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Nr. 2l5 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Mittwoch, l(. September W

In der Nacht bei einer Klakbaiterie

Neuer Spielplan für die KdJ.-Theater-Rmge

pflicht zu lustschuhmäßigem Verhalten

in

Es ist nicht weit von Mitternacht. Wir stolpern : im Dunkeln den Feldweg entlang, kurz leuchtet die Taschenlampe auf. In einigen Dutzend Metern Entfernung ragen die langen Rohre einer schweren Flakdatterie gegen den nachtdunklen Himmel und i geben ein annäherndes Ziel für unsere Wande­rung. Eine kurze Begrüßung, der Batteriechef nimmt uns in seine Obhut, führt uns auf schmalem Wege hin zur gut getarnten Batterie. Achtung! Kartuschen! Geisterhaft arbeiten einiae Mann am Munitionsstapel, bereiten nach dem kurzen Feuer­überfall, der uns unterwegs schon überrascht hatte, wieder alles vor, um aufs neue für den Kampf gegen den im Dunkel der Nacht eingeflogenen Bri­ten gerüstet zu fein. Einige Stufen stolpern wir hinunter und stehen in einer Geschützstellung. An den Geschützen stehen die Bedienungsmannschaften, Munition liegt griffbereit. In Deckung wandern wir weiter zur Befehlsstelle und in den Schutz eines eingebauten Bunkers.

Weit entfernt, bei M., spielen die Scheinwerfer, ein Zeichen, daß die Feindflieger im erneuten An­flug sind. Rechts, mehr als 20 Kilometer entfernt, ist eine Leuchtbombe erkennbar. Am Kommando­gerät wird es lebhafter, Zahlen schwirren, werden weitergeleitet, immer näher tasten sich die Leucht­finger am Horizont, dumpf klingen Abschüsse und Detonationen herüber. Niedriger werden die Meß­zahlen; die Meßgeräte verraten, daß Flieger sich in den Schußbereich begeben haben: Kommando: Feuer! Wie durch einen Blitz erhellt sich das Gelände. Die Batterie hat das Feuer eröffnet und legt dem Flieger eine Sperre von Geschossen vor die Nase. Schuß auf Schuß, kaum vermag das un­geübte Ohr noch zu verstehen, was vom Kom­mandogerät zu den einzelnen Batteviestesten geru­fen wird... Ununterbrochen klingelt die Feuer­glocke. Ebenso plötzlich, wie es einsetzte, hört es wieder auf. Der Flieger hat abgedreht, und wir sind nun Zuschauer eines Feuerwerks, das von den anderen vielen Abwehrbatterien bestritten wird, die rund um die Großstadt zum Schutze von Hab und Gut der Bevölkerung ausgestellt sind. Neben dem dumpfen Abschuß der schweren Flak knattern die mittleren und leichten Abwehrgeschütze, neben den hoch oben austilitzenden Sternen der schweren Geschosse ziehen in ununterbrochener Kette die Leuchtspuren der leichten, betonieren in schnell auf­einanderfolgenden Knallen. Hin und wieder strahlt ein Scheinwerfer auf, kreuzt sich mit einem zweiten ein leichter Schatten ist am Schnittpunkt erkenn­bar:Ziel erkannt". Alle Rohre, die es in Reichweite haben, feuern und zwingen die Maschine zum Abdrehen. Ein feurigroter Ball bläht sich in der Ferne auf, verschwindet in Nichts. Ein dumpfer Knall folgt wenige Sekunden später eine Bombe ist geworfen. Später erfahren wir, daß die Bombe, wie schon so oft, ins freie Gelände gefallen ist und keinen Schaden angerichtet hat. Inzwischen geht das geheimnisvolle Leben in der Batterie weiter. Die leeren Kartuschen werden weggefchafft, neue Munition bereitgestellt.

Die kurze Ruhepause benutzen wir, uns in der Batterie umzusehen. Kreuz und quer laufen die Gänge, führen zu den Unverständen der Mann­schaft, zu den einzelnen Geschützen. Gut geschützt gegen Splitterwirkungen liegen diese Unterkünfte. Das erste Kriegssohr hat man gut ausgenutzt. Lag man die ersten Kriegsmonate noch meist mehr im Freien als in' schönen trockenen Räumen, so ist es heute dort drunten, in der Erde eingebuddelt, den Umständen entsprechend heimelig. Hier hält sich der Flaksoldat auf, wenn ihn nicht der Dienst im Freien festhält, hier verbringt er die kargen Muße­stunden, wenns draußen stürmt und hagelt. Bei Sonnenschein zieht er es vor, einer niedlich ein­gerichteten Gartenlaube einen Besuch abzustatten, um die Blumenbeete von der Naturfreudigkeit des deutschen Soldaten zeugen. Hier schnitzt er Flug­zeugmodelle eine beliebte Beschäftigung und gleichzeitig eine nützliche, hier klingt die Zieh­harmonika und erschallen die Soldatenlieder Bunkerleben! Aber, wie gesagt, der Mußestunden gibt es gar wenige. Gerade der Flaksoldat mit sei­nen modernsten 'Geräten bedarf ständiger Schu­lung, will er Meister in der technischen Beherrschung feiner Waffen sein. Etwas abseits liegt ein kleiner

Ende zufrieden gewesen, hätte der Krieg ihm nicht plötzlich und unerwartet eine neue Chance geboten. In geschwollener Wichtigkeit hat er sich zum Ty­rannen der Kleiderkarte aufgeschwungen, und die­selben Frauen, denen er einst verlockend schien, möchen heute verzweifeln an ihrem letzten Punkt.

Als letzter Punkt der Kleiderkarte ist sich der Spät­ling des Schöpfungsaktes nun feiner ganzen Bedeu- möchten heute verzweifeln an ihrem letzten Punkt, ohne den es nichts anzuziehen gibt!

Aber Hochmut kommt vor dem Fall! Minchen Meier hat heute den letzten Punkt ihrer Kleiderkarte in ein rotkariertes Schnupftuch verwandelt, und unter uns fei verraten, daß Minchen Meier ein Rotz­näschen hat...

Front zum Schutze der Zioilbevöskerung, die sich nicht allzusehr von der Front draußen unterscheidet nur in einem unterscheidet sie sich sehr: sie stehen nicht einem offen daherkommenden Feind gegen­über, sie kämpfen gegen einen Feind, der sich im Schutze der Wolken in dunkler Nacht heranschleicht, der nicht militärische Objekte angreift, sondern eine friedliche Bevölkerung mit Spreng- und Brand­bomben und anderen heimtückischen Mitteln be­kämpft. Trotz dieser Schwierigkeiten erfüllen die Flaksoldaten hervorragend ihre Aufgabe, die gro­ßen Städte mit ihren für die Wehrkraft Deutsch­lands entscheidenden Industrie- und Derkehrsanla- gen von feindlichen Fliegerbomben freizuhalten. Und sie sind stolz auf ihr Wirken: sie schützen die Heimat! E. §

Für die NSG.Kraft durch Freude" in Gießen hat sich die Notwendigkeit ergeben, die Spielpläne für die Theaterringe einer gewissen Aenderung zu unterwerfen. Als Bereicherung ist sowohl im 8er- als auch im 16er-Ring an Stelle des musikalischen LustspielsGoldregen" die OperettePaganini" in den Spielplan mit ausgenommen worden. Außerdem ist im 16er-Ring an Stelle des schon im Sommer­ring gebrachten LustspielsTriumph des Tobias" das LustspielDr. med. Hiob Praetorius" getreten.

Das ursprünglich am Anfang liegende Schauspiel Sieger" von Siemens ist an die zweite Stelle im 16er-Ring gerückt. Der Spielbeginn im 16er-Ring ist nicht auf den 5. Oktober, sondern auf den 3. Oktober festgesetzt worden. Im einzelnen ist zu berichten:

16er-Ring.

3. Oktober 1940:Paganini", Operette von Franz Lehär. 17. Oktober:Sieger", Schauspiel von Sie­mens. 26. Oktober:Kätchen von Heilbronn",

Gießener Giadttheaier.

Kurt Sellnick:Mädchenparadies."

Der Punkt ging zu den Weisen des Orients und bat sie, in die dunkele Welt ihrer Rätsel aufgenom­men zu werden. Den Weisen war dieses unschein­barste Kind der Schöpfung für ihre Zwecke will­kommen. Sie verwandelten ihn, der als Ende ge­dacht war, mit ihrer Punktierkunst in ein Orakel­wesen, das am Anfang künftiger Dinge stehen sollte. Der Punkt wähnte sich glücklich unter den Geheim­nissen des Ostens, aber als man den Orakelpunkt bald darauf aus dem Morgenland in das Abendland trug da zerschmolz er vor der kühlen Nüchternheit nordischer Denker und büßte sein Wahrsagerleben kläglich ein.

Nun war er abermals unzufrieden mit feinem Xios. War ihm in der Welt der Männer nur wenig Erfolg beschieden, so wollte er jetzt sein Glück bei den Frauen versuchen.

Durch die Erfahrung der Jahrhunderte gewitzigt, vermied es der Punkt, den Frauen in gelehriger Maske zu kommen. Er näherte sich sozusagen als schwacher Punkt des schönen Geschlechts und warb mit lockenden Gaben der Eitelkeit. Bon jetzt an fristete er ein intimes Dasein als Schönheitspfläster­chen neben dem schelmischen Wangengrubchen oder an noch diskreteren Stellen aufgeputzter Damen pries in seiner matten Schwärze das blühende Weiß des schönen Gesichts und war vertrauter Zeuge un­gezählter Schäferstunden einer galanten Zett. Aber roer ganz der Eitelkeit verfällt und nur den sinnlichen Neizen ergeben ist, wird eines Tages erbarmungs­los vom Ueberdruß gepackt. So war auch das Da­sein des Punktes als Schönheitspflaster vergänglich wie Schminke und Puder, zu deren Helfershelfer er sich erniedrigt hatte. Es soll nicht übersehen wer­den daß er auch später nicht ganz daraus verzichtet bat' der weiblichen Eitelkeit zu dienen. Selbst un Zeitalter der Maschine hat er als Punktroller ver­sucht, beim zarten Geschlecht zu landen.

Doch die Zeit nahm wieder männlichere Zuge an. Dem Punkt erschloß sich eine neue Konjunktur. Das Punksystem des Sportes wurde sein mdbernes Reich Dom springenden Punkt des Aristoteles bis zum Orakelpunkt des Ostens und bis zum diskreten Schönheitspflaster konnte er jetzt seine Erfahrungen ins Feld der sportlichen Kämpfe fuhren. Wer sich von Schmeling jemals nach Punkten besiegen ließ, der weiß, was das bedeutet.

Vielleicht wäre der Punkt mtt feinem Los am

Oie Legende vom punkt.

Von Edmund Pesch.

Am siebenten Tage der Welterschaffung sah der Herr, daß alles gut sei, was er gebildet hatte Er beschloß, einen Ruhetag emzulegen und wandte sich dem Problem der Freizeitgestaltung zu. Hierbei ge- wahrte er, daß die allzu große Gesprächigkeit des Weibes, das er in einer köstlichen Laune geschaffen hatte, der Lösung dieses Problems hinderlich sei. Er beschloß, mit seiner Schöpferkraft etwas heroorzu- bringen, was diesen Gesprächsfluß einzudammen vermöchte. Weil aber Ruhetag war, konnte es nur ein Ding von geringer Große fern, und so entstan als Abschluß des Schopfungsplanes der Punkt Wie er am Ende der Schöpfung stand, so sollte es fürder bin seine Aufgabe sein, am Ende jedes Gedankens zu stehen, den die Menschen denken, sprechen oder schreiben mochten. Er sollte ein Damm fein^gegen überfließende Gesprächigkeit und sollte dem -Ranne das Recht geben: Mach einen Punkt! zu rufen, wenn die Gardinenpredigt des Weibes, die früher auch Höhlenfenster-Fellvorhang-Predigt geheißen haben kann gar kein Ende nehmen wollte.

Aber der Punkt war mit feinem Dasein als Schluß- und Abkürzungszeichen Nicht Suftieden Ww alle Kleinen wollte er gern groß und bedeutend fein. Er ging zu Euklid und hoffte, von ihm m die leuch­tende Welt der Wissenschaften genommen zu wer­den. Der weise Vater der Geometrie nahm den Att stell-er auf und machte aus ihm em geometrisch Grundgebilde, das keine Ausdehnung hat und se bs als Mittelpunkt nur halbierende Wirkung besitz^ Aber mit diesem allzu eng begrenzten Los war: Die winzige Spätgeburt der Schöpfung erst recht nicht ^^Der^Punkt wollte lebendig sein wie die anderen Dinge dieser Welt, wollte springen wie die Lämmer oder kreisen wie die Sterne. Er ve^aumte seine große Stunde als Archimedes einen Punkt herbei- ?ief um von.'dort die Erde aus ihren Angeln zu heben Da erbarmte sich Aristoteles und machte ihn um Punctum sollens, zum springenden oder hupfen­den Punkt. Doch bald schon mußte er erfahren daß es nicht eitel Freude ist, tagaus, tagem in der Hellen Welt der Wissenschaft zu jonglieren. Er sehnte sich nach einem anderen Daseinszweck,

Die Intendanz hat beschlossen, die Wanderung die neue Spielzeit mit leichtem Gepäck zu beginnen. Und sie hat recht daran gehan, denn die heitere Muse hat sich noch immer als guter Stimmungs­motor bewährt. Das zeigte sich gleich schon am ersten der vorgesehenen Lustspielabende, der einem erfreulich großen Kreis der Gießener Theaterge­meinde die Bekanntschaft mit der amüsanten Ge­schichte eines Mädchenparadieses vermittelte, das mit dem biblischen wenigstens das eine gemeinsam hat, daß es nämlich nicht lange ein Paradies bleibt. Das ist auch nicht weiter überraschend, denn es sind gleich drei Evastöchter, die sich als moderne berufs­tätige Frauen aus dem zur Ehre unsererStu- bcntenmütter" sei es gesagt leicht übertrieben ge­schilderten Grauen der möblierten Zimmer in ein eigenes Heim geflüchtet haben, das zwar anfangs mit der viel berufenen Junggesellenwirtschaft ver­zweifelte Ähnlichkeit hat, schließlich aber (unter Herrn Löfflers ordnende? Hand der Mann ist eben doch auch hier nicht einmal ganz zu ent­behren) einen recht wohnlichen Anstrich und sogar so etwas wie elegante Behaglichkeit bekommt. Um so größer ist der Kummer, als schon im ersten Monat die Kündigung dem traulichen Beisammensein ein schnelles Ende zu bereiten droht. Aber die drei jun­gen Damen werfen die Flinte nicht so schnell ins

Spiel, sondern schadet auch durch sein schlechtes Beispiel der gemeinsamen Sache. Außerdem müssen Zuwiderhandelnde mtt Nachteilen bei etwaiger Ent­schädigung durch das Reich rechnen. Die Lustschutz­kräfte sind zur Erfüllung aller Dienstobliegenheiten verpflichtet. So können z. B. Selbstschutzkräfte, die nicht der dienstlichen Weisung des Luftschutzwarts, den Luftschutzraum aufzusuchen, nachkommen, be­straft werden.

Bunkerraum, der zeigt, w i e hier die Technik dem Menschen dienstbar gemacht wird: der Auswerte­raum mit seiner Vielzahl von Fernsprechgeräten und dergleichen. Hier sitzen die Flakmänner vor den Apparaten, das Kehlkopfgerät umgehängt, werten die Ziffern aus, die ihnen von dem Kom­mandogerät und von anderen Stellen zufließen und ein ununterbrochenes Gemurmel erfüllt den kleinen Raum, während die Abschüsse der Batterie den niedrigen Bunker erschüttern, wenn der Ver­putz von Wänden und Decken fällt oder auch ein­mal die Glühbirne durch die Lufterschütterungen ausgeht...

Lang ist so eine Nacht, und nicht immer hat der Himmel seine Schleusen geschlossen. Stundenlang stehen die Flakmänner oft in dem gießenden Re­gen, in beißender Kälte. Auch hier ist Front, eine

Die Pflicht zu luftschutzmäßigem Ver­halten umfaßt die Herrichtung von Luftschutz­räumen, Beschaffung non Luftschutzgerät, Entrümpe­lung, Verdunkelung und das lustschutzmäßige Ver­halten bei Fliegeralarm. Die Ueberwachung erfolgt durch die Polizei, die polizeiliche Zwangsmittel an- wenden oder strafrechtliche Ahndung herbeiführen kann. Die Polizei bedient sich der Amtsträger des Reichsluftschutzbundes. Diese werden damit im staatlichen Auftrage tätig. Wer sich ihnen widersetzt, wird ebenso behandelt, wie bei Gewaltmaßnahmen gegen andere öffentliche Dienste.

Die Verpflichtung zum Aufsuchen von Luftschutzräumen, die in das Gebiet der Pflichten zu luftschutzmäßigem Verhalten gehört, ist in der letzten Zett wiederholl erörtert worden. § 2 Abs. 2 Nr. 1 der 10. Durchführungsverordnung 3um Luftschutzgesetz sagt dazu: Nach Auslösung des Fliegeralarms haben sich alle Personen sofor in die vorhandenen Luftschutzräume zu begeben. Die Ver­pflichtung zum Aufenthalt im Luftschutzraum er­streckt sich nicht auf Personen, deren körperlicher Zustand dies nicht zuläßt, eimschl. des Pflegeperso­nals. Der Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe hat nach langjähri­gen. Versuchen und Erfahrungen das Aufsuchen der Luftschutzräume nach Maßgabe der genannten Vor­schrift zur gesetzlichen Pflicht erhoben. Die Richtigkeit hat sich auch bei den jüngsten Luftangrif­fen voll bestätigt. Selbst wenn Luftschutzräume nicht vorhanden sind, bietet der Kellerraum immer noch den besten Schutz gegen Bomben. Da die Vorschrift eine Pflicht auslöst, die dem eigenen Schutz des Pflichtigen dient, ist davon abgesehen worden, sie unter Zwangsmaßnahmen oder Strafen zu stellen. Wer jedoch den Luftfchutzraum bei Luftangriffen nicht aufsucht, setzt nicht nur sein Leben aufs

von Goetz. 21. Dezember:Madam Butterfly", Oper von Puccini. 10. Januar 1941:Der Vogel­händler", Operette von Zeller. 27. Januar: Schwarzer Peter", Oper von Schultze. 20. Fe­bruar:Marsch der Veteranen", Schauspiel von Bethge. 15. März:Die ungarische Hochzeit", Ope- rette von Dostal. 29. März:Rätsel um Beate", Lustspiel von Möller-Lorenz. 10. April:Der Biberpelz", Schauspiel von Hauptmann. 21. Aprll: Boccacio", Operette von Suppö. 28. April: Lohengrin", Oper von Richard Wagner. 15. Mai; Das lebenslängliche Kind", Lustspiel von Neuner.

Ser-Ring.

Korn. Sie entsinnen sich ihrer weiblichen Reize und sind entschlossen, sie ins Feld zu führen. Dazu wird der Hausverwalter, ein smarter Rechtsanwall in den besten Jahren, zu einem gemütlichen Buden­abend eingeladen und soll nun nach sorgsam fest­gelegtem Schlachtplan für die Rücknahme der Kün­digung sturmreif geschossen werden. Doch das so wacker einstudierte Spiel mit verteilten Rollen geht trotz sachkundiger Mitarbeit einer ersten Bühnen­kraft durchaus programmwidrig aus. Wie einst die Kostprobe vom Baum der Erkenntnis der biblischen Eva schlecht bekam, so ist auch für ihre hypermoder­nen Töchter die Entweihung ihres Mädchenpara­dieses durch einen Mann von geradezu umwälzen­den Folgen. Ihrer zwei stehen nach Dem anregend verlaufenen Abend in hellen Flammen und sind trotz aller Schwüre selbst zu einem Rendezvous ent­schlossen, aber die dritte macht das Rennen. Denn der Mann ist so ungalant es klingen mag doch auch hier wieder der Schlauere, sein Gegen­komplott hat den Vorzug, daß es klappt, und ziel- bewußt angelt er sich aus dem Paradies die Eva, die ihm gefällt.

Das hübsche Lustspielchen hatte Hans Geißler ganz im Sinne des Autors leicht und gefällig in­szeniert, der erste Akt hätte vielleicht noch eine straf­fere Konzentratton vertragen, aber dann wurde der richtige Tritt gefaßt unt) flott und launig Konver­sation gemacht. Von den drei Evastöchtern war Jnaeborg Riehl als Gast in einem reizenden Ge­misch von Anmut und Würde die prinzipienfeste, Wallraut ©o ettf e, frisch und rank, aber trotz betonter Natürlichkeit im Aeußern noch etwas un­frei deklamierend, war die impulsive und Hannelore Hinkel mit burschikoser Selbstverständlichkeit war die allen Verstellungen abholde, die sich als Frau so gibt, wie sie ist und damit am besten fährt. Hans Albert S ch e w e war sehr foigniert und gewandt im Dialog mit wohltuend sparsamen Gesten der Rechtsanwalt zwischen drei Feuern. In die etwas behelfsmäßig eingeführte Rolle des literaturbeflisse­nen Bruders Dubu brachte Walter (Frier Leben und Betriebsamkeit. Rose Stirl schließlich sorgte als das törichte Mädchen Helene durch schwankhaft­turbulentes Treiben, daß auch der für derbere Kost Empfängliche auf seine Rechnung kam.

Dr. Fr. W. Lange,

Aus der Stadt Gießen.

Lockende Kastanien.

Im Hofe der Werkstatt steht der Kastanienbaum. Er ist ein stattlicher Recke. Im Frühjahr bringt er das lenzliche Wunder an die Stätte der Arbeit, während des Sommers spendet sein weit ausgela­denes Blätterdach herrlichen Schatten, und wenn es gegen den Herbst geht, dann wird er zum fröh­lichen Gabenspender. Wenigstens für die Schul­jugend, die ihre Augen voll Verlangen auf ihn richtet. Gewöhnlich zeigt sich selten ein Junge auf dem Hof, aber um diese Zeit verging sonst kaum eine Stunde, in der sich nicht gleich ein ganzes Rudel auf ihm zu schaffen machte. Der alte Schlos- fermeifter mußte dann und wann mal das Werk- ftattferrfter öffnen, um mit einigen grimmigen Wor­ten zur Ordnung zu rufen, aber im stillen hatte er fernen Spaß an derRasselbande", deren Treiben chn an die eigene Jugendzeit erinnerte.

Gab es nicht auch damals schon einen regelrech­ten Kastanienzauber, dem jeder rechte Junge genau so erlag, wie er es heute noch tut, wenn er die blankpolierten Früchte sieht? Ja, der alte Schlosser- meister hat sich auch wacker dazu gehalten, als es seinerzeit galt, die Kastanien für die verschieden­sten Zwecke zu sammeln. Und was wußte jugend­liche Phantasie mit diesen hübschen braunen Ku­geln nicht alles anzustellen. Man konnte sie zu lan- acn Perlenschnüren aufreihen, sie ließen sich zu hübschen kleinen Pfeifen aushöhlen, alle möglichen kleinen Gegenstände waren aus ihnen zu schnitzen, und wenn man sich im kriegerischen Drange gegen­seitig Schlachten lieferte, dann waren sie prachtvoll als Wurfgeschosse zu verwenden. Wahrhaftig, es war kein Wunder, daß der spiegelblanke Kern der stacheligen Kastanienfrüchte auf die Schuljugend so reizvoll wirkte.

Aber Augen machte der alle Schlossermeister doch, als dieser Tage ein Trupp Schuljungen seine Werkstatt betrat und ihn zu sprechen wünschte.Es handelt sich nämlich um die Kastanien", erklärte ihr Wortführer keck. Der Alte schaute die Jungen der Reihe nach an. Hatte man schon so etwas ge­sehen? Daß es die Kastanien den Jungen angetan hatten, darüber war schließlich kein Wort zu ver­lieren, daß sich aber die Jungen nicht einfach kraft ihres überkommenen Rechtes heimlich an die Ka­stanien heranmachten, das erschien immerhin merk­würdig. Doch der Knoten löste sich.Wir wollen die Kastanien in unserer Schulklasse sammeln, da­mit sie der Wirtschaft zugeführt werden", sagte der kecke Junge nicht ohne Stolz. Der alte Schlosser- meister war baff. Daran hatte er noch nicht ge­dacht, aber selbstverständlich gab er seine Zustim­mung gern. Mochten die Bengels sich nur ordent­lich rühren. ri .

So erhielten die Früchte des großen Kastanren- bau.mes ihre nützliche Bestimmung. Noch ist es ja nicht ganz an der Zeit, doch jeden Nachmittag er­scheint jetzt auf dem Hof der Werkstatt einSpäh­trupp", um den S^nd der Angelegenheit zu er­kunden. In den Augen, die sich dann begehrlich nach den verzweigten Aesten des Baumes richten, ist aber immer noch der alte Glanz, der aus allen Jun gen au gen strahlt, wenn es gilt, auf die locken­den braunen Kastanien Jagd zu machen.

H. W. Sch.

Dornotizen.

Tageskalender für Mtlwoch.

Stadttheater: 19.30 bis 21.45 UhrHochzeitsreise ohne Mann". - Gloria-Palast, Seltersweg:Wie­ner Geschichten". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Fräulein Frau".

Sladtthealer Gießen.

Heute wird als zweite Vorstellung der Lusffpiel- reihe in der Dorspielzeit Hochzeitsreise ohne Mann" von Leo Lenz aufgefuhrt. Spielleltung: Hans Albert Schewe. Bühnenbild: Karl Löffler. Es wirken mit: Hannelore Hinkel, Hilde Kneip, Walter Erler, Hans Geißler, Hans Albert (Sterne, Karl Dolck. Vorstellung für die Mittwoch-Mieter. Die Ehrenkarten der Mittwoch-Mieter haben Gültigkeit.

Ortszeit für den 12. September.

Sonnenaufgang 6.55 Uhr, Sonnenuntergang 19.47 Uhr. Monduntergang 2.19 Uhr, Mondaufgang 17.46 Uhr. ________

Blutvergiftung

kann nicht nur Bel großen, sondern schon bei ganz geringfügig erscheinenden Wunden durch Infek­tion entstehen und die bekannten schwerwiegend den Folgen nach sich ziehen. Deshalb soll man auch kleine Verletzungen, wie sie so häufig rm Haushalt, im Beruf oder beim Sport durch Schnitte, Stiche, Risse, Visse und dergleichen ver­ursacht werden, nicht unbeachtet lassen, sondern sie sofort mit der bewährten Sepso-Tinktur des­infizieren. Sepso-Tinktur, die wie Jod-Tinktur desinfiziert und genau so angewandt wird, tötet die in die Wunde eindringenden Bakterien und verhindert Entzündungen. Sie erhalten das Präparat in allen Apotheken und Drogerien zu niedrigen Preisen in Flaschen verschiedener Größe sowie in Tupfröhrchen zu RM.,49, die bequem mitzuführen und besonders auch für ditz Hausapotheke zu empfehlen sind.__

Fettverbilligung für Minderbemittelte.

Die von der Reichsregierung zur Verbilligung der Speisefette für die minderbemittelte Bevölke­rung getroffenen Maßnahmen werden für die Mo­nate Oktober, November und Dezember 1940 mei- tergeführt.

7. Oktober 1940:Paganini", Operette von Franz Lehär. 28. Oktober:Kätchen von Hellbronn", Schauspiel von Kleist. 11. November:Der Ver­schwender", Lustspiel von Raimund. 16. Januar 1941:Der Vogelhändler", Operette von Zeller. 6. Februar:Schwarzer Peter", Oper von Schultze. Schauspiel von Kleist. 2. November:Der Barbier 17. Februar:Marsch der Veteranen", Schauspiel von Sevilla", Oper von Rossini. 16. November: von Bethge. 13. März:Scampolo Lustspiel von Der Verschwender", Lustspiel von Raimund. Niccodemi. 5. Mai:Lohengrin', Oper von Rich. 7. Dezember:Dr. med. Hiob Praetorius", Lustspiel1 Wagner.