Ausgabe 
12.5.1940
 
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Aus -er Gta-i Gießen.

Kleine Maimelodie.

In diesem Monat schüttet der Frühling seine Blütengaben om verschwenderischsten aus. Darum ist er auch der lieblichsten Frau, die über die Erde gewandelt, gewidmet: Maria, und Dichter und Maler wetteiferten in glühender Begeisterung, sie als Unsere liebe Frau im Blütenhag", als Maien­königin" in Wort und Bild zu preisen.

Bräute tragen an ihrem Hochzeitstag Sträuße weißen Flieders, der mit seinen vollen Blüten­trauben schwer ist wie ihre erwartungsvollen Her­zen, die von nahem und berauschendem Glück träu­men. Burschen bringen ihren Mädchen den wür­zigen Waldduft des Maikrauts, damit sie sich die getrockneten Bündel in ihre Wäscheschränke legen, und Sträuße zierlicher Maiglöckchen, die sich lange in der Vase halten und das Zimmer mit dem köstlichen Duft ihres Atems erfüllen.

Die Kastanienbäume in den Straßen und Alleen haben ihre weißen oder weiß und rot getüpfelten Blütenkerzen aufgesteckt. Sogar die hellen Mittage erscheinen, von ihnen angestrahlt, schimmernder und wärmer, lieber den Gärten und Fluren schweben zwischen Himmel und Erde die zarten weißen Blü­tenwolken der Obstbäume. Wo sie rosig prangen, als seien sie von den Strahlen der Morgen- oder Abendröte entzündet, stehen Apfelbäume. Der Wald, der sich mehr und mehr zulaubt, riecht nach jungem Laub, frischen Säften und Harzen. Seine Wipfel leuchten hellgrün, als sei jedes einzelne Blatt von der Sonne durchstrahlt. Sogar von den Zweigspitzen der Fichten und Tannen, die Neu­triebe angesetzt haben, geht dieser Lichtschimmer ßus. An steinigen Säumen lodern die Feuerbüsche des Ginsters.

Wo man unter Bäumen geht, sieht man des Lftern winzige Räupchen an kaum wahrnehm­baren Seidenfäden krampfhafte Anstrengungen Machen, festen Boden zu gewinnen. Sie sind aus ihren Blattwiegen abgestürzt und baumeln hilf­los in der Luft. Ueberall ist schon das köstliche Grün des Laubs zerfressen und durchlöchert. Daß man trotz angestrengten Lauschens nichts hört als die wundersame, fast feierliche Stille, nur von fröh­lichen Vogelstimmen zuweilen anmutig unterbro­chen, macht das Nagen und Schaben der gierigen Raupen, Larven und Käfer, deren Zahl unüberseh­bar ist, nur um so unheimlicher. Dennoch ertragen Bäume und Sträucher großherzig diesen Raub, ja sie geben gern von ihrem strotzenden Ueberfluß, wenn das Treiben der kleinen Fresser nicht über­hand nimmt. Wo die Sbnne über Hängen und Rainen spielt, suchen Bienen und Hummeln sur­rend und brummend die kleinen Honigtavernen der hochzeitlich prangenden Blumen.

In den Nutzgärten stehen die Erdbeeren in vol­ler Blüte, die Erbsen ranken und die Bohnen durchbrechen das Erdreich. Und jeden Tag wird neu gesät und gesetzt und schon geerntet! Radieschen und Rhabarber sind die ersten Maigaben. Ueber- schwenglich verschwendet der Mai auch hier.

Mädchen, im Mai geboren, gleichen in ihrer Frohlaune und verschwenderischen Güte der über­strömenden Natur. P. B.

Tageskalender für Sonntag.

Stadttheater: 19 bis 21.30 UhrDr. med. Hiob Prätorius". Gloria-Palast (Seltersweg):Der Postmeister^.

Notizen für den 13. Mai.

Sonnenaufgang 5.34 Uhr, Sonnenuntergang 21.10 flhr; Mondaufgang 11.02 Uhr, Monduntergang 1.48 Uhr.

NG.-Irauenschast/Krauenwerk.

Gießen-Osi.

Der nklchste Gemeinschaftsabend ist am Montag, 20. Mai, imBurghof" (Cafe Ebel), 20.15 Uhr. Er steht unter dem Wort:D?r deutsche Stolz".

Die Sprechstunden der Ortsfrauen­schaftsleiterin sind von nun ab jeden Frei­tag von 16.30 bis 18.30 Uhr Georg-Philipp-Gail- Straße 8.

Heil Hitler! L. Hummel.

Schöne Gießener Gilberfchmiedearbeit für Generalgouverneur Dr. Krank.

r Der Gießener Metallbildhauer Heinrich Küchel hätte sich in diesen Tagen mit einer schönen und besonders danbaren künstlerischen Arbeit zu be­schäftigen. Don einem privaten Auftraggeber. Staatsanwalt Adami (Berlin), war er gebeten worden, für Generalgouverneur Dr. Frank, des­sen engeren Mitarbeiterkreis Staatsanwalt Adami angehört, ein Geburtstagsgeschenk in Form eines künstlerisch gestalteten Brieföffners anzufertigen. Als dekorativer Vorwurf war dabei die Burg von Krakau, der Wavel, vorgeschlagen. Der Künstler griff die Anregung auf und gestaltete nach alten Stichen das Bild der Burg in strengen und ver­einfachten Formen, die sich gut in das Material Übersetzen ließen. Der Brieföffner ist nunmehr fer­tiggestellt. Die Klinge wurde aus einem Stück ge­schmiedet, das Schmuckrelief dagegen baut sich aus drei filbernen Platten auf, aus denen die Formen der Burg, der Türme und Häuser ausgeschnitten wurden. Die Platten wurden dann übereinanderge- fügt und verlötet. Durch diese Art der Verarbeitung ist ein plastisches Bild entstanden, das die Burg in schöner perspektivischer Vertiefung zeigt, obwohl der Brieföffner in seinem dekorativen Teil nur eine Stärke von 3 Millimeter aufweist. Die Zise­lierung erfolgte nach der Verlötung der drei Plattenteile. Auf der Rückseite der Klinge wurde die Widmung in einfacher Schrift, roifc sie sich aus dem Werkzeug ergab, eingeschlagen.

Der Brieföffner macht einen ausgezeichneten Ein­druck und dürste dem Generalgouverneur sicherlich große Freude bereiten. Für den Künstler ist diese Arbeit ein schöner Beweis seines künstlerischen und kunsthandwerklichen Könnens.

Keine sportlichen Veranstaltungen an den pfingstfeiertagen.

Entgegen unseren gestrigen Vorschauen auf die sportlichen Veranstaltungen des NSRL. während der Pfingstfeiertage muß mitgeteilt werden, daß diese Veranstaltungen nach neuer behördlicher An­ordnung ausfallen müssen. Die neuen Anordnun­gen erreichten uns erst am frühen Nachmittag des gestrigen Samstags, nachdem unsere Zeitung be­reits in den Händen der Leser war.

*

** Der Gießener Anzeiger erscheint am Morgigen Alonkag zur gewohnten Stunde.

ehrgeistige Betreuung.

KdF. im Kriegssommer 1940.

Als Auftakt zur Sommerarbeit der NSG. ,Kraft durch Freude", Gau Hessen-Nassau, fand in Wies­baden eine richtungweisende Arbeitstagung her Kreiswarte statt. Nach der Eröffnung der Tagung durch Gauwart von R e k o w s k i, der auf die be­deutungsvollen Ereignisse des Tages einleitend hin­wies, begrüßte als Vertreter des Kreisleiters Kreis­amtsleiter Brück die Tagungsteilnehmer.

Im Rahmen der Besprechungen nahmen die Aus­führungen von Oberst Doigt-Ruscheweyh einen breiten Raum ein. Schöpfend aus den reichen Erfahrungen seines langen Soldatenlebens und wei­ter Auslandsreisen gab der Redner seinen aufmerk­samen Zuhörern eine Fülle von Anregungen und Vorschlägen für die Arbeit der NSG.Kraft durch Freude" auf dem Gebiet der Wehrmachtsbe­treuung. Er forderte die Kreiswarte auf, die Er­füllung ihrer Aufgaben mehr und mehr zu einer wehrgeistigen Führung auszuweiten. Die Freizeit- aeftaltung für den deutschen Soldaten habe der Er­haltung eines guten soldatischen Geistes zu dienen. Der Oberst stattete den Kreiswarten Dank für die bisher geleistete Arbeit ab und betonte, daß aus

vielen Zuschriften von Soldaten immer wieder die Dankbarkeit für die Betreuungsarbeit hervorgehe. Diese bezöge sich nicht nur auf die Durchführung von Veranstaltungen, sondern auch auf Lieferung von Lesestoff, nach dem sowohl im Bunker, als auch in Fliegerhorsten große Nachfrage bestünde.

Gauwart von Rekowski dankte dem Oberst für seine Worte und betonte, daß die NSG.Kraft durch Freude" auch in Zukunft alles daran setzen werde, um der Truppe Freude und Belehrung, Un­terhaltung und Wissen zu vermitteln.

Der Hauptarbeitsgebietswalter II, Gauhauptstel­lenleiter Mühlenpfordt, sprach dann über das Zusammenwirken der KdF.-Arbeit mit dem sozial­politischen Geschehen in den Betrieben und erhob die. Forderung nach einer lebensnahen Verbindung. Er gab den Kreiswarten praktische Hinweise für ihre Arbeit und stellte heraus, daß auch im Kriege Kraft durch Freude" eine hohe verantwortliche Aufgabe zu erfüllen habe.

Der Nachmittag diente der Besprechung allge­meiner Fragen der praktischen KdF.-Arbeit im Sommerhalbjahr.

Nachbarschaftshilfe als echte Volksgemeinschaft.

Gute nachbarliche Hilfe ist von altersher Aus­druck der Zusammengehörigkeit der Gemeinschaft und hat stets ihr besonderes Gepräge in den Dör­fern gefunden. Gemeinsam schützten die Bauern ihr Land, gemeinsam berieten sie die Fragen des Hofes und des Hauswesens und halfen sich in per­sönlicher Not. Auch in den kleinen Städtchen war die nachbarliche Hilfe selbstverständlich, bis eine immer schnellebigere Zeit die Menschen mehr und mehr voneinander entfernte. In den großen und immer größer werdenden Städten wurden Zwar viele Menschen in großen Häusern beherbergt, doch waren es so viele Menschen, daß sie sich kaum von Ansehen kannten.

Dor einigen Jahren wurde nun durch das Deut­sche Frauenwerk diese nachbarliche Hilfe als eigentliche Aufgabe der Frau wieder in den Vordergrund gerückt, planmäßig ausgbbaut und or­ganisiert. Es ist natürlich, daß der Gedanke einer Nachbarschaftshilfe in den kleinen Städten und auf dem Lande sich am ehesten wieder durchsetzte: aber auch in den großen Städten ist die Nachbarschafts­hilfe heute zu einem Begriff geworden. Sie ist stets unerschöpflich in den Möglichkeiten des Hel­fens. In diesen Kriegsmonaten aber erweist sich eindeutig der tiefe Sinn dieser Nachbarschaftshilfe, die über eine Hilfe von Mensch zu Mensch hinaus zum Ausdruck echter Volksgemeinschaft geworden ist. Ungezählte Frauen haben sofort bei Kriegsbe­ginn über alle bisherige Fremdheit hinweg der Nachbarin, deren Mann Soldat wurde, ihre Hilfe angeboten und ihr über manche schwierige Lage hinweggeholfen. Ungezählte Frauen haben sich so­fort zu freiwilliger Hilfe bei der Frauenorganifa- tion der Partei gemeldet und sind im Rahmen der Nachbarschaftshilfe dort eingesetzt worden, wo Hilfe von Mensch zu Mensch notwendig war.

Aber noch werden helfende Hände dringend ge­braucht; denn die Möglichkeiten des Helfens sind

heute noch vielseitiger und die Notwendigkeit zum Helsen ist noch zwingender als in den Zeiten des Friedens. Es geht vor allem darum, in der Stadt die am Arbeitsplatz des Mannes und in den Fabri­ken tätigen Frauen und Mütter zu entlasten. Durch Uebernahme der Lebensmitteleinkäufe und sonsti­gen Besorgungen, durch das Betreuen ihrer Kin­der kann der arbeitenden Frau manche Mühe und Sorge abgenommen werden. In Krankheitsfällen fetzt die Nachbarschaftshilfe ein, um den Haushalt und die Kinder zu versorgen und der kranken Frau das sichere Gefühl des Umsorgtseins zu geben. Vor allem werden auch die Soldatenfrauen, die ein Kind erwarten, durch die Nachbarschaftshilfe auf das Beste betreut. Die Uebernahme der Flick- unh Stopfarbeiten, die in den Ortsgruppen der NS. - Frauenschaft gemeinschaftlich von vielen Frauen besorgt werden, bedeutet ebenfalls für die arbeitende Frau eine wesentliche Erleichterung. Die gleiche Hilfe wird überall auch der Landfrau zuteil, und oft genug spannt die Nachbarschafts­hilfe über den eigentlichen Aufgabenkreis hin­aus den Bogen von der Stadt zum Land. So wie der Inhalt der Flickbeutel der Bäuerin von den Frauen der Städte ständig in Ordnung ge­bracht wird, so selbstverständlich kommen diese Frauen zu den besonders arbeitsreichen Zeiten auf das Land, um der Bäuerin zu helfen. Ob die Hilfe auf dem Felde oder im Garten geleistet wird, ob die Frauen das Einmachen ober die gesamte Haus­haltsführung übernehmen und auf die Kinder ach­ten, um die Bäuerin für die Außenarbeit freizu­machen, es geschieht immer in selbstverständlicher Hilfsbereitschaft.

Viele Beispiele aus der Nachbarschaftshilfe ließen sich noch aufführen. Offener Blick und der gute Wille zum Helfen genügen meistens schon, um allen Frauen aufzuzeigen, wo sie sich in dieser Zeit einsetzen können.

Ein Tagesverlauf im Langemarck-Siudium.

NSG. Aus allen Teilend, Deutschlands sind wir durch die Reichsstudentenführung vorn Schraubstock und aus der Werkstatt, vorn Pflug und aus den Kontoren, wo wir vorher arbeiteten, nach Heidel­berg gerufen worden, um uns dort in IV-jöhriger Arbeit die Berechtigung zürn Studium zu erwerben. Fünf Monate sind seitdem vergangen, und wir leben seit dieser Zeit in stiller, abgeschlossener Ar­beit. Gar mancher möchte wohl gerne wissen, wie es bei uns zugeht. Nur wenige werden sich eine richtige Vorstellung von unserem Leben und Streben machen können. Alle, die es interessiert, lade ich deshalb ein, mit mir einen Tagim Lange- marck-Studium in seinem Verlauf zu be­obachten.

Montagmorgen, 6.25 Uhr! Mein Wecker entreißt mich unbarmherzig mit seinem schnarrenden Getöse dem Reich der Träume und stellt mich der rauhen Wirklichkeit gegenüber, di? mir offenbart, daß ich heute Führer vom Dienst bin. Schnell die Turn­hosen und Turnschuhe an und zur Klingel, die die anderen Kameraden wecken wird. Unterwegs werfe ich einen Blick in unser Nebenzimmer, mit dessen Belegschaft wir uns besonders gut vertragen. Da liegen sie alle Viere in sanftem Schlummer: ein Berliner, ein Schwabe, ein Westfale und einer aus der Ostmark, und sie ahnen nicht, wie nahe das mit Recht sobeliebte" Klingelzeichen ist.

Schrill klingt das Läuten der Glocke durch das schlummernde Haus, deren gellender Ton durch den Widerhall der Wände noch verschärft wird. Bei diesem Signal fliegen ob man will ober nicht bie Beine von selbst unter her Bettdecke hervor, um gähnende Gestalten mit noch verschlafenen Gesichtern in den Hof zu bewegen. Ein frischer Lauf und be­lebende Lockerungsübungen vertreiben bie letzte- bigfeit unb Faulheit, was bie kalte Dusche unter der Brause anschließend noch vervollständigt. Waschen und Bettenbau sind bald vorüber, und auch die Stube ist sehr schnell von Staub und sonstigen Un­feinheiten gesäubert. Dann wird, da es Montag also Wochenanfang ist, die Uniform angezogen, denn zum Wochenanfang und Wochenende tragen wir unser Ehrenkleid, in dem wir auf dem Hofe an­treten, um am Beginn einer neuen Arbeitswoche die Fahne, die über unserer Arbeit steht, aufzuziehen. Ein Leitspruch gibt der Arbeit dieser Woche Richtung und Ziel und verpflichtet uns neu zu Einsatz unb Leistung. Mit einem Lieb schließt bie kleine Feier.

In der Zwischenzeit hat unsere Hauswirtin schon im Gemeinschaftsraum einenduftenden Kaffee" mit Brot und Marmelade bereitgestellt, Dinge, an denen jeder sich gütlich tut. Ein Blick auf den Stun­denplan zeigt uns, daß wir gleich nach dem Kaffee­trinken Unterricht haben, und so geht es denn auch bald los. Angefangen vom Parcivol Wolfram von Eschenbachs über die A- und O-Deklination im La­teinischen und das Gerundium und die progressfive Form im Englischen, bis hin zu Alexander, Cäsar unb Karl den Großen, deren Größe und Genialität wir in der Geschichte zu begreifen versuchen

Heute sind es diese Dinge, morgen werden wir uns in der Physik, Chemie und Biologie mit Vor­gängen und Gesetzen der belebten und unbelebten Natur zu befassen haben, und übermorgen wird uns die exakte Beweisführung in der Mathematik be­schäftigen. FürAbwechslung" ist bestens gesorgt.

Der Unterricht hat hungrig gemacht, und so sitzen

wir denn auch bald um dampfende Schüsseln unb lassen uns unser Mittagessen gut schmecken. In der Zwischenzeit ist es 1.30 Uhr geworben.

Doch auch jetzt können wir heute noch nicht un­sere eigenen Arbeiten verrichten, wie das an den anberen Tagen der Fall ist, benn die Hälfte der Mannschaft nimmt zunächst der Sportlehrer für drei Stunden in Behandlung, um den Knochen unb Knöchelchen bie überflüssigen Mengen Kalk zu ent­ziehen, die sich sonst vielleicht bilbcn könnten. Die andere Hälfte geht mit Hacke und Spaten bewaff­net in den Garten, um Gemüse und Salat für bie Küche zu säen, denn unsere Hausmutter versichert uns immer wieder, daß Gemüse, das man selbst angebaut habe, viel besser schmecke.

Erst wenn dies alles erledigt ist, können wir uns unserer bestimmt nicht geringen Arbeit widmen, denn nun muß der ganze Stoff, der vormittags im Unterricht in Sturmwindeile an uns vorüderge- zogen ist, durchgekaut und auch verdaut werden, um uns auch wirklich geistig zu nähren. So wird das Läuten zum Abendessen fast als eine unwill­kommene Störung angesehen, doch auch das muß sein.

Bald sinkt die Nacht hernieder. Bei der Arbeit eilt die Zeit, und näher und näher rücken die Zei­ger der Uhr auf 10.30 Uhr heran, verkünden Zap­fenstreich und Bettruhe. Als Führer vom Dienst habe ich noch durch alle Stuben zu gehen und da­für Sorge zu tragen, daß auch überall dem Schlaf sein Recht wird.

Leise gehe ich durch das stillgewordene Haus. Hier schläft schon eine Zimmergemeinschaft, und in die Stille bringt nur das ruhige, tiefe Atmen der Schlafenden; dort wird noch leise debattiert über die Gesetze vom freien Fall und die ballistischen Kur­ven, unb wieder wo anders ringt man noch in ge­dämpftem Streitgespräch um die Probleme der alt- unb mittelhochdeutschen Dichtung. Doch es dauert nicht lange und der Schlaf hat alle in seine fesseln­den Arme genommen. Ich kann dem Mannschafts­führer melden, daß alles in Ordnung ist, und mich nun selbst in bie Klappe hauen, um von her Arbeit des vergangenen Tages auszuruhen und neue Kräfte Hu sammeln für den nächsten Arbeitstag.

Ein Tag von den vielen her Wochen und Monate unseres Hierseins ist an uns vorübergezagen und hat gezeigt, wie wir leben und was wir tun. Wenn wir schon nicht draußen stehen dürfen, um als Sol­daten im grauen oder blauen Rock unsere Pflicht zu tun, bann wollen wir an bem Platz, an ben wir gestellt sind, die uns gestellten Aufgaben meistern, dienen und arbeiten, selbstlos und opferbereit, wie jene Kameraden in Flanderns blutgetränkter Erde lebten und starben, deren Vermächtnis wir über­nommen haben und deren Opferstätte unser Ehren­name ist. Hans Sudheimer.

Blumenkästen am LudwigSplak.

Der Ludwigsplatz hat einen schönen und sinnge­mäßen Schmuck erhalten. Es wurden auf den niedri­gen Podesten, die ursprünglich für die Kugellampen erstellt worden waren, Holzkästen ausgestellt, die mit Erde gefüllt und mit dunkelroten Geranien be­pflanzt wurden. Die Kasten in hellem Gelb, bie bunteiroten Geranien unb bas satte Grün des Ra­sens bilden einen schönen Dreiklang her Farben.

Oie Bestimmungen

über Preisauszeichnung beachten.

Durch bie Verordnung über Preisbildung unä Preisverzeichnisse soll die Verbraucherschaft bei allen wichtigen Nahrungsmitteln vor Uebervortei- lüng geschützt werden. Die Bestimmungen dieses Verordnungen beziehen sich nicht nur auf frisches Obst und Gemüse, wie häufig angenommen wurde» Der Reichskommissar für die Preisbildung weift vielmehr darauf hin, baß z. B. auch Sauerkraut, Salzgemüse, Backobst, Trockengemüse und alle Ar­ten von Konserven ben gleichen Preisauszeichnungs­bestimmungen wie frisches Obst und Gemüse unter* liegen.

Ab Juni mehr Butter, statt Margarine.

Die deutsche Buttererzeugung entwickelt sich außer* ordentlich günstig. Diese Lage macht es möglich, bis Buttervorräte in ben Sommermonaten auf einen bisher unerreichten Höchststand zu bringen unb dar­über hinaus der Verbraucherschaft mehr Butte» als bisher bei gleichzeitiger Einsparung an 3)1 ar gar ine! zur Verfügung zu stellen. Ab 3. Juni 1940 wird deshalb bei insgesamt gleichbleibenden Fettrationen der Butter- und Margarinebezug so geregelt wer­den, daß eine weitere Verlagerung des Fettver- zehrs von der Margarine zur Butter eintritt. Zn diesem Zweck sollen für Normalverbraucher und für Kinder von 6 bis 14 Jahren die Butterrationen, die nicht gegen Margarine austauschbar sind, er­höht werden. Außerdem erhalten bie Schwer- und Schwerstarbeiter bie Möglichkeit, auf ihre Zusatz* karten an Stelle von Margarine Butter zu beziehe^ Darüber hinaus wirb erwartet, baß von der Wahlq Möglichkeit zwischen Butter unb Margarine zu­gunsten des Butterbezuges in noch weitergehendemj Maße als bisher Gebrauch gemacht wird. Es ist anzunehmen, daß bie Bevölkerung biesen Weg gern! gehen wird, da sich bei der bereits bestehenbett Wahlmöglichkeit zwischen Butter und Margarinel der bei weitem größere Teil der Volksgenossen für1- den Bezug von Butter entschieden hat. Die neue Maßnahme, deren Einzelheiten zu gegebener Zeit: bekanntgegeben werden, entspricht nicht nur betrt Wunsche der Verbraucher, sie dient vor allem auch der Stärkung unserer Vorratswirtschaft.

Klingende Liebesgaben."

NSG. Wenn die WorteKlingende Liebesgaben^ erklingen, wollen alle teilhaben an bem Mustkftrauß, ben die Heimat her Front spendet. Tausende und aber Tausende sind Woche für Woche am Lautspre­cher Gäste des Reichssenders Frankfurt, der am Donnerstagabend aus bem St. Georgshof in Lim* bürg (Lahn), dessen weiter Raum überfüllt war, bas 50.Klingende Liebesgabenkonzert" fanbte. Unb auch hier waren Soldaten dankbare Zuhörer. Zu dieser! Sendung, bie durch den Reichssender Frankfurt in, Verbindung mit der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" gespendet wurde, hatte man bekannte Kräfte, bie im Verein mit bem Kleinen Orchester? des Reichssenders Frankfurt, einem Musikkorps beit Wehrmacht und einem Soldatenchor ben Abend gw statteten, gewonnen.

Die Nachrichten find vorbei, und nun wartet alles auf ben Beginn her Sendung, die heute zum 50< Male dieKlingenden Liebesgaben" hinaus in den Aether strahlen soll. Schon der Auftakt war erfreu* lich mit Betty Sedlmayer, bie Schlager uni) Lieber unter stärkstem Beifall ihrer feldgrauen Zu* Hörer vortrug. Der Wiener Tenor Max Borsoß fang Lieder von Lehar, Millöcker und Johann Strauß, während Rudolf G o n s z a r Lieber aus Gasparone, die Figaro-Cavatine unbMatinatta^ zu Gehör brachte. Kurt Engel, der Spaßmachers unb Virtuose am Xylophon, erzielte mit seinen lu- fügen Einlagen ben Beifall her Felbgrauen. Daztt kamen dieErika" unb dieSchönste vom <5täber- und andere frohe Soldatenlieder, die der Soldaten* chor mit dem Musikkorps zum Vorttag brachte.

So war dieser Abend für Zuhörer und Zuschauev ein Erlebnis, das noch lange nachklingen wird.

Maler Professor Kräh 100 Jahre alt.

Lpd. Darmstadt, 10. Mai. Bedacht von vielen! Freunden seiner freudigen und Heimatoerwurzelten! Kunst feierte der Nestor der deutschen Malerschaft> Kunstmaler Professor Heinrich Reinhard K r ö hi in Darmstadt, seinen 10 0. Geburtstag. Auch seine jüngsten Werke fesseln durch den lebendiges Inhalt und die Farbfreudigkeit ihrer Darstellung^ Hauptversammlung der Niddaer Bank.

$ Nidda, 10. Mai. Die Hauptversammlung der! Niddaer Bank AG., Nidda, sand iqi Hotel Zur Traube" statt. Bankvorsteher Herrn. Seunt berichtete, daß die günstige Entwicklung der deut­schen Wirtschaft auch der Bank im abgelaufenen Ge- schäftsjahr eine Ausweitung des Geschäftes gebracht hat. Wie die Kreditinstitute im allgemeinen, so kann auch bei der Niddaer Bank von einer erheblichen Steigerung ihrer ßiauibität berichtet werden, die es ermöglichte, alle im Rahmen her Kriegswirtschaft! liegenden Aufgaben erfüllen zu helfen. Der Gesamt­umsatz beläuft sich, einschließlich Vortrag, aufs 25 109 636,92 RM. unb hat sich gegenüber dem Vor* fahre um 2 696 568,34 RM. erhöht. Die Bilanz­summe hat im letzten Jahre eine Steigerung von rund 11 v. H. auf 1810 058 RM. erfahren. Das Wechseldiskontgeschäft hat auch im vergangenen Jahre! weiter nachgelassen. Der Wechselbestand mit 38 095,49 RM. am Jahresende setzt sich aus 88 Abschnitten zusammen. Der Bestand an eigenen Wertpapieren hat sich von 91 208,79 RM. auf 271 033,91 RM. er­höht. Die ausstehenden Gesamtforderungen beliefert sich am 31. Dezember 1939 auf 1 282 673,42 RM» Infolge des wirtschaftlichen Aufstieges war dis! 3tad)frage nach neuen Krediten weit geringer, als in den Vorjahren. Allen vertretbaren Kreditgesuchen, konnte entsprochen werden. Die flüssigen Mittel be­trugen am Ende des Geschäftsjahres: Kassenbestand,, Reichsbank- und Postscheckguthaben 66 691,43 RM.; Wechselbestand 38 095,49 RM;. Wertpapiere! 271033,91 RM.; Bankguthaben 202 481 RM.; zu­sammen 578 301,83 RM. Die gesetzlichen Reserven betragen 59 000, RM. Der Beamtenpensionsfonds konnte auf 13 834,05 RM. erhöht werden. Die Ge­samtsumme aller Einlagen beträgt im Berichtsjahr 1 673 377,33 RM. Die Spareinlagen haben sich um 141 762,50 RM. auf 1 325 546,87 RM. erhöht. Ab- holsparverfahren und Schulsparen brachten gleich­falls gute Ergebnisse. Nach ausreichenden Abschrei­bungen und Rückstellungen verbleibt unter Berück­sichtigung des Vortrages aus 1939 ein Reingewinn von 3179,90 RM. Davon werden 5 v. H. Dividende auf das eingezahlte Grundkapital gezahlt und> 579,20 RM. auf neue Rechnung vorgetragen. Bilanz und Jahresrechnung wurden genehmigt. Dem Vor­stand und Auftichtsrat wurde Entlastung erteilt. Diä ausscheidenden Mitglieder des Aufsichtsrates, Alt- bürgermeister R u l i m a n n und Kaufmann Roth in Nidda, sowie Bürgermeister U h l von Borsdor^, wurden durch Zuruf wiedergewähtt.