Schöne Stunden in einem Mservelazarett.
Am gestrigen Dienstagnachmittag veranstalteten die oberen Klassen der Volksschulen Gießen-Klein- Linden unter Leitung von Lehrer H. R au in einem Reservelazarett eine Konzert- und Unterhaltunas- stunde. In fast zweistündiger Vortrugsfolge, die wertvollste Heimat- und Volkstumsarbeit zeigte, wechselten in bunter Reihenfolge Gesangs-, Gedicht- und instrumentale Darbietungen, die bei den zahlreichen Zuhörern dankbare Aufnahme fanden. Der mustergültige Vortrag der 1-, 2* und Zstimrmgen Lieder zeugte von guter Chordisziplin und hingebungsvoller Arbeit des Lehrers und der 9- bis 14jährigen Schüler. Von den dargebotenen Gedichten, die, wie auch die Chöre, Heimat, Vaterland und Soldatentum priesen, wurden besonders die Mundartgedichte von Verfassern aus unserer engeren Heimat (Georg Heß, Helene Steiner, Heinrich Naumann) mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Instrumentale Einlagen einer ausgezeichneten Hand- harmonikaspielerin erweckten die Freude aller Zuhörer, die bekannte Weisen freudig mitsangen. Nachdem die Schüler die Soldaten noch mit Blumen und Liebesgaben beschenkt und einige Liedzugaben geboten hatten, schloß Lehrer Rau, der schon zu Beginn in einer kurzen Ansprache seinen Dank an KdF. für diese Veranstaltung und seiner Freude über den Einsatz der Schüler für die Verwundeten zum Ausdruck gebracht hatte, mit Dankesworten an die aufmerksamen Zuhörer die in allen Teilen wohlgelungene Feierstunde.
Neservelazarett wirbt für das Kriegs-WHW.
Kaum hatte der Führer zum Kriegswinterhiifs- werk 1940/41 aufgerufen, als sich auch schon tn einem hiesigen Reservelazarett 2 Fußballmannschaften, bestehend aus Aerzten einerseits und Sanitätssoldaten anderseits, zu einem Fußballwettkampf zusammenfanden, um in origineller Weise für das KWHW. zu werben. Gleichzeitig sollte dadurch den Patienten eine Stunde frohen Erlebens geschenkt werden. Das Spiel, das von dem äußerst geschickten Reporter, Sanitätssoldat Fenner, am Mikrophon für die im Bett liegenden Kranken übertragen und von dem Publikum, das sich aus dem Personal, Schwesternschaft und Patienten zusammensetzte, mit Begeisterung und temperamentvollen Beifallskundgebungen verfolgt wurde, endete mit einem wohlverdienten 8:3-<Äege für die Aerzte. Als finanzielles Ergebnis konnten dem WHW. 156,72 RM. zur Verfügung gestellt werden, das durch freiwillige Spenden der Spieler, Zuschauer, Zuhörer erzielt wurde.
Vereinfachung der Lohnabrechnung.
Der Reichsarbeitsminister hat bestimmt, daß die Mehrarbeitszuschläge in allen Betrieben und Verwaltungen vom 8. September ab in dem gleichen Umfange wieder zu zahlen sind, wie vor dem 4. September 1939. Die bisher an die Finanz- lasse des Reiches abzuführenden Mehrarbeitszuschläge kommen also dem Gefolgschaftsmitglied wieder zugute. Der Zuschlag von 25 v. H. für die über die zehnte Tagesarbeitsstunde hinausgehende Arbeitszeit wird wieder durch die in Tarifordnungen, Betriebsordnungen oder Einzelarbeitsverträgen festgesetzten Zuschläge ersetzt. Die Wiedereinführung dieser Zulage soll einerseits eine Anerkennung für die großen Leistungen der Arbeiter und Angestellten im ersten Kriegssahr sein; sie soll andererseits zusammen mit der in Aussicht genommenen Aufhebung des Erlasses über die Berechnung der Lohnsteuer bei Mehrarbeitsverdiensten die Lohnabrechnung in den Betrieben wesentlich vereinfachen.
Gießener Schlachtviehmarkt.
Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtvieh-Derteilungsmarkt) in der Diehverstei- gerungshalle Rhein-Main kosteten: Ochsen 39 bis 45,5, Bullen 33,5 bis 49,5, Kühe 24 bis 45, Färsen 26 bis 44,5, Kälber 25 bis 57, Hämmel 12,5 bis 32, Ziegen 10 bis 20 je Vt kg Lebendgewicht. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,14, bl (135 bis 149,5 kg) 1,14, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,14, c (90 bis 119,5 kg) 1,12, d (80 bis 89,5 kg) 1,06, e—f (unter 80 kg) 1,02, gl (fette Specksauen) 1,14, i (Altschneider) 1,14, g2 (andere Sauen) 1,06, h (Eber) 1,06 RM. Marktverlauf: Gut, alles zugeteilt.
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öJ.Jporf
die Jugend, die seitherige Undestraftheit, das Geständnis und mangelnde Erziehung des Angeklagten, straferschwerend dagegen der Umstand, daß er seinen früheren Meister und die Frau, bei der er schon als Ferienkind untergebracht war, bestvh en hat, berücksichtigt. Der Angeklagte wurde stirseine Taten als voll verantwortlich angesehen, es mürbe ihm daher der Schutz des § 51II StrGB. versagt.
Bei der Oreschmaschinenarveit tödlich verunglückt.
* Rödgen (Kreis Gießen), 11. Sept. Am heutt- gen Mittwoch früh, gegen 9 Uhr, ereignete sich> hier ein schwerer Unglücksfall, durch den leider ein Menschenleben vernichtet wurde. Der Dre ch- maschinenbesitzer Friedrich Arnold von hier, der mit seiner Maschine zum Dreschen auf einem Grundstück in der Bahnhofstraße weilte, verunglückte auf bis jetzt noch ungeklärte Welse an der Stroh, presse, wo man ihn mit zertrümmertem K o p f e t ö d l i ch v e r l e tz t unter der Strohpres e liegend auffand. Bald darauf ist der bedauernswerte Mann an seiner schweren Verletzung geworben. Er hinterläßt seine Frau und einen Sohn, der gegenwärtig im Felde steht.
Landkreis Gießen.
Lollar, 11. Sept. Am heutigen Mittwoch vollendet unser Mitbürger Karl Krebast sein 8 4. L e b e n s j a h r. Der alte Herr erfreut sich noch einer erstaunlichen geistigen und körperlichen Ru- stiakeit mit ungeminderter Lebensfreude. Unserem alten treuen Bezieher die besten Glückwünsche zum ^^ch^9. Sept. Die Gefolgschaftsmitglieder der Brauerei Jhring-Melchior, Ludwig M e n g e s und Christian Lechner, konnten auf eine 40iahrige Zugehörigkeit zum Betrieb zurückblicken. Aus diesem Anlaß fand in dem mit Blumen geschmückten großen Gefolgschaftsraum ein feierlicher Appell statt, bei dem der Betriebsführer Hans JhriNg den beiden Jubilaren in herzlichen Worten die Glückwünsche der Firma aussprach und sie durch Überreichung einer Ehrenurkunde sowie emes Gew- geschenkes.ehrte. Anschließend überbrachte Betrlebs- obmann Ernst Trechsler die Glückwünsche der Gefolgschaft und übergab jedem der Jubilare tm Auftrag ihrer Arbeitskameraüen ein Geschenk.
** Di e NS.-Frauenschaft, Deutsches Frauenwerk Gießen-Ost, veranstaltet am heutigen Mittwoch, um 15 Uhr vor der Neuen Pestalozzi-Schule eine Zusammenkunst der Kindergruppe — Die Sprechstunden der Ortsfrauenschaftsleiterin finden von jetzt ab wieder regelmäßig Freitags von 16.30 bis 18.30 Uhr statt.
** Lichtbildervortra g vor Verwundeten. Am Freitagnachmittag werden die Verwundeten in hiesigen Lazaretten Gelegenheit haben, einen Lichbildervortrag über das Main-Gebiet zu hören. Im Auftrage des Landesfremdenverkehrsverbandes Rhein-Main wird Lehrer Grebe aus Frankfurt a. M. über unsere heimische Landschaft zu den verwundeten Soldaten sprechen.
Strafkammer Gietzen.
Der 19 Jahre alte Fr. H. aus Darmstadt war bei einem Schneidermeister in Niederlahnstein in Arbeit, wo er aber nicht lange aushielt. Am 10. Mai tahl er seinem Meister ein Damen-fahrrad, einen Koffer und eine Nickeltaschenuhr und suchte dos Weite. Am 15. Mai entwendete er aus einer ver- chlossenen Torhalle in Darmstadt unter Ausnutzung der Verdunkelung ein Herrenfahrrad. Damit fuhr er zu einer Familie in Ruttershausen (Kreis Gie- 3cn), wo er. vor 7 Jahren als Ferienkind untergebracht gewesen war und jetzt wiederum gast- reundlich ausgenommen wurde. Bei dieser Gelegenheit entwendete er aber am 21. Mai seiner Gastgeberin 2 RM., einen halben Laib Brot und ein halbes Pfund Butter, worauf er heimlich abrückte.
Der Angeklagte war in vollem Umfange geständig. Der Sachverständige hält ihn für einen haltlosen, vermindert zurechnungsfähigen Menschen, dem der Schutz des § 51II StrGB. zuzubilligen sei. Der Anklagevertreter war der Ansicht, daß der Angeklagte als Volksschädling anzusehen sei, und beantragte gegen ihn eine Gesamtgefängnisstrafe von einem Jahr und drei Monaten und einer Haft- träfe von drei Wochen.
Der Angeklagte wurde des Diebstahls m drei Fällen und des Mundraubs in einem Falle schuldig erkannt und zu einer Gesamtgefängnis- strafe von einem Jahr und einer Haftstrafe von drei Wochen verurteilt. Die Haftstrafe und ein Monat der Gefängnisstrafe gelten durch die Untersuchungshaft als verbüßt. Strafmildernd wurden
Punkte; 2 Wilhelm Simon, 56; 3. Christian Magel, 51 Punkte.
Einzelwe ttkämp fe :
Kugelstoßen: 1. Schleenbecker (Ruttershausen), als Gast, 11,91 Meter; 2. Hans Deuker, 10,12 Meter; 3. Wilhelm Weber, 9,98 Meter.
Steinstoßen: 1. Schleenbecker, als Gast, 6,94 Meter; 2. Hans Deuker, 6,68 Meter; 3. Wilhelm We- ber, 6,59 Meter; 4. Jakob Sehrt, 5,70 Meter.
Speerwerfen: 1. Engel (1900 Gießen), als Gast, 44,80 Meter; 2. Hans Deuker, 43,20 Meter.
Diskuswerfen: 1. Schleenbecker, als. Gast, 35,00 Meter; 2. Wilhelm Weber, 28,00 Meter.
Weitsprung: 1. Engel (1900 Gießen), 6,64 Meter; 2. Wilhelm Weber, 5,83 Meter; 3. Otto Stumpf, 5,35 Meter.
Sieger im Langsamfahren der Radfahrer wurde Karlheinz Hermann, Sieger im 2000-Meter-Lauf der HI. wurde Karl Brück.
Eporttag in Lang-Göns.
Der dem Turnverein Lang-Göns übertragene Sporttag wurde zu einem vollen Erfolg. Die Beteiligung an den Wettkämpfen war gut, bei den beiden Jugendklassen war sie sogar hervorragend. Schon frühmorgens begannen die Mädchen mit ihrem Sechskampf. Sie erledigten vorerst ihre Geräteübungen an Pferd, Barren und an den Ringen.. Dabei wurden schöne, ausgeglichene Leistungen geboten. Am Nachmittag wurden die leichtathletischen Wettbewerbe ausgetragen. Dabei traten auch die Jugendlichen mit einem Vierkampf und die Männer mit einem Werfer-Dreikampf auf den Plan. Es gab einige sehr gute Leistungen. Zu erwähnen sind hier ein 5,50-m-Sprung eines Jugendlichen, mehrere 1,35-m-Hochsprünge und 33-m-Würfe mit dem Vollball bei den Mädchen; bei den Männern sind mehrere Speerwürfe über die 40-m-Marke zu nennen.
Als Abschluß gab es ein spannendes und schönes Handballspiel zwischen den Mannschaften von Hörnsheim und Lang-Göns. Das Spiel begeisterte die Zuschauer restlos und gewann dem Handballsport wieder viele neue Freunde. Spielerisch war Hörnsheim den Gastgebern etwas voraus, dagegen war der Einsatz bei diesen größer. Keiner Elf gelang es, mit mehr als einem Tor in Führung zu gehen. Bei Halbzeit stand die Partie 5:5 und 15 Minuten vor Schluß 7:7. Da machte Lang-Göns eine Krise durch, und die Gäste zogen auf 10:7 davon. Aber im Endspurt glichen die Einheimische» aus. 10:10 stand das Spiel, und in dem dramatischen Endkampf war dann Hörnsheim glücklicher, so daß es knapp 11:10 gewann.
Die Ergebnisse der Mehrkämpfe.
SechskampfderMädchen (Barren, Pferd, Ringe, 75-m-Lauf, Hochsprung, Vollballweitwurf): 1. Ottilie Noll, 134 Punkte; 2. Irene Müller, 129; 3. Margot Kaiser und Irma Görlach, je 110; 4. Hildegard Geuter, 104; 5. Hildegard Rompf, 95K
Vierkampf der Jugend, HI. (100-m-Lauf, Weitsprung, Kugelstoßen, Keulenwerfen): 1. K. Philipp, 113 Punkte; 2. H. Puhl, 109; 3. E. Fell, 95, 4. W. Boller, 94; 5. H. Velten, 87.
Dreikampf der Männer (Speerwerfen, Kugelstoßen, Keulenwerfen): 1. H. Hofmann, 99 Punkte; 2. H. Gatzert, 86; 3. K. Wenzel, 62; 4. A. Faber, 53; 5. A. Müller, 52.
Die Gpielergebniffe der II. Klaffe.
Steinbach — Hungen 0:1 abgebrochen.
Erstmals in den Spielen um die Kriegserinne- rungsvla kette kam es zu einem Spielabbruch in Sreinoach. Wie schon in der Vorschau erwähnt, war es vorauszusoheg, daß ein harter Kampf zu erwarten fei. Beim Stande von 1:0 für Hungen sollte ein Spieler der Gäste auf Geheiß des Schiedsrichters das Spielfeld verlassen. Der Vereinsführer von Hungen brach daraufhin das Spiel ab.
Großen-Llnden — Klein-Linden 0:2 (0:1).
Gin schönes Sviel, das zugleich seine Werbung für den Fußballsport nicht verfehlt haben dürfte, kam anläßlich des Ortssporttages -in Groß en-Lind en zum Austrag. Die Gäste hatten bedeutend mehr vom Spiel, doch brachten es die Stürmer nicht fertig, die sich ihnen bietenden Torgelegenheiten auszunützen. Bis zur Halbzeit reichte es jedoch nur zu einem Torerfolg. Auch nach der Pause hatten die Gäste das Heft in der Hand, doch nur ein weiteres Tor war die Ausbeute.
= Heuchelhelm — Grünlngen, letztere nicht angetreten.
Nicht sportlich war das Nichtantreten der Grü- ) ninger Mannschaft, die dadurch nur sich selbst schä- , digte, denn das Rückspiel findet nunmehr ebenfalls in Heuchelheim statt. Äußerdem sind die Punkte für i Grüningen verloren.
Orts-Turn- und Sporttag in Steinbach.
Der Orts-Turn- und Sporttag war ein voller Erfolg und bewies aufs neue die Einsatzbereitschaft der Sportgemeinde Steinbach. 240 Sportler und Sportlerinnen waren angetreten. Auf dem Sportplatz fand frühmorgens die Flaggenhissung mit anschließender Morgenfeier statt, bei der Ortsgruppenleiter Rink sprach. Dann begannen die leichtathletischen Wettkämpfe der Sportler. Als Gast konnte der Vereinsführer den Leichtathleten Dr. L u h - Gießen begrüßen, der sein großes Können im Kugelstoßen mit 14,81 Meter zeigte. Es gelang ihm auch, seine seicherige Bestleistung im Diskuswerfen, die 42,33 Meter betrug, zu Überwerfen; er erreichte die beachtliche Leistung von 42,83 Meter. Die Radfahrabteilung veranstaltete ein Langsamfahren, das viel Beachtung fand.
Der Nachmittag war ausgefüllt von Fußbalkfpie- len. Die Steinbacher Schülermannschaft spielte gegen die Schüler von Lich und siegte überlegen mit 5:1. Die Jugendmannschaft spielte gegen die Jugend von VsB.-Reichsbahn-Gießen und siegte nach spannendem Spiel mit 3:1. Die 1. Mannschaft spielte gegen Hungen das Kriegserinnerungs-Nun- denfpiel. Beim Stande von 1:0 für Hungen brach Hungen nach der ersten Halbzeit das Spiel ab. Die Pausen waren ausgefüllt mit Einzelwettkämpfen, zu denen Gäste aus Lollar und Gießen erschienen waren. Jungvolk und Jungmädel trugen mit Spielen zur Unterhaltung bei, der BDM. trug eine 4X100-Meter-Staffel aus, die HI. zeigte einen 2000-Meter-Lauf. . Um 17 Uhr fand die Siegerehrung statt. Vereinsführer Simon dankte allen Teilnehmern für ihre Einsatzbereitschaft. Ortsgruppenleiter Rink wies auf die Bedeutung des Tages hin und sprach anerkennende Worte über den schönen Verlauf des Kampfes. Er nahm dann die Siegerehrung vor. Aus der großen Zahl seien die drei Besten genannt.
Pistolenschießen der Politischen Leiter: 1. Karl
Horn III., 79 Ringe; 2. Wilhelm Simon, 76 Ringe; 3. Ludwig Haas V., 76 Ringe.
Kleinkaliberschießen der Politischen Leiter: 1. Karl Horn III., 90 Ringe; 2. Wilhelm Simon, 89 Rmge; 3. Philipp Heinrich Schmitt, 67 Ringe.
Jungschützen: 1. Erwin Müller, 72 Ringe; 2. Ernst Schneider, 72 Ringe; 3. Ludwig Rudnick, 68 Ringe.
Aktive Schützen: 1. Heinrich Ludwig Haas, 91 Ringe; 2. Ludwig Haas VI., 86 Ringe; 3. Karl Roth I., 82 Ringe.
Altersschützen: 1. Heinrich Steller II., 82 Ringe; 2. Heinrich Ludwig Balser, 78 Ringe; 3. Heinrich Ludwig Gerhard, 75 Ringe.
Jungvolk, Klasse A: 1. Karl Haas, 56 Punkte; 2. Ewald Stumpf, 55,5; 3. Karl Hermann, 54,5, Jungvolk, Klasse B: 1. Hellmut Brück, 70; 2. Heinrich Keßler, 65; 3. Ewald Schäfer, 63,5 Punkte.
Jungmädel, Klasse A: 1. Gertrud Hermann, 71Z Punkte; 2. Erika Simon, 55; 3. Gertrud Stumpf, 54. Jungmädel, Klasse B: L Elfriede Magel, 59; 2. Hildegard Simon, 57; 3. Gertrud Hartmann, 56 Punkte.
HJ.-Klasse A: 1. Erwin Schreiner, 55 Punkte; 2. Alfred Pitz, 49; 3. Ernst Schneider, 47. HJ.-Klasse B: 1. Erich Haas, 51; 2. K. H. Hermann, 42; 3. O. Buh, 40 Punkte.
BDM.-Klasse A: 1. Anni Müller, 50 Punkte; 2. Marie Horn, 47; 3. Lina Arnold, 41. BDM.- Klasse B: 1. Mara. Magel, 58; 2. Anni Haas, 38; 3. Frieda Schwalb, 36 Punkte.
Jugendgruppe: 1. Hilde Deuker, 58 Punkte; 2. Käthe Arnold, 49; 3. Marie Becker, 35 Punkte.
Spielerklasse: 1. Wilhelm Weber, 67 Punkte; 2. Hans Deuker, 62; 3. Ernst Burger, 55 Punkte.
SA. und Wehrmannschaften: 1. Karl Größer, 69 Punkte; 2. Wilhelm Keßler, 55; 3. Heinrich Gerhard, 45 Punkte.
Männer, Altersklasse I: 1. Otto Schmitt, 60 Punkte; 2. Otto Balser, 55; 3. Ludwig Gerhard, 43 Punkte.
Männer, Altersklasse II: 1. Karl Klücker, 69
(Nachdruck verboten.)
19. Fortsetzung.
„Wie war das eigenllich an dem Abend, Doktor, als der unheimliche Mensch da bei der Oper auftauchte? Sie waren ja dabei! Hatten Sie den Mann schon vorher bemerkt?"
Bergholz bekam einen roten Kopf. Soll er zu- geben, daß er da herumlungerte, um sie noch einmal zu sehen? ... Diese Tatsache jedoch ist ihr anscheinend nebensächlich.
„Nein, gnädige Frau! Ich sah den Mann wohl im gleichen Augenblick wie Sie. Es war dunkel dort, und bei dem schlechten Wetter blickte man sich nicht viel um. Aber wirkt der Schreck noch immer bei Ihnen nach? Ich hoffte, Sie hätten das längst vergessen. Irgendein heruntergekommener, aber sonst harmloser Mensch war das anscheinend. Vielleicht wollte er betteln."
Sie sieht ihn nachdenklich an. „Meinen Sie?"
„Bestimmt, gnädige Frau! Seltsam, daß dieser Schatten Sie ängstigt!"
Sie blickt auf ihre Hände nieder und dreht an den kostbaren Ringen, die sie schmücken, richtet dann wieder ihre Augen auf ihn, und um ihren Mund spielt jenes reizende Lächeln, in dessen Zauber er sich unentrinnbar verliert. „Sie belustigen sich jedenfalls über mich, Herr Doktor! Aber wir Theatermenschen sind zumeist schreckhaft dem Unheimlichen, Unerklärlichen gegenüber! Und unheimlich war nun mal die Erscheinung für mich."
„Das dürfen Sie sich nicht einreden, gnädige Frau! Der Mensch sah nicht unheimlich aus — eher unglücklich ... Ich sah sein Gesicht ziemlich nahe, und es ist mir deutlich in der Erinnerung geblieben. Das war bestimmt kein Verbrecher!"
Sie zieht die feinen Brauen zusammen, und es läuft wie ein Frösteln über ihre Schultern. Er versucht noch weiter, ihr die Beunruhigung auszureden, was sie zerstreut, aber nicht ablehnend anhört. In fast besinnungsloses Entzücken versetzt es ihn, sie heute nicht überlegen wie sonst, sondern wehrlos und schutzbedürftig zu sehen. Es schmeichelt seinen männlichen Instinkten, und ihr Vertrauen beglückt ihn.
Er begleitet sie zur Ausgangstür und redet dabei eifrig weiter, sieht ihr schönes Gesicht tm Halbprofil, die rötliche Haarwelle über dem kleinen Ohr, die weiche Linie von der Wange zum Hals — mit heimlichem Entzücken starrt er sie an.
(Fortsetzung folgt.)
leben uns auseinander! ... Was da allmählich zermürbt und zerfällt, ist unhaltbar! Ist nicht zu retten! Ihr müßtet das endlich so klar einsehen, wie ich seit langem."
„Was? ... Und das wagst du mir ganz kaltblütig ins Jesicht zu sagen? ... Du bist ja ein janz jertebe- ner Bursche! Du willst se loswerden! Heber isse dir jeworden! Jetzt, wo dir mein Geld aus n' Dreck jeholsen hat, sind wir dir nicht mehr fein genug!"
Bergholz kennt diese Tonart. Dagegen kommt er nicht auf. Sein Gesicht wird fahl. Schlimm für ihn, das anhören zu müssen. So strafen sich Unterlassungssünden. Als Ernas Verlobter hätte er sich die zukünftigen Verwandten auf etwaige Auseinandersetzungen hin etwas genauer ansehen sollen. Der aufgebrachte Mann da vor ihm, der jo verfettet und vollblütig ist, daß ihm die Erregung gefährlich werden kann, glaubt schon durch sein Geld allein ein verbrieftes Anrecht auf ein wolkenloses Eheglück seiner Tochter zu haben. „Du solltest dich lieber nicht so aufregen, Schwiegervater, es könnte dir schaden", sagt er gelassen. Mit der Bemerkung gießt er Oel ins Feuer. Der ehemalige Schlächtermeister springt so heftig auf, daß sein Stuhl polternd um- stürzt. Er schlägt mit der Faust auf den Tisch, die Kartenblätter und Geldschälchen fliegen auf den Teppich. „Du unverschämter Mensch willst mir den Mund verbieten in meine eigenen vier Pfähle? ... Scher dich 'raus, sag' ich dir! ... Und laß dir nich mehr hier sehen? ..."
Die Tür wird aufgerissen. Die von dem Lärm erschreckten Frauen drängen ins Zimmer. „Aber Mann, um Gottes willen, was geht denn hier vor?" jammert Frau Gehrke. Sie wendet sich zu ihrem Schwiegersohn: „Hänschen, wie kannste denn Papa so aufregen, wo du doch sonst immer davor warnst!"
,^>abe ich auch eben getan’ Weil ich auf die Ge fahr eines Schlaganfalls hinwies, schmeißt er mich 'raus. Und darum gestatten Sie mir, meine Herrschaften, mich summarisch zu verabschieden. Guten Abend!"
Das Wort „Schlaganfall" ist wie ein Kinderschreck hier im Hause und ist Herrn Gehrkes verwundbarste Stelle. Schwer qtmend läßt er sich auf den Stuhl nieder, den seine Frau wieder aufgestellt hat, fährt 1 sich mit den Fingern lockernd hinter die Halsbinde,
Jetzt schießt Bergholz das Blut zum Kopf. Er lacht zornig auf. „Da hat man ja die Entstellung! ... Und ich sitze hier und lasse mich verhören! Sollte ich eigentlich nicht tun, aber ... Na schön! ... Also die Dame, auf die diese verständnisvollen Bemerkungen hinzielen, kam zu mir, um sich behandeln zu lassen. Ich kannte sie — wie auch Erna — bisher nur von der Bühne. Ich sah sie dann am nämlichen Abend in der Oper, und der Zufall brachte hinterher noch ein Zusammentreffen — aber nicht etwa mit mir allein, es waren noch andere finite dabei. Frau Röhl lud mich zum Tee ein, und ich war am Sonntag auf eine Stunde in ihrer Wohnung — auch wieder in Gesellschaft anderer. So, das ist alles! Nun möchte ich in Ruhe gelassen werden! Uebrigens weiß es die Mama bereits von mir, bis auf den Besuch am Sonntag, was ja nun Erna ergänzend berichtet hat."
Er rückt ein wenig vom Tisch ab, schlägt ein Dein über das andere und putzt seine Brillengläser. Gehrke schnauft, blickt von Hans zu seinem Freund Neumann. Er ist mißtrauisch und aufgebracht, aber im Grunde ist ihm das Ehezerwürfnis seiner Tochter höchst unbequem. Vorhin hat er starke Töne geredet, wie er die Sache wieder einrenken und den unbotmäßigen Schwiegersohn ganz klein kriegen werde.
„Du versuchst, der Geschichte ’nen harmlosen Dreh zu geben, das sieht dir ähnlich", grollt er „Aber mir machste nichts vor, du!"
Bergholz betrachtet seine Stiefelsvitzen, zuckt die Achseln und sagt langsam, als müsse er vor jedem Wort eine Hemmung überwinden: „Was die Bekanntschaft mit der Opernsängerin betrifft ... es ist ja gar nicht das Wesentliche. Ein äußerer Anlaß ist's, wie es ein beliebiger anderer auch sein könnte. Um etwas anderes geht es bei Erna und mir: Wir
Roman von Helene Kalisch
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und seine rötlich unterlaufenen Augen sehen mit einem fast hilflosen Blick von einem zum andern.
Bergholz bemerkt das noch, als er aus dem Zimmer geht, lieber das aufgeregte Durch ein anderst) rechen der Frauen schrillt Ernas Stimme: ,^ans, wo willst du hin? ... Ich komme mit!"
„Hier bleib sie! In den sein Haus setzte keinen Fuß mehr!" kommandiert Ihr Vater. Aber die Wirkung ist nur, daß Erna heftig auffahrend schreit: „Was? ... Ich soll nicht bei meinem Mann bleiben? Ich soll ihn alleine gehen lassen? ... Auf keinen Fall!"
Sie stürmt ihm nach, der schon die Außentür der Wohnung geöffnet hat, ist auf der Treppe dicht hinter ihm. „Warte doch, Hans, wir haben ja keinen .Hausschlüssel!" ruft sie.
• Richtig, er kann ja nicht aus dem Hause, sondern muß warten, bis das Mädchen, das Frau Gehrke ihnen nachschickt, das Tor aufschließt. Ein paar Minuten stehen Erna und er im 'Hausflur. Sie hat den breiten Kragen ihres Pelzmantels hochgeschlagen, das Hütchen tief in die Augen gezogen; er sieht wenig von ihrem Gesicht.
Auf der Sttaße gehen sie schweigend. „Laufe doch nicht so, ich kann so schnell nicht mit", sagt sie nach einer Weile. Er mäßigt den Schritt, und sie hängt sich bei ihm ein.
Das ist es: Trotz allen Haders, aller Zerwürfnisse, trotz der unaufhaltsam fortschreitenden Zerrüttung ihrer Ehe: Sie hängt sich bei ihm ein ...
10. Kapitel.
Am übernächsten Tage kommt Frau Röhl wieder zur Behandlung — diesmal allein. Alles ist anders heute. Weniger Patienten als sonst warten, und Bergholz selbst tritt in veränderter seelischer Verfassung der schönen Frau gegenüber. Es ist das Ausschwingen des Pendels nach der entgegengesetzten Seite — über ein Stadium der Willenserschlaffung, i des dumpfen, wehrlosen Grolles hinweg. So sehr in Abwehr er ihr neulich gegenüberstand, so begierig i saugt er heute wieder den Reiz ihrer Persönlichkeit in sich ein. Sie ist von kühler Liebenswürdigkeit und ' scheint keine Veränderung feines Wesens wahrzu- 1 nehmen.
[ Nachdem er die Behandlung beendet und ihr vom t Stuhl heruntergeholfen hat, steht sie einen Augenblick , wie in Gedanken, sieht ihn an und fragt zögernd:


