paktierenden Mächte gewonnen haben, was auszu- rechnen man da und dort bemüht war. Das Konzept bes Dreimächtepaktes gibt Grundsätze an für einen konstruktiven Gliederbau mit Führung, Ein. ordnung und Ausrichtung. Es summiert nicht ein. fach Staaten, und es ist überdies klar, daß auch der wirtschaftlich.politisch.soziale Neubau im Süd- osten sich in den bahnbrechenden Erfolgen der Pakt. Mächte seine neuen befruchtenden Vorbilder holen wirb und nicht mehr in den Ueberlieferungen einer versunkenen Welt.
3m Südasien, zumal i n U n g ar n, spielte sodann auch die Reihenfolge der neuen Beitritte eine große Rolle. Daß Ungarn als erster S ü d o st st a a t den Beitritt zum Dreimächtepakt vollziehen konnte, wurde in Budapest als hohe Ehre, aber auch als Aufgabe mit besonderen Pflich. ten empfunden, schließlich als eine Mission im S ü do st en, auf die der Abgeordnete Makkai das Wort prägte: „Kleine Nationen haben es nötig, sich in die Perspektiven des Glaubens und der Gewißheit einer Sendung emporzuschwingen". Als dummes Geschwätz und mit Entrüstung hat man in Budapest die Verdächtigung zurückgewiesen, als habe Ungarn mit dem Beitritt einen „Befehl voll, zogen", wie der englische Propagandaapparat glauben machen wollte. Den Akt haben die welthistorischen Ereignisse vorbereitet, und daß Ungarn zu- erst am Zuge war, dort, anzulangen, wohin das Schicksal es gestellt hat, liegt letztlich daran, daß die ungarischen Staatsmänner früher als andere einen realistischen Einblick in die wahre Kräftelage Europas und der Welt besaßen.
Weder brauchte sieb Ungarn den neuen Rahmen seiner alten Freundschaft zu Deutschland, Italien und Japan „von oben" verpassen zu lassen, noch riskierte es, sich auf Selbsttäuschungen zu ertappen. Es war sogar bereit, um der „handgreiflichen Dor. teile" des Dertragsbeitritts willen einen neuen Ein- satz von Verantwortung auf sich zu nehmen, wie es der ungarische Außenminister Graf Csaky in seiner letzten Rede deutlich zum Ausdruck brachte.
Sollte aber noch irgendwo in der Welt der Irr« tum weiterwuchern, daß das Gefüge des Süd- ostens durch den Beitritt neuer Staaten zum Drei, mächtepakt sich nur in formaler Hinsicht wandle, so genügt es, drei Jahre rückwärts zu blicken und den damaligen Zustand mit dem Heu- ttgen zu vergleichen. Noch 1937 galt der Balkan mit seinen zwei Staatsverbänden, oer Kleinen Entente und dem Balkanbund, als das zweite Glied der ehemaligen Feindbund-„Zange" zur Niederhaltung der Beraubten von 1918. Was ist davon übriggeblieben? Wer denkt noch an die damals sehr ernst zu nehmende Politik der Abriegelung Deutschlands vom Osten? Die Abriegelung hat sich gegen England gewendet, Frankreichs Einfluß ist weggeräumt, und die „kollektive Sicherheit", die früher einmal bei einer Liga der Nationen und bei den Siegerhauptstaaten von 1918 gesucht wurde, stellen heute die Vormächte des eurasischen Raumes. Berlin und Rom beherrschen die Schlüssel- stellungen des geographischen Gebietes Südosten. Diese grundlegende Umformung der südosteuropä. ischen Welt bezeugt am besten den weltgeschichtlichen Sinn und Zweck der Beitritte zum Dreimächtepakt, den bisher Ungarn, Rumänien und die Slowakei vollzogen haben.
Ztalienischer Wehrmachtbm'cht.
Rom, 10.Dez. (DRV.) Der Italienische Wehr- Machtbericht vom Dienstag hat folgenden Wortlaut:
An der griechischen Front wurden auf un- sernn linken Flügel und im Osum-Abschnttl Angriffe des Feindes abgeschlagen, der, von unserer sofortigen Gegenwirkung überrannt, schwere Verluste erlitt. An der übrigen Front haben unsere Truppen in den neu bezogenen Linien ihre Stellungen befestigt. An der Spitze seiner Alvinen Bataillone hat Oberst pfaro den Heldentod gefunden.
3n Rordafrika sind vier feindliche Flugzeuge abgeschossen worden.
3n Ostafrika hat der Feind im Gebiet von Tessene mit einer kleinen, von einem englischen Offizier geführten Abteilung einen Vorstoß unternommen. Die Abteilung benutzte dabei Lastkraftwagen mit italienischer Flagge. Trotzdem wurde der Feind erkannt und der Angriff durch das sofortige Eingreifen einer Halbkompanie zum Scheitern gebracht. Die englische Abteilung, deren Kommandant
„Friedrich Schiller."
Ein Tobis-Film im Gloria-Palast.
Es hat schon einmal, vor vielen Jahren — die wenigsten werden sich daran erinnern — ein'en Schiller-Film gegeben: er war mit unzulänglichen Mitteln gestaltet, aber den heute längst vergessenen Bearbeitern war doch wohl schon damals zweierlei aufgeqangen: das ursprünglich Dramatische nämlich und das idealistisch Beispielhafte dieses Stoffes. Beides gibt auch der neuen .Schöpfung der Tobis ihre Legitimation. An sich bergen ja Stoffe solcher Art große und naheliegende Gefahren; man hat das an den mancherlei Musiker-Filmen beobachten können, die vor nicht allzu langer Zeit Mode waren, und man kann auch durchaus nicht wünichen, daß etwa der Schiller-^ilm in diesem Sinne Schule machen werde. Aber es ist gewiß, daß (mit der einzigen Ausnahme von Kleist) keine Biographie der deutschen Literaturgeschichte mehr mit äußerer wie innerer Dramatik geladen ist als die Schillers, vornehmlich die Geschichte des jungen Schiller: gerade sie weiten Kreiien des deutschen Volkes nahezubringen, war ein Anliegen, das der ernstlichsten Bemühungen neuer deutscher Filmkunst wohl wert war. Zwar besitzen wir das großartige dichterische Romanwerk Walter von Molos, das dem Genius und dem unerhörten Lebenskämpfe Schillers gewidmet ist, aber nur sehr wenige Romane werden je die außerordentliche Verbreitung und die bildhafte Unmittelbarkeit des Films erreichen ober gar hinter sich lassen. Uebrigens ähneln viele Bilder des FilmS sehr den markantesten Szenen im ersten Buche des Schiller-Romans: aber ein Drehbuch.Verfasser wird im Programm nicht genannt
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„Der Triumph eine« Genies" lautet der Untertitel; bei Molo heißt das die Jugend Schiller- darstellende erste Buch „Nms Menschentum": beides kann als Leitwort über der Frühzeit dieses Menschen au- der Genielandschaft Schwaben stehen, der einmal der vollstümlichfte Dichter der Deutschen werden sollte, eine der großartigsten Gestalten des figurenreichen klassischen Jahrhunderts, Freund Goethes und machtvollster Verkünder des deutschen Idealismus. Wie weit aber und wie unendlich schwer der Weg von Karl Eugen« Residenz ein» Ausland",
in die Geistesprovinz von Weimar war, und wie es damals in der Genielandschaft Württemberg aussah: das ist der eigentliche Inhalt des Schiller-Films.
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Man erlebt in großen und kleinen Bildern/die auch kulturhistorisch und allgemeingeschichtlich recht aufschlußreich sind, was die revolutionäre Devise „in tirannos“ auf dem Titelblatt der ersten anonymen „Räuber"-Ausgabe zu bedeuten hatte; waS es mit dem manchen wohl bis heute ein blasser Begriff aus der Literaturgeschichte gebliebenen „Sturm und Drang" auf sich hatte; was die Militärakademie des banausischen Herzogs Karl Eugen für ein pädagogisches Musterinftitut war — der junge Schiller hat sie mit schöner Deutlichkeit und zähneknirschender Erbitterung als eine Zuchtanstalt für Menschenvieh bezeichnet; man erlebt, unter welchen entwürdigenden Verhältnissen die „Räuber" geschrieben werden mußten, freilich auch, welchen triumphalen Erfolg sie in Mannheim hatten, und wiederum, was es für das junge Genie bedeutete, dabei fein zu können, und was der eigenmächtige Ausflug „ins Ausland" ihn kostete. Man erlebt die ganze höfisch starre, rokokohaft prunkvolle Atmosphäre der württem- bergischen Residenz, ihre erstickende Enge, ihre Un- geiftigkeit, ihren absolutistischen Größenwahn; man erlebt ein „Erziehungssnstem", das ein unzuläng- lieber, kleiner Duodezfürst dem großen Friedrich in Potsdam glaubte abgesehen zu haben und schrecklich mißverstanden batte; man sieht, wie ein tötender Drill jugendlichen Geist, junge Begeisterung, die frühe Selbstgewißheit schöpferischer Kraft und jede freiheitliche Regung in spanische Stiefel schnürte, kleinzukriegen, zu unterdrücken und au-zulöschen suchte.
Karl Eugen hat remem „Sohn" und Parade- schiller Schiller die Jugend zur Hölle gemacht; feinen despotischen Willen hat er ihm nicht aufzuzwingen vermocht- das war der Triumph des Genie«, das sich gegen alle inneren und äußeren Widerstände, Schwie- rigleiten und Gewaltanwendungen durchsetzt. Immerhin mag es dem Zuschauer zu denken geben, daß sich der 22jährige Militärakademiker und RegimentS- medikus wider Willen am Ende nur durch überstürzte nächtliche Flucht aus der Heimat ins nahe „Ausland" dem ErziebungSspstem, der Fuchtel und dem Zorn seines Landesvaters zu entziehen vermochte, — und daß mit dieser Flucht unter falschem Namen der
weite, unsäglich schwere Weg in die Freiheit, nach Weimar, und endlich in einem tieferen Sinne nach Deutschland erst begonnen hatte.
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Solche Einsichten und Ueberlegungen im Zu- schauer geweckt zu haben, ist ein Verdienst des Spielleiters Herbert Maisch, der sich mit sicherem Gefühl in die Zeit hineingelebt hat, der die Zustande und die Atmosphäre in Karl Eugens Residenz sehr lebendig zu machen verstand und etwas vom revolutionären Geist, vom stürmischen Freiheitsdrang und vom jungen, sich zu den ersten Flügelschlägen regenden Genietum empfinden ließ. Dabei kommt es auf den Gesamteindrnck an — der ist gut und richtig; nicht auf Einzelheiten der historischen Echtheit. (Besuch auf dem Hohenasperg; Figur der Laura.) Eine der stärksten Szenen ist jene aus einer bekannten Anekdote hervorgegangene, zwischen improvisiertem Spiel und gefährlichem Ernst schwebende, wo der junge Dichter, von Karl Eugen in Deinlaune gezwungen, diesem den Herzog „Vorspielen" muß. Schön und echt auch der Jubelsturm der unvergeßlichen „Räuber"-Pre- miete in Mannheim, — aber man versteht nicht ganz, warum gerade diese, für den unerhörten Erfolg kaum entscheidende Szene als Ausschnitt gewählt wurde: jede andere wäre sinnvoller gewesen.
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Den Schiller gibt Horst Caspar; obwohl et auf eine Annäherung der Maske an die Porträtähnlichkeit keinen Wert legt, entsteht doch eine Gestalt, die man al« echt anerkennt, weil sie Schillersche Haltung hat, das jugendliche Gefühl, aber auch den weit über seine Jahre hinaus gereiften Charakter, den Mut zu sich selbst und — vor allem in der „Disputation" mit Karl Eugen — eine geistige Sicherheit unb lieber» legenheit, deren Behauptung in solchem Umkreise lebensgefährlich werden mußte.
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Heinrich George spielt einen Herzog, der mit jenem andern neulich im „Jud Süß" manche kennzeichnenden Züge gemeinsam hat, einen massiven, au Gewaltausbrüchen neigenden Potentaten, dem der Absolutismus zu Kopf gestiegen ist; immerhin läßt er »hm an menschlichem Umriß (manchmal sogar an leiser Komik) soviel, daß die beklemmende Wirklichkeit dieser historischen Erscheinung nicht zur Karikatur wird. Fein, lieblich, verständnisvoll wirkt neben Karl Eugens Massigkeit die schlanke, ganz weiblich und
gefallen ist, zog sich sofort unter schweren Verlusten zurück. Auf unserer Seite wurden ein Offizier unb einige Askaris verwundet. Feindliche Luftangriffe auf Asfab und längs der Llfenbahn von DH- bull haben keinen nennenswerten Schaden verursacht.
,/Japans Geduld zu Ende".
Tokio, 10. Dez. (Europapreß.) „Weiß Nordamerika, daß Japans Geduld zu End ei ft und das japanische Volk zu einer Blitzakti 0 n schreiten wird, falls Nordamerikas herausfordernde Maßnahmen noch einen Schritt weitergehen?", fragt das Tokioter Blatt JMumin" und kritisiert scharf die laufenden unfreundlichen USA.-SIttionen gegenüber Japan. Das Blatt schreibt weiter, daß die herausfordernde Haltung Nordamerikas, wie der Erwerb von Flottenstützpunkten im Pazifik, die Drohung mit vollständigem Gasolin- Ausfuhrverbot, die Anleihe an die Tschuna- king-Reaierung und die Machenschaften der USA. in Hollandisch-Jndien auf die Dauer den Frieden nicht bewahren werden. Japan dagegen
sei auf diplomattschem Wege bemüht, die Gegensätze beizulegen und strebe einen Weltfrieden an. Niemand solle jedoch vergessen, daß Japan fähig und bereit sei, jede nordamerikanische Herausforderung anzunebmen.
„Vumiuri* stellt fest, daß sich Deutschlands Feinde täuschen, wenn sie annähmen, daß Deutschland nicht für einen langen Krieg vorbereitet fei, Deutschland sei nicht für die eine oder andere, sondern für jede Möglichkeit gerüstet, wie die kürzlichen militärischen und diplomatischen Großakttonen bewiesen Die Lage habe sich so entwickelt, daß eine objektive Betrachtung zu der Frage berechtige, ob es nicht England sei, das sich heute vor einem langen Kriege fürchten müsse.
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Wie das Deutsche Nachrichtenbüro mitteilt, ist zu der gestern bereits veröffentlichten Erklärung des javanischen Außenministers Matsu- oka noch der Satz nachzutragen: „Wenn Amerika in den Krieg eintritt, marschiert Japan an der Seite der Achse." In diesen Ausführungen sieht man die (BrunNagen für das künftige Verhältnis Japans zu den Vereinigten Staaten.
Weitere Erfolge im Handelskrieg.
Kriegsschiff in Uebersee meldet Erhöhung seiner Versenkungsziffer auf über lOOOOO BNT. - U-Boot versenkte zwei Handelsschiffe mit 14500 ÄR$.
Der Wehrmachtbericht vom Dienstag.
Verlln, 10.Dez. (DJIB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Lin in überseeischen Gewässern operie- rendes Kriegsschiff, von dessen Tätigkeit ein Teilergebnis bereijs bekanntgegeben worden ist, hat feine Verftznkungsziffer auf Über 1 00 000 VRT. gesteigert. Lin U-Boot meldet die Versenkung von zwei bewaffneten feindlichen Handelsschiffen mit zusammen 14 500 VRT. Damit erhöht sich der von Korvettenkapitän Viktor Schütze auf feiner letzten Feindfahrt erzielte (Erfolg auf 45 000 VRT. versenkten feindlichen handelsfchlffs- raumes.
Vach dem bereits gemeldeten besonders erfolg- reichen vergettungsangriff auf London in der Nacht zum S. Dezember beschränkte sich die Tätigkeit der Luftwaffe am -.Dezember und in der Nacht zum 10. Dezember infolge ungünstiger Wetterlage auf bewaffnete Aufklärung.
3m Laufe der Nacht zum 10. Dezember warfen einige brltifche Flugzeuge im besetzten Gebiet und in Norddeutschland eine Anzahl Spreng- und Brandbomben, die geringen Gebäudeschaden verursachten. t
Der Feind verlor gestern drei Flugzeuge, davon wurden zwei im Luftkampf und eins durch Flakartillerie abgeschossen. Drei eigene Flugzeuge kehrten von dem Großangriff auf London nicht zurück.
Mit einem Kommandierenden General auf dem Vormarsch.
Mitgeteilt aus dem Tagebuch des Leutnants B.
von Kriegsberichte' Christian Lahn.
PK. Am ersten lag: Der Raum, in dem der engere Stab des Generalkommandos in diesen Tagen arbeitet, ist ein gegen Fliegersicht aut getarnter Gesechtskom. (Kraftomnibus), der im Innern mit Kartentischen, Lampen, Telephonapparaten ausgestattet ist und den Offizieren der Führungsabtei- hing während der Gefechtstage ermöglicht, bei jedem Wetter und zu jeder Zett zu arbeiten. Der 1. Generalstabsoffizier (la) ist mit dem 1. Ordonnanzoffizier (0,1) noch mit Ausfertigung von Befehlen beschäftigt. Während ich noch darauf warte, mich bei ihm melden zu können, höre ich von einem Kameraden, der wie ich als Verbindungsoffizier zu einer Division nach hier kommandiert ist, daß für morgen, Freitag, der Angriff des Korps angesetzt ist, das den Auftrag erhalten hat, den Gegner von den die Korvsfront beherrschenden Höhen zu werfen. Also wird es wohl morgen für uns alle zu tun geben.
Der nächste Tag: Bis in den Nachmittag hinein bin ich auf Kurierfahrten zu Nachbarkorps unterwegs. Ich weiß, daß der Angriff der dem Korps unterstellten Divisionen um 14 Uhr begonnen hat. Immer wieder frage ich mich: „Ist der Angriff geglückt? Wie mag es vorne stehen? Sind wohl schon 'Meldungen eingetroffen?" Als ich mich beim Chef des Stabes zurückmelde, merke ich, daß Spannung in der Luft liegt.
Don Stunde zu Stunde wird es gewisser, daß man es mit einem Gegner zu tun hat, der sich in überraschend stark ausgebauten Wald- und Höhen- stellungen, stellenweise sogar unter Einsatz
von Panzern, auf bas hartnäckigste verteidigt und unseren Truppen schwere Verluste beibringt. Der Gegner ist offenbar entschlossen, das Waldstück und den Höhenrücken bis zum letzten Mann zu halten, da er sie als den Schlüsselpunkt seines Derteidigungssystems ansieht.
Ich werde zur Bedienung des Telephons in den Gefechtskom. gerufen und habe so Gelegenheit, die Herren des engeren Stabes bei ihrer Arbeit zu beobachten. Ueber Karten gebeugt, studiert d e r Kommandierende General mit dem Chef und dem la die Lage, die sich aus den Meldungen ergibt. Ich beobachte die Mienen des Kommandierenden Generals. Seine Augen blicken ernst, aber von feinem ganzen Wesen strömt etwas ungemein Beruhigendes aus. Der feinnervige Chef neben ihm mit dem klugen Charakterkopf ist wohl von einem anderen Temperament. Man fühlt geradezu, wie er sich unter Aufbietung seiner ganzen Willenskraft bemüht, seine Erregung zu meistern. Etwas im Hintergrund, stets bereit, die nötigen (Erläuterungen zu geben, steht der la. Jahrelange Arbeit über Kartentischen hat nicht vermocht, ihm etwas von feiner frischen juparfenben Art zu nehmen. Eines wird mir in dieser Stunde der Spannung jur Gewißheit: Mögen in den Gefechtshandlungen der kommenden Tage auch Krisen und zeitweilige Rückschläge kommen, wie sie wohl keiner Führung erspart werden, diese drei Männer werden ihre Nerven behalten für die Entschlüsse, die es jetzt und in den nächsten Tagen zu fassen gibt.
Vier Tage später: Tage fieberhafter Tätigkeit, in
denen wir alle nur stundenweise Schlaf gesunder haben, liegen hinter uns. Der Angriff ist nun end gültig auf morgen festgesetzt.
Drei Tage lang war ich zugleich mit dem Korp» abjutanten Begleitoffizier des Kommandierend^ Generals auf seinen Fahrten zu den Divisionsstäbei und feinen Gängen in die vordersten Stellungen Bewundernswert, wie dieser Mann von fast 60 Iah, ren, von ei fernem Willen zum Siege beseelt, aller Strapazen spottet. Es ist tatsächlich für uns Bungen nicht leicht, mit ihm Schritt zu halten. Mit militL rischem in langen Kriegs- und Friedensjahren g& schulten Blick sieht er die geringste Kleinigkeit Ueberall greift er ein, wo es not tut. Er berät sich mit den Kommandeuren, klärt die Lage, gibt Weisungen, stellt Mängel ab. Von einzelnen Leichtven mundeten, die wir unterwegs treffen, läßt er sich die näheren Umstände ihrer Verwundung berichten! Hier läßt er sich von Offizieren Vortrag Hailey dort befragt er von Aufklärung zurückkehrend! Spähtrupps. Unter Nichtachtung des eigenen Le bens aebt er bis zu den vordersten Dosten.
Um 18 Uhr trifft der Führer Der Quartier- m e i ft e r ft a f f e l, kurz „Qu" genannt, auf dem Gefechtsstand zum Vortrag ein. Ich bin zufällig Zeuge seiner Meldung, die er mit verständliche,« Stolz abstattet: „Melde Herrn General: befohlen, Munitionierung Durchgeführt." kn-appen Worten des Kommandierenden „Ich dan!. Ihnen", sind ihm Lohn für vier aufreibende Tag., und Nächte, in denen er offenbar — das kann man feinem ubernächtigten Blick ansehen — kaum ei« Auge zugemacht hat, und nun muß er kurz berieten, wie er das schier Unmögliche möglich gemacht hat, nämlich mehrere tausend Tonnen Munitio« aller Kaliber, die zum größten Teil sogar noch au« Deutschland herangeschafft werden mußten, bis in, die Batteriestettungen rechtzeittg heranzuführen. Dii Gesamtstrecke der zum Zwecke dieser Munttionierunz zurückgelegten Kilometer würde, wenn ein einzelnes Fahrzeug sie zurücklegen müßte, 320 000 Kilometeu betragen, also achtmal um den Erdball führen.
Der Angriffstag: 11.00 Uhr nachts. Seit 3 Uhr heute morgen bin ich auf den Beinen, oben ich bin noch viel zu erregt, als daß ich an Schlaf denken könnte. Ich will daher versuchen, die Er- eignisse dieses inhaltsreichen Tages festzuhalten, solange ich sie noch frisch im Gedächtnis habe.
Um 3 Uhr früh begann unsere Artillerie aus Hunderten von Rohren aller Kaliber zu schießen, Unb als dann schlagartig das Artilleriefeuer aobrichtt, brausen die Staffeln der Stukas heran. Imme« wieder fragt man sich: Sollte es möglich sein, daß drüben noch irgend jemand dieser Hölle entgangen iftfi Und doch ist das Unglaubliche wahr! Aus den erstem von den Divisionen einlaufenden Meldungen gehn hervor, daß unsere zum Sturm antretenden Jnsan- terieeinheiten in starkes feindliches Artil- lerie feuer gekommen sind, und daß ganz« Widerstandsnester, in bunferartigen Stellungen miit Maschinengewehren gespickt, unser Arttlleriefeuen und Den Angriff der Stukas überstanden haben. Auch heute wird unserer Infanterie nichts geschenkt Um jedes Widerstandsnest muß hart gekämpft werden. Auch heute wieder hält der Tod seine Erni« in den Reihen unserer prachtvollen Regimenter..
Um 9 Uhr werde ich auf Grund meiner französischen Sprachkenntnisse zur Unterstützung des Dolmetschers kommandiert, der in Der Kirche eines zwei Kilometer ostwärts gelegenen Dorfes dis Gefangenen zu vernehmen hat, deren Zahl im Laufe des Tages auf mehrere Hundert ansteigt. Ich habe kaum Daran gedacht, daß das Verhör von Gefangenen so wichtig und lehrreich sein kann. Heut« sehe ich aber, wie selb st die scheinbar geringfügiges Ausfage wertvoll ist, ergibt sich doch das Gesamt- bilb der Lage beim Feind für den I c und durch ihm für Die operative Führung aus Dem zunächst verwirrenden Knäuel Der sich oft widersprechenden Aussagen Der einzelnen Gefangenen, die sich aus Menschen der verschiedensten Rassen, Cyaraktere unta Temperamente zusammenfetzen. Eine Zeitlang hörs ich zu, wie Der Dolmetscher Die Vernehmung vor- nimmt unb sehe, mit welchen psychologischen Mittel« ber Fragestellung er geschickt auf sein Ziel zusttuerl.
Es gilt bann, ben Drängenden Fragen des I c zui genügen, ber zur Gewinnung eines klaren Feindbildes zu einem großen Teil auf die Ergebnisse den Vernehmung angewiesen ist. Als ich nach mehreren« Stunden zum Korpsgefechtsstand zurückkomme, treff« ich den I c, einen schlanken, fportgestähtten Generalstabshauptmann. In fernmündlichem Gedankenaustausch mit ben I cs der Divisibnen und Nachbar- korps und unter Zugrundelegung ber inzwischen! eingetroffenen Funknachrichten, Fliegerau^nabmeiu und Gefangenenaussagen hat er Das Feindbild!
menschlich empfundene Hohenheim ber Frau Ta* S.over. Eugen Klöpfer gibt mit wuchtigen Umrisse« ein Bild des auf dem Hohenasperg traurig /.erbrochenen freiheitlichen Dichters Schubart. Zweii peinlich echte Kreaturen bes Herzogs: Paul Dahll« als Feldwebel Rieß, ein brutaler Gamaschenknopf,, unb Herbert Hübner als General Rieger, ein kalter., subalterner Höfling. Mit schöner Wärme spriM Friedrich Kayßler die knappen Szenen de« alte« Schiller. Hannelore Schroth, eine kindlich hinge- benbe Laura; Henckels als intriganter Hofmarsckallx Walter Frank („Der Frernbe") unb Bernharde Minetti als verzweifelnder Franz Moor seien au8 dem großen Aufgebot der Darsteller noch genannt— An ber Kamera ftanb Fritz Arno Wagner.
Hans ThytioL
Zeitschriften.
— Im Dezemberheft Der Zeitschrift „Dia Kunst" (Verlag F. Bruckmann, München) gtbö Fritz Hellwag einen Bericht von der Ausstellung rheinischer Künstler in Berlin. Um Das Jahr 183« hat BernharD Hausmann in Hannover eine Sammlung von Zeichnungen zeitgenössischer Künstler an- geleat. Luigi von Bürkel läßt in Dieses „Album Einblick nehmen. Es finb Dort Blätter von C. D- Friedrich, SchwinD u. a. zu finden, Die alle Dem Ausdruck ihrer Zett miebergeben. Ulrich Christofsell gibt einen Ueberolick über Das Schaffen Des Malers« Julius Diez. Phantasie unb heitere Lebensauffassungen, neben tiefer Verbundenheit mit Der Natur„ fin ben in ben Werken ihren Ausdruck. Der Bildhauer Kurt Lehmann, von besten Leben unb Schassen Walter Passage einen Aufsatz bringt, ist einer. ber Repräsentanten ber gegenwärtigen plastischem Kunst die Bestimmchett ber Form unb klare Ordnung des Formgefüges zum Ausdruck hat Mannheim fanb eine Ausstellung von Zeichnungen: unb Pastellen zeitgenössischer ^Künstler statt, von bet' F W. Koch berichtet Der zweite Teil bringt neben einer Wohnung Des Stuttgarter Architekten Erich Rosenfelder Stoffmuster von Josef Hillerbranb, fut' die Deutschen Werkstätten Silbergerät von Wilm,. Berlin, Holzarbeiten ber Loheland.Schule unb Gedecke der Porzellanmanufaktur Rosenthal.


