Donnerstag, 13. Juni MV
Gießener Anzeiger
Neue große Erfolge an -er Westfront
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den Engländern mit MG. befchof. und zum Wiederaussteigen gezwungen. Ob-
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Kündeten dokumentarisch belegt. So schildert z. B. der Kapitän Aim6 de Fleuriau einen unglaublichen Vorfall.
Der Wehrmachtsbericht vom Mlwoch.
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Aührerhauptquartier, 12. Juni (D71B.) ( Vas Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Die am 5. Juni zwischen dem Aermel-Kanal , und südlich Laon begonnene neue Operation hat < zu einem vollen Erfolg geführt. Nachdem die i Veygand-Zone südlich der Somme genommen war, | wurde der zurückflutende Jeinb an mehreren Stellen durchbrochen und seine Reste unter schwersten Verlusten über die untere Seine zurückgeworfen. Rouen ist seit einigen Tagen in deutscher Hand, die Seine unterhalb Paris an mehreren Stellen von unseren Truppen schon Überschritten. Line abgefprengte Feindgruppe ist bei St. Valery an der Küste eingeschlofsen. Nordwestlich Paris stehen unsere Divisionen an ! der Oise 20 Kilometer vor Paris und । vor der beiderseits S e n l i s verlaufenden Schuh- stellung von Paris. Lompldgne, der Schauplatz des fchmachvollen Waffenftillstandsdiklates des Jahres 1918, und Villers-Lotterets find in unserer Hand. Ostwärts des O u r q ist die Rl a r n e auf breiter Front mit st arten Kräften erreicht. •
Auch unsere am 9. Juni zwischen dem Oise- llisne-Kanal und der Waas erneut zum Angriff angetretenen Armeen haben in schweren Kämpfen den vor ihnen stehenden Feind geschlagen und ihn zum Rückzug gezwungen. Reims ist genommen, in der Champagne ist die 'Sulppes überschritten. Trotz wiederholter, zum Teil von Panzern unterstützter Gegenangriffe in der Champagne, gelang es auch gestern den Franzosen nicht, unser vorgehen zum Stehen zu bringen.
Im verlauf der neuen Operationen verlor der Feind außer schwersten blutigen Verlusten eine hohe Zahl von Gefangenen, Waffen und Kriegsmaterial aller Art. (Eine auch nur vorläufige Zählung war bisher nicht möglich.
Die Luftwaffe, welche durch fortgesetzten Einsatz wesentlich zu den großen (Erfolgen des Heeres seit dem 5. Juni beigetragen hat, griff gestern neben der unmittelbaren Unterstützung des Heeres wieder die Hasenanlagen von Le Havre und Transportschiffe an der westküste des Kanals mit Erfolg an. hierbei wurden sieben Transportschiffe, davon ein 5000- lonner, versenkt, zehn weitere, davon drei zwischen 10 000 und 15 000 Tonnen, durch Bombentreffer beschädigt. Auf mehreren Schiffen brachen starke Brände aus.
Bei den in der Nacht zum 12. Juni vereinzelten Bombenwürfen feindlicher Flugzeuge in Westdeutschland wurden Brandbomben in das Innere einer Stadt geworfen.
Am 11. Juni versuchten einige britische Flugzeuge ohne Erfolg Drontheim und Bergen anzugreifen. Sie erlitten hierbei empfindliche Verluste; von etwa 12 Angreifern wurden drei durch Jäger, einer durch Flakartillerie abgeschossen.
Die feindlichen Flugzeugoerluste betrugen gestern insgesamt 59 Flugzeuge; davon wurden 20 im Luftkampf abgeschossen, 19 durch Flak vernichtet, der Rest am Boden zerstört. Außerdem wurden wiederum drei Sperrballons abgeschossen. Drei eigene Flugzeuge werden vermißt.
Englisch-französische Kräste- arnppe kapituliert.
Neber 20000 Gefangene.
Führerhauptquartier, 12. Juni. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Die bei St. Balern eingeschossene englisch- französische Kräftegruppe hat nach dem Scheitern weiterer Versuche, auf dem Seeweg die Truppen abzutransportieren, kapituliert. (Ein französischer Korpsgeneral, ein englischer und vier französische Divisionskommandeure haben sich ergeben. Die Zahl ber©efangenenüberffeigt bereits 2000 0. Das erbeutete Material an Geräten und Waffen ist unübersehbar.
Bomben und $(af zerstören feindliche Panzer.
zwei Tagen viele hundert Menschen, die völlig unschuldig sind, in Frankreich vom Pöbel ermordet oder im Auftrage der Behörden erschossen worden sind.
Brandherd und Mittelpunkt der französischen Panik ist Paris. „Exchange Telegraph" meldet von dort am Dienstag schwere deutsche Fliegerangriffe, große Brände in den Außenbezirken, wo die rüstungswichtigen Betriebe liegen, und die
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Verfolgung über die Oise.
Feindliche Armee in Auflösung. — Wir nähern uns Paris
Berlin, 1* Juni. (DNB.) Südlich Reims wurden vier Panzerwagen durch Bombentreffer, an anderen Stellen sieben Panzerwagen durch Flakartillerie zer- stört. Damit erhöht sich das Gesamtergebnis Panzerabschüssen allein durch Flatetnheiten Generalmajors Deßloch auf 200.
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wohl es sich um ein französisches Leuchtschiff handelte, sind die Engländer damit abgefahren. Auch sonst äußerte sich Fleuriau sehr erbittert über die haltuna und Anmaßung der Engländer. U. a. habe man ihm seine Contax abgenommen und ins Meer geworfen, weil man vermutete, daß er Szenen photographierte, die kein Ruhmesblatt der englischen Haltung gewesen wären.
Man sieht auch hier wieder, daß die Engländer ihre französischen Bundesgenossen wie ihre farbigen Kolonialvölker behandeln.
Panikstimmung in ganz Frankreich.
Angst um Paris. — London erklärt: Oer deutsche Vormarsch ist unaufhaltsam
Die Brücken über die Oise bestanden nicht mehr, als die nach Hunderten zählenden Fahrzeuge bis an die Brückenstellen herangekommen waren. Allzu dicht waren die deutschen Truppen an den Fersen des Gegners geblieben, und unsere Flieger hatten ihre Schuldigkeit getan. Nun stehen sie zu zwei und drei Reihen aufgefahren da. Kaum daß Fahrer und Begleitmannschaften sich die Zeit genommen haben, die Pferde auszuspannen. Ein Bild des Jammers, wie die Tiere ohne Wasser in der Sonnenglut stehen. Ganze Artillerieabteilungen, leichten und schweren Kalibers, wuchtige Mammuttanks von 32 Tonnen, wie sie in der französischen Armee Verwendung finden, aber ihrer Schwere wegen dieses Tempo der Flucht nicht hatten mitmachen können und nun, ihrer Zweckbe- stimmung bar, als Denkmale einer Niederlage die Straße säumen. Feldküchen, Sanitätsabteilungen mit ihren Fahrzeugen, dazwischen die mit Mauleseln bespannten Gefechtsfahrzeuge der nordafrikanischen Trupveneinheiten, alles steht da und wartet auf die Veterinärkompanie, die sich um die Tiere kümmern werden, und um die deutschen Kommandos, die diese unabsehbare Beute vereinnahmen sollen.
Wird sich die französische Armee noch einmal vor den Toren von Paris stellen? Denn schon ist die Oise an mehreren Stellen überschritten, schon setzt die Artillerie auf das jenseitige Ufer über, ohne nennenswerten feindlichen Widerstand zu finden. In welcher Verfassung sich diese Teile der französischen Armee befinden, zeigt am besten die Tatsache, daß in einer Gruppe von Gefangenen, die, die Nutzlosigkeit des weiteren Widerstandes einsehend, sich ergeben haben, A n - gehörige von acht verschiedenen Divisionen sich befinden. Völlig durcheinander gekommen und desorganisiert seien sie schon seit drei Tagen ohne jegliche Führung, so berichten sie. Mutlos und geschlagen ziehen sie in die Gefangenschaft. Mutlos und geschlagen treten sie den Marsch nach rückwärts an, während unsere Truppen nach vorn marschieren, vorbei an den Straßenschildern, die nach Paris zeiaen.
Kriegsberichter B e i b r a c h.
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sagenhaften „Fünften Kolonne" erkannt i. Man nimmt an, daß in den letzten
Weiterer Erfolg bei Le Havre.
Berlin, 12.Juni. (DNB.) In Ergänzung des heutigen OKW.-Berichtes wird mitgeteilt, daß bei dem gestrigen Angriff auf Le Havre außer den bereits gemeldeten großen Erfolgen gegen Schiffs- liele ein Schlachtschifl ober Schwerer Kreuzer von einer Bombe schweren Kalibers aus dem Vorschiff getroffen und beschädigt worden ist.
Verbündete unter sich.
Berlin, 12. Juni. (DNB.) .Durch Gefangenen- ausfagen wird immer wieder die Rücksichtslostgrelt der Engländer gegenüber chren französischen Ver-
Wie die Blätter von der französischen Grenze melden, sind in Frankreich die Jahrgänge von 189 0 bis 1894 aufgeboten worden.
In Paris ist der allgemeine Auflösungsprozeß bereits bis zum äußersten vorgeschritten. Aber auch in der Provinz treten die Auflösungstendenzen immer stärker hervor. Die Massen der Bevölkerung sind, wie Augenzeugen berichten, von einer unvorstellbar großen W u t auf die völlig versagende Regierung erfüllt, und diese Stimmung wächst sich von Tag zu Tag immer deutlicher zu einer Ablehnung des ganzen bisherigen Snstems aus. Allgemein beginnt sich der Widerstand gegen die Wahnsinnspolitik der Regierung bemerkbar zu machen. Aus allen Teilen des Landes werden Sabotageakte oft sehr umfangreicher Natur gemeldet. In Poitiers verjagte vorgestern infolge eines solchen Sabotageaktes die Stromversorgung. Sie konnte erst nach acht Stunden notdürftig wieder hergestellt werden. Don den Behörden werden alle diese Derzweifelungsakte einer Bevölkerung, die langsam und allzu spät zu erwachen beginnt und die Tragweite der Katastrophe allmählich überblickt, auf die mysteriöse „Fünfte Kolonne" zurückgeführt, die angeblich jetzt, wie aufgeregte Rundfunkansager verkünden, über „motorisierte Einheiten" verfügen sollen. In größter Eile wurde die militärische Ueberwachung aller öffentlichen Gebäude, aller Fabriken, Bahnhöfe und Postagenturen sowie aller großen Warenhäuser und Hotels angeordnet. Alle Minister und Abgeordneten haben stärksten Polizeischutz erhalten, da keiner von ihnen sich seines Lebens sicher fühlt. Die Panikmaßnahmen der Zivilbehörden, die immer mehr das Heft aus Der Hand verlieren, haben die Hysterie der Bevölkerung noch gesteigert. Diese Hysterie äußert sich in Ueberfäüen auf völlig unschuldige Menschen und die Lynchung harmloser Passanten, in denen man Ange-
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.... 12. Juni. (PK.) Die Kämpfe südlich der Somme liegen hinter uns. Durch die befestigten Dörfer haben sich unsere Soldaten hindurchgebissen und die Kampsesweise der „schwarzen Franzosen" kennen sie nun! Jetzt marschieren sie auf den Straßen vor, die nach Süden führen an die Oise.
Der deutschen Führung ist es nicht verborgen geblieben, daß der Gegner nicht im planvollen Rückzug der überlegenen Stoßkraft der deutschen Truppen weicht, sondern daß er in regelloser Flucht zurückflutet. Die Verfolgungs- schlacht ist im Gange. Die beiderseits der Infanterie-Divisionen angesetzten Panzerkräste stoßen zur überholenden Verfolgung vor, während den Infanterie-Divisionen die Aufgabe zufällt, den Feind vor sich herzutreiben, sich bietenden Widerstand zu brechen, um möglichst schnell Brückenköpfe über die Oise zu bilden.
Die vordersten Teile einer Radfahrerschwadron bekämpfen ein feindliches MG. Gefangene, die gemacht worden sind, hat man nach hinten abgeschoben, und nun besteht der Spähtrupp nur noch aus dem Unteroffizier und vier Männern. Während der Unteroffizier die Garbe seines MG. verfolgt, macht ihn einer der Schützen auf eine Staubwolke aufmerksam, die sich auf einem Feldweg rasch nähert. Das hatte gerade noch gefehlt, daß jetzt feindliche Panzer auftauchen, denn um nichts anderes kann es sich handeln. Schon will er das Signal „Panzerwarnung" nach rückwärts geben, da sieht er, wie die Panzerkampfwagen nach rechts abdrehen und das feindliche MG. unter Feuer nehmen. Deutsche Panzer also. Nun erkennt er sie auch. Die Spähtrupps zweier verschiedener Waffen haben sich getroffen, hart an her Oise.
Beim weiteren Vormarsch kommt es in den kleinen Waldstücken beiderseits der Straße, die nach Pont St. Maxence führt, zu kleinen Plänkeleien, die aber sogleich für unsere Aufklärer entschieden werden. Allenthalben werden Gefangene gemacht. Je näher man an die Oise kommt, um so mehr verstärkt sich der Eindruck, daß sich hier eine Armee in Auflösung befindet. Gibt es Gegenstände aus den französischen Armeearsenalen, die nicht an diesem Straßenrande liegen?
Genf, 13. Juni. (Europapreß.) Churchill, begleitet von Eden und General Dill, dem Ches des Generalstabes des Empires, hatte am Dienstag und Mittwoch mehrere Besprechungen mit dem französischen Ministerpräsidenten Paul Reynaud, Marschall P 6 t a i n und Generalissimus Wey - g a n b.
Die Pariser Presse ist am Mittwoch nicht erschienen. Sie wird zunächst auf ihre neuen Pro- vinzerscheinungsorte umgestellt, was einige Tage in Anspruch nehmen dürfte. Für diese Zeit kann also nur auf die Provinzpresse zurückgegriffen werden. Um sich ein Bild von den Vorgängen in Paris und Frankreich zu machen, genügt ein aufmerksames Lesen des Berichtes des französischen Militärsprechers. Aus dem Bericht des für die Beurteilung der strategischen Lage berufenen Mundes, des militärischen Sprechers der französischen Regierung, geht die Sorge um Paris und den Ausgang der Schlacht in Frankreich mehr als deutlich hervor. Paris ist praktisch als Haupt- und Wohnstadt aufgegeben. Die bange Frage aller Franzosen bleibt: „W ird es das Schicksal Warschaus teilen?" Die Antwort liegt in der Hand des französischen Militärs. Daß die so- genannte Weygandlinie nur ein allzu kurzer Traum war, gesteht der Militärsprecher dadurch ein, daß er wörtlich erklärt: „In der Gegend von S o i s - s o n s und Reims hält der schreckliche Druck der Deutschen an." Zur selben Stunde meldete der deutsche Heeresbericht den Fall der französischen Krönungsstadt Reims!
Am Mittwochabend wird in London zugegeben, daß der deutsche Vormarsch auf Paris unaufhaltsam vorangeht. Die Lage sei über- aus ernst, wenngleich man auch die militärische Situation irltz einzelnen nicht überblicken könne. Der Militärgouverneur von Paris habe allen Regierungs- und städtischen Angestellten und Beamten in Paris verboten, die Haupt- stadt zu verlassen. Es wurde ihnen aller- dings ein gewisser Stadtteil angewiesen, in dem sie sich aufhalten können. Die Lage in Paris sei, wie der Londoner Rundfunk am Mittwochabend mitteilt, „ernst und schwierig". Die Straßen von Paris sind während der Nacht v o l l st ä n - big in Dunkel gelegt und a u s g e fterben. Ab und zu hört man Kanonendonner und sieht das Aufflammen von Blitzen, die von explodierten Geschossen herrühren.
von da ausgehende Verdunkelung auch der Innenstadt durch dichte Rauchwolken. Was fliehen Fann, flieht. Die Mitglieder des Diplomatischen Korps haben nächtlings die Stadt verlassen, ohne zu wissen, wohin sie sich wenden sollen, um die vor ihnen geflohene Regierung Reynaud zu finden, sei es in Tours, sei es in Poitiers. Nur der amerikanische Botschafter Bullitt hat noch Fühlung mit der getürmten Regierung. Er aber ist ja mehr als ein Mitglied der Regierung Reynaud selber zu zählen.
Auch das jüdische Lügenbüro Havos hat seinen Sitz aus Paris verlegt. Die Erbitterung der Bevölkerung über die Flucht der Verantwortlichen wächst von Stunde zu Stunde und nicht weniger der Haß gegen den englischen Verbündeten. Wiederholt sanden Ausschreitungen gegen englische Zivil- und Militärpersonen statt. Ein englischer Polizist in Uniform kann sich in Paris ohne Gefahr nicht mehr sehen lassen. Ein englischer Gottesdienst wurde durch Tränengasbomben gestört und abgebrochen. Im übrigen ist der Zustand der französischen H a u p t st a d t t r o st l o s. Die meisten Bahnhöfe sind geschlossen, Räuberbanden am Werk, die Versorgung mit Lickt, Gas und Wasser unterbrochen. An normale Arbeit ist nirgends mehr zu denken. Nach einer Schweizer Schätzung hätten schon drei Viertel der Bevölkerung die Hauptstadt verlassen. Infolgedessen funktionierten auch draußen im Lande die Eisenbahnen nicht mehr. Viele Stationen hätten den Dienst eingestellt. Aber auch die Straßen seien von Flüchtlingskarawanen verstopft. Mangel an Nahrungsmitteln sei die Folge.
Don der französischen Grenze in Spanien eintreffende Belgier beschweren sich in zunehmendem Maße über die furchtbare Lage der in Frankreich lebenden bzw. nach Frankreich geflohenen Belgier. In ganz Frankreich werde geflissentlich die Behauptung verbreitet, daß die belgische Armee verantwortlich fei für die Mißerfolge der französischen Wehrmacht. Die Folge davon ist, daß die französische Bevölkerung ihre Wut nunmehr an den Belgiern ausläßt. So kam es in Paris zu Ueberfäüen auf belgische Flüchtlinge, denen keinerlei Hilfe geleistet wird. Uebrigens soll, wie bekannt wird, die französische Regierung Spanien ersucht haben, die Einreise von etwa einer Million Flüchtlingen aus Belgien und Nordfran kreich zuzulassen. Die spanische Re, gierung sei jedoch nicht daraus eingegangen, q
Alls den Wegen des Sieges.
Der gestrige Wehrmachtsbericht bricht zum erstenmal mit der zurückhaltenden Wortkargheit der letzten Tage, der beste Beweis dafür, daß die nach der Demichtungsschlacht in Flandern aus der damaligen deutschen Südfront heraus am 5. Juni eingeleitete neue Operation in eine Phase eingetreten ist, die bereits einen rückschauenden und zusammen- faffenhen Ueberblick erlaubt. Wir müssen uns immer wieder von Weltkriegsvorstellungen der zusammenhängenden Front frei machen und richtiger davon sprechen, daß im Raume zwischen der Küste und Laon die verschiedenen Keile, die die vorstürmenden deutschen Truppen vermutlich mit Panzern und motorisierten Einheiten an der Spitze in die feindlichen Verteidigungslinien vorgetrieben haben, die Widerstandskraft des Gegners erschüttert haben, so daß die Durchbrüche die feindlichen Truppenverbände auseinanderrissen, eine'zentrale Befehlserteilung unmöglich machten und den Feind, wo er nicht sein Heil in der Flucht gesucht hatte, durch Hereinschwenken der deutschen Spitze in einzelnen Gruppen einkesselte und vernichtete. So hat schon vor mehreren Tagen ein größeres feindliches Truppenkontingent am äußersten linken Flügel des Gegners den Zusammenhang mit der Nachbargruppe verloren, es hat sich bei St. Valery, einem Städtchen am Südufer der Sommemündung, hart an die Küste drängen und einschließen lassen, wo sich nun sein Schicksal erfüllt hat, nachdem es fick als unmöglich herausgestellt hatte, die eingeschloffenen Truppen, unter denen sich auch Teile von Engländer befunden haben, auf dem Seewege abzutransportieren. Aus der Gefangennahme von sechs Generalen und bislang gezählten 20 000 Mann darf man auf einen Truppenverband in der Stärke von mindestens zwei Korps schließen, der hier aus» geschaltet wurde. Der starke rechte deutsche Stoßflügel hat fid> durch diese abgefprenate feindliche Gruppe nicht irritieren lassen, sondern hat die Masse des aus der Weygand-Linie hinausgeworfenen Feindes anscheinend nicht nur mit schnellen Truppen, sondern auch mit der schnell aufschließenden Infanterie über die untere Seine zurückgetriebcn, deren durch die vielen starken Windungen für Rück- zugsgefechte besonders schwierigen Charakter wir hier gestern sa>on geschildert haben.
Schon seit einigen Tagen ist Rouen in deutscher Hand. Rouen, die alte Hauptstadt der Normandie, ist uns allen zumindest aus unseren Geschichtsbüchern bekannt, denn hier vollendete sich das Drama der Jungfrau von Orleans, die, nachdem sie dem britisch-französischen Krieg die entscheidende Wendung gegeben hatte, in britische Gefangenschaft geriet und auf dem Marktplatz von Rouen als Zauberin verbrannt wurde. Zweifellos keine sehr angenehme Erinnerung für die heute verbündeten Nationen, denn die Zauberin von damals ist nicht nur 1920 heilig gesprochen worden, sondern ist seit langem der Nationalheros Frankreichs. Aber über solche Ungereimtheiten zwischen Politik und Ge- jchichte setzt man sich in Paris schon lange souverän hinweg. Aus dem Todfeind von einst, der große Teile Nordwestfrankreichs in seinem Besitz hielt, der die französischen Kanalhäfen immer nur als eigene Brückenköpfe betrachtet hat, ist schon feit
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Fleuriau ist Flugzeugführer und wurde mit dem Stab der Zone d' Operation^ Aeriennes du Nord (Z. O. A. N.) bei Calais gefangen genommen. Er hat versucht, noch rechtzeitig mit 150 Mann auf ein Leuchtschiff in Sicherheit zu kommen, wurde aber, nachdem das Schiff bereits betreten war,


