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DerFührer in der Gedächtnisstätte von Langemarck.
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Allgemeine Flucht aus Paris
Tiefste Niedergeschlagenheit in der französischen preffe.
sei aber stark behindert, da es auch den Rücken der Maginot-Linie decken müsse.
Das „Journal de GenSve" schreibt: „Der fast übermenschlichen Aufgabe, die Weygand gestellt ist, gesellt sich»nun noch eine andere zu: die Front im S ü d ost en und die Verteidigung der französischen Gebiete in Afrika. Das Mächtegleichgewicht, das schon durch den schnellen deutschen Vormarsch nach Boulogne und Dünkirchen gestört war, ist jetzt durch die Zusammenarbeit Italiens mit dem Reich erschüttert."
Ein Ilammenherd von Ronen bis Le Havre
An der Seine brennt das Ufer. — Lustangriff auf einen Geleitzug.
von einer Seine-Brücke zur anderen nicht sehen konnte. Aber auch die große Place de la Concorde war völlig Lurch blaugelbe Rauchwolken vernebelt. Mit aller Wahrscheinlichkeit sind auch große Industrieanlagen von Paris durch ein kräftiges deutsches Bombardement zerstört worden.
Auf den Eisenbahnstationen herrscht ein völliges Durcheinander, da die Fahrpläne nicht mehr eingehalten werden können. Familien suchen ihre Angehörigen. Die Polizei ist machtlos, hier Ordnung zu schaffen. Immer neue Ströme von Flüchtlingen kommen auf den verschiedenen Bahnhöfen an. Es hat den Anschein, als ob sie viele Tage lang notdürftig in den Bahnhofswartehallen werden kampieren müssen, da die Zugoerbindungen nicht funktionieren und von den Behörden zur Evakuierung solcher Maßnahmen anscheinend keine Vorbereitungen getroffen worden sind.
Der „Petit Parisi en" schreibt: „Der-Tagesbefehl des Generals Weygand an die Armeen, die sich in der schrecklichsten Schlacht befinden, die es je gegeben hat, läßt keinen Zweifel über den Ernst und die Schwere der Lage. Wird der Heroismus der französischen Soldaten, die Uebermenschliches leisten, dem Material der Deutschen standhalten und ihren Marsch brechen und aufhalten?" Im „Figaro" schreib Lucien Romier: „Morgen wird die Schlacht vom Meere bis an die schweizerische Grenze im Gange sein. Wenn eine solche Ausweitung der Schlacht auch unsere Armeen noch 'weiter belastet, so erhalten sie doch dadurch einen Teil ihrer Ak- tions, und Manövrierfreiheit zurück, die ihnen verloren zu gehen drohte." Der „Paris Soir" erklärt: „Der Tagesbefehl, den General Weygand soeben an die Truppen erlassen hat, stellt es klar: vom Meere bis Montmsdy ist die Schlacht in vollem Gange. Nur keinen lauten Optimismus!" Die Lage sei heute nicht mit dem kritischsten Augenblick des Weltkrieges vergleichbar, und zwar sowohl was die Raschheit der?, gegenwärtigen Operationen, als auch die riesigen Bestände betreffe. Man habe wirklich den Eindruck, daß die „letzte Viertel- stunde" geschlagen habe. Im „Motin" schreibt
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alten Stadt, etwa 150 km südwestlich von Paris an der Loire, von der 1870 Gambetta nach der Schlacht bei Sedan den Krieg gegen die auf Paris rückenden deutschen Armeen weiterführte, sieht trotz dieser verpflichtenden Wahl des Zufluchtsorts keineswegs so aus, als ob in Herrn Reynaud den Franzosen ein neuer Volkstribun im Stil Gambettas entstehen würde. Italiens Kriegserklärung, lange erwartet und nun doch überraschend zu sehr unbequemer Stunde gekommen, hot die sonst aggressiven Pariser Plutokraten in tiefste Resignation gestürzt. Die französischen Armeen stehen allein auch dem neuen Gegner gegenüber, genau so wie sie an der neuen Front in Nordfrankreich nach der „ruhmreichen" Flucht von Dünkirchen von ihren britischen Verbündeten allein gelassen worden sind. Dabei ist den Franzosen, der Führung wie den Feldtruppen, durchaus bewußt, daß sie im EntscheidungskaMif um dos Schicksal Frankreichs stehen. So klammern sie sich mit erbitterter Zähigkeit an jeden Fußbreit französischen Bodens in Ausführung des Tages- befehls ihres Oberkommandierenden, der weiß, daß es um das Letzte geht. Der Glaube an das „Wunder", dessen belebende Kraft Herr Reynaud noch vor kurzem dem französischen Heer einfiltvieren wollte, zieht nicht mehr, obwohl die kämpfenden Armeen sich immer mehr dem Schauplatz der Marneschlacht vom September 1914 genähert haben. Aber die Schatten der Vergangenheit schrecken weder das deutsche Volk noch die deutsche Wehrmacht, die heute in ungebrochener Stärke dem Feinde gegenübertrat, der schon drei eigene Armeen auf Flanderns Schlachtfeld.eingebüßt hat, von dem englischen Verbündeten verlassen worden ist und zudem grade jetzt den Blick auf seine Alpengrenze richten muß in der begründeten Sorge, ov die hier bislang getroffenen Sicherungen nach dem Krieas- eintritt Italiens noch ausreichen werden. 1914 sah sich die deutsche Oberste Heeresleitung veranlaßt, während des Aufmarsches zur Marneschlacht zwei Armeekorps nach Ostpreußen zu dirigieren, während General Joffre Truppen von der Alpengrenze heranziehen konnte. Auf den grundlegenden Unterschied der Lage auf dem rechten deutschen Flügel zwischen damals und heute wiesen wir schon hin. Damals führte der deutsche Stoß, Paris rechts liegen lassend, in südöstlicher Richtung, heute geht er in Richtung auf die Seine-Mündung und unterbindet heute schon etwa 60 km nordwestlich und nordöstlich der Hauptstadt die Nachschubstraßen des linken französischen Flügels.
Auf einer Befickti- aungsfahrt am westlichen Kriegsschauplatz weilte der Führer auch im Ehrenmal von Langemarck, das auf dem Schlachtfeld errichtet wor- den ist, auf dem im No- vember 1914 Tausende von deutschen Kriegsfrei, willigen mit dem Deutschlandlied auf den Lippen beim Sturm auf die britischen Stellungen den Heldentod fanden. Unser Bild hält den Augenblick fest, wo der Führer die Gedächtnisstätte betritt.
(PK.-Gre^or-Atlantic-
äußersten Verteidigung von Paris einzusetzen. Er rechne wahrscheinlich damit, im Süden Wider- Land l e i st e n zu können, mit welchen konkreten Ergebnisse, werde man in Kürze sehen. „Die Morgenröte neuen Ruhmes", schreibt „Popolo di Roma", „steigt über den schicksalhaften Hügeln Roms auf". Der Eintritt Italiens in den Krieg an der Seite Deutschlands vollziehe sich, während die weite, große Schlacht an der Westfront in ihr ent- cheidendes Stadium eingetreten sei. Das französi- che Heer sei bereits in vollem Rückzug auf die Hauptstadt des Landes. Seine Bewegungsfreiheit
Genf, 12. Juni. (Europavreß.) Die französische Regierung ist aus Paris geflohen. Das Oberkom- mando des französischen Heeres selbst hatte verlangt, daß die Regierung die französische Hauptstadt verlasse. Die Ministerien werden sich — wie das schon bei den großen Nachrichtenagenturen der Fall gewesen ist — in Tours an der Loire niederlassen. Der allgemeine Eindruck dieser Maßnahmen ist schlecht. Die Flucht hat in Paris selbst eine unglaubliche Entwicklung zur Folge gehabt. Ein allgemeiner Auszug hat noch in der Nacht zum Dienstag eingesetzt. Auf den Bahnhöfen drängen sich die Familien mit ihren Habseligkeiten und den letzten noch nicht fortgebrachten Kindern. In einigen Stadtteilen von Paris scheint es, als ob die gesamte Einwohnerschaft am Umzuge beteiligt sei. Wie das Pariser „Journal" berichtet, hat Paris ein wirkliches Kriegsgesicht bekommen. Auch in der Bannmeile, vor allen Dingen auf den großen Ausfallstraßen, sind Barrikaden errichtet worden, ebenso an den Toren von Paris selbst. Durch Mobilgarde und Militär werden.die Ausfallstraßen überwacht. Verschiedentlich sind Blockhäuser mit Hilfe von Sandsäcken errichtet und Maschinengewehrnester eingerichtet worden. Auch die Dörfer, entlang den Ausfallstraßen von Paris, weisen Straßenbarrikaden auf. Posten mit aufgepflanztem Bajonett hal- ten die Fahrzeuge an und prüfen die Papiere der Fahrgäste. Auf vielen Straßen ist überhaupt jeder private Verkehr durch die Militärbehörden unterbunden worhen. Immerhin sieht man noch viele Kraftwagen, die Flüchtlinge aus der französischen Hauptstadt fortbringen. Private Telephongespräche aus der Provinz in die Hauptstadt und umgekehrt gibt es nicht mehr, ebenso wie die Verbindungen in das neutrale Ausland nur noch auf drahtlosem Wege herzustellen sind.
Heber Pa^üs hängt seit den Morgenstunden eine riesige Ra u chw o lk e, die von einem heftiaen deutsche« Bombardement zwischen den französischen Stellungen und der französischen Hauptstadt her- rührt. Die Rauchentwicklung war so stark, daß man
Londoner Schmutz.
Don unserer berliner Schristleitung.
Mit Sturmesflügeln ist am 10. Juni, einen Monat nach Beginn der deutschen Offensive im Westen, die Weltgeschichte vorgeschritten. Die Flucht aus Narvik, der Rückzug Weygands und die völlige Hilflosigkeit der Briten waren schon Hiobsposten genug für die Gegner, die gemeint hatten, es sei leicht, uns den Krieg zu erklären und ihn mit den lerfiden Mitteln der Hungerblockade zu gewinnen. Vährend die Spitzen der deutschen Sturmflut sich Paris näherten und die französische Regierung aus . ihrer Hauptstadt floh, trat Italien in den Krieg ein, und diese Nachricht vollendete das Gefühl der plutokratischen Götzendämmerung, das selbst in den ranzösischen Massen einen Eindruck der Unter« jangsstimmung, der Furcht und der wirren Angst beroorgerufen hat. Frankreich lebt „in der letzten Viertelstunde". Es ist wie gelähmt. Reynaud hatte in einer kläglichen Rundfunkrede auf Mussolinis Kriegserklärung nur die Antwort: „Wie soll man das beurteilen? Frankreich hat nichts dazu zu sagen!" Natürlich sagte Reynaud dann doch etwas, es habe zwischen Italien und ^Frankreich kein Problem gegeben, das sich nicht in Verhandlungen hätte lösen I affen — ein Schwindel, der schon durch das „Niemals! Niemals!" Daladiers in Korsika erledigt wird. „Phrasen, Versprechen, Drohungen, Erpressungen und schließlich die vom Völkerbund angeordnete Belagerung durch 52 Staaten." So nannte Mussolini die „Verhandlungsbereitschaft" der Plutokraten in Paris und London.
' Churchill schwang sich zu der widerwilligen Anerkennung auf, Deutschland führe diesen Krieg „in einer völlig unerwarteten Weise" durch. Aber Dust Cooper, den Churchill zum Lügenminister gemacht hat, hatte die Unverschämtheit zu sagen, der Schlag sei von Mussolini „mit charakteristischer Feigheit und Derräterei" geführt worden, er sei „einer der ge. meinsten Akte" gegen Italiens — man höre und staune — Erbfreunde! Mussolini und mit ihm Italien habe so gehandelt, weil Frankreich und England reichere Nationen als die italienische seien. „Es ist dies", sagte Duff Cooper, „bie verbrecherische Handlungsweise eines gemeinen Mörders, eines Mannes, der, obwohl er über ein christliches Volt herrscht, nicht einmal einen Vorwand bafür vor- weist, daß er die Grundgesetze alles zivilisierten Lebens mißachtet".
Wenn die Engländer die halbe Wett zusammen- stahlen, in der gemeinsten Weise ganze Nationen vergewaltigten und der Freiheit der Meere und des Handels ebenso ein Ende bereiteten wie sie die Frei- heit großer Völker unter Verschluß hielten, dann ist das natürlich ein Ausfluß des englischen Christentums und seiner erhabenen Auffassung von der Macht moralischer und freiheitlicher Ideen. ,Lieser gigantische Kampf", sagte der Duce am Montag vom Palazzo Venezia aus, „ist nur eine Phase, und die logische Entwicklung unserer Revolution ist der Kampf der armen, aber an Arbeitskräften überreichen Volker gegen die Aushunaerer, die alle Reichtümer und alles Gold dieser Welt monopolisieren und direkt in ihren Krallen halten." Dos find England und Frankreich, die Raben unter den Nationen.
Man versteht den Schmerz dieses Types der Plutokraten, der darüber die Contenance verliert und nun schimpft wie ein Gassenjunge. Aber das Weltgericht ist über die Plutokraten hereingebrochen. Sie stehen allein, sie können feine Söldner mehr finden, die jungen Völker haben Gegenwart und Zukunft für sich. E. S.
Die deutsche Mitte hatte seit unserer letzten Be. trachtung die Aisne beiöerjeits Soissons überschritten und befindet sich jetzt in heftigen Verfolgung^ kämpfen im fruchtbaren Soissonais, einer der von der Natur so begünstigten Landschaften der Jsle de France zwischen Aisne, Oise, Marne und Seine. An Soissons knüpfen sich Erinnerungen an verschiedene Phasen des Weltkrieges. Die stark be* festigten Höhen nördlich der Stadt wurden, im Januar 1915 in harten Kämpfen von deutschen Truppen genommen und im Frühsommer 1918 stießen die deutsche 7. und 1. Armee zwischen Soissons und Reims von der Aisne an die Marne vor. Am 30. Mai erscheinen die Deutschen vollkommen überraschend zwischen Chateau-Thierry und Dor- mans am Ufer der Marne. Die französische Front ist zersprengt, Paris wird von Panik erfaßt. Aber der strategische Erfolg bließ der deutschen Führung j versagt, der Gegner behauptete sich an der Marne : und bedrängte die Flanken der deutschen Einbuchtung empfindlich. Heute spüren die deutschen Trup- ' pen auch hier das Schwinden der feindlichen Widerstandskraft, der nach den großen Verlusten an Men- , scheu und Material anscheinend keine hinreichenden Reserven mehr zugeführt werden können. Die be- ; weglichen Klagen der französischen Heeresleitung , angesichts des Pariser Desasters und der damit zu- sammenhängenden Unterbindung des Nachschubs für die in erbittertem Kampf ihr Letztes hingeben- den Truppen finden fo ihre Erklärung. Mit Reims, der ehrwürdigen Krönungsstadt der französischen Könige, heute mit 112 000 Einwohnern eine rege Industriestadt und wichtiger Bahnknotenpunkt an Vesle und Aisne-Marne-Kanal, kommen wir in die Champagne, die für immer verbunden bleibt mit dem berühmten französischen Wein, die aber nicht in allen ihren Teilen hält, was ihr Name verspricht, denn der westliche Teil, die Lause- Champagne, ist ein trockenes, steppenhaftes, dünnbesiedeltes Weideland, dessen Schafe den Rohstoff für eine rege Textilindustrie liefern. Die östliche Champagne, die „feuchte", ist freilich ein. wasserreiches Viehzuchtgebiet. Im Weltkrieg ist die Champagne Schauplatz blutigster Kämpfe gewesen. In der berühmten Winterschlacht (21. Februar bis 20. März 1915) fonrtten die angreifenden Franzosen nur geringen Geländegewinn davontragen, dagegen brachen sie im Spätherbst des gleichen Jahres bei Tahure mehrere Kilometer tief in die deutschen Linien ein und konnten in der großen Doppelschlacht Aisne—Champagne im Frühjahr 1917 die Höhen südlich von Moronvillers besetzen. Noch einmal tobten hier erbitterte Kämpfe zur Sicherung des Rückzuges der deutschen Truppen im Herbst 1918.
Nun ist die Champagne zwischen Reims und den Argonnen, einem ebenfalls aus dem Weltkrieg bekannten, zwischen Aisne und Maas in nord-südlicher Richtung sich erstreckenden bewaldeten Hochland mit Höhen bis zu 300 Metern, der Schauvlatz erbitterten, aber für die deutschen Waffen erfolgreichen Ringens, in dessen Verlauf sich bereits an mehreren Stellen starke feindliche Kräfte abgesprengt und umschlossen sehen, ihrer Vernichtung entgegengehend. Wir kennen diese Formulierungen unserer Wehrmachtsberichte aus Polen und Flandern und wissen, was sie bedeuten. Tiefe Keile werden in die feindlichen Armeeverbände vorgetrieben, diese auseinandergerissen und einzeln eingekessell, wobei Panzerwaffe und Sturzkampsbomber zur Demoralisierung und schließlichen Vernichtung des Gegners entscheidend beitragen. Also auch der rechte Flügel Weygands befindet sich gleich seinem linken an der Küste in höchster Bedrängnis, womit auch im Hinblick auf eine Bedrohung der im Rücken offenen Maginotlinie vom Oberrhein bis hinauf nach Moni- medy sich eine neue Perspektive ergibt. .In der goßen Schlacht in Frankreich reift ein neuer großer ieq deutscher Waffen heran.
Dr. Fr. W. Lange.
Weygand vor neuen Ausgaben.
Rom, 12. Juni. (Europäpreß.) In einer Betrachtung der Lage an der Front in Nordfrcmkreich schreibt „Tribuna", das Schicksal von Paris sei bereits besiegelt. Die Flucht der Regierung aus Paris und das Ersuchen des Stadtrates, die Stadt nicht als Widerstandsnest auszubauen, beweise, daß niemand mehr an die Möglichkeit und Zweckmäßigkeit einer Verteidigung glaube. Ange- sicht des Eintritts Italiens in den Krieg fei überdies anzunehmen, daß General Weygand nicht die Absicht habe, seine letzten Reserven zur
(PK.) .... 11.Juni. „Bombenangriff auf Schiffe an der Seine-Mündung", fo lautet der Einsatzbefehl für eine Do 17-Kampfgruppe. Die Maschinen starten. Borne am Horizont erscheint plötzlich eine lange schwere Wolkenwand. Jeder Mann der Besatzungen steht unter dem Eindruck, in die Nähe eines großen Gewitters zu kommen.
Näher und näher kommt die schwarze Wolkenschicht, wird immer dicker. In den düsteren Farben treten plötzlich rote Feuerscheine auf. Oeltanks stehen in Flammen. Ein Flammenherd von Rouen bis, Le Havre. Der Eindruck ist gewaltig. Die Maschinen müssen nach unten stoßen, unter der Wolkenvecke in geringer Höhe kann endlich die Richtung ausgemacht werden. Es wird schwarz um uns. Die Instrumente an Bord der Maschinen müssen wie bei Nach^abgelesen werden.
Die befohlenen Ziele werden ausgemacht. Es scheint ein größerer Geleitzug unterwegs zu sein. Schon setzen die Maschinen zum ersten Angriff an. Die Bomben fallen. Ein größerer Transporter wird getroffen. Sinkt sofort. Der zweite Anflug. Wieder jagen die Bomben nach unten. Eins — zwei — drei — vier Schiffe gehen der Vernichtung entgegen. Legen sich zur Seite — brennen — fahren auf Sandbänke. Porne steht noch ein Schiff. Heran. Es ist im Qualm kaum auszumachen. Der beizende Rauch der Brände steigt in die Maschine hinein.
Da setzt von diesem Schiff ein Abwehrfeuer wie ein Feuerwerk ein. Ein Kriegsschiff wehrt sich aus allen Rohren. Im dunklen Rauch jagen die glühenden Geschosse nach oben, krepieren im hellen Licht. Flakgeschosse ziehen in roten, gelben, grünen Perlenketten hinauf zu den deutschen Maschinen. Sie treffen nicht. Die Höhe wird durch den Qualm nicht richtig eingeschätzt. Nach unten gehen die weißen Fäden der Leuchtspurgeschosse. Hier muß die Hölle los sein. Hier ist Frankreich wieder bis ins Mark getroffen. Das Kriegsschiff wird trotz dieser wahnsinnigen Abwehr angegriffen. D i e Bomben fallen.
Zu gleicher Zeit kämpfen unsere Zerstörer mit sranzösrschen Jagdmaschinen, um den Angriff auf die Bomber abzuschlagen. Der Auftrag ist erfüllt. Ohne Verluste kehren die Maschinen zurück. In der Erinnerung immer das unheimliche ^Bild dieser Brände, die es nicht möglich machten, das Südufer der Seine zu sehen.
Hinten liegt jetzt die schwere, schwarze Wand, und die Sonne versucht, sich durchzusetzen. Ab und zu bringt ein Streifen der Helle hinein in das Dunkel dieser Vernichtung. Graugrün schillert es herüber, unterbrochen durch die auflodernden roten Explosionsflammen der immer neuen Brände: An der Seine brennt das Ufer.
Raimund Schulz.
Jean Fabry u. a.: „Jetzt hat die Prüfung und die Besprechung der strategischen Linien und der feindlichen Offensive sowie der Taktik unserer eigenen Verteidigung kein Interesse mehr, denn vom Kanal bis zu den Argonnen bewegen sich die deutschen Armeen mit einer wilden Entschlossenheit vorwärts. Das Mißverhältnis zwischen unseren Mitteln und denen des Feindes an Tanks, schwerer Artillerie und eingesetzten Truppen ist groß. Wir müssen alle unser Vertrauen in den Mui der französischen Armee setzen." Zu den deutschen Vorstößen vom Sonntag und Montag schreibt General Duval im „Journal": „Wenn wir nicht genügend darauf achten, vom Feinde nicht umfaßt zu werden, werden mir bald endgültig vernichtet sein." Ein Teil der französischen Ministerien
nach Poitiers geflüchtet.
Madrid, 12. 3uni. (DJIB. Junkspruch.) Mm Dienstag gelangten erstmalig keine französische« Zeitungen nach Spanien. Aus Frankreich wird berichtet, daß sich ein Teil der Ministerien in Poitiers niederlieh, nicht alle in Tours, wie ursprünglich angenommen wurde. Seit Tagen trafen in Poitiers Aktentransporte aus den Ministerien ein, die sämtliche öffentliche Gebäude, zahlreiche Privatwohnungen und Tanzsäle beseht haben. 3n ganz Frankreich herrscht tiefste Niedergeschlagenheil infolge der Nachricht von Italiens Eintritt in den Krieg. Trotz der Propaganda des Rundfunks ist sich die Bevölkerung über die Bedeutung der Verschärfung der Kriegslage im klaren.
Die ausgestorbene Stadt.
Washington, 12. Juni. (DNV. Funkspruch.)' Die amerikanische Rundfunkgesellschaft Columbia: Broadcasting übertrug am Montag von Schallplatten: einen von ihrem Pariser Sprecher aufgenommenen Bericht. Er schilderte die Verzweiflung; in der Pariser Bevölkerung, die Flucht aller Ministerien und die allgemeine hastige Flucht der Bevölkerung, die ihre Matratzen und das nötigste Gepäck auf Handkarren mitnehmen. „Paris", fo sagte der amerikanische Sprecher, „ist eine ausgestorbene Stadt. Ich gehe nach dem Süden und- werde dort versuchen, in einigen Tagen wieder meine- Rundfunkberichte aufzunehmen. Dies ist mein: letzter Bericht aus Paris. Wenn in den: nächsten Tagen jemand von Paris nach Amerika: sprechen sollte, so wird das nicht mehr unter der Kontrolle der französischen Regierung vor sich« gehen!"
Pierre Cot ermordet?
Madrid, 11. Juni. (DNB.) Wie in journalistischen Kreisen bekannt wird, soll der frühere französische Luftfahrtminister Pierre C o t von empörten französischen Fliegern in seiner Pariser Wohnung überfallen, verschleppt und außerhalb der Stadt erschossen worden sein. Damit hätte einen der übelsten Hetzer und Kriegsverbrecher Frankreichs ein verdientes Strafgericht ereilt. •


