Ausgabe 
11.9.1940
 
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IW. Jahrgang Nr. 215

Mittwoch, N. September 1940

Gießener Anzeiger

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planmäßiger britischer Aachtangriff aus nichtmilitarische Ziele der Reichshauplsiadl. Bomben auf Innenstadt und Westen. Nationale Denkmäler, Krankenhäuser, Hotels und Wohnhäuser getroffen.

Berlin, 11. Sept (DNB.-Funkspruch.) 3n der vergangenen Nacht belegten die Engländer wieder­um nichtmilitärische Ziele in Nord­frankreich, Belgien und im Reich mit Bomben. Der Schwerpunkt ihres Einsatzes lag da­bei auf Belgien und der Reichshauptstadt. 3n Bet- 1 i n wurden Bomben in größerer Menge bei mond­heller Nacht wiederum wie bisher auf einwand­frei nichtmilitärische Ziele in der 3 n- nenstadt und im Westen abgeworfen. Ls entstanden zahlreiche Brand st eilen und Sprengschäden, besonders in einigen Kran­kenhäusern, Hotels, ferner Gebäuden, die welt­bekannte nationale Denkmäler und Symbole darslellen, Geschoß- und Wohnvierteln.

terhältigen Ueberfalles lassen erkennen, daß ein höherer Befehl sie zu diesem Angriff auf Leben und Eigentum der Zivilbevöl­kerung angehalten hat. In ihrer Ohnmacht, mi­litärische Objekte oder industrielle und lebenswich­tige Anlagen ernstlich zu treffen, verfallen sie im­mer wieder auf diese teuflische Methode, die al­lein in den letzten Monaten und unter unseren Kindern 78 Todesopfer for­derte. Das Maß ist voll. Wir haben diesen Krieg nicht gewollt, und immer wieder hat der Führer versucht, auf friedlichem Wege den Konflikt beizu­legen. Immer war es England, das gewissenlos, auf seine gedungenen Helfershelfer bauend, jede friedliche Einigung zum Scheitern brachte. Jetzt hat es denKrieg, den es haben wollte.

jetzt bekommt es das deutsche Schwert in seiner ganzen Schärfe zu spüren.

Britische Flieger als Grabschänder.

Hamburg, 10. Sept. (DNB.) Im Weichbild der Hansestadt erstreckt sich über ein Gebiet von 400 Hektar der Ohlsdorfer Friedhof, der in der ganzen Welt berühmte größte Friedhof Europas. Er ist, obwohl als solcher weichin erkennbar, nachts durch Churchills Luftpiraten mit Bomben bewor- f e n worden. Mit ihm in der gleichen Nacht ein kleiner Kirchhof in Altona. Bier Sprengbomben haben große Trichter gerissen. Zwei der Bomben sind über dem Urnenfriedhof niedergegangen' und haben die Urnen mit den Aschenresten und die schweren Grabplatten weit weggeschleudert. Die beiden anderen haben ihr Zerstörungswerk an Reihengräbern nicht weit von den 300 Grab­hügeln gefallener englischer Soldaten aus dem gro­ßen Kriege angerichtet. Ringsum zerstreut liegen zerschlagene Und zersprengte Grabsteine, zerstörte Bäume, ausgerissenes Strauchwerk. Fürwahr ein Heldenstück der britischenKulturnation", das sich anderen Untaten würdig anreiht. Auch diese Gräber werden an den Missetätern von jenseits des Kanals gerächt werden.

Die entstandenen Dachstuhlbrände wurden schnell gelöscht. Eine Reihe von wertvollen Kunstgegen­ständen sowie mehrere Wohnungseinrichtungen und Einrichtungen von Krankenhäusern wurden ver­nichtet. Verschiedene Gebäude erhielten starken Wauerschaden. An mehreren Häusern sind Wände eingedrückt, an anderen droht Einsturzgefahr, so daß ganze Straßenzüge im 3nnem der Stadt geräumt werden mußten. Fünf Tote sowie mehrere Schwer- und Leichtverletzte sind zu beklagen. Dank dem disziplinierten Verhalten der Berliner Bevölkerung wurde verhindert, daß die vielen Brand- und Sprengbomben nicht noch grö­ßeren Personenschaden anrichteten. Zwei Flug­zeuge wurden abgeschossen, davon eines durch Flak, ein anderes durch Nachtjäger.

Der feige Lleberfall auf die Berliner Innenstadt.

Militärische Objekte systematisch vermieden

Berlin, 11. Sept. (DNB. Funkspruch.) Wieder­um haben die englischen Luftpiraten i n d e r Nacht zum Mittwoch- in hinterhältigster Weise Spreng - und Brandbomben über Ber­lin abgeworfen. Wenn wirklich hier und da noch Zweifel über die Heimtücke der englischen Flieger be­standen haben sollten, so wurden diese in der letzten Nacht restlos zerstreut. In diesen Angriffen, wie wir sie in den ersten Morgenstunden des Mittwoch erlebten, liegt System, ein System, das für sich in Anspruch nehmen kann, typisch englisch zu sein. Ge­radezu unter Vermeidung jedes militä­rischen oder industriellen Zieles haben die britischen Flieger in dieser Nacht bei k l a r - st em Wetter aus niedriger Höhe ihre Bombenlast ausschließlich in die Wohn­viertel und auf nationale Denkmäler der Innenstadt geworfen.

Die nächtlichen Piraten warfen zunächst bei ihrem Einflug eine große Anzahl von L e u ch t b o m b e n , die die von ihnen angeflogenen Ziele stark erhellten. Das Bombardement begann dann über dem Pariser Platz, wo das Brandenburger Tor, die Akademie der Künste, die dicht neben der amerikanischen Botschaft liegt, sowie die kleine Polizeiwache getroffen, jedoch glücklicherweise nur leicht beschädigt wurden. Das wenige Schritte von hier entfernte, weit über Deutschland bekannte Hausdes Vereinsdeutsche rJn- genieure sowie das Reichstagsgebäude erhielten Treffer von Brandbomben. Wenn in allen diesen Fällen größerer Schaden verhütet und die Brände schnell gelöscht werden konnten, so ist das dem schnellen Einsatz der guten Organisation des Sicherheits- und Hilfsdienstes sowie des Luftschutzes zu verdanken. Unweit der Siegessäule gingen mehrere Sprengbomben nieder, die jedoch nur an einer Stelle das Straßenpflaster der Ost-West-Achse aufrissen, im übrigen in den Anlagen des Tier­gartens ausschlugen.

Alle diese Ziele beweisen, daß man nut dem An­griff auf nationale Denkmäler und Symbole, Die in der Welt bekannt sind, das deutsche Volk treffen wollte. In weitem Umkreis gibt es hier keine industriellen oder militärischen Anlagen. Oder wollen die Piraten des Herrn Churchill etwa behaupten, daß die kleine Polizei­wache mit ihren drei oder vier Beamten tm Nacht­dienst ein militärisches Ziel ist? Wollen sie etwa die Welt glauben machen, daß die A k a d e m i e d e r Künste, in der Künstler des In- und Auslandes ihre Werke ausstellen, daß die Siegessäule oder das Reichstags-gebäude lebenswichtige Anlagen sind t

Die zweite Serie von Spreng- und Brandbomben wurde ebenfalls nach dem Herablassen zahlreicher Leuchtbomben über das Wohnviertel rings um das St.- Petri-Krankenhaus abgeworfen. In diesem Krankenhaus, forme m einem im gleichen Bezirk liegenden Al t e rs hei m und in einer Schule entfachten die Brandbomben Schadenfeuer. Auch hier kann man weit unö breit umhergehen, ohne auch nur einen einzigen Punkt zu finden. Der Anspruch auf militärische oder industrielle Bedeutung erheben konnte Sprengbom­ben, die in den kleinen Straßen Der arbeitenden Be- völkerung nieb ergingen, zerstörten d-e W ° Y - nunqen und brachten viele dieser Volksgenossen um ihr Heim. Wenn, wie hier, nur wenige Opfer zu beklagen sind, so ist das darauf zuruckzufuh en daß die Bevölkerung die Maßnahmen des Luft schuhes stE wnehielt.^ betroffntn Gebitt- laßt eindeutig und zweifellos erkennen, daß die Engländer hier nach einem ganz bestimmten Plan gehandelt haben. Die Umstände des gemeinen hin-

Die Bombenangriffe auf England gehen Meiler.

Aufklärungsflüge erweisen die bisher erzielten Wirkungen.

Berlin, 11. Sept. (DNB.Funkspruch.) Deutsche Kampsfliegerverbände griffen am 10. Septem­ber und in Der Nächt zum 11. Septem­ber wiederum eine Reihe von militärischen und kriegswichtigen Zielen in England an. Der Schwer­punkt Der Einsätze lag dabei auf London, wo 3ndustriezentren und kriegswichtige Anlagen er­folgreich mit Bomben belegt wurden. Am 10. September wurde in der britischen Hauptstadt bereits bis 22 Uhr sechsmal Fliegeralarm gegeben, also noch bevor die deutschen Nachtangriffe voll eingesetzt hatten. 3m Laufe des Tages wurden im übrigen ausgedehnte A u f k l ä r u n g s f l ü g e durchgeführt, die wertvolle Lrkundungser- gebniffe über die bisher erzielten Wirkungen und über neue Angriffsziele brachten.

Der Wehrmachksbericht vom Dienstag.

Berlin, 10. Sept. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Britische Flugzeuge warfen auch in der letzten Nacht in Norddeut sch land Bomben auf Orte, die weitab von jeglichen militärischen Zielen liegen. 3n Berlin sowie in anderen Städten wurden ein­zelne Wohnhäuser mehr oder weniger stark be­schädigt.

Deutsche Kampf- und 3agbfliegeroerbänbe setzten ihre rollenden Vergeltungsangriffe gegen kriegswichtige Ziele der britischen Haupt-

st a d t weiter fort. Soweit es die Wetterlage zuließ, wurden Hafen- und Dockanlagen, Gasanstalten, Wasser- und Elektrizitätswerke sowie Speicher uno Grohöllager mit Bomben aller Kaliber belegt. Weit- h i n sichtbare Brände wiesen unseren Flie­gerverbänden den Weg. Weitere Luftangriffe trafen einige Hafenanlagen an der 2D e ff f ü ft e Eng­lands und an der Ostküste Schottlands.

Die Verluste des Gegners betrugen gestern 4 4 Flugzeuge. Davon wurden zwei durch Flak, 1 durch Marineartillerie, die übrigen in Cufftämpren abgeschossen. 21 eigene Flugzeuge werden vermißt.

3n unsichtigem Wetter näherten sich in der Nacht zum 10. September einige leichte feindliche Kriegs­fahrzeuge der französischen K ü ft e und feuer­ten planlos mehrere Salven, die im Hinterland ein­schlugen, ohne Schaden anzurichten. Der Feind wurde durch das Feuer unserer lUarineartiöerie vertrieben.

Ein U-Boot unter Führung des Kapitänleutnants Prien, von dem am 8. September bereits ein Teilergebnis von 33 400 BRT. gemeldet worden ist, hat auf einer Unternehmung insgesamt 6 be­waffnete feindliche Handelsschiffe mit 40250 BRT. versenkt. Lin weiterer Dampfer wurde beschädigt.

Ein anderes U-Boot vernichtete mehrere bewaffnete feindliche Handelsschiffe mit insgesamt 15 500 BRT. Ein deutscher Hilfs­kreuzer hat einen neutralen Dampfer in dem von Deutschland erklärten Sperrgebiet um die britischen 3nseln aufgebracht.

Ein britischer Geleiizng von deutschen Küstenbatterien zersprengt. Britische Batterie bei Dover von Iernkampsgeschützen zum Schweigen gebracht'

Berlin, 10. Sept. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Am 9. September in den Abendstunden wurde ein britischer Geleit; ug, aus Dover aus­laufend, von deutschen Küstenbatterien unter Feuer genommen. Der Geleitzug wurde versprengt. Vier Schiffe fuhren nach Dover, zwei nach Deal zurück. Dorthin wurde auch ein beschädigter Dampfer abgeschleppt. Das achte Schiff des Geleitzuges blieb unter starker Rauchentwicklung liegen. Das Schießen wurde der Dunkelheit wegen um 20.40 Uhr abgebrochen. Eine Stunde später nahmen unsere Fernkampfgeschühe eine britische Batterie bei Dover unter Feuer. Diese Batterie hatte um 20.30 Uhr versucht, das Feuer unserer Batterien auf den Geleitzug zu er­widern. Sie wurde in fast zweistündigem Kampf 5 um Schweigen gebracht.

Wacht am tianal.

Von Kriegsberichter Gustav Schütt.

11. Sept. (PK.) (DNB. Funkspruch.) lieber dem englischen Kanal liegt eine leichte Dunst - und N e b e l s ch i ch t. Die grünschillernde See zeigt viele, viele kleine Schaumkronen, und an der Küste bläst der Wind einem heftig seinen Atem ins Ge­sicht. Und der Wind ist es auch, Der dann plötzlich den Dunstschleier und die Nebelfetzen von dem Ka­nal vertreibt und Die englische Steilküste auf Der anDeren Seite Der Straße von Dover fein säuberlich vor uns aufbaut.

Der Tommy scheint mit diesem Wetter nicht ge­rechnet zu haben, denn mit den scharfen Gläsern können hart an der englischen Küste plötzlich acht Dampfer ausgemacht werden. Die aus Dem Hafen von Dover auslaufen. Auf Dem Hauptleitstand Der Marine-Artillerie an Der norDfranzösischen Küste stehen Die Arttllerie-Offiziere über Die Karte gebeugt, tragen Die Beobachtungen laufend ein, messen Die Entfernungen und verfolgen den Kurs Der Dampfer an Der britischen Küste.

Feuererlaubnis! An allen Ecken und En- Den ist es plötzlich lebendig geworden. Hinter uns, wo man noch eben nichts sah, heben sich jetzt lang­

sam Die langen Geschützrohre steil gegen Den Him­mel. Die weittragenden Geschütze sind feuerbe­reit! Noch einmal werden Die Dampfer angepeilt. Der größte Dampfer wird natürlich zuerst aufs Ziel genommen. Erste Salve! Donnernd krachen die Schüsse aus den Rohren, und Die Geschosse sausen pfeifend über uns hinweg. Vor Den Geschützrohren hängen Die dunklen Qualmwolken Der Pulvergase. Gespannt blicken auf Dem Leitstand alle durch Die Gläser. Deutlich heben sich Die britischen Dampfer gegen Die helle Steilküste ab. Einige Sekunden Des Wartens! Aufschläge! Hohe Wassersäulen, Die gegen die weiße Kreideküste Dunkel abstechen! Zu kurz. Kurs vier rechts!" gibt der Batteriechef Die Ver­besserung durch Die Befehlsübermittlung an Die Ge­schütze. Zweite Salve! Wieder sausen Die Granaten nach England hinüber! Die Schüsse liegen am Ziel! Die Dampfer sind im Augenblick nicht so deutlich zu erkennen. Weitere Salven! Links und rechts von den Dampfern schlagen die Geschosse ein. Der Geleitzug quetscht sich noch weiter an Die Küste heran und wird, zersprengt. Wieder Auf­schläge! Zwei Aufschläge können nicht ausgemacht werden! Einige Ziele erscheinen im Glas verwischt! Ein Dampfer bleibt unter starker Rauchentwicklung liegen. Die anderen flüchten nach Dover und einen anderen Hafen zurück.

Da die hereinbrechende Dunkelheit weiteres Schie­ßen nicht erlaubt, wird das Feuer eingestellt! Der Tommy aber muß wissen, daß vor seiner eige­nen K ü st e für seine Schiffe zu Der Bedrohung durch Die deutsche Luftwaffe, die U-Boote, Schnell­boote und durch Die deutschen Minen eine neue Ge­fahr, nämlich Die Granaten Der schweren deutschen Küstengeschütze gekommen sind, die es nicht zulassen, daß brittsche Schiffe ihre Häfen am Kanal verlassen.

Londons Bevölkerung kommt nicht mehr zum Arbeiten.

Kopenhagen, 11. September. (Europapreß.) Die Kopenhagener Abendblätter schreiben von neuen heftigen Angriffen auf London in der Nacht zum Dienstag, wobei weitere Zerstörungen angerichtet worden seien. London befinde sich nun fast unun=

Oer peiroleumkrieg im Nahen Osten.

Der italienische Angriff auf Die englische Petto- leumversorgung, d. h. die Bombardierung von Haifa, das teilweise in Flammen steht, ist ein Ereignis von allergrößter Bedeutung. Dieser Angriff kann zwar Die Gesamtlage Des Krieges nicht von heute auf morgen Umstürzen, aber auf Die Dauer muß er nicht nur für Den ganzen Raum im Umkreis des Suezkanals und von Aegypten entscheidend sein, sondern auch Die britische Krieg­führung im Mittelmeer in Frage stellen. Denn ohne das aus Mosful fließende Petroleum werden Die englischen Kriegsschiffe nach Erschöpfung Der be­stehenden Laaer, die nicht mehr erneuert werden können, ebenso hilflos, wie die zahlreichen Pan­zerwagen und der gesamte Wagenpark Der in hohem Maße motorisierten englischen Truppen in Aegyp­ten und die dort stationierte Luftwaffe. Da Die nördliche Der beiden Oellinien für England aus­scheidet, weil sie auf französischem Gebiete (Syrien) mündet, so hängt in Der Tat Die Kriegschance Eng­lands in Nordafrika und im Sudan von Der in Haifa mündenden großen Pipe-Line ab. Die Meldungen über das Bombardement in Haifa besagen, daß auch Die Reserveanlagen in Flammen standen und daß die Leitung selbst für mehrere Tage abgestellt wer­den mußte. Zudem sind Die Raffinerien zerstört.

Diese Petroleumleitung nach Haifa hat ihre Ge­schichte. Nachdem 1925 nach schwierigen Verhand­lungen die Frage der staatlichen Zugehörigkeit des Mossulgebietes dahin bereinigt worden war, daß die Türkei zu Gunsten des Irak auf jene ölhaltige Gegend verzichtet hatte, wurde die Jrak-Petroleum- gesellschaft gegründet. Um den englischen und fran­zösischen Ansprüchen gerecht zu werden, verfiel man auf Den Gedanken, in zwei übereinander laufenden Röhrenleitungen von Kirkuk, südöstlich von Mossul und nördlich von Bagdad, Das gewonnene Oel nach dem französischen Mandatsgebiet Syrien und zwei­tens nach Dem Hafen von Haifa, das unter briti­schem Mandat steht, fließen zu lassen. Die technischen Arbeiten waren schwierig und nahmen viel Zeit in Anspruch. Erst im Juli 1934 konnte das erste Oel durch die Leitung Durchgepumpt werden. Die feier­liche öffentliche Einweihung Der Pipe-Line fand erst im Januar 1935 statt. Die Kosten Des Baues beliefen sich auf rund 15,5 Millionen Pfund Ster­ling.

Die Leitung beginnt beim Bergrücken Baba Gur­gur bei Kirkuk, wo 14 reiche Oelquellen Die Rohre speisen, sie wurde in zwei Strängen bis Haditha am rechten Ufer des Euphrat geführt. Hier teilt sich

terbrochen im Alarmzuftand, heißt es imBer- lingske Aftenavis". Nach Den Darstellungen Der Kopenhagener Presse vom Dienstagfrüh haben die deutschen Angriffe auf London in der Nacht zum Montag einenneuen Höhepunkt" erreicht.Natio­nal tid ende" erfährt über Neuyork aus London, ge­gen elf Millionen Menschen in der eng­lischen Hauptstadt und ihrer Umgebung hätten sich fast zehn Stunden lang in Den Luft­schutzkellern aufhalten müssen. Das Blatt ver- gleicht Diese konzenttischen Aktionen mit Dem Trom­melfeuer im Weltkrieg, dessen Zweck es damals wie heute fei, das Angriffszielsturmreif" zu ma­chen.Socialdemokraten" läßt sich berichten, daß mehr als ein Drittel der Londoner Arbeiter ihrer Beschäftigung am Montag nicht nachgehen konnte, weil ihre Arbeitsplätze zerstört find oder in Der Sperr- und Brandzone liegen. Auch die Ar­beiter Der meisten Docks hätten vorläufig ihre Be- fchäfttgung einstellen müssen, Da ein Aufenthalt in dem gefährdeten Hafengebiet untersagt worden sei. Es müsse angenommen werden, Daß riesige Vor­räte an Lebensrnitteln und Rohstoffen im östlichen Hafengebiet Londons durch Bomben und Brände vernichtet worden seien.

Gotteshäuser, das Ziel britischer Luftpiraten.

Englische Flieger, die über deutsches Reichsgebiet ein- flogen und den Versuch machten, ihre Bomben ttotz deutscher Gegenwehr auf nichtmilitärische Ziele im Westen und Nordwesten abzuwerfen, hatten mit einigen Einheiten Die Gegend von Hamm erreicht. Dabei warfen englische Flugzeuge Bomben auf D i e Liebfrauenkirche in Hamm. Unser Bild zeigt einen Teil Der Zerstörungen, Die an der Liebfrauen­kirche angerichtet wurden. (Scherl-BilDerdienst-M.)