Das Tierleben auf den Schneefeldern des Himalaja.
Die Fraae, in welcher Höhe tierische Lebewesen noch gedeihen, konnte nur auf den höchsten von Menschen bisher erreichten Schneefeldern des Himalaja geklärt werden. So bekundet denn auch ein Teilnehmer an einer der Himalaja-Expeditionen: „Wir fanden Spuren von einem dauernden tierischen Dasein noch weit über der Schneegrenze und 1200 Meter oberhalb des letzten Pflanzenwuchses. Das waren kleine Spinnen, und sie sind die am höchsten lebenden Tiere der Erde. Sie leben auf Inseln von zerklüftetem Fels, rings umgeben von Schnee und Eis. Nirgends um sie herum gibt es ein Zeichen von irgendwelchem pflanzlichen und tierischen Leben, und sie können nur existieren, indem sie sich gegenseitig fressen. Die Wildschafe und Berghasen fristen ihr Leben noch auf den öden Abhängen auf über 5000 Meter Höhe. Auf 6000 Meter fanden wir noch Heuschrecken, an der äußersten Grenze, bis zu der Pflanzen noch gedeihen. Oft sahen wir den gewaltigen Lämmergeier um den Berg in etwa 7000 Meter Höhe kreisen. Auch auf Bienen, Motten und Schmetterlinge stießen wir noch in 7000 Meter Höhe, auf Spinnen noch 300 Meter höher, und Dohlen sahen wir sogar in der Riesenhöhe von 9000 Meter.
Die Gebirgssäuaetiere sind, um gegen die furchtbaren Stürme geschützt zu sein, meist mit dichtem Haar bekleidet. In 4000 Meter fanden wir
Schweine, die mit dichtem braunrotem Haar bedeckt waren, sehr verschieden von den mit spärlichen Borsten bedeckten Schweinen der Ebene. Die Apollo-
Schmetterlinge, die in den furchtbaren Stürmen auf den Pässen zwischen 5000—6000 Meter Höhe herumflattern, haben ganz feste und steife Flügel, die nicht so leicht abbrechm können wie bei unseren Schmetterlingen, und ihre Körper haben ein Pelzkleid. Bei
der Suche nach Nahrung bilden manche Vögel eine Lebensgemeinschaft mit Säugetieren, wie z. B. die Dohle mit dem Wildschaf. Die Dohle sitzt auf dem Rücken des Schafes und sucht sich seine Jnsekten- nahrung im Haar des Tieres, das über diese Befreiung von lästigen Bewohnern sehr erfreut ift."
Aeitag, 15. Dezember 1940
.295 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger fürGberheffen)
zu schaffen, was uns in der Kindheit wie im reifen Alter immer wieder als weihnachtlicher Zauber in
ge-
im
eihnachtsbaum
<1
die Aemter Gießen, Grünberg und Allendorf
an
einen in dem Glauben an das Unvergängliche deutschen Volke.
einen Bann geschlagen hat. Mit Tannenduft und Kerzenschimmer hält im kleinsten Unterstand wie im behaglichen Quartier die Weihnachtsstimmung Einzug. Mag der Lichterbaum dem einen Gleichnis sein der Geburt des neuen Lichtes, der andere, wenn er in die Helle Kerze blickt, über anderes nachsinnen, alle spüren in den Stunden der Einkehr Reichtum und Tiefe des deutschen Gemütes. Lebendiger noch als sonst empfinden sie die im gemeinsamen Knegs- erleben gewachsene Kameradschaft. Klarer als im Schaffen des Alltags erkennen sie in den Gliedern dieser Kameradschaft die Träger der großen Gemeinschaft des Volkes, das vor uns war und nach uns sein wird, die wir nur Glieder einer ewigen Kette sind, das darum in solcher Stunde voll lieben-
Von Narvik bis Biarritz. Die zweite Kriegsweihnacht bei der deutschen Wehrmacht.
ton besonderer Seite wird uns schieben:
Zeitschriften
— Im Dezemberheft der Zeitschrift „Neues Volk" (Blätter des Rasienpolitischen Amtes der NSDAP., Verlag Berlin SW 68) findet man u. a. einen heute besonders aktuellen Artikel „Was prägt Völker — Rasse oder Geschichte?" von Oberdienst- leiter Professor Dr. Walter Groß. Dem aroßen deutschen Arzt Emil von Behring, dem Retter der Kinder, ist eine kurze Würdigung mit interessanten Bildbeigaben gewidmet. Gegen den „Unfug mit Vornamen" wendet sich ein geharnischter Protest von Reichspräsidialrat Dr. Koerner. Volkskundlich aufschlußreich sind die mit vielen Bildern geschmückten Beiträge über die Bessarabiendeutschen von Dr. K. Stumpp und „Weihnacht in Südmähren". Ein Beitrag über die Ehe als Ergebnis der Auslese von Professor Günther wird von kunst- und kulturgeschichtlich gleichermaßen bemerkenswerten Bildbeigaben begleitet.
lung, in der stete Kampfbereitschaft ihren Stempels der Verehrung der Mutter gedenkt, die in aufdrückt, weiß der Soldat mit kleinsten Mitteln das ihrem Kinde, ihrem Volke einen neuen Träger des ...... " l Lichtes schenkt. Für den Bestand dieses Volkes aber
Frau. Sie ist schlagfertig aus Mutterwitz, enfant terrible aus unbekümmerter Offenheit, entwaffnend in der Unverblümtheit ihrer Redewendungen wie in der vollkommenen Hingabe des Heizens an den Mann, dem sie auf den ersten Blick verfallen ist: das ergibt eine menschlich ebenso liebenswürdige wie theatralisch reizvolle Mischung: alle diese Wesenszüge waren in Geraldine Katts Darstellung zu einer runden, lebendigen Einheit zusammengeschlossen. *
Die Aufführung (Inszenierung: Gastspieldirektion Alexander Richter, Hamburg) lies so glatt und sauber, wie man es von einer Rundreise-Aufführung erwarten kann. Hermann Wagner gab den Tito sympathisch, gelassen, mit Humor und Herz. Aenne Benz war ganz überzeugend die Franca: oberflächlich, berechnend und ziemlich ordinär. Luise Decker, den Gießenern von früher her in guter Erinnerung, als Frau Bennini, sah sehr gut aus, eine kokette und sanft ironische Salondame. Arno Paulsen stattete Herrn Bennini mit einer freundlichen, durch Scampolo nur vorüberaehend aus dem Gleichgewicht gebrachten Gemütsruye aus. —
Das Publikum unterhielt sich angeregt und spendete herzlichen Beifall. Hans Thyriot.
die Wäsche bringt, die er ebensowenig bezahlen kann wie die Rechnung in einem ziemlich verdächtigen Stundenhotel, wo er seit etlichen Wochen sein Leben fristet. Er fristet es, sehr abgerissen, sehr in der Klemme und heruntergekommen, zusammen mit einer jungen Dame namens Franca, die keineswegs seine Frau ist, und wartet inbrünstig darauf, daß die Regierung eines Tages fein wirklich tüchtiges Projekt für einen Bahnbau in Tripolis gutheißt und annimmt. Damit würde er fein Glück machen: seiner Freundin kommt es mehr auf das Geld an.
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Da erscheint also Scampolo, und nun kann man erleben, was das für ein Geschöpf ist. Ihr gefällt der junge Mann namens Tito gleich ebenso wie ihr Franca mißfällt. Scampolo verkauft, als sie sieht, daß Tito im Augenblick noch viel ärmer ist als sie selbst, ohne Bedenken ihren einzigen Besitz, eine Handharmonika, und erfindet einen kühnen Schwindel, der leider sofort bemerkt wird, um Tito das Geld dafür zu überreichen. Scampolo entdeckt die Liebe, und sie entdeckt auch, daß es sehr verschiedene Arten von Liebe gibt, sie lernt die Welt, die sie bisher nur von der- Straße kannte, in der Wohnung einer wohlsituierten Ehepaares kennen; sie lernt da manches, was chr ganz neu war, zum Beispiel ein vernichtendes Schimpfwort, das sie durchaus treffsicher im richtigen Moment aus ihre natürliche Feindin Franca abschießt: das Schimpfwort heißt „Du Verhältnis!" Und zuletzt lernt sie sogar lesen und schreiben, denn siehe, im dritten Akt hat Tito das große Los gezogen: er wird nach Tripolis reisen und seine Bahn bauen, und er wird an Scampolo schreiben, die derweil das Haus hütet und auf ihn wartet, bis er wieder kommt und Scampolo zu seiner kleinen Frau macht. Und Franca? Franca geht, und nimmer kehrt sie wieder.
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Man wird diesen Andeutungen entnehmen können, was aus der Titelrolle zu machen ist, und wenn man sich erinnert, was Geraldine Katt in Filmen wie „Das Mädchen Irene" und „Der Fall Deruga" gespielt hat, kann man sich vorstellen, daß dies eine Paraderolle ist, wie für sie geschrieben. Sie gibt die Scampolo vollkommen natürlich, ein Wesen mit der Naivität eines Kindes, mit dem wachen Instinkt und der Gefühlssicherheil einer
Deutschlands Soldaten rüsten zum zweiten Kriegs- vühnachten. Das deutsche Weihnachtsfest ist ein $?[: der Familie. Stärker als sonst empfindet der Bifoat an diesem Tage die Trennung, inniger als jortt wandern seine Gedanken heimwärts. Stärker ihr auch als sonst empfindet er das Losgelöstsein »re den Banden der engeren Heimat und den Auf- »iL dem er dient. Von den kalten Regionen Nord- jjormegens bis an die Pyrenäengrenze steht das )ätsche Heer Wache; als Hüter der Heimat Mgt es dafür daß die Flammen der von Eng- loii> entzündeten Kriegsfackel nicht auf deutschen B»en schlagen, während die Kameraden der Kriegsmarine und der Luftwaffe täglich, p stündlich ihre harten Schläge gegen die britische zchl führen. Don Narvik bis Biarritz, im Osten eit bei den deutschen Einheiten in Rumänien wer- M am Weihnachtsabend die Lichterbäume er- Irflilcn und deutsche Weihnachtsfreude künden. Ikkr Hunderte, ja Tausende von Kilometern hinweg Mgt der Schimmer dieser zur gleichen Stunde dremenden Kerzen Brücken von Front zur Front Kid oon der Front zur Heimat.
jer deutsche Soldat — mag er in der Weihnachtstatt auf noch so einsamen Posten stehen — weiß, )o| er nicht vergessen ist. Nicht allen kann )Gt Glück so blühen wie den Bunkerbesatzungen lei Westwalls, die am vorjährigen Weihnachts- chkld die unerwartete Freude hatten, den Führer Mr sich zu sehen. Den Führer, der unter ihnen saß wie ein Kamerad unter Kameraden und mit
haben ihre Kameraden, die den Schimmer der Weih- nachtskerzen nicht mehr schauen, ihr Leben gegeben. Um den Fortbestand dieses ewigen V o l k es geht der Kampf, der sie am Weihnachtsabend der Heimat fernhält. Auch dort werden zur gleichen Stunde Tausende und aber Tausende von Kerzen strahlen, Sinnbild des Sieges des Lichts über die Dunkelheit. — In solchem Erlebnis der Weihnachtsnacht finden sich die Herzen aller Deutschen, jener die das Fest als Soldaten feiern und der anderen, die unter dem Schutz der Weihnacht in der Heimat schaffen, ^roni und Heimat ward der Lichterschimmer der Weihnachtsnacyt ver-
Wer unter dem
Für die Feldpost.
— Hans Weis: Die Laterne des Diogenes. Anekdoten aus dem Altertum. Mit Bildern von Hanna Forster. Verlag R. Oldenbourg, München, Preis 2,50 RM. — (180) — Diogenes ist der wahre Vater der Anekdote geworden, der Kurzgeschichte, die nicht nur lachen macht, sondern die auch den Widerhaken des Nachdenkens in sich trägt. Die Freude am gesprochenen Wort, das „attische Salz", die Spitzfindigkeiten der Sophisten waren im griechischen und römischen Altertum ein fruchtbarer Nährboden der Anekdote. Aus dieser reichen Fülle eine Auswahl zu treffen, ist das Verdienst des Herausgebers dieses Büchleins, der in feinen „Lateinischen Sprachspielereien" sich als Meister der Kunst erwiesen hat, das Gehaltvolle und Wesentliche eindeutig herauszustellen.
— Münchener Lesebogen. — Münchener Bilderbogen sind gewiß den meisten unter uns, zum mindesten aus der mittleren und älteren Generation, ein Begriff; vielen werden sich unverwelkliche Kindheitserinnerungen damit verbinden. Neu sind dagegen die Münchener Lesebogen, die der Münchener Verlag Carl Gerber herausgibt; ein hübscher Gedanke: aus dem unendlich großen Vorrat, den die Geschichte des deutschen Geistes darbietet, ganz kleine Kostproben auszuwählen und in anspruchslos-handlicher Form zum billigen Preise von 20 Reichspfennigen je Stück zu vertreiben. Ihrer zwölf zusammen passen in eine kleine, geschmackvolle Kassette. Das Ganze kann man sich selber kaufen zum Lustmachen und Appetitanregen, man kann es besonders gut als eines jener kleinen Geschenke verwenden, die die Freundschaft erhalten, und man kann es vor allem unseren Soldaten ins Feld schicken, wo es Freude, Anregung und Zerstreuung bringen wird; einen einzelnen Lesebogen kann man ohne Umstände bequem in jeden Brief einlegen. — Was gibt es alles? Die folgende zwanglose Auslese mag zeigen, daß man hier für jeden Geschmack und Anspruch etwas finden kann: die großen Monologe von Schiller; Sprüche von Nietzsche; „Ein Sermon an die Mädchen" von Claudius; „Große Leute schreiben an kleine Kinder"; Frühlingsgedichte von Goethe bis Agnes Miegel; Beethoven: An die unsterbliche Geliebte; „Das Tanzlegendchen" von Keller; Musikalische Haus- und Lebensregeln von Schumann; Briefe Bismarcks, Moltkes und Roons über Sedan; „Eine gute Prise Tobakslieder, allen fröhlichen Rauchern gewidmet"; Schnadahüpfln, mit Bildern von Pocci. — Das wird genügen. Man bediene sich. Hans Thyriot.
3ur Heimatgeschichte.
— Wolfgang Müller: Die althessi- schenAemterimKreise Gießen. Geschichte ihrer territorialen Entwicklung mit einem Atlas von sechs Blättern. Verlag N. G. Elwert'sche Buchhandlung in Marburg. Preis gebunden 13,— RM., broschiert 11,— RM. — (151) — Diese in den Schriften des Instituts für aeschichtliche Landeskunde von Hessen und Nassau erschienene Arbeit untersucht die historisch-politische und historisch-rechtliche Entwicklung im Raume des Kreises Gießen, soweit er die althessischen Teile des Kreises,
Gießener Giadttheaier.
Berliner Ensemble-Gastspiel Geraldine Kall.
। tjt junge Schauspielerin Geraldine Katt, die | jlhrd) einige Filmrollen auch in der Provinz bekannt $ne, gastierte gestern bei uns mit einem kleinen fir.uner Ensemble. Das Gastspiel-Stück heißt »kiampolo", Komödie in drei Akten von Dario Hi(cobemi, neubearbeitet von Karl ßerbs, Wvn feinsinnig und witzig pointierender Dialogstil
I to den Neufassungen etlicher Lustspiele von B'lie zugute kam. Die Gattungsbezeichnung Ko- M-e erscheint etwas anspruchsvoll für die liebens«
: JWßige Kette heiterer und stimmungsvoller Dialoge, bii;n man ohne große Spannung, aber mit Ver- ' Pihen zuhört. Niccoderni hat noch ein anderes, iti); minder liebenswürdiges Stück geschrieben, es tzch „Tageszeiten der Liebe" und besteht eigent- üi; nur aus Stimmung und Gespräch. Hier wie ht muß man sich wundern, mit wie geringem and dieser Italiener seine anmutige Unter« | stzltung bestreitet.
I .Scampolo" hat aber theatralisch den „Iages= Ä«n" gegenüber den Vorzug, eine große, dankte Rolle zu besitzen, um die alle oder doch fast Ät Gespräche und Vorgänge kreisen: eben Scam- Wo Scampolo bedeutet das Nestchen, em End- ha Stoff, und ist der Name (Rufname, nicht Taus- I Mr) für ein sehr junges, sehr armes und ganz r>ngsloses Mädchen in Rom. Scampolo ift ■ ,'kde kleine italienische Schwester des Blumenmad- [ Eliza Doolittle in Shaws „Pygmalion . Sie
K nichts anzuziehen oder jedenfalls nicht viel, hat W Geld, aber einen angebissenen Apfel in der ksye, sie lebt von allerlei kleinen Besorgungen y Botengängen, und wo sie am Abend ihren ; ^ichelkopf hinlegen wird, das weiß meistens nur lebe Gott.
I 'Über Scampolo, bei deren Erscheinen man an "»t llien auf dem Felde erinnert wird, hat ein gutes | sfru einen unverbildeten Verstand und ein ofse- wahrheitsliebendes Gemüt. Diese Eigenschaften hm en sehr bald und ganz unverblümt zum Vor- Ivin, als sie einem begabten jungen Ingenieur
der Lumda, umfaßt. Es war der südliche Vorposten des hessischen Territoriums gegen die von Süden andrängenden Kräfte des Erzbistums Mainz und hat diese Stellung in dem jahrhundertelangen Kampf zwischen beiden Mächten behauptet. Aus welchen territorialen Bildungen die hessische Herrschaft erwuchs, wie sie sich politisch und rechllich durchsetzte und sich innerlich organisierte, wird auf Grund sorgfältiger und umfassender Quellenstudien für die einzelnen Gaue, Grafschaften, Hunderschasten, Gerichte und Herrschaften in ihrer Entwicklung durch die Jahrhunderte sehr klar und aufschlußreich für aüe Freunde der oberhessischen Heimatgeschichte dar- gestellt. In einem besonderen Kapitel wird die landgräfliche Verwaltungsorganisation in ihrem Wesen, ihrer Gliederung und Entwicklung gezeigt un£> in einem weiteren Kapitel die Grenzen gegen fremde Territorien sowohl wie die Binnengrenze» der drei behandelten Aemter abgeftetft. Ein Katalog der Beamten, der durchweg bis in das 14. Jahrhundert zurückführt, und einige interessante Urkunden machen die Schrift zu einem besonders wertvollen Beitrag für die Geschichte unserer engeren Heimat. Eine gesondert herausaegebene Karte mit fünf Deckblättern erläutert die Abgrenzung der Gaue, Grafschaften und Zenten, die Rechte fremder Dynasten, den Kirchen- und Klosterbesitz, die Entwicklung der hessischen Landeshoheit und schließlich die Grenzen, Aemter und Gerichte. L.
— Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins, Band 36, für d»s Jahr 1939. Gießen, Verlag von Münchow. Preis 3 RM. — Den neuen Band unserer geschichtlichen Heimatzeitschrift eröffnet der Archiorat des Gesamthauses Solms, Fr. Uhlhorn, mit einem Beitrag über die Bellersheimer Mark, der sich auf die alten Rechnungen der Markgenossenschaft im Braunfelser Ar- chiv stützt. Wir lernen dabei ein Stück bäuerlichen Lebens und Brauchtums kennen, das die Genossenschaft besonders betreute: Die Erhaltung der Befestigung und der Tore, des Kirchturms (als einer Wehranlage), der Stege und Brunnen, die Bau- Holzlieferungen für das Schieß- und das Rathaus. E. E. Becker letzt seine Auszüge aus sämtlichen Urkunden zur Alsfelder Geschichte fort, die besonders für die Familien- und Kulturgeschichte Alsfelds sehr ertragreich sind. Anregend berichtet O. Knauß über die Entwicklung der Schule zu Stangenrod, nicht ohne Humor, wie sich's bei der Schule gehört: Da halten die Lehnheimer, die gern ihren eigenen Lehrer haben, lieber Schule in ihrem Wirtshaus, die Stangenröder aber erklären, sie hätten gegen ihren Lehrer bloß die eine Klage, daß er sonntags immer bei der Verlesung auf die Lehnheimer warte", „welches lang währet und hernach doch keine Lehnheimer kämen". O. Schulte veröffentlicht aus feiner Geschichte Großen-Lindens ausgewählte Kapitel, die nicht nur durch die lebensvolle Schilderung im einzelnen, sondern auch durch allgemeine Bedeutung sich auszeichnen, so über die adligen Familien und ihre Stellung, über das Gericht am Hüttenberg, dessen Stätte hier zum erstenmal richtig bestimmt wird, über das Stadt- und die Feldgerichte und über die Anfänge der Reformation. Zum Schluß führt R. Imme! mit seiner gründlichen Geschichte
der Nadelhölzer im hessischen Walde den Leser hinaus in den heimatlichen Wald. Eine reichhaltige Uebersicht über Bücher und Zeitschriften berichtet über die geschichtlichen Neuerscheinungen. Der Preis von 3 RM. (Mitgliedsbeitrag) ist sehr niedrig.
Deutsche Erzähler.
— Bruno Brehm: Die sanfte Gewalt. Roman. 425 Seiten. Leinen RM. 6,50. Verlag R. Piper & Co., München, 1940. — (237) — Wer etwa von Brehm nur die Weltkriegstrilogie kennt, die seinen Namen berühmt gemacht und ihm den Nationalen Buchpreis 1939 eingetragen hat, wird vielleicht überrascht sein, wenn er danach ohne llebergang dieses neue Buch kennenlernt; aber wer den Dichter vor einiger Zeit hier lesen hörte, wird schon bei dieser persönlichen Begegnung erfahren haben, wieviel Heiterkeit auch und Anmut Brehms Romanphantasie auszustrahlen vermag. Das einzige, was — allerdings ein Wesensmerkmal hier wie dort — den neuen Roman mit jenen Büchern vom Schicksal und Untergang der habsburgischen Monarchie verbindet, ist die verschollene österreichische Wett und das eigentümliche Weltgefühl des österreichischen Menschen; im Roman vornehmlich, immer wieder überwältigend, der schwer zu beschreibende Zauber des Donaulandes und seiner Residenz lange vor dem großen Kriege, die unvergleichliche Grazie seiner Menschen, seiner Sprache und seiner Landschaft, ein wenig auch von Glanz und Glorie altösterreichischen Soldatentums. Man merkt auch an diesem Buche, daß Brehm früher Offizier war: ein Außenstehender hätte kaum dieses bis in unscheinbare Einzelheiten reichende Wissen aufgebracht, die Witterung für die geheimsten Regungen seiner Gestalten, die aus eigener Erfahrung und persönlichem Erlebnis kommende Einsicht in Zustände und Zusammenhänge; nur wer selbst einmal Offizier im alten Oesterreich war, konnte diese zwischen blutigem Ernst und strahlender, zuletzt in wienerischer Laune überschäumender Heiterkeit mit behutsamer Hand in der Schwebe gehaltene Offiziersgeschichte erzählen. Zwei von Äugend auf eng befreundete, aber sehr wesensverschiedene Oberleutnants und die beiden von ihnen geliebten jungen Damen sind die Hauptpersonen und Vordergrundgestalten des Romans, und aus ihren wunderlich, traurig, heiter und rührend zugleich sich überschneidenden und wandelnden Beziehungen bilden sich die Grundlinien der Fabel. Wohl nur einem Oesterreicher konnte eine so völlig lustspielhaft-spielerische Lösung unheilbar scheinender Verwirrung und Verstrickung einfallen; sicher aber konnte auch nur ein Mann wie Brehm hinter aller improvisatorischen Leichtigkeit der Doppelhandlung in diesem Liebes- und Freundschafts- roman das Bild einer Zeit, eines Staates und eines ganzen Volkes bald sichtbar werden, bald nur leise durchschimmern lassen. — Der Roman von der sanften und verwandelnden Gewalt der Liebe ist ein schönes, anmutiges, mit Freuden zu lesendes und auch vorzulesendes Buch. Hans Thyriot
— Johannes Moy: Das Kugelfpiel. Erzählungen. 180 Seiten. In Leinen RM. 3,80. Im Insel-Verlag zu Leipzig, 1940. — (239) — Der Insel-Verlag nennt einen zuvor unbekannten Namen und stellt einen neuen Erzähler vor. Die zw llf Prosastücke, die in diesem Bande vereinigt wurden, sind sehr verschieden nach Umfang, Inhalt und Form; unter dem Sammelbegriff der Erzählung baut sich -eine Skala vor dem Leser auf, die vom einfachen, kaum kunstmäßig gesteigerten oder pointierten Bericht und der schlichten Betrachtung über die Anekdote bis zur echten Novelle führt Das tägliche, menschliche Dasein zwischen Leben und Tod, zwischen Abenteuer und Schicksal, zwischen Frühe und Reife liefert diesem Erzähler (wie allen, die solchen Ehrennamen verdienen) Anlaß und Anregung, Rohstoff und Fabel. Ein klarer, vielfach erfreulich knapper Stil und der Blick für das Ungewöhnliche im Alltäglichen, für das im Sinne des Erzählers Erregende und Unwiederholbare geben, wie uns scheint, diesem Erstling Gesicht und Charakter. Man wird nach der Lektüre des vom Insel-Verlage wie immer höchst nobel ausgestatteten Bandes neugierig sein zu erfahren, wie sich Moys Begabung an einem großen epischen Thema bewähren wird. Hans Thyriot.
hnn sprach, wie sich Kameraden erzählen. In die- k ien wenigen Soldaten kam der Oberste Befehls- iat?r zu allen Kameraden der großen deutschen »Mrmacht Zu ihnen allen sprach er von den Kriegs - ochnachten des Weltkrieges und vom letzten Sinn
res Kampfes, und so berichtete einer, der es inilrlebte — feine Worte brannten wie Feuer. M an diesem Abend heißer in der Seele dieser Iteiner brannte, war d i e Flamme der Ka- ne'adschaft Sie schenkt den Männern im I Wien Rock zu jeder Stunde, ganz besonders am Mhnachtsabend das Bewußtsein der Geborgen- ||M in der großen Gemeinschaft der wehrhaften I Impfer. Diese Kameradschaft hilft nicht nur über
)ic Trennung von der Familie hinweg, sie gibt noch mir, und es gibt Fälle genug, in denen Feld- olhten die Weihnachtsfeier im Kameradschafts- Ireic dem Heimaturlaub vorzogen.
| ‘larum freilich will der Soldat nicht die ?i be der Heimat vermissen. Soldaten- id: geht wie jede kernige Liebe zu ihrem Teil I jitir durch den Maaen, und sicher wird aus der ijeinat auch in diesem Jahre manches nahrhafte
| Mchen die lange Reise mit der Feldpost antreten, llnlebingt nötig ist das freilich nicht, denn auch die rilläTische Führung weiß um diese Schwäche des skaten und hat entsprechende Vorsorge getrof-
I ifea Wo aber nahrhafte Weihnachtspäckchen die Reife nach draußen antreten, mag die Länge der $ilrt nicht vergessen und der Inhalt so gewählt [ »irden, daß er wohlbehalten ankommt. — Es gibt tie: auch andere Dinge, die ein Soldatenherz am I yiihnachtsabend erfreuen. Zu ihnen zählt nicht pillgt das Buch. Auch das Buch ist Kost und Rilrung; feit jeher zählt es zum geistigen Rüst- Mr des deutschen Volkes. Viele deutsche Männer, bi: sonst im Drange der Arbeit vielleicht niemals biz Ruhe und innere Sammlung erübrigen tonn« tti, um ein tiefschürfendes Buch zur Hand zu nel^ mm, werden nun an den langen Abenden des Cii terquartiers den Weg zu ihm finden. Bücher sitzen darum zu den s ch ö n st e n Weihnachtsgaben tzk, deutschen Volkes für seine Soldaten. Der Wehr- itucjt selbst bleibt es vorbehalten, im Rahmen der Lnppenbetreuungs-Arbeit dafür Sorge zu tragen, M den Soldaten um die Zeit des Festes mit Hille der deutschen Künstler möglichst viel schönste stmsche Kunst geboten wird.
: - ,}as meiste aber zur Verschönerung des Weih- ^tsfestes muß und wird der Soldat selb st Im. Er gestaltet sich seine Feier. Er kann dabei in? dem Reichtum altüberlieferter Sitten und t Hkmche schöpfen, und auch in der letzten Stel-


