Ausgabe 
13.9.1940
 
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4 gebührenfreien Verwarnungen, gegen Radfahrer > mit 39 gebührenpflichtigen und 4 gebührenfreien Verwarnungen, gegen Fußgänger mit 2 Anzeigen und 2 gebührenfreien Verwarnungen.

Aus der engeren Heimat.

Strenge Verdunkelung auch auf dem Lande-

Die dringende Notwendigkeit des Luftschutzes auch auf dem Lande ist von den zuständigen Stellen schon immer betont worden. Wer auf dem Lande nicht recht daran glauben wollte, ist wohl in der letzten Zeit eines andern belehrt worden durch die wahllosen Bombenabwürfe der Briten. Es ist drin­gend notwendig, daß auch auf dem Lande die Ver­dunkelung streng gehandhabt wird. Diese Verdunke­lung muß in feder, selbst der kleinsten und abge­legensten Landgemeinde und in jedem Einzelgehöft peinlich durchgeführt werden. Namentlich jene Per­sonen, die bei Licht Arbeiten im Stall verrichten, haben besonders darauf zu achten, daß aus dem Stallfenster oder aus der Stalltüre keinerlei Licht­schein nach außen fällt. Der einzelne möge beden­ken, daß jede Lichtquelle, auch auf dem Lande, dem Feind als Orientierung dienen und für die Land­bevölkerung Ursache großen Schadens werden kann.

Regimenisappell des ehem. Kes.-Znf.-Regt. 224 in Friedberg. Am vorigen Sonntag fand in Friedberg ein Re­gimentsappell des Referve-Änfantevie-Negiments 224 statt, das bei Ausbruch des Weltkrieges aus thüringischen Stammtruppenteilen zusammengestellt war, dann aber zahlreichen Ersatz aus Hessen-Darm­stadt und Hessen-Nassau bekommen hatte. Etwa 60 Kameraden (darunter zwei Offiziere: Runne und Lind) hatten sich mit chren Familienangehörigen eingefunden. Namens des Kameradschaftsführers begrüßte der stellv. Kameradschaftsführer, Mühlen­besitzer Karl Zimmer aus Oberursel, die alten Regimentsangehörigen und Gäste und gedachte der im Weltkriege und im jetzigen Kriege gefallenen und der inzwischen verstorbenen Kameraden, darunter auch des in Gießen verstorbenen Lt. d. R. Georg Krüger. Der Sprecher der Friedberger Kameraden erinnerte an den Friedberger Regimentsappell im Jahre 1938 und wies darauf hin, daß die 224er stets in Leid und Freud Treue und Kameradschaft gehalten hüten, und viele von chnen wiederum dem Ruf des Führers gefolgt feien uni) noch gerne fol­gen würden. Darauf hielt Kamerad Zimmer einen Vortrag über wichtige Abschnitte der Regi­mentsgeschichte vor 25 Jahren. Seine fesselnden Ausführungen stützten sich auf die amtlichen Be- .richte und Befehle und ließen tiefgründiges Ein­dringen in das Quellenmaterial erkennen. Eine Veröffentlichung würde im Sinne der Kameraden liegen. Anschließend zeigte Kam. Zimmer einen Kameradschaftsfilm über die Friedberger Wieder­sehensfeier im Jahre 1938. Der Oktoberappell fin­det am 13. Oktober in Offenbach a. M. statt. Ld.

Ratsherren-Sitzung in Schotten.

* Sch otte n, 12. September. In der gestrigen Sitzung der Ratsherren wurden die im kom­menden Herbst oorzunehmenüen Straßenbau-, Wegebau- und sonstigen städtischen Arbeiten be­sprochen. Die Pflasterung der Marktstraße wird fortgesetzt, die Pflasterung der Kirchstraße und Ludwigstraße wird vorgesehen. Auch die Erbsen­gasse erhält Pflaster. Zuvor müssen die alten Was­serleitungsrohre ausgewechselt werden. Nach Ein­treffen der neuen Rohre wird mit den Arbeiten begonnen. Der Taubenweg, Wea über Bockzahl, Weg nach dem Haus Hubertus und andere Strecken in der Stadt werden gedeckt. Auch der städtische Friedhof wird eine vollkommene Splitteindeckung erhalten. Der Kindergarten bekommt einen neuen Anstrich. Die Anschaffung einer Großlautsprecher­anlage wird der hohen Kosten wegen gegenwärtig zurückgeftellt, die Einsparung soll dem HJ.-Heim zugute kommen. Dem Walowirtschaftsplan 1941 wird zugestimmt.

Diebe und Hehler festgenommen.

LPD. Mainz, 12. September. Wegen Dieb- tahls und Hehlerei wurden drei Personen e st genommen. Bei dem beschlagnahmten um- angreichen Diebesgut handelt es sich um Auto- ersatz- und Zubehörteile, die der Kriegs­wirtschaft unterliegen. Personen, die in der letzten Zeit derartige Sachen in nicht regulären Geschäf­ten gekauft haben, werden aufgeforüert, sich bei der Mainzer Kriminalpolizei zu melden.

3100 Mark verloren.

* Wetzlar, 12. Sept. Auf einem längeren Wege durch die Stadt verlor ein Angestellter einer Wetz­larer Firma einen braunen Lederbeutel mit dem nicht alltäglichen Inhalt von 510 0 R M. Wer der Finder ist und ob er sich gemeldet hat, ist bis jetzt noch nicht bekannt.

Arankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a. M., 12. Sept. Es notierten je 50 kg Lebendgewicht in RM.: Ochsen a) 45 bis 46,5,

b) 41,5 bis 42,5, c) 36 bis 37,5, Bullen a) 43 bis 44,5, b) 39,5 bis 40,5, c) 35,5, Kühe a) 43 bis 44,5, b) 39 bis 40,5, c) 32 bis 34,5, d) 20 bis 25, Für- sen a) 42,5 bis 45,5, b) 40 bis 41,5, c) ß4 bis 36,5, d) 27 bis 28, Kälber a) 65 bis 70, b) 57 bis 59, c) 48 bis 50, d) 35 bis 40, Hümmel b2) Weidemaft- hämmel 48 bis 51, c) 42 bis 44, Schafe a) 44, b) 38 bis 40, c) 15 bis 32, Schweine a) 58, bl) 58, b2) 58, c) 57, d) 54, e) 52, gl) Sauen 58. Markt­verlauf: Alles zugeteilt.

Zugendfußball der Gp.-Vg. 1900.

Die 1. Jugendmannfchaft der Blauweißen trägt am kommenden Sonntag ein Freundschaftsspiel ge­gen die 1. Jugendmannschaft des Sportvereins Teutonia" Watzenborn-Steinoerg aus. Die Blau­weißen, die zur Zeit über eine starke Jugendmann­schaft verfügen, treffen auf eine technisch ausge­zeichnete Mannschaft, die schwer zu schlagen ist. Da mit einem spannenden Kampf zu rechnen ist, der erst mit dem Schlußpfiff des Schiedsrichters ent­schieden sein wird, ist eine Vorhersage über den Spielausgang schlecht zu treffen.

Die 2. Jugend ist spielfrei.

Wieder gegen Italiens Leichtathleten.

3. Leichtalhlelik-Länderkamps Deutschland Italien in Turin.

. Am Samstag und Sonntag ist Turin der Schau­platz dieses neuen Treffens, bei dem die Italiener versuchen werden, ein günstigeres Ergebnis als an­fangs August auf deutschem Boden zu erzielen. Die Italiener haben sich durch einige Spezialkurse auf den Kamps-gegen Deutschland besonders sorgfältig vorbereitet, anderseits kommt Deutschland mit sei­nen bewährten Athleten, die erst am vergangenen Wochenende in Helsinki neuen Ruhm einheimsten. In Stuttgart gewannen dieazzurri von 19 Wettbewerben nur drei, das Punktergebnis lau­tete 104:74 zugunsten Deutschlands. Diesmal dürfte das Ende wohl etwas knapper sein, aber an einem deutschen Gesamtsieg ist kaum zu zweifeln. Höhe­punkte der Turiner Begegnung werden auch dies­mal die Kämpfe zwischen Harbig und Lanzi über 400 und 800 Meter sein. Folgende Mannschaf­ten sind gemeldet:

100 Meter: Mellerowicz, Kersch (Deutschland); Monti, Gritti (Italien). 200 Meter: Mellerowicz, Scheuring (D.); Monti, Gonellf (I.). 400 Meter: Harbig, Wieland (D.); Lanzi, Ferrassutt (I). 800 Meter: Harbig, Brandscheit CD.); Lanzi, Do- rescenzi, Donnini (§.). 1500 Meter: Kaindl, Gie­sen CD.); Bertocchi, Colombo, Vitale (I.). 5000 Meter: Eitel, Eberlein CD.); Beoiacqua, Mastro- ienni (I.). 10 000 Meter: Syring, Haushofer (D.); Beviacqua, Bianchi (I.). 110-Meter-Hür­den: Becker, Leitner (D.); Caldana, Eritale (I.). 400-Meter-Hürden: Dr. Mayr, Brand (D.); Co» lautti, Fantone (I.). Weitsprung: König, Luther CD.); Maffei, Pederzani (I.). Hvchsprung: Nacke, Schlegel CD.); Campagner, Donadoni (I.). Drei­sprung: Gleim. Mähnert (D.); Bettaglio, Pieracei (I.). Stabhochsprung: Glötzner, Haunzwickel CD.); Boscutti, Romeo (I.). Kugelstoßen: Trippe, Bongen CD.); Bertocchi, Pro fett (I.). Diskus­werfen: Trippe, Wotapek CD.); Biancani, Confo- lini, Oberweger (I.). Speerwerfen: Berg, Loose (D.); Rossi, Fucafsina (I). Hammerwerfen: Storch, Mask (D.); Cantacalli, Taddia (I.). 4X100 - Meter: Bönecke - Mellerowicz - Scheuring - Kersch CD.); Mari am-Grittt-Gonelli-Monti (I.). 4X 400-Meter: Ahrens Linnhoff - Wieland - Harbig CD.); Donnini-Ferrassutt-Missoni-Lanz'i (I.).

Fußboll-Länderkampf Slowakei Deutschland.

In Preßburg tritt am nächsten Sonntag die deut­sche Fußball-Nationalmannschaft zum dritten Lün- derkampf gegen die Slowakei an. Bei der ersten deutsch-slowakischen Begegnung in Preßburg gab es einen überraschenden 2:0-Sieg der Gastgeber, die dann im Rückspiel in Chemnitz mit 3:1 geschla­gen wurden. Diesmal steht eine starke deutsche Elf im Feld, der u. a. Janes, Hahnemann und Conen angehören; da wird natürlich ein deutscher Sieg erwartet.

Schiedsrichter fft der Italiener S c a r p i, der es mit folgenden Spielern zu tum haben wird:

Deutschland: Jahn (Berliner SV. 92) oder Zöhrer (Austria Wien); Janes (Fortuna Düssel­dorf), Moog (Eintracht Frankfuit) oder Billmann (Nürnberg); Zwolanowski (Fortuna Düsseldorf), Dzur (Dresdner SC.), Männer (Hanvoer 96); Eppenhoff (Schalke 04), Hahnemann (Admira Wien), Conen (Stuttgarter Kickers), Riegler (FC. Wien), Jelinek (Wiener SC.) oder Durek (FC. Wien).

Slowakei: Reimann (Sparta Waagbystritz); Vanak, Rado (beeide SK. Preßburg); Kovac, Po- rubski, Chodak (alle SK. Preßburg); Bolcek (Tyr- nau), Bielek (SK. Sillein), Földes, Arpas, Luknar (alle SK. Preßburg).

Eibelshausen LandgrafPhilipp-Denkmal Hirzenhain Nanzenbach Dillenburg.

Wir fahren mit dem Frühzug über Dillenburg nach Eibelshausen und gehen von hier auf guter Landstraße, unterwegs hübsche Blicke ins Dietz- höztal ußd auf die es begrenze»Len Berge ge­nießend, nach Simmersbach,'um von hier am Ende des Dorfes nach links hochzusteigen. Bald erreichen wir am Ostabhang des aussichtsreichen Staffelböll die Philippsbuche und das Landgraf-Philipp-Denk- mal, die beide der Erinnerung an die aus fünf­jähriger Gefangenschaft erfolgte Rückkehr Philipps des Großmütigen dienen. Weit schweift von hier oben der Blick über die Höhen des Schelder Wal­des und nach den Hinterländer Bergen. Das Dorf rechts lassend, steigen wir abwärts und treffen im Tal weiße liegende Kreuze, die uns durch Wald und Heide nach dem 530 Meter hoch liegenden Hirzenhain, bekannt durch seinen Segelflugplatz, führen. Der weitere Weg bringt uns durch das enge, reizende Wiefentälchen des Merbachs nach dem schön gelegenen Nanzenbach und hierauf durch das anmutige, vielfach gewundene Nanzenbachtal nach unserem Endziel Dillenburg. Die Wanderung erfordert 4Vz Stunden.

Abrudern der &Ji&.

Die Frauenabteilung der Gießener Ruder-Gesell­schaft hielt dieser Tage anläßlich ihres zehnjährigen Bestehens sie ist am 25.5.1930 gegründet wor­den eine schlichte Feier ab. Dabei gab der Ver­einsführer, Studienrat Scharmann, einen Rück­blick auf die Entwicklung der Frauenabteilung und ihre wechselnden Erfolge. Er^röürdigte die Verdienste der Abteilungsleiterinnen, die es immer wieder ver­standen hatten, die weibliche Jugend für den Ruder­sport zu begeistern. Heute umfaßt die Frauenabtei­lung 40 Mitglieder. Den beiden Mitgliedern, die bei der Gründung vor 10 Jahren schon dabei waren, Frau Dr. med. Kalbfleisch und Frl. Toni Geilfuß, überreichte der Vorsitzende je ein Bild vom Bootshaus mit einer entsprechenden Widmung für die der GRG. bewiesene Treue.

Die GRG. wird am kommenden Sonntag eine interne Jugendregatta durchführen, die als Ab­rudern gilt. Dabei werden 7 Rennen ausgefahren, ein Doppelzweier, ein Einer, vier Vierer und ein Achter. Als Rahmenveranstaltung wird ein Wett- rudern zwischen einem Achter der setzt in der Hebung gebliebenen Jugend gegen einen solchen von älteren Rennruderern, die sich im Urlaub befinden, und vor­aussichtlich ein Vierer mit beschränkter Schlagzahl der Frauen ausgefahren. Mit der Regatta wird ein Appell der Jugend verbunden sein, die dabei durch den Vereinsführer für die Beteiligung an der Sammlung für das Kriegs-WHW. am 21. und 22. September verpflichtet wird.

Beginn der Meisterschaftsspiele im Handball.

Es war ursprünglich vorgesehen, die Meister- chaftsspiele der Bereichsklasse im Handball erst am 29. September zu starten. Inzwischen ist von den zuständigen Stellen die Weisung ergangen, daß bereits am 15. September begonnen werden soll. Der für die Staffel Gießen verantwortliche Staffel­leiter hat fürs erste folgenden Spielplan aufgestellt:

Tv. Lützellinden Tv. Hochelheim, Tv. Katzenfurt To. Kirch-Göns.

Die Mannschaften von Hörnsheim, Garbenheim,. Dornholzhausen und Mtv. Gießen bleiben für an­dere Aufgaben frei.

Wandervorschläge für den Sonntag.

9 Jl.-Sport

Krofdorf Daldhaus Kirchvers Lubach Gladenbach.

Von Krofdorf, wohin wir das Postauto benutzt haben, führen uns blaue Stricke durch das liebliche waldumsäumte Fohnbachtal aufwärts am Forfchaus Waldhaus vorbei durch schönen Waldbestand, an dessen Ausgang sich eine prächtige Aussicht er­schließt, nach Kirchvers. Wir durchschreiten das breite Verstal, nunmehr roten Punkten folgend, kommen an Altenoers vorüber durch Rollshausen, hierauf durch das enge Tälchen der Subach zwischen Treis­berg und Lohrer Kopf nach Mornshausen an der Salzböde. Hier treffen wir rote Kreuze, die uns auf den Kirchberg führen, von dessen Adolf-Hitler- Turm wir einen entzückenden Rundblick genießen. Wir sehen u. a. den Dünsberg, die Koppe, den Treisberg, die Alberge mit dem Hünstein, den Burgwald, Amöneburg, Frauenberg und Lollarer Kopf. Namentlich fesselt der Blick auf das am Fuße des Berges ungemein reizvoll liegende Städtchen Gladenbach, das wir alsbald auf mehrfach gewun­denem Wege erreichen, um von hier über Nieder- Walgern heimzufahren. Wanderzeit 4Vt Stunden.

Es fft naturgemäß schwer, zu Beginn über die Aussichten der Teilnehmer zu sprechen. Zwar fft der überwiegende Teil aus den zurückliegenden Rundenfpielen bekannt und deshalb auch ohne wei­teres in irgendeiner Form zu bewerten. Vollkom­men neu ist aber die Spitzenmannschaft des Krei­ses Friedberg, der Tv. Kirch-Göns, der seit langer Zeit erstmalig wieder in das Spielgeschehen der höchsten Klasse eingreift. Es kann angenommen werden, daß sie solides Können mitbringt und manche unserer heimischen Mannschaften vor schwere Aufgaben stellen wird. Katzenfurt, das den Auftakt macht, wird es nicht leicht haben, gleichen Schritt zu halten. Die Mannschaft muß, wenn sie einigermaßen günstig abschneiden will, sich svfort entsprechend einstellen und darf sich unter keinen Umständen abwartend verhalten.

Am Samstagabend stehen sich bereits in lützel- linden und Hochelheim zwei alte Bekannte gegen­über, 'die oft schon mit wechselndem Erfolg mitein­ander gekämpft haben. Sie werden sich auch dies­mal wieder ein schönes Spiel liefern.

Handballwerbeturnier in Hochelheim.

Zum erstenmal Fraueuhandball im Bezirk Gießen.

Eine Veranstaltung, wie sie in derartigem Um­fange noch nicht zum Austrag kam, bringt der Tv. Hochelheim zur Durchführung. Durch Vermittlung des Bezirksfachwarts treffen sich in Hochelheim die Mannschaften aus Hörnsheim, Garbenhsim, Dorn­holzhausen, Grüningen, Lang-Göns und Duten­hofen, also mit die fpielstärksten Einheiten des Be­zirks. Die Veranstaltung soll vor allem einen Ein­blick in die tatsächliche Spielstärke der Spitzenmann­schaften vermitteln. Keiner würdigeren Gemein­schaft als aera'de dem Tv. Hochelheim konnte eine derartige Leistungsschau übertragen werden. Es wäre müßig, heute schon Untersuchungen über den vermutlichen Turniersieger anzustellen. Gewinnen kann nur d i e Mannschaft, die die Eigenarten eines Kurzturniers beherrscht und die es versteht, sich sofort mit ihrer ganzen Stärke einzuschalten.

Mit dem Turnier verbunden fft das erstmalige Auftreten von drei Frauenmannschaften (Hochel­heim, Dutenhofen und Lang-Göns), die, wenn es sich auch noch um die ersten Anfänge handelt, zwei­fellos zur Bereicherung der Veranstaltung beitragen.

Roman von Helene Kalisch

Copyright 1939 by Prometheus -Verlag Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München

21. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

11. Kapitel.

Der letzte Besuch Dietmuthe Röhls bedeutet für Hans Bergholz den Dammbruch seiner Hemmungen. Er läuft in fast alle Vorstellungen, in denen sie singt.

Immer kommt beim ersten Ton ihrer Stimme die selige Entspannung über ihn. Er taucht in die kristall­klare Flut ihres Gesanges und saugt mit allen Poren, mit jedem Nerv unendliche Süßigkeit in sich hinein, verliert sich ganz darin, wie der Opiumraucher in den Wonnen seines Rausches. Rausch ist ihm ihr Gesang. Oft meint er ihre Stimme am meisten zu lieben. Sie ist es, die ihn für kurze Zeitspannen restlose Beglückung schenkt und ihn vorübergehend über ande­res Begehren hoch erhebt. Dann kann er bittere und beschämende Erkenntnisse vergessen, die sich ihm in schlimmen Stunden aufdrängen.

Er fühlt, Dietmuthe Röhl nimmt ihn nicht ernst. Sie ist daran gewöhnt, daß Männer von ganz an­derer Bedeutung ihr huldigen. Mit ihm treibt sie ein lässig-frivoles Spiel.

Der Bankier Heidenreich bleibt ihm gegenüber kalt und zugeknöpft, behandelt ihn von oben herab. Zu­weilen glaubt er ihm hinter die starre Maske zu sehen und unter der zur Schau getragenen Würde und Gemessenheit, der wortkargen ueberlegenheit eine gewisse Hilflosigkeit zu erkennen. Manchmal kreuzen sich ihre Blicke wie feindliche Klingen. Dieser grauköpfige Geldmann hält es offenbar für stillos, eifersüchtige Regungen zu zeigen Bergholz aber hat ihn in Verdacht, daß er ihn bespitzelt und zwar durch die Springer. Auch die ist käuflich ... Warum sollte sie es nicht sein, wenn eine Dietmuthe es ist?

Das Verhältnis der beiden Frauen zueinander ist undurchsichtig. Die Untergebene und Vertraute hat viel Einfluß auf die launische, verwöhnte Diva, die auch die Springer zuweilen tyrannisiert. Manchmal aber scheint es, als fürchte sie diese.

«Die Person weiß zuviel von der schönen Frau

Schreibenden und denkt über die Bemerkungen nach, die er eben von ihm hörte. Es ist wohl zumeist Ge- » er mag den Zeitungsschreiber nicht. Alle enschen, mit denen er jetzt häufig zusammen ist, sind ihm gleichgültig und lästig. Dennoch muß er sich ihnen zugesellen, weil sie in einem lockeren Verkehr mit Dietmuthe Röhl stehen denn zu einem Alleinsein mit ihr kommt es nicht; zum mindesten ist die Springer in der Nähe.

Sein Unbehagen hat auch darin den Grund, daß sich chm in dem eben Gehörten und seiner eigenen kurz zuvor gemachten Beobachtung eine gewisse Uebereinftimmung zeigen will. In dem schillernden Wesensbilde der Frau, die er hemmungslos be­wundert, wird ein Zug sichtbar, der die Harmonie stört. Dietmuthe geldgierig? ... Dies zu denken, ver­stimmt ihn tief, denn er will keine Ernüchterung. Er will den Rausch! Will ihn, trotz mancher bitteren Er­fahrung.

Er hat begriffen, daß Dietmuthes gelegentliche Einladungen nicht immer ernst zu nehmen sind, und sie sich trotz dieser verleugnen läßt. Oesters tauchen neue Erscheinungen in ihrer Nähe auf und ver­schwinden wieder; es ist ein fortwährender Wechsel der Personen um sie. Sie braucht immer wieder neue Gesichter, die bekannten langweilen sie bald. Er erlebt es mit, wie sie mit strahlender Liebens­würdigkeit Menschen zu sich heranzieht, neue Be­ziehungen knüpft und achtlos wieder löst.

Hundertmal hält er sich vor, daß ihr auch an ihm nicht das Geringste liegt; wünscht manchmal selbst­quälerisch, sie möchte es ihm unmöglich machen, sich weiter in ihrer Nähe zu zeigen. Das zerreibt ihn ja! Immer die zerstreute, oberflächliche Liebenswürdig­keit! Aber zuweilen klingt dann wieder ein Ton bei ihr an, der ihn bis zur Besinnungslosigkeit beglückt und alles vergessen macht. Wie ein Suchen nach Ver­ständnis klingt es darin und manchmal auch wie ein lässiges, spielerisches Sichverschenken.

In diesen Wochen geht er allen häuslichen Aus­einandersetzungen aus dem Wege und hat sich an- gewöhnt, das Abendessen allein in seinem kleinen Arbeitszimmer einzunehmen. Wenn er daheim ist, verbringt er auch dort den Abend bei seinen Schreib­arbeiten. Er hat zu seiner Entlastung einen jungen Assistenten angenommen und geht auch öfters am Tage fort

Bergholz weiß, daß von feiten seiner Schwieger- kllern auf Erna eingeredet wird, ins. Etternhaus

zuruckzukehren. Er wartet mit zunehmender Nervosi- tät, daß es geschehe. Die letzte Auseinandersetzung mit seinem Schwiegervater bewahrt ihn anscheinend vor unliebsamen und zwecklosen Wiederholungen. Man hat ihm die Tür gewiesen damit bleibt sie für ihn zugesperrt.

Auch Frau Gehrke muß nach verschiedenen vergeb­lichen Versuchen, wieder Frieden zu stiften, ihre Mis­sion als gescheitert ansehen. Es will ihr nur schwer erngehen, daß der Riß unheilbar ist. Ihre Tochter oder sagt:Ich werde doch nicht vor diesem Weibe weichen? ... Ich behaupte meine Rechte! Ich bin seme Frau! Er wartet ja nur darauf, daß ich das

«V? verlasse, aber den Gefallen tue ich ihm nicht" Als Erna auf diesem Standpunkt beharrt, unter­nimmt Frau Gehrke nochmals einen Versuch, den Zerfall der Ehe aufzuhalten. Bergholz bemeiftert nur mühsam seine Ungeduld bei ihrem törichten Gerede, und muß an sich halten, um nicht grob zu werden. Erna mag tun und lassen, was sie will; mag gehen oder bleiben, ich hindere sie nicht Aber ich verlange, daß man mich in Ruhe läßt!" sagt er sck)ließlich.

Aber Hänschen, wie konntest du dich bloß so o^oern? Wer hätte ahnen können, daß ein so rück- sichtsloser Egoist in dir steckt? ... Aber wohin soll denn das führen? Du mußt doch endlich mal wieder zur Vernunft kommen und das Verhältnis mit dem Frauenzimmer lösen!"

. Er sieht sie wütend an.Ihr seid alle von einem sehr komischen Irrtum befangen. Und auch darüber wie es zwischen Erna und mir geworden ist scheint lt>\ "Eg im unklaren zu sein. Sie selbst hat jedes gute Gefühl für sie bei mir ausgerottet, hat es so lange getrieben, bis ... nun, sie hat den Teufel

9ema.^- Jetzt ist daran nichts zu ändern, und ich habe es satt, darüber zu reden. Aber ich w ederhole noch einmal, und du kannst es an Eides Statt nehmen , setzt er sehr bestimmt und jedes Wort betonend hmzu:Es besteht zwischen Frau Röhl mJ$t pos, was du eben mit dem Worte ^rhaltnis bezeichnetest! Ich verehre und bewundere sie als Künstlerin und als schone, intereffante Frau, oon beren Persönlichkeit ihr eine unzureichende und fa fdje Vorstellung habt. Ich genieße den Vorzug, öfters mit ihr im Kreise ihrer anderen Bekannten zusammenzusem, sehe sie häufig und gern auf der

olles. Und ietzt mochte ich endlich zum letztenmal darüber gesprochen haben!"

(Fortsetzung folgt)

mit der unzerstörbaren Jugend", sagt einmal zu ihm "'ittor Bock, den er öfters in dem Kreise derer um

etmuthe trifft. Sie sitzen zusammen im Hinter- inde eines kleinen Zimmers, das einen Durchgang zwischen zwei größeren Räumen bildet, zu denen die Flügeltüren offenstehen. In einem drehen sich Paare zur Radio-Tanzmusik, in dem anderen wird gespielt.

Doktor Bock schreibt beim Licht einer Stehlampe an einem Artikel für seine Zeitung. Ohne von den Blättern aufzusehen, fährt er fort:Die Röhl hat ein bewegtes Leben hinter sich, das wiederholt zu Entscheidungen vor den Richtern mit Eiden und der­gleichen führte. Da wurzelt wahrscheinlich die Macht der Springer, der fischäugigen Schleicherin. Sie soll erst die Festung sturmreif gemacht haben, die der Bankier Heidenreich lange vergebens belagerte. Dem Alten wird diese Freundschaft teuer. Na, er kann sich's leisten. Geheiratet kann nämlich nicht werden, denn die letzte, sehr abenteuerliche Ehe der Röhl soll nicht geschieden sein. Aber schließlich wird auch sie daran denken müssen, sich für die Zukunft zu sichern, wenn sie sich auch vielleicht noch eine Weile ihren Glanz zu erhalten weiß ..."

Bergholz lehnt sich zurück und blickt zum Neben- raum hin. Er kann oon seinem Platz aus einen Licht­widerschein in Dietmuthes Haar schimmern sehen und er will auch jetzt nichts weiter oon ihr sehen. Er hat lange drüben gestanden und in das Gesicht unter dem schimmernden Haar geblickt. Dietmuthe hat ihm gegenüber getan, als fei die Einladung in dieses Haus eine ihm bezeigte besondere Gunst. Jetzt beachtet sie ihn nicht. Mit heißem Gesicht und flackern­den Augen sitzt sie seit Stunden beim Spiel. Eine Hast ist in den weißen Händen, die Geldscheine heran­ziehen ober wegschieben. Für ihn hat biefes blöbe Glücksspiel nicht ben geringsten Reiz.

Heidenreich sitzt auch am Spieltisch; er hält die Bank. Sein Gesicht ist starr und unbeweglich wie immer, aber Bergholz hat gesehen, wie er sich mehr­mals mit dem Taschentuch die Stirn wischte. Einmal trafen sich dabei des Bankiers und feine Blicke, und mit dem diesem Gesicht eigenen Zucken eines Mund­winkels erschien und schwand ein Lächeln darin ein Bergholz verächtlich dünkendes Lächeln.Alter Narr!" sagte er da vor sich hin.Narren sind wir beide; aber du bist der größere."

Kurz danach hat er sich abgewandt und sich zu Doktor Bock in bas kleine Durchgangszimmer gesetzt. Jetzt starrt er auf den dünnhaarigen Scheitel des