Ausgabe 
13.5.1940
 
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Aus der Stadt Gießen.

Kriegs-Pfingsten.

Wenn diese Zeilen in die Hände unserer Leser kommen, sind die Pfingstfeiertaae, die wir diesmal im Banne der großen kriegerischen Ereignisse be­gingen, fast vorüber. Es waren Stunden der natio­nalen Hochspannung, die wir als Kriegs-Pfingsten verleben durften. Der Inhalt dieser Tage bestand ja nicht nur in dem üblichen Feiertagscharakter, der mit dem Ausruhen vom Alltagswerk und mit Spa­ziergängen hinaus in die Frühlingslandschaft ge­kennzeichnet ist, sondern er erhielt seine besondere Note durch die großen Ereignisse, die sich gegenwär­tig an der Westfront abspielen. Gewiß waren auch in diesem Jahre an den beiden Feiertagen viele Volksgenossen auf Ausflügen und längeren Wande­rungen zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs, um sich in unseren Wäldern und Feldern neue Kraft für den Werktag zu holen; andere begnügten sich mit Spaziergängen durch die Anlagen unserer Stadt oder mit kleineren Ausflügen in die nächste Umgebung. Allen gemeinsam waren aber eine tiefe innere Anteilnahme an dem Verlauf der großen Kämpfe im Westen. Ueberall konnte man hören, daß diese Ereignisse im Mittelpunkt der Gespräche stan­den und man konnte dabei feststellen, mit welcher starken Spannung und mit welch' freudigen Ge­fühlen die Nachrichten ausgenommen wurden, die im Verlaufe der beiden Pfingsttage immer wieder von neuen Erfolgen unserer Soldaten Kunde brachten. Diese Mitteilungen ließen den Stolz auf unsere Wehrmacht immer wieder erkennen. Zugleich hörte man aber auch allenthalben Aeußerungen der herz­lichen Dankbarkeit und der größten Bewunderung für unsere Wehrmacht zu Lande, in der Luft und zur See, eine Dankbarkeit, mit der sich alle Volks­genossen unseren Soldaten gegenüber zutiefst ver­pflichtet fühlen. So waren die beiden Pfingsttage auch in höherem Sinne unvergeßliche Feiertage, die miterlebt zu haben wir frohbewegten Herzens emp­finden. Als Kriegs-Pfingsten 1940 werden sie uns durch die ruhmreichen Taten unserer Wehrmacht immer in Erinnerung bleiben.

Dornotizen.

Tageskalender für Montag.

Gloria-Palast (Seltersweg):Der Postmeister".

Notizen für den 14. Mai.

Sonnenaufgang 5.32 Uhr, Sonnenuntergang 21.11 Uhr; Monduntergang 1.48 Uhr, Mondaufgang 12.15 Uhr. Erstes Viertel 22.51 Uhr.

Umtausch genußuntauglicher Eier.

Infolge der Leichtverderblichkeit der Eier kommt es hin und wieder vor, daß Eier, insbesondere dann, wenn sie einen längeren Transportweg zu über­stehen haben oder wenn sie längere Zeit gelagert werden müssen, in der Qualität nachlassen und so an den Verbraucher gelangen. Gerade im Hinblick auf die für den einzelnen Verbraucher zur Aus­gabe gelangenden nur beschränkten Mengen bedeu­tet der Empfang genußuntauglicher Eier eine große Härte. Hat ein Verbraucher genußuntaugliche Eier erhalten, so ist es nicht hur sein gutes Recht, diese bei seinem Verteiler, von dem er die Eier erhalten hat, gegen genußtaugliche einzntauschen, sondern er hat auch einen anordnungsmäßig festgelegten An­spruch aus eine einwandfreie Ersatzlieferung. Grund­sätzlich sind heute alle Berteilungsstellen, die Eier an die Verbraucher abgeben, verpflichtet, die Eier vor Abgabe an die Verbraucher zu durchleuchten und laus ihre Güte zu prüfen. Genußuntaugliche Eier sind auszuscheiden und zur Fütterung an Tiere zur Verfügung zu stellen. Erweist sich trotz erfolgter Prüfung Sie an Verbraucher gelieferte Ware als genußuntauglich, so hat die Verteilungsstelle diese zu ersetzen. Beim Ersatz des rechtzeitig nachgewiese­nen Ausfalls ist, unabhängig von der geldlichen Vergütung, den Käufern die entsprechende Menge einwandfreier Ware nachzuliefern. Jeder Ver­braucher braucht deshalb den Weg zu seinem Kauf­mann, von dem er die Eier erhalten hat, nicht zu scheuen, um genußuntaugliche Eier zu beanstanden und gegen einwandfreie einzutauschen. Der Kauf­mann muß die Eier ersetzen. Der Kaufmann, der genußuntaugliche Eier gegen einwandfreie ein­tauscht, erleidet dadurch fernen Schaden, da er seinerseits ebenfalls einen Anspruch gegen seinen Vorlieseranten auf Ersatz genußuntaualicher Eier hat. Die besten Vorkehrungen bei den Verteilungs- stellen in der Richtung der Qualitätserhaltung nützen jedoch nichts, wenn tue Eier beim Verbrau-

9.4.4porl

Hockey-Länderkampf DeuWand-tlngam 1:1

dem Flieger die Ortun ten Bombenabwur

und den geziel- außerordentlich

Die deutschen Hockeyspieler trugen am Pfingst­sonntag auf der Budapester Margaretheninsel gegen Ungarn ihr erstes Kriegs-Länderspiel aus. Wie vor zwei Jahren in der ungarischen Hauptstadt, so ge­lang der deutschen Elf auch diesmal nur ein Un­entschieden. Vor 1000 Zuschauern trennten sich die beiden Nationalmannschaften 1:1, nachdem die Un­garn bei der Pause sogar noch 1:0 geführt hatten. Wie erwartet, standen unsere Spieler, die fast durch­weg den feldgrauen Rock tragen und somit wenig Trainingsgelegenheit haben, vor einer sehr schwe­ren Aufgabe. Die Ungarn haben weitere Fortschritte gemacht, sie erwiesen sich als ebenbürtige Gegner und hätten mit einem besseren Sturm sogar gewin­nen können.

Nach den Nationalhymnen begann das Treffen mit scharfen ungarischen Angriffen. Der rechte un-

treffer. Nikolai legte Ehmann schön vor, und gegen dessen Schuß war der Torhüter machtlos. Der Druck der Grün-Weißen hielt an, doch konnten nur einige Ecken erzielt werden, da sich die Stürmer zuviel in Einzelaktionen verzettelten. Eine Ecke der Gäste wurde mühelos abgewehrt. Dann hatte der Gäste­

garische Flügel Muray-Haray kam in schönem Zus sammenspiel vor und die zur Mitte gegebene Kugel verwandelte Dr. Margo aus kurzer Entfernung mit Bombenschuß zum ungarischen Führungstreffer. Nach diesem Treffer drängten die Deutschen, ohnS sich allerdings gegen die aufmerksame ungarische Deckung durchsetzen zu können. Einmal verfehlte dev Halblinke Lange nur knapp das Tor. Die zweite Spielhälfte begann yiit heftigen Attacken der Deut-, schen. In der vierten Minute konnte der ungarische Torsteher einen harten Schuß Scherbarts nur mit Mühe zur Ecke abschlagen. Immer drückender wurde! die deutsche Ueberlegenheit und in der 16. Minute! gelang es schließlich Mehlitz, das Ausgleichstor zm erzielen. Der Siegestreffer aber blieb der deutschen! Mannschaft trotz weiterer Feldüberlegenheit versagt

Nachtangriffe von so hohem Wert, daß man sogar behauptet hat, sie könne unter Umständen ebenso­viel schützen wie die aktive Abwehr. Wenn dies auch nur bei ganz besonderen Verhältnissen der Fall sein dürfte, so ist doch die Tatsache zu be­tonen, daß die Verdunkelung von Stadt und Land

cher kurz vor der Verwendung noch Gefahren durch unsachgemäße Lagerung oder Behandlung ausge­setzt sind.

** Botanischer Garten und Museen g u t b e s u ch t. An den beiden Pfingstfeiertagen hatten der Botanische Garten und unsere heimischen Museen erfreulicherweise zahlreichen Besuch zu ver-

Zweck und Bedeutung der Verdunkelung

Eines der wichtigsten Abwehrmittel.

zeichnen. Allein äm ersten Feiertag nahmen etwa 70 Personen Gelegenheit, einen Besichtigungsrund- gang durch den in schönster Pracht stehenden Bo­tanischen Garten zu unternehmen, während etwa 50 Personen den Schätzen im Oberhessischen Mu­seum und im Museum für Völkerkunde einen Be­such abstatteten.

Spieler gegenseitig. Plötzlich brach der Gegner durchs und schon hatte der Mittelstürmer dem Linksaußen eine schöne Vorlage gegeben, die dieser zum Gegen« tor einschoß. Im Gegenstoß war es Berghöfer, bcrM frei vor dem Tore stehend, den Ball darüber schoß« Die Grün-Weißen ließen stark nach, so daß dass Spiel nicht nur ausgeglichen, sondern der Gegners für kurze Zeit tonangebend war. Sie drängten auf den Ausgleich, aber außer einer Ecke gelang ihnen! nichts. Die Grün-Weißen nahmen nunmehr wieder! das Heft in die Hand, doch fielen die Stürmer im­mer wieder auf die Abseitsfalle des Gegners. herein. Einige Ecken brachten nichts ein, bann warcii die Gäste wieder vor dem Tor der Grün-Weißen« ohne jedoch etwas Zählbares zu erreichen. Ehmann, der leider zu wenig bedient wurde, holte sich einen Ball, ging damit durch und schoß das dritte Tor« Nachdem verschiedene sichere Sachen von den Grün- Weißen versiebt worden waren, konnte Berghöfep fünf Minuten vor Schluß eine Flanke von Ehmann zum letzten Tore einsenden.

VfB.-R. 1. 3gb. |

Reichsbahnsportv. Fauerbach 1.3gb. 1:2 (0:1). '

Obgleich die Grün-Weißen dauernd mehr voni Spiel hatten und auch drückend überlegen spielten, brachte es die Stürmerreihe nicht fertig, Tore zu! schießen. Der Gegner erzielte zwei Tore, die beide nicht zu sein brauchten, aber die Grün-Weißen spiel­ten zu lustlos, so daß der Sieg der eifrigen Gäste? zu Recht errungen war.

Großer Preis von Tripolis.

Der Große Autopreis von Tripolis auf der Mel- laha-Rundstrecke war diesmal eine rein italienischs Angelegenheit. Vier der neuen 1,5 Liter Alfa Romes standen 20 Maserati gegenüber. In dem über 339 Kilometer führenden Rennen bewiesen sich die Alfa! Romeo als die schnellsten Wagen. Sie belegten mit Farina, Biondetti und Trossi die drei ersten Platze«

Termine für die Vückrunde der Lahnpokalspiele im Handball.

Staffel 1: 19. 5. 1900 Gießen Lützellinden« ! Hörnsheim Hochelheim; 26. 5. Hörnsheim5 1900 Gießen, Hochelheim Lützellinden; 2. 6. Lützel« linden Hörnsheim, Hochelheim 1900 Gießen.

Staffel 2 : 19. 5. Dornholzhausen Griinin« gen; 26. 5. Holzheim Dornholzhausen; 2. 6« Grüningen Holzheim.

Staffel 3: 19. 5. Münchholzhausen Gar« benheim, Dutenhofen Atzbach; 26. 5. Garden« heim Dutenhofen, Atzbach Münchholzhausens 2. 6. Garbenheim Atzbach, Münchholzhausen -5 Dutenhofen.

Staffel 4: 19. 5. Niedergirmes Katzen« furt; 26.5. Nauborn Niedergirmes; 2.6. Katzen« furt Nauborn.

Staffel 5 : 19. 5. Launsbach Grohen-Bu- seck, Mtv. Gießen Heuchelheim; 26. 5. Heuchel« heim Launsbach, Großen-Bufeck Mtv. Gießenr 2. 6. Mtv. Gießen Launsbach, Heuchelheim -5 Großen-Bufeck.

Kurze Sportlwiizen.

Der Berliner Georg Stach gewann auf Diamant-Rad die deutsche Meisterschaft der Berufs­straßenfahrer mit 69 Punkten vor Gerber (Chem­nitz) mit 65 und Scheller (Schweinfurt) mit 59 Punkten. Im letzten Meisterschaftslauf, der Bayeri­schen Ostmark-Fahrt über 230 km, siegte SchiW (Chemnitz) auf Presto-Rad in 6:21 Stunden vor

erschwert. Die Bevölkerung der westdeutschen Grenzstädte hat während des Weltkrieges Erfah­rungen über die Bedeutung der Verdunkelung am eigenen Leibe machen müssen.

Die Verdunkelung ist als eines der wichtig st en Abwehrmittel während der ganzen Kriegsdauer durchzufüh- ren. Es genügt keinesfalls, sie etwa erst bei An­näherung feindlicher Geschwader anzuordnen. Auch genügt es nicht, etwa nur die großen Städte zu verdunkeln. Praktische Erfahrungen haben gezeigt, daß bei Nichtverdunkelung des gesamten Landes Kleinstädte und Dörfer dem feindlichen Flieger als Wegweiser zu den Großstädten gedient haben. Auch wurde im spanischen Krieg beobachtet, daß bei wirk­samer Abwehr der Angriffsziele die feindlichen Flieger Hilfsziele auf dem Lande, wie Brücken, Straßen und Eifenbahnanlagen angreifen.

Zum Schluß erwähnt der Referent als einen der wirksamsten Beweise für die hohe Bedeutung stärk­ster Luftschutzdisziplin Erfahrungen aus dem Welt­krieg. Sie haben ergeben, daß trotz ständiger Zu­nahme der Luftangriffe und der Zahl und Größe der abgeworfenen Sprengkörper dank der immer mehr verbesserten Luftschutzdisziplin der Gesamtbe­völkerung die deutschen Verlustziffern sich senkten. Kamen 1914 auf 100 abgeworfene feindliche Bom-, den 120 Tote und Verletzte, so waren es 1918 nur noch 16.

torhüter wiederholt Gelegenheit, sein Können unter Beweis zu stellen. Wieder wurden einige Ecken ge­schossen, bis Ehmann eine Flanke von links zum zweiten Tor durch Kopfstoß verwandelte. Bis zur Pause begnügte man sich mit diesem Ergebnis. Die Gäste wurden nun vollends eingeschnürt und kamen nicht aus ihrer Spielhälfte heraus, doch Tore fielen nicht. Köppers als Mittelläufer war als sechster Gerber "(Chemnitz), Weischedel (Stuttgart) und Mann im Sturm tätig, dadurch behinderten sich die > Stach (Berlin).

Die mit der Verdunkelung verbundene Belastung der Volksgemeinschaft und die Störungen für Wirtschaft und Verkehr einerseits, wie die bei Durchführung der Verdunkelungsverordnung hier und da noch auftretenden Mängel anderseits lassen es erwünscht erscheinen, die Bevölkerung über Zweck und Bedeutung der Verdunkelung aufzuklä­ren. Zu diesem Zwecke nimmt ^-Sturmbannführer Dr. Hartmann, Oberstleutnant der Schutzpolizei im Stabe des Inspekteurs der Ordnungspolizei Hamburg, in derSirene" das Wort. Er geht da­von aus, daß nach den Haager Vorschlägen von 1923 ßuftanariffe nur gegen militärische Ziele zulässig, jedoch Angriffe mit dem Zweck, die Zivilbevölkerung zu erschrecken, Nichtkämpfer zu verletzen, verboten sind. Demgegenüber zitiert zu zerstören, verboten sind. Demgegenüber zitiert er Aeußerungen von maßgebender feindlicher Seite, die es mindestens sehr fraglich machen, ob die Feinde sich an die Haager Grundsätze halten wer­den. Der Fall Freiburg hat das ja auch schon be­wiesen. So erklärte der frühere englische Minister­präsident Baldwin, jedes Verbot, die Zivilbe­völkerung zu bombardieren, sei vergeblich, solange die Möglichkeit zu bombardieren überhaupt besteht. Als Ideallösung des Angriffsluftkrieges bezeichnen die Fliegeroorfchriften des Auslandes den rollenden Dauerangriff unter Ausnutzung von Tag und Nacht.

Nachtangriffe, fo führt der Aufsatz weiter aus, gestatten eher als Tagangriffe die Anwendung des Moments der Ueberrafchung. Sie üben eine stär­kere moralische Wirkung aus als diese. Die Ver­dunkelung wird zwar den Angreifer nicht hin­dern können, ein bestimmtes Gebiet von größerem Umfang zu erreichen, aber sie wird es ihm e r - schweren, in diesem Gebiet bestimmte Ziele zu finden. Die genaue Durchführung der Verdunkelung ist daher für den Schutz gegen

Vier Endenrundspiele um die deutsche Fußballmeisterschaft.

Nach der Absage des Frankfurter Treffens zwi­schen den Kickers Offenbach und dem 1. FC. Nürn­berg verblieben auf dem Programm des Pfingst­sonntags nur vier Endrundspiele um die deutsche F u ßb a ll -Meisterschast. In der Gruppe la kam Ber­lins Meister Union Oberschöneweide zu ei­nem 6:3 (2 :2)-Sieg über den D f B. Königs­berg, dessen junge Elf sich im Olympiastadion aus­gezeichnet schlug. In der Gruppe 1b gab es in Wien ein ziemlich einseitiges Treffen zwischen R a - p i d Wien und N S T G. G r a s l i tz , das der Ostmarkmeister mit 7:0 (3:0) gewann. Dank besserer Stürmerleistungen siegte in der Gruppe 2 der VfL. Osnabrück mit 5:2 (2:0) über den 1. S V. Jena und im einzigen Treffen der Grupps 4 waren die Stuttgarter Kickers mit 1:0 (1: 0) über den SV. Waldhof erfolgreich.

Fußball auf dem Waldsportplatz.

VfV.R. I Reichsb.-Spv. Fauerbach I 4:1 (2:0).

Vor nur wenigen Zuschauern trug der VsB.-R. auf dem Waldsportplatz ein Freundschafts-Rückspiel gegen die Reichsbahn er aus Fauerbach aus. Die Gäste stellten eine junge, schnelle Mannschaft, die durch ihre anständige Spielweise angenehm auffiel. Bei den Grün-Weißen vermißte man die gesamte Läuferreihe, Kraft, Benner und Godglück. Der ein-1 gestellte Ersatz konnte nur teilweise befriedigen. Vor allem fehlte es in der Stürmerreihe am Torschuß.

Die Grün-Weißen griffen an, und ihre Kombi­nationsmaschine lief sofort auf vollen Touren. Einen scharfen Schuß von Nikolai hielt der Torwart in prächtiger Manier. Doch bald fiel der Führungs-

Wicsl 6u cs schaffen,Lmll?

Vornan von Martina Eckart-Helm

26. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

, Erni weiß, was hoffnungslose Liebe ist. Ihr Ge­sicht ist jammervoll trostlos. Des Familienzerwürf- nisfes halber, denkt Gottfried, der Erni still be­obachtet.

,,Du mußt wieder Mut fassen, Erni", sagt er tröstend.Es kommt immer mal etwas vor in einer so großen Familie. Dock alles geht wieder vorüber und sieht dann hinterher nicht mehr so schlimm laus."

Aber da ist Plessen-Roda! Die graue Parkmauer toiiter den tiefschleppenden Zweigen der alten hohen Bäume. Erni und Jupp wissen das halbverborgene Türchen, durch das man von hinten in den Park hineinfchlüpfen kann.

Erste Herbstabnuna in leise fallenden Blättern. Goldgelbes Leuchten streuen sie auf die Wege. Mo­dernder Laubgeruch. Moosumsponnene Steinbänke. Ein grauverwitterter Apoll, der an Lichtgestalt be­denklich eingebüßt hat.

Der Teich müßte dringend mal geschlämmt wer­den!" Jupps Sinn weiß nichts von der träumenden Romantik der grünversponnenen Wasserfläche, die so und nicht anders unter dem Schweigen der Bäume sich verstecken will.

Und hinter dem Teich das kleine Tempelchen. Jetzt ist es kein Zankapfel mehr; andere Wolken haben sich über dem Gräfehof zusammengezogen. Gottfried muß es sich natürlich ansehen.

Hallo, das nenne ich aber eine Ueberrafchung!" läßt sich Juttas frische Stimme hören. Sie steht auf dem Balkon des Schlößchens, der in die grünen Gipfel herunterschaut.

Wo habt ihr denn Tante Lena?" ist die erste Frage, als alle oben sind.

Betretene Blicke hin und her. Niemand findet gleich eine Antwort. Bis Erni kurzerhand fragt: Und wo steckt Rudolf?"

Rudolf? Der ist schon seit dem Vormittag mit dem Inspektor zusammen über Land und kommt erst am Abend zurück."

Die drei sehen sich wieder an, bis Jutta einfach

fragt:Nun, was habt ihr denn eigentlich? Und was wollt ihr von Rudolf?"

Es ist wegen der Autobahn", sagt Erni stockend.

Ihr habt Bescheid?"

Gottfried greift helfend ein.Ja, die Bahn kommt über die Gräfewiesen, und es muß damit gerechnet werden, daß die Quellen versiegen."

Oh!" Um ein Haar hätte sich Jutta ungebühr­lich laut gefreut Rechtzeitig besinnt sie sich. Vor ihr stehen die Gräfes, und die sind nun arg be­troffen.

Der arme Vater Gräfe", sagt sie da mit ehr­lichem Bedauern.Natürlich soll Rudolf kommen und ihm gut zusprechen, das verstehe ich."

Sie sitzen bann am Kaffeetisch. Beim Anblick der guten Dinge darauf schnalzt Jupp mit der Zunge. Gottlob, daß man nicht wieder gleich in die dicke Luft des Gräfehauses zurück muß. Die Sonne lacht zur offenen Balkontür herein, der Himmel hängt blau zwischen dem vielschattigen Grün.

Hier auf Plessen-Roda ist alles heiter und aus» geglichen. Das alte Fräulein von Wessen hat eine mütterliche Art, die allem, seine Härte nimmt. Das Thema Autobahn übergeht sie mit feinem Takt, obwohl sie doch nun weiß, daß Park und Tempel­chen gerettet sind.

Daß Fräulein Oetteking nicht mittam, bedauere ich sehr", meint sie. Ihre Augen ruhen lange auf Gottfried Bonhoff. Macht sie sich ihre eigenen Ge­danken?

Du könntest nachher mit mir auf den Anstand gehen", fordert Jutta den Jupp auf.Auf der Schneise zwischen den Seen wechselt ein Bock."

Klar, daß Jupp begeistert ist.

Man sollte an die Schönheit der Tiere denken, ehe man sie tötet", sagt Fräulein Schmidtchen ta­delnd.

Jutta kann ein Lachen nicht unterdrücken sie kennt Hermines Vorliebe für gespickte Rehrücken und Rebhuhnpastetchen.

Gottfried Bonhoff erzählt Jagderlebnifse aus Ost­preußen. Er taut hier richtig auf. Fühlt sich merklich freier als auf dem Gräfehof. Wenn er lacht, blitzen feine Zähne, feine Augen. Ja, vor allem die Au­gen. Erni muß wegfehen.

Jupp streckt seine langen Beine immer weiter unter den Tisch. Ihm ist mächtig wohl, gar nicht zu sagen wie.

Zweimal wollen Erni und Gottfried aufbrechen, aber sie lassen sich gern zum Dableiben nötigen. Dor der Heimkehr graut ihnen fast. Hier ist man geborgen, so richtig gut aufgehoben.

Es wird mählich Abend. Rudolf läßt sich immer noch nicht blicken. Man muß sich also verabschieden, ohne ihn gesprochen zu haben.

Ich komme später heim und bringe Rudolf mit", sagt Jupp mit stolzer Selbstverständlichkeit.

Also gehen Gottfried und Erni allein über die Felder zurück. Das heißt, diesmal schlagen sie doch den Höhenweg ein. Das nimmt mehr Zeit in An­spruch, schiebt das Heimkommen noch ein wenig hinaus. Man ist ja noch so eingefangen von der unbefangenen heiteren Stimmung der Kaffeestunde. Es ist, als ginge man leichter. Unsichtbare Hände haben geglättet.

Erni atmet tief, als sie mit Gottfried bergan steigt. Es ist so schon, in den sinkenden Abend zu gehen. Rötlicher Dämmerdunst verwischt alles Grelle, die Farben fließen ineinander, es ist eine friedliche Stille. Die Wälder saugen sich voll Dun­kelheit, sind schwarz und scheinen voll Rätsel zu sein.

Hier oben auf dem Hutberg sammelt sich noch das letzte Leuchten des Tages, fängt sich kupfern an den Stämmen der Kiefern, blüht an der weißen Rinde der Birken. Das Heidekraut am Waldrand duftet. Ist es verwunderlich, wenn man sich ein Weilchen hinsetzt?

Noch nicht nach Hause", bittet Erni. Jetzt, da das Dach des Gräfehauses sichtbar wird, hat sie richtige Angst vor dem, was sich dort zusammengeballt hat.

Ueberall ist es gut, auch fröhlich, nur bei uns mcht!" Sie läßt den Kopf hängen. Abendleuchten liegt auf ihrem Haar, läßt es aufschimmern. Gott­fried streicht darüber hin. So wie er es längst gern einrndf bei Lena getan hätte. Und nun streichelt er Ernis Haar, als tue er etwas Verbotenes.

Dann sitzen sie wieder unbeweglich nebeneinander. Es träumt sich gut in das milde Grau, das immer tiefer, dunkler wird. Der rötliche Wiederschein am Himmel ist verschwunden. Die Wolken schieben sich weich und flockig zusammen. Die Ferne wird un­sichtbar und fremd, die Nähe immer heimeliger. Hier auf dem Berg ist es wie auf einer Insel. Sie gehört nicht zur übrigen Welt. Das Heidekraut duf­tet, ein Vogel zirpt. Ein paarGlockentöne wehen von fernher. Man fragt nicht« woher sie kommen.

Fragt überhaupt nicht mehr danach, was dort unten) vor sich gehen mag, läßt sich von einer weichen, war« men Verzauberung einfangen.

Der Dachfirst des Gräfehauses ist unsichtbar ge« worden. Die Bäume davor zerfließen im duEerß Grau. Alles verbirgt sich. Nur der Gipfel des Hut« berges schwimmt in einem merkwürdig gelben Lichti er hält die beiden gefangen. Sie finden nicht fori von hier unwillkürlich schmiegen sie sich eng an« einander.

Es ist ihnen, als wären sie allein auf der Welk Ihre Hände halten sich. Was wissen sie noch von den! anderen? Sie fühlen nur sich, ihr Beisammensein^ das von Jugend erfüllt ist und von Liebe.

Eine große, glückverheißende Seligkeit über« kommt die beiden. Behutsam nimmt Gottfried das Mädchen an sein Herz, legt seinen Mund auf junge! blühende Lippen. Glücklich lachend lost Erni sich dann aus Gottfrieds Armen. Gottfried aber erschrickt jäh. Was hat er getan? Er muß an Lena denken aber lebt Lena nicht immer wie hinter einer? gläsernen Wand? Steht Lena nicht immer auf einer; höheren Stufe als er? Man muß zu ihr aussehen, man muß sie respektieren. Liebe aber will Gleich« heit, verlangt nach demselben Takt des Herzens, fordert das gleiche Mitgerissenfein in Sturm und Leidenschaft.

Ist es das Rauschen des Windes in den Bäu« men, das sie zur Besinnung bringt?

Sie tasten den Weg bergab, langsam, mit ver« schlungenen Händen. Sie möchten den Weg ausdeh« nen, daß er kein Ende nehme. Nur keine Gedanken aufkommen lassen, sie wegbrängen, verliebte,« richte Worte flüstern ...

Bis man die Straße überquert und am ©arten« Zaun steht. Dahinter ragt das Gräfehaus hoch, da« hinter ist Lena.

Gottfried Bonhoff fährt sich durch das Haar. Eine' Welle von Scham treibt ihm das Blut ins Gesicht. Er hat Lena verraten. Nein, so weit durfte es nicht kommen. Und doch läßt er Ernis Hand nicht los. Er versucht auch, in ihrem Gesicht zu lesen.

Du hättest mir nicht als erste auf dem Gräfen« Hof entgegenkommen dürfen", sagte er und preßte Ernis Hände.Ich suchte Lena, und du kamst mth entgegen. Das war wie Schicksal. Du warst so, wie ich mir Lena wünschte, so jung, so froh Lena war anders." (Fortsetzung folgt.)