Nr. 217 Zweiter Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
8reitag. iS September 194(0
h.
Aktuelles vom Lustschuh
To-
Ge-
ver-
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Dornotizen.
Tageskalender für Freitag.
keine Punkte mehr, so können die auf dieser ersten Kleiderkarte etwa noch vorhandenen Bezugsnachweise für Strümpfe nicht mehr verwendet werden. Jedoch ist eine Verwendung der Bezugsnachweise für Strümpfe der ersten Kleiderkarte dann noch zulässig, wenn wenigstens noch einige Punkte auf der ersten Kleiderkarte vorhanden sind, die in Verbindung mit Punkten der zweiten Kleiderkarte für den Bezug von Strümpfen verwendet werden.
ZumTodevon HermannGiehr
Hermann Stehr, der soeben in seinem 77. Lebensjahr von uns gegangen ist, hat erst gegen Ende seines Lebens die ihm gebührende Anerkennung gefunden, die sich in der Verleihung des Goetheprsises 1933, des Adlerschildes des Reiches 1934 und zahlreichen anderen Ehrungen ausdrückte. Wohl hat eine kleine Schar schon jahrzehntelang vorher zu ihm gestanden, eine Schar, die fühlte, daß dieser Dichter einer der großen Seher und Deuter des Geheimnisses des Alls und besonders des deutschen Kosmos war. Aber der großen Menge der Zeitgenossen, die ganz in der indioidualistisch- psychologischen Zustandsschilderung befangen waren, war Stehrs Kunst viel zu schwer und zu problematisch. Er gehörte zu den Seltenen, die weniger für die eigene Zeit geschaffen haben, sondern über die Zeit hinweg ihr Wort an eine Zukunst nchteten, mit der sie bereits verbunden waren. Aber Stehr durfte es erleben, diese Zukunft noch Gegenwart werden zu sehen. Die heutige Generation hat den Ewigkeitswert in Stehrs Dichtungen verstanden.
Der Urgrund, aus dem sein Schaffen erwuchs, ist am schönsten mit den Worten ausgedrückt, mit denen Gerhart Hauptmann 1903 sein ekstatisches Märchen „Das letzte Kind" begrüßte: „Man muß bis in die Zeiten der Gotik zurückgehen, um die Quellen von Stehrs Kunst zu finden. Von der Gotik hat sie den schweren Ernst. Sie hat von ihr das düster und machtvoll Aufstrebende. Es gibt einen breiten Hall in den Blättern seines Buches, wie zwischen Strebepfeilern und unter Gewölben. Es steigt etwas Narkotisches daraus, wie aus geschwungenen Weihrauchfässern, und des Dichters Seele hat die klare Verzückung des zerknirschten Beters, der durch die Gnade zu Gott erhoben wird. Es braust in dem Stchrschen Buche von Seraphschwingen, Glockengeläut und Orgelklang und die Stimmen seliger Knaben schlagen in himmlischer Ekstase gegen besttrnte Kreuzgewölbe ..." Das ist dasselbe Gefühl, das andere Beurteiler an Grünewald denken läßt und das aus der mystischen Grundstimmung seines Wesens erblüht. Stehr ist ein echter deutscher Grübler vom Stamme jener schlesischen Mystiker, denen er blutsverwandt ist, und hat sich zu jenem Urgefuhl der Einsamkeit durchgerungen, Vie es von Laotse uno
Einzelsragen um die neuen Punkte
Gebrauchte Spinnstoffwaren weiter frei. — Umtausch gestattet. Unerlaubter Vorgriff verboten.
Der Reichsbeauftragte für Kleidung und wandte Gebiete hat eine Anweisung über die zugsnachweise für Strümpfe erlassen. Die Bezugsnachweise für Strümpfe auf der ersten Reichskleiderkarte dürfen danach nur in Verbindung mit Punkten der ersten Reichskleiderkarte zum Bezug von Strümpfen verwendet werden. Hat ein Verbraucher oder eine Verbraucherin auf der ersten Kleiderkarte
Stadttheater: 19.30 Uhr „Der Triumph des bias". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Wiener schichten". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Liebe,
im „Entlaufenen Herz", in dem Triptychon ,Ias letzte Kind" und dem vom schlesischen Rübezahl- Geist durchwehten, tiefsinnig kindlichen Märchen von „Wendelin Heinelt", dem bescheidenen Glücksucher, der die Zufriedenheit in einem Stück trockenen Brotes findet. Das Weltanschauungselement feiner Dichtung mit diesem metaphysisch beseelten Ton zu durchdringen, mußte Stehrs große Aufgabe sein, die ihm nach dem interessanten Versuch der „Drei Nächte" zuerst in dem zweibändigen Roman „Der Heiligenhof" gelang. Die weiteren Werke haben diese Richtung in großartiger Weise fortgesetzt.
Als Stehr den Schauplatz des .Heiligenhofes" nach Westfalen, dem alten Lande der „Spökenkieker" und Gottsucher, verlegte und sich zum erstenmal von der schlesischen Heimaterde entfernte, streifte er das letzte Begrenzte ab, das seiner Kunst noch anhaftete. Dieses Lebens- und Bekenntniswerk Stehrs erhebt sich zu jener reinen, kristallenen, von Wunder und Glanz erfüllten Sphäre, die die Legende und das Märchen besitzen. Nicht immer gelingt es ihm, diesen Ton zu halten. Aber über dem dumpfen Gewirr, das durch viele Seiten schwirrt und gleichsam die dunklere Begleitung angibt, schwingt doch groß und erhaben dieser Glockenton aus Seelentiefen und Himmelshöhen, den angeschla'gen zu haben Stehrs ureigenster Wert ist. Manchmal wohl mag dieser Stehr-Ton schrill, geisterhaft, aufwühlend sein, wie die Glocke, die die letzten Seiten des „Heiligenhofes" durchgellt, aber es ist eine Melodie von einer harten und dunklen Rhythmik, wie wir sie selten vernehmen. Auf dieser innerlichen Durchdringung großer Stoffmassen mit einem persönlichen Weltgefühl beruht Stehrs dichterische Größe wie die jeden echten Dichters. Alles vermag er dieser Ausdruckskunst dienstbar zu machen, die stumme Kreatur ebenso wie die weite Natur. Wie er Tiere sprechen läßt, wie er Berg und Wald, Strauch und Halm mitsingen läßt in der allgemeinen Schöpfungssinfonie, das ist Pantheismus von dichterischer Kraft. Es ist der Hymnus von jenem Wesen Gott-Seele, von dem er sagt: „Er kennt nicht das Mehr oder Weniger, nicht groß und klein, nicht heute, morgen und gestern. Geburt und Tod sind nur Töne seines ewigen Liedes. Der Tanz der Gestirne verursacht Ebbe und Flut: aber er läutert auch unser kleines Herz. Und alles zusammen ist doch nicht mehr als der Hin- und Widergang der Uhr an der Wand tm Hause des Menschen. K.
dumme Mama".
Sladttheater Gießen.
Am heutigen Freitag wird das Lustspiel „Der Triumph des Tobias" von Svend Rindom zum ersten Male aufgeführt. Dieses Werk des dänischen Dichters Rindom hat — nicht nur in Berlin, wo es zur Zeit noch auf dem Spielplan steht — überall in Deutschland ausgezeichnete Aufnahme gefunden und wird zur Bereicherung des Lustspiel-Spielplanes auch in Zukunft beitragen. Die Spielleitung hat der neuverpflichtete Oberspielleiter Han^joachim Büttner. Es wirken mit: Anneliese Garbe, Wal- traut Goettke, Hilde Heinrich, Hilde Kneip, Rose Stirl; Hansjvachim Büttner, Walter Erler, Gert Geiger, Karl Dolck. Bühnenbild: Karl Löffler. Dor- stcllung für die Freitag-Mieter. Die Ehrenkarten der Freitag-Mieter haben Gültigkeit.
Ortszeit für den 14. September.
Sonnenaufgang 6.58 Uhr, Sonnenuntergang 19.42 Uhr. — Monduntergang 4.27 Uhr, Mondaufgang 18.43 Uhr.
Alte und neue Kleiderkarte bei Strumpfkouf.
Aus der Stadl Gießen.
Die Unpünktlichen.
Die Iknpüpktlichen bilden eine Gruppe für sich. Wir können sie schon am frühen Morgen beobachten, wenn sie aus ihrem Hause stürzen, vielleicht noch das halbe Frühstück im Mund, und im Laufschritt ihrer Arbeitsstätte zueilen. Wir kennen sie, wenn ein, Ausflug gemacht werden soll, und wir halb verzweifelt auf dem Bahnsteig auf sie warten müssen. Wenn wir Glück haben, kommen sie noch im letzten Augenblick angerannt, ganz abgehetzt und halb angezogen.
Auch im Theater lernen wir sie kennen, die Unpünktlichen. Mitten im ersten Akt erscheinen sie. Wir müssen uns alle erheben. Endlich sind sie mit viel Geräusch und Stuhlgeklapper auf ihrem Platz gelandet.
Wenn jemand zur festgesetzten Zeit nicht kommt, fühlen sich die andern mit Recht beleidigt. Dadurch wird oft eine Lage geschaffen, die alles andere als erfreulich ist. In solchen mißvergnügten Stunden kann kein guter Entschluß aufkommen. Aergerlich und versttmmt gehen die Bekannten wieder auseinander, nur weil einer nicht pünktlich war.
Es heißt, daß besonders Frauen unpünktlich feien. Das ist eine starke Uebertreibung. Wenn wir gerecht fein wollen, dann können wir z. B. sehen, Daß die in letzter Minute im Laufschritt Kommenden auf Bahnhöfen doch meistens Männer sind.
Wer sich einmal angewöhnt hat, pünttlich zu fein, der weiß genau, welche Zeit er zum Umziehen braucht, wieviel Minuten der Weg beansprucht usw. Er wird immer zur rechten Zeit zur Stelle sein. Wir müssen mit unserer Zeit haushalten. Das können die Unpünktlichen nicht, sie
ten Kraftfahrzeuge.
Oefen und Herde instandsetzen lassen?
Wer die Feuerstätte in seinem Hause nicht in baulichem und brandsicherem Zustande hält, setzt sich der Bestrafung aus. Weiter kann die Brandkasse den Entschädigungsanspruch ablehnen, oder sie kann bei schuldhaftem Verhalten des Mieters biefen für eine an den Hauseigentümer gezahlte Entschädigung ersatzpflichtig machen. Im Interesse der Schadenverhütung und der Wirtschaftlichkeit des Betriebes der Feuerstellen wird daher die Beobachtung folgender Regeln dringend empfohlen: Sachgemäß ausgeführte Ueberholungsarbeiten müssen von einem Ofensetzer so frühzeitig vorgenommen werden, daß das dabei verwendete Material bis zur Heizperiode genügend Zeit zum Anbinden hat und eine Festigkeit erhält, die der Feuerglut lange Widerstand leistet. Wird nach der Reparatur sofort geheizt, so ist eine Dauerhaftigkeit ausgeschlossen. Daher jetzt den Ofensetzer beauftragen! Mindestens einmaliges jährliches Reinigen der Oefen ist dringend nötig, damit der Ruß von den Jnnenwandungen entfernt wird. Dadurch werden an den Ofenwandungen höhere Temperaturen erzielt — man verbraucht weniger Brennstoff und erhält mehr Wärme, spart also Arbeit und Geld.
Kastanien vielseitig verwendbar.
Die Bestrebungen der letzten Jahre, die heimische Pflanzenwelt mehr als. bisher zu intensiverer Ausnutzung für die menschliche Nahrung bzw. für die Versorgung mit wertvollen Rohstoffen heranzuziehen, haben dazu geführt, den großen Wert der Roßkastanie, die in großer Zahl in Deutschland vorhan- den ist, zu erkennen und ihre Fruchte entsprechend auszuwerten. Neben dem Kastanienöl, das sowohl' seiner Zusammensetzung als auch seiner Verwendungsart nach dem Erdnußöl gleicht, und dem Kastanienschrot, der hauptsächlich in den Brennereien und der Nahrungsmittelindustrie als besonders gute und reine Stärke Verwendung finden kann, ist es vor allem der in den Kastanien enthaltene Rohstoff „Saponine" (Sapo = Seife), der geeignet ist, unserer tech- nischen und chemischen Industrie auch diesen bisher in erster Linie aus dem Ausland eingeführten Rohstoff in genügender Menge aus dem Inland zur Verfügung zu stellen. Dieser Rohstoff bildet beim Schütteln in Wasser einen überaus starken und langandauernden Schaum.
Jede Hausfrau kann sich diese Saponine der Kastanien leicht für ihre Zwecke im Haushalt zunutze machen. Nur wenige Kastanien genügen schon, um ein gutes Reinigungsmittel zum Fußbodenscheuern und sogar zum Waschen zu erhalten. Etwa sechs Kastanien, die man ungeschält für dunkle Wäschestücke und geschält für helle Sachen verwendet, zerkleinert man sorgfältig in sehr kleine Stücke und übergießt sie mit 4 Liter weichem Wasser. Diese Mischung läßt man fünf Stunden zugedeckt stehen, um sie bann durch ein Sieb oder einen Beutel zu gießen. Dieses Kastanienwasser wird zum Schluß erhitzt und schäumt und reinigt dann wie richtiges Seifenwasser.
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** 84 Jahre alt. Am morgigen Samstag, 14. September, kann Frau Eharlotte Schäfer, geborene Schwalb, Schottstraße 40 wohnhaft, in körperlicher und'geistiger Frische ihren 84. Geburtstag begehen. Der Jubilarin bringen auch wir unsere herzlichen Glückwünsche bar. >•
** Polizeiliche Maßnahmen gegen Verkehrssünber. In ber Zeit vom 30. August bis 5. September schritt bie Polizei im Bereich ber Pclizeibirektion Gießen (einfchl. bes Polizeiamtes Bab-Nauheim-Friebberg) mit folgenben Maßnah- 1 men gegen Verkehrssünber ein: gegen Kraftfahr- i zeugbesitzer mit 1 gebührenpflichtigen Verwarnung, gegen sonstige Fahrzeugführer mit 19 Anzeigen unb
bleiben, sondern ist durch ärztliche Untersuchung zu treffen. Wer glaubt, seinen Dienst als Selbstschutzkraft nicht mehr versehen zu können, muß sich auf feinem Polizeirevier melden. Dort wird entschieden, ob eine amtsärztliche Untersuchung notwendig ist. Diese Untersuchung sowie etwa notwendige ärMche Atteste sind aus eigenen Mitteln zu bestreiten.
Luflschuhgemeinschaften müssen stets vervollständigt werden.
Durch Umzüge und andere Ereignisse sind vielfach die in der Luftschutzgemeinschcrst eingeteilten Selbst- schutzkräfte nicht mehr vollzählig vorhanden. In ber „Sirene" wird aus Anfrage darauf hingewiesen, daß in diesen Fällen eine Neueinteilung oder Neu- ausbildung von Kräften für die Lufftchutzgemein- schaft erfolgen muß. Verantwortlich für bie Luftschutz gerne inschaft ist der Luftschutzwart. Die Organisation ber einzelnen Luftschutzgemeinschaften wird in gewissen Zeitabständen durch die Dienststellen bes Reichsluftschutzbundes überprüft.
Gaststätten müssen für den Schuh der Gäste sorgen.
In diesen Tagen ist auch der Luftschutz in Gaststätten von aktueller Bedeutung. Der Reichsluftschutzbund teilt in der „Sirene" mit, daß jede Gaststätte für den Schutz ihrer Gäste selbst zu sorgen hat, d. h. für einen eigens für Gäste und Personal be- sttmmten Luftschutzraum, falls der Lustschutzraum des betreffenden Hauses, was meist der Fall fein wird, nicht ausreicht. Gäste bei Fliegeralarm in den nächsten öffentlichen Lustschutzraum zu verweisen, ist nicht gestattet. Oesfentliche Luftschutzräume dienen solchen Straßenpassanten, die den Luftschutzraum ihrer Gemeinschaft nicht mchr recht- zeittg erreichen können.
vS'GmeMasl K W öur® Stenöe
Die kdF.-kindergymnastik (4037V beginnt wieder am Freitag, dem 13. September, von 16 bis 17 Uhr in der Schillerschule, Schillerstraße.
Der Leiter der Fachgruppe Bekleidung, Textil und Leder ber Wirtschaftsaruppe Einzelhandel hat in Anpassung an bie Aenderungen, die sich durch die Einführung der zweiten Reichskleiderkarte ergeben haben, neue, von dem Reichsbeauftragten für Kleidung und verwandte Gebiete gebilligte Richtlinien für die Abgabe von Spinnstoffwaren er- lassen. In ihnen sind auch einige für die Verbraucher wichtige Hinweise enthalten.
Gebrauchte Spinnstoffwaren, d. h. durch längeren Gebrauch abgenutzte, sind von der Bezugscheinpflicht und Kleiderkartenpflicht ausgenommen. Ihr 23er» 'auf an die Verbraucher unterliegt daher keinen Be- schränkungen.
Es ist auch im zweiten Bewirtschaftungsjahr zulässig, daß ein Verbraucher das gonge Jahr über seine Punkte aufspart, etwa um sie erst kurz vor Ablauf der Gültigkeitsdauer der Karte zu Anschaffungen zu verwenden. Den Verkaufsstellen ist es nach wie vor untersagt, die Karteninhaber zu veranlassen, fällige Kartenabschnitte zu nicht unbedingt notwendigen Anschaffungen aufzubrauchen. Auch im zweiten Bewirftchaftungsjahr soll mit den Spinnstoffvorräten sparsam umgegangen werden. Die Reichskleiderkarte soll nur den tatsächlich auftretenden Ergänzungsbedarf des Verbrauchs an Bekleidungsgegenständen sicherstellen.
Es ist ftreng verboten, Abschnitte der Reichskleiderkarte vor dem auf ihnen aufgedruckten Fälligkeitsterminen anzuneymen und dafür den Verbrauchern Ware auszuhändigen. Wie im ersten Bewirft chaf tungs fahr gelten hiervon aber Ausnahmen. Beim Verkauf solcher Waren, die mindestens 40 Punkte erfordern, kann bei der Männerkarte auf 44 besonders gekennzeichnete Abschnitte vor deren
Wer darf bei Fliegeralarm in der Wohnung bleiben?
Die Durchführungsbestimmungen zum Luftschutz- gesetz legen verbindlich fest, daß jeder den Luftschutzraum aufsuchen muß, wenn Fliegeralarm ertönt. Nur notgedrungen ist die Einschränkung gemacht worden, daß Säuglinge, Schwerkranke und andere Personen, die den Luftschutzraum nicht aufsuchen können, in ihrer Wohnung verbleiben dürfen. Es ist nicht zu bestreiten, daß sie damit mehr gefährdet sind als die anderen Hausbewohner. Niemand sollte deshalb diese Möglichkeit großzügig aüsnutzen. Wer schon gezwungenermaßen in der Wohnung bleiben muß, wenn die Sirenen heulen, soll sich, wie der Reichslufftchutzbund mitteilt, über folgendes klar sein: Am gefährlichsten ftt der Aufenthgtt an den Fenstern und in deren Nähe. Splitter und Luftdruck sowie Scherben der Glasscheiben gefährden ihn stärkstens. Man soll auch nicht, soweit möglich, in der Mitte des Zimmers bleiben, weil hier die Tragkraft der Decke am geringsten ist. Man soll vielmehr in der Ecke des Zimmers das Ende des Luftangriffs abwarten, die möglichst weit nach innen liegt. Grundsätzlich ist auch solchen Zimmern der Vorzug zu geben, die an den inneren Umfassungswänden, also an den Brandmauern gelegen sind. Bei einem Volltreffer bleiben diese Stellen des Hauses am ehesten verschont.
Die Altersgrenze im Luftschuhdienst.
An das Präsidium des Reichslufftchutzbundes wandte sich eine über 60 Jahre alle Frau, die erklärte, sie fühle sich kränklich und nicht mehr in der Lage, in ihrem Wohnhause den Luftschutzdienst mitzumachen. Ihre Frage, wer sie von dem Dienst befreie bzw. wo sie sich abmelden müsse, wird vom Präsidium des RLB. in der „Sirene" mit folgenden aufklärenden Feststellungen beantwortet: Gewiß sollen Personen, die infolge ihres Lebensalters oder ihres Gesundheitszustandes ungeeignet erscheinen, zu persönlichen Diensten im Luftschutz nicht herangezogen werden. Die Feststellung aber, ob der einzelne für den in Frage kommenden Einsatz ungeeignet ist, kann nicht seinem Ermessen überlassen
den Veden bis zu Meister Eckhart und Jacob Böhme alle Gottsucher und Naturbeseeler erlebt haben. Aber nicht m dem gedanklichen Ausdruck, sondern in der visionären Gestaltung dieses Erlebnisses liegt seine Größe. In einem wundervollen Gleichnis hat er einmal die völlige Verinnerlichung seiner Menschenschilderung erklärt: „Wenn em Vogel auf der Spitze des äußersten Baumzwelges sitzt, so erlebt er nur die Bewegung dieses Zweiges. Rückt er tiefer hinein auf den Ast, so umfaßt er die Bewegungen von hundert Zweigen und schwankt doch nur wenig. Wählt er aber seinen Platz tm Kronen-Jnnern, hart am Stamm, so erlebt er die Bewegungen des ganzen Baumes und wird selbst nicht mehr erschüttert. Noch mehr wie diesem Vogel geschieht einem Menschen, der bis in die Xieye seiner Seele sinkt." Das ist das Geheimnis der Schöpfung Stehrs, daß er tief in feine Seele hm- abgeftiegen ist und hier das „unbezeichenbare Wesen" gefunden hat, „das wir in uns Seele, außer uns Gott nennen". f ,
Als Naturalist begann er. Als Psychologe unter dem Einfluß Hauptmanns schilderte er schlesische Menschen von dumpfer Schwermut, dämonische Konflikte, die ins Krankhafte hineinragen. Schon hier ein Ringen mit den „dunklen (Bemalten in unserem Herzen und Hirn" xu symbolischer Große sich aufbäumend, aber kein Ausweg, kein Aufblick, tragisches Erliegen, heroisches Untergehen. In dem Eheroman der unverstandenen Frau „Leonore Griebel ill dieser psychologische Realismus am feinsten durchgebildet, entfernt sich aber zugleich am weitesten von seiner Eigenart. Im „Begrabenen Gott" ist das Eheproblem schon viel mehr ms Elementare, Ewige verlegt, zur grausigen Tragik gesteigert. Ueberall bei Stehr öffnet sich, wie es in einer seiner Frühnovellen ausgedrückt ist, „em Spalt in der Wand der Zeit". Die Seele, die der eigentliche Held aller seiner Geschichten ist, reckt sich über da-; Diesseits hinaus ins Unendliche, langt nach Himmel und Sternen, sucht nach Gott und Ewigkeit.
Das Ueberirdische, das Mychftche, das Verklarte, dieser .altdeutsche Zug" des schwärmerischen Aufschwungs über alle Wirklichkeit, dieser eigentliche Stehr-Klang, der in den ersten Novellen und den folgenden Romanen noch verworren und vereinzelt tönt, er entfaltet sich zuerst in seinen „Mythen und Märe n", die vielleicht die reinsten Kunstwerke sind, die er geschaffen, in der volkstümlichen stillen Schlichtheit der „Geschichte pom Rauschen,
„Liebe dumme Mama."
Es ift nicht nur im Film gelegentlich so, daß mit vertauschten Rollen gespielt wird und daß die Kinder es übernehmen müssen, ihre Eltern sicher durchs Leben zu bugsieren. Schönen Frauen, die früh allein gelassen wurden, soll es hin und wieder schwerfallen, den Schmeicheleien netter junger Männer zu widerstehen, auch wenn eine Heranwachsende Tochter ihnen den Maßstab böte, das eigene Alter in jedem Augenblick unwiderlegbar festzustellen. Aber auch für sie kommt die Stunde, wo es auch ihnen nicht mehr länger verborgen bleibt, daß sie nun einmal in die Reihen der Mütter aufgerückt sind, denen es besser ansteht, eine Tochter zu verheiraten, als selbst noch jungen Männern das Herz zu verdrehen. Und dann ist es hübsch anzuschauen, wenn die noch so lebenshungrige „lustige Witwe" sich in dieser neuen Rolle mit so viel Grazie und Her- zenstakt zurechtfindet wie Leopoldine Konstantin in diesem zwar von neuen Ideen nicht gerade übersttömenden, aber reizend gemachten Film, der Luise Ullrich Gelegenheit gibt, sich als rechte Kratz, bürste von einem höchst resoluten, von seiner pädagogischen Aufgabe zutiefst durchdrungenen Töchter- lein auszuweisen, dem man erst, wie es hier geschieht, Friseur und Schneiderin . aufs Zimmer schicken muß, um zu fehen, daß es ein junges Mädchen ist, und noch gar nicht mal ein so Häßliches, wie es selbst bis Dato immer angenommen hat. Und damit fällt dann auch die Maske burschikoser Verkrampfung. Der junge Mann, der zwischen Mutter und Tochter nicht recht ein und aus wußte — hier ist es Hermann T h i m i g, ein sehr flotter und redegewandter Herzensbrecher, dem man den Musteragrarier kaum glauben mag — spürt, nach welcher Seite sein Pendel ausschlägt. Und um alle Komplikationen in Wohlgefallen aufzulösen, findet sich schließlich auch für den Verzicht der „lieben, dummen Mama" die Belohnung. Es scheint, als ob der alte Gutsherr, den Gustav Walüvw mit bezauberndem Eh arme zu einem Kavalier alten Stils macht, an ihr Gefallen gefunden hat und sie glücklich machen wird. Der unglückliche Hoteldirektor hat das Nachsehen, ihn spielt Theo Lingen mit erheiternder Komik. In kleineren Rollen Paul Henckels und Otto Wernicke.
Dr. Fr. W. Lange.
Kraftfahrzeuge mit Tarnscheinwerfern.
Durch bie Verordnung über die Ausrüstung der Kraftfahrzeuge mit Wehrmacht-Tarnscheinwerfern vom 30. Dezember 1939 ist bestimmt worden, daß die von der Verordnung betroffenen Kraftfahrzeuge spätestens am 1. Oktober 1940 mit dem Wehrmacht- Tarnscheinwerfer ausgerüstet sein müssen. Der Reichsverkehrsminister hat nunmehr in Nr. 40 des Reichs-Verkehrs-Blattes, Ausgabe B, bestimmt, daß an Stelle des Wehrmacht-Tarnscheinwerfers auch die Tarnvorrichtung Bauart Bosch verwendet werden darf. Letzteres gilt aber nur für die rotbewinkel-
Fälligkeit vorgegriffen werden. Das gleiche gilt für die zur Herstellung dieser Waren benötigten Stoffe nebst Futter. Ein entsprechender Vorgriff auf 33 Abschnitte ist bei der Frauen-, Knaben- und Mädchenkarte beim Kauf solcher Waren möglich, die mit mindestens 30 Punkten bewertet sind; ebenso kann auf 22 Abschnitte der Kleinkinderkarte für Waren oorgegriffen werden, die mit mindestens 20 Punkten bewertet sind. Auch hier gilt jeweils das gleiche für die zur Herstellung der Waren benötigten Stoffe nebst Futter. Bei der Männerkleiderkarte darf zum Kauf eines Wintermantels ober des dafür benötigten Stoffes nebst Futter ab 1. Dezember 1940 außerdem auf die nicht besonders gekennzeichneten, ab 1. März 1941 gültigen Punkte vorgegriffen werden. Jeder Verbraucher kann aber auch abwarten, bis eine ausreichende Anzahl von Abschnitten seiner Reichskleiderkarte gültig geworden ist, um sodann das benötigte Kleidungsstück ohne Vorgriff zu kaufen.
Der handelsübliche Umtausch verkaufter Waren ist nach wie vor gestattet. Er ist aber wiederum auf Waren gleicher Art und für den Bedarf desselben Karteninhabers beschränkt. Es ist also nicht gestattet, z. B. einen auf Männerkarte eingekauften Artikel gegen einen solchen der Frauenkarte umzutauschen. Das Reservieren von bezugsbefchränkten Waren ist nur gegen Abgabe des Bezugscheins oder gegen Abtrennung der Punkte, die bereits fällig sind, zulässig. Länger als vier Wochen dürfen bezugsbeschränkte Waren nicht zurückgelegt werden.— Söckchen.für Frauen, Knaben und Mädchen bleiben punktpflichtig. Zum Unterschied gegen das erste Bewirtschaftungsjahr wird aoer ftir sie die Abgabe eines Bezugsnachweises (Kontrollabschnitts) nicht mehr verlangt.
verschwenden ihre Zeit.
Pünktlichkeit ist im menschlichen Leben einfach eine Pflicht. Dazu müssen wir die Kinder und — wenn nötig — auch die Erwachsenen erziehen.


