gleichen Abständen auf den Haupt-Nebenstraßen derartige Rufstellen in Gastwirtschaften eingerichtet. In kleineren Orten sind an Stelle der Gaststätten oft auch Privathäuser für die Einrichtung der Rufstellen in Anspruch genommen worden.
Das neue Asien.
Ein Vortrag im Gießener Vortragsring.
Das soll keine Moralpredigt fein. Im Gegenteil, wir wollten nur ein paar Vorschläge machen, mit welchen unsichtbaren Geschenken wir nicht selten mehr Freude bereiten können als mit anderen Gaben, die mir unter den Weihnachtsbaum legen.
H.
Aornotizen.
Tageskalender für Freitag.
Stadttheater: 19 bis 21.45 Uhr „Tiefland". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Friedrich Schiller". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Herz modern möbliert". — Oberhessischer Kunstverein: 17.30 bis 18.30 Uhr Weihnachtsausstellung im Foyer des Stadttheaters.
Sladlthealer Gießen.
Am heutigen Freitag kommt die Neueinstudierung der Oper „Tiefland" von Eugen d'Albert zur Aufführung. Dieses dramatisch bewegte Werk des großen Franz-Lifzt-Schülers ist zu einem der größten Opernerfolge der nachwagnerischen Schaffensperiode geworden und so ganz die Volksoper, die mit ihrem lebendigen Tertbuch und ihrer melodiösen Musik alle zu fesseln imstande ist. Musikalische Leitung: Otto Söllner. Spielleitung: Hans Albert Schewe. Bühnenbild: Karl Löffler. Es fingen: die „Martha" Anni Affion, „Nuri" Life! Schröter- Beckers, die drei Mägde: Valeska Lange, Aenne Mayr Ellg, Ilse Winhold, den „Sebastiano" Gustav Bley, den „Pedro" Heinrich Durst, „Tommaso" Bernhard Schmitz, „Moruccio" Gustaf Brunn, „Nando" Kurt Bosny. 13. Freitag-Miete.
Aus Einladung der Volksbildungsstätte Gießen, des Goethe-Bundes und der Kulturellen Bereinigung (früher Kaufmännischer Verein) sprach am gestrigen Donnerstag abend der bekannte Reise- schriftsteller Dr. Colin Roß in der vollbesetzten Großen Aula der Universität über das Thema „D a s neue Asien".
Der Vortragende bezeichnete eingangs feine Darlegungen des Abends als eine Ergänzung des Vortrags über Amerika, den er im Frühjahr dieses Jahres im gleichen Kreise in Gießen gehalten hatte, so daß also innerhalb eines Jahres zwei große Kontinente durch einen Mann, der beide bereift und durch eigene Wahrnehmungen genau kennen gelernt hat, den Gießener Hörern nähergebracht wurden. Diese Aufklärung war umso interessanter, als wir — wie der Redner hervorhob — uns im Raume des europäischen Kontinents immer mehr daran gewöhnen müßen, daß in unserer Zeit nicht nur in Kontinenten gedacht, sondern in derartigen Großräumen gehandelt wird, während mir früher nur in geographisch begrenzten Zonen zu denken gewohnt waren.
Von diesem kontinentalen Denken ausgehend, führte der Redner in geistvollen und auf weite Sicht gerichteten Betrachtungen in den eurasiatischen Step- penraum, der als neues Asien geradezu einen neuen Kontinent darstellt und ausgesprochene Eigengesetz- lichkeit besitzt, hinein. Zu diesem Großraum rechnet der Vortragende die unendlich weiten Gebiete von Mandschukuo aus über die Mongolei, Tibet und Iran bis in die vorderasiatischen Länder hinein, wobei das Schwergewicht in dem gewaltigen Raum
von Mandschukuo und der Mongolei zu suchen ist. Die dort im Gange befindliche Neuordnung kann uns in Deutschland, wie der Redner betonte, unbe- rührt lassen, da wir dort keine Interessen geltend zu machen hätten, sondern unsere natürliche Raum- und Rohstoffreserve in dem großen Lande südlich des Mittelmeeres, im afrikanischen Raum, erblicken müßten.
Um den großen Raum des neuen Asien ringen dessen beide stärksten revoluttonären und imperialen Völker Rußland und Japan. Die Neugestaltung dieses Raumes, der schon oft in der Geschichte gewaltige Kräfte hervorgebracht hat, entsteht aber aus dem imperialen Gestaltungswillen des japanischen Volkes, dank einer großen Idee, die von dort aus den ganzen großasiatischen Raum umschließt. Daß Japan dabei jede Einmischung von außen her zurückweist, ist verständlich, da es auf das Ziel zu- ftrebt, als führende Macht im großasiatiscben Raume die gewaltigen Kraftquellen des neuen Asien nach seiner Idee zu gestalten. Für Deutschland ist es dabei ebenso wie für Japan von größter Bedeutung, daß durch den Dreimächtepakt beiderseitig die berechtigten Führunqsanfprüche klar abqegrenzt und gegeneinander anerkannt sind, so daß sich von selbst und von vornherein keine Interessengegensätze her- ausbilden können.
Im weiteren Verlaufe seines außerordentlich fesselnden Vorttages zeigte der Redner dann die großen Entwicklungslinien auf, die von dem alten Japan in das moderne japanische Reich unterer Zeit in geistiger, politischer und wirtschaftlicher Beziehung usw. herüberführen, von hier aus ihre Ausstrahlun-
JerMchtlinglluf Korsika
Roman von Heinz Lorenz-Lambrecht
17.Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Sollerbeck ist wieder aanz obenauf und ordnet an: „Wir holen sofort die Letter und ziehen ab."
Viktor widerspricht: „Es ist erst wenig über elf. Das ist gerade die gefährlichste Zett. Es können Leute von unserer Wachmannschaft aus der Stadt zurückkommen, und wir rennen ihnen dann geradewegs in die Hände. Laß uns warten bis halb eins oder eins. Wir können ja immerhin schon die Leiter herunterholen und von hier aus beobachten."
Solterbeck sieht ein, daß Viktor recht hat. Sie holen die Letter und laßen sie gleich in den Hof hinab. Sie binden sie zu diesem Zweck an ein Stück Kordel, von der Viktor noch genügend übrig behalten hat. Endlich lehnt sie sicher und in der richtigen Lage an der Mauer, hinter einem Gebüsch, das vor den Gebäuden fast rings um den ganzen Hof herumwächst.
Nun hocken die beiden nebeneinander auf dem Pfad und warten wieder die Zeit ab. Im Licht des Mondes zeichnen sich die Schatten der Gebäude scharf im Hof ab. Aus der tieferen Stadt klingt ein Lied herauf, das heimkehrende Zecher singen mögen. Auf der Straße hallen einmal Schritte vorbei. Auf dieser Straße werden nachher sie gehen, die Straße wird ihnen gehören, auch der Hafen, auch das spa- nische Schiff — die ganze Welt und vor allem die Heimat.
So spinnen sie Gedanken, bis Solterbeck leise vor sich hinsagt: „Die verdammte Tür!" Er meint die, an deren Schloß er vorhin seinen Schraubenzieher abgebrochen hat. „Das war unsere schlimme lieber» rafchung. Gott sei Dank, daß wir sie hinter uns haben. Jetzt könnten wir auch einmal Glück haben."
Viktor lächelt.
Es schlägt Mitternacht. Gleich darauf hören sie ein Geräusch von der Straße her. Ein Tor öffnet sich, Füße scharren, dann ein Aufschlag, wie wenn ein Gewehrkolben hart auf Steinboden aufgesetzt wird.
„Die Wache wird abgelöft", sagt Viktor.
„Hoffentlich häll die Knarre es nur aus", sagt Solterbeck trocken.
.Hoffentlich pennt der Kerl in einer halben Stunde", meint Viktor. „Das ist das Mindeste, was man von ihm verlangen kann."
Viktor denkt: Das ist noch ein gefährliches Stück Arbeit, über die Mauer auf die Straße zu kommen. Dieser Mondschein? Alle Fenster sind Auge in solcher Nacht. Ein Mann, der in dem Haus da brühen nicht schlafen kann und sich ins Fenster legt ...! Eine Mutter, die heraussieht, ob ihre Tochter noch immer nicht aus dem Kino heimkommt ...! Richtig, das gibt's ja auch noch da draußen: Kinos. Zwei, die in einer Türnifche stehen und kein Auseinandergehen finden können ...! Ja, es lauern noch alle möglichen Tücken. Aber — es wird dennoch gut gehen. Ich fühle es: Es wird gut gehen.
Wieder schlägt die Uhr.
,Halb eins?" sagt Solterbeck. „In einer Stunde wird es hell. Wir müßen jetzt los, Viktor."
Sie stehen auf, straffen sich und lauschen noch einmal.
„Ich gehe als erster", sagt Solterbeck energisch. „Mit mehren langen Stelzen kann ich die Leiter leichter erreichen als du. Ich helfe dir dann von unten."
Er läßt sich über die Mauer hinunter, erreicht die oberste Leitersproße und steht gleich darauf im Gebüsch des Hofes. Viktor folgt. Das Stück Arbeit verläuft leicht und lautlos. Solterbeck nimmt die Leiter auf. Sie fchlimfen hinter dem Gebüsch entlang, halten sich im Schatten der Gebäude und sind schon an dem schmalen Mauerstück mit der Tür. Hier nun sind sie zum erstenmal dem prallen Mond- licht ausgesetzt. Sie sind machtlos banegen und fön» nen nur zusehen, daß sie es möglichst rasch wieder in den Rücken bekommen.
Solterbeck legte die Letter an die Mauer. Sie haben vorher schon ausgemacht, daß er zunächst einmal hinaufsteigt, um nachzusehen, wie sie auf der Straße am raschesten Deckung gegen den Wachtposten bekommen. Sprechen dürfen sie jetzt nicht mehr viel; was notwendig ist, muß gewispert roer^ den.
Viktor hält die Leiter und späht nach den gefähr, lichen Fenstern, die zum Wohnbezirk der Wach- mannschaft gehören. Nichts Verdächtiges zeigt sich.
Sein Blick fällt auf die Tür neben der Letter. Da werden seine Augen auf einmal groß vor lieber» raschung. Herrgott, da glänzt doch ein Schlüße! im Mondlicht auf! Ja, da steckt ein Schlüße! im Schloß.
Fast stößt Viktor einen Ruf aus. Er zupft Sol- terbeck heftig am Hosenbein. Solterbeck zuckt zusam- men und duckt sich, Gefahr witternd, instinktiv hinter die Mauer herab.
„Was los?" zischt er leise.
»Der Schlüße! steckt!" gibt Viktor ebenso leise zurück.
„Wa ... ? Ach so ..." Solterbeck atmet auf und kommt herunter. „Schlüße!? Wo?" Er sieht ihn. „Viktor ...! Mensch ...!"
Sofort probiert er den Schlüße!, mit zusammengebißenen Zähnen. Er dreht sich schwer, doch wenigstens lautlos. Zweimal ist geschloßen. Dann ist die Tür auf. Sie brauchen nicht mehr über die Mauer zu steigen!
,^)aben wir einen Dusel!" murmelt Sollerbeck.
Die Tür geht nach innen auf. Die Schatten, die Mauer und Zitadellengebäude werfen, liegen auf ber Straße. Das alles ist günstig. Dazu hat Sol- terbeck noch festgestellt, daß der Posten sie nicht sehen kann, selbst wenn er außerhalb des Torweges steht. Die Gebäude nach dem Tor hin biegen nämlich zurück, so daß ihre Tür für den Posten im toten Winkel liegt. Draußen müßen sie bann möglichst rasch etwa zehn Schritte nach rechts. Dort springt das Gebäude zurück und bildet eine Ecke, in der sie vollständig gedeckt sind, lieber all das unterrichtet Solterbeck den Kameraden im Flüsterton.
Jetzt ordnet er wieder an: „Also zuerst die Tür auf, bann drücke ich mich sofort an den rechten Tuspfosten, fou kommlt unmittelbar hinter mir drein und stellst dich dicht neben mich. Die Tür muß wieder zugemacht werden, das ist deine Sache. Dann erst gehen wir beide hintereinander an der Wand entlang nach rechts bis zu der Hausecke. Verstanden?"
Viktor nickt.
„Also: Achtung!" Solterbeck faßt die Minke an. "Los!" Er drückt sie herab, stemmt sich aegen die Tür und reißt sie dann mit der ganzen Wucht seines Körpers gegen sich. Ein kleines Geräusch nur, doch stockt den beiden wieder einmal auf einen
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schon ihre Opferberettschast bewiesen. Gerade hi i
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Kasperl gegen Churchill.
NSG. Kasperl führt am kommenden Samstag w Straßensammlung seine Trabanten ins Feld. Wer anders als unsere einsatzbereite deutsche Jugend HI. und BDM., könnte die drolligen Kasperlfigurei in die WHW.-Schlacht führen? Wie die vorjährig» Dezember-Abzeichen sind auch die der diesjährig» Abzeichen im Böhmerwold und im Erzgebirge Hw gestellt worben, aus dem Holze der tiefen Wäldn?
gen auf den. Raum des neuen Asien genomNU i hoben, und nun bas bestimmende Gesetz des Deo dens und Wachsens des neuen Asien von dfchukuo aus über die Mongolei, Tibet, Turkesta, usw. werden. In diesem Zusammenhänge maG er, unterstützt von zahlreichen guten Lichtbildern mit den wichttgsten Lebens- und Entfaftungsformlr jener Länder und ihrer Menschen bekannt und Damit den aufmerksam lauschenden Hörern Möglichkeit, sich ein in den Grundzügen marfo® abqezeichnetes geistiges Bild zu gestellten.
Weiterhin zeigte der Vortragende in großn Umrissen den Widerstreit der japanischen, der chj^ fischen und der russischen Interessen auf, der wohl in wirtschaftlicher, als auch in polittscher, hi,, sichtlich Chinas außerdem in mllitärifcher Hinsitz in jenem Räume in Erscheinung tritt, kennzeichne dabei die Minderung des englischen Einflusses i2 j dieser Auseinanbrrsetzung und machte schließliq auch hier auf die große Bedeutung des Sreierpgftt < zwischen Deutschland, Italien und Japan sowie aui die damit in Verbindung stehende freundschaftlich« j Verständigung mit Rußland aufmerksam. Dei» gegenüber skizzierte er die Haftung Amerikas uni * dessen Stellungnahme vom Standpunkt der wch, ! lichen Hemisphäre aus zu dem Aufstieg Japans aJ« Vormacht des neuen Asien. Schließlich machte er nw den politischen Schlußfolgerungen bekannt, die siz vor allem für Amerika, aber auch für die ganz, Neuordnung in der Well aus dem Emporwachsei, des neuen Asien im Geiste der großen Idee Q» pans ergeben.
Der fesselnde Vortrag und die interessanten Lichö bilder fanden den banfbaren Beifall der mit stör, ter Spannung folgenden Hörer. B. H
von fleißigen und geschickten Händen, die babur» 1 r ,, monatelang Arbeit und Brot bekommen haben. M, N)?n J Menschen, die diese Figuren schufen, haben fette: Nln> tu
Böhmerwald ist durch die NS.-Volkswohlfahrt ii den zwei Jahren nach der Heimkehr Großes ge* leistet worden. Vor allem konnten die hier einst katastrophale Säuglingssterblichkeit und die Tuber kulose erfolgreich bekämpft werden. Dorthin alft wandert dein Groschen, lieber Volksgenoße!
Wenn Geld verreist.
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In der Wohnstube saß die kleine Geburtstag;» gesellschaft beisammen. Die Hausftau schickte an, den Kaffeetisch zu decken. Da sie alle Härche doI zu tun hatte, war sie etwas durcheinander. Hilf» bereit kam ihre Nichte herzu: „Kann ich dir untei die Arme greifen, Tantchen?"
„Wenn du so nett sein wolltest ... Das Feldpost! päckchen an Max muß noch verschnürt werden!"
Das Mädel machte sich über das Päckchen.
„Warte", rief die Tante dazwischen, „ich wollte Max ein paar Groschen Geld ins Päckchen legem Wo ist doch meine Geldtasche? Hier! Ein Zehni markschein! Er wird sich freuen!"
„Ich denke, Max liegt in Frankreich!"
„Glaubst du, da brauchen die Soldaten feirr Geld?"
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Augenblick bas Herz, aber jetzt ist keine Sekund-, mehr Zeit zu zaudern. Alles hängt von ihren Schnelligkeit ab. Solterbeck ist schon draußen, Di!' tor fast in der gleichen Sekunde noch. Er dietl vorsichtig die Tür hinter sich zu und legt bin Klinke ins Schloß. Er begreift diese Vorsicht Sol>! terbecks. Es könnte einer an der offenen Tür oor-b beikommen, und ihre Flucht würde vor der Zeiii entdeckt werden. Eng aneinander gedrängt stehen sie nebeneinander.
„Los!" kommandiert Solterbeck wieder. Er loflü sich schon aus der Nische und gcht nach rechts. W.- tor folgt ihm auf dem Fuße. Sie erreichen dm fchützenden Winkel, der ganz im Dunkeln liegt.
Solterbeck bleibt stehen, wendet sich nach Diktoit um. atmet tief auf. „Geschafft, Viktor! Geschafft..!"
Viktor hat das Gefühl, als ob er laut hinaus* schreien müßte. Aber er lächelt nur und gibt Sollet beck die Hand.
Von dem Augenblick, wo sie chren Weg von den Luke in den Hof antraten, bis jetzt find noch einmal zehn Minuten verstrichen.
Sie find frei. Der Stacheldraht liegt hinter ihnen! Die Straße da, die schmal zwischen altertümlichen! winkelia gebauten Häusern bergab führt, gebÖf1 ihnen. Sie führt zum Hasen. Sie führt in die ffrer? beit Alles, was jetzt noch kommt, erscheint ihnm als Kinderspiel im Verhältnis zu dem, was f* schon hinter sich haben.
Sie gehen die Straße hinunter, nebeneinander sorglos ausgerichtet, zwei friedliche Bürger Bastian Doch lassen sie keine Vorsicht außer acht. Sie haftest sich im Schatten und reden nicht. Die Sttaße W still und rnenlch-nleer. Nur hinter wenigen Fenstem schimmert noch Licht.
Plötzlich werden chre Nerven wieder aufgeruttelU Sie hören Schritte, die ohne Zweifel die Sttaße heraufkommen. Männer finb es, man kayn schon den verworrenen Klang ihrer Stimmen hören. Aua ein Frauenlachen klingt jetzt auf. Wenn das nuin Leute von der Wachmannschaft der Zitadelle flw- Die Straße ist so eng, daß man sich im Vorbei gehen fast ftreifen muß. Eine Frage, die eiW zugerufen wird! Solterbecks lange Gestall, stri helles Wikingergesicht ...! Jeder Poilu kennt erc Noch deckt sie die nächste Straßenbiegung vor beff Herankommenden.
Die Nichte, die bei einer Bank angestellt war, legi»! das Feldpostpäckchen für Max auf die Briefwaage? „Weißt du auch, Tantchen, daß dies Verschicke« eines Zehnmarckscheins an einen Wehrmachtangehörigen im besetzten Gebiet eine glatte Devisen! schiebunq ist?"
„Devisenschiebung?" legte die Tante das Gtüdt chen Kuchen, das sie sich in den Mund stecken rooHls, erschreckt zurück. „Das ist doch wohl wieder jo ei« Witz ..."
„Kein Witz, Tante, sondern eine sehr ernfiu Sache! Geldscheine oder Hartgeld dürfen auf keine« Fall ins Ausland geschickt werden. Wird bestraf wenn's herauskommt. Also lieber nicht, und scho« deshalb nicht, weil wir dadurch unserer Geldwir!^ schäft schaden! Aber roo.m dieses aesährliche Versteckspiel? Mit einer Feldpostanweisung kannst bu Max monatlich einen Betrag in Höhe seines Mor natswehrsoldes ins Feld schicken. Wird ihm in dm Währung des Landes ausgezahlt, wo er sich besinn i det. Das ist erlaubt und auch viel sicherer, als biet ses private Päckchenschmuggeln!" Z.
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(Fortsetzung folgt)


