k. Die Fünfzigervereinigung
1 9 38 hielt am
nötigen Vorsicht, gebracht werden, wo er u das Geschoß Krankenhaus darniederliegt.
Ge
ber allerdinl
wirft Sie
auch das Siegestor.
Deutscher Turnersieg über Umland
Unser Bild zeigt die finnische Mannschaft (links) und die deutsche Mannschaft vor Beginn des Kampfes. (Scherl-Bilderdienst-M.)
Am
* Rilfenrod (Kreis Alsfeld), ll.Nov,
Punkten war das Ergebnis auch diesmal für Deutschland wieder recht deutlich ausgefallen. Bester
Der 4. Turn-Länderkampf zwischen Deutschland und Finnland hatte in der Berliner Deutschland'
einen mal । dem
Gießen des Deutschen Roten Kreuzes nach Gießen gebracht werden, wo er in ernstem Zustand im
Einzelturnor war der Finne Esa Serste mit 58,35 Punkten vor dem Deutschen Willi Stadel mit 58 und Innozenz Stangl mit 57,90 Punkten. Die Höchstnote 10 konnte kein einzigesmal vergeben werden. Die beste Tageswertung erreichte Innozenz Stangl am Reck mit 9,90, die überhaupt nur ein« mal erzielt wurde.
Samstagnachmittag beschäftigte sich ein junger Mann von 17 Jahren mit dem Schießen nach Spatzen, wobei er ein Flobertgewehr benutzte. Gegen 17 Uhr kam ein 16 Jahre alter Bekannter
entladen, er hob sie au diesem Zwecke in Hüfthöhe empor, leider aber nicht mit der nötigen, Vorsicht. Plötzlich krachte ein Schuß und L ~ , L
Am gestrigen Sonntagvormittag erfreute.der sangverein „Germania" Großen-Linden unter Leitung seines Ehrenchormeisters, Musiklehrer Blaß, die Verwundeten in einem hiesigen Reservelazarett mit einem Gesangskonzert. Die Veranstaltung, die vom Oberkommando der Wehrmacht ourch die NSG.
Halle am Sonntag mit über 12 000 Zuschauern i großartigen Rahmen erhalten. Zum b ritten» gingen die deutschen Turner als Sieger aus Kampf der Weltbesten hervor. Mit 346,2:342,5
im „Kühlen Grund" einen ..... .
der gut besucht war. In seinen Einleitunasworten gedachte der Vorsitzende, Kamerad Hirsch, der Loten der Bewegung, der Gefallenen des Krieges und des ersten Verstorbenen aus den Reihen der Alterskameraden. In echter Kameradschaft verleb« ten die Mitglieder wieder einige schöne Stunden. Eine Sammlung für das Kriegs-WHW. erbrachte einen ansehnlichen Betrag.
** Seinen schweren Verletzungen erlegen. Am gestrigen Sonntagabend ist der sechzehn Jahre alte Lehrling Karl Michel aus Rodheim a. d. Bieber, der — wie wir am Samstag bereite berichteten — am Freitagabend auf der Heimfahrt mit seinem Fahrrad auf der Landstraße nach Rodheim von einem mangelhaft beleuchteten Auto an- gefahren und schwer verletzt worden war, in der hiesigen Chirurgischen Klinik verstorben. Der be- dauernswerte junge Mann war das einzige Kind seiner bereits seit Jahren verwitweten Mutter.
nf Haernerelniaung 1888/ zu ihm. wobei natürlich das Spatzenlchießen Gegen- dran ade m Sechzehn Irrigen >n d en Samstagabend bei Kamerad Dechert itand der Unterhaltung mar. Im Verlause des Ge- Leib. Mit einem schweren Bauchschuß mufrte bet ' Kameradschastsabend ab. sprächs wollte der Siebz-hniahr.ge d.e SchutzwaNe bedauerns^werte unge °°n der «er Ichaft
Auf Feldpostsendungen Absender!
Bei Feldpostsendungen der Wehrmachtangehörigen aus dem Felde fehlt sehr häufig die Angabe des Absenders. Sie ist unbedinat erforderlich, um der Feldpost und der Reichspost die Prüfung zu ermöglichen, ob der Absender Gebührenvergunstigung genießt. Das Oberkommando des Heeres hat eine Anordnung erlassen, wonach die Angehörigen der Einheiten erneut darauf hinzuweisen sind.
Gesangskonzert bei unseren Verwundeten.
ersten Halbzeit überhaupt nicht auf ihren Gegner einzustellen verstand. Die Burgsolmser, die durch ihr steiles und schnelles Spiel immer wieder die Hintermannschaft der Gießener durchbrechen konnten, zeigten von technischer Hinsicht keine Offenbarung. Sie spielten unter Einsatz von Schnelligkeit ihr gewohntes Spiel und kämpften dabei mit dem notwendigen Siegeswillen, geschickt taktische Fehler des Gastgebers ausnutzend. Der schwächste Mann der VfB.er war der Tormann, der auch in erster Linie für die Niederlage verantwortlich ist Körner, der seine Mannschaft ohne Grund bei Be- ginn der zweiten Halbzeit im Stiche ließ, dürfte damit sein eigenes Urteil gesprochen haben. Trotz der Niederlage verdienen die zehn Spieler des Gastgebers für ihren Einsatz ein Lob.
Spielverlauf: Die Gäste eröffnen das Sptel sofort mit steilen Vorlagen, und ehe die VfB.er überhaupt im Bilde sind, heißt es 1:0 für die Gaste. Kurze Zeit später schießt der Mittelstürmer der Burgsolmser das 2. Tor, nachdem der Tormann einen unnötigen Ausflug in den Strafraum gemacht hat. Alle Angriffe des Gastgebers, der be- sondern seinen rechten Flügel einsetzt, bringen nur Ecken ein, die durch die Unentschlossenheit des In- nensturmes nicht ausgewertet werden. Ein plötzlicher Angriff, wieder ein Schnitzer des Gießener Tormanns, und es heißt 3:0. Als bei einem Strafstoß der Burgsolmser Verteidiger übertritt, haben die Gießener ein Tor auf geholt. Kurz nach Halbzeit kommt es zu dem obengeschilderten Vorfall, " '' igs sich zu Gunsten der Gießener aus- ________ kämpfen jetzt mit dem Mute der Verzweiflung und bringen es tatsächlich fertig, nicht nur auszugleichen, sondern sogar mit 4:3 Toren, nachdem ein Tor von dem Schiedsrichter nicht gegeben worden war, in Führung zu gehen. Anstatt nun von der Offensive zur Defensive überzugehen, spielen die Gießener weiter offen. Diesem taktischen Fehler folgt sofort nicht nur der Ausgleich, sondern
genommen. Im Anschluß an das Konzert erfreuten ’ die Sänger die verwundeten Kameraden im feld- 1 grauen Rock noch mit einer Rauchwarenspende. Feld- : wedel Stumpf als Sprecher des Lazaretts brachte den Sängern und ihrem Chormeister den Dank der Verwundeten mit herzlichen Worten zum Ausdruck. Zwei Vertreter der NSKOV. bekundeten durch ihre Anwesenheit die enge Verbundenheit der alten Soldaten mit den jungen Kameraden.
Kameradschaft ehem. 116er.
Bei dem Monatsappell der Kameradschaft ehem. 116er am Samstagabend machte Kameradschaftsführer Bill auf die neue Einrichtung des Kameradschaftsheims im „Pfälzer Hof" aufmerksam, bei der auch die Ehrentafel für die Gefallenen besser zur Geltung komme. Im Zusammenhang damit gedachte er des 9. November und aller Gefallenen sowie der kürzlich verstorbenen Kameraden Heinrich Noll und Werner (Gießen-Wieseck). Der Kameradschaft wurde für die Beteiligung der Fahnenabordnung am 1. Reichskriegertag in Kassel ein Fahnennagel verliehen, der den Vorbeimarsch vor dem Führer darstellt. Hierauf sprach der Kameradschaftsführer dem Kameraden Ludwig Groh zu feinem 75. und dem Kameraden Karl Haupt — dessen Vater bereits als 116er an den Kriegen 1866 und 1870/71 teilgenommen hatte — der am 8. November feinen 70. Geburtstag begehen konnte, die besten Glückwünsche aus. lieber die Ergebnisse des Wettkampfschießens berichtete Schießleiter Kamerad Kern. Aus dem Kameradenkreis wurden Vorschläge für eine bessere Bewertung der Leistungen gemacht. Zur Erfassung aller Erinnerungsstücke wurden durch den Kameradfchaftsfühxer entsprechende Maßnahmen getroffen. Es wurden die letzten Kreisbefehle und ein Schreiben verlesen, in dem bekanntgegeben wird, daß Kamerad Pfeiffer von der Kameradschaft ehern. 116er zum Kreisfechtwart bestimmt worden ist. Bei einem Zimmerschießen errangen bte Kameraden Biedenkapp, Schuld! und Kern Ehrenscheiben.
Kameradschast £35i. 116.
Am Samstag fand im „Württemberger Hof" bei Kamerad Ruhl ein Kameradschaftsabend statt, der — wie immer — recht anregend und im Geiste der im Weltkrieg geborenen Frontkameradschaft verlief. Kameradschaftsführer Rudolf Schneider wies in einer kurzen Ansprache auf die Bedeutung des 9. November hin und würdigte den Opfertod der Gefallenen der nattonalfozialisttfchen Bewegung. Weiterhin gedachte er in ehrenden Worten des am 24. September verstorbenen Kameraden Christoph Studt, dessen Stammplatz zu seinem Gedächtnis mit Blumen geschmückt war. Kamerad Studt war allen durch fein stets freundliches- und gewinnendes Wesen ein sehr lieber Kamerad. Als einer der treuesten der Kameradschaft fehlte er bei keiner Versammlung und bekleidete jahrelang das Amt des Schriftwarts. Mit einem Sieg-Heil auf Adolf Hitler, den großen Führer' und Gründer Großdeutschlands, schloß der offizielle Teil des Abends, der die Kameraden bei Kriegserinnerungen und Soldatenhumor noch gemütlich beisammenhielt.
*
** Heilkräuterfammlung der Schillers chu le. Zur Ergänzung unseres Berichts vom Samstag wird uns noch mitgeteilt, daß die Schillerschule in Gießen 40 Kilo (getrocknet) Drogen und 175 Kilo (getrocknet) Kastanien gesammelt hat.
Amtsgericht Giehen
Der H. W. in Gießen-Klein-Linden hatte wegen Betrugs einen Strafbefehl über einen Monat Gefängnis erhalten. Er hatte der Zeugin B. die Heirat versprochen, wodurch diese veranlaßt wurde, chm insgesamt 30 RM. zur Verfügung zu stellen. Sein Versprechen der Heirat hatte er aber nicht gehallen. Gegen den Strafbefehl legte der Angeklagte Einspruch ein. Dem Antrag des Anklagevertteters entsprechend wurde er zu einer Gefängnisstrafe von einem Monat verurteilt. Strafmildernd wirkte die seitherige Unbestrafcheit.
Die E. L. Pf. in Naunheim hatte wegen falscher Anschuldigung einen Strafbefehl über 30 RM. erhalten. Sie hatte die falsche Behauptung aufgestellt, die Familie S. habe von dem Metzger S. mehr n und Wurst zugetellt erhalten, als ihr nach arten zugestanden habe. Gegen den Strafbefehl legte die Angeklagte Einspruch ein. Sie wurde an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von einem Monat zu einer Geldstrafe von 6 0 RM. verurteill.
Rektor i. 5t. Otto Oaab f.
* Lollar, 11.9100. Am Samstag verschied nach längerem Leiden unser langjähriger Lehrer und Rektor i. R. Otto Saab im 76. Lebensjahr. Er war am 2. Februar 1865 zu Leusel (Kreis Alsfeld) geboren worden. Nach anfänglichem Volksschulbesuch kam er in die Realschule zu Alsfeld, alsdann in das Lehrerseminar in Friedberg. Als Lehrer war er in Ober-Ofleiden, Bersrod und feit 1901 in Lollar tätig. Hier wurde er am 1. Juli 1922 Schulleiter und Rektor, bis er nach erreichter Altersgrenze mit 65 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand trat Er diente als Lehrer 6 Wochen im JR. 116 in Gie. ßen. Während des Weltkrieges hatte er die Ausbildung der damaligen Jugendwehr in Lollar durch- geführt und die Lebensmittelverteilung (Fleischversorgung) ehrenamtlich übernommen^ Große Verdienste hat sich Rektor Saab im Kriegervereins, wesen — Kyffhäuserbund — erworben. So grün- bete er während seiner Amtstätigkeit in Bersrod den dortigen Kriegerverein. In Lollar war er jahrelang Vereinsführer des Veteranen- und Kriegervereins Lollar, auch führte er längere Jahre den früheren Hafsiabezirk Gießen. Für seine eifrige und gewissenhafte Betätigung im Kriegervereinswesen wurde er vor einigen Jahren mit dem Kyffhäuser- ehrenzeichen 2. Klasse durch den NS.-Reichskrieger- bunb ausgezeichnet und burch den Kreiskriegerver- band Gießen zum Bezirksehrenführer ernannt. Sie Kriegerkameradschaft Lollar ernannte ihn für feine treue Mitarbeit und 40jährige Zugehörigkeit des Kyffhäufer» bzw. Reichskriegerbundes zu ihrem Ehrenmitglied. Saab war auch Mitbegründer des „Vereins Kinderfreund Lollar" und versah seit dessen Gründung bis in fein hohes Alter ehrenamtlich die Rechnerstelle dieses gemeinnützigen Institutes. Mit Saab wurde'ein echt deutscher Mann und gewissenhafter Lehrer zur großen Armee abberufen. Auf feinen Wunsch findet feine Einäscherung in aller Stille statt. Das Andenken an den Verstorbenen wird hier in hohen Ehren lebendig bleiben.
Verhängnisvoller Schuß aus dem Floberl.
„Kraft durch Freude" veranlaßt worden war, brachte eine Reihe schöner Volkslieder von Sonnet, Kirchner, Silcher, Sylvius und Waldmeister, die von dem Sängerchor in ausgezeichneter Weise zu Gehör gebracht wurden. Sie schönen Darbietungen wurden von den Verwundeten mit dankbarem Beifall auf-
Elub und DSC. im Endspiel.
Das Endspiel um den Fußball-Tschammerpokal werden am 1. Dezember im Berliner Olympiastadion der Pokalverteidiger 1. FC. Nürnberg und Sachsens Meister Dresdner SC. bestreiten. Ser „Club" gewann am gestrigen Sonntag das Düsseldorfer Vorschlußrundentrefsen gegen Nied er- rheins Meister Fortuna Düsseldorf vor 30 000 Besuchern mit 1:0 (1:0), während der DSC vor 40 000 begeisterten Besuchern die hoch eingeschätzte Wiener Rapiü-Elf mit 3:1 (1:0) schlug. Der Sieg der Nürnberger war glücklich, aber nicht unverdient; in Dresden kamen die Wiener erst zu chrem Ehrentor (durch Elfmeter), als der DSC. bereits mit 3:0 schon im sicheren Hafen war. Das Olympiastadion wird am ersten Dezembersonntag einen Grohkampf erleben!
Ergebnisse der Bezirksklasse.
Wetzlar 05 — Luftwaffensportverein 7:0. W.-Steinberg — Sportfreunde Wetzlar 8:2.
• VB.-Reichsbahn — Burgsolms 4:5.
Die Wetzlarer Mannschaft war dem Luftwaffen- sportverein in jeder Phase des Kampfes überlegen und hatte schon bei Halbzeit durch 3 Tore die Soldaten eindeutig geschlagen. — Sie Steinberger haben durch ihren hohen Sieg das Torverhältnis in der Tabelle zu ihren Gunsten gestaltet. Auch die Sportfreunde mußten erfahren, wie schwer in Steinberg überhaupt zu siegen ist. — Ser VfB.- Reichsbahn hat den Sieg verschenkt.
VfB.-Reichsbahn — Burgsolms 4:5.
Auf dem Waldsportplatz wurde besonders in der zweiten Halbzeit ein Spiel gezeigt, das an dramatischen Höhepunkten reich war. Sie Gießener Mannschaft war nicht glücklich zusammengestellt, ba man den Sturm auf Kosten der Läuferreihe geschwächt hatte. Dazu kam, daß die Mannschaft sich in der
3000Kilometer £iet>e
Vornan von Olly Boeheim
24. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Anita Silesen und Erik Schmitterlöf hielten sich bei der Hand wie Kinder, sahen sich in die Augen, als entdeckten sie alle Wunder der Welt.
„Daß du mich gefunden hast", sagte Anita langsam, und löste sich aus ihrer Verzauberung.
,Lch sah doch oein Bild in der Zeitschrift. Ser Name stimmte nicht, aber das Gesichtchen."
„Du hast es doch bloß bei Mondschein gesehen."
„Aber das genügt mir, um es nie mehr zu vergessen. Wer bist du eigentlich — Dera Derries oder Anita Silesen?"
„Seine kleine Seejungfrau! Alles andere ist gleichgültig."
„Ja, es gibt nur dich und mich, und den Frühling. Ser ganze Tag liegt vor uns. Was wollen wir unternehmen?"
„Was du willst."
,Lch weiß schon. Wir nehmen ein Motorboot und fahren um die Stadt und dann an den Mälarsee nach Skokloster, und Siegtung und über die Schären heim. Was macht dein Freund Peter Renz?"
„Ser rast, soweit das mit seinem Wagen möglich ist, einem Schuldner nach."
;,Sen wären mir also los! Komm!"
Das Motorboot zischte am Ufer von Strandoägen entlang. Sie Sonne blendete, und der Gischt spritzte den jungen Menschen ins Gesicht. Die eleganten Boulevards mit ihren lachenden Blumenständen tanzten vorbei, elegante, fröhliche Menschen wandelten sorglos im Sonnenschein. Wolkenkratzerähn- llche Bauten stiegen am Norr Mälarstrand von den Fölsen auf in den blauen Himmel hinein.
Allmählich drehte bas Boot ab, fuhr am königlichen Jachtklub vorbei, wo schlanke, weiße Luxusboote in ber Sonne glitzerten, und dann ließ es die stolze, lachende Stadt hinter sich. Ser schwermütige Mälarsee nahm sie auf.
.Letzt fahren wir nach Skokloster, kleine Nixe", sagte Erik Schmitterlöf, „dort wird geluncht." Vor einer Baumallee legten sie am
Im Klostergarten saßen sie dann unter alten Bäumen, tranken Milch und träumten in den lachenden Frühlingsnachmittag hinein. Hier begann Anita leise zu beichten, während die Bienen um den goldgelben Honig summten, den der freundliche Wirt ihnen brachte. Sie erzählte von ihrem Betrug, von der wirklichen Vera Verries, die krank vor Liebe in ihrem Hotelzimmer lag und an der sie plötzlich eine Freundin gefunden hatte. Arm in Arm gingen sie an dem Ufer des Mälarsees entlang, manchmal standen sie still, sahen sich an und lächelten.
„Su bist nicht entsetzt und hüllst mich nicht für eine Betrügerin?"
„Aber Anni!" Erik Schmitterlöf lachte. „Ich glaube, du hast noch nachträglich Angst vor der eigenen Courage."
„Nein", sagte bas Mäbchen leise, „aber wenn ich dich deswegen verloren hätte —"
In ihrer Stimme war noch die Sorge um den Geliebten. Erik Schmitterlöf riß Anita mit einer plötzlichen Bewegung an sich und küßte sie.
„Glaubst du benn , sagte er lanafam, „ick könnte nicht verstehen, daß es Abenteuer gibt? Su hast eins erlebt, unb es ist gut ausgegangen. Soll ich bir besroegen böse fein?*
Eine Weile war es still zwischen ihnen. Sie Sonne schwamm blutrot auf bem Wasser unb entzünbete am Horizont ein Farbenspiel von seltener Schönheit. Lange graue Schatten tasteten sich am See entlang unb bedeckten bie Ufer fast völlig.
„Was würdest du sagen", rief Anita plötzlich lebhaft, „wenn ich jetzt anfinge zu tanzen, immer so den Weg entlang, hinunter zum Strand und in die sinkende Sonne hinein?"
Sie reckte sich auf den Zehenspitzen, verschränkte bie Arme hinter bem Kopf unb sah Erik mit strah- lenbem Lächeln an.
„Einen Grog trinken gehen", sagte er trocken. Von Anitas Gesicht verschwanb jäh bas Lächeln.
„Pfui, bu bist ein gräßlicher Kerl!" Sie war richtig gekränkt, unb als Erik sie schnell in bie Arme nehmen wollte, brehte Anita ihm ben Rücken zu.
„Nixchen", sagte seine Stimme an ihrem Ohr bittend, aber immer noch mit leisem Spott, „ich wußte ja nicht, daß du so tanzwütig bist. Aber wenn du es wünschest, bleibe ich in ehrfürchtigem Staunen am Waldrand stehen unb sehe bir zu."
,Lch lege keinen Wert auf den Beifall unwissender
Seebären", kam es, schon halb versöhnt und- deshalb übertrieben streng, aus Anitas Mund. Sie machte keine Miene, sich ümzudrehen. Erik streichelte leise ihren Arm.
„Liebe, kleine Anni", sagte er zärtlich, „du muht mir nicht böse sein. Aber, sieh mal, ich kann es nun mal nicht leiden, wenn Frauen so sehr an ihrem Beruf hängen. Und schließlich, wenn wir mal heiraten, brauchst du doch nicht mehr zu arbeiten."
„Ich will dich ja gar nicht heiraten, du Scheusal!" Sas klang so trotzig, daß Erik laut lachen mußte. Sann packte er Anita an beiden Schultern, wirbelte ihren Körper herum und preßte sie an sich. Sas Mädchen wehrte sich heftig; chr Gesicht hatte einen Ausdruck von komischem Zorn. Ihre kleinen Fäuste trommelten wild gegen feine breite Brust. Keuchend bäumte sie sich in seinen Armen auf. Aber er war stark. Ihre Kraft erlahmte schnell, und mit einem kleinen Schluchzen legte sie den Kopf an feine Schulter. Als er feine Lippen auf ihren Mund preßte, legten sich zwei weiche Mäochenarme um seinen Nacken.
So standen sie lange unb merkten nicht, daß es immer bunfler würbe.
Einmal hob Erik ben Kops und sah, daß die Sonne ganz verschwunden war.
„Ich glaube, wir müssen nach Hause fahren; es wird sonst zu spät", sagte er leise. Sie neigte bas feine Gesichtchen in unmerklicher Bejahung. Es war sehr still geworben um sie her.
„Komm!" sagte Erik Schmitterlöf roleber.
Anita sah mit großen Augen in bas verlöschenbe Licht.
„Halte mich fest", bat sie, als sie die Stufen zum See hinabstiegen.
16. Kapitel.
„Ihr Vorschlag kommt mir wie ein Scherz vor, gnädige Frau", sagte ber Direktor des Tivoli-Theaters, Rydbohm, mit freundlicher Ironie. „Sie lehnen es ab, zu tanzen, und wollen mir eine junge Anfängerin einreden, mit der id) mir womöglich einen Mißerfolg hole."
Dera zerbröckelte nervös ihre Zigarette im Aschenbecher. „Lieber Direktor Rydbohm, die Sache ist fein Scherz. Ich befinde mich augenblicklich in einer Verfassung, daß ich einfach nicht onftreten kann. Ich bin jo nervös, daß es mir unmöglich ist, mich auf
den Tanz 3U konzentrieren. Außerdem macht mir meine Knöchelverletzung, an der ich schon lange Zeit leide, noch zu schaffen."
„Sie haben in Göteborg ausgezeichnet getanzt. Das Tivoli-Theater ist bereits ausverkauft, es tut mir leib, aber ich muß auf ben Abend bestehen."
Vera knüllte ihr Taschentuch. Was sie sagte, war keine leere Ausflucht. Sie konnte einfach nicht tanzen. Sie war in fiebriger Erregung, feit sie ahnte, wer Arne Ohlsen war. Jetzt, wo Peter Renz ihn aufgeftöbert hatte unb ihm mit geschäftlichen Singen kam, würbe Arne sich womöglich woanbers verkriechen, unb Vera würbe ihn vielleicht nie mehr wiebersehen. Sie mußte ihn erreichen, solange er poch in ber Hütte war, also sofort. Sie mußte ihre harten, bösen Worte zurücknehmen, die einem sinn« losen Verdacht entsprungen waren.
Unb plötzlich sagten ihre Lippen etwas, worüber sie sich eigentlich nie klar gewesen war. „Woher wissen Sie, daß mein Tanzabenb ein hunbertprozen« tiger Erfolg werben wirb?"
Direktor Rydbohm war zuerst sprachlos, eine solche Müdigkeit, solche selbstquälerischen Zweifel verrieten diese Worte.
„Aber, gnädige Frau", sagte er mit einem verlegenen Lächeln, „dafür bürgt doch Ihr Name, und bann Ihr letzter großer Erfolg in Göteborg."
„Den großen Erfolg in Göteborg", entgegnete Vera ohne zu überlegen, „hat eine junge Anfängerin gehabt."
Direktor Rybbohm griff nach einer Zigarette. Er fürchtete anscheinenb für ben Verstaub ber Tänzerin.
„Ja, mein Lieber", sagte Vera Derries mit einem matten Lächeln, „bie Geschichte tarne früher ober später doch heraus." Unb sie erzählte mit kurzen Worten ben Sachverhalt. Direktor Rydbohm brach in ein schallendes Gelächter aus.
„Das ist allerdings ein glänzender Witz!" Und bann mit plötzlicher Lebhaftigkeit: „Die junge Dame scheint bemnach außerorbentlich begabt zu fein?"
Vera nickte. Sie fühlte, wie bas Interesse bes Dl« reftors sichtlich zu ihrer jungen Nachfolgerin hinüberglitt. Er spielte mit seinem Bleistift unb buchte schweigend nach. „Unb, ganz unter uns natürlich, Sie fürchten, baß Ihr Tanzabend nicht ben gleichen Erfolg haben könnte, wie ber btefer ..
(Fortsetzung folgt)


