Ausgabe 
11.7.1940
 
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3m Mchttingsflrom mitten in der fliehenden Armee

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Aus einer amtlichen Verlautbarung, die am Mitt-

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London lügt in sieben Sprachen.

Berlin, 10. Juli. (DNB.) Einen neuen Beweis über die Verlogenheit der englischen Berichterstat­tung bildet die durch Reuter verbreitete Nachricht, daß Großadmiral vr.k.c.Raeder am 6. Juli in Italien eingetroffen fei, um dort eine Kontrolle über die italienische Marine auszuüben. Der Londoner Rundfunk verbreitete diese Nachricht in sieden Spra-1 chen durch den Aecher. Einige Stunden später hörte die ganze Welt anläßlich des triumphalen Einzuges des Führers in der Reichshauptstadt, daß zu fernem Empfang u. a. Großadmiral Raeder erschienen war. Kurz darauf hatte die ganze Welt schwarz auf werb den Beweis in fänden in Gestalt der durch Bild­funk der ganzen Weltpresse übermittelten Aufnah­men, die den Großadmiral neben dem Führer auf dem Balkon der Reichskanzlei zeigten.

Katastrophaler Aluminium-Mangel in England.

Stockholm, 10. Juli. (Europapreß.) Die M e. tallverknappung, insbesondere der große Mangel an Aluminium zur Flugzeug- h e r st e l l u n g, macht sich in zunehmendem Maße in England bemerkbar. DieGöteborger Handels­und Schiffahrts-Zeitung" berichtet am Mittwoch über einen verzweifelten Aufruf des Mi­nisters für Flugzeugproduktion, Lord Beaver- brook, der sich besonders an alle Hausfrauen Englands richtet. In dem Aufruf wird dazu aufge­fordert, alles Aluminium, ob es für den Haushalt zu entbehren ist oder nicht, sofort abzuliefern.Wir brauchen das Aluminium", so ruft Lord Beaver­brook aus,und zwar sofort. Wir müssen Haar­spangen, Küchentöpfe, Kleiderbügel, Zigarettenetuis, Staubsaugerteile und Eierpfannen in Hurricane, Spitfire, Wellington und Blenheim-Maschinen ver-

Hauvtlchrtstletter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter d« Lauvti chU Uleiters: Heinrich Ludwig Neuner. Verantwortlich für PolM. Feuilleton und Bilder: Dr. Fr. W. Lange: für Stadt Gießen Provin» nnd Wirtschaft: Ernst Blumschein (beurlaubt); t. B.: Heinrich Ludwig Neuner; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner.

Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange ÄJK ~ * Erich Hamann: W»etaeuletter: firntl halt der An,eigen: r-oobor-üvmm

Vor Pithiviers wurden wir zum erstenmal von Fliegern in sehr niedriger Höhe überflogen. Ich konnte die Farben eines deutschen Flugzeuges deutlich er­kennen. Die Soldaten eilten feldeinwärts und legten sich zur Erde. Einige Flüchtlinge krochen unter die Kanonen und Militärkraftwagen. Die meisten rührten sich nicht von der Stelle, denn es war ein Dmg der Unmöglichkeit, aus den Schlünden der verpackten Autos herauszukommen oder von den berghoch ver­stauten Bauernwagen herabzuklettern. Die Flieger schienen dieses einfach unvorstellbare Drama zu beobachten. Drei-, viermal kamen sie wieder. Es fiel weder eine Bombe noch ein Schuß. Einige Soldaten mahnten uns zur Vorsicht. Ein Unteroffizier fügte hinzu, die Deutschen müßten ja wahnsinnig fein, mit Rücksicht auf uns Zivilisten eine ganze Armee ruhig zum Loirefluß ziehen zu lassen, um sie dort Aufstellung nehmen zu lassen.

Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich, daß seit 24 Stun­den Paris zuroffenen Stadt" erklärt wurde. Diese Nachricht lief wie an einer Zündschnur durch die Flüchtlingskolonnen. Vor zwei Tagen hieß es in Paris:Sauve qui peut!" Rette sich, wer kann! Paris wird Haus um Haus verteidigt werden. Zwei Millionen Pariser wurden auf die Straßen Frank­reichs hinausgepeitscht. Heute ist Paris eine offene Stadt. Ich sah manche geballte Faust. Viele Mütter weinten. Soldaten verteilten etwas Brot und Büchsenmilch an die Kinder. Ein Autler bot mit 1000 Franken für 10 Liter Benzin. Ich hatte selbst nur noch 4 Liter hn Wagen. Fortsetzung folgt.

Der Bericht eines Augenzeugen.

Biele Berichte und Bilder haben das namcn- lose Flüchtlingselend, daS die Kriegserklärung der französischen Regierung vom 3. S. 1939 jetzt über daS französische Volk brachte, eindrucksvoll geschildert.

Die vorliegenden Aufzeichnungen eines Au. genzeugen, der in dem Strom der Millionen­flüchtlinge, mitten in einer fliehenden Armee, trieb, enthalten die erschütterndste Anklage, die bisher gegen die Folgen der Politik der Kriegs. Hetzer erhoben worden ist.

I.

men worden sei.

Oie Verbannung des Herzogs von Windsor.

Deutsche Frauen und Kinder mißhandelt.

Unmenschliche Behandlung in französischen Konzentrationslagern.

kräfte überfielen das im Hafen von Dakar (West­afrika) liegende französische 35 000 Tonnen große SchlachtschiffRichelieu",, dessen Bau gerade beendet war und das das modernste und mächtigste Kriegs­schiff der Welt war, und schossen es kampfunfähig.

Oer englischeRaub französischer Schiffe

läufiges Wort mit acht Buchstaben.

Als die Nacht hereinbrach, sagten sich alle Leute Du. Ich werde ein Schinkenbrot verschlingen, das letzte, und mich bann in das Kornfeld legen. Meine Frau will mit dem Hund im Wagen bleiben. Um mei­ner Gattin zu beweisen, daß ich trotz aller Strapazen und Enttäuschungen den Kopf nicht verliere, erklärte ich ihr soeben, daß sie endlich Gelegenheit habe, das Geheimnis -einer Juninacht in freier Natur zu er­leben. Ich zeigte ihr den Widerschein der unter­gegangenen Sonne (es ist unterdessen 10 Uhr öorbei) und empfahl ihr, aufzupassen, wie sich gegen 2 Uhr nachts die letzten Schimmer des fortgegangenen Tages mit dem ersten Lichte des Morgens am Firma­ment vermischen. Nach einer halben Stunde brach ein furchtbares Gewitter aus. Der Regen goß. Die Nacht war schwarz wie eine Dunkelkammer. Die Militär- transporte hörten die ganze Nacht hindurch nicht auf. Ich hatte mich in den Wagen gerettet und war am Steuer eingeschlafen.

In Kanada ist am Dienstag mitgeteitt worden, daß sich gegen hunderttausend kanadische Familien bereiterklärt haben, Kinder aus England aufzuneh­men. Die Anzahl der nach Kanada zu bringenden iglischen Kinder wird, wie in London erklärt wird, is Grund dieser Mitteilung erhöht werden.

Der französische Vertreter in Lissabon ist von der Regierung Pstcttn, wie aus Dichy gerneDet wird, eines Amtes enthoben worden, weil er den Anord­nungen der Regierung nicht nachgekommen ist. Bis zur Ernennung seines Nachfolgers wird Frankreich A Lissabon durch einen Geschäftsttager vertreten ein.

tuschen Westküste von c------ - . ,

Flugzeug bombardiert und versenkt worden. Nur mit Mühe habe sich die vierköpfige Besatzung in einem Rettungsboot über Wasser halten können, bis sie von einem anderen Kutter aufgenom-

Kleine politische Nachrichten.

, Giornale d'Jtalia" meldet aus Bern, daß die italienische Waffenstillstandskommlssion m Toulon angekommen ist. Die Kommission fei beauftragt, mit den französischen MarineMerstandig^ die Anwendung der Klauseln des Waffenstillstandsver- träges zu regeln. *

In kurzer Zeit sollen zwei weitere Bataillon der Royal Ulster Ristes und der Royal Irish Füsiliers nach Nordirland entsandt werden. Die Verstärkungen. der nordirischen Truppen erfolgen im Zuge der eng­lischen Maßnahmen zur Abwehr der in England mit so großer Furcht erwarteten deutschen Invasion in Südirland. *

Der frühere Verteidigungsminister der Südafri­kanischen Union Pirow sprach in Bloemfontein Er forderte den Abschluß eines Separatfriedens mit Italien und Deutschland und hob hervor daß die südafrikanischen Probleme nur gelöst werden konn­ten durch eine Auflösung aller Bindungen mit Eng­land und die Wiederherstellung der Unabhängigkeit der Union.

Rumänien macht Front gegen die Men. Bukarest, 10. Juli. (DNB.) Der rumänische Ministerrat beschloß am Dienstag, Amtliche Juden aus dem o f f e n t l l ch e n D i e n st zu entla sen. Besonders bei der Sozialversicherung, bei den Staatsbahnen und dem Finanzministerium war es in den letzten Jahren zahlreichen Juden ge­lungen, sich gut bezahlte Posten 3" verschaffen.

Obwohl der Direktor des bekannten, in ftanzo- sischer Sprache erscheinenden Bukarester indischen HetzblattesLe Moments Alfred Hefter die Leitung dieser Zeitung niedergeleg hatte^ sah sich die Regierung dennoch veranlaßt, dieses Blatt nun mehr als drittes unter den Bukarester Zeitungen endgültig einzustellen. Dagegen fand bei der eben­falls in französischer Sprache erscheinendenJndö- pendance Rournaine", dem Organ der ehemaligen Liberalen Partei, bloß ein Wechsel m der Leitung statt. Der bisherige Direktor, der Jude Berko­witz, schied aus. An seine Stelle tritt der rumä­nische Schriftsteller Taosan,

ftadt. ...

Schon an der Porte d'Jtalia wurde ich von emer Flut von vielleicht 50000, vielleicht 100000 Auto­mobilen erfaßt und mitgeschwemmt. Zwischen 1 Uhr nachmittags und 2 Uhr nachts, also innerhalb von 13 Stunden, bin ich gut zwanzig Kilometer vorwärts gekommen. So kam ich mit vielen anderen auf diese Wiese.

Der Morgen graut. Um mich her eine Art Wallen­stein-Lager. Soweit ich schauen kann, Automobile. I Viele Dutzende mit der Bauchseite nach oben, die vier Räder wie bittende Arme gegen den milchblassen Himmel hinaufstreckend. Kinder schreien, Männer spucken und fluchen. Nicht weit entfernt von mir sitzt eine junge Dame mit weißen Handschuhen. Das schwarze Seidenkleidchen, durchnäßt vom Regen und Tau, klebt an der Haut. Im Halbdunkel erscheint mir ihr Gesicht wie em streifenbemalter Jndianerkops. Ich nähere mich. Es ist nur das Rot der Lippen und das Schwarz der Augenbrauen, die sich infolge der Nässe aufgelöst haben und nun über Wangen und Hals heruntertropfen. Eine von hunderttausend Pariserinnen, die gestern überstürzt Modeatelier und Ladentisch verlgssen haben.

Rom, 10.Juli. (Europapreß.) Der italienische Rundfunk berichtet aus englischen Kreisen in Lissa­bon, daß die Ernennung des Herzogs von Windsor zum Gouverneur der Bahama-Jnseln den Anschein einer Verbannung des Her­zogs habe. Die Entsendung des Herzogs auf Die Bahama-Jnseln bedeute, daß seine Rückkehr nach England zur Teilnahme am politischen Leden des Staates nun als ausgeschlossen zu gelten habe.

Ich kenne diese mit alten Pappeln begrenzte Straße. Sie führt über Pithiviers nach Malesherbes, von dort zur Loire in Richtung Orleans oder Sully. Sie stammt aus der napoleonischen Zeit und durch­schlängelt die Landschaft des Loret, die sich in der Abendsonne in majestätischer Schönheit rings umher ausbreitet. Die Ackerkrume riecht wie frischgebackenes Brot. Ein Schwarm Stare, wie eine in die Luft ge­worfene Hand voll Lumpen, fliegt über das Kornfeld südwärts. Da liegen wir nun festgenagelt. Rechts eine Schlange Fküchtlingsaittos, links ein endloser Militär­transport. Bis wohin reichen Schlange und Trans­portzug? Rückwärts sicher bis Paris, der Loire zu ohne Zweifel bis Malesherbes, vielleicht gar bis Orleans, zum Kuckuck, vielleicht bis Biarritz oder Pau.

es heißt: _ ... ~

Dichy gleicht einem großen Lager für Kara­wanen. Es ist überfüöt mit Regierungsbeamten, Diplomaten und Parlamentariern, die von allen Seiten ankommen, um an der Nationalversamm­lung teilzunehmen. Dazu kommen die Tausende von Flüchtlingen, die hier Zuflucht gesucht haben Die Parlamentarier sind hierhergekomemn, um vielleicht ihre eigene Abdankungsurkunde zu unterzeichnen und mit dem Trauerband um den Hut den Leichen- ' feierlichketten eines Regimes des Versagens, der t Bequemlichkeit und der Seichtheit beizuwohnen, das - für das Schicksal des Vaterlandes so verhängnisvoll gewesen ist. Bei der Menge erfreuen sich die Par­lamentarier keiner großen Hochachtung. Unter ihnen wird besonders L6on Blum aufs Korn genommen, so daß dieser, um weiteren Zwi­schenfällen zu entgehen, vorsichtshalber das Zimmer hütet. Die in parlamentarischen Kreisen bereits dis­kutierte Anregung auf Einsetzung eines Unter­suchungsausschusses zur Festsetzung der Ver­antwortlichen für die Niederlage Frankreichs hat Eindruck gemacht. Es gilt in informierten Krei­sen als sicher, daß diese Anregung vor das Patta- ment ober die Nationalversammlung kommt. Be­mühungen gewisser Persönlichkeiten sich bereits im voraus rein zu rbaschen, sind offensichtlich.

Donnerstag, den 13. Juni. Es ist 9 Uhr abends. Wir sind in Bettegarde, also etwa 90 km südlich Paris. Seit heute morgen 5 Uhr haben wir ungefähr 150 km zurückgelegt. Wir sind wie Irrsinnige in dem Viereck: Melun-Etarnpes-Bellegarde-Montargisim Zirkelkreis herurngefahren. Hunderttausend Mäuse m einer Falle. Unmöglich, aus diesem Geviert einen Weg nach Süden zur Loire zu finden. Die Sonne brannte wie toll. Nichts zu essen, nichts zu trinken, nichts zu rauchen. Keine Minute das Wagensteuer aus der Hand. Der Autler, der einen Augenblick einen Platz verließ und unglücklicherweise in dem Moment als der unaufhörlich wachsende Flüchtlings­trom 100 m vorwärts rollte, wurde auf die Sette geschoben. An ein Weiterfahren konnte er nicht mehr denken. Wer aus der Reihe war, galt als tot. Wer ver­suchte, sich seitwärts wieder in die Reihe zu schieben, lief Gefahr, gelyncht zu werden. Zur Vorsicht wurden ihm die Reifen zerschnitten. Der Gedanke, eine Wa­genlänge zu verlieren, war für diese hunderttausend kopflos gewordenen Menschen vöttig aus dem Bereich des Möglichen gerückt. In einer Stunde habe ich 60mal den Wagen angedreht und 60mal den Kontakt ausgeschaltet. Benzin war kostbar wie Blut. Während dieser 150 km Tarantella waren wir ununterbrochen mit einem Rad auf der Straße. Das andere schwebte irgendwo über der Böschung. Ich wußte gar nicht, daß ich Kunstfahrer war. In beiden Richtungen auf der Straße Militärtransporte. Ich schätze die Masse der Militärzüge, die sich an uns vorbeiwälzten, auf 5 bis 6 Divisionen. Einige Soldaten, mit denen ich gegen Abend bei Pithiviers ins Gespräch kam, er­klärten mir, daß es sich um zwei im Rückzug befind­liche Armeen handele. Wahrscheinlich wird Pans doch nicht ernstlich verteidigt; aber Weygand nimmt hinter der Loire feste Stellung.

In diesen Augenblicken hat man bann plötzlich das Gefühl, baß irgenb etwas passieren muß. Meistens passiert bann auch etwas. So war es auch auf ber Straße nach Pithiviers. Von hinten her Stimmen, Befehle. Viele brehen schon ben Wagen um. Ich auch. Die Befehle kommen näher: Es sinb Offiziere. Sie orbem uns auf, bie ganze Straße sofort freizugeben. Wo sotten wir benn hin um Himmelswillen? Es gibt kein Pardon. Alle Lastkamele müssen von der Chaussee. Wer die Böschung nicht packt, bleibt eben im Graben liegen, bis der Krieg vorbei ist. Achsen brechen, Reifen platzen; das kracht wie Kanonenschüsse. Ich komme haarscharf an meiner Pappel vorbei. Nach emer Stunde ist unser Straßenabschnttt frei. Ein Auto auf zehn ist bei dieser Operation außer Dienst gesetzt. Die Unglücklichen packen aus, setzen sich in das Korn­feld und essen.

Was nun? Wahrscheinlich werden wir bie ganze Nacht hier verbringen müssen. Gewaltige Truppen­transporte rücken heran. Schwere unb leichte Ge­schütze, Infanterie, Maschinengewehre, Feldküchen, Neger, Marokkaner, Fliegerabwehr, Tanks, Santtäts- folonnen ... wohin werden diese Divisionen geleitet? Nach Paris? Die Straße mündet in östlicher und west- sicher Richtung auf die großen Zufahrtsstraßen zur Hauptstadt. Man wird also das unglaubliche Ver­brechen begehen und Paris verteidigen! Ein kalter Schauer durchzittert mich. Meine Frau neben mtr drängt mich, einen Soldaten zu fragen. Ich tue das. Seine Antwort war ein auch unter Soldaten ge-

3rianb Ml an feiner Neutralität fest.

Neuyork, 10. Juli. (DNB.) DieNew York Times" veröffentlicht ein Interview ihres Dubliner Korrespondenten mit b e Valera, in dem sich Die­ser gegen ein Verteidigungsbündnis mit England wendet und feststellt, daß Irland kein Verlangen habe, die Angriffsbasis irgendeiner Macht gegen eine andere zu werden. Irland werde feine Neuttalität bestimmt nicht aufgeben, aber einem Angriff widerstehen, von welcher Seitt er auch komme. Der von England geäußerte Vorschlag, Irland uttd Nordirland sollten gemeinsam zu ihrer Verteidigung rüsten, verdiene keine Beachtung, so lange das nordirische Parlament die Befehle Eng­lands annehmen müsse, anstatt dem irischen Parla­ment angeschlossen zu sein.

Woodring gegen eine Intervention.

Neuyork, 10. Juli. (Europapreß.) Der frühere Kriegssekretär Harry Woodring warnte m einer über den Rundfunk verbreiteten aufsehenerregenden An­sprache das amerikanische Volk vor den fahren einer Intervention. Woodring betonte, daß er immer gegen eine Intervention gewesen fei unö auch bleiben werde. Er fühle sich als em Anwalt der Heraushaltung der USA. aus dem Krieg.

Die Ansprache Woodrings, der nach emer sieben­jährigen Regierungszugehörigkeit sich weigerte,. den von ihm als verhängnisvoll ernannten Jnterventtons-

Blamage des englischen Gesandten in Bukarest.

Bukarest, 10. Juli. (DNB.) Der englische Ge­sandte in Bukarest hatte vor einigen Tagen wegen der Ausweisung von 47 Engländern im Petroleum­gebiet eine Protestnote an die rumänische Re­gierung gerichtet, bie in sehr scharfen Ab­drücken gehalten war. Der Gesandte drohte mit der Abreise, wenn die Ausweisung nicht rückgängig gemacht würde. Die rumänische Regie­rung antwortete, daß die Ausweisung eme sehr milde Maßnahme darstelle, da sich unter] den Engländern Leute befänden, die sich gegen die Sicherheit des rumänischen Staates vergangen hat­ten und vor ein Kriegsgericht gehörten.

Der englische Gesandte ist daraufhin nicht abge­reist, sondern hat die rumänische Erklärung zur Kenntnis nehmen müssen. In politischen Kreisen herrscht die Auffassung, daß der Gesandte mit seiner Drohung seine Befugnis überschritten habe, wofür er jetzt diese Blamage einstecken mußte.

Brüssel, 10. Juli. (DNB.) Mehrere hundert Frauen und Kinder, die zu Beginn des Feldzuges im Westen in die südfranzösischen Konzentrations­lager verschleppt worden waren, sind jetzt wieder m Brüssel eingetroffen.

Unter ihnen befinden sich 55 reichsdeutsche Frauen und Kinder, die im Lager von Gurs in den Pyre­näen festgehalten worden waren. Sie berichten über die unglaubliche und unmenschliche Behandlung, die ihnen dort zuteil wurde. Unter ben Gefangenen be­fanden sich selbst kleine Kinder im Alter von em und zwei Jahren, schwangere Frauen sowie Grei­sinnen von über 70 Jahren, die ohne jede Rücksicht mitge chleppt worden waren. Schon vor der Ab­fahrt von Brüssel wurden den Frauen alle Schmuck­stücke unb Wertsachen abgenommen.

Sie wurden dann in Viehwagen auf einer acht­tägigen Fahrt nach Gurs gebracht. Einigen Frauen, die unterwegs schwer erkrankten, wurde von den Franzosen jede ärztliche Hilfe verwei­gert. Mehrere Tage lang waren sie völlig ohne Wasser und ohne Nahrung. Als eine der Frauen nach Wasser verlangte, wurde ihr von dem Gendarm ein Fußtritt in den Leib versetzt. Mehrere Male wurden sie mit Er­schießungen und Verstümmelungen bedroht.

Während der ganzen Fahrt waren in ledern Der

fürs mitzusteuern, findet in politischen Kreisen Neu- yorks große Beachtung.

Stimmungsbild aus Vichy.

Parlamentarier wenig beliebt.

Genf, 10. Juli. (DNB.) Aus Dichy gibt der PetitDauphinois" ein Stimmungsbild, in dem

daurepublik (am linken Ufer des Dnjestt mit der Hauptstadt Tiraspol) vereinigt und in den Rang einer Bundesrepublik erhoben werden soll.

Weihestunde der deutschen Studentenschaft in Langemarck.

Brüssel, 9.Juli. (DNB.) Am Ehrenmal ber deutschen Jugend auf dem Studentenfriedhof in Langemarck sand eine Wechestunde der deutschen Studentenschaft statt. Neben einer Abordnung der Reichsstudentenführung beteiligten sich an be^Jjerey ber stellvertretende Landesaruppenleiter der NoDAP. und Mitglieder der Brüsseler Botschaften Italiens und Spaniens, sowie der flandrischen Studenten- ^Nach einer Ansprache des Vertreters der Reichs- studentenführung Dr. W i l k e n i n g wies Der stell- vertretende öanbesgruppenleiter K o ch in einer An­sprache auf die Bedeutung Langemarcks für Deutsch­land und das Deutschtum im Auslände hin. Er be­tonte daß Die Deutschen in Belgien wahrend acht langer Kriegsmonate als Vorposten der Heimat itt Belgien gestanden hätten. Mit dem 10. Mai sei die Stunde höchster Erfüllung und höchster Bewährung gekommen. Die verwundeten und verstümmelten Männer, Frauen und Kinder der Angehörigen der Landesgruppe seien tapfer wie Soldaten gewesen, und ihre Toten seien auf dem Felde der Ehre get fallen wie einst die Männer in Langemarck.

Viehwagen 55 bis 60 Frauen und Kinder, die nicht einmal genügend Platz zum Sitzen oder Liegen hat­ten, zusammengepfercht. In einem der Zwischen­lager in Südfrankreich verlangte eine Frau, die ein Kind erwartete, die Hilfe des Roten Kreuzes. Dar­auf wurde ihr geantwortet:F ü r deutsche Frauen ift bas Rote Kreuz nicht da."

Im Lager von Gurs wurden die deutschen Frauen und Kinder nach einiger Zeit von den übrigen Ge­fangenen, unter denen sich auch viele Belgierinnen befanden, getrennt und in einer Strafbaracke unter­gebracht. Unter fürchterlichen hygieni­schen Zuständen mußten sie mehrere Wochen in dieser Strafbaracke, die halb im Sumps stand, und völlig verschmutzt war, verbringen.

Hauptschuldige verhaftet.

Brüssel, 11. Juli. (DNB. Funkspruch.) Der frühere oberste Militärrichter G a n s h o f v a n d e r Meer sch, sowie der ehemalige Direktor ber bel­gischen Sicherheitspolizei, d e F o y sind verhaftet und ins Gefängnis gesetzt worden. Die beiden Per­sönlichkeiten werden von der belgischen Bevölkerung und der Presse als zwei der Hauptschuldigen für Die Verhaftungen und Mißhandlungen von Tausenden deutschen, italienischen, belgischen und anderen Staatsangehörigen bezeichnet.

Stockholm, 10.Juli. (Europapreß.) Die Ein­reihung des französischen OzeandampfersPasteur in die englische Handelsflotte nicht nur seine Be­schlagnahme wird in London bestätigt durch die Mitteilung, diePasteur", die im Hasen von Halifax liege, habe die englische Flagge gehißt. Was end­gültig mit dem 43 000 BRT. großen DampferJsle de France" geschehen wird, steht noch nicht fest. An­ordnungen der englischen Regierung, durch die die französische Besatzung von englischen Matrosen ab­gelöst und' das Schiff in englische Dienste eingereiht

W roer5>Cn in SiT"US ß°nt,On CT= I Mittwoch, ben 12. Juni. - Vier Uhr morgens.

' .. Ich sitze hier auf einem burchregneten Heuhaufen

Schwedischer Fischkutter mitten auf einer Wiese. Wie ich ben Wagen in dieser

He_ stockfinsteren Gewitternacht über 200 Meter felb-

vvn englischen <)0N1verN versenrr. einwärts gebracht habe, weiß ich überhaupt nicht S t o ck h o l m , 10. Juli. (Europapreß.) Ein neuer mehr. Es gibt also boch einen Gott für schlaftrunkene Uebergriff britischer Luftstreitkräfte auf einen schwe- Autofahrer. Gestern, Dienstagnachmittag, gegen bischen Fischkutter wird am Mittwoch von derGote- i Uhr, habe ich Paris verlassen. Die Ausfahrt aus borger Handels- und Schiffahrts-Zeitung" gemeldet. Paris war furchtbar. An ber Porte b'Jtasia begann Danach ist vor zwei Tagen der FischkutterChri-1 schon bas Drama. Stellenweise können auf biefer ftine" in der Nähe der Insel Tybor an ber schwe- herrlichen Straße nach Fontainebleau 8 Wagen einem englischen nebeneinanber fahren. Es fuhren zehn, zwölf neben- *' einanber. Wie, bas kann ich nicht erklären. Ost stießen zwei unb auch brei Automobile so heftig zusammen, baß sich Kotflügel unb Achsen ineinanber verbogen unb bie Wagen bann als Zwillinge ober Drillinge die Fahrt gemeinsam fortsetzten. Jebes Auto glich einem Lastkamel. Oben auf ber Wagenbecke aufge- bunben: Matratzen, Koffer, Kinberwagen, Fahr­räber, Klappstühle, Ersatzreifen, Benzinkannen usw. Vorn auf bem Kühler, links unb rechts auf ben Kotflügeln, hinten über bem Wagenkoffer: Körbe, Giften, mit ganz unnötigen Dingen vollgestopfte i Säcke, Nähmaschinen, Spielzeuge, Hunbe-, Katzen- unb Vogelkäfige unb im Innern bes Wagens, lebenbtg begraben in einem Wust von Schachteln, Paketen unb Bettdecken: die Menschen, lieber zwei Millionen Einwohner verlassen so seit zwei Tagen bie Haupt-

44.U3 SHIH , " , , . , , , ÄJHIU UUU

woch in allen Moskauer Blattern erscheint, geht Betfag^ter: h-rvor, daß Bessarabien mit der autonomen Mol-j Oewmtttwm