Ausgabe 
13.6.1940
 
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Ur. 138 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (Seneral-Anzetgrr für Gberheßen)Donnerstag, 13. Juni MO

Aus der Stadt Gießen.

Gchwäht nicht. Feind hört mit!

Auf dem Bahnhof, an den Häuserfronten und Litfaßsäulen fallen uns die großen und kleinen Plakate ins Auge, auf denen wir vor Spionen und Verrätern gewarnt werden. Mit Abscheu denken vir an die Möglichkeit, daß sich tatsächlich Meu­chen kaufen lassen, um ihr eigenes Volk zu ver. raten, gehen dann aber mit der etwas Pharisäer, hasten Ueberzeugung weiter, daß wir ja nicht zu diesen Kreaturen gehören und deshalb nicht von enen Zeilen betroffen werden.

Diese Einstellung geht aber von völlig falschen Voraussetzungen aus. Gott sei Dank gibt es nämlich licht so viel von jener üblen Sorte, die wissentlich mb mit Vorbedacht Volksverrat üben. Weit größer ift die Zahl derer, die ihren Mund nicht zu halten Dissen und so oft mit dem besten Gewissen von der Welt gegen die eigene Sache arbeiten. Das Netz von Spionen und Zuträgern, das der ausländische Nachrichtendienst über unser deutsches Vaterland gelegt hat, ist sicher groß-, dieser Nachrichtendienst ist sehr auf der Höhe und arbeitet mit so vielen '.mb feinen Mittelchen, baß cs gar nicht möglich ist, immer ben Wolf im Schafpelz gleich zu erkennen.

Deshalb sollte man grunbsätzlich jebem Menschen, en man jetzt neu kennenlernt, mit Vorsicht unb silrückhaltung begegnen. Das Plaubern ist mit eins er übelsten unb verbreitetsten Laster, bic es über­haupt gibt. Dabei wirb über tausenb kleine Dinge esvrochen, bie ben Gesprächspartner überhaupt icyt interessieren unb so unscheinbar unb klein mis­chen, baß man meint, es käme ihnen gar keine Bebeutung zu. Es kann ober keine Tatsache gering- jgig genug sein, um nicht in bcr Hanb des Fein­es zu einer verderbenbringenden Waffe zu wer« en.

Dor allem sollte man es vermeiden, außerhalb es Dienstes über dienstliche Fragen zu sprechen, einen einzigen Menschen aus dem privaten Freun- es- und Verwandtenkreis geht es etwas an, was n Dienst vor sich geht. Hierunter fallen nicht nur ie dienstlichen Arbeiten als solche, sondern auch as ganze Drum und Dran, Personalfragen, [erger, Schwierigkeiten ober kleine Freuben. Wenn der solcke Sachen gesprochen werben muß, finben ch in allen Betrieben Kameraben genug, mit benen um reben kann, und bie auch meist weit mehr an lesen Fragen interessiert finb. Im übrigen soll da- lit keineswegs gesagt sein, daß alle guten Freunde ertappte Schufte seien, die mit diesen Dingen bei en Feinden hausieren gehen. Nein, gewiß nicht. Ian kann aber von anderen nicht verlangen, daß e mit diesen Berichten vorsichtiger umgehen als an selber. Bei bcr nächsten Gelegenheit wanbert e Geschichte weiter unb wird so fächerartig in Je Winbe verstreut.

Aber nicht nur dem guten Freund gegenüber ist Vorsicht geboten, sondern vor allem denen, die mehr t)er weniger zufällig Zuhörer werden. In der »ahn, an der Straßenbahnhaltestelle, im Kaffee- aus, überall finden sich Ohren, die überaus gut i hören verstehen. Wenn man selbst in angeregter Interhaltung ist, redet man zudem mit lauterer timme als sonst, so daß es für die Interessierten - n Leichtes ist, wortgetreu alles aufzuschnappen.

6 h an aber auch am Telephon jedes Wort auf e Goldwaage zu legen hat, ist trotz aller War­mgen vielen noch immer nicht klar genug ge­worben.

Geltungsdebürfnis und Gedankenlosigkeit sind harakterschwächen, die schon in Friedenszeiten klimm genug sind, aber jetzt im Kriege die ver- I crenbften Folgen zeitigen können. Deshalb ist Irengfte Selbstkontrolle bei jebem Wort unabweis- ires Gebot. Denn überall lauert ber Feinb, um zerstören unb zu vernichten. H. K.

Der Hellseher.

Von Wilhelm Lennemann.

Auf dem westfälischen Hcllwege, dem klassischen knbstrich ber Svökenkieker, wohnte bcr Bauer Eltmann. Auch ihm sagten bic Dörfler nach, baß er bas zweite Gesicht besitze. Auf alle Fragen aber zob er nbroeifenbe Antworten, wehrte allzu Zu- mögliche ab, würbe schließlich ärgerlich unb grob unb wanbte den Neugierigen seinen breiten Rücken ju Das aber verstärkte nur die Bauern in ihrer Meinung, und sie nannten ihn heimlich nur noch den Hellseher.

Da saß er eines Sommertages mit einigen Knech- itu unb Mägben im Schatten bes Knicks. Sie hat- ttn gemäht unb verzehrten in Ruhe unb Gemäch- Udi feit ihr Vesperbrot. Unter ben Mäbchen befanb b auch eine hübsche Dirne von kaum 18 Jahren. Md wie bas Gespräch so hin unb her lief, warf id) ber Bauer einen Haken bazwischen: Die !lirie werbe er wohl nicht lange mehr auf bem tf behalten-, die werbe ihm sicherlich balb ein ursche wegschnappen. t)a lachte bas Mäbchen: Sie irfe nicht ans Heiraten; unb sie sehe auch keinen »rschen ah.

Na, na", wehrte ber Bauer ab,bist doch keine e lige!" und stand auf und blieb im gleichen Mo- int erschrocken stehen. Seine Augen weiteten sich blieben auf einige Herzschläge wie gebannt. Dann fe sich der Zwang, ber ihn hielt, unb ba hob r i)le Hänbe wie in Bitte unb Abwehr, schloß bie iigen unb setzte sich roieber. Er sah bas Mädchen i<f>t mehr an unb sprach auch kein Wort mehr. Äie Knechte unb Mägbe ahnten wohl, baß bcr . lo.ier da etwas Unliebsames gesehen haben mußte, e wagten aber nicht, ihn zu fragen. Auch die irge Dirne war in Scham weggeschlichen, unb ifr Lustigkeit hatte sie für ben Tag verloren. Die vnte ging bahin, ber Winter kam, unb roieber >( ber Frühling mit Duft unb Glanz über bie efer unb Wiesen. Der Bauer hatte sein Gesicht rqft vergessen, unb auch bie Marie hatte ihre alte üensfrohheit roiebergeroonnen. Ja, sie schien noch ÜDenber unb sprühenber geworben zu sein als jenem, wohl als sei sie heimlichen Glückes voll, n* balb war auch fein Geheimnis mehr, baß ! ssich mit bem Peter Westhof versprochen hatte. $-3er aber bavon hörte, sagte nur:Ach, die arme Benni" Denn der Peter war wohl der hübscheste, i auch der wildeste Bursche des Dorfes, ein ; *ii8)bieb unb Taugenichts, ber ben Felbgenbarmen I le Arbeit unb Verbruß verursacht hatte. Unb te Mut hatte unb ber Marie wohl wollte, ließ f auch an Warnungen nicht fehlen; sie aber dlte leichtfertig barüber hin, sie hänge schon zu Ist da sei nun nichts mehr zu andern.

DM."

Vor einigen Tagen fuhren Kameraben bcr Gie­ßener Bereitschaft vom Deutschen Roten Kreuz nach Bonn, um bei ber Hersteller-Firma einen Kran­kentransportwagen abzuholen. Gegenwärtig stehen zwei solcher neuer Wagen, bic nach ben inobern- ften Gesichtspunkten ausgerüstet sind unb einen Triumph ber deutschen Wagenbautechnik darstellen, für die Bereitschaft Gießen zur Verfügung. Mir nahmen Gelegenheit, einen dieser Wagen zu be­sichtigen.

Der neue Wagen ist insbesondere für Fern­transporte ausgezeichnet geeignet, er entspricht aber selbstverständlich auch im Stabt-, wie im Nah­verkehr allen Anforberungen. Fahrgestell unb Mo- tor finb von Mercebes-Benz, bic Ausrüstung er­folgte burch bie Spezialfirma Miesen in Bonn. Der Motor leistet 78 PS unb verleiht, über insgesamt 6 Gänge zu schalten, bem Wagen jealiche Ge- schwinbigkeit. Ein Rückwärtsgang, vier Vorwärts- gange unb ein Schnellgang für Fahrten auf bcr Reichsautobahn lassen bas Fahrttempo allen mög­lichen Straßenverhältnissen anpassen.

Die Innenausstattung bes Wagens ist universell. Im Wagen können brei Patienten liegend, ober Zwei Kranke licgcnb unb einer sitzenb transportiert werben. Es besteht aber auch bic Möglichkeit, zwei Patienten liegenb und bis zu vier leichter Verletzte auf einen Transport zu fahren. Die Einrichtungen umfassend drei Bahren, einen verstellbaren Sessel unb eine Bank, bie in ben Raum geklappt werben kann, wenn ber Sessel beseitigt ist. Auf biefer Bank können vier Kranke Platz nehmen. Außerbern ist noch ein Sitzplatz für ben begleitenben Helfer vor- hanben. Die Bahren bzw. bic Gestelle für bie Bah- ren können zum Teil aus bem Wagen genommen werben. Hier bestehen also schon bic verschiebensten Möglichkeiten bcr Anpassung an bic augenblicklichen Erforbernisse. Die Bahrengestelle finb so konstru­iert, baß bie Kranken ohne jegliche Erschütterung ein- bzw. ausgelaben werben können. Auch ben

Krankenträgern ist bic Arbeit erleichtert. Manche Minute, bic für ben Kranken ober Schwerverletzten wichtig sein kann, wirb burch bie Vollkommenheit bes Wagens erspart.

In ben Wagen ist eine Fülle bcr verschieben- artigsten Behältnisse eingebaut. Da sind Fächer für reine unb gebrauchte Wäsche, für Vcrbanbzeug, für ein Aerztebefteck, für Desinfektionsgeräte; cs ist eine richtiggehende Wasserleitung eingebaut, Waschbecken unb Bettschüssel finb vorhanden, in einem befonberen Kasten sind Schienen für die erste Hilfeleistung bei Knochenbrüchen untergebracht, ein großer Kasten mit Verbandzeug ist außerdem eingebaut. Die vielen Fächer, durch die jeder ver­fügbare Raum auf bas Sinnvollste ausgenutzt ist, finb mit einfachstem Hanbgriff zu öffnen unb zu­verlässig zu schließen. Alles klappt unb schnappt in Präzisionsarbeit. Für ben Straiitaiiraum in bi cf cm Wagen ist eine Warmluftheizung eingebaut, burch bie auch Frischluft zugeführt werben kann. Der Wagen enthält auch ein Gasfiltergerät, so daß er auch burch gasverscuchtes Gebiet fahren kann. Für biefen Zweck ist ber Krankenraum völlig gassicher gebaut Der Kranke ober Verletzte kann sich burch leicht erreichbare Klingeln mit bem Wagenführer unb bcr Begleitmannschaft verstänbigen. Der Wa­genführer kann burch bewegliche Spiegel bas In­nere bes Wagens überblicken. Selbstverständlich sind auch Lichteinrichtungen vorhanden, bie in Dunkel­heit bas Ein- unb Auslaben erleichtern.

Der Sitzplatz bes Wagenführers ist so eingerich- tet, baß ber Fahrzeuglenker ohne Ermübung ben Wagen über große Strecken steuern kann. Die Fe- benmg bes» Wagens ist naturgemäß besonbers sorg- faltig ausgewogen.

Der neue Wagen stellt eine wichtige Vervollstän­digung ber Ausrüstung unserer Gießener Sanitäts- bereitschaft bar unb erhöht ihre Schlagkraft nicht unwesentlich.

Schützt Forsten und Tiere vor Waldbränden.

Wieber naht bic Zeit, wo unsere Lanbschaft und die freilebende Tierwelt durch Walbbranbgesahren bedroht finb. Es ist hoher bic Pflicht jebes wahren Naturfreunbcs unb Walbbefuchcrs, bic Anorbnung bes Reichsforstmeisters, Gencralfelbmarschall Göring zu unterstützen unb babei mitzuhelfen, baß bie, oftmals ungeheure Werte vernichtenben Schaben- feuer völlig aushörcnl Darum: Vorsicht mit Feuer in Walb unb Flur!

Namentlich bie Iugendführcr haben ihr Augen.- merk barauf zu richten, baß burd) Unachtsamkeit unb Fahrlässigkeit kein Unheil angerichtet wirb. Auch burch bas leichtsinnige unb verbotswibrige Abbrennen von grasbewachsenen Rainen unb Hecken bas ab März jeben Jahres lt. Gesetz streng ver­boten ist entstehen oftmals Walbbränbe, bic burch Funkenflug übertragen werben. Wer Walbbränbe verursacht gleichgültig ob mit ober ohne fahr- lässiiges Derschulben, macht sich nicht nur straf« bar, fonbern macht sich baburch zivilrechtlich scha« bensersatzpflichtig!

Auch auf öffentlichen Wegen ist bas Rauchen Im Walbe vom Frühjahr bis Herbst strengstens ver­boten. Ferner ist bas Anzünben von Feuer im Walbe unter hohe Strafe gestellt. Zur soforti­gen Hilfeleistung (Löscharbeiten) i st jeder­mann ohne weiteres gesetzlich Der- pflichtet b Jede Behörde, d. h. also auch bie Forst- unb Flurschutzbeamten, können bei Gefahr Hilfeleistung verlangen, unb es ist jebermann3 Pflicht, ein im Entstehen begriffenes Feuer so« fort auszuschlagen. Falls bas Löschen burch ein­

zelne Personen nicht mehr möglich ist, ist bic nächst- gelegene Försterei ober Ortspolizci unverzüglich zu verstänbigen.

Abgesehen davon, daß durch Maldbrändc nicht nur umfangreiche Holzmassen, zukunftsreiche Scho­nungen und sonstige wirtschaftlich bedeutende Ver­mögenswerte zerstört werden, vernichtet bas Feuer u. a. auch bic Brutstätten unserer überaus nützlichen inscktcnvcrtilgcnben Bogclwclt unb bas bebau- ernsroerte Iungwilb, beim restlos alles fällt bem furchtbaren Flammcntob zum Opfer, ober erliegt burch Rauchvergiftungen.

Darum, ihr naturfrohen Wanderer in unseren herrlichen deutschen Wäldern, helft mit, baß uns bcr beutfd)e Walb mit feinen Geschöpfen unb die Äur deutschen Landschaft gehörenden bebuschten Raine unb Hecken für bie naturnotroenbigen In- fektenvertilger erhalten bleiben. Jcber setze sich mit bafür ein, bah bie oft gerabezu unglaublich fahr« lässige Hanbhabung bes Rauchens unb Fcueran- zünbens, begleichen bes sinnlosen unb gefahrvol- len Abbrennens von Böschungen restlos aufhört! Kein benfenber ßanbroirt wird künftig bag ver­berbliche Abbrennen von Hecken, Fclbrändcrn usw. mehr butben, um ben lanbwirtschaftlichen Schab- lingsbekärnpfern unb Inscktcnvcrtilgcrn bie Wohn- unb Brutplätze zu erhalten!

Bchörben, Lehrer unb Iugenbführer, weist in Wort und Schrift immer roieber auf bie Gefahr bcr vernichtenden Walbbränbe hin, bamit mehr unb mehr bie Erkenntnis burchbringt, daß ber Wald unb feine frcilebcnbc Tierwelt ein wertvoller Teil

Unb wirklich würben auch die beiben zum Herbste ein Paar. Aber kaum waren einige Wochen ver­gangen, ba lief bic Marie eines Nachmittags schrei- enb ins Dorf unb brach vor bem Hause bes Holt­mann zusammen. Der Genbarm hatte in ihrer Wohnung Haussuchung vorgenommen unb Schlin­gen unb Felle gefunben. Da hatte ihr Mann in roilbem Zorn seinen Stutzen aus bem Versteck her­vorgezogen unb auf ben Beamten angelegt. Gleich war sic auch im höchsten Schreck auf ihn zuge- sprangen, aber schon hatte er abgebrürft, unb Die Kugel war ihr.durch bic Brust gegangen.

Da lag sic nun auf ber Diele bes Bauern.Ihr habt's gewußt, Bauer", stöhnte sie,bamals auf bem Acker, weshalb habt ihr mich nicht roegge- schickt, bah ich aus bem Dorf kam; nun muß ich bahin!"

Unb sie starb auch nach brei Tagen. Der Bauer hat ihr ein Begrävnis gegeben, als ob sie noch Magb auf feinem Hofe fei, unb hat es an nichts fehlen lassen.Er stanb in Schulb", flüsterten bic Dörfler einanber zu,jetzt will er abbüßen!" Der alte Dorflehrer hat auch ein lautes Wort zu bem Holtmann gewagt: bas klang wie Vorwurf unb Anklage. Der Bauer aber hat mit ber Hanb ab* gewehrt:Ehe läuft bas Wasser bergan, benn bah sich bas Schicksal zwingen läßt! Tue, was bu willst, unb bu zwingst boch nur mit all bclncn Fingern herbei, was Da kommen soll! Da gilt kein Aus- bäumen, Herr Lehrer, nur ein Stillehalten!"

Danach aber traf ben Bauer selbst ein Geschick, von bem er gesagt, baß es sich nicht wegbringen lasse. Er hatte sich eine Lungenentzünbung Auge- zogen unb lag nun flcbernb und zu Tobe krank in seinem Bett. Da würbe ihm in einer hellen Stunbe roieber ein Wissen, bas roelfenb aus Dun­kelheiten emporstieg. Er erschrak aber nicht bavor unb nickte nur bazu, wie er auch sonst wohl tat, wenn eine Sache in Drbnung ging. Dann rief er sein Weib:Ich muß nun sterben, unb ba wirb ein anberer Bauer auf ben Hof kommen. Du bist noch in guten Jahren, unb unser Junge Fritz hat eine starke Hanb nötig, bie ihn meistert!"

Die Bäuerin wehrte wehmütig ab. Er aber lächelte nur bazu, verstehenb und verzeihend, als habe er in alle Verborgenheiten ihrer allzumensch­lichen Seele gesehen.

Ruft mir den Ruprecht!" bat er bann.

Der Grohknecht kam, blieb am Bettenbe stehen. Der Bauer winkte ihn zu sich.Ruprecht, bas wird nun halbe hier anders werden auf bem Hofe. Der Fritz geht jetzt ins zwölfte Jahr ... Meine Frau roirbs allein nicht schaffen können ..."

Ich bleib unb will f(hoffen, als sorgte ich für mein Eigen!" versprach ber Knecht ernst.

Der Bauer lächelte weh:Das weiß ich, Rup­recht. Aber, wenn du ... ich mein, wenn da nun

ein anderer Bauer sein wird, und ba sollten noch, ... also schwöre mir, baß bu ben Hof bem Frlh erhältst. Er war Erbe unb soll Erbe bleiben, baß meine Sippe unb mein Name nicht untergehen auf bcr Erbe, daraus sie kommen!"

Dem Knechte wurde ganz wunderlich zu Mute: Damit habe ich doch nichts zu schaffen!" fragte er verständnislos.

Doch, gerade du; schwöre nur!"

Da hob bcr Knecht bie Schwurhanb:Daß ich für den Fritz sorge, wie Ihr's gemeint habt!" sagte er feierlich.

So, nun ist's gut, unb nun reiche mir noch die Hand, daß ich den Schwur mit ins Grab nehm!"

Noch in derselben Nack)! starb bcr Bauei

Ruprecht aber blieb auf bem Hofe unb würbe bem Fritz ein tüchtiger Lehrmeister. Auch schaffte er, als sorge er in ben eigenen Säckel unb buchte boch nicht an seinen Nutz. Das sah auch bie Bäuerin, unb Wünsche eigener Art ftanben in ihr auf, die auch dem Ruprecht nicht verborgen bleiben konnten. Und als bas Trauerjahr verflossen war, tat er eine Frage an sie, unb sic sagte nicht nein. So würbe Ruprecht Bauer auf bem Hofe unb nach rolebcrum einem Jahr Vater eines Jun­gen ...

Da kam ihm ber Sterbetag des toten Bauern in Erinnerung, und ihm war, als stünden dessen wache Augen nun dauernd über seinem Tun. Da ging er eines Sonntagnachmittags mit dem Fritz auf ben Friebhof, nahm ben Jungen an ber Hand unb stellte sich mit ihm vor bas Grab bes Bauern; unb abermals hob er bic Rechte, urlt) ob er auch kein Wort sagte, sein Gewissen tat noch einmal unb in aller Bewußtheit ben Schwur, Platzhalter bem künftigen Erben unb Bauern zu fein, besten Land unb Hanb ihm auf Treu unb Glauben übergeben worben war.

Unb ihm war, ber hellsichtige Bauer nickte ein dankbares Amen dazu.

Das soldatische Wort.

Mir ist ber Krieg eine ernste, ewige Sache. Gewiß will ich auch ben Frieben unb bete heiß unb ernst barum, aber ich will als bcutfdjer Mensch burch ben Krieg hinburchgehen unb rollt, baß er micy heiligt. Er soll nicht an mir vorübergehen, sondern mir durch das Herz stürmen.

Ich erlebe ben Krieg, erlebe Kott, erlebe mein Weib, erlebe bie Heimat, erlebe meine Kinber, er­lebe mich selbst, erlebe bie große Zeit, erlebe Deutsch- lanb. Ist bas nicht Großes, Ewiges, Allertiefstes?

Für bas ich lebe, für das weiß ich auch zu fterbenl Oorch Fock.

materiellen unb ethischen deutschen Volksver-

finb.

lagevkalender für Donnerstag.

Volkstümliche Vorträge ber Ludwigs.Universität: 20.15 Uhr im Pharmakologischen Institut, Gaffkl)- straße 7, Professor Dr. Hild e b r a n b t überMo­derne Schmerzbekämpfung" mit Vorführungen; 20.15 Uhr im Physikalischen Institut, Stephan- straße 34, Professor Dr. von Gall überßanb unb Leute von Mexiko (Indianer unb Indianer« Leben)". Gloria-Palast (Seltersweg):Meine Tochter tut bas nicht". Lichtspielhaus (Bahnhof­straße):Die golbene Peitsä>c".

Gastspiel bcr Iegernfeer vauerubuhnc Ändert Schultes Im Stadttheater.

Am Samstag, 15. Juni, gastiert die Tcgernsecr Bauernbühne zlnbcrl Schultes mit bem Lustspiel Alles in Drbnung" von Mar Vitus Spielleitung Ander! Schultes im Stadttheater. Die Iruppc, die seit über 25 Jahren besteht, gastiert an sämtlichen

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schneller braun worden will.

braucht Nivea-Ultra-Ol mit V

dem verstärkten Lichtschutz.

7HIVEÄ\ CREME/

Wer aber unbedingt länger * in der Sonne bleiben und (*

Theatern Deutschlands mit größtem Erfolg, spielt auch bei den Ausländsdeutschen in Jugoslawien, Rumänien usw. Hebern 11, wo sie hinkoimnt, wird sio begeistert aufgenommen. Ein Abend bei Öen legern- [ftrn bringt Stimmung und Humor Die öeranftal hing findet außer Miete statt.

Notizen für den 13. Juni.

Sonnenaufgang: 5.03 Uhr, Sonnenuntergang! 21.47 Uhr; Monduntergang: 1.20 Uhr, Mondauf­gang: 13.54 Uhr. Eches Viertel: 3.59 Uhr.

Hitler >Zuqeni> Bann 116.

Sonntag, 16. Juni, Groß-Karben, Hans-Schemm« Schule.

Sonntag, 23. Juni, Lich, BDM.-Heim.

Sonntag, 30. Juni, Bad-Nauheim, Ernst-Ludwig- Schule.

Sonntag, 7. Juli, Londorf, Schule.

Sonntag, 14. Juli, Gießen, HI.-Heim, Grabenstr.

An diesen Schulungen haben teilzunehmen: 6aint- liche Stamm- unb Jungstammführcr, sämtliche Ge« folaschaftsführcr unb Fahnleinführer, sämtliche So- .sialreferentcn und Sozialwarte bcr HI. unb des DI. Ein Vertreter kann nicht gestellt werden Dis Schulung beginnt jedesmal um 10 Uhr. Die Fahr­karten sind zwecks Rückerstattung zu behalten. Ver­pflegung bzw. Rcilemarkcn sind mitzubringen. Die Tagung ist gegen 16 Uhr beendet. Sollte an einem dieser Tage Einheitsbienst sein, so muß dieser burch ben Stellvertreter durchgeführt werben.

Vorsichtsmaßnahmen gegen Einschleppung von Seuchenerregern.

NSG. Durch die Beschäftigung polnischer Arbeiter unb Kriegsgefangener in bcr Landwirtschaft besteht dis Gefahr, baß diese Hilfskräfte den Erreger ber Maul« unb Klauenseuche elnldjleppm Da der Seu­che ng an g immer auch eine fühlbare Schädigung der Milcherzeugung im Gefolge hat, ist gerade in heuti­ger Zeit dieser Gefahr schärfste Beachtung Alt schen­ken. Die Möglichkeit der Einschleppung der Seuchen« erreger wird sich bei stärkerer Heranziehung der volnischen Hilfskräfte und ber Kriegsgefangenen in Den näct)sien Tagen nach erhöhen. Unter diesen Um­ständen muß die Landwirtschaft selbst die notwen­digen Vorsichtsmaßregeln ergreifen, um ihre lieft

Rezept zum BraunwerJettS

Allmählich ar> die Sonne gewöhnen und langsam räuneix Mit Nivoo-CremoF (>

Höttys Lied.

Von Richard Gerlach.

Wir hören es täglich und stündlich. In Mozarts Melodie klang es einst nur vom Glocken türm bar Potsdamer Garnisonkirche. Vor sieben Jahren wurde es bann das Pausezeichen des Dcutschland- senders.

Ich bin an Jener Waldstelle gewesen, wo im Frühjahr 1775 Ludwig Heinrich Christoph Holty das LiedDer alte Landmann" dichtete. Es ist nicht weit von Kloster Marienfee im Hannoverschen. Ein Bäch­lein rieselt unfern des Weges im lictsten Buchen­hain.

f)älti)s Vater, der Pfarrer von Marienfee, war einige Wochen vorher gestorben. Der junge Dichter war nicht nur hierdurch angegriffen, er mar krank. In einem Brief vom 8. Mai schrieb er an Johann Heinrich Voß, daß er auf einem schmalen Scheide­wege zwischen Leben und Tod wandle. Der philo­sophische Arzt Johann Georg Zimmermann In Hannover hatte ihm zur Kur die Anweisung ge­geben. Die liebliche Anmut des Mais strömte von allen Seiten auf ihn ein, und er glaubte schon wie­der leichter zu ahnen. Da entstand bas Liedlieb immer Iren und Redlichkeit bis an dein kühles Grab." Alle empfanden den Ernst, die Lauterkeit unb Mannhaftigkeit im Ausklang des Verses:Dann kannst du sonder Furcht unb (Braun dem Tod Ins Antlitz sehn."

Als der Vossisd)c Musenalmanach bas Lieb 1779 brückte, lag Hölty schon brei Jahre unter bcr Erbe. In ben Lieberbüchern sind meistens nur die ersten brei Strophen und bie letzte abgeb ruckt. Aber bas Lieb hat zehn Strophen. Obwohl jebermann den, Anfang kennt, ist bas Ganze boch fast verschollen.

Wer weiß noch etwas von dem Bösewicht, bcr im Grabe keine Ruhe finbet und später als schwar­zer Kettenhund vor seiner Haustür stehen muß? Von dem Amtmann, der ein Bauernschinder war unb zur Strafe bann als Ziegenbock im ganzen Dorf herummeckern wirb? Von dem Pfarrer, der ein Filz unb Wucherer war, und von dem Junker, der bei Spiel unb Ball bcr Witwen Habe froh?

Dem Liebe fehlt bas abschreckenbe Beispiel nicht. Mit einem gütigen Lächeln überliefert cs bie Unge­treuen unb Unredlichen den Teufeln.

Wenn es nur ein moralisches Lied wäre, bas aufrichtigem unb reblichem Tun anhalten will, wäre es niemals so in bas Bewußtsein bes Volkes gebrungen. Eine allumfassende Liebe zu der Natur und zu den Menschen gibt ihm ben poetischen Zau­ber und bie Gültigkeit über alle Zeiten hinweg. Der Klang aus dem Aethcr malt uns das Bild eines deutschen Jüngling», dessen edle und frühlingßhast» Stimme nicht roieber verhallte, unb wenn er uns etwas Dorlebtc, so ist es dies, ein Schicksal ohn« Wanten auf sich zu nehmens