Mittwoch, 13. März M0
Gießener Anzeiger
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19ü. Jahrgang ttr.62
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vrühlscheUniverfltätrdnlckerelll. Lange General-Anzeiger für Oberhessen Siehen^5ch«lstrahe 7-9
Aussisch-finmscher Medensvertrag unterzeichnet.
Moskau. 13. März. (DUB.) Selk Freitag finden in Moskau finnisch-sowjetische Verhandlungen statt, die am Dienstagabend zum Abschluß eines Friedensvertrages zwischen der Sowjetunion und Finnland geführt haben. Von amtlicher Seite werden soeben folgende Einzelheiten zu dem sowjetrussisch-finnischen Friedensvertrag bekannt. Der genaue Text des Kommuniques liegt noch nicht vor.
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1. Der Friedensvertrag ist fowjetischerseits von Molotow, Schdanow und Brigadekommandeur Wassiljewski unterzeichnet, von finnischer Seite von Ryti, Paasikivi, General Malden und Professor Moitomaa.
2. Der Vertrag spricht der Sowjetunion zu: Die ganze Karelische Landenge einschließlich Miborg, das ganze User des Ladogasees, die Fischer-Halbinsel und Teile von Ostfinnland.
3. hangö und das zu ihm gehörige Territorium wird der Sowjetunion auf 30 Jahre für 8 Millionen Finnmark verpachtet zur Errichtung einer Marinebasis.
4. Finnland verpflichtet sich, in seinen Gewässern am Aordatlantlk keine Kriegsschiffe, U-Boote und Luftstreitkräfte zu unterhalten, mit Ausnahme von kleinen Küsten- wachtschiffen.
5. Die Sowjetunion verpflichtet sich, ihre Truppen aus Petsamo zurückzuziehen.
6. Die Sowjetunion wird das Recht des freien Transits über Petsamo nach Norwegen und umgekehrt genießen, ohne Zollkontrolle.
7. 3m Laufe des Jahres eine Eisen
bahnlinie von Kandalakj.«ya nach Kern i j ä r v i gebaut werden.
8. Der Friedensvertrag soll in drei Tagen r a t i f i z i e rt werden. Die Ratifikationsurkunden sollen in Moskau ausgetauscht werden.
9. Am 13. März, 12 Uhr, sollen die Kampfhandlungen an der Front eingestellt werden, am 15. März, ab 10 Uhr, sollen die Truppen beider Seiten sich auf die neue Staatsgrenze zurückziehen.
10. Verhandlungen über einen Handelsvertrag zwischen der Sowjetunion und Finnland sollen unmittelbar ausgenommen werden.
Die territorialen Bestimmungen.
Die Karelische Landenge zwischen Ladogasee und Finnische Meerbusen war in dem nun beendeten finnisch-russischen Kriege der Schauplatz heftigster Kämpfe, da es den Russen wesentlich daran lag, die russische Reichsgrenze von Leningrad nach Norden sortzuschieben. Wiborg war in den festen Tage» SM-tzunkt der MmM der Mi-
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sche Heeresbericht vom 11. März meldete die Umfassung der Stadt, die mit 73 000 Einwohnern die drittgrößte Stadt des Landes und ein bedeutendes Handelszentrum war, das schon einmal im Nordischen Krieg 1710 von den Russen erobert und bis 1811 in ihrem Besitz geblieben war. Der Ladoga- S e e , mit 18 180 Quadratkilometer der größte Binnensee Europas, gehörte bislang etwa zur Hälfte zu Finnland. Auch die F i f ch e r h a l b i n s e l, hoch im Norden dem Petsamo-Korridor vorgelagert, wurde bislang von der russisch-finnischen Grenze durchschnitten. Den Petsamo-Korridor, der zwischen norwegischem und russischem Gebiet Finnland den einzigen Zugang zum freien Meer öffnete, hatte Rußland im Frieden von Dorpat 1920 den Finnen überlassen, er soll ihnen auch jetzt bleiben. Die geplante Eisenbahnlinie soll das an einer Bucht des Weißen Meeres gelegene russische Militärlager Kandalakscha mit dem finnischen Kemfiärvi verbinden.
Lauter „Mißverständnisse".
Von unserer Berliner Schristleiiung.
Die britische Politik besteht — wenn man Herrn Chamberlain glauben darf — nur noch aus Mißverständnissen. So beruhte der italienisch- englischeStreitfall wegen der Kohlenschiffe, dessen vorläufige Beilegung das englische Prestige draußen in der Welt keineswegs erhöht hat, nach den Worten des englischen Kriegspremiers auf nichts anderem als auf einem Mißverständnis. Auf einem Mißverständnis der Italiener natürlich, meinte Herr Chamberlain in seiner letzten Unterhausrede und fügte hinzu, daß man aus diesem Grunde großmütig genug sein konnte, Schiffe und Ladungen an Italien zurück-
Berlin, 13. März. (DNB. Funkspruch.) Nach dem Abschluß des sowjetrussisch-finnischen Friedens- vcrtrages lohnt es sich, die in der englisch-französischen Presse bezeichnenderweise gerade in den letzten Tagen mit besonderem Nachdruck betriebenen Bemühungen, den Kriegsschauplatz im Norden Europas zu erhalten und noch weiter auszudehnen, kurz noch einmal zu verzeichnen, sehen wir doch damit das niederträchtige Spiel Englands mit Polen in neuer Fassung auferstehen.
Gleich zu Beginn der Verhandlungen brachte die vorsichtige „Times" erst einmal eine Reihe von Zuschriften, deren Verfasser sich für eine aktive Unterstützung Finnlands aussprachen. Was die ,I)ilfe" der Westmächte in Wahrheit für Finnland bedeutet hätte, das geht aus diesen Zuschriften klar hervor: Die Westmächte kämen den Finnen mit Kanonen und Flugzeugen zur Hilfe, und wenn Skandinavien bereit sei, mit den Demokratien zusammenzu- vrbeiten, könne der Kampf in Finnland zum entscheidenden Feldzug in diesem Kriege werden. Die Fortsetzung des Krieges in Finnland müsse Deutschlands beste Aussichten auf zweckentsprechende Hilfe aus Rußland gegen die britische Blockade zunichte machen.
In das gleiche Horn blies die Zeitschrift „Nine- teenth Century", die ebenfalls eine Intervention der Westmächte forderte, da hier den Demokratien eine zweite große Niederlage drohe, und zwar nicht nur der Verlust einer Schlacht, sondern eines ganzen Feldzuges. Die erste große Niederlage sei die Eroberung Polens durch Deutschland gewesen, die zweite, die jetzt drohe, sei die „russische Eroberung" Finnlands. Daher sei es nötig, daß die Westmächte, während sie so lange wie möglich Walter Kriegsmaterial durch Schweden schickten, selbst in Nordfinnland eingriffen, hierzu werde man nur wenige Truppen benötigen, aber diese könnten ausreichen, um der deutsch-russischen Koalition den Zugang zum Nordatlantik zu verwehren. Wenn dann zusammen mit der finnischen Armee eine solche nördliche Front geschaffen sei, könnte man die rechte deutsche Flanke bedrohen und die deutschen Verbindungswege im Baltikum und in Schweden zerschlagen. (!) Ad-
Oslo, 13. März. (Europapreß.) Das norwegische Regierungsblatt „Arbeiderbladet" schreibt zu den russisch-finnischen Verhandlungen u. a.: „Man darf Nicht unterschätzen, daß die Westmächte daran interessiert sind, den Kriegsschauplatz auszu- dehnen, um Deutschland und Rußland m bie Flanke fallen zu können. Auf die Frage, ob England entschlossen wäre, im Zusammenhang mit einer Intervention in Finnland die Neutralität Norwegens zu verletzen, verweigerte Chamberlain gestern im Unterhaus die Antwort. Wäre England gesonnen, Norwegens Neutralität nicht zu verletzen, so hätte Chamberlain selbstverständlich mit einem Nein geant wo r- te t. Der Verdacht, den gewisse Informationen über diese Frage erzeugt haben, verdichtet sich fast zur Gewißheit: Eine Intervention der Westmächte in Finnland würde über Norwegen und Schweden beabsichtigt sein."
Auch in Helsinki stellt man fest, daß die Haltung der Westmächte, wie sie in der Unterhauserklärung Chamberlains zum Ausdruck gekommen sei, Finnland die Augen über die wahren Absichten Englands, nämlich Finnland zum Olyekt der britischen Kriegsausweitungspläne werden zu lassen, geöffnet und die finnische Regierung dazu bestimmt habe, England nun endgültig eine Absage zu erteilen. Sollte England in letzter Minute eine Gewaltintervention versuchen, so wurde
Aktion m Nrmlank nicht als Msi, jondern
zugeben. Uns will allerdings scheinen, als ob der Irrtum — der Irrtum nämlich über die europäischen Machtverhältnisse — mehr auf feiten Englands gelegen hätte, denn am gleichen Tage mußte Chamberlain noch ein zweites Mißverständnis in einer nicht minder wichtigen Angelegenheit korrigieren. Der britische Oberplutokrat hatte nämlich vor den Unterhäuslern bekanntgegeben, die britische und französische Regierung hätten Finnland mitgeteilt, daß sie auf Grund einer Bitte um weitere Hilfe zum sofortigen handeln und zum gemeinsamen Einsatz aller verfügbaren Hilfsquellen für Finnland bereit wären. Dieser Satz war allgemein als die Ankündigung einer unmittelbar bevorstehenden Aktion aufgefaßt worden, und das Thermometer der Begeisterung im Lager der Kriegsausweitungshetzer stieg gewaltig. Vor allem die Franzosen, die ihre teuren Verbündeten auch gerne mal bei einer kriegerischen Operation sehen möchten, schöpften Hoffnung. Aber die Freude war verfrüht, denn ein paar Stunden sväter ließ Chamberlain mitteilen, daß über seine Ausführungen über die Hilfe der Westmächte für Finnland ein „M i ßv e r st ä n d n i s" vorzuliegen scheine, denn es sei noch kein Appell um Hilfe von der finnischen Regierung gekommen. Es gehört anscheinend schon zum guten Ton, daß die Politik Chamberlains falsch ausgelegt wird. Was es mit den englischen „Mißverständnissen" auf sich hat, das wissen ja auch die Polen und Tschechen, das wissen haile Selassie, Schuschnigg, del Vajo, Achmed Zogu und so viele andere Schützlinge der Londoner Plutokratenkaste, das werden bald auch die Engländer selbst wissen, nachdem sie von Herrn Chamberlain schon vorsorglich darauf hingewiesen wurden, daß der Krieg bisher „ganz anders" verlaufen fei, als er erwartet hätte. Der Krieg wird bestimmt noch ganz anders verlaufen, als die Propheten in London es verkünden, und das dürfte dann das größte „Mißverständnis" sein, das Herrn Chamberlain unterläuft. H. Ev.
Die gescheiterten Kriegsausweitungspläne
Oer Betrug an polen sollte mit Finnland wiederholt werden.
mira'l Sir Sydney Freemantle erklärte schließlich ganz offen, daß es für die Westmächte von großem Vorteil sein werde, wenn ihnen die norwegischen und schwedischen h äs e n am Atlantik zur Verfügung ständen, ebenso die Nutzung des schwedischen Erzes und Holze s. All das aber könnte man nur erreichen, wenn man Rußland den Krieg erkläre und — Freemantle erwähnt das bezeichnenderweise erst ganz am Schluß — Finnland sofort zu Hilfe tarne.
Das Pariser „Ordre" schreibt, daß die Westmächte sich nicht mit der Nichtkriegsührung gewisser Staaten und mit gewissen Neutralen abfinden würden, deren Sorge um ihren gefährlichen Feind auf die Dauer für sie selbst tödlich sein könnte. Kurz daraus aber erklärte schon der „Populaire", es gebe gute Gründe zu der Annahme, daß England und Frankreich, sobald ein formeller Wunsch Finnlands vorliege, eine Expedition landen und auf den Weg bringen würden, ohne diesen Entschluß einer ausdrücklichen Einwilligung Norwegens und Schwedens unterzuordnen. Der „Matin" meinte, man dürfe sich keine Sorgen darüber machen, wenn etwa aus einem solchen Angriff der Westmächte gegen Sowjetrußland der Kriegszustand entstehen würde oder nicht. Die Westmächte hätten jetzt zu wählen. Wenn sie wünschten, daß auf dem Wege über Finnland der deutsch-sowjetrussische Block geschwächt werden könne, dann mühten sie Finnland die materielle Möglichkeit zum Widerstand geben. Im ,Zour" aber vertrat Fernand- Laurent, einer der Interpellanten der Kammer, ganz offen den Standpunkt, daß die Westmächte gar nicht auf einen Appell Finnlands warten sollten, um in den Krieg gegen Sowjetrußland einzugreifen, denn die finnische Front sei eine Verlängerung der Westfront, und das gleiche forderte schließlich auch das „Oeuvre", das erklärte, daß England und Frankreich auch dann handeln müßten, wenn Schweden und Norwegen den Durchmarsch durch ihr Land verweigern und möglicherweise Deutschland zu Hilfe rufen würden. Es handle sich jetzt darum, militärische Entschließungen zu schaffen und den Gefahren einer Aktion ins Auge zu sehen.
Englands Spiel durchschaut.
als S t ö r u n g s a k t i o n der Westmächte empfunden werden. Man stellt in Finnland fest, daß den Westmächten zu einer effektiven Hilfe für Finnland drei Monate zurVerfügung standen. Durch die Unterhauserklärung in diesem Augenblick habe das Vertrauen zu England erheblich gelitten, da das finnische Volk seit drei Monaten das Ausbleiben der Hilfe hätte beobachten müssen.
Befriedigung in Schweden.
Stockholm, 13. März. (DNB. Funkspruch.) Die gesamte schwedische Presse erklärt, daß die Friedensbedingungen für Finnland zwar hart feien, daß Rußland aber die Selbständigkeit Finnlands anerkannt habe. „Stockholms Tidningen" schreibt: „Der Friede stellt eine diplomatische und moralische Niederlage für England dar, einen Rückschlag für die Kriegsausweitungspolitik, eine Normalisierung des deutsch-russischen und deutsch-finnischen Handels und insgesamt genommen eine Stabilisierung der Lage im O st s e e g e b i e t". Uebereinstim- mend melden die Blätter, daß in den westeuropäischen Hauptstädten Enttäuschung und Bestürzung über den Abschluß des Moskauer Friedens herrsche. Die am Montag improvisierte Szene im englischen Unterhaus (die übereilte Hilfe-Erklärung Chamberlains an Finnland) drohe Chamberlains größtes Sissts tu werde«.
Sie Aealiiäl der Achse.
„3m Geist und im Rahmen des Bündnisvertrag aes und der zwischen Italien und Deutschland bestehenden Abkommen" find, wie die amtliche römische Verlautbarung feftstellt, die Besprechungen unseres Reichsaußenministers mit den römischen Freunden erfolgt. Die Fühlungnahme zwischen Berlin und Rom war an und für sich nichts Besonderes. Sie erfolgte gemäß der Interessengemeinschaft der beiden großen Nationen, und die technische Ge- taltung dieser Beziehungen, also die von Zeit zu Zeit sich aus der ganzen Natur dieser innigen Verbindung ergebenden Aussprachen über die gemein* amen Ziele konnten eigentlich nur die Realität der Achse als die selbstverständliche Grundlage der politischen Führung Deutschlands und Italiens bestätigen. Seitdem vor einem Jahr das Verhältnis der beiden Nationen die endgültige Form gefunden hat, zeigte sich, daß in jeder außenpolitischen Frage die beiden Regierungen durchaus konform gehen und daß über die Begrenzung der Kriegsschauplätze sowie die bewaffnete „habacht"-Stellung der Italiener in diesem Kriege vollkommenes Ein- Verständnis zwischen Rom und Berlin besteht. Der Duce hat die Haltung Italiens, die so wesentlich dafür sorgte, daß das Mittelmeer aus den Kriegshändeln herausgehalten werden konnte, im Einvernehmen mit dem Faschistischen Großrat insofern positiv gestaltet, als die Nichtkriegführung Italiens nicht mit blasser Neutralität verwechselt werden darf, sondern für ein neues Europa wirkt, das an Stelle der peripheren englischen und französischen Machtstellung einen Sieg der Idee vom natürlichen Zusammenhang der Lebensräume der festländischen Nationen, ihre Gleichberechtigung und die Durchsetzung ihrer natürlichen und berechtigten Ansprüche jum Ziel hat.
Die beredte Bedeutung der Fahrt nach Rom gerade in diesem Augenblick hat die Phantasien der plutokratischen Kriegshetzer noch mehr entflammt Sie haben natürlich ganz genau gewußt, was die verantwortlichen Leiter der deutschen und italienischen Politik überhaupt nicht wissen. Sie haben gemäß den ihnen wohlvertrauten Intrigen, welche die englisch-französische Zwangsehe umran- ken, diesen Geist der Zersetzung auch der Achse andichten zu müssen geglaubt. Es ging den Kriegshetzern um die Erweiterung des Krieges, denn bei- ehemalige französische Kriegsminister Oberst Fabry schreibt im „Matin" bezeichnenderweise: „Es ist nicht unser Vorteil, den Krieg auf ein Duell zwischen Frankreich - England und Deutschland reduziert zu sehen", und noch am Sonntag lamentierte der Londoner Lügenrundfunk über den „zynischen Pakt Deutschlands mit Rußland", den die Engländer und Franzosen ihrerseits gern abgeschlossen hätten, und der bann selbstverständlich Ausfluß ber höchsten Lonboner Regierungsweisheit gewesen wäre. Mit biesem Pakt Berlin-Moskau hat
Das Echo in Italien.
Neue schwere Schlappe für England und Frankreich.
Rom, 13. März. (DNB. Funkspruch.) Der fin- nisch-russische Friede wird von der römischen Presse als realistische Tat gewürdigt, die hervorgehoben zu werden verdiene, aber auch zugleich als ein schwerer Schlag für England und Frankreich, die damit ihre Hoffnungen scheitern sähen, den Krieg nach dem Norden Europas auszudehnen. In der erst von Chamberlain und dann von Da lädier in letzter Stunde angebotenen „Hilfe" sehen die Blätter eine leere Geste, mit der man offenbar einen Rechtfertigungsversuch vor der eigenen Oeffentlichkeit machen wolle. „Popolo di Roma" schreibt, daß Frankreich und England jetzt, wo der Friede abgeschlossen fei, sich mühten, den „Beweis" zu erbringen, daß sie zu einer Intervention bereit gewesen seien, um angeblich die finnische Unabhängigkeit zu verteidigen. Es werde Den Weltmächten nun nichts anders übrig bleiben, als ihre Presse auf die skandinavischen Neutralen zu Hetzen, die gewußt hätten, was man von den Versprechungen Frankreichs und Englands zu halten habe. Der „Popolo d'Italia" schreibt, die großen Demokratien hätten ein weiteres Spiel verloren. Das Blatt betont den deprimierenden Eindruck, den die Nachricht von der Verständigung zwischen Moskau und Helsinki in London hervorgerufen habe. Der „Corriere della Sera" hebt den ungeheuren Eindruck hervor, den die Nachricht in Paris ausgelöst hat, wo sich eine Welle der U nzusri ede nheit gegen die fortgesetzten Mißerfolge der westlichen Diplomatie bemerkbar mache. London sei vollkommen aus der Fassung gebracht worden. So verschließe sich den Alliierten das so sehnsüchtig gewünschte Schlacht- feflb, auf welches sie hindrängten, nachdem sie vor den Stahl- und Betonmauern des Westwalles fest- gefahren seien. Alle schönen Projekte der Westmächte hinsichtlich der Unterbindung der Erzzufuhr von Skandinavien nach Deutschland, einer Bedrängung Rußlands und einer Ausdehnung des Seekrieges in die Ostsee seien nun gescheitert.
Auch Holland stellt schwere moralische Niederlage der Westmächte fest.
Amsterdam, 13. Mäm. (DNB. Funkspruch.) Die Nachricht vorn Friedensschluß zwischen Rußland und Finnland wird in Holland als eine schwere moralische Niederlage Englands und Frankreichs gewertet, die sowohl in Skandinavien als auch auf dem Balkan einen großen Prestigeoerlust bedeute. Der „Nieuwe Rotter- dänische Courant" schreibt, daß für Deutschland diese Entwicklung in gleichem Ausmaß einen Erfolg bedeute, wie sie für das Ansehen der Alliierten einen schweren Schlag darstelle. Die leere Geste der Alliierten, Finnland helfen zu wollen zu einem Zeitpunkt, als die Dinge bereits entschieden waren, habe diese moralische Niederlage der All« irrten noch erheblich perZrößert»


