Wandervorschläge für den Sonntag
Vom
SJ.-fpori
drückender. Auch mit dem Geflügel hc heißen Tagen Erbarmen. Vögel in K
iahe man an
Käfigen brau-
war aber
Stadtmannschast Marburg — Stadtmannschast Gießen.
prächtige Ausblicke auf den choherodskops mit ben L.....--------s_ < ... - , ....
Klubhäusern, den Taufstein mit dem Bismarckturm, wo wir nicht versäumen dürfen, die vielen mittel- die Herchenhainer Höhe und die breite Ebene der alterlichen Schönheiten zu besichtigen. Wanderzeit Wetterau mit dem Schwelwerk Wölfersheim. Durch I 3Vi Stunden.
Diese Wanderung in den südlichen Teil Oberhessens ist namentlich in historischer Beziehung von besonderem Reiz. Von unserem Ausgangspunkt Stockheim gehen wir nach dem nahegelegenen Glau- berg (270 m), dessen Gipfel im frühen Mittelalter von einer gewaltigen Reichsburg bekrönt war; mächtige Ringwälle sind noch Zeugen aus jenen Zeiten. Wir besichtigen die durch sachgemäße Ausgrabungen freigelegten Teile der ausgedehnten Burganlage wie auch die hierbei gemachten Funde, die in einem Museum untergebracht sind. Don dem Kamm des Berges bietet sich eine weite Fernsicht in das oberhessische Land. Der Abstieg erfolgt von der Südseite des Berges auf die Staatsstraße, auf der wir über Enzheim bis Hainchen weitergehen. Von hier bis Himbach benutzen wir einen Feldweg, um sodann auf breiter Straße über Eckartshausen und Alt-Wiedermus zur Ronneburg zu gelangen. Für die Besichtigung der Burg, die Sonntags geöffnet ist, wird ein Entgelt erhoben. Ueberaus malerisch ist'der Burghof mit verschiedenen Erkern, der gotischen Kapelle und dem 80 Meter tiefen Brunnen. Von der Plattform des Bergfrieds erschließt sich uns eine weite umfassende Rundschau. Gelbe Kreuze leiten uns jetzt durch schönen Buchenwald (am Eingang hübscher Rückblick auf die Ronneburg) über Vonhausen und Lorbach nach unserem Endziel i Büdingen, der Perle unter den hessischen Städten,
veltberühmten Attraktionen anpreifen, mit benen »er Zirkus seine Besucher lockt. So konservativ wie die Plakate, so beharrend im guten Sinne ist aber tiud) der Zirkus selbst. Rur Die Organisation hat Fortschritte gemacht. Vielleicht verdankt der Zirkus diesem Beharrungsvermögen überhaupt die Behauptung aus der Zeit seiner höchsten Blüte bis in untere Gegenwart.
Am heutigen Abend oder gar erst in der Nacht wird wieder einmal ein Zirkus in unterer Stadt Einzug halten, rasch seine Zelte aufschlagen und die Wagenburg bilden, um am morgigen Samstagabend dann die erste Gala-Vorstellung zu geben. Alles wird so sein, wie es immer gewesen ist, und die Zuschauer werden all das erleoen, was ihnen an erhofftem Erlebnis vorschwebt.
Nur auf eins wird man diesmal verzichten müs- fen: aus das gewohnte Bild des Lichterglanzes aus / tausend Glühbirnen von Kulissenwänden einer orientalisch farbenprächtigen Front ...
Gießen — Babenburg — Hangelstein — Baubringer pah — Allen-Bufeck — Wieseck.
Wir beginnen unsere Wanderung an der Unterführung in der Ederstraße und folgen blauen Strichen, die uns am Bahnkörper entlang an der Witz- marer Brücke vorbei nach der Badenburg (Gaststätte) bringen. Aus den Fenstern der alten Burgmauern bieten sich schöne Ausblicke in das Lahntal. Die Zeichen führen uns weiter durch das Baden- burger Wäldchen über die Marburger, später über die Baubringer Straße hinauf zum Hangelstein, wo sich uns über einem Steinbruch eine prächtige Aussicht über das Lahntal nach unseren Nachbarburgen und dem Dünsberg erschließt. Die Striche leiten uns über den bewaldeten Berg zum Baubringer Paß, wo sich wiederum hübsche Blicke in das Busecker Tal und in das Lumdatal mit dem Totenberg darbieten. Wir verlassen jetzt die Zeichen, steigen abwärts nach Alten-Buseck und gehen auf der Landstraße, an der Ludwigsburg vorbei, nach unserem Vorort Wieseck, um von hier die Straßenbahn zur^ Heimfahrt zu benutzen. Wanderzeit 3% Stunden.
Langsdorf — Hungener Teiche — Nonnenrolh — Laubach.
** Mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Ber Obergefreite Hermann Althen aus Klein-Linden wurde am 28. Juni mit dem E. K. 2. Klasse ausgezeichnet, weil er sich bei zahlreichen Spähtruppunternehmungen in der vordersten Linie durch besonderen Mut und Tapferkeit hervortat.
** Von unserer' Lanbes-Univer si - tät. Bem außerplanmäßigen Professor Dr. med. Hans Storck ist unter Ernennung zum ordentlichen Professor der Lehrstuhl für Orthopädie an der Landes-Universität Gießen übertragen worden. Gleichzeitig wurde Prof. Br. Storck als Leiter der Orthopädischen Klinik bestätigt. — Ber ordentliche Professor Br. Wilhelm Süß in Gießen wurde in gleicher Diensteigenschaft an die Universität Breslau berufen. — Dr. habil Karl H e i d t ist zum Dozenten für das Fach Botanik an unserer Universität ernannt worden.
** Polizei im Kampf gegen die Verkehrssünder. Die Polizei schritt in ber Zeit vom 28. Juni bis 4. Juli im Bereich ber Polizei- direkt! on Gießen (einschließlich des Polizetarntes Bad-Nauheim/Friedberg) wieder gegen eine stattliche Anzahl Verkehrssünder ein. 1 Kraftfahrer, 6 sonstige Fahrzeugführer und 2 Radfahrer wurden zur Anzeige gebracht; 2 Kraftfahrzeugführer, 3 son- ftige Fahrzeuglenker und 26 Radfahrer wurden gebühre nvflichtia verwarnt; 1 Kraftfahrzeugführer, 3 sonstige Hahrzeugführer, 5 Radfahrer und o Fußgänger kamen mit gebührenpflichtigen Verwarnungen davon.
** Tränkt die Tiere! Der Sommer bringt auch Tage mit außergewöhnlicher Hitze. Dies gibt Veranlagung, ein gutes Wort an die Tierhalter zu richten. Tränkt während des Tages die Pferde! Ein kräftiger Schluck Wasser erfrischt die erschöpften Tiere. Vergeßt auch die Kettenhunde nicht! Es ist eine bekannte Tatsache, daß Hunde, besonders im Sommer, sehr leicht von der Tollwut befallen werden können, wenn sie nicht täglich frisches Wasser erhalten. Leider wird das an heißen Tagen auf dem Lande vielfach übersehen. Auch die Stallhasen brauchen Erfrischung. Die Hasenställe bringe man möglichst in den Schatten und setze sie nicht direkt der Sonne aus. Durch das an sich gut gemeinte dichte Verhängen der Ställe ist die Ausdünstung desto
Wald und Feld gehen wir weiter, unterwegs immer hübsche Ausblicke auf anmutig liegende Dörfer und sanft geschwungene Höhen genießend zum Endziel Laubach, das uns schon von weitem erkennbar ist. Dor der Heimfahrt besichtigen wir das freundliche Städtchen mit dem gräflichen Schloß und dem Park. Dauer der Wanderung etwa 4 Stunden.
Stockheim — Glauberg — Ronneburg — Bübingen.
Oie Hauswurz, eine alte Heilpflanze.
Wenn jetzt im Juli in ben Fugen der Trockenmauern im Steingarten ober an Wegrändern aus den zierlichen Rosetten der Hauswurz oder wie ihr wohl bekannterer botanischer Name lautet, der Sempervivum, leicht gebogene Stengel aufsteigen und an ihrer Spitze sich reizvolle Kränze rosenroter Blütchen entfalten, wird kaum ein Gartenfreund bei diesem hübschen Anblick daran denken, daß er hier vor einer alten Heilpflanze steht, die früher einmal eine große Rolle in der Heilkunde gespielt hat. In unseren Tagen, da die deutschen Aerzte im allgemeinen ihr Augenmerk wieder mehr den einheimischen Heilpflanzen und ihren Geheimnissen zuwen- den, hat auch die Hauswurz Beachtung erfahren, wobei besonders Mitteilungen über ihre Krebs wirk- f am feit zu genaueren Nachforschungen anregten. Dr. Schmaltz weist in der Wochenschrift für neue deutsche Heilkunde „Hippoträtes" auf dieses aus- dauernde Dickblattgewächs hin, das aus dem südlichen Europa stammt und sich bei uns in den rheinischen Gebirgen, an der Mosel und Nahe wild findet.
Von besonderem Interesse ist es, daß die Hauswurz zu den wärmesammelnden Pflanzen gehört. Neuere Messungen in verschiedenen Laboratorien haben gezeigt, daß von allen untersuchten Pflanzen die Hauswurz gegenüber der Lufttemperatur die höchste Steigerung, bis zu 100 v. H. aufweist. Bei 30 Grad Außentemperatur hatten die Haus- wurzpflanzen an der Epidermis 60 Grad, unter der Epidermis 55 bis 56 Grad. Man hat aus dieser Eigenschaft Hinweise für die therapeutische Anwendung bei „Hitzekrankheiten", z. B. Brandwunden, sowie zur innerlichen Kühlung bei Fiebern zu finden geglaubt.
Die Anwendung der Hauswurz war in früheren Zeiten außerordentlich vielsettig. Die älteste Angabe bat Schmaltz in dem „New-Kräuterbüchlein" von Düchs aus dem Jahre 1543 gefunden. Er schreibt darin von zwei Arten „Hcmßwurtz beyde groß und klein", womit wahrscheinlich Sempervivum tectorum und Sedum reflexum gemeint sind: „killen sehr / und ziehen zusammen ^imlicher weiß. Derhalben seynd sie gut zu dem rotlauff / entzündungen ber äugen / brandt / podogra / und geschwär die umb sich fressen /, so man ihre Blätter allein / ober mit gerften- maltz überlegt." Diese zusammenziehende Wirkung kann auf die Gerbstoffe zurückgeführt werden, die kühlende Wirkung auf die reichlich vorhandene Apselsäure. Auch als Mittel gegen Kopfschmerz, gegen Durchfall und Ruhr empfiehlt Fuchs Die Hauswurz in verschiedenen Zus ammense tzungen. Ganz ähnlich wie hier wird auch die Wirkung ber Hauswurz in dem ,Areutherbuch" von Bock aus dem Jahre 1565 und dem „New-Kreutterbuch" von Mathiolus aus dem Jahre 1626 geschildert. Bock nennt auch noch ben „Ohrenfluß" als Heilanzeige der Hauswurz. Aus der Zeit um 1800 finden sich Angaben, nach denen die Pflanze als Hautreizmittel und als Mittel bei skrophulöfen Geschwüren bezeichnet wird. C. K.
kaum zu schlagen, was sie erst durch den hohen Sieg vom Sonntag unterstrichen. Die Grün-Weißen dürften daher vor einer kaum lösbaren Aufgabe stehen. Ein Sieg der Gastgeber ist zu erwarten.
Hungen I — Garbenteich I.
Garbenteich muh die beschwerliche Reise nach Hungen antreten, wo die Trauben hoch hängen. Die Gastgeber sind in letzter Zeit stark in den Vordergrund getreten und werden auch die Scharte ber Vo rs pi e mied erläge auszuwetzen versuchen. Die Gäste haben sich den zweiten Tabellenplatz erkämpft und sind davon nicht mehr zu verdrängen. Allerdings müssen die Gäste mehrere Spieler ersetzen, dürften aber doch noch so stark sein, daß sie dem Gegner einen ausgeglichenen Kampf liefern, dessen Ausgang völlig ungewiß ist.
Jugendfußball:
Baubringen 1. 3gb. — Heuchelheim 1. 3gb. 4:1 (0:0).
Am vergangenen Sonntag trafen sich beide Mann- chaften zu einem Freundschaftsspiel auf dem Wald- portplatz in Baubringen. Burd) gutes Mammen- piel des Sturmes und den Einsatz der Hintermann- chaft konnten die Gastgeber den Sieg sicherstellen.
Handball.
Allendorf (Cba.) — Großen-Bufeck 5:11 (2:7).
Am Sonntag trafen sich beide Mannschaften in Allendorf zu einem Freundschaftsspiel. Gleich zu Beginn des Spieles bedrängten die Allendorfer das Gästetor. Bie Busecker fanden sich jedoch schnell und gingen mit 0:4 in Führung. Bis zur Halbzeit führten die Gäste, obwohl sie nur mit 10 Mc an angetreten waren. Nach der Halbzeit zeigte fid) die körperliche Ueberlegenheit der Einheimischen, so daß sie bis 5:8 aufholten. Zum Schluß rafften sich die Gäste noch einmal zusammen und erzielten noch 3 weitere Tore.
3um „Froschregen" bei Osthofen.
LPD- Worms, 11. Juli. Wie wir berichteten, treten feit einigen Tagen beim Ortsteil Mühlheim westlich von Osthofen Zehntcmsende von froschähnlichen Tieren auf, die in breiter Front auf einer Wanderung über Land angetroffen werden. Es handelt sich hier nicht um Frösche, sondern um Kröten, und zwar um die nur in Westdeutschland beheimatete Kreuzkröte (bufo calamita) und um die schönste deutsche Kröte, die Wechselkröte, and) grüne Kröte (bufo viridis) genannt. Beim Burchlausen des Kaulquappenstadiums hatten die Tiere offenbar sehr günstige ßebensbebingungen gefunden, fo daß sie nunmehr in ungewöhnlich großer Anzahl gleichzeitig vom Wasser ans Land stiegen und in der Form eines Frosch- oder Krötenregens nach geeigneten Futterstellen und künftigen Winterquartieren suchen. Dieses massenhafte Auftreten ist früher irrtümlicherweise für das Anzeichen von Katastrophen gehalten worden. Die Wissenschaft hat diesen Aberglauben längst beseitigt. Heute weiß jedermann, daß Kröten nützliche Tiere sind; sie vertilgen Schnecken, Mücken und anderes Ungeziefer.
Das Spiel ber beiden Stäbtemannschaften bereits zu Pfingsten vereinbart, konnte damals nicht durchgeführt werden. Marburg hält nun am Sonntag einen Sportwerb e tag ab und hat dazu die Gießener Stadtmannschast eingeladen. Schon öfter ftanben sich die beiden Vertretungen gegenüber, jedoch in den letzten Jahren war das seltener ber Fall. Die Marburger, bie sich auf die Spieler der Vereine VfL. 1860, Germania und Ockershausen stützen, stellen eine Elf, die als sehr stark anzu- sprechcn ist. Die beiden Gießener Vereine haben deshalb nur die besten Spieler ausgeboten, bie auch schon in bien letzten Spielen die Farben der Stadt Gießen würdig vertreten haben. Ohne bie Marburger zu unterschätzen, darf man den Gießenern durchaus Gewinnchancen einräumen.
chen ein Wasserbad.
Aus der engeren Heimat.
Landkreis Gießen.
* Heuchelheim, 12. Juli. Arn kommenden Sonntag, 14. Juli, kann der frühere Land- und Gastwirt Heinrich K r ö ck V. in voller geistiger und körperlicher Frische seinen 75. Geburtstag feiern. Der Jubilar nimmt noch an allen Geschehnissen unserer Zeit regen Anteil. (Wir beglückwünschen zum Geburtstag.)
= Mainzlar, 11. Juli. Einem hiesigen Landwirt, der mit seinem Ges van n Futter geholt hatte, gingen während des Aufiteigens auf den Wagen bie Kühe durch, so daß er vom Wagen stürzte und sich eine Schulterverletzung zuzog. Ber Verletzte mußte sich zur Behandlung in eine Klinik nach Gießen begeben. Seine Frau, die gleichfalls zu Fall kam, erlitt glücklicherweise keinen ernstlichen Schaden.
Bahnhof Langsdorf schlagen wir Zunächst einen breiten Weg in nordöstlicher Richtung ein, der bald in einen Feldweg und hierauf in einen Waldweg übergeht. Burch einen schönen Hochwald geht unser Weg an den Hungener Teichen, einigen großen, idyllisch gelegenen Waldweihern, vorüber nach Nonnenroth. Hier treffen wir die durch einen großen Teil Oberhessens ziehende blaue Ring- Markierung, die bis Laubach unser Wegzeichen bildet. Hinter dem Ort bieten sich auf einer Anhohe
Vor spannenden Fußballkämpfen in der 2. Klaffe.
Heuchelheim I — Großen-Bufeck L
Nach dem schweren Spiel gegen Garbenteich muß der Tabellen fül>rer letzt zu seinem alten Rivalen Heuchelheim. Bie Platzherren haben die hohe Niederlage des Vorspiels noch nicht vergessen und den Gästen in Heuchelheim immer beide Punkte abgeknöpft. Bah sie zu Hause ein ernst zu nehmender Gegner geworden find, hat erst bas letzte Spiel bewiesen. Bie Gäste müssen daher sehr aus der Hut fein, wenn sie das Spiel für sich entscheiden wollen, was durchaus möglich sein sollte.
©rüningen 1 — DfB.-R. II.
Im Rückspiel erwartet Grüningen die Reserve des VfB.-R. Bereits im Vorspiel zogen die Grün- Weißen den kürzeren; daheim sind die Grüninger
Keine Spur von Hauck.
Aoman von Lharlotte «ausmann.
(Schluß.)
„Ach, ich wußte nicht, daß Herr Reels Besuch hat."
„Bitte, seien Sie so gut und schließen Sie mir bie Haustür auf."
Sie ging auf die leere Straße. Es war tief in der Nacht. Längst war kein Laden mehr offen.
„Wie spät mag es fein?" fragte sie bie Frau, bie hinter ihr bie Gartentür versperrte. -
„Elf Uhr."
„Elf Uyr? Banfe. Einen Augenblick bitte noch. Wissen Sie, wo Herr Neels einzukaufen pflegte? In welchem Laden? Er ist vorhin weggegangen und wollte etwas besorgen."
„Wegaeaangen?" fragte die Frau verständnislos. ,Jch dachte, er wäre drüben in seinem Bachzimmer."
„Nein, er ist weggegangen. Wein wollte er holen."
„Wein? Den pflegt er bei Kitter einzukaufen, brünten am Wall, neben der Hafenstraße. Mer so weit? Wollte er so weit laufen?"
„Ich weiß es nicht."
Sibylle fdjritt die Straße hinunter durch die Stadt, den Weg, den sie am Spätnachmittag gekommen war.
Das Geschäft „Hüter" neben der Hafenstraße war verschlossen, mit dichten Läden. Von Gulden herüber kam die Fähre. Grün und rot schimmerten ihre Seitenlichter. Der finnische Segler lag auch noch da. Sein Rumpf ragte nun hoch aus dem Wasser. Wie ein Wikingerschiff bäumte sich der Steven vor ihr auf. Sie stand, als wäre es nicht bald Mitternacht. Sie stand, als hätte bie Zeit für sie aufgehört zu existieren, als wollte sie ewig hier stehenbleiben.
Der Mann im Fahrkartenhaus der Fähre dachte zuerst, sie wollte nach Gulden hinüber und warte hier nur. Aber sie stand immer noch, als die Fähre längst das vierte und fünfte Mal angelegt hatte.
Schließlich kam er heraus, da es ihm langweilig war, und er Lust hatte, zu reden.
Um diese Zeit kam ja kaum jemand, der noch einen Fahrschein verlangte. Die späten Nachtbumm- ler, die jetzt noch übersetzten, waren alle beheimatet in Gulden und trugen die kleinen Abonnementskarten in der Tasche.
„Auf wen warten Sie denn?" fragte er, ttnb da
Sibylle über seine Anrede erschrak, erschrak er fast elbst.
„Warten? Ich warte auf die Fähre."
„Bie ist doch schon fünfmal wieder abgefahren."
„So... ja, ich..." Sie machte Anstalten, wegzugehen.
„Fehlt Ihnen was?"
„Nein."
„Sie sehen so verstört aus. Sie... Sie wollen bod) nicht etwa über den Kai hinabjumpen, weil hier das Wasser am tiefsten ist? Nein, nein, tun Sie das nicht. Es ist schon einer heute hier überfahren worden. Von einem Auto, das vom Bahnhof herunterkam. Es liegt mir noch ein ganzer Schock in den Gliedern. Und das Wasser ist verdammt falt heute."
„Ueberfahren worden?"
„Ja, kurz vor sieben. Er lief über bie Straße, als wäre er blind. Sie haben ihn weggetragen, aber ich glaube, er hatte genug."
„Weggetragen...", wiederholte sie mechanisch.
„Wohin haben sie ihn getragen?"
„Bort drüben ins Haus. Wo das blaue Schild ist. In bie Polizeiwache."
Sie wandte fid), lief über die Fahrbahn.
„Wen suchen Sie?" fragte der Polizeibeamte in der Wachstube.
„Ich suche meinen Mann. Er ist an den Hafen gegangen und... und nicht mehr zurückgekommen. Ich hörte eben, daß ein Unfall..." Sie keuchte, atemlos, hastig, als wäre sie kilometerweit gelaufen.
„Setzen Sie sich", sagte der Beamte. „Wie heißen Sie?" „Hauck. Sibylle Hauck."
„Und wo wohnen Sie?"
„In Stein."
„Was für einen Anzug trug denn Ihr Mann, als er auf die Straße ging?"
„Er trug..." Sie besann sich, sah Detlef plötzlich wieder vor sich stehen, wie er die teere Leinwand in seinem Zimmer ins Licht rückte und sagte: .Seit Jahren male ich daran, an deinem glückhaften Lächeln.'
„Er trug einen grauen Anzug", erwiderte sie leise, „einen grauen Anzug. Er hatte schwarze Haare und blaue Augen. Lebt er noch?"
Der Beamte kritzelte etwas auf ein Papier, zögerte, sah sie an.
„Nein", erwiderte er, verbesserte sich aber sofort. „Der Mann von heute abend ist tot, meine ich. Er kam unter ein Auto, einen großen Wagen. Schädelbruch. War sofort aus. Aber erschrecken Sie nicht! Es ist ja nicht sicher, daß es Ihr Mann war. Papiere trug er nicht bei sich. Er ist eingeliefert worden, ip
die Heroldstrahe. Wenn Sie einmal hingehen wollen. Warten Sie, ich schicke Ihnen einen Beamten mit."
Sie kam in die Heroldstraße.
„Der Kunstmaler Detlef Hauck?" sagte der Beamte dort. „Soviel ich mich erinnere, ist er seit Jahren verschollen. Natürlich, ich erinnere mich ganz genau. Waren erst kürzlich wieder eine Anzahl Anfragen da. Wollen Sie ihn sehen?"
„Ja."
Der Beamte sah sie über seine Brille hinweg an. „Sie schauen aber gar nicht so aus, als ob Sie augenblicklich einen Toten ... er hat einen Schädelbruch ... er sieht nicht gerade gut aus. Werden Sie nicht ohnmächtig?"
„Ich werde nicht ohnmächtig."
„Dann kommen Sie."
Aber unter her Tür blieb er wieder stehen.
„Der Kunstmaler Hauck, sagen Sie, könnte das sein. Da genügt natürlich Ihre Aussage allein nicht."
„Er wohnte im Krautweg 78. Er wohnte dort unter dem Namen Neels."
„So unter einem fremden Namen. Aha. Dann werden wir vielleicht einmal die Leute vom Krautweg 78 auch holen zwecks Jdenttfizierung. Und wer, meinen Sie, kennt ihn als Maler Hauck?"
„Die Leute von Stein."
Langsam begann sich das Zimmer zu drehen. Das Blut drang zu ihrem Herzen, strömte von überall her in ihre Brust. Sie wurde bloß, bann fiel sie hin.
Als sie zu sich kam, lag fie auf einer harten Bank. In dem nüchternen Amtszimmer schluchzte eine Frau. Die Frarnaus dem Krautweg 78.
„Es ist der Mann, der bei mir wohnte. Neels. Der Kunstmaler Neels. Ich kenne ihn gut."
„Haben Sie Bekannte in ber Stadt?" fragte der Beamte Sibylle. „Sie können heute nacht nicht mehr nach Stein. Es fährt kein Dampfer mehr/
Da nannte fie den Namen des Rechtsanwalts Mjölln, der sich bestimmt für den Fall interessierte, und bann ben Namen von Joachim.
Sie kamen beide zur selben Zeit. Beide waren nod) auf gewesen. Joachim, ruhelos in seiner Enttäuschung und in der bohrenden Ungewißheit, Mjölln in seiner Siegesfreude.
„So, fo", sagte Mjölln gemütlich. „So, so. Dann ist er also jetzt wirklich tot. Tod durch Autounfall, wie er fid) seinen Totenschein In Rapoll ausgeschrieben hat. Sogar das Datum ist dasselbe. Nur der Monat und die Jahreszahl haben sich verschoben, und die Stadt ist eine andere/
Er stand neben Joachim und starrte auf den Toten, der zwischen weißgetünchten Wänden einer kah
len Kammer lag mit einem starren, gleichgültigen Gesicht, während der Beamte hinter ihnen erklärte:
„Die Zeugen, die den Unfall gesehen haben, meinen, es wäre Selbstmord gewesen. Er wäre wie absichtlich vor bas Auto gerannt."
„Mjölln schüttelte geruhsam ben Kopf. „Nein, nein", sagte er. „Wenn jemand am Wall drunten Selbstmord begehen will, springt er ins Wasser, aber nicht vor ein Auto. Er wird in Gedanken gewesen fein. Sagte die junge Frau drivnen nicht, daß fie vorher bei ihm war? Mag der Himmel wissen, was in ihm vorgegangen ist."
Und Mjölln starrte wieder hinab auf das Totengesicht, bas nichts erkennen ließ. Vielleicht hat er fie wirklich geliebt, dachte er noch. Glücklich gemacht hätte er sie jedoch nie. Nie, auch wenn er es gewollt hätte. Ganz abgesehen davon, daß er einem unheilbaren Irrsinn entgegentrieb. Nie wäre er mit seiner passiven Haltlosigkeit der Mensch gewesen, das Leben einer Frau wie Sibylle auszufüllen. Das Leben dieser jungen Frau, das zu Besserem bestimmt war, als nur zur opferbereiten Hingabe an einen leichtsinnigen Mann, den sie nicht mehr liebte.
„Gehen wir", sagte Mjölln, „gehen wir wieder." „Ich will ihn sehen", sagte Sibylle draußen, aber der Beamte schüttelte den Kopf.
„Heute nicht, Frau Hauck. Sie lind zu aufgeregt. Morgen. Wenn man ihn aufgebaprt hat im Friedhof."
Joachim führte sie auf die Straße.
Am Kai blieb sie stehen. Sie setzte sich auf einen eisernen Poller. Zu ihren Füßen gluckste das Wasser an bie Hafenmauer. Ber Mond schwamm auf den Wellen mit einer Schleppe wie ein Komet.
Joachim stand neben ihr. Er war sehr ruhig. Nur ein kleines sehnsüchtiges Verlangen flieg in ihm auf, seine Hand auf iyr Haar legen zu dürfen. Er tat es nicht. Aber er wußte, daß nun bald ber Tag kommen würbe, da er sie in seine Arme betten durste.
Tausend Lichtfunken tanzten über das Wasser herüber, beleuchteten grell die rechte Seite des Bahnhofs, auf dem er vor wenigen Monaten angekommen war.
Heber den Hafen glitt bie Fähre, braun gestrichen, dick und geruhsam. Als sie drüben in Gulden anlegte, begann Sibylle zu meinen. Stoßweise unschwer. .
Da legte Joachim seine Hand auf ihre Schulter, und es war ihm, als wäre er nie vorher in seinem Leben so glücklich gewesen, wie zu dieser Stunde.., als wäre er über nichts je so glücklich gewesen rote über dieses Weinen^
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