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Ur. 293 Zweites Blatt
Mittwoch.il. Dezember 1940
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheflen)
Des Führers große Rede vor den Rüstungsarbeilern.
Die Rede, die der Führer und Oberste Befehls. Haber der Wehrmacht am Dienstagmittag in der Montagehalle eines Berliner Rüstungsbetriebes vor den deutschen Rüstungsarbeitern gehalten hat, lautet wie folgt: ,
Meine deutschen Volksgenossen und -genossinnen! Meine deutschen Arbeiter!
Ich rede jetzt sehr selten, erstens, weil ich wenig Zeit zum Reden habe, und zweitens, weil ich glaube, daß es im Augenblick richtiger ist, zu handeln als zu sprechen. Wir befinden uns inmitten einer Auseinandersetzung, bei der es um mehr geht als um den sieg des einen oder anderen Landes. Es ist der Kampf Zweier Welten gegeneinander. Ich will Der- suchen, Ihnen ganz kurz, soweit es die Zeit gestat- tet, einen Einblick in die tieferen Gründe 'dieser Auseinandersetzung zu geben. Dabei möchte ich nur Westeuropa in den Kreis der Betrachtungen ziehen. Die Völker, um die es sich hier in erster Linie handelt — 85 Millionen Deutsche, 46 Millionen Engländer, 45 Millionen Italiener und 37 Millionen Franzosen — sind die Kerne der Staaten, die gegeneinander im Kriege standen oder noch stehen. Wenn ich die Lebensgrundlagen dieser Menschen zum Vergleich heranziehe, dann ergibt sich folgende Tat- fache: 46 Millionen Engländer beherrschen und re. gieren einen Gesamtkomplex von rund 40 Millionen Quadratkilometern dieser Welt. 37 Millionen Franzosen beherrschen und regieren einen Komplex von rund 10 Millionen Quadratkilometern. 45 Millionen Italiener haben, wenn es sich um irgendwie nützliche Gebiete handelt, eine Grundfläche von kaum einer halben Million Quadratkilometern. 85 Millionen Deutsche besitzen als Lebensgrundlage kaum 600 000 Quadratkilometer, und die erst durch unser Eingreifen. Das heißt: 85 Millionen Deutschen stehen 600 000 Quadratkilometer zur Ber- füaung, auf denen sie ihr Leben gestalten müssen und 46 Millionen Engländern 40 Millionen Quadratkilometer!
Run, meine Volksgenossen, ist diese Erde nicht etwa von der Vorsehung oder vom lieben Gott so verteilt worden. Diese Verteilung haben die Menschen selbst besorgt, und zwar im wesentlichen in den letzten 300 Jahren, also in der Zeit, in der leider unser deutsches Volk innerlich ohnmächtig und zerrissen war. Nach dem Ausgang des 30jähri- gen Krieges durch den Vertrag von Münster end' gültig aufaespalten in Hunderte von Kleinstaaten, hat unser Volk seine ganze Kraft im Kampf gegeneinander verbraucht. Fürsten und Fürst.chen, Könige und geistliche Würdenträger, sie haben die Zerrissen- heit in unserem Volk aufrechterhalten, und als es bann endlich schien, als ob diese rein dynastische Zersetzung unseres Volkskörpers ihr Ende finden könnte, da sind die Parteien gekommen, da kamen dann Weltanschauungen, um ihrerseits das fortzusetzen, was einst begonnen worden war. In dieser Zeit hat das tüchtigste Volk Westeuropas seine Krait ausschließlich im Inneren verbraucht, in einer Zeit, in der draußen die Welt verteilt wurde. Richt etwa durch Verträge oder durch bündige Abmachungen, sondern ausschließlich durch Gewalt hat sich England sein riesenhaftes Imperium zusammengezimmert.
Das zweite Volk, das bei dieser Verteilung zu kurz gekommen ist, das italienische, hat das gleiche Schicksal erlebt und erduldet. Innerlich zerrissen und aufgelöst, aufgespalten in zahllose kleine Staaten, hat es gleichfalls feine ganze Kraft im Kampf gegeneinander verbraucht, und feine ihm an sich gegebene natürliche Position im Mittelmeer nicht einmal zu erhalten vermocht. So sind diese beiden starken Völker außerhalb jeden Verhältnisses zu den anderen geraten.
Run könnte man einwenden: Ist das überhaupt entscheidend? Meine Volksgenossen, der Mensch lebt nicht von Theorien und von Phrasen, nicht von Erklärungen, auch nicht von Weltanschauungen, er lebt von dem, was er von seiner Erde durch seine Arbeit an Lebensmitteln und Rohstoffen gewinnen kann. Das kann er verarbeiten und das kann er essen. Wenn seine eigene Lebensgrundlage ihm zu wenig bietet, bann wird sein Leben ein ärmliches sein. Wir sehen, daß auch innerhalb der Völker fruchtbare Gebiete bessere Lebensgrundlagen' geben als arme Landschaften. In einem Fall sind es blühende Dörfer, im anderen verarmte ^Stätten. Ob man auf steinigen Einöden oder in einem fruchtbaren Korn- land lebt, das kann weder durch Theorien noch durch den Willen zur Arbeit ganz ausgeglichen werden. .
So sehen wir, daß die erste Voraussetzung für die gegebenen Spannungen darin liegt, daß diese Welt ungerecht verteilt ist. Und es ist nur natürlich, daß sich im Großen die Dinge genau so entwickeln wie im Inneren der Völker. Genau so wie innerhalb der Völker die zu großen Spannungen zwischen reich und arm ausgeglichen werden müssen, entweder durch die Vernunft, oder, wenn die Vernunft versagt, oft dann auch durch die Gewalt, so kann auch i'm Leben der Völker untereinander nicht einer alles beanspruchen und dem anderen nichts übrig lassen.
Die Vorsehung hat den wenfchen nicht auf die Welt gesetzt, damit der eine das 40- oder gar das SOfadje für sich beansprucht, was dem anderen zuteil wird. Entweder er hat Vernunft und willigt ein in eine Regelung, die nach billigen Grundsätzen ausgehandelt wird, oder der Unterdrückte und der vom Unglück Ueberhäufte wird sich eines Tages eben das nehmen, was ihm zufteht. Das ist im Innern der Völker und auch im Aeußeren so. Es war nun im Innern die große Aufgabe, die üch mir stellte, diese Probleme durch den Appell •an die Vernunft zu lösen, d. h. die großen Spannungen durch den Appell an die Einsicht aller zu Ibeseitigen, die Kluft zwischen dem zu großen Reich- •tum der einen Seite und der zu großen Armut Iber anderen zu überbrücken. In der Erkenntnis «allerdings, daß solche Prozesse sich nicht von heute •auf morgen vollziehen können, daß es aber immer •noch besser ist, allmählich die übermäßige vonem- «ander getrennten Klassen durch die Vernunft ein- «ander näher zu bringen, als eine solche Co|ung ! durch die Gewalt herbeizuführen
Das Recht zum Leben ist ein allgemeines und ; «ein gleichmäßiges. Es geht deshalb auch nicht an, daß ein Volk sagt, wir wollen euch andere ganz Iflern so mitleben lassen. Es ist das Wesen jeder «wirklichen sozialistischen Ordnung, dafür zu sorgen, daß nicht A l m o se n gegeben, f ondern
Rechte hergestellt werden! Es handelt sich nicht darum, daß die Völker, die bei der Wertverteilung zu kurz gekommen sind, auf dem Gnadenwege Almosen bekommen, sondern daß wie im normalen gesellschaftlichen Leben die Menschen ihre Rechte erhalten. Der Anspruch auf das Recht zum Leben ist kein Almosenbegehren, sondern ein Rechtsan. spruch, der grundsätzlicher Ärt ist.
Damit ist das Recht zum Leben zugleich auch ein Rechtsanspruch auf den Boden, der allein das Leben gibt. Für diesen Rechtsanspruch haben die Völker dann, wenn Unvernunft ihre Entwicklung zu ersticken drohte, gekämpft. Es ist ihnen dann nichts anderes übrig geblieben — in der Erkenntnis, daß selbst blutige Opfer immer noch besser sind als das allmähliche Aussterben eines Volkes überhaupt.
So haben wir bei Beginn unserer nationalsozialistischen Revolution im Jahre 1933 zwei For- berungen aufgestellt: Die erste war die Forderung nach der nationalen Einigung unseres Volkes, und zwar in der Erkenntnis, daß ohne diesen Zusammenschluß die Kräfte zur Stellung und besonders zur Durchsetzung der notwendigen beutjeben Lebensansprüche nicht hätten mobilisiert
Die nationale Einigung mai für uns daher eine der Voraussetzungen, um die ganze deutsche Kraft überhaupt erst einmal wieder zu ordnen und dem deutschen Volk zu zeigen, wie groß seine Kraft sei, damit es dieser seiner Kraft wieder bewußt und aus ihr heraus dann bereit werde, sich auf feine Lebensanfprüche zu besinnen, sie zu stellen und auch durchzusetzen.
Diese nationale Einigung glaubte ich herbei- führen zu können durch einen Appell an die Ver- nunft. Ich weiß, das ist nicht überall gelungen. Ich bin damals während meines Kampfes fast 15 Jahre lang von beiden Seiten beworfen worden. Die einen warfen mir vor: „Du, Du willst uns, die wir zur Intelligenz, zur Oberschicht gehören, auf das Niveau der anderen hinunterziehen. Das ist unmöglich. Wir haben Bildung. Außerdem haben wir auch noch Vermögen und Kultur. Wir können diesen Weg nicht gehen." Diese waren nicht zu bekehren. Und es gibt auch heute noch solche Leute, die nicht zu bekehren sind. Aber im großen und ganzen ist die Zahl derjenigen doch immer größer geworden, die einsehen, daß mit der Zerrissenheit unseres Volkskörpers früher ober spater alle Schichten zu Grunde gehen müßten. Von ber anberen Seite bin ich natürlich auch bekämpft worben. Die sagte: „Wir haben unser Klassenbe- wußtsein." Ich aber mußte mich auf den Staub- punkt stellen, bah wir in ber jetzigen Lage keine Experimente machen fonnteju Es wäre an sich frei, sich einfach, bie Intelligenz gewissermaßen zu köpfen. Ein solcher Prozeß würbe sich ohne weiteres durchführen lassen, man muß dann aber 50 oder vielleicht 100 Jahre warten, bis das wieder nach- wächst — und diese Zeit bedeutet Vernichtung des VoÜskörpers. Denn wie soll unser Volk mit seinen 140 Menschen auf den Quadratkilometer überhaupt existieren, wenn cs nicht bie letzte Kraft bes Geistes unb ber Faust anwenbet, um seinem Boben das abzuringen, was es für fein Leben braucht! Das unterscheidet uns von den anderen. In Kanada z. B. kommt ein Mensch auf den Cu/äbratfilo- meter, bei den anderen Völkern zum Teil sechs, sieben, acht oder zehn Menschen. Ja, meine Volksgenossen, so dumm kann man gar nicht wirtschaft- ten, daß man dabei nicht leben kann. Bei uns aber sind es 140 Menschen, die anderen werden nicht fertig mit 10 Menschen, aber wir müssen fertig werden mit 140 Menschen auf den Quadrat- Kilometer. Diese Aufgabe ist uns gestellt worden, unb ich habe daher 1933 den Standpunkt vertreten: Wir müssen sie lösen» unb wir werden sie da- her auch lösen!
Natürlich war das nicht leicht, unb selbstverstänb- lich konnte nicht alles sofort erfüllt werden. Die Menschen sind das Produkt ihrer Erziehung, unb biefe beginnt leiber schon fast mit ber Geburt. Das eine flelne Wurm schon wirb anbers eingeroicfelt als das andere. Wenn bas bann aber Jahrhunberte hindurch so geschehen ist, kommt plötzlich einer und
Vernichtung des M
Der zweite Programmpunkt lautete: Beseitigung der außenpotitischen Bedrückung, die ihren Ausdruck in Versailles fand, die zugleich aber auch die nationale Geschlossenheit unseres Volkskörpers verhinderte, die es verbot, daß sich große Teile unseres Volkes zusammenschlossen, und die uns besonders auch unseren Weltbesih, unsere deutschen Kolonien, genommen hatte, d. h. also, dieser zweite Programmpunkt lautete Kampf gegen Versailles.
Es kann keiner sagen, daß ich das erst heute ausspreche. Das, meine Volksgenossen, tat ich zum erstenmal damals, als ich selber noch als Soldat nach dem großen Kriege auftrat. Da war mein erster Vortrag bereits eine Rede gegen den Zu- sammenbruch, gegen den Vertrag von Versailles und für bie Wieberaufrichtung eines starken Deut- chen Reiches. Damit habe ich begonnen. Was ich eitbem nun verwirklichte, ist also keine neue Ziel- etzung, sondern bie älteste, die es gibt, meine Volksgenossen.
Das ist der erste Grund zu dieser Auseinandersetzung, in ber wir uns heute befinben. Denn bie nnbere Welt wollte unsere innere (Jini, gung nicht, weil sie wußte, baß bann ber Le- bensanspruch biefer Dolksmassen verwirklicht werben könnte. Sie wollte die Aufrechterhaltung des Diktates von Versailles, in dem sie einen zweiten Westfälischen Frieden erblickte. Es kommt aber noch ein weiterer Grund hinzu. Ich habe gesagt, daß die Welt verschieden verteilt wurde. Ameri- konische Beobachter unb Engländer haben dafür einen wunderbaren Ausdruck gefunden. Sie sagten: „Es gibt zwei Sorten von Völkern, nämlich Be- sitzende unb Habenichtse. Wir, mir Eng- länber sind bie Besitzenben. Wir haben nun einmal 40 Millionen Quadratkilometer, und wir Amerikaner sind auch die Besitzenden. Unb wir Franzosen sind besgleichen die Besitzenden. Unb bie anderen, dos sind eben die Habenichtse. Wer nichts hat, der
| werden können. Sie kennen ja die Situation, in ber wir vor acht Jahren waren. Unser Volk stand I vor bem Zusammenbruch: Sieben Millionen Er- werbslose, etwa 6,5 Millionen Kurzarbeiter, unsere Wirtschaft vor ber oernichtenben Auflösung, bie Landwirtschaft vor bem Ruin, Haube! unb Gewerbe am 'Boben, bie Schiffahrt stillgelegt. Man könnte sich ausrechnen, wann enblich aus ben 7 Millionen Erwerbslosen, 8 und 9 unb 10 Millionen werden mußten. Es trat bann ber Zustand ein, in bem bie Zahl ber schaffenden Menschen immer geringer, aber umgekehrt bie Zahl ber Nicht- schaffenben, bie aber miterhalten werden mußten, immer höher würbe, d. h. also auch für bie Schaffenden mußte bas Ergebnis ber Früchte ihrer Arbeit immer kleiner werben, benn es mußte ja allmählich ein Schaffender einen Nichtschaffenben noch miternähren. Unb ob man das durch soziale Gesetzgebung ober auf bem Wege von Almosen tat, blieb sich ganz einerlei. Wenn ein Arbeitenber einen, ber, nicht arbeitet, miterhalten unb miter- nähren muß. bann langt es am Enbe natürlich für keinen. Rach einer gewissen Zeit wird es bann allgemein zum Leben zu wenig unb zum Sterben zu viel.
sogt: „Ich will bas Kind wieder auswickeln aus all seinen verschiedenen Umhüllungen, damit her Kem zum Vorschein kommt. Denn dieser ist ja bei allen derselbe. Jyr habt das Trennende nur äußerlich herumgebaut. Innen ist er bei allen das Gleiche." Das ist aber nicht fo einfach zu machen, jeder sträubt sich zunächst, aus seinen Windeln her- ausgerissen zu werden. Jeder will bei dem bleiben, was ihm durch Erziehung überkommen ist. Aber wir bringen es trotzdem fertig. Wir haben eine Riesengeduld! Ich weiß, daß das, was drei, vier oder fünf Jahrhunderte hindurch gemacht wurde, nicht in zwei, drei ober fünf Jahren beseitigt werben kann. Als bas Wesentliche habe ich damals erkannt: Wir müssen die deutsche Volksgemeinschaft Herstellen, wenn wir überhaupt von unserem Volk noch etwas erwarten wollen. Daß dies richtig war, ging daraus hervor, daß sich alle unsere Feinde dagegen stemmten. Diese nationale (Einigung war die erste Forderung. Sie ist Stuck für Stück und Zug um Zug verwirklicht worden. Sie wissen selbst, was wir dabei alles beseitigt haben. Es ist sehr viel auf bie knapp sechs ober sieben Jahre. 'Wie hat Deutschland ausgesehen! Vollkommen ohnmächtig unb zerrissen in Parteien, Stände, Klassen, Weltanschauungen unb Konfessionen, dazu kamen noch unsere lieben Freunde, die nicht von hier stammen, sondern vom Orient eingewandert sind. Endlich kamen die wirtschaftlichen Trennungen unb bann unsere staatlichen llcberliefe« rungen. Hie Preußen, hie Bayern, hie Württemberg — bis man jebem sein Fähnlein aus der Hand nahm und ihm sagte: „Lege das weg unb nimm endlich eine gemeinsame Fahne in bie Hand. Die andere^haben sie schon längst, seit fast 300 Jahren." (Starker Beifall.) Nur bei uns lief nach jeder mit seiner besonderen Rosette im Knopfloch herum unb bilbete sich ein, baß bas zur Stärkung seines Ichs beitrüge, unb vergaß ganz, baß sein Ich nur ein Teil ber Gesamtheit ist, unb daß, wenn diese sich auflöst, nichts anderes kommen kann als der nationale Zusammenbruch. Diese nationale Forderung habe ich mich deshalb bemüht zu verwirklichen. Und hier ist schon vieles geleistet worden. Wir haben Deutschland ausgefegt von diesem ganzen alten Zeug, unb die Entwicklung ging bann auch auf anbere Gebiete noch über, wo wir uns bemühen mußten, mit den alten lleberlieferungen zu brechen, bie manchem Menschen teuer gewesen sind. Wir verstehen es, viele hingen an ben alten Abzeichen und Fahnen, an ben alten Einrichtungen und Bewegungen, an ihren alten Klafscnvorurteilen, ihreck Standesbewußtsein, ihrem Standesdünkel usw. Ich verstehe das vollständig, aber es mußte bas allmählich beseitigt werben, unb es wirb weiterhin beseitigt. Bis man bas alles in einem Block vereinte, bis man biefe Erziehung burchsetzte — bas ist eine riesige Arbeit gewesen. Eine deutsche Gemeinschaft herzustellen, bas war der erste Programmpunkt des Jahres 1933
late von Versailles.
bekommt auch nichts. Der soll das bleiben, was er ist. Der hat, der gibt nichts davon ab."
Nun bin ich zeitlebens der Habenichts gewesen. Zu Hause war ich ber Habenichts, ich rechne mich selbst zu ben Habenichtsen unb habe immer nur für sie gekämpft. Für sie bin ick eingetreten, und ich trete daher auch der Welt gegenüber als ein Vertreter der Habenichtse auf! (Brausender Beifall.) Ich werde den Rechtsanspruch ber anderen auf bas, was sie sich durch Gewalt zusammenräuberten, niemals anerkennen. Auf keinen Fall kann ich diesen Rechtsanspruch gelten lassen für das, was man uns genommen hat.
Nun ist es interessant, das Leben dieser Reichen zu betrachten. In dieser englisch-französischen Welt existiert sozusagen bie Demokratie. Es heißt, baß bas bie Herrschaft bes Volkes fe.i. Nun muß das Volk doch irgendwie eine Möglichkeit besitzen, seinen Gedanken ober seinen Wünschen Ausdruck zu geben. Wenn man sich nun bieses Problem nachher ansieht, kann man feststellen, baß bas Volk an sich primär noch gar keine Ueberzeugung hat, sondern die lieber,Beugung selbstverständlich — wie übrigens überall — gebilbet wirb. Unb bas Enticheibende ist nun: Wer klärt ein Volk auf, wer bildet ein Volk? In diesen Ländern regiert tatsächlich das Kapital, d. h. letzten Endes eine Schar von einigen hundert Männern, bie im Besitz unermeßlicher Vermögen finb und bie infolge ber eigenartigen Konstruktion des Staatslebens mehr aber weniger unabhängig unb frei finb. „Wir haben hier Freiheit", unb' sie meinen bamit vor allem freie Wirtschaft, und unter ber freien Wirtschaft verstehen sie bie Freiheit, Kapital nicht nur zu erwerben, sondern vor allem das Kapital wieder frei zu verwenden. Also: frei zu sein von jeder staatlichen, d. h. völklichen Aussicht, sowohl in ber Erwerbung wie in ber Verwendung bes Kapitals. Das ist in Wirklichkeit der Inhalt des Begriffs Freiheit.
Unb dieses Kapital nun schafft sich seine
Presse. Sie reden von der „Freiheit ber Presse". In Wirklichkeit hat jebe dieser Zeitungen einen Herrn, und dieser Herr ist in jedem Fall ber Geldgeber, ber Besitzer. Unb dieser Herr dirigiert nun bas innere Bild dieser Zeitung, nicht ber Rebakteur. Wenn dieser etwa anders schreiben wollte, als cs dem Herrn paßt, dann fliegt er am nächsten Tag hinaus. Diese Presse, die bie absolut unterwüriige charakterlose Kreatur ihrer Besitzer ist, moduliert nun bie öffentliche Meinung, unb bie von dieser Presse mobilisierte öffentliche Meinung wirb roieber eingeteilt in Parteien. Diese unterscheiben sich so wenig voneinanber als sie sich früher bei uns voneinander unterschieben haben. Sie kennen sie ja, die alten Parteien. Es war immer ein unb bässe 1 b e. Meistens ist cs in Englanb so, baß bie Familien aufgeteilt finb, ber eine ist konservativ, der anbere ist liberal unb ber dritte bei der Arbeiterpartei. In Wirklichkeit sitzen sie alle drei als Familienmitglieder zusammen unb bestimmen gemeinsam ihre Haltung und legen sie fest. Es kommt noch hinzu, daß das „auscrwahlte Volk ber Welt" nun tatsächlich eine Gemeinschaft bllbet, die alle diese Organisationen bewegt unb birigiert. Daher iü auch ihre Opposition eigentlich immer bas gleiche, benn in allen grunbsätzlichen Dingen, wo sich bie Opposition bemerkbar machen müßte, sind sich diese Parteien immer einig unb formen bementsprechend mit ihrer Presse bie öffentliche Meinung.
Nun müßte man boch meinen, baß in diesen Ländern ber Freiheit und des Reichtums ein unerhörtes Wohlleben für das Volk bestehen müßte. Es ist aber umgekehrt, gerade in diesen Ländern ist die Not der breiten Massen größer als irgendwo anders. Da ist dieses reiche England: 40 Millionen Quadratkilometer werden von ihm kontrolliert, 100 Millionen Kolonialarbeiter mit einem erbärmlichen Lebensstandard, wie z. B. in Indien, müssen dafür tätig fein: Man könnte nun meinen, daß dann boch wenigstens in diesem England selbst jeder einzelne Teilhaber an diesem Reich- tum fein müßte. Aber im Gegenteil: In diesem Lande ist ber Klassenunterschied der krasseste, den man sich denken kann. Armut, unvorstellbare Armut auf der einen Seite und auf ber anberen Seite ebenso unvorstellbarer Reichtum. Sie haben nicht ein Problem gelöst! Die Arbeiter dieses Landes, das über ein Sechstel der Erde unb über die Bobenschätze ber Welt verfügt, Hausen in erbärmlichen Hütten unb bie breite Masse ist miserabel gefleibet. In einem Land, bas mehr als genügend an Brot und an allen Sorten Früchten haben könnte, besitzen Millionen seiner unteren Schichten nicht genug, um sich auch nur einmal den Magen richtig füllen zu können und laufen verhungert herum. Leute, die auf der einen Seite es fertig bringen könnten, eine Welt mit Arbeit zu versehen, müssen es erleben, daß sie nicht einmal mit der Erwerbslosigkeit in ihrem eigenen Lande aufräumen können. Dieses reiche England bat ahrzehntelang 2Va Millionen Erwerbslose gehabt, üefes reiche Amerika 10 bis 13 Millionen, Jahr ür Jahr. Dieses Frankreich 6, 7, 800 000. Ja, meine Volksgenossen, was sollten wir bann erst von uns sagen! Ader es ist auch verständlich: In diesen Ländern der sogenannten Demokratie wirb ja das Volk überhaupt nickt in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt. Was entscheibenb ist, ist ausschließlich die Existenz dieser paar Macher ber Demokratie, b. h. asso die Existenz biefer paar hundert gigantischen Kapitalisten, bie im Besitz ber ganzen Werke und ihrer Aktien sind, unb bie letzten Endes damit diese Völker dirigieren. Die breite Masse interessiert sie nicht im geringsten. Sie inteteifiert sie ebenso wie früher unsere bürgerlichen Parteien nur in ber Wahlzeit. Dann brauchen sie Stimmen. Sonst ist ihnen bas Leben ber breit.'n Massen vollkommen gleichgültig. Dazu kommt noch ber Unterschied ber Bildung. Ist es nicht gerat) 311 spaßhaft, wenn wir jetzt hören, daß ein englischer Arbeiterparteiler, ber natürlich als Oppositioneller von .der Regierung offiziell bezahlt wird, sagt: „Wenn der Krieg zu Ende geht, bann wollen wir in sozialer Hinsicht einiges machen. Vor allem: es soll dann auch ber englische Aroeiter einmal reifen können." Es ist ausgezeichnet, baß sie jetzt enblich auch barauf kommen, baß Reisen nicht nur für Millionäre da sein soll, fonbern auch für das Volk. Dieses Problem haben wir bei uns schon seit einiger Zeit gelöst. (Brausender Beifall.)
Nein, glauben Sie, in diesen Staaten — das Zeigt ihre ganze Wirtsckaftsftruktur, da herrscht unter bem Mantel ber Demokratie ber Egoismus einer verhältnismäßig ganz kleinen Schicht. Unb diese Schicht wird nun von niemandem korrigiert unb kontrolliert. Es ist daher, verstänidlich, wenn ein Engländer sagt: „Wir wollen nicht, daß unsere Welt irgendwie zugrunde geht." Sic haben recht, sie wisseii ganz genau, ihr Imperium wird von uns nicht bedroht. Aber sic sagen sick ganz richt g: „Wenn diese Gedanken, die in Deutschland populär sind, nicht beseitigt und ausaerottet werden, bann kommen sie auch in unser Volk, und das ist bas Gefährliche, das wünschen wir nicht." Es m'irbe nämlich gar nichts schaden, wenn es käme. Aber sie finb so borniert, wie einst auch bei uns v »le borniert waren. Sie bleiben lieber auf biefern Gebiet einfach bei. ihrer konservativen bisherigen Praxis. Sie wollen sich nicht baoon entfernen, sie machen kein Hehl daraus. Sie sagen: „Diese ganzen Methoden passen uns nicht." Unb was finb bas nun für Methoden? Sie wissen ja, meine Kameraden: Ich habe in Deutschland nichts zerschlagen. Ich bin immer sehr vorsichtig vorgegangen, weil ich, wie gesagt, glaube, daß wir es uns gar nicht erlauben können, etwas in Trümmer zu legen. Es war mein, Stolz, daß bie Revolution 1933 ohne eine kaputte Fensterscheibe ab* ging. Unb trotzdem haben wir ungeheure Wandlungen herbeigeführt! Ich will Ihnen nur ein paar grunbsätzliche Tatsachen barlegen:
Zunächst die erste Tatsache: 3n der Veit der kapitalistischen Demokratie tautet der wichtigste wirtschaftsgrundsah: Das Volk ist für die Wirtschaft da, und die Wirtschaft für das Kapital. wir haben diesen Grundsatz umaedreht, nämlich: Das Kapital ist für die Wirtschaft da, und die Wirtschaft ist für das Volk da! Das heißt mit anderen Worten: Das Primäre ist das Volk. Alles andere ist nur ein Wittel zum Zweck.
Wenn eine Wirtschaft es nicht fertig bringt, ein! Volk zu ernähren, zu bekleiden, bann ist es schlecht, ganz gleichgültig, ob mir ein paar Leute sogen: „Für mich ist sie gut, ausgezeichnet, meine Dividenden stehen ausgezeichnet." Das gebe ich zu,


