Ausgabe 
13.6.1940
 
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Fußball Werbespiel Mrine-Stadtelf

Aus der engeren Heimat

Sportliches Ereignis auf dem Waldsportplatz.

Schweinemarkt in Homberg.

12. Juni.

Homberg

zahlte für 6 bis 8 Wochen alte Ferkel 25 bis 30

Die ersten Arbeiismaiden in der Schwalm

Aufstellungen Marine:

Jungblut

Hofmann (VfB.-R.)

Kraft

Die Dorfjugend hat sich schon davor versammelt. Auf Bäumen und Zaunpfählen sitzen die Jungens und gucken neugierig hinüber zum Schloß. Unter­dessen gehen die Arbeitsmaiden durch alle Räume, um ihr neues heim er strichtig kennen KU lernen. Zwar sind noch keine Möbel drin und überall sind die Handwerker noch bei der Arbeit, aber doch kann man schon sehen, daß es einmal recht schön und gemütlich werden wird.

Draußen kommt ein Auto vorgefahren. Richtig, es ist der Lastwagen, hochbeladen mit Tischen, Stühlen, Schränken, Strohsäcken und allen$ lichen Geräten. Unermüdlich geht es treppau treppab. Fleißige Hände regen sich überall und bald steht auch kein einziges Stück mehr auf dem großen Wagen. Oben in den Schlafräumen geht nun die Arbeit weiter. Spinde werden eingeräumt und Betten gebaut, es wird gefegt, geräumt und ge­schleppt bis auch nichts mehr im Wege liegt. Als überall Ordnung geschaffen war und der Lastwagen draußen vor der Tür wieder wegfuhr, fanden auch die Mädel Zeit zu verschnaufen.

Da kam auch schon der erste Besuch! Kreisleiter und Landrat wollten die neuen Arbeitsmaiden in der Schwalm begrüßen.Werdet ganze Kerle, au die sich der Führer verlassen kann", sagte der Kreis­leiter am Schluß seiner herzlichen Ansprache zu den Arbeitsmaiden. Und den Gesichtern der Mädel sah man an, daß er nicht zu viel von ihnen erwartet.

Als sie am Abend in ihren Betten lagen, müde von der Reise, der Arbeit und all den neuen Ein­drücken, freuten sie sich doch schon auf den ersten Morgen in der Schwalm.

NM., für 8 bis 10 Wochen alte 28 bis 35 RM. und für 10 bis 12 Wochen alte Ferkel 30 bis 40 RM. Der.Marktoerlauf war sehr lebhaft; es herrschte eine starke Nachfrage.

Frankfurter Getreidebörse.

Frankfurt a. M., 12. Juni. Es notierten in RM.: Wiesenheu, handelsüblich, gesund, trocken, alte Ernte 5,20 bis 5,40, neue Ernte 4,90, do. gut, ge­sund, trocken, alte Ernte 6,20 bis 6,40, neue Ernte 5,80, Ackerheu, gut, gesund, trocken, alte Ernte 7 bis 7,20, neue Ernte 6,50, Kleeheu, gesund, trocken, handelsüblich, alte Ernte 7,20 bis 7,60, neue Ernte 6,90, do. gut, gesund, trocken, alte Ernte 7,80 bis 8, neue Ernte 7,80, Luzerneheu, gesund, trocken, handelsüblich, alte Ernte 7,80 bis 8, neue Ernte 7,20, do. gut, gesund, trocken alte Ernte 8,40 bis 8,60, neue Ernte 7,80. Der Erzeuger erhält außer­dem für das in Erfüllung seiner Ablieferungspflicht gelieferte Heu einen Umlagezuschlag in höhe von 40 Rpf. je Doppelzentner gemäß Anordnung der HB. vom 8.6 1940. Alle übrigen Notierungen waren unverändert. Tendenz: ruhig.

Frankfurter Schlachtviehmarkt.

muß daher von jedem Kahenhalter verlangt werden, daß er die wenigen Tage über, an denen die jungen Singvögel fliegen lernen, die Katzen, besonders nachts, einsperrt. Viele Tausende junger Singvögel bleiben dann am Leben, denn die alten Vögel finden ihre verirrten Sprößlinge bestimmt wieder und brin­gen ihnen die notwendige Nahrung.

Gießener Wochenmarktpreise.

Oas verführerische Kaffee-Liebesgabenpaket.

Zuchthausstrafe für einen Volksschädling.

Mainz, 11. Juni. (Lpd.) Im Sinne der Ver­ordnung gegen Dolksschädlinge wurde von der Mainzer Strafkammer in Alzey der 22jähnge Heinrich Ehr. h o l z m a n n (Alzey) wegen schwerer Amtsunterschlagung, Urkundenunterdruckung und -Vernichtung zu v i e r I a h r e n Z u ch t h a u s und drei Jahren Ehrverlust verurteilt. Seine 18iahrige Braut und deren Mutter wurden wegen Hehlerei an Stelle einer verwirkten Freiheitsstrafe von zwei Mo­naten zu je 120 RM. Geldstrafe verurteilt. Nach sei­nem Eintritt in die Dienste des Postamtes Alzey im Januar 1940 wurde Holzmann in seine Dienst­obliegenheiten als Briefkastenleerer, Zusteller und Abholer der Post an den Zügen eingeweiht. Gleich-

bestände vor jeder Ansteckung zu schützen. Der Reichsnährstand empfiehlt daher zum Schutz gegen die Seucheneinschleppungsgefahr, vor der Einstel­lung der Hilfskräfte deren Arbeitskleidung durch kurzfristiges Aufkochen, die Schuhe und Geräte durch Abwaschen mit Iprozentiger Natronlauge ent­seuchen zu lassen.

Sperrt die Katzen ein.

Mitte Juni werden die Jungen der bei uns brü­

tenden Singvögel flügge und machen in diesen Tagen ihre ersten selbständigen Flugversuche. Meist ge­lingen diese ersten Flüge nicht recht, und mancher junge Vogel erreicht sein Nest nicht wieder, er muß irgendwo in einer Ecke mit neuen Versuchen be­ginnen. Viele der jungen Vögel werden in diesen Tagen das Opfer der Katzen, die ihnen mit List und Tücke nachstellen. Sie jagen die halbflüggen Vögel, bis sie ermatten und sich nicht mehr erheben können.

Vormilitärische Wehrerziehung im ASKK.

* Hungen, 11. Juni. Am Samstag führte der Motor sturm 5/M 147 eine wehrsportliche Ver­anstaltung durch. Die zum Sturm gehörenden Trupps aus Lich, Villingen und Hungen traten in mehreren Gruppen in den Abendstunden an, um die ihnen gestellten Aufgaben zu lösen. Mit Kom­paß und Planzeiger mußten auf der Karte meh­rere Punkte ermittelt werden, die dann im Gelände aufzusuchen waren. Ein Sportplatz bei Nonnen- roth bildete das Endziel dieser geländekundlichen Hebung, die zugleich einer Marschleistung von 20 Kilometer entsprach. Sämtliche Gruppen fanden die durch Kontrollen überwachten Punkte und erreich­ten nach überraschend kurzer Zeit da4 Endziel. Den Abschluß der Veranstaltung bildete ein kamerad­schaftliches Treffen bei Stürmführer Rinker in Nonnenroth, der seine NSKK.-Männer zu den er­zielten guten Leistungen beglückwünschte und mit Nachdruck auf die große Bedeutung der vormilitä­rischen Wehrerziehung im NSKK. während des Krieges hinwies.

Landkreis Gießen.

# Mainzlar, 11. Juni. Unteroffizier Heinrich Weide, zur Zeit bei der kämpfenden Truppe in Frankreich, erhielt dieser Tage das Westwall- Ehrenzeichen mit der dazu gehörigen Ver­leihungsurkunde.

Reihe ausgezeichneter Spieler befand, die sehr auf­einander eingespielt sind und über eine ausgezeich­nete Technik verfügen. Die Gießener hatten es hier nicht leicht, sich zu behaupten, zudem die Stadtelf fast durchweg aus sehr jungen Spielern besteht, deren kaum einer über 19 Jahre alt ist. Trotzdem hielten sie sich sehr gut und lieferten ein durchaus gleichwertiges Spiel, vermochten den Kampf in der ersten Halbzeit völlig offen zu halten und wurden lediglich nach der Pause etwas in die Defensive ge­krängt Die erste klare Torchance hatten die Gäste. Dinges aber hielt den scharfgeschossenen und flach kommenden Ball durch seinen entschlossenen Einsatz. Nachdem auch der gegnerische Tormann Gelegenheit gehabt hatte, sein Können zu beweisen, mußte aber­mals Dinges in kritischer Situation und unter dem Beifall der Zuschauer eingreifen. Die Überraschung brachte dann ein zügiger Durchbruch von Balz, der im entscheidenden Augenblick geschickt zu Hofmann gab. Hofmann schoß entschlossen zum ersten mel- bejubelten Tor ein. Die Musik spielte den ersten Tusch. Aber kaum rollte das Leder wieder, kaum waren 30 Sekunden vergangen, da hatten sich die Gäste durchgespielt, es kam zu einem harten Kampf zwischen Sturm und Verteidigung und aus dem Ge­dränge heraus fiel der Ausgleich, den der Gießener Torwart kaum zu verhindern vermochte. Bald dar­auf kamen wieder die Blau-Weißen zum Zug. Ein Vorstoß und Alleingang auf der linken Seite, der Ball aus dem Lauf ge chossen, brachte das zweite Tor für die Gäste. Die junge Gießener Elf ließ sich aber nicht entmutigen. Noch vor Halbzeit ergriff Balz die Initiative, griff an, gab geschickt zu Kraft ab, der dann den zweiten Treffer für ferne Mann- schäft anbrachte Mit 2:2 Toren wurden die Serien gewechselt.

Die Pausen wurden durch die Musik ausgefüllt, außerdem traten die Gießener Lerchathleten auf den Plan und zeigten im Kugelstoßen, wie spater auch im Hochsprung, ihr Können Die dab er er- zielten Leistungen wurden mit lebhaftem Verfall ausgenommen. _ v .

In unvermindertem Tempo wurde dann der Fußballkampf fortgesetzt. Noch zweimal hatte die Musik Gelegenheit Tusch zu blasen. Ein Tor von den Gästen erzielt, konnte zunächst nicht gewertet werden. Ein verhängter Elfmeterball für dre Blau- Weißen brachte bann der Marineelf mit 3:2 dre Führung. Dinges bekam in der Folge noch manche Gelegenheit einzugreifen, aber auch sein Gegen- über bekam zu tun. Mit einem vierten Tor aus einem Strafstoß erzielt, sicherten sich die Gaste den Sieg. Für die Gießener Stadtelf war das Ergeb­nis, das erzielt wurde, ein schöner Achtungserfolg Das Ergebnis entsprach dem Spielverlauf. Die Marine hatte verdient gewonnen. Beide Mann­schaften zeigten guten Fußball und wenn auch das große kämpferische Element fehlte, das sonst Punkte­kämpfe auszeichnet, so war der gestrige Kampf doch ein schönes Werbespiel, an dem man ferne Freude haben konnte.

Die Marinemannschaft wird in den nächsten Tagen weitere Fußballkämpfe in Heidelberg, Walds- Hut, Nürnberg» Eisenach und Würzburg bestreiten.

Im Anschluß an das Spiel versammelte sich dre Mannschaft der Marine zu einem gemütlichen Gaste- abend im Hause einer Kameradschaft des NSDStB. Der Abend verlief sehr harmonisch. Es wurde Herz- , liche Freundschaft zwischen Soldaten und Studenten : geschlossen.

zeitig erhielt er Kenntnis von den Strafen, die auf Amtsvergehen ruhen. Neben feiner mangelhaften Dienftverrichtung, wegen deren er schon im April entlassen werden sollte, hat der Angeklagte Amts­verbrechen begangen. Ein Liebesgabenpaket aus dem Ausland mit Kaffee hat sich Holzmann an- geeignet und zu feiner Braut gebracht. Den Kaffee verbrauchte die Braut, auch her Mutter war er sehr willkommen. Die Umhüllung des Paketes und das Begleitschreiben hat h. vernichtet. Ebenso hat er sich ein F e l d p o st p ä ck ch e n (einen Irrläufer) angeeignet. Beim Verstecken wurde er beobachtet. Der Angeklagte hat außerdem fortgesetzt Post­sendungen in seine Wohnung gebracht und sie einige Tage liegen lassen, ehe er sie den Emp- fänaern zustellte. Die Strafe mußte um so schwerer aussallen, als sich der Angeklagte dre durch den Kriegszustand verursachten besonderen Verhältnisse für seine Straftaten zunutze machte.

Funk Balz Kraft II. Heeg (VfB.-R.) (1900) (1900) (1900)

Anton Benner (sämtlich VfB.-R.)

Goß (1900) Schlitz (VfB.-R.)

Stadtelf: Dinges (1900)

Als der Ball freigegeben war, war rasch zu er­kennen, daß sich in der Mannschaft der Gäste eine

* G i e ß e n, 13. Juni. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 6 bis 10, aus­ländische Eier 10^, Kartoffeln, 5 kg 48 Rpf., 50 kg 4,15 RM., gelbe Rüben, das Bund 25 Rpf., Romlsch- kohl 15, Spargel 29 bis 63, Tomaten 55, Meer­rettich 70, Rhabarber 10 bis 13, Kirschen 48 bis 67, Stachelbeeren (unreif) 28 bis 30, Erdbeeren 48 bis 87, Salat, das Stück 10 bis 15, Salatgurken 35 bis bis sie ermatten und sich nicht mehr erheben tonnen. 48, DberEoHrabi 15 bis 25, Lauch 5 bis 10, Rettich Dann fallen sie der Katze unrettbar zum Opfer. Es 110 bis 15, Radieschen, das Bund 10 bis 12 Rpf.

an:

Thren

Becker Schwarze

Tsysack Minuty Niytsch

Gemecker Zeidler Forster Schubert

NSG. In der schönen Schwalm wurde das erste Arbeitsdiensllager für die weibliche Jugend errichtet, heute sollen die Arbeitsmaiden in dem kleinen Dorf Loshausen eintreffen und dort das kleine Schlößchen beziehen.

Annelies stand schon lange am Bahnhof und schaute mit blauen Augen nach dem Zug aus, ob oenn nicht endlich die Arbeitsmaiden kommen ivoll- ten, von denen man doch schon überall im Dorf erzählte.

Endlich ist es soweit. Schnaubend und zischend kommt der Zug an. Da springen auch schon aus allen Ecken die Schwälmer Buben und Mädel her­bei, um die Arbeitsmaiden zu begrüßen. Freilich stehen sie jetzt etwas verlegen da, als die Türen aufgehen und 36 frohe Arbeitsmaiden, beladen mit Koffern und Paketen, aus dem Zug Hüpfen. Schnell Stehen sie in Reih' und Glied und nun geht es ingend durchs Dorf in Begleitung aller Kinder. An >en Fenstern und Türen stehen die Bauern, um ihre zukünftigen Helferinnen zu begrüßen.

Erstaunt blicken die Arbeitsmaiden um sich. Sie kennen ja alle die Schwalm schon vom Erzählen her. Als sie nun durch die breite Dorfstraße mit den weißen Fachwerkhäusern gehen, begegnen ihnen Bauern und Bäuerinnen in ihrer schönen alten Tracht, die auf dem Weg zum Feld sind und nun den Mädel freundlich zunicken.

Mitten im Dorf steht das Lager. Es ist ein großes Haus mit einem herrlichen Garten. Die Bauern nennen es einfach das Schloß und somit ist es auch jedem klar, daß es ein ganz besonderes Haus ist, das nun die Arbeitsmaiden beziehen sollen.

Der gestrige Mittwochabend brachte auf dem Waldsportplatz ein schönes sportliches Ereignis. Die Marinemannschaft, die am Vorabend schon auf das herzlichste in Gießen willkommen geheißen worden war, trat gegen eine Stadtelf zu einem Fußball- Werbe spiel an, das die blauen Jungen mit 4:2 Toren gewinnen konnten.

Zu der Veranstaltung hatten sich zahlreiche Gaste eingefunden. Kreisleiter Backhaus und Kreis» arntsleiter Klöß vertraten die Partei, unter den Zuschauern sah man den Landrat Dr. Lotz, Ossi» ziere des Heeres und der Luftwaffe, die Marine- Hitler-Jugend trat in Verbundenheit mit den Kame­raden der aktiven Marine geschlossen und, und chließlich fäuntten auch die vielen Freunde des Fußballsports den schönen Platz. Ein Musrkkorps der Wehrmacht konzertterte.

Herzliche Segrüßung.

Lebhafter Beifall begrüßte die Mannschaften, als sie in das Feld liefen. Die Gäste traten im blau- weißen Dreß an, während die Gießener Mann- chaft im schmucken roten Dreß der Stadtelf ein­liefen. Fußballfachwart Henkel hielt eine kurze Ansprache und gab seiner Freude über das bevor­stehende Spiel Ausdruck. Er sagte, daß es nicht so sehr um Tore gehe, sondern vielmehr um ein Werbespiel, das in kameradschaftlichem Geiste aus- getragen werden soll. Kreisleiter Backhaus hieß die Kameraden von der Wasserkante willkommen, sprach von feiner eigenen engen Verbundenheit mit der Marine und betonte, daß sich auch die Bevölke­rung der Stadt Gießen herzlich über den Besuch freue. Er lenkte sodann die Gedanken auf die Kame­raden, die vor dem Feind stehen und die Wacht hal­ten an den Grenzen, auf Öen) Wasser, wo immer es sei, er betonte aber auch, daß an der inneren Front jeder seine Pflicht erfüllen müsse. Insbeson­dere gehöre dazu auch die sportliche Betätigung, durch die unser Volk wehrfähig erhalten bleiben muß. Zum Zeichen der Verbundenheit und der Erinnerung überreichte Kreisleiter Backhaus dem begleitenden Offizier der Fußballmannschaft ein Bild, das das Gießener Rathaus darftellte. Der Osft- zier dankte im Namen seiner Mannschaft für aast- lichen Empfang und versprach, dem Ehrengeschenk einen würdigen Platz zu geben. Seinerseits über­reichte er dann ein Bild des Schiffes, auf dem die Mannschaft dient. NSRL.-Bezirksführer Stein sprach ebenfalls noch einige herzliche Worte der kameradschaftlichen und sportlichen Verbundenheit und übermittelte sodann jedem Spieler der Gast­mannschaft ein Buch als Erinnerungsgeschenk.

Das Spiel.

Zum Spiel traten die Mannschaften in folgenden

Frankfurt a. M., 12. Juni. Es notierten je 50 kg Lebendgewicht in RM.: Kälber a) 62 bis 65 (gegen 60 bis 65 am 7.6.), b) 54 bis 59 (53 bis

59), c) 45 bis 50 (45 bis 50), d) 30 bis 40 (20 bis

40); hämmel b2) 49 (48 bis 49), c) 30 bis 44 (44);

Schafe a) 42 bis 44 (41 bis 44), b) 36 bis 40 (38),

c) 20 bis 32 (18 bis 32); Schweine a) 56 (56), _______________________________ bl) 56 (56), b2) 56 (56), c) 55 (55), d) 52 (52),

. Homberg, 12. Juni. Der heutige e) 50 (50) gl) Sauen 56 (56). Marktverlauf: Käl- Schweinemarkt war mit 73 Ferkeln besucht. Man ber, Schafe und Schweine zu geteilt.

Keine Spur von HM.

Roman von Lharlotte Kaufmann.

15. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Der schwarze kleine Dampfer, an vielen Stellen verrostet und mit Mennige überstrichen, vermittelte den Austausch der Post und Fracht nach der Stadt. Man konnte auch mit der Bahn nach Rapoll kom­men, aber erst nach einem großen und zeitrauben­den Umweg, dem sich kaum jemand aussetzte.

Mjälln hatte eine Vorliebe für diesen unbekann­ten und verträumten Ort, dem er so geruhsam auf einem schwankenden kleinen Schiff entgegenfuhr. Warum, hätte er nicht sagen können. Vielleicht des­halb, weil er eine romantische Seele hatte, ohne es zu wissen.

Mjölln vergaß, was er vergessen wollte, Arbeit, Alltag. Er träumte. Vergangenes kam in seine Er­innerung. Wünsche stiegen in ihm auf, stille, kleine Sehnsüchte, schemenhaft und kaum greifbar. Sein Gesicht wurde weich und aufgeschlossen, ein zufrie­denes Altmännergesicht, das Frommel, sein Sekre­tär Fromme!, im Augenblick kaum mehr erkannt hätte.

Rapoll war Mjöllns Heimat, hier war er zur Welt gekommen vor neunundfünfzig Jahren.

Die Fahrt dauerte vier Stunden. Als der Kapi­tän des Dampfers, der zugleich Steuermann und Rudergast war, das Rad nach Backbord drehte, lag bereits die Dämmerung mit dichten Nebeln über der See. Der Horizont verschwand in der Unend­lichkeit.

Sie fuhren zwischen den beiden Landzungen hin­durch, hinein in die Mündung des Flusses, an dem Rapoll lag. Weidenbäumchen und gespenstige See­zeichen begrenzten die Fahrtrinne.

Mjölln fror jetzt, aber er achtete nicht darauf. Er sah nach Norden zu der tief ins Meer hineinge­schobenen, einsamen Landzunge, auf der, wie er wußte, Hunderte und Tausende von Möwen niste­ten. Dort war sein Reich gewesen, als er jung war, ein Kind, vor fünfzig Jahren. Im Schatten der hereinbrechenden Dunkelheit schob sich Rapoll am rechten Flußufer heran. Durch das Grau der Nebel leuchteten ein paar bunte Farbflecke« ein Lager-

manchmal, die Fischerboote ober die Insel im Fluß mit der Mühle."

Mjölln schüttelte den Kopf.Die Insel mit der Mühle? Die Buchsbaumhecken vielleicht, die dort herumstehen und so zugestutzt sind, daß man sie fürchten könnte?"

Dem einen gefällt eben dies und dem anderen

1Als ich heute morgen aus dem Fenster sah, bin ich erschrocken vor diesen Buchsbaumhecken. 2/te ganze Insel samt der Mühle und den zwei Pappeln am Ende sieht man von Gryguls Wirtschaft aus wie ein im Fluß schwimmendes Kamel."

Thöt lächelte nachsichtig.Du hast eben viel Phon' tasie. Als Rechtsanwalt braucht man das vielleicht. Ich für mein Teil kann mich nicht erinnern,Je ein schwimmendes Kamel in unserem Fluß gesehen zu haben. Die Maler sind jedenfalls hier. Zumal im Sommer. Wir haben selbst vor zwei Jahren einen beherbergt." , , .

So." Mjölln spitzt den Mund.Wie hat er denn geheißen?"

Gode, hieß er, Stefan Gode."

Mjölln schien enttäuscht zu sein. Er 30$ die Stirn in Falten,hat er auch etwas gemalt?

Manchmal. Solche Künstler haben ja das schon)« Leben."

Was hat er denn gemalt? Vielleicht ein Mäd" eben am Strand?" _ ,

Ich denke, du willst überhaupt nicht an Mal« erinnert werden, und nun interessierst du dich schoN" wie die Bilder sind, die sie malten.

Das kann ich doch." ....

Oh, sicher. Wenn es dir jetzt Spaß macht. £££ grinste. Er fühlte sich außerordentlich wohl bei 0 spitzen Unterhaltung, die er stets so mit MMN 3 führen pflegte. <_

Mjölln wurde ungeduldig.Ich will wysen, 0 dieser Stefan Gode etwa ein lächelndes Maoeye am Strand gemalt hat." Ä

Nein, er hat nur Fischerboote gemalt. Den gelöej Kahn von Jorik zum Beispiel mit seinem rote Segel drauf. Möglichst bunt alles. Ueberyaupt oie- fer ganze Gode war ein denkbar unangenehm. Mensch. Eines Tages ist er verschwunden, bei und Nebel sozusagen, ohne seine neue Adresse an zugeoen, ohne sich beim' Bürgermeister abzumew und ohne das letzte Abendessen zu bezahlen. es sei ihm gegönnt." (Fortsetzung iMW

Haus aus Backstein, drei grün gestrichene Bade­hütten und ein rotes Fischersegel.

Mjölln war in seiner Heimat.

Mit steifen Füßen, in die sich die Kälte vier Stunden lang eingesaugt hatte, ging er an Land. Er fühlte das Kopfsteinvslaster der alten Stadt durch seine Schuhsohlen hindurch, als er zu Gry­guls Wirtschaft hinaufging. Seine Nase war ge­rötet, und der Atem ballte sich zu Wolken vor sei­nem Mund. Es war nun sehr falt am Abend, und Mjölln freute sich auf Gryguls Bauernstube, auf ein Glas Grog und ein ordentliches Abendessen.

Grygul war baß erstaunt, als er Mjölln in die Stube kommen sah.

Doktor Mjölln!" rief er.Was ist los? Wo kommen Sie her? Mitten im Winter? Sie sind doch nicht etwa krank, mein lieber Doktor?" Und noch ehe Mjölln recht die Tür hinter sich zugemacht hatte, war er schon aus seinem Mantel geschält und hinter den Ofen geschoben worden.

hm." Mjölln stieß einen behaglichen Seufzer aus. Er legte die Arme auf den weißgescheuerten Tisch und lachte.Krank soll ich sein, Gott bewahre! Nein, noch bin ich gesund. Aber der Arbeit bin ich ein wenig ausgerissen, haha. Und nun haben Sie wohl etwas zu essen und zu trinken. Vor allem zu trinken. Ich bin mächtig ausgefroren."

Grygul brachte, was Haus und Keller boten, und als Mjölln zwei Stunden später zu Bett ging, war er vollkommen zufrieden. Er fühlte nicht die geringste Reue darüber, daß er Frommel und das ganze Büro allein gelassen hatte. Während er die Vorhänge zuzog, warf er noch einen Blick auf den Hasen hinunter und auf das SchiffRapoll", das fest vertäut am Kai lag und bereits schlief. Am nächsten Montag fuhr er erst wieder zurück in die Stadt, und so lange würde aud) Mjölln hierbleiben, der einzige Gast in Gryguls alter Hafenwirtschaft.

Uebrigens war Mjölln auch die nächsten drei Tage sehr zufrieden und vergnügt. Er beschäftigte sich damit, seine Bekannten aufzusuchen, Kaffee zu trinken, Kuchen zu essen, durch die Gärten und über nebelfeuchte Wege zu schlendern. Die Buchenwäl­der, die Rapoll umgaben, waren zwar kahl und rochen nach Moder mit all ihrem sterbenden Laub; die Knicks, die die Wiesen der Bauern umsäumten, starrten dürr über die Bodennebel hinaus aber Mjölln gefiel es trotzdem.

Am Sonntagnachmittag (tritt ex sich beinahe des­

wegen mit Henry Thöt, der inmitten eines weiten Gartens ein winziges Haus besaß. Er war ein alter Pensionär und lebte bereits feit zehn Jahren in Rapoll.

Du willst doch nicht etwa sagen, daß dieser Gar­ten hier beispielsweise schön ist", begehrte er auf und wies mit seiner Pfeife zwischen den getupften Gardinen durchs Fenster.

Mjölln drehte seinen Kopf und sah über die zugedeckten Blumenbeete hinweg, den verwitterten Zaun und den grünspanbedeckten Brunnen, der fast zwischen abgefallenem, braunschwarzem Laub ver­schwand. .

Doch", behauptete er fröhlich,er gefällt mir.' Nun, das sagst du so, weil du mich ärgern willst. Siehst du, so ein Garten im Herbst und Frühwm- tcr, solange der Schnee noch nicht gekommen ist, ist etwas Trostloses. Etwas, wovor man die Augen zumachen soll, denn man wird nur melancholisch davon. Man wird an den Friedhof erinnert."

Oh, im Gegenteil", rief Mjölln,man soll daran denken, daß es jetzt nicht mehr so lange zum näch- sten Frühjahr ist, wie etwa, wenn es erst August wäre."

Thöt lachte.Ja, ja, bas meinst du. In meinem Alter denkt man aber nicht mehr an den Früh­ling. Du bist allerdings immer ein Optimist gewe­sen. Für dich ist alles eine Kleinigkeit. Du bist fast genau so wie alle die verrückten Maler, die uns überfallen und malen, Frühling, Sommer, Herbst und Winter."

Mjölln hob den Kopf.Maler?" sagte er.Er­innere mich nicht an Maler."

Thöt sah den Freund forschend an.Weshalb soll ich dich nicht an Maler erinnern? Was hast du schon mit Malern zu tun?"

Mjölln biß leidenschaftlich in ein Stück Kuchen. Allerhand", entgegnete er,aber du sollst mich nicht daran erinnern."

Plötzlich hob er indes wieder die Augen und sah seinen Freund Thöt an.Maler, zum Teufel, welche Maler überlaufen euch denn? Willst du viel­leicht sagen, daß in dieses abgelegene Nest Maler kommen? Ausgerechnet nach Rapoll?"

Nun, sie kommen jedenfalls."

Und was malen sie denn?"

Ach, den Hafen, den Fluß, die Wiesen, die Gär­ten, die Buchenwälder. Weiß Gott. Die Schiffe