Nr. 162 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeigrr für Oberhesten)
Donnerstag, 11 Juli 1940
Aus dem Reiche der Krau
HOCHSOMMER
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Denken Sie jetzt daran, Jür den Winter einen größeren Vorrat Opekta-Marmelade za schaffen!
in 10#*w*te*i wüt Opekta
2 kg Zucker zum Kochen bringen. Hierauf 10 Minuten stark durchkochen, dann eine Normalflasche Opekta zu 78 Pfg. hinzurühren und in Gläser füllen. — Ausführliche Rezepte sind bei Jeder Flasche.
Einheitliches Marmeladen-Rezept: 2 kg Sauerkirschen, Pfirsiche, Aprikosen, Stachelbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Pflaumen, Zwetschgen usw. — einzeln oder in beliebiger Mischung — sehr gut zerkleinern und mit
Ein anderer Weg bei der Erziehung zur Wahrhaftigkeit ist der nie erlahmende Versuch der Mutter, das Vertrauen ihres Kindes bis in das kleinste hinein für sich zu gewinnen. „Erzähle mir, wenn Du etwas angerichtet hast, denn du willst mich ja nicht betrüben." Kinder, die in einem besonders liebevollen Verhältnis zur Mutter stehen, wird es von einer schlechten Tat abhalten, weil es ihnen selbst zuviel Kummer macht, die Liebe der Mutter zu verlieren.
Hat außerdem das Kind den Eindruck, daß es sinnlos ist, der Mutter irgend etwas zu verschweigen, aus der Erfahrung heraus, daß sie es ja doch erfährt, dann wird es schwindeln überhaupt für zwecklos halten. Aber solch ständiges Nachkontrollieren der kindlichen Erzählungen ist eine mühevolle, zeitraubende Sache. Und doch darf die Mutter nicht darauf verzichten. M'. Dihberg-Bang.
Kirschenstrudel: 375 Gramm Mehl, 1 Ei, Salz, etwa Vs Liter lauwarme Milch, 750 Gramm Sauerkirschen, Semmelbrösel, Milch zum Bestreichen, Zucker nach Geschmack. Mehl auf ein Brett sieben, in die Mitte das mit Flüssigkeit und Salz verquirlte Ei geben und alles von der Mitte aus zu einem elastischen Strudelteig verarbeiten, den man mit einer Schüssel bedeckt V2 Stunde ruhen läßt. Dann rollt man den Teig dünn aus, gibt darauf die entsteinten abgetropften Sauerkirschen, die man mit dem Zucker und Stoßbrot vermischt hat. Der Strudel wird zusammengerollt, mit Milch oder Wasser bestrichen und auf einem gefetteten Blech hellbraun gebacken.
Quarkpfannkuchen: 500 Gramm Quark, 500 Gramm Mehl, Zucker, 1 Ei, 1 bis IV2 Päckchen Backpulver, etwas ab geriebene Zitronenschale, Fett. Alle Zutaten zu einem Teig verarbeiten und in der Pfanne backen.
Göttertrank: Man quirlt Buttermilch und Dickmilch zu gleichen Teilen zusammen, gibt fein geriebenes Vollkornbrot darunter, süßt mit Zucker und Vanillezucker und stellt den Trunk kalt.
und der gezogenen Mittelbahn. Am Halse bildet ein schmales Röllchen den Abschluß, die Taille markiert stark ein breiter Gürtel aus farblich passendem Ripsband mit großer Schnalle.
Das Kleid mit den P l i s s ä t e i l e n an Aermeln, der Bluse und dem durchaus plissierten Rock ist ebenfalls aus fleingemu Retter Seide. Es wird vorne mit Perlmutter knöpfen geschlossen, — ein dunkles, zur Schleife gebundenes Samtband ist fein Gürtel. H.
as sollen wir tragen?
PRAKTISCHE VORSCH LAGE UNSERES M ODE ZEICHNERS
Jetzt ist Kirschenzeit.
Kirschen auch ohne Zucker einmachen.
Reife Sauerkirschen mit kurzgeschnittenem Stiel waschen, abtropfen, und in weithalsige Flaschen füllen, die keimfrei gemacht wurden, abgekochtes, kaltes Wasser darauf geben, mit keimfreien Korken und Lackoerschluß schließen, kühl, dunkel und liegend aufheben. Dor Gebrauch Saft abgießen, Früchte einige Stunden zuckern, dann Saft zugeben. Statt Korken: dreifach glasklare Einmachhaut über keimfrei gemachtes Leinen- oder Nesselläppchen spannen, fest zubinden, stehend ausheben.
Reife Schwarzkirschen waschen, entstielen, ganz oder entfernt in weithalsige Flaschen legen, etwas abgekochtes, kaltes Wasser auffüllen, drei Finger breit Rand freilassen, nach Vorschrift der Packung mit „Sterilophan" zubinden und wie üblich im Sterilisierapparat 25 Minuten bei 80 Grad zwischen Heu oder Tüchern sterilisieren. Wenn man weichalsige Patentflaschen (Süßmoststerilisler- flaschen) verwendet, so kann der Glasdeckel ghne Gummiring auf die Flasche gelegt werden und danach das Zubinden mit „Sterilophan" erfolgen.
Schwarze Kirschen in gewöhnlichen Flaschen sterilisieren. Flaschen, die vonv Hersteller nicht zurückgenommen werden, feimfrei machen, entfernte Kirschen einfüllen, abgefochtes, faltes Wasser bis drei Finger breit vom Rande frei auffüllen, mit sauberen Händen von Verbandwatte zwei Finger breite Streifen schneiden (Schere feimfrei machen!), fest zu Wattestopfen rollen, m die Flaschen so fest eindrehen, daß sie an der Wagt hochgehoben werden, unter Druck der Gläserflam- mern oder unter besonderen Flaschenflammern im Sterilisierapparat 20 Minuten bei 80 Grad sterilisieren. Bei Flaschen von Weinflaschendicke erhöht sich die Zeit um zehn Minuten auf 30 Minuten Kochzeit. Nach dem Herausheben zweckmäßig einen Ueberzug von glasflarer Einmachhaut überbinden, damit Unberufene nicht am Wattestopfen ziehen und dann die Haltbarfeit gefährden. Flaschen stehend, dunfel und kühl aufheben. Bei Gebrauch mit gebogenem Draht die Früchte herausziehen.
Schwarzkirschenlatwerge. Ueberreife Schwarzkirschen fernen oder auffochen und durchschlagen. Bei mäßigem Feuer ständig rühren, bis ein „Latwerge" breit und schwer vom Löffel fällt, der genau wie Zwetschenlatwerge aufbewahrt wird. Er ist von hervorragendem Geschmack und im Haushalt ganz besonders vorteilhaft. Wenn die Kirschen von Maden befallen sind: Kirschen von den Stielen reißen, damit die Maden beunruhigt werden, kurze Zeit in Salzwasser legen, damit die Maden herauskommen und oben abqeschöpft werden können, dann Kirschen in klarem Wasser rasch waschen und völlig abgetropft trocknen lassen. Der geringe Saftverlust steht in keinem Verhältnis zu dem Vorteil, durch dieses Verfahren madige Früchte madenfrei zu ma* chen. ...
Sauerkirschen in Johannisbeersaft eingemacht. Reife Sauerkirschen entsteinen und ganz schwach zuckern. Heber Nacht im Steintopf zu- gedeckt kühlstellen. Auf jedes Kilogramm entfernter Kirschen Vs Liter frisch eingekochter oder vorjähn- ger Johannisbeersaft mischen, einige Male zusammen auffochen, heiß in keimfreie, enge Gläser füllen mit „Sterilophan" nach Vorschrift der Packung zubinden und 20 Minuten bei 75 Grad sterilisieren.
Leichte, elegante Sommerkleider haben mir heute skizziert.
Das Kleid in d e r Mitte mit dem reich- gezogenen Blusenteil, und ebensolchem Rock an glattem 3Ri eher teil ist aus dünner Seide mit Fleinern Bla11rnuster. Die großen Bl u m en am Gürtel und am großen Strohhut sind farblich zum Kleide abgestimmt. .
Aus weicher, getupfter Seide ist das K le i d l i n k s mit den w e i t e n , unten in schmalen Bündchen zusammengehaltenen Aermeln, der Passe
GesunderSpott-demMckelkmd
Der Moment der ersten selbständigen Schritte ist - sowohl für das Kind wie für die Mutter ein großes Ereignis. Mit diesem Augenblick hat es bewiesen, 1 daß es lebenstüchtig ist'und sich Helsen kann. Aber gerade bei diesen ersten Schritten lauern die größten ' Gefahren. Aber fast ebenso'schlimm wie die Unfälle, denen ein Kleines bei seinem Herumturnen ausgesetzt ist, ist eine falsche Behandlung des Kindes in dieser Zeit, sie kann ebenso schwerwiegende Folgen haben: Verkrüppelung, Rückgratverkrümmung und Krummbeinigkeit. Es kommt ja bei einem so kleinen Wesen nicht auf das Laufen allein an; ob es spater oder früh dazu neigt, ist kein Gradmesser für das Wohlbefinden des Kindes, und es ist grundfalsch, em spät laufendes Kind durch Anwendung aller möglichen mechanischen Mittel zum Laufen antreiben zu wollen. Man soll Kinder durchaus so lange kriechen lassen, wie sie wollen, denn das ist für die Stärkung ihrer Glieder das beste. Dor einem Jahr sollten die Kinder nicht laufen lernen, nur ausnahmsweise sehr kräftigen Kindern sei dieses gestattet, die meisten lernen es mit anderthalb Jahren, und das ist gerade der richtige Zeitpunkt.
Solange das Kind noch ganz Hem ist und zu keinen 'größeren selbständigen Ausflügen neigt, die Gefahr bringen können, genügt es, wenn es im warmen Zimmer nur mit dem Hemdchen bekleidet auf einem Bett oder mit sauberen Tüchern bedeckten Sofa liegt und dort seine beliebte Säuglingsakrobatik übt.
Diese Akrobatik aber kann durch bestimmte Uebun- gen in ihrer stärkenden und fördernden Wirkung noch vermehrt werden, besonders, wenn das Kind von sich aus wenig Bewegungsfreude zeigt. Es find leichte Gymnastikübungen, bei denen die Mutter der aktive, das Kleine der passive Teil ist. Aber auch dies einfache Training will verstanden und persönlich durchgeführt sein. In unseren Säuglingsheimen, in der Mütterberatung, beim Arzt, kann die junge Mutter sich die richtigen Griffe, das Rollen und Strecken, Spabnen und Kreisen des kleinen Körpers zeigen lassen. Wie wohltätig dies Turnen ist, beweist die Vorliebe des Kleinkindes dafür,, wenn es auch für den Uneingeweihten fast roh aussieht, wenn solch winziges Wesen, mit dem Kopf nach unten hängend, durch die Luft geschwenkt wird. Aber das lustige Krähen der hilflosen Akrobaten verrät ihr inniges Wohlgefühl. Gertrud Abel.
„Bem Kind hat gelogen!"
„Mein Kind hat gelogen!" Ganz entsetzt steht die junge Mutter vor dieser Erkenntnis. Sie kann das Schreckliche gar nicht fassen. Es ist ihr ganz unerklärlich, daß besonders dadurch, daß sie ja weiß, Vater und Mutter hassen beide das Lügen.
Nun, so schlimm ist diese Entdeckung nicht, wenn sie auch durchaus nicht erfreulich ist. Aber es ist noch lange kein Anlaß dazu, daß man von einer „hoffnungslos verbrecherischen Veranlagung" sprich. Kinder lügen nämlich alle einmal. Und wenn sich die Mutter noch ihrer eigenen Kindheit entsinnt, wird ihr sogar einfallen, daß auch sie einmal gelogen hat und dafür bestraft worden ist. Diese Tatsache sollte die Mutter davor schützen, die erste Lüge ihres Kindes für das große Unglück ihres Lebens zu halten. Es ist lediglich ein Warungszeichen dafür, daß sich die Mutter ernsthaft damit beschäftigen
immer so, daß die Mutter auch gleich bei der er= ten Lüge ertappt — werden leicht noch verstockter. Nein, die Lüge muß dem Kind als etwas so Schreckliches, so Unerträgliches erscheinen, daß es tatsächlich keine Ruhe sindet.
Kinder, die zum Lügen neigen, muß die Mutter aber auch vor allzu vielen Gelegenheiten, wieder in ihren Fehler zu verfallen, schützen. Da heißt es also, fragen und immer wieder fragen, so daß sich niemals ein Kind damit ausreden kann: „Du haft ja nur gefragt, ob wir heute -Diktat geschrieben haben, nicht aber nach der Rechenarbettl" Ist die Mutter unerschütterlich hinter all den kleinen Lebensgewohnheiten ihres Kindes hinterher, dann hat es gar keine Gelegenheit mehr zu lügen. Sollte also wirklich zuerst ein Hang dazu vorhanden gewesen sein, so wird er sich auf diese Weise von allein verlieren.
Die Kartei der Hausfrau.
Vielleicht wird der Ehemann lächeln, wenn er sieht, daß seine Frau sich für die Haushaltsführung eine Kartei anlegt, als ob sie ein Büro begründen wolle. Aber die praktische Frau, die es satt hat, in den verschiedenen Notizbüchern, Schachteln, Büchern und Schubladen nach Adressen, Rezepten, Telefonnummern, Ratschlägen, Verabredungen und anderem Merkenswerten herumzusuchen, wird es vorziehen, sich einen Zettelkasten einzurichten, nach dem Alphabet geordnet, seine Abteilungen für alles, was die Hausfrau angeht, erhält.
Wer sich nicht einen fertig eingerichtete Kasten mit Zetteln kaufen will, kann ihn sich selbst aus einer Zigarrenkiste Herstellen. Für die Zettel verwendet man Kartonblätter in Postkartengröße, die quer gestellt eingeordnet werden. Als Ueberschrift wird das Stichwort genommen: „Rezepte" ober „Anschriften" oder „Praktische Ratschläge" (die immer so unter- richtend zu lesen sind und dann immer verlegt werden!) oder was die Hausfrau sonst angeht. Farbige Reiterchen oder angeklebte Zettelchen mit dem Kennwort erleichtern die Hebersicht der kleinen Kartei, die bei gewissenhafter Benutzung bald zu ansehnlichem Umfang wachsen und die Frau in ihren tausend verschiedenen kleinen Alltagsarbeiten gewissenhaft unterstützen wird.
Hier merken wir uns die Geburtstage, die wir nicht mehr in alten, verlegten Kalendern suchen müssen. Hier haben wir den Zettel mit den Anschriften, die den Haushalt angehen (Arzt, Apotheke, Kohlenlieferant, Elektriker usw.). Diese Kartei zusammen mit einem regelrecht geführten Terminkalender (tägliche Arbeit vielleicht 5 Minuten) sind das automatische Gedächtnis der Hausfrau, das in seiner zuverlässigen Arbeit ungemein beruhigend wirkt und die gute Laune beträchtlich verbessern kann.
E. Sch.
Rezepte.
Stachelbeerauflauf: 750 Gramm Stachelbeeren, 175 bis 200 Gramm Zucker oder Süßstoff, 500 Gramm selbstgemachte Nudeln, Vr Liter dicke saure Milch, 1 Ei, etwas Vanillezucker, 10 Gramm Kartoffelmehl, ab geriebene Zitronenschale. Die Stachelbeeren werden geputzt und zu Kompott gekocht, gesüßt und abgekühlt. Die Nudeln werden in reichlich Salzwasser gekocht und abgeschreckt. Eine Backpfanne wird mit Fett bestrichen, die Halste der Nudeln hineingetan, dann das mit dem Sieblöffel vom Saft gehobene Stachelbeerkompott, obenauf werden wieder Nudeln gefüllt. Die Sauermilch wird mit den übrigen Zutaten gut verquirlt über die Speise gegossen und nach Belieben etwas Zucker obenauf gestreut. Man bäckt etwa eine Stunde im Ofen, gibt beim Aufträgen den mit etwas Kartoffelmehl gedickten Stachelbeersaft dazu.
Erbsen-Möhren-Salat: Zarte junge Erbsen werden ausgehülst, gewaschen und mit einer Kochmayonnaise gemischt. Man kann noch rohe fein- geriebene Möhren daruntergeben.____________
muß, ob das Kind öfters lügt.
Um gleich richtig Stellung nehmen zu können, mutz die Mutter in erster Linie nachspüren, war- u m das Kind gelogen hat. In den meisten Fällen wird sie vom Kind selbst die Antwort erhalten: „Ich weiß es nicht!" In einem solchen Fall ist kein Grund zu mütterlicher Besorgnis. Allerdings muß diese erste unbewußte Lüge sofort zum Anlaß genommen werden, dem Kind den Begriff unbedingter Wahrhaftigkeit nahe zu bringen und ihm das Häßliche und Schlechte einer Lüge klarzumachen.
Es gibt aber auch eine große Anzahl phantasie- begabter Kinder, die z. B. ein Erlebnis entstellt erzählen, weil sich das Geschehene in ihrer lebhaften Gedankenwelt längst verwandelt hat. Es gibt ja auch Erwachsene, die unfähig sind, Tatsachen ohne Ausschmückung wiederzugeben. Es gibt dafür die berühmte Geschichte aus dem juristischen Kolleg, bei dem von dem Professor ein Streit konstruiert wurde. Als er seine Studenten dann veranlaßte, das eben Erlebte zu schildern, hat keine Schilderung mit der anderen übereingestimmt. Solch ein phantasiebegabtes „Flunkern" ist auch nicht ttagisch zu nehmen. Aber auch hier sollte die Mutter versuchen, das Hebel gleich im Anfang zu bekämpfen. Denn auch dieses unbewußte, phantasievolle Lügen ist eine große Gefahr für das spätere Leben.
Wenn dagegen das Kind ganz bewußt die Mutter angelogen hat, um sie irrezuführen oder um sich einen Vorteil zu verschaffen, sei es nun aus Angst vor der Strafe oder anderen Heberlegun- gen, dann kann sich die Mutter nicht ernsthaft genug mit ihrem Kinde beschäftigen. Das Mittel der Strafe, und zwar einer empfindlichen Strafe, ist natürlich das einfachste, aber es wird in den wenigsten Fällen Erfolg haben, im Gegenteil, Kinder, die bewußt lügen und schon oftmals auspröbiert haben, wie wirkungsvoll lügen fein kann — es ist ja nicht


