Ausgabe 
12.7.1940
 
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Nr. lbZ Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeigrr für Oberhessen)

ßreitag, 12. Zull 1940

Heilkräutersammelaktion im Kreis Wetterau

Und so preiswert

Starkwirksam, gegen Zahnstein­ansatz, zahnfleischkräfti­gend, mikrofein, mild aromatisch.

1710

^40 Pf

die große Tube die kleine Tube

25Pf

chaften der RfH. (Reichsarbeitsgemeinschast für Heilpflanzenkunde und Heilpflanzenbefchaffung) un­ter Führung der Schulen und der Lehrerschaft ge­bildet worden.

Der Kreissachbearbeiter der RfH., Lehrer O ß - wald (Bad-Nauheim) führte dieser Tage in der Goetheschule in Gießen eine Besprechung mit sei­nen Mitarbeitern in den Kreisabschnitten durch. Alle technischen Fragen, insbesondere die der Ab-

NSG. Erst ein gutes Jahr ist vergangen, seit das Pflichtjahr eingeführt wurde. Zuerst gab es von Seiten mancher Eltern einige Bedenken, sollten sie doch ihre Tochter für ein ganzes Jahr aus dem Hause geben, noch dazu aufs Land, obwohl sie keine Land­arbeit gewöhnt war. Außerdem sahen sie einen Nach­teil darin, daß ein ganzes Jahr der Berufsausbildung verlorenginge. Abgesehen davon, daß ein Mädel das auf einem Bauernhöfe Erlernte immer verwenden kann, ist der Sinn des Pflichtjahres vor allem der, der überlasteten Bauersfrau eine Hilfe zu bringen. Kann natürlich ein Stadtmädel auch nicht sofort eine hochwertige Arbeitskraft sein, so haben die Erfahrungen des ersten Jahres, vor allem die Urteile der Landfrauen selbst, gezeigt, daß die Mädel sich oft in wenigen Wochen so gut einarbeiten und mit solcher Lust und Liebe ihre Arbeit tun, daß sie im Bauernhaushalt bald bestimmte Pflichten über­nehmen und damit die Bäuerin entlasten können. Nach einem Jahr fiel der Abschied vom Bauernhöfe oft schwer, und viele Mädel faßten sogar den Ent­schluß, für immer auf dem Lande zu bleiben. In diesem Fall war sogar ein Jahr der Berufsausbildung gespart, da das Pflichtjahr bei Erlernung eines ländlichen Berufes angerechnet wird. Und die Eltern,

glücklich über das Wohlergehen ihres Kindes, das gesund, gebräunt und kräftig aussah, hatten nun nichts dagegen. So erfüllt das Pflichtjahr auch seine zweite Aufgabe, die Jugend dem Lande zurück­zugewinnen!

Daß es der Jugend auf dem Lande gefallt, sie schnell heimisch wird und daß sie sich oft entschließt, für immer dort zu bleiben, dafür sorgt heute nicht zuletzt die vom Reichsnährstand neugeschaffene Be­treuung der Pflichtjahrmädel. Kein Mädel ist sich selbst überlassen, kein Mädel bleibt ohne Rat und laufende Betreuung. Jedes Pflichtjahrmädel wird in die Dorfgemeinschaft und in die Gemein­schaft des BDM. ausgenommen. Die Jugendwartin- nen des Reichsnährstandes, die zugleich Bauerntums­beauftragte des BDM. sind, betreuen die Mädel das ganze Jahr hindurch, überzeugen sich persönlich von Zeit zu Zeit von ihrem Ergehen, beseitigen et­waige Schwierigkeiten und führen sie in den BDM.- Dienst und die Dorfgemeinschaft ein. Zwei- bis drei­mal im Jahr kommen die Pflichtjahrmädel außerdem zu einem Pflichtjahrtreffen zusammen, wo die Jugendwartinnen und zuständigen Kreissachbearbei­terinnen des Reichsnährstandes zu ihnen sprechen und mit ihnen einige frohe Stunden zusammen verleben.

eine genügend lange Wässerung von etwa einer hal­ben Stunde bis zu mehreren Stunden zu empfeh­len, wenn man daraus etwa Schweinebraten nach deutscher Art herstellen will. Die Schinken-, Schul­ter- und Dauchstücke lassen sich wie Kotelett ver­wenden, und vielleicht versuchen wir es auch mal nach englischem Geschmack, indem wir Bacon mit einem Setzei zusammen braten. Kocht man das Baconfleisch dagegen wie Schweinebauch zusammen mit Gentüse, so braucht man nicht einmal vorher zu wässern. Im übrigen wird jede Hausfrau bald mit der neuen Fleischart vertraut sein und sie als will­kommene Bereicherung unseres Speisezettels be­grüßen.

Die Abgabe von Bacon an die Derbraucherschaft erfolgt natürlich auf die Abschnitte der Reichsfleisch- karie, wobei man die gleichen Mengen wie beim Einkauf von inländischem Schweinefleisch erhält. Die Kleinverkaufspreise sind ebenfalls die gleichen wie beim deutschen Schweinefleisch.

Bezug von Sommerschuhen erleichtert.

Der Schuhbedarf der Bevölkerung wurde in den Sommermonaten schon im Frieden in der Regel durch leichtes Schuhwerk (Sandaletten, Sandalen, Sommerstoffschuhe u. ä.) gedeckt. Auch in diesem Jahre ist leichtes Schuhwerk in genügender Menge vorhanden. Es kann gegen Bezugschein II ge­kauft werden, den die Wirtschaftsämter unter er­leichterten Voraussetzungen den Verbrauchern aus­stellen, die Bedarf an Schuhwerk haben.

Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die auf Bezugschein II bezogenen Sommerschuhe den

will. Erst nachdem durch einen klugen Untersuchungs­richter, der sich stets im Hintergrund hält, die Zu- ammenhänge aufgeklärt werden und der zum äußersten erregten und entschlossenen Menge der wahre Schuldige gezeigt werden kann, lösen sich Irrtümer und Verkettungen, löst sich die unheimliche Spannung, entgeht der Unschuldige dem Tode.

Der Film schildert in faszinierenden Bildern und Szenen nicht eine Kriminalgeschichte schlechthin, sondern umreißt scharf eine Problematik, tote sie sich notwendig aus der Doppelgängerschaft ergeben muß, wenn sich die Schicksale zweier intensiver Persönlich- leiten vor dem Forum einer breiteren Oeffentlich- keit begegnen. Immer wieder steht in diesem Film die zügellose Heftigkeit einer größeren Volksmenge dem einzelnen Schuldigen oder Schuldlosen wie eine Naturgewalt gegenüber. Diejenigen Szenen gar, in denen großes gesellschaftliches Leben und rauschende Festlichkeit gezeigt werden, erscheinen, vor dem Hintergrund der erregten Volksmenge wie ein Tanz auf einem Vulkan. Der Regie von R. A. Stemmle ist es geglückt, den dankbaren Stoff zu stärksten Wir­kungen zu führen.

Die Haupt- und Doppelrolle trägt Karl Raddatz. . Er setzt alle seine Qualitäten ein. Er erscheint (he­ll aleresk und in feinen menschlichen Zügen seiner Partnerin gegenüber, energisch in den Szenen um die Behauptung der Identität seiner Person im Stru- del der Ereignisse, erstaunlich lebenswahr, ja elemen­tar, im verzweifelten Kampf um sein Leben. Anneliese Uhlig als Madeleine ist ihm eine Partnerin von klar ausgeprägtem Charakter und von einer schönen Ent­schiedenheit im Gefühl und in der Handlungsweise. Leo Slezak begegnet man als einem feisten Stadt­präfekten, den die Ereignisse aus einer Krise in die andere stürzen und ihn stets in einer gut gespielten Hilflosigkeit zeigen. In sehr sorgfältiger Anlage gab Oskar Sima den Untersuchungsrichter, der in Klar­heit des Geistes die Dinge übersieht, die Entschei- düngen reifen läßt und im wichtigen Augenblick bestimmend eingreift. Zahlreiche andere Rollen sind mit glücklicher Hand besetzt. Die Darsteller dienen uneigennützig der Sache. Die Photographie erhebt sich nirgends zum Selbstzweck, sondern schildert ledig­lich in sachlicher Klarheit. H. L. Neuner.

lieferung und des Versands an die Gaufammelstelle in Frankfurt a. M.-Höchst wurden geklärt. Die Ge­meinden liefern an die Bezirkssammelstellen ab, die in allen Kreisabschnitten eingerichtet worden f Für den Kreis Gießen kommen die folgenden Be­zirkssammelstellen in Frage: Gießen-Stadt, Goethe­schule (Leiter: Lehrer Jmmel); Gießen-Land, Volks­schule Großen-Linden (Lehrer Reck); Großen-Buseck, Volksschule (Rektor Jnderthal); Grünberg, Oberschule (Studienrat Walter); Hungen, Volksschule (Lehrer Jockel); Laubach, Oberschule (Lehrer Ott, Gonters­kirchen): Lich (Apotheker Weber); Londorf, Volks­schule (Lehrer Möller); Lollar, Volksschule (Lehrer Philipps.

Für mortzen, Samstag, hat Kreisleiter Back­haus zu einer Tagung des Kreisarbeitsausschusses der RfH. nach Bad-Nauheim eingeladen, an der auch die Leiter der Bezirkssammelftellen teilnehmen wer­den. Im Mittelpunkt der Tagung wird ein grund­legendes Referat des Gausachbearbeiters bei der Gauabteilung Hessen-Rossau der RfH., Apotheker R i p p e r g e r, Frankfurt a. M.-Höchst, stehen.

auch sie der Exekutor holen konnte. Wer weiß, wo diese treue Helferin heute steht, und ob es nicht hin und wieder in ihren Tasten zuckt, wenn sie jener Zeit gedenkt, da ich mit großer Eile und sehr viel Hoffnung meine ersten Sätze auf ihr herunterge- Irommelt habe.

Golowin"' geht durch die Stadt.

Der Doppelgängerschaft haftet von jeher (sei es nun im Harmlosen ober im Hintergründigen) eine anhaltende innere Spannung an, die sich je nach Art und Charakter der Personen, die sich dabei begegnen, bis in das Unheimliche steigern kann. Für den Film erscheint das Thema der Doppelgängerschaft als em besonders dankbares Motiv, und der neue Film beweist es auch, wie fesselnd es zu gestalten und zu behandeln ist, wenn sich Romanschriftsteller, Dreh­buchverfasser, Regisseur und Darsteller in glücklicher Konstellation finden und jene Untertöne treffen, auf die es uns hier besonders anzukommen scheint.

In dem Bavaria-FilmGolowin geht durch die Stadt" (Lichtspielhaus), der einem in derMünchener Illustrierten" erschienenen Roman von Hugo Maria Kritz nachgeschaffen ist, gerät man rasch in den Bann des Phänomens, wie es die Doppelgängerschaft ist.' Der Dr. Cannenburgh, den ein Zufall in em ab­seitiges (polnisches) Städtchen verschlägt, steht stch plötzlich inmitten einer Situation, an der er völltg unschuldig ist, von der er aber mit ganzer Person erfaßt wird. Die Bevölkerung einer ganzen Stadt lehnt sich einmütig gegen ihn auf, droht ihm, dem .Fremden, mit Gewalttätigkeiten, obwohl thn doch niemand kennen kann, denn er hatte nie vorher das Städtchen betreten. Er erfährt es rasch, daß er einen Doppelgänger hat, der, ein Schwindler großen Sttls, durch eine fragwürdige Bankgründung die Bürger­schaft der ganzen Stadt schädigte, bann nur scheinbar Selbstmorb beging und sich dadurch (und mit Hilfe zweier Komplizen) auch noch eine riesige Ver­sicherungssumme ergaunerte. Und den durch einen Zufall in diese Stadt geratenen Wiener Arzt trifft nun ein abgründiger Haß, der durch manches sen- sationelle Zwischenspiel zunächst beschwichtigt, dann : aber -wieder geschürt und gesteigert wird und sich t endlich in einem Lynchgericht gegen ihn entladen

Aus der Stad« Gießen.

Tücken des Alltags.

Wer wollte leugnen, daß sie sich auch jetzt be­haupten? Vielleicht kann man sagen, daß sie in dieser Zeit erst recht Gelegenheit finden, sich breit zu machen. Die Tücken des Alltags sind eben Er­scheinungen, mit denen niemals völlig aufgeräumt werden kann. Es sei denn, unser Dasein würde den Rahmen naturgesetzlicher Notwendigkeiten sprengen und uns zu der etwas eintönigen Lebensweise m paradiesischen Gefilden verhelfen. Aber selbst dort würden die Tücken möglicherweise einen vortreff­lichen Nährboden finden, wenn nämlich die mensch­lichen Eigenschaften auch in jenem unbekannten Ge­biet weiter wachsen und gedeihen könnten.

Denn mit der menschlichen UnzulänEchkeit, die ja ein Bestandteil des menschlichen Wesens ist, haben die Tücken des Alltags gleichsam einen Pakt geschlossen. Man könnte auch sagen, daß sie em Nutzungsrecht gepachtet haben. In Erbpacht sozu­sagen. Und deshalb lassen sie keinerlei Möglichkeit aus, sich gehörig ins Licht zu setzen. Sollte es da in dieser Zeit anders sein? Nein, es ist ganz natür­lich, daß sie sich munter betätigen und dein geplag­ten Erdenbürger das Leben schwer machen. Was übrigens ihr einzigster Daseinszweck ist.

Jeder kennt die Tücken des Alltags zur Genüge. Da hat Frau Becker von nebenan am Abend noch einige Wäschestücke hinter dem Hause aufgehangt. Am nächsten Morgen fehlt ein Handtuch, kann man es glauben? Frau Becker glaubt es und schöpft einen bösen Verdacht. Handtücher sind heutzutage kostbar sollte etwa Frau Berger aus dem dritten Stock?» Im Hause braut sich ein Gewitter zusammen, aber erfreulicherweise stellt sich das Handtuch wieder em, ehe es zur vollen Entladung kommt. Hinter den Gartenbüschen lag das Handtuch. Vielleicht hat es der Wind dorthin geweht, vielleicht hat auch eine Katze damit gespielt. Jedenfalls ist es ein Glück, daß es so rasch gefunden wurde.

Clemens und ich.

Von Bruno Brehm.

Das ist nun wohl gerade elf Jahre her. Ich trug mein erstes Manuskript selbst in die Redaktion, da es mit dem Decknamen Bruno Clemens gezeichn^ war. Warum mit einem Decknamen? Weil ich mich ein wenig schämte? Weil mich zwiefacher Hochmut verächtlich auf das Geschichtenschreiben hinabschauen ließ, weil dem gewesenen Offizier das Aufknöpfeln des geschlossenen Rockes etwas schamlos Verbotenes schien und weil der Wissenschaftler, der ich geworden war, zu zeigen hat, was er weiß, und nicht, was er fühlt.

Obwohl mir also beide Standesehren abrieten, ließ ich es nicht sein, denn ich mußte Geld verdienen. Also verbarg ich mich hinter einen Decknamen, und hoffte, es werde niemals jemand etwas von meinem verbotenen und schändlichen Tun erfahren. Um mich besser einzuführen, nahm ich eine bereits gedruckte wissenschaftliche Arbeit mit, die ich ein wenig verle­gen dem Schriftleiter vorlegte. Dieser schien aber kaum erschüttert zu sein, daß sich solch em erlauch­ter wissenschaftlicher Geist entschlossen hatte, sozu­sagen mit der linken Hand Geschichten zu schreiben, und ich glaube auch nicht, daß er stch den Kopf zer­brochen hat, warum ich dies unter einem £, namen tun wollte. Nach einiger Zeit _?h, dieses Warten, diese Ungeduld nach der ersten Sunde! erschien diese Geschichte, und ich sah den Bruno Cl^ mens gedruckt. Ich hatte weder ein erhebendes noch ein niederschmetterndes Gefühl. Mit dreiun^reißig Jahren berauscht einen die erste Druckerschwärze nicht mehr. Aber ich oder vielmehr Bruno Cle­mens hatte den ersten Ruf ausgestoßen, und wir warteten nun auf ein Echo. Alles blieb still. Dieser Bruno Clemens wurde mir verdächtig, ia er tat mir fast ein wenig leid. Aber er fühlte sich bei die­sem verbotenen Tun sicher, er schrieb unverdrossen weiter. Kein Echo erreichte ihn, niemand fragte bei der Zeitung an, von wem denn diese hervorragen­den Geschichten seien, da man in keinem Telephon­oder Adreßbuch einen Bruno Clemens entdecken könne. Ich dachte nicht daran, einen. Roman zu

Kem Pflichtjahrmädel ohne Betreuung

Neue zürsorgemaßnahmen des Reichsnährstandes.

Die Sache mit dem Kragenknopf geht zwar eigentlich nur die Männerwelt an, aber vermöge der wellenschlagenden Kraft der Tücken geraten häufig genug sämtliche Familienmitglieder m den Bereich ihrer peinlichen Wirkung. Der Kragenknopf des Hausherrn ist fortgerollt, soviel steht fest. Aber es ist auch kein Ersatzknopf mehr vorhanden, was gleichfalls feststeht. Toben des Hausherrn, grollen­de^ Echo der Bedrohten. Eine Atmosphäre verdich­tet sich, wie sie kaum giftgeschwängerter sein kann.

Die Beispiele von den Tücken des Alltags lassen sich beliebig vermehren. Jeder Tag gebiert neue. Was man dagegen tun soll? Sich wappnen mit philosophischer Ruhe und einem guten Schuß Hu­mor. Sich sagen, daß es viel wichtigere Dinge gibt und daß es lächerlich ist, mit Kanonen nach Svatzen zu schießen. Dann wird man zwar auch den Tucken des Alltages nicht entgehen können, denn fi» wach­sen wie Unkraut an jedem Wege, aber man wird sie zur Strecke bringen, noch ehe sie ihr atzendes Gift verspritzt haben. H. W. Sch.

Dornotizen.

Tageskalender für Freitag.

Gloria-Palast (Seltersweq):Kennwort Machin". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Golowin geht durch die Stadt".

LM.-llntergau 116 Wetterau.

Alle Jungmädel treten am Samstag, dem 13. Juli, 15 Uhr, auf dem Ludwigsplatz zur Heilkräuter- sammlung an. Körbe und Säcke find mitzubringen. Alle JM.-Scharführerinnen melden sich Freitag, 12. Juli, 19 Uhr, auf der Dienststelle.

Ausgezeichnetes Sammelergebnis.

Die Listensammlung, die am vergangenen Sonn­tag durch die NSV. zugunsten des Kriegshilfswerkes des Deutschen Roten Kreuzes durchgeführt wurde, erbrachte im Bereich des Kreises Wetterau der NSDAP, den stattlichen Betrag von 11200 0 R M. In Gießen und den Vororten betrug das Sammelergebnis nahezu 24000 RM. Das Ergeb­nis beibeutet gegenüber der vorausgegangenen Listen­sammlung abermals eine erhebliche Steigerung der Opferfreudigkeit unserer Bevölkerung.

schreiben. Ader aus den Tischladen voll Geschichten - veröffentlichte dieser Bruno Clemens einige.

War damals eine schöne Zeit? Nein, es war ganz und gar keine schöne Zeit. Ich hatte der Wis­sen chaft den Rücken gekehrt und war in einen Verlag eingetreten. Bei Tage mußte ich Manu­skripte lesen, und in der Nacht stöhnte ich. Denn gedruckt ist schnell etwas, aber verkauft! Die Erfah­rungen jener Tage habe ich in meinem allerersten Buche niedergelegt, das ich den Bruno Clemens schreiben ließ. Dieses Buch ist deshalb bemerkens­wert weil es drei- bis viermal soviel Druckfehler als Seiten hat. Dies kam daher, weil ich das Buch in vierzehn Tagen geschrieben und zum 2ejen ber Korrekturen keine Zeit mehr hatte. Es war em Buch wie ein Brief, ben man nie abschickte, lese man ihn vorher noch einmal durch! Wie dieses Buch hieß? Das verschweige ich. Es ist wenig Ehre mit ihm aufzustecken. Ich selbst habe es nicht einmal mehr m meinem Besitz. Eine wüste Sache!

Der Verlag röchelte nur noch. Ich fuhr mit einem Taxi heim und keuchte mit einer großen Schreib­maschine, auf der schon der grüne Pfanbungskuckuck flehte, in den vierten Stock, nicht, um em bereits gepfändetes Objekt beiseitezuschaf^n, sondern um auf dieser Maschine eben jenes Werk zu schreiben. Meiner erstaunten Frau erklärte ich, daß nun bald eine Wendung zum Besseren eintreten werde, denn nun wolle ich das Schicksal selbst meistern. Dann stellte ich die Maschine in dem kleinen, bunt bemal­ten Kabinett auf, ersuchte um vollkommene Ruhe und begann zu dichten; ich muß schon sogen, frOü) drauf los, auf Teufel komm raus. Denn ich wollte mit eben diesem Werk meinen versinkenden Verlag

Und was geschah? Rettete dieser eifrige Bruno Clemens mit diesem so hurtig geschriebenen Buch den Verlag? Rettete er fein Unternehmen, mbem er die Geschichte eines urtergehenden Verlages selbst beschrieb? Mit nichten! x

Der Verlag ging unter, mein Geld sackte ab uno, wie ich hoffe, mit ihm auch jenes einzige Bruno- Clemens-Buch. Wir beide, Clemens und ich, wir ret­teten gerade das nackte Leben aus der wilden Bran­dung der Zeit. Vorher trug ich noch die Schreib­maschine mit dem Kuckuck an ihren Platz, damit

Kostenlose Steuerberatung für Mitglieder der DAF.

Handwerksmeister Gewerbetreibende.

Achtung!

Die Steuerbescheide sind in der allernächsten Zeit zu erwarten. Jeder Steuerbescheid bedarf einer ein­gehenden Prüfung.

Wenden Sie sich deswegen an die Rechtsberatungs­stellen der DAF. und nehmen Sie die kostenlose Steuerberatung in Anspruch. Dazu wird darauf hin­gewiesen, daß notwendig werdende Rechtsmitteloer­fahren (Anfechtungen usw.) und die damit verbun­dene Prüfung der Buchführung, die Stellung von Stundungs- und Erlaßanträgen, die Verhandlungen vor den Finanz- und Steuerämtern kostenlos für Mitglieder der DAF. erledigt werden. 3204V

Auskunft erteilt für die Kreise:

Gießen, Schanzenstraße 16, Kreisrechtsberatungsstelle.

ßin Zirkus kommt in die Stadt.

Es gibt kaum etwas Konservativeres als Zirkus- plakate. Seit Jahrzehnten zeigen sie immer die gleichen Bilder, Bilder von einer berückenden Viel­farbigkeit, die in überschwenglichen Worten die

Bacon als Braten und gekocht.

Wie wird das dänische Fleisch zubereilet?

Seit einiger Zeit gibt es in den deutschen Ge­schäften eine neue Fleischart zu kaufen, die den Hausfrauen bis jetzt meist unbekannt war. Es han­delt sich dabei um den sogenannten Bacon, worun­ter man mild gesalzene Schweinehälf­ten versteht, die von leichten Fleischschweinen stammen. Die Engländer hatten früher diesen Frühstücksspeck in großen Mengen aus Dänemark eingeführt, seitdem aber die Deutschen die englische Insel von den Eiern, Speckseiten und der Butter Skandinaviens abgeschnitten haben, ist das früher so reichhaltige Frühstück der Briten kümmerlich ge­worden. Dafür liefert die dänische Bacomndustne jetzt nach Deutschland, wo der Bacon als Dauer­ware für die Heeresverpflegung verarbeitet und nun auch zum Teil an die Zivilbevölkerung abge­geben wird. r .

Der Schlächter wird deshalb den einkaufenden Hausfrauen jetzt öfter die Frage vorlegen, ob sie Frischfleisch oder den leicht gepökelten Bacon ha­ben wollen. Dabei werden viele Frauen dem sremd- artigen Namen mißtrauen, obwohl es sich im Grun­de genommen um nichts anderes als unseren alt­bekannten Pökelkamm oder Kasseler Rippenspeer handelt, nur daß Baconflsisch etwas zarter und knochenfteier aber auch salziger ist. Wenn man Bacon nicht wie Schinken roh essen, sondern im Haushalt verwenden will, muß man deshalb vorher verschiedene Maßregeln treffen.

Vor der Zubereitung ist je nach Größe des Stuckes

Die Beschaffung heimischer Heil- und Teekräuter durch die Schulen hat den Kreis Wetterau ver­gangenes Jahr in vorbildlichem Einsatz gesehen. Mit seinem Sammelergebnis steht er an der Spitze im Gau Hessen-Nassau. In die- em Jahre muß, nachdem der Krieg wie auf allen anderen Gebieten auch hier besonders hohe Anfor­derungen stellt, das Ergebnis noch wesentlich ge- teigert werden. Kreisleiter Backhaus verfolgt mit regem Interesse den Fortgang der Aktion, die außer den Schulen auch HI., BDM., NS.-Frauen- chaft und NS.-Reichskriegerbund im Einsatz sieht. Auf Anregung der Ortsgruppen der Partei sind in vielen Gemeinden bereits örtliche Arbeitsgemein-

Derbrauchern, die im Winter einen Bezugschein I für Allwetterstraßenschuhe beantragen, nicht auf denNormalbestand angerechnet werden. Professor Karl Schaum 70 Lahre alt.

Am 14. Juli vollendet Prof. Dr. Karl Schaum das 7. Jahrzehnt seines Lebens, wobei ihn eine mehr als 20jährige Wirksamkeit als Univ^sitats- lehrer mit unserer Stadt verbindet. Als Schuler und späterer Assistent Th. Zinckes versah er sich im nahen Marburg unter dem Meister seines Faches zunächst mit dem vollen Rüstzeug der klassischen organischen Chemie. Bald jedoch zog ihn die damals neu aufstrebende physikalische Chemie in ihren Bann und führte ihn zu W. Ostwald, den Grün­der ihres Lehrgebäudes, nach Leipzig. Uever em Extraordinariat dieser Wissenschaft in Marburg führte ihn sein Weg 1908 als Vorsteher der photo­chemischen Abteilung des Physikalisch-chemischen In­stitutes der Universität Leipzig dorthin zuruck und dann im Jahre 1914 als Ordinarius der Physika­lischen Chemie nach Gießen, wo er bis zu feiner Emeritierung im Jahre 1935 wirkte und nun sei­nen Lebensabend verbringt. .... _

Aus der vielseitigen Forschertätigkeit des Ge­lehrten heben sich zwei Arbeitsbereiche besonders hervor: Erstens das Studium des Polymorphis­mus, d. h. der Fähigkeit vieler festen Stoffe, in ganz verschiedenen Kristallgestalten aufzutreten, zu dessen systematischer Erfassung er Grundlegendes beigetragen hat, zweitens die wissenschaftliche Pho­tographie, an deren Ausbau er als ein den Fach­genossen in allen Ländern wohlbekannter Pionier mitwirkte, insbesondere durch richtunggebende Ent­wicklung der Silberkeimtheorie des photographischen Bildes und durch Herausgabe der führenden Zeit­schrift für wissenschaftliche Photographie, Photo­physik und Photochemie.

Weiteren Kreisen der Stadt ist 'der Jubilar durch gelegentliche licht- und humorvolle Experimeistal- Dorträge bekannt geworden, in denen er sein Wissen gern zur Freude und Bereicherung an andere wei­tergab. Wer ihm näher steht, weiß, daß sein weit­hin bekannter Humor nur die Außenseite einer grundgütigen Seele zur Schau treten läßt, die, auf­geschlossen für alles Edle und Gute, in einem un­gewöhnlichen Maße empfänglich ist, das Leid feiner Mitmenschen auf sich zu nehmen. Seine zahlreichen Schüler, mit denen er persönlich stets in guter Ka­meradschaft verbunden war, wissen um seine un­wandelbare Güte und sind ihm in anhänglicher Ge­sinnung verbunden geblieben. Mit ihnen begleiten alle, die ihm als Mitarbeiter, Freunde und Kol­legen nahe stehen, den Jubilar mit ihren herzlichsten Wünschen in seinen Lebensabend hinein.