Ausgabe 
13.5.1940
 
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Amphlet.

wemge MG.-Einschüsse auf und sind völlig unver- fsehrt. - -

Wolfen Ser ben Flugplatz von X anzuareifen, der von französischen Sagern belegt ist. Unser Angriff erfolgte gegen 10 Uhr vormittags und ist gleich. falls völlig überraschend gekommen. Neun französische Jager lagen in aller Ruhe auf dem Platz und waren zum Teil noch mit Planen zu ged eckt. Der Flugplatz ist gut getarnt, io daß man mit keinem Angriff rechnete. Unsere Aufklärung hatte jedoch auch hier gut gearbeitet. Man hat uns bereits gehört, denn auf dem Platz herrscht Aufregung. Wir st o ß e n so fo rt zu und lassen dem Gegner keine Zeit zum Start. Der ganze Platz wird mit unseren Bomben und Ge. schossen buchstäblich zugedeckt und alles ver­nichtet, was an Maschinen st artbereit steht. Wir können genau sehen, wie sechs Jagdflugzeuge sofort in Brand ge­raten. Diese beiden Angriffe unseres Geschwaders haben vollen Erfolg gehabt. Wir haben eigene ^"^?^rmieden. Unsere Flugzeuge wiesen nur **'**"'*' m>m ' und sind völlig unver-

Bereit fein ist alles!

Der Entschluß des Duce wird in der richtigen Stunde erfolgen."

13/ Mai. (DNB. Funkspruch.) Partei­sekretär Muti weilte am Samstag in Turin, wo er im Haus der Faschistischen Partei eine An­sprache hielt. Der Duce habe die Parole gegeben Arbeit und Waffen". In diesen Worten empfinde das Volk mit vollkommenem Verständnis die zwingende Notwendigkeit der heutigen Stunde, bart und schweigend zu arbeiten sowie bereit zu sein, ja vollkommen bereit zu sein, für den Augenblick, in dem der Duce den Befehl geben werde.

In einer Rundfunkansprache an das italienische tzeer betonte Ansaldo, der Direktor der Zeitung Telegrafo", daß der durch die englisch-französischen Machenschaften in Belgien und Holland in Fluß gekommene Bewegungskrieg wieder einmal aezeigt habe, auf welcher Seite die grö­ßere Entschlußkraft und die damit gege­benen Vorteile sind. Adolf Hitler habe in weni- aen Stunden das verwirklicht, was die Westmächte bereits seit langem erwogen und geprüft hatten. Die Kenntnis der deutschen Streitkräfte bestärkt uns", so schloß Ansaldo,in der Sicherheit, daß Deutschland, unser großer Freund und Ver­bündeter, siegreich aus diesem Ringen hervorgehen wird. In dieser geschichtlichen Zeitenwende muß um so stärker unser Vorsatz sein, Uns eng um den Duce zu scharen und ihm -u gehorchen, was immer er befehlen mag. Sein Genie ist den Ereignissen gewachsen und sein Ent­schluß wird in der richtigen, schicksalhaften Stunde rrfolgen.

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Mussolini hat am Sonntag in Anwesenheit des Generalstabschefs des Heeres Marschall G r a z i a n i lind des Unterstaatssekretärs im Kriegsministerium General S o d d u die Kommandierenden Generäle 3 in to r und Guzzoni empfangen, die ihm iber militärische, ihre Armeekorps betreffende fragen Bericht erstatteten. Mussolini erteilte den Generälen den Auftrag, an den militärischen Po- itionen in Vallo Alpino del Littorio an der V e st grenze weitere Verbesserungen vorzuneh- nen.

Italienische Stimmen zum deutschen Vormarsch im Westen.

Mailand, 12. Mai. (DNB.) Die Kriegsereig- |r isse in den Niederlanden und Belgien werden von per norditalienischen Presse mit höchster Spannung !erfolgt. Sämtliche Zeitungen heben hervor, daß ie deutschen Truppen die ersten Ziele erreicht und en gegnerischen Widerstand unter Anwendung neuartiger Angriffsmittel" niedergeworfen haben. ;in ungeheures deutsches Heer, schreibt derPopolo h'Jtalia", habe die Grenzen Belgiens und Hollands jiberschritten und kämpft sich durch die Derteidi- «ungslinien hindurch. Der 10. Mai 1940 wird in ler Geschichte ein denkwürdiger Tag bleiben; es ist ter Tag des Kriegsbeginns im Westen und vielleicht ler größten Schlacht aller Zeiten. Dieser Krieg, der loch größere Verhältnisse und härtere Formen an- nehmen wird als der von 1914, konnte nicht ver­mieden werden. England hatte ihn unvermeidlich ge­macht. Der ungestüme Vormarsch der deutschen Ar­meen erklärt sich nicht nur aus der Stärke der Waf­fen, sondern in erster Linie aus einer mora­lischen Kraft. Der deutsche Vormarsch wird Ächt durch außenstehende Gefahren an der Flanke ober im Rücken beeinträchtigt; Rußland ist neutral, Polen entwaffnet, die norwegische Bastton fest in deutscher Hand, Italien befreundet und bewaffnet auf der Wacht. In der gigantischen Schlacht ist die Moral der deutschen Streitkräfte ein grundlegendes Element des Sieges.

Corriere della Sera" stellt in den Vordergrund, baß das mächtigste Fort des Systems do n Lüttich durch neuartige Kampfmittel zur Uebergabe gezwungen worden sei.Gazzetta del Popolo" erklärt, die mächtigen Befestigungen von Lüttich hätten dem Angriff der Deutschen nicht widerstehen können, lieber die mit ungeheurem Er­folg eingesetzten Waffen bewahre man jedoch das äußerste Stillschweigen.Corriere della Sera" schreibt weiter, die Deutschen stünden jetzt im ersten Kontakt mit der belgischen Befestigungslinie und mit den holländischen Verteidigungselnrichtungen, bic die Fortsetzung der Maginotlinie darstellen. Es sei zu erwarten, daß dieses festgefügte System erst noch einer gewissen Zeit zerschlagen und durchbro­chen werden könne.

3« berechtigter Notwehr."

Die italienische Presse zum Vorstoß in Belgien und Holland.

Rom, 13. Mai. (Europapreß.) In der Sonn­tagsausgabe desGiornale d'Jtalia", derVoce d'Jtalia, tritt Gayda den Bemühungen der Pro­paganda der Westmachte entgegen, Italien mit Klagegesängen über das Schicksal Hollands und Belgiens zu rühren. Belgien und auch Holland hätten ihre Neutralität nur einseitig gegen Deutschland und zu Gunsten der Westmachte aufgefaßt. Infolgedessen sei der Verdacht, diese Neu­tralität hätte ein stillschweigendes Einvernehmen mit Frankreich und Großbritannien verborgen und in diesen Tagen hätten sich hinter den ausschließ­lich gegen Deutschland gerichteten belgischen Befesti- flungen französische und britische Streitkräfte zu einem Angriff gegen das Ruhrgebiet sammeln kön­nen, mehr als begründet. Kaum hatten die deut­schen Truppen den Vormarsch angetreten, dann habe auch schon die amerikanische Agentur United Preß gemeldet, vor Aachen seien bereits starre

englische und französische Streit­kräfte in Kämpfe mit den deutschen Truppen ver­wickelt. Wenn es sich nicht wieder einmal um eine neue Prahlerei der Propaganda der Westmächte handele, müsse man aus dieser Nachricht den Schluß ziehen, daß noch vor dem deutschen Vor­stoß die bewaffneten Streitkräfte Englands und Frankreichs bereits a u f belgischem Boden standen. Deutschland habe also in berechtigter Notwehr gehandelt.

Es sei auch überflüssig, daß die Presse der West­mächte von Gerechtigkeit, Freiheit und Unabhängig­keit rede. Die Wirklichkeit habe seit langem bewie­sen, daß in Europa Gerechtigkeit und Freiheit nur von der französischen und englischen Polittk bedroht und angegriffen würden. Sei nicht das gegenwär­tige Regime, das von der vereinten Macht Frank­reichs und Großbritanniens aufrechterhalten werde, eine ständige Beleidigung der Freiheit und Unabhängigkeit Italiens? Stelle nicht die von den Westmächten durchgeführte Wirtschaftsblockade, die gerade jetzt durch die dem Duce überreichte

Denkschrift tn allen khren Aspekten angeklagt werd«, eine offene, verächtliche Verletzung jedes ele­mentaren Grundsatzes der FreiheitderMeere und jeder Regel des Völkerrechts dar? Stehe nicht das System der kolonialen Hegemonie Frankreichs und Englands in krassem Widerspruch zu der Gerechtigkeit und der Dölkerfteiheit?

Gayda weist Dann Darauf hin, daß Italien von Den Westmächten verraten, beleidigt und sanktioniert" worden fei. Daran habe sich auch Belgien beteiligt, das die französichen Unverschämtheiten wiederholt und den Emi­granten Asylrecht gewährt habe, jenen Emi­granten, aus Denen Der Mann hervorgegangen sei, Der auf Den Thronfolger schoß und dann vor dem Brüsseler Gericht so viel enthüllende Duldsamkeit gefunden habe. Noch am 9. Mai habe eine Brüsseler Zeitung, DerSoir", zu einer hinterlistigen Ver­leumdung Italiens sich hinreißen lassen. Der frei- mittige Verzicht auf Rachegelüste, so schließt das halbamtliche Blatt, bedeute für die Italiener keines­wegs eine Polittk des Vergessens.

Zehntausend britische Soldaten schon seit Wochen in Holland.

Die britische Armee an der belgischen Grenze versammelt.

Rio de Ian< iro, 12. Mai. (DNB.) Ein Dffi. zier Des soeben hier eingetroffenen holländischen DampfersZualand" machte Pressevertretern ge­genüber folgende bezeichnende Aeuherung:Der Einmarsch des deutschen Heeres in Holland ist mir keine Ueberrafchung. Solche Operation wurde in Den Niederlanden erwartet. Es ge­nügt, wenn ich sage, daß mein Land auf seinem Gebiet bereits etwa 10 000 engl ische Soldaten untergebracht hatte".

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Wenn es nach den deutschen Memoranden noch eines Beweises bedurft hätte, was die Regierung Der NiederlanDe unterNeutralität" verstand, so könnte ihn diese Aussage des holländischen Offiziers nicht überzeugender bringen. Dieser Holländer wußte ebenso wie unsere Regierungsstellen welches falsche Spiel in Holland gespielt wurde. In Der Welt wird man allerdings schon mehr von dieser Tatsache überrascht sein, daß Holland schon seit Wochen10 000 englische Soldaten unter­gebracht hatte".

Diese Erklärung der holländischen Offiziers wird ergänzt durch ein Eingeständnis, das dem Kriegs­berichterstatter derDaily Mail" entschlüpft. Bei dem Versuch, den Truppen der Westmächte in Bel­

gien Vorschußlorbeeren zu winden, spricht er da­von, daß Lord Gort, der Oberkommandierende des britischen Expeditionskorps auf dem westlichen Kriegsschauplatz, eine Reihe von Plänen vorbereitet habe, die alle nur möglichen Entwicklungen des Krieges vorausfehen. Im Rahmen dieser Pläne war der Einmarsch in Belgien Gegenstand besonderer Bedeutung. Der britische Generalstab und Die Armee, das könne man heute sagen, waren feit Beginn Des Krieges längs Der belgischen Grenze stationiert. Der Kriegsberichterstatter DerDaily Mail" gibt also zu, daß die Engländer sich feit Beginn des Krie­ges mit dem geplanten UeberfaH auf Deutschland unter Verletzung der belgischen und holländischen Neutralität beschäftigt haben. Das erklärt vielleicht auch, warum so wenig Engländer an der Maginotlinie zu sehen waren. Sie sahen eben an der belgischen Grenze. Belgien war das natürlich bekannt, aber es fühlte sich da. durch nicht im geringsten beuruhigt, im Gegenteil, es betrachtete die Vorkommandos dieser englischen Armee als liebe Gäste. Das vertrug sich vom belgi­sche Standpunkt ebenso mit dem Begriff Neutrali­tät wie vom holländischen die Unterbringung von 10 000 britischen Soldaten.

Das Fort Eben Emael.

Nach dem Muster der stärksten Anlagen der Maginot-Linie gebaut.

Mit Der überraschend schnellen Eroberung des Forts Eben Emael, auf das die Belgier be­sonders stolz waren, ist nicht nur Der stärkste Eckpfeiler Lüttichs, wie es in dem Wehr­machtsbericht heißt, sondern auch eine der d e - deutendst en modernen Festungsan­lagen jenes Derteidigungssystems gefallen, das sich in Fortsetzung der Maginotlinie an der belgischen Ostgrenze hinzieht. Das Fort entspricht in seiner ganzen Bauart völlig Dem französischen Muster, wie es in den stärksten Anlagen der Ma- ginotlinie enthalten ist. Die Werkgruppe Eben Emael, als Der stärkste Eckpfeiler der Maas-Der- teibigung, hatte Die Ausgabe, durch Fernfeuer die Annäherung an das Maas-Tal nördlich Lüttichs zu erschweren und ein lleberschreiten Der Maas und Des Albert-Kanals nörDlich von Lüttich zu verhindern. Die Werkgruppe lag, Durch schroffe Abhänge bzw. durch den tiefen Kanaleinschnitt geschützt, 60 Meter über Maas-Tal und Kanal. Sie enthielt Kampf- anlagen modernster Art, Die unterirdisch miteinander verbunden sind. Die Eingänge befinben sich am Westhang des zwischen Maas und Dem Ort Eben Emael sich hinziehenden Höhenrückens. In der Nähe Der Eingangswerke sind Kasernen und ein als Haus getarnter Schartenstand zur Eingangs- oerteidigung. In Der Mitte Der Werkgruppe befindet sich eine langgestreckte Anlage, die etwa 7 Meter breit und 30 Meter lang ist. (Mannschafts­kasematte bzw. Artilleriekasematte für Fernfeuer.) Sechs Panzer kuppeln von je 5 Meter

Durchmesser, sieben Panzertuppeln von je 3 Meter Durchmesser. Die Aufgaben dieser Panzerkuppeln sind die Bestreichung des südlichen Teils der Kanal- feite bzw. des nördlichen mit Wasser gefüllten Sei­tengrabens. In der Werkgruppe find fünf Ar­tillerie-Flankierungswerke eingebaut: drei Werke in nordostwärttger Richtung zur Be­streichung des nördlichen Laufs Des Albert-Kanals, zwei Werke in füdoftwärttger Richtung. Von sechs Pakständen ohne Panzerkuppel dient einer zur Ver­teidigung des Eingangs, einer zur Bestreichung des westlichen trockenen Seitengrabens, einer zur Be­streichung des südlichen trockenen Seitengrabens, zwei zur Bestreichung der Nordecke Der Anlage. Die Werkgruppe ist mit Drahthindernis um­geben und ist durch Flakartillerie ge­schützt. Verstärkt wird die Anlage durch zahlreiche beiderseits anschließende Scharten st ände mitt­lerer Bauart. Am Südrande der Werkgruppe befin­det sich ein trockener Panzerabwehrgra­ben; am Nordwestrande ein mit Wasser ge» füll ter Abwehrgraben. Seine Breite beträgt durchschnittlich an Der Oberkante 20 Meter, auf Der Sohle 10 Meter. Das Werk war bestückt mit 3 6 Geschützen leichten und mittleren Kalibers. Die Stärke der Besatzung betrug allein an Festungs­artillerie 1200 Mann. In maßgebenden militärischen Kreisen wird Der Fall dieses Forts zu ernsten Ueberlegungen Anlaß geben. Die angebliche Unan­greifbarkeit Der Maginotlinie dürfte nunmehr in ein anderes Licht gerückt werden.

gapan und M'edsrländisch-Indien.

Rom, 13. Mai. (Europapreß.) Aus Tokio be­richtet der Sonderdienst DesGiornale d'Jtalia", Die japanische Regierung habe in einer Sonbersitzung, in Der Die möglichen Rückwirkungen Der neuen Lage in Europa auf den Fernen Osten erörtert worden seien, beschlossen, eine auf Niederländisch- Jndien bezügliche Note an die interessierten Staaten zu richten. In dieser Note werde unter Hin­weis auf die Erklärung Des Außenministers Arita vom 15. April erneut festgestellt, Daß jeDe Rück­wirkung der europäischen Lage auf Den Status quo N i e D e r l ä n D i sch - I n- D i e n s für Die Stabilisierung der Lage im Fernen Osten als unerwünscht bezeichnet werden müsse. Japan würbe jebe Aenderung Des Status quo in Nieberlänbisch-Jnbien als äußerst ernst betrach­ten. Der Außenminister habe ferner Die diplomati­schen Vertreter Der kriegführenden Länder, Der Ver­einigten Staaten und Italiens unterrichtet, Daß die japanische Regierung ernsteste Befürchtun­gen hinsichtlich Der Möglichkeit einer Ausd eh- nung Des Konfliktes auf Den Pazifi­schen Ozean, hege.

Zn einer Erklärung Der holländischen Gesandt­

schaft in Tokio heißt es, daß der Generalgouverneur Niederländisch-Jnbien unter Kriegs­recht gestellt habe. Niederlänbisch-Indien, Nieber- ländisch-Westindien und Curacao bildeten beson­dere verfassungsmäßige Einheiten, so Daß selbst bei einer Besetzung HollanDs Deren Status unverändert bleibe. Hieraus folge, Daß Die hollänDifche Regierung Das Angebot des Schutzes seitens Dritter Mächte für ihre kolonialen Besitzungen a b l e h n e, Da Holland fähig und voroereitet sei. Die Unabhängigkeit seiner Kolonien aufrechtzuerhalten. Das japa­nische Außenamt betrachtet daher die im Einver­ständnis mit Der hollänDischen Regierung durch Streitkräfte Der Westmächte vorgenommene B e - setzung von Aruba und Curacao in Nie- derländisch-Westindien als Verstoß gegen die offi­ziellen Zusicherungen Hollands, da esentschieden jeden Vorschlag dritter Mächte ablehnen werde, der auf Schutzbesetzung holländischer Be­sitzungen hinauslaufe". Die Direktorenkonferenz des Außenamtes besprach die neugeschaffene Lage, die Japans Polittk gegenüber Niederlänbisch-Indien erheblich berühren müffe.

Italien gegen die englische Geekontrolle.

Rom, 13. Mai. (Europapreß.) Die italienische Sonntagspresse veröffentlicht in großer Aufmachung die von dem Leiter der Wirtschaftskriegsabtellung im Außenministerium, Gesandten Pietromarchi, dem Duce als Bericht übermittelte Denkschrift über, wieVoce d'Jtalia" sich ausdrückt,die nicht mehr zu duldende S ch i f f a h r t s p o l 111 k d e r W e st m ä ch t e".

Die Seekontrolle Der Destmächte, so stellt Der Bericht fest, sei so beschaffen, daß sie in keiner Hin­sicht Den Grundsätzen des Völkerrechts entspreche. Dadurch sei aus dem Wirtschaftsleben Europas jede vertragliche Sicherheit verbannt wor­den. Insgesamt erweise sich Die verwickelte, willkür­lich angemenbete unb weit ausgedehnte Kontroll-

maschinerie nicht nur als eine Kampfwaffe zwischen Kriegführenden, sondern als ein Werkzeug kommerzieller Hegemonie, das auf Ge­bieten Anwendung finde, die mtt der Ueberwachung der Konterbande nichts zu tun hätten.

Die Denkschrift teilt mit, daß. feit Ausbruch des Krieges bis zum 3. Mai in 85 7 Fällen italie­nische Schiffe von Den englisch-französischen Kon- irollbehörDen angehalten worden sind. Das System, die Schiffe übermäßig lange festzuhalten, stelle eine Repressalie dar.

In einem weiteren Abschnitt Des Berichts wird die regellose Verschleppung Der Schiffe in einen oder mehrere, häufig Hunderte von Seemeilen von der Fahrtroute abgelegene Kontrollhäfen gebranD-

Der letzte Raub.

Nachdem Die Engländer in Polen, Finnland und Norwegen mehr oder weniger absichtlich zu spät gekommen sind, sind sie nun doch endlich einmal Den Deutschenz u o o r g e k o m m e n". Sie besetzten Island. Das liegt 800 Kilometer von Nordeng­land entfernt. Und von Island bis nach Norweaen ist, um keinen Irrtum aufkommen zu lassen, der kürzeste Wea über See gar 1200 Kilometer lang. Eine politische Donquichotterie also; denn kein Mensch wird die alberne englische Behauptung glauben, daß wir Deutschen irgendeine Absicht auf Das weltferne Island gehabt hätten. Wir haben es auch wirklich gar nicht nötig, zumal unsere Be­ziehungen zu Dem nächstbeteiligten Dänemark in aller Form und bestens geregelt finD.

Im übrigen handelt es sich um einen neuen Fall englischer Piraterie in Der Manier Dergro­ßen" britischen Seeräuber aus Dem Beginn der lleuzeit. Eine wehrlose Insel, Die ein so gut wie elbständiges Königreich in Personalunion mit Däne­mark ist, wird von England aus keinem anderen Grunde überfallen und besetzt, um endlich einmal einen Erfolg vorzutäuschen und um ohne jedes Risiko einen Landgewinn von 102 846 Quadratkilo* Meter, also fast so groß wie Bulgarien, einzuheim- en, wenn auch nur mit rund 109 000 Einwohnern, und dies ohne jede Rücksicht auf den isländisch- dänischen Vertrag, der Islands politische Unab­hängigkeit festgestellt hat. Also England wieder ein­mal ganz groß alsBeschützer der kleinen Volker". Aber so alt ist der einst so stolze britische Löwe chon geworden, daß er selbst diesen Appetithappen nicht verschmäht, sondern gewissermaßen als Haupt­mahlzeit zu sich nimmt, nachdem ihm Norwegen entgangen ist.

Auch auf der westlichen Hemisphäre scheint Ena. land nun sein Heil versuchen zu wollen. Das geht aus Der ßanDung britisch-französischer Truppen auf den bislang in holländischem Besitz befindlichen Westindischen Inseln Curacao und Aruba hervor. Diese, die zu Den der Nordküste Südameri­kas, insbesondere also Der Küste Venezuelas vor­gelagerten Inselnunter dem Winde" gehören, ind 1499 entdeckt worden. 1526 wurden sie spärli­cher Besitz und 1634 von Den Holländern erobert In der Zeit der napoleonischen Kriege, als franzo- ische Truppen das holländische Mutterland besetzt hatten, griff England eine bemerkenswerte Paralelle zu der heutigen Aktion nach den west­indischen Kolonien seines holländischen Verbünde­ten, genau so, wie nach dem süd-afrikanischen Kap. land, das es auch nach dem Wiener Frieden 1814 als besonders fetten Bissen behielt, während es Die west-inDischen Inseln wieDer herausrückte. Es wird nun von befonDerem Interesse fein, zu beobachten, wie man auf Dem panamerikanischen Kontinent Denkt über diese nicht unwesentliche politische Ge­wichtsverlagerung an einem durch Die Nähe Des Panama-Kanals strategisch besonDers empfindlichen Punkt Der berühmten 300-Meilen Zone, Deren Un­berührtheit und Unveränderlichkeit Die 21 ameri­kanischen Republiken in Erweiterung Der Monroe- Doktrin auf Dem Panamerikanischen Kongreß in Rio erst vor wenigen Monaten proklamiert haben. DeutschlanD hat ja zu wieDerholtem Male feine gänzliche Uninteressiertheit an territorialen Fragen Der westlichen Hemisphäre kunDgetan, aber weder für Die Vereinigten Staaten, noch für Die süd- amerikanischen Nationen kann es bedeutungslos sein, daß sich durch diesen Raub Das Brittsche Reich nahe am atlantischen Ausgang des Panama-Kanals und unmittelbar vor Den ergiebigen OetfelDem Ve­nezuelas einen neuen Stützpunkt gesichert tjat.

markt. Die Verluste, Die Den italienischen ReeDereien, Versicherungen und Handelsunternehmen bis jetzt durch Die Anhaltung und Verschleppung Der Schiffe, sowie Durch Die ungerechtfertigte Beschlagnahme ihrer Warenladunaen zugefügt worDen seien, de- liefen sich auf rund eine Milliarde Lire.

Weiterhin kommt der Bericht auf die rigorose Handhabung der Vorschriften über die Navicerts zu sprechen, die zu den absurdesten Erscheinungen führten. Beispielsweise seien Leichen von im Aus- lande verstorbenen Italienern, die zur Seftottung in die Heimat überführt werden sollten, an Boro italienischer Schiffe beschlagnahmt worden, weil die Navicerts gefehlt hätten. Unter den von den Kon- trollbehörden beschlagnahmten Waren befänden sich Kriegsmaterialien" wie Rosinen, Pfeffer und Sana zur Glasherstellung. Selbst aus Amerika kommende Sendungen für das Genfer Internationale Rote Kreuz verfielen Der Beschlagnahme.

Die italienische Regierung sei nicht gewillt zuzu­lassen, Daß in Italien anfällige Körperschaften oder Gesellschaften Befehle ober Vorschriften von aus­ländischen Behörden empfingen. In gewissen Fällen sei sogar Die unverschämte Forderung an italienische Firmen gestellt worden, ihre geheimsten Buchhal- tungsbohunente vorzulegen. Die faschistische Regie­rung habe auch Derartige Versuche sofort unferbun- ben, sie habe Die Kontrollbehörden aufgefordert, in den Grenzen zu bleiben, Die ihnen Durch die Ach­tung Der Souveränität Des Staates geboten seien.

Schließlich beleuchtet Der Bericht noch Die Post- kontrolle. Es hanDele sich auch nicht um eine ein­fache Kontrolle, sondern um eine wahre Zensur Der Briefsenbungen. Mitunter habe Die Zensur nicht ein­mal amttiche Sendungen unb Diplomatische Briefe verschont. Die faschistische Regierung habe nicht ver­fehlt, gegen Dieses Verfahren wiederholt zu prote­stieren. Jetzt habe Die Frage Der Kontrolle ihr rein technisches unb administratives Gesicht verloren und neyme Aspekte und Entwicklungen von ganz ande­rer Bedeutung an.

In einer Anmerkung zu der Denkschrift schreibt Popolo Di Roma", wenn man zwischen Den Zei­len lese, Dann sei diese Seeräuberei Der Westmachte weniger dazu bestimmt, aus Verteibigungsgründen zu kontrollieren, als vielmehr Italiens Han­del und Interessen zu zerstören, Ita­lien zu erdrosseln.Messaggero" erklärt, Ge­rechtigkeit bedeute für Die Demokratien, sich Den Löwenanteil zu sichern, ohne Löwen zu sein. Was Die typische englische Freiheit angehe, so äußere sie sich in einer Art Banbitentum auf dem Mee- r e. Wer eine, nur eine einzige Seite aus Dem goldenen Buch Derenglischen Freiheit" kennenler­nen wolle, möge Die Denkschrift über Die Seeton­trotte lesen.

Die türkische Flotte hat Manöver im Marmarameer begonnen, Die bis zum 22. Mai Dau­ern fallen. An den Manöoern nimmt auch eine U- Boot-Flottille teil. Die Manöverzone ist für Den Verkehr von Handelsschiffen gesperrt worden.

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