Ausgabe 
12.5.1940
 
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Der deutsche Soldat im Vorfeld.

Bon SA.-Obergruppenführer Beckerle.

Man liest und spricht in der Heimat so viel da­von, wie gut unsere Frontsoldaten es in den Bun­kern haben. Man weist immmer und immer wie­der auf das gigantische Werk des Führers hin das in dem Westwall verkörvert ist. Man berichtet davon, wie gut unsere Stellungen ausgebaut und wie bequem sie eingerichtet sind. Dankbar und stolz und voll Zuversicht stellen wir das mit Recht fest.

Vergessen wollen wir dabei aber nicht die Opfer und die Entbehrungen, die unsere Soldaten an der Westfront trotzdem zu bringen haben. Uebersehen wir vor allen Dingen nicht die Leistungen der Männer im Vorfeld, die dort weit vor der deutschen Westwall-Linie eingesetzt sind.

Voll Stolz berichtet der Mann in der Heimat von seiner Mehrarbeit und seinem Mehreinsatz seit dem Kriegsbeginn. Wortlos kämpft im Vorfeld der deutsche Soldat. Gewiß, es gibt nur eine Front, die des gesamten deutschen Volkes. Mann und Frau, Soldat, Arbeiter und Bauer kämpfen gemeinsam und leisten ihren Einsatz da, wo es die Nation ver­langt. Keiner der Soldaten des Vorfeldes übersieht das. Feder weiß es.

Das ganze deutsche Volk ist voll Stolz einig in der Anerkennung der Leistung des unbekannten Soldaten im Vorfeld. Wir wollen dabei an die zahllosen einzelnen Unternehmungen denken, an die Spähtrupps, die Tag für Tag und Nacht für Nacht im Vorfeld unterwegs sind, um die Bewegungen des Feindes zu überwachen und die eigene Stel­lung zu sichern.

Nie werden wir den Eindruck eines solchen nächt­lichen Unternehmens vergessen, wenn wir einmal daran teilgenommen haben. An sich ist es ja schon ein seltsames Gefühl, wenn man das letzte eigene Hindernis durchschritten hat und wenn man die weite, dunkle Fläche vor sich liegen sieht, die zwischen den beiden Stellungen riegt. Niemandsland 1 Ein Begriff, dessen Bedeutung nur der begreift, der selbst einmal hier gestanden hat. Wenn man dann, langsam alle Sinne auf das Aeußerste angespannt, vorwärts schreitet, rechts und links die Schatten der Kameraden, die weit ausemandergezogen nach eilen Seiten sichern, wenn man immer und immer wieder Haltmacht und sich zu Boden kauert und dann minutenlang mit angehaltenem Atem ange- strengt lauscht, ob kein Geräusch zu vernehmen ist, tas einen herannahenden Feind verrät. Wie oft eeht es vorwärts ins Ungewisse. Wenn wir uns hinsetzen und einen Abhang hinunterrutschen, Nutzende von Meter weit, ohne zu wissen, wo wir landen wenden! Wenn wir durch Dornhecken uns durchzwängen, über Umzäunungen, über die unweg­samen Felder und durch die unbearbeiteten Gärten. Und wie ost droht uns unser Gehör zu täuschen, wie oft glaubt man in dem Rascheln von Ratten rnd Mäusen schleichende Schritte wahrzunehmen, pie oft hält man das Plätschern des Baches für Menschliche Laute, und wie herrlich ist doch auch tas Erlebnis in dieser nächtlichen Stille.

Die Häuser des Dorfes vor uns, das in seinen Umrissen so friedlich daliegt, und das doch, als wir tun näher kommen und zwischen den Gebäuden pchen, so schauerlich wirkt mit einer Vielzahl von Geräuschen mitten in der bedrückenden Ruhe. Klingt las Aus- und Zuschlägen jener Tür im Winde nicht jo, als ob da jemand Holz hacke? Ist es bei dem Knistern und Knacken hier nicht so, als ob leise Schritte über die Diele schlichen? Haben wir nicht die das Gefühl, als müßte jeden Augenblick aus dien Häusern das Geknatter von Gewehr- und Zktaschinengewehrschüssen und das Krachen von Handgranaten auf uns hereinbrechen? Wie froh find wir, als wir die Häuser hinter uns haben tnd frei sind von der erhöhten Spannung.

Wie glücklich sind wir, als wir schließlich wie-der kn unserer vordersten Stellung angelangt find und unseren Auftrag damit erfolgreich zu Ende geführt laben. Jedem geht es so, der an einem Spähtrupp jttlnimmt hin nach dem feindlichen Vorfeld. Und |Lnit) doch ist jeder froh und begeistert, wenn er an jem nächsten teilnehmen kann.

Ein herrlicher Geist, der hier bei unseren Sol­daten immer und immer wieder zum Ausdruck kommt. Wie drängen sie sich vor, wenn Freiwillige |ür ein solches Unternehmen gesucht werden! Wie chnen sie sich danach, einen Auftrag zu erhalten, ter etwas Besonderes von ihnen verlangt! Wie setzen sie sich bann dabei so unermüdlich, so geschickt, so tapfer ein!

Und wie die Männer des Spähtrupps, so tut jeder Soldat ferne Pflicht, am MG. und auf Posten, beim Schanzen und beim Essenholen, der von der Nachrichtenstaffel und der Melder. Bei Kälte und Wind, bei Regen und Schnee. Seit Kriegsbegmn nun schon lange Monate. Kämpfer im Vorfeld! Sie dürfen nicht vergessen werden, wenn einst die Ge­schichte dieses Krieges geschrieben wird. Sie haben keine großen Siege zu verzeichnen und keine Zahlen anzuführen, die von ihren Erfolgen sprechen. Ihre Leistungen lassen sich nicht mit Schlachtennamen umschreiben und nicht mit spannenden Berichten. Und doch haben sie in dem harten Kriegswinter be­wiesen, daß sie bestes deutsches Soldatentum ver­körpern. Sie hatten die schwierigste Aufgabe zu lösen, die man sich für sie denken konnte. Während ihre Kameraden im Osten und im Norden von öteg zu Sieg eilten, hatten sie nur Wacht zu halten. Sie haben diese Aufgabe vorbildlich gelöst, sie haben ihre Pflicht getan gegenüber ihrem Führer ihrem Volk, ihrer Nation. Persönliche Unerschrockenheit, unermüdliche Pflichttreue und feste Kameradschaft zeichneten sie aus. Die Treue der Heimat gegenüber war ihr besonderes Kennzeichen. Sie verdienen es, daß auch die Heimat voll Stolz und Anerkennung auf sie blickt, auf die Soldaten im Vorfeld!

Umbruch einer Wettenordnung."

Berlin, 9. Mai. (DNB.) Reichsorganisations­leiter Dr. Ley sprach in der Schulungsburg der NSDAP, in Wannsee vor einem Kreis Politischer Leiter.Wir stehen vor dem Umbruch em er Weltenordnung, so sagte er, uns offnen sich Erkenntnisse, die Jahrhunderte verschlossen waren! Der Sieg der Vernunft wird auch in der Wett zu jener sinnvollen 0 r b n u n g führen, die uns unseren Platz an ber Sonne gewährleistet. In Die« em jetzt gegen Deutschlanb entfesselten Krieg sieht ich das beutsche Volk Englanb unb Frankreich als len burch gemeinsame Verbrechen verbunbeten Mächten gegenüber. Diese Allianz aus glichen Ver­brechen nieberzuringen, ist das deutsche Volk zum Segen der ganzen Welt auf bestem Wege. Mit dem deutschen Soldaten bildet der deutsche Arbeiter einen unbezwingbaren Block, dessen Widerstands- unb Offensivkraft aus bem hohen Wert der deut­schen Rasse und des deutschen Blutes gewährleistet wird."

Einbruch in die Sphäre der Monroe-Dokirin.

Englisch-französische Besetzung Niederländisch-Westindiens.

ko pen ha gen, 11.Mal. (DltB.) Einheiten b e r DJ e st'm ächte landeten auf den beiden Haupt­inseln von Niederländisch-rvestindlen, Luracao und Aruba. Englische Streitkräfte haben Luracao, französische Aruba besetzt.

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Was bei der Besetzung Islands durch brittfche Streitkräfte ansing deutlich zu werden, das zeichnet sich jetzt ganz klar ab: Der Raubstaat England sichert sich weitab von der eigentlichen Kampfzone m echter Freibeutermanier fremden Kolo­nialbesitz, in diesem Falle den derverbün­deten" Niederlande und setzt damit seinen Einbruch in die außereuropäische Sphäre fort, wo die Interessen der w e st l i ch e n Erdhälfte beginnen. Natürlich hat es auch eine ebenso lächerliche wie scheinheilige Begründung zur Hand: den Schutz vor deutschenSabotageversuchen", lieber den Ein­

spruch des holländischen Gouver­neurs, der noch am Freitagabend erklärt hatte, daß ber internationale Status für Nieberländisch- Westinbien unversehrt bleiben müsse unb baß biefer s i ch jede Hilfe von dritter Seite ver­bitte, setzt es sich ebenso großzügig hinweg wie über die Tatsache, baß dieser Vorstoß ein Ein­bruch in die Bezirke ber Monroe-Dok­trin ist, die für die Vereinigten Staaten geheiligt sind. Mit der gleichen Großmut hat England selbst sich Curacaos bemächtigt, wo bie großen Erdölraffinerien liegen, für die England, wie es eilfertig versichert, ein eindrucksvolles Der- teidigungsfystem einrichten hilft. Gegen wen dieses Verteidiaungssystem gerichtet ist, kann ber eng­lischen Kolonialgeschichte entnommen werben, die kein Beispiel Dafür aufweist, daß der Raubstaat England jemals wieder herausgegeben hat, was er skrupellos in seine gierigen Pranken riß.

Großer Eindruck in Oiom.

Rom, 12. Mai. (Europapreß.) Die römische Presse veröffentlicht in großer Ausführlichkeit die deutschen Berichte über die Kriegslage im Nord- westen.Lavoro Fascista" hebt hervor, daß sich die ungeheure Stoßkraft der deutschen Luftwaffe in dem Ringen um die Herrschaft in der Luft neuerdings bewähre. Die deutschen Fliegerstaffeln desorganisierten die auf dem Marsch befindlichen Trupven der Westmachte durch ihr Maschinenae- wehrseuer unb bombarbierten unaufhörlich Die Flugplätze unb Straßenknotenpunkte im feinblichen Gebiet. Ganz Luxemburg, so meßet bieTribuna", sei von ben beutschen Truppen bereits besetzt. Der Vormarsch gehe nun am Lauf der Mosel und Mel vor sich. ImPiccolo", der Mittagsausgabe des halbamtlichenGiornale d'Jtalia", wird ausgeführt, England und Frankreich hätten behauptet, Deutsch­land sei ein belagertes Land. Nun beginne sich aber der strategische Ring um England immer enger zu schließen, so daß der Belagerer zum Belagerten werden könne. Der Kampf sei in einen Bewegungskrieg übergegangen, schreibt Piccolo" weiter. Außerhalb ber Maginot-Linie unb bes Westwalls würden die Gegner ihre Kräfte in jenem klassischen Gebiet Flanderns messen, das nicht minder als die Po-Ebene der Schauplatz großer historischer Zusammenstöße gewesen ist. Die Initiative liege fortwährend in deutscher Hand.

Teuere" sagt:Der Krieg ist in seine fulminie-

renDe Phase eingetreten, bie entscheibend sein kann. Das Spiel gegen bie Neutralen, die England nicht in Frieden lassen wollte, kommt Albion äußerst teuer zu stehen. England ist bereits im Norden von Norwegen her eingekreist und furchtbar bedroht. Im Süden geht Deutschland mit allen sei­nen mächtigen Streitkräften durch Holland unb Bel­gien vor. Wenn es erst in den Besitz der Küste von Calais bis hinaufzum Arktischen Meer gelangt ist, so werben bie deutschen Luft­streitkräfte und U-Boote in ber Lage fein, Englanb immer schärfer in bie Zange zu nehmen, zu isolieren unb enbgültig niederzuringen. Von Belgien unb Holland aus kann Deutschland England auf kürzeste Entfernung schwerstens treffen. Das eng­lische Imperium erlebt die krtisch ste Stunde seiner Existenz."

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Die Einwohner der italienischen Hauptstadt fan­den in den frühen Morgenstunden in allen Stra­ßen zahlreiche bunte Anschläge vor, deren Ueberschriften ihre Aufmerksamkeit in Anspruch nah­men. Die Zettel enthielten eine geschickte Zusam­menstellung der wichtigsten Sätze aus den verschäm­ten Eingeständnissen des Zusammenbruches der eng­lischen Pläne, die Chamberlain in den letzten Unter« Haus-Sitzungen machen mußte. Die Bevölkerung staute sich vor diesen Anschlägen, deren Inhalt all­gemeines Interesse und offensichtliche Befriedigung erregte.

Neuer Justizmord in Frankreich.

Die Führer der bretonischen Heimat­bewegung zum Tode verurteilt.

Barcelona, 11. Mai. (DNB.) Wie die fran­zösische Nachrichtenagentur Havas aus der breto­nischen Hauptstadt Rennes meldet, hat das dor­tige französtiche Militärgericht nach einem unter Ausschluß Der Öffentlichkeit durchgeführten Ver­fahren die beiden bekanntesten Führer der breto­nischen Heimatbewegung Debauvais und Olivier Mordrel zum Tode verurteilt. Die Verurteilung der Heimattreuen Bretonen, die als Leiter der Na­tional-Bretonischen Partei (Part National Breton) und als Herausgeber der bretonischen Zeitung Breiz Atao" der internattonalen Oeffentlichkeit ein Begriff geworden sind, wird mit dem Vorwurf der Neugründung verbotener Vereine, Aufforderung von Militärpersonen zur Fahnenflucht und Hochverrat begründet.

Binnen kurzer Frist ist es nun schon das zweite Mal, daß Vorkämpfer eigenständigen Volkstums imLande der Freiheit unb Zivili- fation" dem Haß und der Unduldsamkeit des Pariser Zentralismus zum Opfer gefallen find. War es im Februar dieses Jahres der unerschrockene unb auf­richtige Vertreter der Rechte des elsässischen Volkes, Dr. C a r l R o ß , der in Nancy durch fran­zösische Kugeln sein Leben lassen mußte, so richtet sich diesmal der heimtückische Schlag gegen die eben­so ehrlich überzeugten wie aufrechten Verfechter der Eigenständigkeit des b r e t o n i s ch e n D o l k e s. Die gegen Debauvair und Mordrel erhobenen Vorwürfe sind ebenso unbegründet wie die gegen Roß. Ihr einziges Verbrechen war, daß sie im Rahmen der geltenden französischen Gesetze ihr Möglichstes taten, um ihrer schon im Weltkrieg hart geprüften und ausgebluteten Heimat neue sinnlose Opfer zu er­sparen. Schon im September 1938 waren diese beiden Führer des bretonischen Volkstums zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden nur des­halb, weil sie völlig legal in den Städten und Dör­fern der Bretagne Plakate hatten anschlaaen lassen mit der Inschrift: .Keinen Krieg für die Tschechen gegen Den Willen des bretonischen Vol­kes." Diese Verurteilung war der Auftakt zu einem systematisch durchgeführten Terror gegen alle Heimattreuen Bretonen. Mußte sich jedoch damals die französische Geheimpolizei noch mit der Gefäng- nisftrafe begnügen, so glaubte sie bei Ausbruch des jetzigen Konfliktes im Rahmen des im ganzen Lande wütenden Polizeiterrors der Regierungen Daladier und Reynaud Die Stunde für Den entscheidenden Schlag gekommen. Wie im Falle Roß, so zeigte sich im Falle Debauvais und Mordrel das französische Militärgericht den Wünschen ber Suretö gefügig unb trug keine Bedenken, die Verantwortung für diesen neuen Justizmord zu übernehmen.

Umbildung des rumänischen Kabinetts.

Bukarest, 12. Mai. (Europapreß.) In den Abendstunden des Samstags erfolgte die Umbil­dung der Regierung Tatarescu, nach­dem der Ministerpräsident am Vormittag bem König den Rücktritt der Gefamtregierung über­reicht hatte. Ausgeschieden sind Jüstizminister Micescu, Wirtschaftsminister Anghelescu, Kultus­minister Nistor, der Minister für Luftfahrt und Marine, General Theodorescu sowie der Staats­sekretär im Kultusministerium, Popovici. Die neuen Regier ungsmitg lieber finb Ben- toiu (Justiz), Cancicov (Wirtschaft) und Pro­fessor C i o b a n u (Kultus), währenb bie Leitung des Luftfahrtministeriums unb ber Marine vor­läufig vom Kriegsminister General I l c u s mit« versehen wirb. Zum Staatssekretär im Kultus­ministerium würbe ber bisherige Staatssekretär im Ministerpräsidium, Sibiceanu, ernannt, wah- renb General Niculescu zum Staatssekretär

für Luftfahrt unb Abmiral Pais zum Staatsse­kretär für bie Marine bestellt würbe. Ministerpräsi­dent Tatarescu erklärte der Presse, es handele sich weder um eine neue Regierung, noch um ein neues Programm. Seine Regierung werde auf in« unpolitischem Gebiet die Entspannungspolitik fort­setzen unb verschiedene durch die Zeitumstände be­dingte Wirtschaftsmaßnahmen durchführen. Auf außenpolitischem Gebiete werde die bisherige Poli­tik der strengen Neutralität und der Wahrung ber Unabhängigkeit bes Landes unverändert fortge­führt.

Die Vereilschast der italienischen Kriegsmarine.

Rom, 11. Mai. (Europapreß.) In seinem Be­richt zum Haushaltsvoranschlag ber Marine hat Unterftaatsfefretär im Marineministerium, Abmiral Cavagnari, auch die Rückwirkungen bes ge° genwärttgen europäischen Krieges auf bie italieni­sche Kriegsmarine behandelt, das Bauprogramm der Kriegsmarine werde in der vorgesehenen Weife durchgeführt. Zum programmgemäß vorgesehenen Zeitpunkt würden die beiden ersten 35 000-t- Schlachts chiffe sowie Die beiden letzten weit­gehend umgebauten Schlachtschiffe in Dienst ge­stellt werden. Im Juni werde das vierte 35 000» t-Schlachtschiff vom Stapel laufen, das auf den Na­menR o m a" getauft wird. Die Ausrüstung des im November v. I. vom Stapel gelaufenen 35 0004° SchlachtschiffesImper o" werde tatkräftig betrie» ben. Die Serie von 12 Kreuzern zu je 3400 t befinde sich in fortgeschrittenem Bauzustand unb werde in zwei Gruppen zum vorgesehenen Zeit­punkt in Dienst gestellt werden. Fast vollkommen beendet sei der seinerzeit bekanntgegebene Bau von Unterwasser-Streitkräften der Kriegsmarine. Es würden jedoch sofort weitere Unterseeboote und Torpedobootzerstörer auf Kiel gelegt werden, selbst wenn dadurch die Fertigstes lung von zwei Kreuzern des TypsConftanzo Ciano" vertagt werden müßte.

Unterstaatssekretär Admiral Cavagnari hat dann auf bie großen Schäbigungen bes Han­delsverkehrs zur See durch die englisch- französischen Kontrollmaßnahmen ver­wiesen, von denen besonders der Handelsverkehr ber Nandstaaten des Mittelmeers, vor allen Dingen Italiens, getroffen werbe. Immerhin sei burch aufgehäufte Vorräte währenb der vorhergegangenen Jahre unb auch burch Bestänbe von Materialien, Die in jüngster Zeit in nicht unwesentlicher Menge ergänzt wurden, Italiens Widerstandsfähigkeit ge­sichert worben. Der Unterstaatssekretär schloß seine Ausführungen mit ber Erklärung, bie italienische Flotte befinbe sich i m Bereits chaftszu st anb unb werbe, was immer bas Schicksal in feinem Schoße berge, ben Anforderungen von Ehre unb Pflicht gerecht werben.

Kleine politische Nachrichten.

Der ttalienische Minister für Dolkskultur, Pavo - lini, wurde am zweiten Tag seines Berliner Aufenchattes vorn Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß, und vom Reichs­außenminister v. Ribbentrop empfangen. So­dann hatte er eine zweite ausgedehnte Aussprache mit Reichsminister Dr. G o e b b e I s. Am Nach­mittag verließ Minister Pavolini mit einem Re­gierungsflugzeug die Reichshauptstadt, um sich nach Rom zurückzubegeben.

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Der bisherige Königlich-Italienische Botschafter, Professor B. Attolico, und seine Gattin ver­ließen die Reichshauptstadt. Zu ihrer Verabschiedung hatte sich in Vertretung des von Berlin abwesenden Reichsministers des Äuswörtigen von Ribbenttop Staatssekretär von Weizsäcker eingefunden, ber bem scheuenden Botschafterpaar die Grüße des Reichs«

außenministers überbrachte und Frau Attolico tit feinem Namen einen Blumenstrauß überreichte.

Der Chef des dänischen Küstenverteidigunbs- wesens, Abmiral R e ch n i tz e r, hat seinen Abschied eingereicht, Den der König angenommen hat. Zum vorläufigen Nachfolger wurde bis auf weiteres Admiral Briant de Crevecoeur ernannt.

Mit einem Extrazug traf Der Präsident der Sow­jetunion, Kalinin, in der nach dem finnisch-rus­sischen Friebensabschluß abgetretenen finnischen Stabt Dibora ein, die anläßlich Des Besuches reichen Flaggensthmuck angelegt hatte.

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In Tokio wirb verlautet, Daß ber K a iser von M a n b s ch u k u o am 22. Mai Hsingking verlassen wirb, um Tokio zu besuchen, wo er bem Kaiser von Japan seine Glückwünsche barbringen wird zum 2000. Jahrestag der Gründung des japanischen Kaiserreiches.

Sin^AmtdesIleichskohlenfommiffarS-

Durch Verfügung bes Reichswirtschstsministers ist bie Reichsstelle für Kohle zu einemAmt bes Reichskohlenkommissars" erweitert worden. Reichskohlenkommissar ist ber bisherige Reichsbe­auftragte für Kohle, Reichsamtsleiter Paul Wal­ter. Der Reichskohlenkommissar untersteht Dem Reichswirtschaftsminister. Während bie Bergabtei­lung des Reichswirtschastsministerums sich auf Dem Gebiet ber Kohle mit ben eigentlichen bergmän- Nischen Aufgaben, insbesondere der Förderung der Kohle befaßt, wird Der Schwerpunkt Der Tätig­keit des Reichskohlenkommissars bei Der wirt­schaftlichen Aufgabenstellung an den Kohlen­bergbau und ber Bewirtschaftung seiner Erzeug­nisse liegen. Mit dieser sachlichen Aufteilung Der um- fangreia^en Arbeitsgebiete wird eine planmäßige und zweckdienliche Steuerung der deutschen Kohlen­wirtschaft erreicht, zumal die reibungslose Zusam­menarbeit beider Behörden durch Die Unterstellung unter den Reichswirtschaftsminister sichergestellt ist. Diese Neuregelung wird mitHazu beitragen, daß Die deutsche Kohlenwirtschaft Den steigenden Anforderun­gen der Kriegswirtschaft gerecht wird.

Wer hastet

für Treppenhausvervunkelung?

Ein Kasseler Hausbesitzer hatte Einspruch gegen einen Strafbefehl erhoben, Den er erhalten hatte, weil Die Treppenfenster nicht ab gedunkelt worden waren. Er erklärte vor Gericht, daß er Rollvorh änge habe anbringen lassen und auch rechtzeitig auf Die Notwendigkeit der Verdunkelung hingewiesen habe. Er selbst wohne nicht in dem Haufe, habe aber noch mehr Häuser zu verwalten unb könne unmöglich abends von Haus zu Haus laufen. Das Gericht sprach ihn frei, Denn Die Mieter hatten die Pflicht, für Die Verdunkelung zu sorgen. Anders würde ber Fall liegen, wenn Der Besitzer selbst in seinem Hause gewohnt hätte.

Beförderung derWeltkriegSteilnehmer.

Heber Die Beförderung der Weltkrie^teilnehmer im Heere ist angeordnet worden: Die Bestimmung über die Beförderung Der Weltkriegsfront­kämpfer wird dahin erweitert, daß Weltkriegs* frontkämpfer im Ersatzheer nach viermonattger Bewährung entsprechend ihren Leistungen i n Planstellen befördert werden können, auch wenn sie nicht als Ausbiß er ober in Sonderlauf­bahnen verwendet werden: Vom Schützen unb Oberschützen bei einwandfreier Führung und guten Leistungen zum Gefreiten d. B. Dom Gefreiten bei einwandfreier Führung, guten Leistungen und nach­gewiesener Eignung zum UnUteroffizier d. B. Dom Unteroffizier bei einwandfreier Führung, guten Leistungen und zweimonatiger Bewährung in einer Zugführerstelle zum Feldwebel d. B.

Sofortige Grenzsperre im Westen.

Berlin, 10. Mai. (DNB.-Funkspruch.) Die deutsch-holländische, die deutsch-bel­gische und die deutsch-luxemburgische Grenze ist mit sofortiger Wirkung für den ge­tarnten nichtmilitärischen Personen-, Fahrzeug- unb Nachrichtenverkehr gesperrt.

Zuchthausstrafen wegen Abhörens feindlicher Sender.

Berlin, 11. Mai. (DNB.) Dor Sondergerichts- Höfen mußten wiederum einige RunDfunkver- bre ch er ab geurteilt werden, Die sich Durch Ab­hören ausländischer Rundfunksender unb Weitergabe der von ihnen verbreiteten Nachrichten zu Verrätern an ihrem Volk und feinem Daseinskampf gemacht hatten. Das Sonbergericht Magbeburg verur­teilte den Otto Schulze aus Buchholz zu 5 Jahren Zuchthaus. Sch. hatte wiederholt einen Auslands­sender abgehört unb dessen ßügenmeßungen in ei­nem Ladengeschäft in Stendal an andere Personen weitergegeben. Er ist sich dabei der Sttafwürdigkeit seines Tuns völlig bewußt gewesen. Bei ber vor­sätzlichen Wsiterverbreitung ber ausländischen Rund­funklügen beschmutzte er in einer unglaublichen Art die Ehre Der deutschen Soldaten. Lediglich einer sonst einwandfreien Führung war es zuzuschreiben, daß nicht auf Die höchstzuläfsige, Die Todesstrafe, erkannt wurde. Das Sondergericht Innsbruck bestrafte Die Luise Bachlechner mit 5 Jahren Zuchthaus. Die B. hatte ein Verhältnis mit einem wegen Spionageverbacht verhafteten Franzosen unb war auch einige Tage in Haft gewesen. Sie hat Dmn längere Zeit in böswilliger Absicht ausländische Nachrichten ab gehört unb sich ftaatsfeinblid) betätigt. Das Sondergericht Nürnberg verurteilte Den Matthias Küffner zu 6 Jahren Zuchthaus, weil er als Revierforstwart, also als Beamter, Die von ihm ab gehörten ausländischen Nachrichten an die unter feiner Leitung arbeitenden Waldarbei­ter weiterverbreitete. So hat er eine gegen den Führer gerichtete Hetzmeldung des schweizerischen Senders triumphierend an Die ihm zugeteilten Waldarbeiter übermittelt und sogar noch auf die Frage eines Waldarbeiters, ob diese Mel­dung vom Deutschen Nachrichten-Büro gebracht worden sei, mit Der Erwiderung auf getrumpft, die Meßung habe London gebracht. Dor Dem Son­dergericht in Bromberg wurde ein entlassen«' polnischer Gefangener, Anton Kalamarski ab- geurteilt, der mit einem von feinen Eltern Den Deut- schen Behörden unterschlagenen Rundsunkapparat die polnischen Nachrichten Des englischen Rundfunks abhörte und sie bei Dem ebenfalls angeklagten Sigis- munD Linkowski mittels Durchschläge einer Schreibmaschine verbreitete. Das Gericht erkannte gegen Anton Kalamarski auf 10 Jahre Zuchthaus, gegen Linkowski auf 5 Jahre Zuchthaus.